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Qualia

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Quale ist eine Weiterleitung auf diesen Artikel. Für den US-amerikanischen Filmregisseur, Drehbuchautor, Kameramann und Filmeditor sieheSteven Quale.
Farben sind ein klassisches Problem der Qualiadebatte: Wie kommt es, dass bei der Verarbeitung von bestimmten Lichtwellen Farberlebnisse entstehen?

UnterQualia (Singular:das Quale, vonlateinischqualis‚wie beschaffen‘) oderphänomenalemBewusstsein versteht man den subjektiven Erlebnisgehaltmentaler Prozesse im Zusammenhang mit den auslösendenphysiologischen Reizen. Demnach die höchstpersönliche „Qualität“ einesSinneseindruckes (Wie etwas wahrgenommen wird) im Unterschied zumPerzept, der dassinnlicheEmpfinden einschließlich der damit verbundenenEmotionen und Bewertungen ausklammert (Was wahrgenommen wird und beschrieben werden kann).Qualia sind die individuellen Empfindungen, die nur dem wahrnehmenden Subjekt zugänglich sind und die man nicht hinreichend in Worte fassen kann.

Das Verständnis der Qualia ist eines der zentralen Probleme derPhilosophie des Geistes. Dort wird von manchen angenommen, dass ihre Existenz nicht mit den Mitteln derNeuro- undKognitionswissenschaften erklärbar ist.

Im Jahr 1866 führte der AmerikanerCharles S. Peirce[1] den Begriff derQualia systematisch in die Philosophie ein,[2] auch wenn der Begriff z. B. schon rund dreißig Jahre früher beiHeinrich Moritz Chalybäus unter Bezugnahme auf die PhilosophieJohann Friedrich Herbarts Erwähnung fand.[3]

Doch erst 1929 bestimmteC. I. Lewis in dem BuchMind and the World Order[4] dieQualia im Sinne der aktuellen Philosophie des Geistes als „erkennbare Charaktere des Gegebenen, die wiedererkannt werden können, und deshalb eine ArtUniversalien sind“. Ein in der Literatur häufig anzutreffendes Synonym für den Begriff der Qualia ist der englische Ausdruckraw feels.

Begriffsbestimmung

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Unter „Qualia“ wird dersubjektiveErlebnisgehaltmentaler Zustände verstanden. Doch gerade ein solches subjektives Element scheint sich jederintersubjektiven Begriffsbestimmung zu widersetzen. Der PhilosophThomas Nagel hat zur Bestimmung der Qualia die Redeweise geprägt, dass es sich „auf eine bestimmte Weise anfühlt“, in einem mentalen Zustand zu sein (what is it like). Wenn eine Person etwa friert, so hat dies in der Regel verschiedene Konsequenzen. In der Person laufen etwa verschiedene neuronale Prozesse ab und die Person wird ein bestimmtesVerhalten zeigen. Doch das ist nicht alles: „Es fühlt sich für die Person auch auf eine bestimmte Weise an“, zu frieren. Allerdings kann Nagels Bestimmungsversuch nicht als allgemeine Definition gelten. Eine Bestimmung von Qualia durch diePhrase „sich auf bestimmte Weise anfühlen“ setzt voraus, dass diese Phrase schon verstanden ist. Wem jedoch die Rede von subjektiven Erlebnisgehalten nicht einleuchtet, der wird die Phrase auch nicht verstehen.Ned Block hat das Problem der Begriffsbestimmung daher wie folgt kommentiert:

„Sie fragen: Was ist das, was Philosophen ‚qualitative Zustände‘ genannt haben? Und ich antworte, nur halb im Scherz: Wie Louis Armstrong schon sagte, als man ihn fragte, was Jazz sei: Wenn du erst fragen musst, wirst du es nie verstehen.“

Ned Block:Troubles with Functionalism[5]

Die Probleme, die bei der Bestimmung von Qualia auftreten, haben einige Philosophen wieDaniel Dennett,Patricia undPaul Churchland dazu veranlasst, Qualia als gänzlich unbrauchbare Begriffe abzulehnen und stattdessen einenQualiaeliminativismus zu vertreten.Ansgar Beckermann kommentiert hingegen:

„Und wenn jemand sagt, er wisse trotzdem nicht, worin der qualitative Charakter etwa eines Geschmacksurteils bestehe, können wir diesem Unverständnis so begegnen: Wir geben ihm einen Schluck Wein zu trinken, lassen ihn danach ein Pfefferminzbonbon lutschen und geben ihm dann noch einen Schluck desselben Weins mit der Bemerkung: Das, was sich jetzt geändert hat, das ist der qualitative Charakter deines Geschmacksurteils.“

Ansgar Beckermann:Analytische Einführung in die Philosophie des Geistes.[6]

Das Rätsel der Qualia

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Emil Du Bois-Reymond formulierte das Qualiaproblem der Sache nach schon im 19. Jahrhundert

Auch wenn die explizite Diskussion der Qualia erst im 20. Jahrhundert aufkam, ist das Problem der Sache nach schon weit länger bekannt: Schon beiRené Descartes,John Locke undDavid Hume lassen sich ähnliche, wenn auch nicht weiter ausgeführte Gedankengänge dieser Art finden. Hume beispielsweise behauptete in seinemTreatise on Human Nature (1739):

“We cannot form to ourselves a just idea of the taste of a pineapple, without having actually tasted it.”

„Wir können uns keinen Begriff vom Geschmack einer Ananas bilden, ohne diese tatsächlich gekostet zu haben.“

AuchGottfried Wilhelm Leibniz formulierte das Qualiaproblem in einem eindringlichenGedankenexperiment. Leibniz lässt uns durch ein gigantisches Modell desGehirns laufen. Ein solches Modell wird darüber informieren, wie im GehirnReize auf eine sehr komplexe Art und Weise verarbeitet werden und schließlich mittels Erregungsweiterleitung in verschiedenen Körperteilen zu einer Reaktion führen (vgl.Reiz-Reaktions-Modell). Aber, so Leibniz, nirgendwo werden wir in diesem Modell das Bewusstsein entdecken. Eine neurowissenschaftliche Beschreibung werde uns also über das Bewusstsein vollkommen im Dunkeln lassen. In Leibniz’ Gedankenexperiment kann man leicht das Qualiaproblem entdecken. Denn zu dem, was man in dem Gehirnmodell nicht entdecken kann, gehören ganz offensichtlich auch die Qualia. Das Modell mag uns etwa darüber aufklären, wie eineLichtwelle auf dieNetzhaut trifft, dadurch Signale ins Gehirn geleitet und dort schließlich verarbeitet werden. Es wird uns nach Leibniz’ Ansicht jedoch nicht darüber aufklären, warum die Person eine Rotwahrnehmung hat. Leibniz hat das Leib-Seele-Problem, das sich mit dem Begriff der Qualia näher beschreiben lässt, seinerseits mit dem Begriff derpetites perceptions zu erfassen versucht.

Eine weitere frühe Formulierung des Qualiaproblems geht auf den PhysiologenEmil du Bois-Reymond und seineIgnorabimusrede zurück. In seinem 1872 auf der Naturforscherversammlung in Leipzig gehaltenen VortragÜber die Grenzen des Naturerkennens erklärt du Bois-Reymond die Frage nach dem Bewusstsein zu einemWelträtsel:

„Welche denkbare Verbindung besteht zwischen bestimmten Bewegungen bestimmter Atome in meinem Gehirn einerseits, andererseits den für mich ursprünglichen, nicht weiter definierbaren, nicht wegzuleugnenden Tatsachen ‚Ich fühle Schmerz, fühle Lust; ich schmecke Süßes, rieche Rosenduft, höre Orgelton, sehe Roth …‘“

Emil du Bois-Reymond:Über die Grenzen des Naturerkennens.[7]
Wie ist es, eine Fledermaus zu sein? Mit dieser Frage läutete Thomas Nagel die gegenwärtige Qualiadebatte ein.

Die gegenwärtige Debatte um Qualia fußt vor allem auf dem AufsatzWhat is it like to be a bat? („Wie fühlt es sich an, eine Fledermaus zu sein?“)[8] des PhilosophenThomas Nagel im Oktober 1974. Nagels Aufsatz fiel in eine Zeit, in der die Philosophie des Geistes durch die Entwicklungen derNeuro- undKognitionswissenschaften überwiegendreduktionistisch geprägt war. Er argumentiert nun, dass die Naturwissenschaften das Phänomen des Erlebens gar nicht erklären könnten. Schließlich seien die Wissenschaften in ihrerMethode auf eineAußenperspektive festgelegt, in der sich dieInnenperspektive des Erlebens gar nicht fassen lasse. Nagel versucht seine Position mit einem berühmt gewordenen Beispiel zu illustrieren. Er fordert dazu auf, sich eineFledermaus vorzustellen. Nun können wir, so argumentiert Nagel, bei so fremden Lebewesen zwar viele neurowissenschaftliche undethologische Experimente durchführen und dabei auch einiges über die kognitiven Fähigkeiten einer Fledermaus herausfinden. Wie es sich jedoch für die Fledermaus anfühlt, etwa ein Objekt mittelsEchoortung zu lokalisieren, bleibe uns verschlossen. Nagel schließt aus diesem Beispiel, dass die subjektive Perspektive der Qualia nicht durch die objektive Perspektive der Naturwissenschaften zu erschließen sei.

Qualia-Argumente

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Zusätzlich zu dem allgemein formulierten Qualiaproblem wurden immer wieder Argumente zur Stützung des Qualia-Konzeptes formuliert. Einige haben das Ziel, das Problem genauer zu bestimmen. Andere wollen aus ihm Konsequenzen ziehen, etwa eine Kritik desMaterialismus.

Das Mary-Gedankenexperiment

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Hauptartikel:Mary (Gedankenexperiment)

Das berühmteste gegen den Materialismus gerichtete qualiabasierte Argument kommt von dem australischen PhilosophenFrank Cameron Jackson. In seinem AufsatzWhat Mary didn’t know („Was Mary nicht wusste“)[9] formuliert Jackson dasGedankenexperiment der Superwissenschaftlerin Mary. Mary ist eine auf Farbensehen spezialisierte Physiologin, die seit ihrer Geburt in einem schwarz-weißen Labor gefangen ist und noch nie Farben gesehen hat. Sie kennt alle physischen Fakten über das Sehen von Farben, weiß jedoch nicht, wie Farben aussehen. Jacksons Argument gegen den Materialismus ist nun recht kurz: Mary kennt alle physischen Fakten über das Sehen von Farben – sie kennt dennoch nichtalle Fakten über das Sehen von Farben. Er schließt daraus, dass es nicht-physische Fakten gebe und der Materialismus falsch sei.

Gegen dieses Argument sind verschiedene materialistische Erwiderungen vorgebracht worden.David Lewis argumentiert, dass Mary keine neuen Fakten kennenlernt, wenn sie erstmals Farben sieht. Vielmehr würde sie allein eine neueFähigkeit erwerben – die Fähigkeit, Farben visuell zu unterscheiden.Michael Tye argumentiert ebenfalls, dass Mary vor ihrer Befreiung alle Fakten über das Sehen von Farben kennen würde. Mary würde lediglich einen schon bekannten Fakt auf eine neue Weise kennenlernen.Daniel Dennett erklärt schließlich sogar, dass es für Mary gar nichts Neues gäbe, wenn sie Farben zum ersten Mal visuell wahrnimmt. Ein so umfassendes physiologisches Wissen über das Sehen von Farben – sie weißalles – würde sie mit allen Informationen ausstatten.

Vertauschte Qualia

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Mentale Zustände lassen sich nicht mit den gleichen Methoden untersuchen wie physische. So ist etwa derAnalogieschluss nicht zulässig, da sich das innere Empfinden bei der Reaktion auf einen bestimmten Reiz – auch wenn sie zum gleichen Verhalten führt – nur unzureichend (etwa durch Befragung) vergleichbar ist. Beim Gedankenexperiment der „vertauschten Qualia“ wird deutlich, dass es im Grunde unmöglich ist, eine bestimmte subjektive Sinnesempfindung zu verallgemeinern: Es ist demnach nicht auszuschließen, dass unterschiedliche Menschen dieselbe Farbe unterschiedlich erleben. Dies wäre wissenschaftlich nicht erfassbar, da sie das gleiche Wort dafür benutzen, sodass eine Befragung den Unterschied nicht aufdecken könnte.[10]

Fehlende und invertierte Qualia

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Fehlende und invertierte Qualia

Auch mit denGedankenexperimenten der fehlenden und invertierten Qualia ist der Anspruch verbunden, die Rätselhaftigkeit der Qualia nachzuweisen. Diese Gedankenexperimente fußen auf der Tatsache, dass der Übergang von neuronalen Zuständen zu Erlebniszuständen keineswegs offensichtlich ist. Ein Beispiel (siehe Grafik): Ein neuronaler Zustand A geht mit einer Rotwahrnehmung, ein Zustand B mit einer Blauwahrnehmung einher. Nun sagt das Gedankenexperiment der invertierten Qualia, dass es auch vorstellbar sei, dass dies genau umgekehrt ablaufe:Derselbe neuronale Zustand A könne auch mit einer Blauwahrnehmung,derselbe neuronale Zustand B mit einer Rotwahrnehmung einhergehen.

Das Gedankenexperiment der fehlenden Qualia behauptet darüber hinaus, dass es sogar vorstellbar sei, dass einem neuronalen Zustandgar keine Qualia gegenüberstehen. Die Idee der fehlenden Qualia läuft daher auf die Hypothese der „philosophischen Zombies“ hinaus: Es sei vorstellbar, dass Wesen die gleichen neuronalen Zustände wie andere Menschen haben und sich daher auch im Verhalten nicht von diesen unterscheiden. Dennoch hätten sie in Bezug auf den betrachteten neuronalen Zustand kein Erleben, den neuronalen Zuständen korrelierten also keine Qualia.

Hinsichtlich der Motive für diese Gedankenexperimente muss man zwischen zwei verschiedenen Lesarten – einer erkenntnistheoretischen und einer metaphysischen – unterscheiden. Philosophen, welche die erkenntnistheoretische Lesart bevorzugen, wollen mit den Gedankenexperimenten zeigen, dass sich Qualia noch nicht auf neuronale Zuständereduzieren lassen. Sie argumentieren, dass die Vorstellbarkeit des Auseinandertretens von neuronalem Zustand und Qualia zeige, dass wir die Verbindung zwischen beiden nicht verstanden haben. Hier wird oft das Wasserbeispiel bemüht: Wenn Wasser erfolgreich auf H2O reduziert worden ist, sei es nicht mehr vorstellbar, dass H2O vorliege, ohne dass zugleich Wasser vorliege. Dies sei einfach deshalb nicht vorstellbar, weil das Vorliegen von Wasser unter den Gegebenheiten der Chemie und der Physik aus dem Vorliegen von H2O ableitbar ist. Nur deshalb könne man sagen, dass Wasser auf H2O reduziert worden sei. Ein Äquivalent der chemisch-physikalischen Theorie, die dieser erfolgreichen Reduktion zugrunde liegt, fehlt jedoch im Bereich der neuronalen und mentalen Phänomene.

Die metaphysische Lesart der Konzepte der invertierten und fehlenden Qualia haben hingegen noch weiterreichende Folgen. Vertreter dieser Argumentationsrichtung wollen mit den Gedankenexperimenten beweisen, dass Qualia nicht mit Eigenschaften von neuronalen Zuständen identisch sind. Sie haben damit letztlich eine Widerlegung des Materialismus im Sinn. Sie argumentieren wie folgt: Wenn X und Y identisch sind, dann ist es nichtmöglich, dass X vorliegt, ohne dass zugleich Y vorliegt. Dies könne man sich an einem Beispiel leicht verdeutlichen: WennAugustus mit Octavian identisch ist, dann ist es nicht möglich, dass Augustus ohne Octavian auftritt, sie sind schließlich eine Person. Nun argumentieren die Vertreter der metaphysischen Lesart weiter, dass die Gedankenexperimente aber gezeigt hätten, dass es möglich sei, dass neuronale Zustände ohne Qualia auftreten. Also könnten Qualia nicht mit Eigenschaften von neuronalen Zuständen identisch sein. Eine solche Argumentation muss sich natürlich den Einwand gefallen lassen, dass die Gedankenexperimente gar nicht zeigen, dass esmöglich sei, dass neuronale Zustände ohne Qualia auftreten. Sie zeigen nur, dass diesvorstellbar ist. Vertreter der metaphysischen Lesart erwidern darauf, dassa priori Vorstellbarkeit immer auch prinzipielle Möglichkeit impliziere. Einflussreiche Argumente, die dies zeigen sollen, hatSaul Kripke[11] formuliert. Eine neuere Ausarbeitung bietenFrank Cameron Jackson undDavid Chalmers.[12] Von grundlegender Bedeutung ist hierbei die sog.Zweidimensionale Semantik.

Erklärungsmodelle

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Repräsentationalistische Strategien

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Repräsentationalistische Strategien erfreuen sich unter materialistischen Philosophen großer Beliebtheit, Varianten werden etwa vonThomas Metzinger,[13]Fred Dretske[14] undMichael Tye[15] vertreten. Ein Ziel solcher Positionen ist es, Qualia auf repräsentationale Zustände zurückzuführen. Wenn man sich etwa mit einer Nadel in den Finger sticht, wird der Stich durch neuronale Zustände repräsentiert. Das Erleben soll nun nichts anderes als der Modus dieser Repräsentation sein. Nun wird oft eingewandt, dass es aber nichtplausibel sei, dass Repräsentationen schon eine hinreichende Bedingung für Erleben sind. Zum einen haben simple Systeme, wie etwa einThermostat, auch repräsentationale Zustände, zum anderen scheint es auch beim Menschen unbewusste Repräsentationen zu geben. Ein Beispiel aus derNeuropsychologie sind etwa die Fälle vonRindenblindheit (blindsight), in denen Menschen Wahrnehmungen haben, die sie jedoch nicht kognitiv oder qualitativ registrieren. Manche Philosophen, wieDavid Rosenthal,[16] vertreten daher etwa einenMetarepräsentationalismus. Nach ihm werden qualitative Zustände durch Repräsentationen von Repräsentationen realisiert.

Nun sind aber alle repräsentationalistischen Strategien mit dem Einwand konfrontiert, dass auch sie das Qualiaproblem nicht lösen können. Denn man kann auch bei repräsentationalen Zuständen fragen, warum sie denn von Erleben begleitet sein sollen. Wären nicht auch alle Repräsentationen ohne Qualia denkbar?

Einige materialistische Philosophen reagieren auf dieses Problem, indem sie behaupten, dass sie gar nicht erklären müssten, wie materielle – etwa repräsentationale – Zustände zu Erleben führen. So hat etwaDavid Papineau argumentiert, dass man die Identität von einem Erlebniszustand mit einem materiellen Zustand einfach akzeptieren müsse, ohne eine Erklärung für diese Identität verlangen zu können.[17] Die Frage „Warum sind X und Y miteinander identisch?“ sei einfach eine schlechte Frage und daher erweise sich das Rätsel der Qualia als einScheinproblem. Vertreter der These, dass Qualia rätselhaft seien, erwidern auf diesen Einwand, dass sie gar nicht die genannte Frage stellen würden. Sie erklären, dass sie vielmehr wissen wollten, wie es überhaupt möglich sei, dass das subjektive Erleben mit einem materiellen Prozess identisch sei, und sie behaupten, dass diese Frage nicht geklärt sei, solange keineReduktion der Qualia gelungen sei.

Während Papineau auch die zweite Frage für unberechtigt hält, erkennen andere materialistische Philosophen hier die Existenz eines Rätsels an. Wieder andere wenden sich der Position des Qualiaeliminativismus zu oder verlassen den Rahmen materialistischer Theorien.

Qualiaeliminativismus

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Einen besonders radikalen Vorschlag zur Lösung des Qualiaproblems macht der US-amerikanische PhilosophDaniel Dennett: Er behauptet, dass es Qualia inWirklichkeit gar nicht gebe.[18] Eine solche Position erscheint manchen anderen Philosophen als vollkommen unplausibel, wenn nicht gar unverständlich. „Natürlich haben wir subjektive Erlebnisse“, erklären sie, „nichts könnte sicherer sein als dies.“ Dennett hingegen behauptet, dass solche Äußerungen nur der Ausdruck veralteter metaphysischerIntuitionen seien, die sich noch aus der Metaphysik in der Tradition vonRené Descartes speisen. In Wirklichkeit sei „Qualia“ ein vollkommen widersprüchlicher Begriff, der im Zuge des wissenschaftlichen Fortschrittes abgeschafft werden könne, ähnlich den Begriffen „Hexe“ oder „Phlogiston“. Dennett macht sich nun daran, die verschiedenen Vorstellungen, die man von Qualia hat (unaussprechlich, privat,intrinsisch) anzugreifen, und meint, dass diese Eigenschaften den Qualia keineswegs zugesprochen werden können. Es bleibe laut Dennett eine leere Begriffshülse übrig, die verlustlos abgeschafft werden könne. Auch wenn viele Philosophen Dennetts Argumentation ablehnen, hat sie doch eine weite Debatte ausgelöst. Dennetts Position wird etwa vonPatricia Churchland undPaul Churchland sowie weitereneliminativen Materialisten unterstützt.

Siehe auch:Neuronales Korrelat des Bewusstseins

Nichtreduktionistische Strategien

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Da reduktionistische und eliminative Strategien, für manche, vor enormen Problemen stehen, werden Positionen attraktiv, die erklären, dass es gar nicht notwendig sei, solche Versuche zu unternehmen. Die klassische nichtreduktionistische und nichteliminative Position ist derDualismus. Wenn Qualia gar keine materiellen Entitäten sind, braucht man sie weder auf neuronale Zustände zu reduzieren noch sich Sorgen zu machen, wenn solche Reduktionsversuche scheitern. Gegen einen dualistischen Lösungsansatz wird jedoch traditionell eingewandt, dass er nicht mehr die Interaktion von Qualia mit der materiellen Welt verständlich machen könne. Schließlich habe jedes physischeEreignis auch eine hinreichendephysischeUrsache. Es bliebe also gar kein Platz für immaterielle Ursachen. Es scheine nämlich sehr unplausibel zu sein, zu behaupten, dass etwa eine Schmerzempfindung keine Ursache für ein physisches Ereignis – nämlich das Verhalten der Person – sein könne. Eine besonders prägnante Formulierung dieser Schwierigkeiten bietet das sogenannteBieri-Trilemma.

Eine andere nichtreduktionistische und nichteliminative Position ist derBegriffspluralismus, wie er etwa vonNelson Goodman formuliert worden ist. Er behauptet, dass es verschiedene Beschreibungsweisen gebe, die gleichberechtigt nebeneinander stünden und dennoch nicht aufeinander zurückführbar seien. So seien der Schmerz beim Berühren einer heißen Herdplatte und die neuronalen Aktivitäten im Gehirn des Betreffenden logisch äquivalent, quasi als unterschiedliche Seiten derselben Münze.

Angelehnt an denPanpsychismus besteht ein Ansatz, wonach jedem Zustand eines beliebigen (nicht notwendigerweise biologischen) physischen Systems ein Quale oder ein Satz von Qualia entspreche. Dabei müsse nicht notwendigerweise ein Dualismus im Sinne von „Beseeltheit“ der Dinge (wie im klassischen Panpsychismus) angenommen werden. Dieser Ansatz habe den Vorteil, dass er keine qualitativen „Sprünge“ beim Übergang von unbelebter zu belebter Materie annehme. Das komplexe menschliche Bewusstsein setze sich vielmehr aus „Elementarqualia“ zusammen und lasse sich somit auf Elementarprozesse reduzieren, analog der Reduktion der physischen Erscheinung des Menschen alsVielteilchensystem auf elementare physikalische Prozesse. In diese Richtung argumentiert etwaDavid Chalmers. Aus wissenschaftlicher Sicht ist diese Argumentation jedoch unbefriedigend, da kein Experiment bekannt ist, mit dem die Existenz dieser Elementarqualia nachzuweisen oder zu widerlegen wäre.

Lässt sich das Problem der Qualia lösen?

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Seitens der Vertreter des Qualia-Konzeptes wurden immer wieder Stimmen laut, die das angenommene „Rätsel“ der Qualia für nicht lösbar halten. Eine solche Position wird vor allem von Philosophen vertreten, die zwar am Materialismus festhalten wollen, aber reduktionistische und eliminative Strategien für unplausibel halten.Thomas Nagel zieht etwa die Möglichkeit in Betracht, dass die heutige Wissenschaft einfach noch nicht weit genug sei, um das Qualiaproblem zu lösen.[19] Vielmehr bedürfe es einer neuenwissenschaftlichen Revolution, bevor eine Antwort auf dieses Rätsel gefunden werden könne. AlsAnalogie biete sich die Weltsicht vor und nach derkopernikanischen Wende an. Manche astronomischen Phänomene seien im Rahmen desgeozentrischen Weltbildes einfach nicht zu erklären gewesen, es habe erst eines grundlegenden Wandels in den wissenschaftlichen Theorien bedurft. Analog sei eine Lösung des Qualiaproblems vielleicht erst durch neue Erkenntnisse oder Modelle derNeuro- undKognitionswissenschaften möglich.

Der britische PhilosophColin McGinn geht noch einen Schritt weiter. Er behauptet, dass das Qualiaproblem für dieMenschheitgrundsätzlich nicht lösbar sei.[20] Menschen hätten im Laufe derEvolution einen kognitiven Apparat entwickelt, der keineswegs dazu geeignet sei, alle Probleme zu lösen. Vielmehr sei es plausibel, dass auch der menschlichen Kognition grundsätzliche Schranken gesetzt seien und dass wir bei den Qualia eine dieser Schranken erreicht hätten. Diese Anschauung wurde wiederum von anderen Philosophen heftig kritisiert, wie etwaOwen Flanagan, die McGinn als „New Mysterian (NeuenMystiker)“ bezeichneten.[21]

Weiterführende Themen

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Literatur

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Trivialliteratur

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  • Normen Behr:Qualia. Amazon Createspace / Kindle Direct Publishing,ISBN 978-1-5347-5321-1: Roman über die Auswirkungen maschinell ausgelöster Qualia-Erfahrungen.

Weblinks

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Wiktionary: Quale – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen
Wiktionary: Qualia – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen

Einzelnachweise

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  1. Charles S. Peirce:Collected Papers. Belknap Press of Harvard University Press, Cambridge [1866] 1958–1966 (Nachdr.), Vol VI, § 220–237.
  2. Michael Tye: Qualia. In: Edward N. Zalta (Hrsg.):Stanford Encyclopedia of Philosophy, 2018. Abgerufen am 11. Juli 2019.
  3. Heinrich-Moritz Chalybaeus:Historische Entwickelung der speculativen Philosophie von Kant bis Hegel. Zweite verbesserte und vermehrte Auflage. Leipzig/Dresden 1839, S. 69, S. 95.
  4. Clarence Irving Lewis:Mind and the World Order. Outline of a Theory of Knowledge. Dover, New York 1991,ISBN 0-486-26564-1,S. 121 (englisch, Erstausgabe: Charles Scribner’s sons, New York 1929). 
  5. Ned Block:Troubles with Functionalism. In:Perception and Cognition. University of Minnesota Press, Minneapolis Minn 1978,ISBN 0-8166-0841-5.
  6. Ansgar Beckermann:Analytische Einführung in die Philosophie des Geistes. 2. Auflage. de Gruyter, Berlin 2001,ISBN 3-11-017065-5, S. 358.
  7. Emil du Bois-Reymond:Über die Grenzen des Naturerkennens. Leipzig 1872. Nachdr. u. a. in: Emil du Bois-Reymond:Vorträge über Philosophie und Gesellschaft. Meiner, Hamburg 1974,ISBN 3-7873-0320-0.
  8. Thomas Nagel:What is it like to be a bat? In:The Philosophical Review.Band 83. Cornell University, 1974,ISSN 0031-8108,S. 435–450,JSTOR:2183914 (upenn.edu [PDF; abgerufen am 4. November 2023]). 
  9. Frank Cameron Jackson:What Mary didn’t know. In:Journal of Philosophy. 83/1986, S. 291–295.
  10. Stefan Memmer:Metawissenschaftliche Perspektiven für das Leib-Seele-Problem: Eine Analytische Studie. Diplomarbeit, Alpen-Adria-Universität Klagenfurt 2009,PDF abgerufen am 22. September 2023. S. 32–33.
  11. Saul Kripke:Naming and Necessity. Blackwell, Oxford 1981,ISBN 0-631-12801-8.
  12. David Chalmers:The Conscious Mind. Oxford University Press, Oxford 1996,ISBN 0-19-511789-1.
  13. Thomas Metzinger:Being No One. The Self-Model Theory of Subjectivity. MIT Press, Cambridge Mass. 2003,ISBN 0-262-13417-9.
  14. Fred Dretske:Naturalizing the Mind. MIT Press, Cambridge Mass 1997,ISBN 0-262-54089-4.
  15. Michael Tye:Ten Problems of Consciousness. MIT Press, Cambridge Mass 1996,ISBN 0-262-20103-8.
  16. David Rosenthal:The Nature of Mind. Oxford University Press, Oxford 1991,ISBN 0-19-504670-6.
  17. David Papineau:Mind the Gap. In:Philosophical Perspectives. Blackwell, Cambridge Mass. 12/1998,ISSN 1520-8583.
  18. Daniel Dennett:Quining Qualia. In: A. J. Marcel, Bisach:Consciousness in Contemporary Science. Clarendon Press, Oxford 1993,ISBN 0-19-852237-1, S. 42–77.
  19. Ansgar Beckermann: Das Leib-Seele-Problem. Grundlegende Ansätze. Fakultät für Kultur- und Sozialwissenschaften, Fernuniversität Hagen, 2018, abgerufen am 29. Mai 2025. . 87–88. S
  20. Colin McGinn:Problems in Philosophy. Blackwell, Oxford 1994,ISBN 1-55786-475-6.
  21. Owen Flanagan:The Science of the Mind, MIT Press, 1991,S. 313.
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