

Die knapp 4000 km² große und etwa 200.000 Einwohner zählendeProvinz Guercif (marokkanisches Tamazightⵜⴰⵙⴳⴰ ⵏ ⴳⴰⵔⵙⵉⴼTasga n Garsif) ist seit 2015 Teil dermarokkanischenRegion Oriental. Die Provinzhauptstadt ist die gleichnamige StadtGuercif.
Die Provinz Guercif grenzt im Süden an dieProvinz Boulemane, im Südwesten an dieProvinz Sefrou, im Westen an dieProvinz Taza, im Norden an dieProvinz Driouch, im Nordosten an dieProvinz Nador und im Osten an dieProvinz Taourirt.
Während der nördliche Teil der Provinz Guercif noch zu den östlichen Ausläufern desRifgebirges gehört, zählt der südliche Teil zu den Ausläufern desMittleren Atlas. Das Landschaftsprofil ist demzufolge hügelig mit einer durchschnittlichen Höhe von etwa 400 m ü. d. M. Die Provinz und ihre Hauptstadt werden durchflossen vomOued Moulouya, einem der längsten Flüsse Marokkos.
Die Tageshöchsttemperaturen erreichen im Sommer 35 bis 40 °C; in den Wintermonaten sind es etwa 15 bis 25 °C. Nachts kühlt es sich – je nach Bewölkung – auf 15 bis 20 °C im Sommer bzw. 5 bis 10 °C im Winter ab. In den vier Wintermonaten November bis Februar fällt annähernd 90 % der jährlichen Niederschlagsmenge, doch gibt es auch tagelange, manchmal sogar wochenlange Sonnenscheinperioden.
Im Jahr 1950 hatte die Stadt Guercif etwa 3600 Einwohner – darunter 360 Europäer (meist Franzosen), 2835 Marokkaner (etwa zur Hälfte Araber und Berber) und 460 Juden. Im Jahre 1964 zählte die Stadt etwa 5.500 Einwohner; heute sind es etwa 65.000. Über 80 % der Einwohner der Provinz sindberberischer Abstammung; viele sind erst seit den 1970er Jahren aus ihren angestammten Heimatregionen in die Klein- und Mittelstädte abgewandert. Während die Berber meist in Handwerk, Kleinhandel und Transportwesen tätig sind, besetzt der arabisch-stämmige Teil der Bevölkerung meist die führenden Positionen in Verwaltung, Bankwesen, Handel und Industrie; darüber hinaus sind sie als Anwälte, Ärzte, Ingenieure etc. tätig. Nur die Stadt Guercif wird bislang alscommune urbaine eingestuft; die übrigen Gemeinden gelten, obwohl sie durchaus manchmal kleinstädtischen Charakter haben, immer noch als Landgemeinden (communes rurales).
Während die Bewohner der Region früher in erster Linie als Halbnomaden (Transhumanten) oder alsSelbstversorger von der Landwirtschaft lebten, wird nach der Verbesserung der Infrastruktur während und nach derfranzösischen Kolonialzeit mehr und mehr für die städtischen Märkte produziert. Auf den fruchtbaren Böden wird in erster Linie Getreide (Gerste und Weizen) angebaut, aber auch Olivenplantagen sind häufig zu sehen. In den Städten entwickelt sich infolge von Zuwanderung und Arbeitsteilung eine Art Eigendynamik, die manchmal durchaus europäische Züge annimmt.
Im ersten Jahrtausend n. Chr. war die Region Durchgangsgebiet für römische bzw. arabisch-islamische Heere. Die Region Taza-Guercif hat lediglich in der Zeit der Auseinandersetzung zwischenAlmohaden undMeriniden im ausgehenden 13. Jahrhundert eine bedeutende Rolle gespielt. Der MerinidensultanAbu Said Utman II. (reg. 1310–1331) ließ die damals kleine Stadt Guercif mit einer Mauer ausStampflehm umgeben, von der sich jedoch nichts erhalten hat. Die Provinz Guercif wurde erst im Jahre 2009 durch Teilung der Provinz Taza geschaffen. Bis 2015 gehörte sie zur RegionTaza-Al Hoceïma-Taounate.
Historische oder kulturelle Sehenswürdigkeiten gibt es in der Provinz nicht.