DasRömische Reich in seiner größten Ausdehnung beim Tod KaiserTrajans 117 n. Chr. Die ProvinzenArmenia,Assyria undMesopotamia standen allerdings nur wenige Jahre unter römischer Kontrolle.
Die vonAugustus ausgehendeNeuordnung des Staatswesens, die denPrinzipat begründete, bildet den unbestrittenen Auftakt der kaiserzeitlichen Epoche. Ihr Ende dagegen kann mit jeweils plausibler Begründung unterschiedlich datiert werden. Vieles spricht aber dafür, den Wandel des Herrschaftssystems unterDiokletian und die HinwendungKonstantins des Großen zumChristentum, also die Jahre um 300, als den Endpunkt der „klassischen“ Römischen Kaiserzeit zu betrachten, da sich damals eine Reihe von grundlegenden Veränderungen vollzog.Althistoriker verstehen unter der „Kaiserzeit“ daher heute normalerweise nur die Epoche des Prinzipats zwischen 27 v. Chr. und dem Ende derReichskrise des 3. Jahrhunderts im Jahr 284 n. Chr.[1]
An diesen Epochengrenzen orientiert sich der vorliegende Artikel. Zwar gab es auch nach 284 noch römische Kaiser (imWesten bis 476 und imOstreich noch lange danach), sie herrschten in der Spätantike aber in einem stark veränderten Umfeld (siehe dazu auchEnde der Antike).
Die Römische Republik befand sich in den letzten hundert Jahren ihrer Existenz, seit den Reformversuchen derGracchen, in einer Phase des permanentenBürgerkrieges. Octavian, der seit 27 v. Chr.Augustus genannt wurde und sowohl Großneffe als auch AdoptivsohnGaius Iulius Caesars war, hatte im Machtkampf im Anschluss an Caesars Ermordung zunächst dessen Mörder überwunden und anschließend seinen ehemaligen Kollegen imTriumvirat,Marcus Antonius, der angeblich gemeinsam mitKleopatra von Ägypten aus ein hellenistisches Königreich zu errichten drohte, bei Actium 31 v. Chr. besiegt. Augustus legte dann im Januar 27 v. Chr. seine im Bürgerkrieg errungene Alleinherrschaft vorgeblich nieder, doch ließ er sich dafür den Oberbefehl über die Legionen der Grenzprovinzen verleihen und periodisch erneuern (imperium proconsulare maius), was künftig zusammen mit dertribunicia potestas die formale Basis des Kaisertums war (siehePrinzipat). Damit gelang ihm dieVerrechtlichung seiner Macht.
Propagandistisch legitimierte er seinen Herrschaftsanspruch durch öffentliche und private Bauvorhaben, Schenkungen an dieplebs, die Einbindung seiner Person in den beginnendenKult und die Verherrlichung des durch Beendigung der Bürgerkriege erreichten inneren Friedens in Architektur(Ara pacis) und Dichtung, die ihre klassische Blütezeit erfuhr (Vergil,Horaz,Ovid). Eine Blütezeit und nachhaltige Bedeutung erlangte auch dasrömische Recht, das mit der Begründung vonRechtsschulen einen differenzierten wissenschaftlichen Betrieb aufnahm. In derklassischen Jurisprudenz wurden sowohlmethodische als auchdogmatische Grundlagen entwickelt (Labeo,Gaius,Pomponius,Julian,Paulus,Ulpian,Papinian), die über die Zeit hinausreichend, umfangreichrezipiert undweiterentwickelt wurden, sodass sie Bedeutung noch für die Gegenwart haben. Den durch Bürgerkriege und Proskriptionen, später auch durch Umstrukturierungen kraft des Zensorenamtes personell stark veränderten Senat hatte Augustus durch Begünstigungen auf seine Seite gezogen: DieNobilität wurde weitgehend entmachtet, behielt aber ihre herausgehobene soziale Position. Unter Ausschöpfung des verfassungsrechtlichen Spielraums hatte Augustus somit als erster Bürger Roms(princeps) die permanente Alleinherrschaft gewonnen und dabei den Fehler seiner Vorgänger vermieden, in den Verdacht zu geraten, die verhasste Königsherrschaft wiederherzustellen bzw. eine Tyrannis zu errichten. In seinem Tatenbericht(Res Gestae Divi Augusti) nennt Augustus sich an Ansehen (auctoritas) überlegen, an Amtsgewalt seinen Kollegen jedoch gleichgestellt. Dies war angesichts der Sondervollmachten und Machtmittel desprinceps zwar eine Lüge, doch bildete diese Fiktion 300 Jahre lang die ideologische Basis der römischen Monarchie.
Die Stadt Rom wurde ihrer politischen Bedeutung entsprechend architektonisch und administrativ neu gestaltet, wie durch Herrschaftsanlagen, Tempelpflege,Spiele, Bäder sowie die Einrichtung einer Feuerwehrtruppe und einer mit polizeiähnlichen Aufgaben betrauten städtischen Garde, deren Oberbefehlshaber eine Art kaiserliche Stellvertreterposition einnahm. Auf sozialem Gebiet versuchte Augustus weitgehend erfolglos den Mitgliederrückgang der altadligen Patrizierfamilien durch verschärfteEhegesetze zu lösen. Unter Augustus wurde das Reich auch durch formale Provinzialisierung vonÄgypten und Eroberungen in der Alpenregion, Nordspanien sowie auf dem Balkan erweitert. Die Expansion in germanische Gebiete war bald nach der Niederlage des Varus im Jahre 9 abgeschlossen; die Gebiete zwischen Rhein und Elbe wurden nicht provinzialisiert, sondern von den Römern nur indirekt kontrolliert.
Seinen Stiefsohn und späteren AdoptivsohnTiberius (14–37 n. Chr.), einen in die Ehe mitgebrachten Sohn seiner FrauLivia, schloss Augustus wohl zunächst von der Thronfolge aus (wenngleich das Kaisertum formal nie erblich war), da er ihm wichtige Ämter verweigerte. Augustus hätte einen blutsverwandten Nachfolger bevorzugt. Tiberius ging schließlich ins zeitweilige Exil nachRhodos, um nicht beseitigt zu werden. Erst nach dem Tod von Augustus’ Neffen Marcellus, des zeitweilig zum Erben designierten FeldherrnAgrippa sowie der beiden EnkelGaius undLucius bestimmte Augustus Tiberius zum Nachfolger. Mögliche Zweifel an seiner Legitimation versuchte Tiberius durch demonstratives Zögern bei der Übernahme der mit dem Prinzipat verbundenen Ehren im Senat auszuräumen. Dennoch war das Verhältnis zwischen Kaiser und Senat gestört, so dass diesenatorische Geschichtsschreibung Tiberius als Tyrannen schildert. Seine grausamen Charakterzüge sollen während seiner späten Regierungsjahre hervorgetreten sein, die durch angeblichen Hochverrat des PrätorianerpräfektenLucius Aelius Seianus und die anschließenden Prozesse geprägt waren; die moderne Forschung hat dieses negative Bild in großen Teilen berichtigt.
Ein noch negativeres Bild zeichnen die Geschichtsschreiber vom dritten KaiserCaligula (37–41), auf dem nach Tiberius’ Tod große Hoffnungen ruhten, der aber, möglicherweise wegen seiner demonstrativen Hinwendung zum orientalischen Königtum, nach seiner Ermordung der Auslöschung des Andenkens verfiel und in der Historiographie als psychisch gestörter Sadist dargestellt wird. Die scheinbar pathologischen Handlungen Caligulas, der angeblich auch sein LieblingspferdIncitatus in den Senatorenstand erheben wollte, werden in der modernen Forschung oft als Demütigungsrituale des nach Absolutismus strebenden Kaisers verstanden.
Claudius (41–54) war zunächst wegen sichtbarer körperlicher Behinderungen zugunsten Caligulas übergangen worden, war aber nach der Senatsrevolte, die zur Ermordung des Tyrannen führte, einziger legitimer Kandidat. Die Historiographie schildert ihn als introvertierten, seines hohen Amtes kaum fähigen Regenten, der sich geistigen Interessen hingab. In der modernen Forschung wird seine Regierung als eher erfolgreich bewertet, vor allem weil er die Grenzen stabilisierte und die Expansion zu einem Abschluss brachte. Kunstgeschichtliche Forschungen betonen die Einseitigkeit des überlieferten Bildes.
Ähnlich wie Caligula galt auchNero (54–68), der durch seine ehrgeizige MutterAgrippina intrigant zur Nachfolge geführt worden war, zunächst als Hoffnungsfigur. In den ersten fünf Regierungsjahren, die in der zeitgenössischen Literatur mit dem augusteischen Begriff des goldenen Zeitalters gewürdigt wurden, stand der jugendliche Nero unter dem Einfluss seines Erziehers, des PhilosophenSeneca. Nero wird in der Historiographie als Tyrann und leidenschaftlicher Schauspieler dargestellt, der seine Mutter tötete. Nach der anschließenden Pisonischen Verschwörung mussten sich unter anderem Seneca,Lucan undPetronius das Leben nehmen. Nero wiederum wurde durch den Senat, der ihn zum Staatsfeind erklärt hatte, zum Selbstmord gezwungen. Er verfiel der senatorischen Verurteilung, so dass der HistorikerTacitus den Kaiser gerüchteweise als Urheber des großen Brandes in Rom nennt, den dieser zum Bau seiner Palastanlagen nutzte. Durch die anschließendenChristenverfolgungen, bei denen angeblich auchPaulus starb, ist seine Überlieferung in christlicher Zeit weiter in Misskredit geraten. Auch durch die althistorische Forschung wurde seine Regierungszeit eher negativ bewertet, was beispielsweise das Verhältnis zur senatorischen Oberschicht und die Vernachlässigung der Armee betraf.
Die Anfeindung Neros mit den beiden herrschaftslegitimierenden Gruppen, Senat und Heer, führte zur Delegitimation der julisch-claudischen Familie und in den Bürgerkrieg. Die bedeutende Rolle des Heeres zeigte sich imVierkaiserjahr, in welchem sich die GeneräleGalba,Otho undVitellius als kurzzeitige Herrscher ablösten und aus dem schließlichVespasian als Sieger hervorging. Nach seinem Familiennamen wird seine Dynastie dieFlavier genannt.
Vespasian (69–79) wird in der Historiographie als das völlige Gegenbild Neros dargestellt: Er war bodenständig, humorvoll und galt als gerechter Herrscher. In seiner Regierungszeit wurde der schon unter Nero ausgebrocheneAufstand in Judäa im Jahr 70 blutig niedergeworfen. Auch gegen dieGermanen ging Vespasian hart vor, sicherte die Grenzen am Rhein sowie im Osten gegen dieParther, reorganisierte das Heer und sanierte die Finanzen. Und obwohl er gute Beziehungen zumSenat pflegte, zog er immer mehr Befugnisse an sich, ohne aber die Fassade der „republikanischen Ordnung“ niederzureißen. Die durch Herkunft mangelnde Legitimation der Flavier sollte durch öffentliche Bauten wie dasKolosseum und den Titusbogen hergestellt werden. Die überlieferte Hälfte seines Antrittsgesetzes (Lex de imperio Vespasiani), das wahrscheinlich in ähnlicher Form an seine Vorgänger verliehen worden war, kann in ihrer sogenannten diskretionären Klausel als Übertragung der absoluten Herrschaftsgewalt gedeutet werden, doch wird der schwierige Text auch anders interpretiert.
Nach seinem Tod regierten seine SöhneTitus (79–81) undDomitian (81–96) insgesamt erfolgreich. Titus’ Regierungszeit wurde vom Ausbruch desVesuv und dem Ausbruch einer Seuche überschattet. Seine rasch eingeleiteten Hilfsmaßnahmen und seine Großzügigkeit sorgten jedoch dafür, dass sein Name in guter Erinnerung blieb. 81 starb Titus, und sein ehrgeiziger und teils zu Grausamkeit neigender Bruder Domitian bestieg den Thron, wobei Gerüchte aufkamen, dass er Titus vergiftet habe, die aber völlig unbewiesen sind. Ohnehin zeichnen die Quellen ein düsteres Bild von Domitian, das aber stark tendenziös gefärbt ist. Domitian knüpfte an die Germanienpolitik seines Vaters an und unternahm mehrere erfolgreiche Feldzüge. Obwohl bei Heer und Volk beliebt, regte sich aufgrund manch grausamer Handlung und seines autokratischen Regierungsstils (er ließ sich alsdominus et deus, als „Herr und Gott“ titulieren) Widerstand bei Hofe, was schließlich im Jahre 96 zu seiner Ermordung führte. Eine ihm in älteren Darstellungen oft zur Last gelegte Christenverfolgung war eher regionaler Natur und keineswegs systematisch.
Mit Domitian lässt man oft dieFrühe Kaiserzeit enden und dieHohe Kaiserzeit beginnen. Es folgten nun die so genanntenAdoptivkaiser, die den angeblich„Besten auswählten“ – was freilich mehr dem Umstand Rechnung trug, dass sie keine Söhne hatten.Nerva (96–98), ein doch insgesamt schwacher und greiser Princeps, erwählte – wohl unter Zwang – den dynamischenTrajan (98–117) zu seinem Nachfolger. Dieser war der erste Kaiser, der aus den Provinzen stammte, nämlich ausHispanien. Trajan, der bemüht war, sich deutlich von Domitian abzusetzen, obwohl er den Flaviern loyal gedient hatte und faktisch in vielem an diese anknüpfte, unterwarfDakien und zeitweilig auch weite Teile desPartherreichs in langwierigen und teils erbittert geführten Kämpfen (siehe auchPartherkriege, die im 2. Jahrhundert am intensivsten waren). Das Reich hatte im Jahre 117 denn auch seine größte Ausdehnung erreicht (von Schottland bis zur Sahara, von Spanien und dem Donauraum bis in den heutigen Irak). Im Rücken der Römer brach jedoch bereits 115 einjüdischer Aufstand aus, und die Parther gingen in die Offensive; da starb im Jahre 117 Trajan recht überraschend. Sein NachfolgerHadrian (117–138), der angeblich von Trajan auf dem Totenbett als Nachfolger bestimmt worden war, sah die Ressourcen Roms deutlich überstrapaziert und gab daher die bedrohten Eroberungen im Osten wieder auf (Rücknahme der Grenze bis an denEuphrat). Hadrian hatte schwere Konflikte mit dem Senat zu bestehen, da es nach seinem Herrschaftsantritt zur Ermordung mehrerer Senatoren gekommen war. Doch entfaltete sich unter seiner Herrschaft eine gewisse kulturelle Blüte, getragen von Hadrians Philhellenentum, die selbst der schwerejüdische Aufstand 132–135 nicht schmälern konnte.
Denar Mark Aurels
Hadrians defensive Politik wurde von seinem NachfolgerAntoninus Pius (138–161) fortgesetzt, dessen Regierung als Friedenszeit in Erinnerung blieb. Diese Ruhe endete unterMark Aurel (161–180), derLucius Verus bis zu dessen Tod 169 zum Mitherrscher hatte, wobei er ihm freilich anauctoritas überlegen war. Mark Aurel wird wegen seiner Neigung zur Philosophie – er warStoiker – traditionell der „Philosoph auf dem Kaiserthron“ genannt. Er sah sich gezwungen, mehrere Kriege zu führen: Im Osten kam es zwischen 161 und 166 zu schweren Abwehrkämpfen gegen die Parther, die schließlich besiegt werden konnten. Dazu trat 165/166 eine Seuchenwelle auf (so genannteAntoninische Pest); die Seuche wurde von den aus dem Osten zurückkehrenden römischen Truppen ins Imperium eingeschleppt und sollte dem Reich schwer zusetzen. Das Reich erlebte unter Mark Aurel auch die Vorwehen derVölkerwanderung, deren Auswirkungen zu den Ursachen für seinen späteren Untergang gehörten: Es kam zu zwei Kriegen gegen dieMarkomannen,Quaden undSarmaten an der mittlerenDonau (Markomannenkriege: 167–175 und 178–180). In diesen Abwehrkämpfen gelang es den römischen Truppen nur mit Mühe, die Eindringlinge zurückzuwerfen, doch konnte der Kaiser schließlich sogar zu einer Gegenoffensive übergehen. Mitten im Feldzug starb Mark Aurel inVindobona. Seine Entscheidung, seinen leiblichen SohnCommodus (180–192) zum Nachfolger zu machen, setzte der Epoche des Adoptivkaisertums ein Ende.
Die Severer und die Reichskrise des 3. Jahrhunderts
Commodus, der Ende 192 einer Verschwörung zum Opfer fiel, werden in Anlehnung an Neros leidenschaftliche Schauspielerei Auftritte als Gladiator und pathologische Züge zugeschrieben, wobei die Überlieferung durch dieHistoria Augusta stark tendenziös ist. Sein Tod läutete eine weitere unruhige Zeit ein, denn die zunehmend herrschaftslegitimierende Macht des Heeres führte in das zweite Vierkaiserjahr, in dem sich der aus der ProvinzAfrica stammendeSeptimius Severus (193–211) durchsetzte. Er stabilisierte die Grenzen und innere Ordnung Roms und begründete die Dynastie derSeverer. Sein Sohn und NachfolgerCaracalla (211–217), der seinen Bruder und MitkaiserGeta kurzerhand ermorden ließ, erließ 212 dieConstitutio Antoniniana, die allen freien Bewohnern des Imperiums das Bürgerrecht (und die Steuerpflicht) einbrachte. Die Kämpfe am Rhein gegen die Germanen, vor allem dieAlamannen, und im Osten gegen dasPartherreich verschärften sich bald darauf. Noch während eines begonnenen Partherfeldzugs wurde Caracalla 217 ermordet. Ihm folgten für jeweils kurze ZeitMacrinus (der an der Ermordung Caracallas beteiligt gewesen war und Frieden mit den Parthern schloss) undElagabal nach, bevor mitSeverus Alexander (222–235) der letzte Severer den Thron bestieg. Er erwies sich insgesamt als ein eher schwacher Kaiser. Im Osten führte er Krieg gegen dieSassaniden und Alamannen; 235 wurde er von aufständischen Soldaten in Mainz ermordet. Nach seinem Tod folgte die unruhige Zeit derSoldatenkaiser.
Die Zeit der Soldatenkaiser war geprägt von einem schnellen Wechsel der Herrscher, aber auch von einem konstanten inneren und äußeren Druck (Reichskrise des 3. Jahrhunderts), wobei es auch teils zu wirtschaftlichen Problemen kam. Das seit der frühen Kaiserzeit bewährte „Akzeptanzsystem“, demnach die Legitimität jedesprinceps grundsätzlich auf der Zustimmung von Heer, Senat und Bevölkerung von Rom beruhte, stieß an seine Grenzen; das Heer an den Grenzen wurde nun der einzig ausschlaggebende politische Faktor. Im Inneren spaltete sich 260 dasgallische Sonderreich von Rom ab. Im Norden blieb der Druck durch angrenzende Völker bestehen, im Osten wurde das neupersischeSassanidenreich eingefährlicher Gegner. KaiserValerian geriet 260 sogar in Gefangenschaft, was den Tiefpunkt des Prestiges Roms im Osten bedeutete. Derweil übernahmPalmyra die Kontrolle über weite TeileKleinasiens undÄgyptens. Diese zentrifugalen Effekte konnten erst nach einigen Anstrengungen behoben werden. Vor allem KaiserAurelian (270–275) konnte die Lage wieder stabilisieren und verlorene Gebiete wiedergewinnen.
KaiserCarus (282–283) blieb gegen die Sassaniden siegreich. Sein Tod (bzw. der seines SohnesCarinus) beendet das Zeitalter der Soldatenkaiser, denn sein NachfolgerDiokletian führte umfangreiche Reformen durch, unter anderem die Teilung der Kaiserherrschaft in die Viererherrschaft (Tetrarchie), mit denen allgemein der Beginn derSpätantike verbunden wird.
Die vorausgehenden Epochen werden meist in die Frühe (Augustus bisDomitian) und Hohe (Nerva bisCarinus) Kaiserzeit unterteilt. Schließt man die späte Kaiserzeit (bzw. Spätantike) ein, so sind gängige Daten für das Ende der Kaiserzeit in Abgrenzung zumMittelalter und der byzantinischen Zeit das Jahr 476 (Absetzung des weströmischen KaisersRomulus Augustulus), 565 (Tod des oströmischen KaisersJustinian I.) oder das frühe 7. Jahrhundert (Islamische Expansion). Kulturhistorisch wird oft die Schließung der platonischen Akademie durch Justinian I. 529 sowie die im gleichen Jahr erfolgte Gründung des erstenBenediktinerklosters inMonte Cassino als markantes Datum im Übergang von der Antike zum Mittelalter genannt.
Zur Problematik des „Endes der Antike“ und der nachfolgenden Entwicklung ab Diokletian siehe vor allem die entsprechenden Ausführungen im ArtikelSpätantike.
In derArchäologie, vor allem in derUr- und Frühgeschichte, wird traditionell ein Abschnitt (circa 1 bis 375 n. Chr.) derFrühgeschichte der an dasImperium Romanum angrenzenden GebieteEuropas alsRömische Kaiserzeit bezeichnet. 375 gilt dabei herkömmlicherweise als Beginn derVölkerwanderung (siehe auchVölkerwanderungszeit). Die chronologische Gliederung durchHans Jürgen Eggers in die Stufen B1 und B2 (frühe römische Kaiserzeit) und C1–C3 (späte römische Kaiserzeit) beruht auf der Datierung desrömischen Importgutes in derGermania magna und dem übrigenBarbaricum, wird aber in der jüngeren Forschung in Frage gestellt.
Hartwin Brandt:Die Kaiserzeit. Römische Geschichte von Octavian bis Diocletian. 31 v. Chr.–284 n. Chr. Beck, München 2021,ISBN 978-3-406-77502-4.
Karl Christ:Geschichte der Römischen Kaiserzeit. Von Augustus bis zu Konstantin. 6. Auflage mit aktualisierter Bibliographie. Beck, München 2009,ISBN 978-3-406-59613-1.
Werner Dahlheim:Geschichte der Römischen Kaiserzeit. 3., überarbeitete und erweiterte Auflage. Oldenbourg, München 2003,ISBN 3-486-49673-5.
Albino Garzetti:From Tiberius to the Antonines. London 1974.
Klaus-Peter Johne (Hrsg.):Die Zeit der Soldatenkaiser: Krise und Transformation des Römischen Reiches im 3. Jahrhundert n. Chr. (235–284). Akademie Verlag, Berlin 2008,ISBN 978-3-05-004529-0.
Dietmar Kienast, Werner Eck,Matthäus Heil:Römische Kaisertabelle. Grundzüge einer römischen Kaiserchronologie. 6., vollständig überarbeitete und aktualisierte Auflage. Wissenschaftliche Buchgesellschaft, Darmstadt 2017,ISBN 978-3-534-26724-8.
↑SieheHartwin Brandt:Die Kaiserzeit. Römische Geschichte von Octavian bis Diocletian. 31 v. Chr.–284 n. Chr. München 2021.
↑Daten aus der Zeittafel in:Die Welt der Kelten. Zentren der Macht. Kostbarkeiten der Kunst. Thorbecke, Ostfildern 2012,ISBN 978-3-7995-0752-3, S. 524 f.