Provinz Esmeraldas
Provinz Esmeraldas Provincia de Esmeraldas | |||||
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Lage | |||||
![]() Die Provinz Esmeraldas in Ecuador | |||||
Koordinaten | 0° 44′ N,79° 9′ W0.73333333333333-79.15Koordinaten:0° 44′ N,79° 9′ W | ||||
Basisdaten | |||||
Hauptstadt | Esmeraldas | ||||
Eingerichtet | 20. November 1847 | ||||
Gliederung | 7Kantone | ||||
Einwohnerzahl | 553.900(2022)[1] | ||||
– Anteil an Ecuador | ca. 3,3 % | ||||
Fläche | 15.836 km²(2022)[2] | ||||
– Anteil an Ecuador | ca. 6,2 % | ||||
Bevölkerungsdichte | 35 Einw./km² | ||||
Kennzeichen | |||||
Kfz-Kennzeichen | E | ||||
Postleitzahl | EC08 | ||||
Vorwahl | 06 | ||||
ISO 3166-2 | EC-E | ||||
Politik | |||||
Präfektin | Roberta Zambrano (2019–) | ||||
Nationalversammlung | 4 von 137 Sitzen | ||||
Interaktive Karte | |||||
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prefecturadeesmeraldas.gob.ec | |||||
Datenherkunft:Wikidata |
DieProvinz Esmeraldas (span.Provincia de Esmeraldas) ist eineProvinz inEcuador. In ihr leben auf rund 15.800 km² etwa 550.000 Menschen. Die Provinzhauptstadt heißt ebenfallsEsmeraldas. Die Provinz durchfließt der wasserreicheRío Esmeraldas.Esmeraldas ist das spanische Wort fürSmaragde.
Lage und Geographie
[Bearbeiten |Quelltext bearbeiten]Die Provinz Esmeraldas liegt im Nordwesten Ecuadors. Sie grenzt im Westen an denPazifischen Ozean, im Norden anKolumbien (Departamento de Nariño), im Osten an die ProvinzenCarchi undImbabura und im Süden an die ProvinzenPichincha,Santo Domingo de los Tsáchilas undManabí.
Das Klima in Esmeraldas ist tropisch mit intensivem Sonnenschein und hoher Luftfeuchtigkeit. Die Provinz gilt als eines der am stärkstenMalaria-gefährdeten Gebiete des Landes, was weniger für Touristen als für die einheimische Bevölkerung ein Problem darstellt. Die Provinz ist bekannt für ihre Strände, beispielsweise in Las Penas, Rio Verde,Atacames, Súa und auf der InselMuisne. Die örtliche Küche ist dementsprechend durch eine große Reichhaltigkeit an Früchten und Hülsenfrüchten sowie durch Fischgerichte geprägt. In Esmeraldas wird zudem der weltweit qualitativ hochwertigsteKakao (cacao nacional fino de aroma) angebaut. AuchMangrovensümpfe, die durch quasi-industrielleGarnelenzucht zum Großteil zerstört worden sind, finden sich in der Provinz. Der tropische Küsten-Regenwald ist durch die ungebremste Abholzung stark gefährdet. Bis zu 80 % des ursprünglichen Waldbestandes sind bereits vernichtet. Dadurch und durch die Ausbreitung von Monokulturen ist die reiche Artenvielfalt – die Provinz wird als biologischerhot spot bezeichnet – gefährdet.
Wirtschaft und Infrastruktur
[Bearbeiten |Quelltext bearbeiten]Die Hauptstadt Esmeraldas bzw. der benachbartePuerto Balao sind wichtige Hafenstädte, insbesondere für den Export des im ecuadorianischen Teil desAmazonastieflandes gefördertenErdöls. Puerto Balao ist der Endpunkt der 503 km langen PipelineOleoducto de Crudos Pesados (OCP), die inNueva Loja (Sucumbíos) beginnt. Bei Esmeraldas befindet sich auch eine großeErdölraffinerieanlage. In der Stadt Esmeraldas selbst befindet sich ein Handelshafen, über den vor allem landwirtschaftliche Güter verschifft werden. Ferner verfügt Esmeraldas über einen semi-internationalenFlughafen, von dem aus eine Flugverbindung nachCali inKolumbien besteht. VonIbarra (Provinz Imbabura) in die esmeraldenische HafenstadtSan Lorenzo verkehrt(e) streckenweise ein Schienenbus (autoferro), dessen Streckenverlauf auch durch tropische Wälder verläuft.
Hauptprodukte der Provinz sindBananen,Garnelen und das Palmöl, das aus der afrikanischen Ölpalme (palma africana) gewonnen wird, sowie Edelhölzer, Tabak und Kakao.
Bevölkerung
[Bearbeiten |Quelltext bearbeiten]Esmeraldas ist die Provinz mit dem höchsten Bevölkerungsanteil anAfroecuadorianern. Die Vorfahren der meisten Afroecuadorianer gelangten vermutlich (zu kleinen Teilen) als Schiffbrüchige aus Sklaventransporten schwimmend an die Küste des seinerzeit weitgehend unerschlossenen Gebietes oder waren (zum Großteil) befreite oder geflohene Sklaven (v. a. Goldschürfer aus Kolumbien) ab, die sich in den sogenannten „palenques“, versteckte Siedlungen an den Flussläufen im Norden, zurückzogen. Neben ihnen und dem Bevölkerungsanteil vonMestizen bildet ein Teil der Provinz den Siedlungsraum derindigenen Volksgruppe der Cayapa, die sich selbst alsChachi bezeichnen, sowie für kleinere Gruppen derEpera undAwá-Indianer.
Seit den letzten Jahrzehnten siedeln sich viele Landarbeiter aus südlichen Provinzen (v. a. ausManabí) auf der Suche nach fruchtbarem Land in Esmeraldas an. Dieser Bevölkerungsdruck auf die Provinz wird durch die vielen kolumbianischen Flüchtlinge verstärkt. So ist die Provinz Esmeraldas zu einer Region mit einer hohen ethnischen Vielfalt geworden.
Entwicklung der Einwohnerzahl der Provinz Esmeraldas bei landesweiten Volkszählungen zum jeweiligen Gebietsstand:
Jahr | Einwohner | +/- |
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1950[3] | 75.407 | – |
1962[4] | 124.881 | 65,6 % |
1974[5] | 203.151 | 62,7 % |
1982[6] | 249.008 | 22,6 % |
1990[7] | 306.628 | 23,1 % |
2001[8] | 385.223 | 25,6 % |
2010[9] | 534.092 | 38,6 % |
2022[1] | 553.900 | 3,7 % |
Datenherkunft:Wikidata |
Geschichte
[Bearbeiten |Quelltext bearbeiten]Die Provinz Esmeraldas ist seit Jahrtausenden besiedelt. DieTolita-Kultur war zwischen 500 v. Chr. und 400 n. Chr. auf dem Gebiet der heutigen Provinz ansässig. Sie ist nach der InselLa Tolita im Nordwesten von Esmeraldas benannt.
DieCara, die im 13. Jahrhundert das später von denInka eroberte Gebiet umQuito beherrschten (siehe auchShyri-Reich), hatten ebenfalls ihre Siedlungsgebiete in dem heutigenKanton Atakames und südlich davon in Manabí, woBahía de Caráquez ein wichtiges Zentrum war. Die indigenen Völker derChachi undTsáchila (Colorados) bewahren heute noch Teile von deren Kultur.
Die Region Esmeraldas war 1526 der erste Teil Ecuadors, der von Spaniern entdeckt wurde, alsBartolomé Ruiz auf GeheißFrancisco Pizarros von Panama auch nach Süden reiste. 1529 kamDiego de Almagro auf demselben Weg zum Río Esmeraldas. Vermutlich 1553 kamen die ersten Schwarzen als schiffbrüchige Sklaven in die Region. Während der Kolonialzeit war Esmeraldas kaum erschlossen, es unterstand zunächst der Verwaltung desMercedarier-Ordens, und wurde später zur Provinz. Im 18. Jahrhundert unternahmPedro Vicente Maldonado den erfolgreichen, aber nicht nachhaltigen Versuch, die Küste der Provinz Esmeraldas mit Quito über einen Transportweg zu verbinden. Er wurde zu Gouverneur der von Atacames/Esmeraldas ernannt, erkundete die Region und gründete neue Siedlungen. Nach seinem Tod verfielen der Transportweg und sein zivilisatorisches Projekt zunehmend.
Die Gegend des heutigen Esmeraldas erklärte sich 1820 unabhängig von Spanien. Es wurde Teil vonGroßkolumbien. Durch dessen territoriale Neuordnung 1824 wurde die Provinz Esmeraldas aufgelöst und als Kanton zunächst derProvinz Imbabura, dann der Provinz von Quito (Pichincha) eingegliedert. 1861 wurde Esmeraldas als Provinz neu begründet.
Kantone
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Die Provinz Esmeraldas ist in siebenKantone eingeteilt. Diese sind (in der Reihenfolge ihrer Einrichtung):
Name | Hauptort | Einwohner 2022 | Einwohner 2010 | Fläche [km²] | Bev.-Dichte [Ew./km²] | Gründung |
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Esmeraldas | Esmeraldas | 211.848 | 189.504 | 1.346 | 157 | 1824 |
Eloy Alfaro | Valdez | 46.305 | 39.739 | 4.480 | 10 | 1941 |
Muisne | Muisne | 36.426 | 28.474 | 1.266 | 29 | 1956 |
Quinindé | Rosa Zárate | 126.841 | 122.570 | 3.621 | 35 | 1967 |
San Lorenzo | San Lorenzo | 48.391 | 42.486 | 3.099 | 16 | 1978 |
Atacames | Atacames | 51.204 | 41.526 | 510 | 100 | 1991 |
Rioverde | Rioverde | 32.885 | 26.869 | 1.513 | 22 | 1996 |
Mit der Provinz Santo Domingo de los Tsáchilas bzw. zuvor der Provinz Pichincha bestanden 50 Jahre lang Streitigkeiten um ein Grenzgebiet um die StadtLa Concordia, das nach Forderungen der einen als Kanton der Provinz Esmeraldas angeschlossen, nach Forderungen der anderen bei Santo Domingo de los Colorados verbleiben soll. Anfang November 2007 wurde La Concordia vom Nationalkongress zum Kanton der Provinz Esmeraldas ernannt.[10] Nach dem Provinz-Einrichtungsgesetz der Provinz Santo Domingo (von Oktober 2007) sollte jedoch ein Referendum über die Provinzzugehörigkeit entscheiden. Schließlich entschied am 31. Mai 2013 die ecuadorianischeNationalversammlung, dass der Kanton der neu gegründetenProvinz Santo Domingo de los Tsáchilas zugeschlagen wird.[11]
Film
[Bearbeiten |Quelltext bearbeiten]- Esmeraldas’ Edelkakao. Dokumentarfilm, Deutschland 2012, 52 Min.,GEO,arte, Reihe: 360° – Geo Reportage, Erstsendung: 4. Juni 2012 bei arte[12]
Literatur
[Bearbeiten |Quelltext bearbeiten]- Oswaldo Rivera Villavicencio:Ecuador: Provincias y Capitales. Ed. Edigaralde, Quito, 2004, S. 95–105.
Einzelnachweise
[Bearbeiten |Quelltext bearbeiten]- ↑abInstituto Nacional de Estadística y Censos (Hrsg.):Principales resultados. (spanisch, abgerufen am 26. September 2023).
- ↑Instituto Nacional de Estadística y Censos (Hrsg.):Densidad poblacional, según provincia de residencia. (abgerufen am 11. Januar 2025).
- ↑Primer Censo de Población del Ecuador 1950 Resumen de Características Volumen Único. In: Instituto Nacional de Estadística y Censos (Hrsg.):Zensus in Ecuador 1950. (abgerufen am 11. Januar 2025).
- ↑Segundo Censo de Población y Primer Censo de Vivienda 25 de Noviembre de 1962. In: Instituto Nacional de Estadística y Censos (Hrsg.):Zensus in Ecuador 1962. (abgerufen am 11. Januar 2025).
- ↑Censo de Población 1974 Resultados Definitivos Resumen Nacional. In: Instituto Nacional de Estadística y Censos (Hrsg.):Zensus in Ecuador 1974. (abgerufen am 11. Januar 2025).
- ↑IV Censo de Población 1982 Resultados Definitivos Resumen Nacional Ecuador-Noviembre 1982. In: Instituto Nacional de Estadística y Censos (Hrsg.):Zensus in Ecuador 1982. (abgerufen am 11. Januar 2025).
- ↑www.ecuadorencifras.gob.ec. In:Zensus in Ecuador 1990. (abgerufen am 31. Juli 2022).
- ↑www.ecuadorencifras.gob.ec. In:Zensus in Ecuador 2001. (abgerufen am 31. Juli 2022).
- ↑www.ecuadorencifras.gob.ec. In:Zensus in Ecuador 2010. (abgerufen am 5. Juli 2022).
- ↑La Concordia ya es cantón (Memento vom 18. November 2007 imInternet Archive), El Diario (Portoviejo), 1. November 2007.
- ↑Historia. Municipio de la Concordia, abgerufen am 21. Dezember 2021.
- ↑Inhaltsangabe (Memento vom 19. Juni 2012 imInternet Archive)