Probus wurde am 19. August 232 in Sirmium als Sohn einesMilitärtribuns geboren.[1] Er selbst schlug ebenfalls eine militärische Laufbahn ein, wobei er sich bei seinen Vorgesetzten und Truppen gleichermaßen Achtung verschaffte. Schon unterAurelian verteidigte Probus Germanien gegen dieAlamannen. Als KaiserTacitus 276 starb, hatte er das Truppenkommando im Orient inne. Im selben Jahr wurde er von seinen Truppen zum Gegenkaiser ausgerufen, woraufhin ihn Tacitus’ Bruder und NachfolgerFlorianus angriff. Trotz zahlenmäßiger Unterlegenheit besiegte er Florianus offenbar durch geschicktes Taktieren, worauf dieser von seinen Truppen ermordet wurde. Nach dessen Tod fand er auch die Anerkennung desSenats, der ihn wohl als Kaiser bestätigte. Wahrscheinlich war dies das letzte Mal, dass ein Kaiser in dieser Weise auf den Senat Rücksicht nahm. Fast alle späteren Herrscher verzichteten auf die nominelle Anerkennung durch dieses Organ; der augusteischePrinzipat ging seinem Ende entgegen.
Probus, einer derillyrischen Kaiser, wurde von derspätantiken Geschichtsschreibung (Aurelius Victor,Historia Augusta) ungewöhnlich positiv beurteilt. Von 277 bis 282 bekleidete er fünfmal dasKonsulat und führte mehrere Kriege. Es ist allerdings unklar, wie viele der ihm zugeschriebenen Siege tatsächlich errungen wurden. 277 scheint Probus zunächst dieGoten im Gebiet vonPannonien,Moesia oderThrakien besiegt zu haben, da er laut Münzfunden den EhrentitelGothicus Maximus annahm. Dann wandte er sich der VerteidigungGalliens zu, in das Germanen über den Rhein eingedrungen waren, und das nach dem Ende desGallischen Sonderreichs schutzlos war. Im selben Jahr ließ er wohl dieFranken hinter den Fluss zurückdrängen und am rechten Ufer Befestigungen und Brückenköpfe errichten. Zur gleichen Zeit überquerte er selbst denNeckar, um die eingefallenen Alamannen undLongioner zu vertreiben. Er besiegte sie und nahm ihren Anführer Semnon gefangen, dem er aber die Freiheit schenkte. Im Gegenzug mussten sie wie auch die Franken in ihre Heimat zurückkehren, ihre Beute abgeben und die gefangenen Römer ausliefern.
Rückseite Antoninian des Probus' mit der Umschrift VICTORIA GERMum einTropaion und gefangene Germanen
Am Ligys (wohl derLech) schlug er danach dieBurgunden, die zahlenmäßig überlegen waren, indem er sie taktisch klug zu einem unüberlegten Vorstoß verleitete. Auch mit ihnen schloss er ein Abkommen. Da sie ihre Gefangenen nicht ausliefern wollten, wie es vereinbart worden war, besiegte er sie ein zweites Mal. 10.000 der dabei gemachten Gefangenen siedelte er zur Verstärkung des Heeres nachBritannien um. Für seine Siege erhielt er den TitelGermanicus Maximus. 278 besiegte er noch dieVandalen inIllyrien undRaetia, vermutlich am Lech, was ebenfalls auf einer Münze gefeiert wurde(Restitutor Illyrici).
279 wandte sich Probus dem Osten des Reiches zu und bekämpfte rebellierendeisaurische Stämme in Kleinasien unter ihrem AnführerLydius. Als dieser im Kampf fiel, ergaben sie sich. Ferner wurden 279 dienubischenBlemmyer in Ägypten, die schon die StädteKoptos undPtolemais eingenommen hatten, besiegt (Triumphzug 281). Damit waren die wichtigen Getreidelieferungen von Ägypten nach Rom vorerst gesichert. Als im Westen des Reichs Aufstände ausbrachen, verschaffte sich Probus Zeit, indem er mit denSassaniden einen Waffenstillstand schloss. Dann schlug er den gallischen Aufstand nieder. Schließlich endeten 280/281 dieUsurpationen desIulius Saturninus inSyrien, desProculus in Gallien und desBonosus inKöln.
Probus wurde im September/Oktober 282 von unzufriedenen Soldaten in Sirmium ermordet.[2] Hintergrund war angeblich, dass der Kaiser daran dachte, die Armee zu entlassen, nachdem relativer Frieden im Reich eingekehrt war. Ob diese – eher unglaubwürdige – Nachricht einen realen Kern hat, ist unklar – selbst eine Verkleinerung des Heeres wäre zum fraglichen Zeitpunkt unklug gewesen. Denkbar ist allenfalls, dass der Sold verringert werden sollte, doch ist auch dies spekulativ. Fest steht: Der Kaiser verlor trotz seiner militärischen Erfolge den Rückhalt im Heer. Offensichtlich wurden die Legionäre von ihm mehr und mehr zu zivilen Aufgaben herangezogen, die bei den Truppen jedoch sehr unbeliebt waren. Schließlich schlugen sich die Soldaten offenbar auf die Seite des UsurpatorsCarus; Probus wurde von meuternden Legionären bei einer Inspektion erschlagen.
Trotz seiner kurzen Regierungszeit gehört Probus in einigen Regionen heute zu den auch Laien bekannten römischen Kaisern. Dies rührt von einer Nachricht in verschiedenen antiken Quellen her, denen zufolge er den Einwohnern verschiedener römischer Provinzen erlaubte, Reben zu besitzen und Wein herzustellen.[3] Die Probus-Biographie der – in ihrer Zuverlässigkeit sehr umstrittenen –Historia Augusta nennt als betroffene Gebiete Gallien, Hispanien und Britannien sowie den Mons Alma (Fruška Gora) naheSirmium.[4]Aurelius Victor nennt Gallien, Pannonien und die Hügellandschaften von Moesia als Provinzen, auf die sich der Erlass des Kaisers erstreckte.[5]Eutropius erwähnt ebenfalls Gallien und Pannonien, außerdem den Mons Aureus in Moesia und (wie die Historia Augusta) den Mons Alma.[6]
Aufgrund dieser Berichte gilt Probus in zahlreichen Weinbaugebieten nördlich der Alpen, zum Beispiel in Österreich und an derMosel, als derjenige, der dort den Weinbau eingeführt hat. Sicher ist zwar, dass die Römer bereits lange vor Probus den Weinanbau in ihren Nordprovinzen eingeführt hatten, allerdings deutet zugleich vieles darauf hin, dass die Weinproduktion in diesen Regionen nach der Mitte des 3. Jahrhunderts deutlich an Bedeutung gewonnen hat. Eine Verbindung mit den Maßnahmen des Kaisers kann also nicht ausgeschlossen werden.
InBad Godesberg erinnert dieProbussäule an den Kaiser.[7] Im Wiener StadtteilHeiligenstadt wurde die Probusgasse nach ihm benannt. Sie existiert seit dem 18. Juli 1894. Probus ist dort über dem Eingang einesGemeindebaus auf einemMosaik abgebildet.[8]
Hartwin Brandt:Probus. In:Manfred Clauss (Hrsg.):Die römischen Kaiser. 55 historische Portraits von Caesar bis Iustinian. 4., aktualisierte Auflage. Beck, München 2011,ISBN 978-3-406-60911-4, S. 252–257.
Raban von Haehling:Die Friedensverheißungen des Kaiser Probus in der Historia Augusta. In:Gymnasium. Band 119, 2012, S. 371–395.
Sebastian Matz:Das System der Münzprägestätten unter dem römischen Kaiser Probus 276–282 n. Chr. In:Angelika Geyer (Hrsg.):Moneta Augusti. Römische Münzen der Kaiserzeit und Spätantike im Akademischen Münzkabinett der Friedrich-Schiller-Universität Jena (=Jenaer Hefte zur Klassischen Archäologie. Band 6). Glaux, Jena 2005,ISBN 3-931743-79-9, S. 267–289.