| Pro Tools | |
|---|---|
Pro Tools 10 unter Mac OS X, 2012 | |
| Basisdaten | |
| Entwickler | Avid Technology |
| Erscheinungsjahr | 1991 |
| Aktuelle Version | 2022.12 |
| Betriebssystem | Microsoft Windows[1], macOS[1] |
| Programmiersprache | C++, C, Assemblersprache |
| Kategorie | Digital Audio Workstation |
| Lizenz | proprietäre Lizenz |
| deutschsprachig | ja |
| www.avid.com | |

Pro Tools ist eineDigital Audio Workstation (DAW), die vom ehemaligen amerikanischen UnternehmenDigidesign entwickelt worden ist und nach dessen Übernahme durchAvid Technology und seit der Version 9.0 unter der MarkeAvid ProTools weiterentwickelt und vertrieben wird.ProTools verfügt über eine64-Bit-Architektur mit interner 64-Bit-Gleitkommaverarbeitung. In der VersionPro Tools HD ermöglicht es Abmischungen bis zu 7.1Surround Sound. DasMIDI-Interface von Pro Tools verfügt über einen Noteneditor und bietet überReWire dieImplementierung einer beidseitig synchronisiertenSibelius-Partitur,Sample Libraries können so beispielsweise mit demKontakt 5 Player vonNative Instruments direkt eingebunden werden. Mit derAvid Video Engine können Videos direkt mit der Tonspur synchronisiert werden.[2][3][4]
Prinzipiell ähnelt die Handhabe von Pro Tools – wie bei anderenDigital Audio Workstations – der Kombination vonMehrspurrekorder undMischpult, wobei die Besonderheit in den zusätzlich an die Hand gegebenen Werkzeugen liegt, die sich so nur digital verwirklichen lassen. Entsprechend finden sich im Programm zwei Haupt-Ansichten: die desEdit-Fensters und die desMix-Fensters. Neben standardmäßig beinhalteten Funktionen zum Aufnehmen vonMIDI undAudio, zum Schneiden, Nachbearbeiten und Mischen kann das Programm modular umPlug-ins fürEQ,Hall, Tonhöhenkorrektur,Sampling oderAmpmodeling erweitert werden, jedoch muss hier oft auf Fremdanbieter zurückgegriffen werden. Bedientechnische Eigenart ist u. a. das sogenannteSmart Tool, was es ermöglicht, mit ein und demselben Werkzeug zu trimmen, zu markieren, zu verschieben undFades zu setzen.
Pro Tools in der Version 12.7 vom 21. Dezember 2016[5] ist in verschiedenen Versionen erhältlich:
Pro Tools unterstütztSampleraten bis zu 192 kHz und Auflösungen von 16, 24 und 32 Bit. Standardmäßige Medienformate sindWAV-,AIFF-,MP3- undSDII-Audiodateien, sowieQuickTime-Videos. Weitere Dateiformate können über Plug-ins verarbeitet werden (siehe AbschnittPro Tools Plug-ins).
Vormalige Varianten waren:
Darüber hinaus gab es folgende fünf Varianten, welche nur mit Hardware des Unternehmens Avid Technology bzw. M-Audio (M-Powered (Essential)) benutzt werden konnten:
Pro Tools wurde ursprünglich von Peter Gotcher und Evan Brooks entwickelt, welche an derUniversität Berkeley ein Studium der Elektrotechnik und Informatik absolvierten. Die Anfänge von Pro Tools liegen im Jahr 1984, als beide mit der Programmierung der SoftwareSound Designer begannen, deren Verwendungszweck darin lag, Samples für das KeyboardE-MU Emulator editieren zu können.[12]Ihre Software wuchs an Funktionalität und wurde nach einiger Zeit entsprechend inSound Tools umbenannt. Als deren Integration in das 1987 veröffentlichteEmulator III-Keyboard jedoch vonE-MU abgelehnt wurde, gründeten Gotcher und Brooks die FirmaDigidesign, um ihr Programm eigenständig zu vertreiben.[13] Der erste offizielle Release vonSound Tools wurde am 20. Januar 1989 auf der amerikanischen MusikmesseNAMM vorgestellt.
Die erste Veröffentlichung von Pro Tools erfolgte 1991. Zu diesem Zeitpunkt kostete das Programm etwa 6000$ (USD), wobei bis zu vier Spuren gleichzeitig bearbeitet und über die Hardware (NuBus-Steckkarte und Interface 442 I/O) ausgegeben werden konnten.[14] 1995 wurde Digidesign von Avid aufgekauft, seine Produkte jedoch vorerst unter der Marke Digidesign weitervertrieben.
Pro Tools war zu Beginn eine reineAudiosoftware mit eigener Hardware und wurde schrittweise umMIDI-Funktionen erweitert. Alternative Programme wieCubase,Logic undDigital Performer begannen dagegen als MIDI-Software, die um Audiofunktionen erweitert wurde. Daraus resultieren unterschiedliche Stärken und Schwächen im Bedienungskonzept. Pro Tools gilt aufgrund samplegenauer Bearbeitung und ebenso genauer Automation bis heute als vorbildlich für die Audiobearbeitung, jedoch bis Erscheinen der Version 8 als weniger praktisch für MIDI-Editing. VieleMusikproduzenten (u. a.Just Blaze, Firzt Play) kombinierten Pro Tools deshalb mit Logic oder Digital Performer, zumal beide die Digidesign-TDM-Hardware direkt unterstützen.
Große Bedeutung hat Pro Tools in derFilmindustrie im BereichPostproduktion erlangt und gilt dort nebenNuendo als Quasi-Standard für Tonschnitt undSounddesign. Im Jahr 2004 erhielt der Hersteller Avid (damals noch unter dem NamenDigidesign) einenOscar (die SonderauszeichnungAcademy Award of Merit) für sein Produkt Pro Tools.[15]
Ab Version 9 wird Pro Tools erstmals auch als reinerSequenzer vertrieben, nachdem das Produkt viele Jahre lediglich als hochintegrierteDAW erhältlich war und nur in Verbindung mit entsprechenderHardware erworben werden konnte.
Die neueren HD-Systeme benutzen das Plug-in-Format AAX HD. Hierbei wird die Berechnung vonTDM-Plug-ins, anders als bei den LE-Systemen nicht von der/denCPU(s) übernommen, sondern vonDSPs, die sich auf einer oder mehreren speziellen Erweiterungskarten des Computers befinden. Es gibt verschiedene Ausbaustufen des HD-Systems.
Im Gegensatz zu den HDX bzw. HD Accel-Systemen bietet das HD Native-System keine Berechnung mittels DSP, die Nutzung von Pro Tools HD ist allerdings trotzdem möglich. Die HD Native-Umgebung ist alsThunderbolt-Audiointerface oder als PCIe-Karte mit zusätzlichen externen Interfaces (HD I/O, HD MADI, HD Omni, PRE), welche auch für die HDX-Systeme verwendet werden, verfügbar. HD Native-Systeme benutzen das AAX Native-Plug-in-Format; auch sie unterstützen das Vorläuferformat, hier RTAS. Bei nativen Systemen muss das Hostsystem auch alle Audioberechnungen durchführen, was eine nicht unerhebliche Systemlast mit sich bringt.[16]
Das HDX-System besitzt mindestens eine Pro Tools|HDX-Karte an welcher spezielle AVID-Audiointerfaces angeschlossen werden; auf ihnen befinden sich aber auch dieDSPs zur Audioberechnung. Auf HDX-Karten basierte Systeme benutzen das Plug-in-Format AAX HD; unterstützen aber auch das ältereTDM-System. Sämtliche Prozesse zur Audioverarbeitung sowie alle Plug-in-Berechnungen finden auf den DSPs der HDX-Karten statt. Dadurch wird das Hostsystem nur durch die minimalen Leistungsanforderungen der grafischen Oberfläche belastet und die Latenz der Audiosignale bei Verwendung von Effekten (EQ, Dynamics etc.) signifikant reduziert.[17]
Version Pro Tools 10 bietet auch Unterstützung für das alte HD Accel-System, dieses besteht aus einer HD Core sowie optional mehreren HD Accel-Karten sowie externen Audiointerfaces, welche an diese Karten angeschlossen werden. Diese Unterstützung wird jedoch AVID zufolge in Nachfolgeversionen nicht mehr vorhanden sein. Von Digidesign selbst war das System als HD 1 (ohne Accel-Karte), HD 2 (eine Accel-Karte) und HD 3 (zwei Accel-Karten) verfügbar. Weitere Accel-Karten konnten jedoch separat hinzugekauft werden; die begrenzte Anzahl an PCI(e)-Steckplätzen machte jedoch meist ein externes PCI(e)-Extender-Gehäuse notwendig, dieses wurde von Digidesign als Magma-Chassis vertrieben.
Pro Tools ermöglicht das modulare Einbinden von nativen, mit derRechner-CPU berechneten Plug-ins zur Realisierung verschiedenster Audio-Effekte in Echtzeit.Pro Tools HD ermöglicht ausschließlich auf Pro Tools HD- und HDX-Systemen über dieTDM-Schnittstelle das Einbinden vonDSP-Plug-ins in Echtzeit. Die Rechenleistung für native Plug-ins wird bei HDX-Systemen ebenfalls auf die DSP ausgelagert, was jedoch zuLatenzen führen kann.[18] Darüber hinaus werden AudioSuite-Plug-ins für dateibasierte, nicht in Echtzeit gerenderte Effekte bereitgestellt.
Zur digitalen Kommunikation mit den Plug-ins bedient man sich des eigenen Standards derReal Time Audio Suite, kurzRTAS. Dieproprietäre, vonDigidesign entwickelte Plug-in-Schnittstelle ist im Gegensatz zuVST nichtOpen Source. Mit Version 10 führte Avid das neue Plug-in-FormatAvid Audio Extensions, kurz AAX ein, das es ermöglicht, Pro Tools-Sessions, die auf einem HD-System erstellt wurden, ohne Klangverluste auf einem nativen System zu öffnen und umgekehrt. Das Programm erkennt automatisch, ob zur Berechnung des AAX-Plug-ins die DSP-Leistung eines HDX-Systems zur Verfügung steht, oder, ob auf die Rechenleistung der Host-CPU zugegriffen werden muss. Pro Tools unterstützt somit ausschließlich AAX-, RTAS- und TDM-Plug-ins mit RTAS-Entsprechungen in 64-bit Architektur.
| Audiocodecs | |||
|---|---|---|---|
| Format | Kanäle | Dateiendung | Hersteller |
| Dolby Digital | 5.1 | .ac3 | Neyrinck[19] |
| Dolby Digital Plus | bis zu 7.1 | .ec3 | Minnetonka Audio[20] |
| Dolby Pro Logic II | 5.1 in Stereo-Datei | Minnetonka Audio[21] | |
| Signalbearbeitung (exemplarisch) | |||
| Name | Kanäle | Kategorie | Hersteller |
| DTS Neural™ Surround UpMix | Stereo-Upmix bis zu 7.1 (bis 48 kHz) | Raumsimulation | Waves[22] |
| Ircam Spat v3 | bis zu 7.1 (und Stereo-Upmix zu 7.1) | Raumsimulation | Flux[23][24] |
| Alchemist v3 | bis zu 7.1 | Multiband-Dynamikprozessor | Flux[25][26] |
Für den Datentransfer zwischen Aufnahmegeräten und Pro Tools benötigt man spezifischeHardware, je nach System kann dies eine interneSoundkarte, ein externesAudio-Interface oder auch einDAW-Mischpult sein. Diese werden je nach Version und Preiskategorie über Thunderbolt,FireWire,USB oderEthernet angeschlossen. Neben einemAD-Wandler kann solche Hardware auchVorverstärker für Mikrofon- und Kopfhörerbuchsen sowieDSPs zur Auslagerung von Rechenprozessen für die Signalverarbeitung beinhalten.
Seit November 2011 ist das Pro Tools-System offen und unterstützt somit Hardware von Fremdherstellern. Zuvor war ausschließlich Hardware vonDigidesign undM-Audio (beides Marken von Avid Technology) zugelassen, die neben dem iLok-USB-Key wie eine ArtDongle fungierten.
Die Entwicklung von neuen Features und Implementierung bei der Hardware benötigte durch die proprietäre Hardware, mangels Wettbewerb, länger als bei Konkurrenzprodukten. Diesen Umstand nutzten Unternehmen, wieSolid State Logic aus, um eigene Interfaces mit offiziell nicht unterstützten Features zu entwickeln und zu vertreiben. Auf diese Weise konnteMADI mittels Pro Tools genutzt werden. Die Fremdhardware simulierte in Pro Tools vier virtuelle "192 I/O"-Interfaces von Digidesign. Auf diese Weise konnten bis zu 64 Ein- und Ausgänge überLichtwellenleiter genutzt werden.
Folgende Hardware-Controller (mit visuellen Elementen der Pro Tools-Oberfläche und sensitiven Schaltflächen, Schiebe- und Drehreglern, die real bedient undhaptisch erfasst werden), finden als Bedienhilfe für Pro Tools Anwendung: