Rímur

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Rímur (isländisch „Reimgedicht“; der SingularRíma bezeichnet eine Strophengruppe) sind eine seit dem 14. Jahrhundert überlieferte Gattung derisländischen Literatur. Es handelt sich umepischeGedichte, die formal derBallade und inhaltlich derFolkevise oderKaempevise nahestehen.

Inhaltsverzeichnis

Aufbau

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Die Gattung ist heterogen. Eine Ríma enthält üblicherweise 40 bis 50 vierzeiligeStrophen, von denen etwa 2.000 Bauformen tradiert sind. Mit dem Typus der italienischen Ballade und der französischenRomanze verbindet die Rímur insbesondere die Vierzeiligkeit ihrer Strophen. Es gibt jedoch auch eine Vielzahl von dreizeiligen und zweizeiligen Metren, die zu dieser Gattung gehören. Sie sind allesamt aus vierzeiligen Metren abgeleitet worden. DerEndreim und dasKreuzreimschemaa–b–a–b sind kennzeichnend. Rímur werden meist durch eine Liebesklage (altnordischmansǫngr, isländischmansöngur) eingeleitet.

Geschichte

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Ein Auszug aus denNuma rímur von Sigurður Breiðfjörð, gesungen von Þuríður Friðriksdóttir

Als ältestes erhaltenes Beispiel für Rímur gilt die in derFlateyjarbók überlieferteÓlafs ríma Haraldssonar.[1] Damit sind die Rímur etwas jünger als die drei großen Gattungen deraltnordischen Literatur (Sagaliteratur sowie skaldische und eddische Dichtung). Gemeinsamkeiten mit derSkaldik sind Merkmale wieStabreim,Hending undKenning, skaldische Strophen werden jedoch meist in sechs oder acht Zeilen unterteilt. Stoffe und Motive der Rímur entstammen üblicherweise derSaga-Tradition; eine Ausnahme bilden dieÞrymlur, die auf der eddischenÞrymskviða basieren.[2] Rímur wurden vermutlich wie die Ballade als Tanzlied gesungen oder auch bei abendlichen Zusammenkünften (kvöldvaka) rezitiert.[3]

Mehr als tausend Rímur-Zyklen sind erhalten; ein Beispiel sind dieLandrés rímur. Viele Rímur wurden erst nach jahrhundertelanger mündlicher Überlieferung im 18. und 19. Jahrhundert aufgezeichnet. Bis in das 19. Jahrhundert waren Rímur die am weitesten verbreitete Form der Volksdichtung Islands. Während des spätenromantischen Zeitalters der Nationalliteratur wurden sie vielfach neu belebt, so vonSigurður Breiðfjörð in denNúma Rímur, einer Erzählung derälteren Geschichte Roms.

Der Wiederbelebung der Rímur-Tradition widmet sich der Verband der isländischen Rímurdichter,Kvæðamannafélagið Iðunn, der am 15. September 1929 gegründet wurde. Insbesondere die Herausgabe eines Verzeichnisses aller Rímurversarten unter dem Titel „Bragfræði og Háttatal“[4] durchSveinbjörn Beinteinsson prägte die neuere Rímurdichtung maßgeblich.

Moderne Adaptionen

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Die isländische Rock-BandSigur Rós verwendete Rímur in einigen ihrer Lieder.[5] Es gibt auch deutschsprachige Gedichte in Rímur-Form.[6]

Editionen und Übersetzungen (Auswahl)

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  • Finnur Jónsson (Hrsg.):Fernir forníslenskir rímnaflokkar. Kopenhagen 1896 (isländisch,heimskringla.no – übersetzt „Vier altisländische Rímur-Zyklen“:Lokrur,Þrymlur,Griplur undVölsungsrímur). 
  • Finnur Jónsson (Hrsg.):Rímnasafn: Samling af de ældste islandske rimer (= Samfund til udgivelse af gammel nordisk litteratur.Band 35). Møller & Jørgensen, Kopenhagen 1912 (dänisch, isländisch,bækur.is – übersetzt „Rímur-Sammlung: Sammlung der ältesten isländischen Rímur“). 
  • Lee Colwill und Haukur Þorgeirsson (Hrsg.):The Bearded Bride. A Critical Edition of Þrymlur. Viking Society for Northern Research, London 2020 (isländisch, englisch,PDF – Edition derÞrymlur mit Übersetzung). 
  • Lee Colwill (Hrsg.):Grettis rímur. Apardjón, 2021 (isländisch, englisch,PDF – Edition derGrettis rímur mit Übersetzung). 
  • Ann Sheffield, Denise Vast und Lyonel Perabo:Lokrur. In:Mimisbrunnr.info – Developments in Ancient Germanic Studies. 2023 (englisch,online – Übersetzung derLokrur). 

Weiterführende Literatur

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  • Finnur Sigmundsson:Rímnatal. Rímnafélagið, Reykjavík 1966 (isländisch,bækur.is – Rímur-Katalog). 
  • Svend Nielsen:Rímnakveðskapur tíu kvæðamanna. Rannsókn á tilbrigðum. Stofnun Árna Magnússonar í íslenskum fræðum, Reykjavík 2022 (isländisch,adlib.is – Forschung zu zehn Rímur-Sängern, übersetzt von Rósa Þorsteinsdóttir). 

Weblinks

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Commons: Rímur – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

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  1. Russell Gilbert Poole:Viking Poems on War and Peace. A Study in Skaldic Narrative (= Toronto medieval texts and translations.Band 8). University of Toronto Press, Toronto / Buffalo / London 1991,S. 26 (eingeschränkte Vorschau in der Google-Buchsuche). 
  2. Andrew McGillivray:The Bearded Bride: A Critical Edition of Þrymlur. 2020. Edited and translated by Lee Colwill and Haukur Þorgeirsson. In:Scandinavian-Canadian Studies / Études scandinaves au Canada.Band 30, 2023,S. 1,doi:10.29173/scancan220 (englisch, Rezension). 
  3. Vgl. Lee Colwill:Gender and Genre in Medieval Chivalric Rímur. 2022,S. 33–38 (englisch,PDF). 
  4. Bragfræði og Háttatal. Abgerufen am 15. Mai 2023 (isländisch). 
  5. Sigur Rós: Rímur. 2001, abgerufen am 15. Mai 2023 (englisch). 
  6. Ein Beispiel vonAndreas Zautner: Rauhnachtsreime. 2005, abgerufen am 15. Mai 2023. 
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