
DasPro-Kopf-Einkommen (Abkürzung: PKE;englischincome per capita) ist einevolkswirtschaftliche Kennzahl, welche dieBruttoeinkommen,Durchschnittseinkommen oder andereEinkommensgrößen derEinwohnerzahl einesStaates gegenüberstellt.
Zu den Einkommensgrößen derPrivathaushalte zählen dasArbeitnehmerentgelt, Brutto- oderNettoeinkommen jeArbeitnehmer oder dasverfügbare Einkommen nach Art des Privathaushalts.[1] Auch andere volkswirtschaftliche Kennzahlen wie insbesondereBrutto-,Nettonationaleinkommen oderVolkseinkommen können pro Kopf angegeben werden. Dabei ist zu berücksichtigen, dass das Volkseinkommen kein Einkommensaggregat nachESVG 1995 darstellt.[2]
Um das Pro-Kopf-Einkommen zu ermitteln, wird häufig das jährlicheDurchschnittseinkommen derBevölkerung eines Staates oder einerRegion gegenübergestellt:
Anstelle des Durchschnittseinkommens kann auch dasBruttoinlandsprodukt gewählt werden:[3]
BeiWirtschaftswachstum und konstant bleibender Bevölkerungszahl steigt das Pro-Kopf-Einkommen, so dass sich eine Erhöhung derGeburtenrate oder zunehmendeEinwanderung negativ auf das PKE auswirken.
Es gibt eine Reihe von Faktoren, die das Pro-Kopf-Einkommen sowohl positiv als auch negativ beeinflussen können.
Bei einer Einwanderung steigt z. B. zunächst lediglich Bevölkerungsanzahl, während das Bruttoinlandsprodukt nur dann mit wächst, wenn die Einwandereroffene Stellen auf demArbeitsmarkt besetzen können. Steigt die Einwohnerzahl stärker als z. B. das Bruttonationalprodukt, so sinkt das Pro-Kopf-Einkommen.[4]
Wenn zwei Länder eine gleiche durchschnittlicheArbeitsproduktivität aufweisen, aber eine unterschiedliche Zahl anArbeitskräften, wird das Pro-Kopf-Einkommen ungleich sein. Unter der Annahme gleicher Bevölkerungsanzahl wird das Land mit dem höheren Anteil an Arbeitskräften das höhere Pro-Kopf-Einkommen haben.[5] Das bedeutet, dass Unterschiede bei der Geburtenrate und derSterblichkeit der Bevölkerung sich unmittelbar auf das Pro-Kopf-Einkommen eines Landes auswirken.[5]
So führt die Zunahme der Geburtenrate kurzfristig zu einer Senkung des Pro-Kopf-Einkommens, da in diesem Fall die Zahl der Arbeitnehmer vorübergehend sinkt. Langfristig gesehen, steigern die Neugeborenen wiederum die Anzahl der Arbeitnehmer und somit die Sozialproduktgröße.[4] Ist dieSterberate eines Landes höher als die Geburtenrate, so sinkt die Bevölkerungszahl, wodurch das Pro-Kopf-Einkommen höher ausfällt.
Ein weiterer Aspekt, der sich positiv auf das Pro-Kopf-Einkommen auswirkt, ist die erhöhteArbeitszeit. Bei gleichbleibender Beschäftigtenzahl kommt es zu einer Erhöhung desArbeitsangebots. Das ist jedoch problematisch, da mit einer höheren Anzahl an Arbeitsstunden dieArbeitsproduktivität der Arbeitnehmer sinkt. Somit steigt die Arbeitsstundenzahl schneller als das Pro-Kopf-Einkommen.[4] Die alternative Lösung wäre hier,Qualifizierungsmaßnahmen durchzuführen.
Ein dauerhaftes Wachstum des Pro-Kopf-Einkommens kann nur durch ständigentechnischen Fortschritt erreicht werden. Dieser weitet die Produktionsmöglichkeiten aus, ohne dass man mehr Arbeitnehmer einsetzen muss. Der technische Fortschritt ist also für das Wachstum einer Volkswirtschaft unabdingbar.[6]
Länder mit geringer technologischer Entwicklung, wie Mexiko oder Rumänien, haben ein niedrigeres Pro-Kopf-Einkommen als Länder, die stark industriell entwickelt sind, wie z. B. die Vereinigten Staaten, England und Deutschland.[7]Agrarstaaten haben also im Allgemeinen ein niedrigeres Pro-Kopf-Einkommen alsIndustriestaaten und umgekehrt.[7]

Das Pro-Kopf-Einkommen galt lange als einer der wichtigsten Indikatoren zur Wohlstandsmessung eines Landes. Es zeigt den durchschnittlichen materiellenWohlstand und macht ihn – gegebenenfalls nach Währungsumrechnung – zwischen den Ländern vergleichbar. Nach Bereinigung des Pro-Kopf-Einkommens verschiedener Jahre um dieInflationsrate kann auch die wirtschaftliche Situation eines Landes in verschiedenenRechnungsperioden verglichen werden.[8] Dieser Durchschnittswert enthält jedoch keine Aussage darüber, wie das Einkommen innerhalb eines Landes verteilt ist. So kann schon eine kleine Gruppe wohlhabender Bürger das Pro-Kopf-Einkommen eines Landes wesentlich erhöhen. Vor allem in den Entwicklungsländern sind die Einkommen sehr ungleich verteilt. Zwar weisen alle Länder einen gewissen Grad an Ungleichheit der Einkommensverteilung auf, doch ist dieser in den Entwicklungsländern gravierend höher als in den Industriestaaten. So herrschen insbesondere auf dem afrikanischen Kontinent und in Südasien extrem ungleicheEinkommensverteilungen. Das zeichnet ein verzerrtes Bild derLebensqualität der Bevölkerung dieser Länder; meist geht es der Bevölkerungsmehrheit wesentlich schlechter als das Pro-Kopf-Einkommen vermuten lässt.
Ein Indiz für die Stärke der Ungleichverteilung können die Abweichungen zwischen Pro-Kopf-Einkommen,Medianeinkommen undDurchschnittseinkommen sein. Das PKE ist dabei niedriger als das Durchschnittseinkommen, da einerseits ein Einkommen im Schnitt mehr als einen Kopf versorgen muss (etwa die Familie) und andererseits wenige sehr hohe Einkommen den arithmetischen Mittelwert der Einkommen nach oben verzerren. Außerdem wird das Durchschnittseinkommen meist nur als das der abhängig Beschäftigten berechnet – die EinkommenSelbstständiger,Freiberufler und Unternehmensgewinne (welche im Volkseinkommen jedoch eingeschlossen sind) bleiben dabei außen vor. Dazwischen liegt das Medianeinkommen, auchMittleres Einkommen genannt, welches die Einkommensbezieher in ihrer Anzahl in zwei Hälften teilt – die eine Hälfte verdient mehr als das Medianeinkommen, die andere Hälfte weniger.
Es gibt noch weitere Argumente, die gegen das Pro-Kopf-Einkommen als Wohlstandsindikator sprechen. So wird mit dieser Maßeinheit zum Beispiel nur das erfasst, was inGeld bewertet werden kann; viele andere Faktoren, die auch von Wert sind, bleiben unberücksichtigt. Zu nennen wären hier beispielsweise unentgeltlicheHausarbeit oderSchwarzarbeit.[9] Des Weiteren reduziert beispielsweise unfreiwilligeArbeitslosigkeit den Wohlstand. Hingegen senkt eine höherePräferenz fürFreizeit zwar das Nettonationaleinkommen, wirkt sich jedoch positiv auf den Wohlstand aus.[9]Weiterhin ist der Aspekt derUmweltbelastung von Bedeutung. Durch verschiedene wirtschaftliche Aktivitäten wird die Umwelt belastet. Die Ausgaben für die Beseitigung dieser Schäden (Umweltkosten) senken den Wohlstand. Doch die Umweltschäden selbst, welche wohlstandsmindernd sind, werden durch den Indikator nicht erfasst.[9]
Das Pro-Kopf-Einkommen wurde für 2022 in ausgesuchten Staaten wie folgt angegeben:[10]
| Staat | Bruttoeinkommen 2021 inUS-Dollar |
|---|---|
| Australien | 65526 |
| Belgien | 50114 |
| Deutschland | 49200 |
| Frankreich | 44100 |
| Griechenland | 27800 |
| Italien | 38200 |
| Japan | 42900 |
| Kanada | 55085 |
| Luxemburg | 127580 |
| Mexiko | 19900 |
| Niederlande | 56489 |
| Norwegen | 106328 |
| Osterreich | 52265 |
| Polen | 29600 |
| Schweiz | 92371 |
| Spanien | 38400 |
| Ungarn | 29600 |
| Vereinigtes Konigreich | 44300 |
| Vereinigte Staaten | 76348 |
Auch hier zeigt sich der Effekt, dass inKleinstaaten die Werte sehr viel höher liegen als inFlächenstaaten.
Mit Hilfe des Pro-Kopf-Einkommens kann jederBürger sein eigenesEinkommen besser einordnen,Unternehmen können hiermit imMarketing dasMarktpotenzial für die möglicheGüternachfrage ermitteln. Es bildet zudem auch die wichtigste Grundlage für die Ermittlung desGender-Pay-Gap.
Das Pro-Kopf-Einkommen wird häufig im internationalen Vergleich herangezogen. Um dabeiFremdwährungsunterschiede zu eliminieren, wird als Maßeinheit dieKaufkraftparität genutzt. Eine weitere Verfälschung kann sich durch die unterschiedlicheInflationsentwicklung ergeben; zur Vermeidung wird eininflationsbereinigter Vergleich vorgenommen (reales Pro-Kopf-Einkommen). Der Vergleich zeigt die unterschiedlichenEinkommensniveaus.
Das Pro-Kopf-Einkommen ist auch ein Einteilungskriterium fürEntwicklungs- undSchwellenländer.[11] Charakteristische Merkmale sind für diese ein niedriges Pro-Kopf-Einkommen, geringerBildungsstand (Analphabetismus), hoheArbeitslosigkeit und unzulänglicheInfrastruktur.[12]
DieBruttonationaleinkommenkategorisierung derWeltbank differenziert für 2024 die Pro-Kopf-Einkommen nach dem Bruttonationaleinkommen:[13]
Daraus entwickelte sie folgendeKlassifizierungen, denen einzelne Staaten zugeordnet werden:
| Klassifizierung | inUS-Dollar pro Kopf und Jahr | Beispiele |
|---|---|---|
| Low Income Country | ≤ 1135 | Afghanistan |
| Lower Middle Income Country | 1136 bis 4465 | Bangladesch |
| Upper Middle Income Country | 4466 bis 13845 | Albanien |
| High Income Country | > 13846 | Deutschland |
Trotz teilweise hohem Wirtschaftswachstum ist das Wohlstandsgefälle in keinem Kontinent so groß wie inAsien. SpitzenreiterJapan
Japan undChina Volksrepublik
Volksrepublik China werden gefolgt von den reichen StadtstaatenHongkong
Hongkong undSingapur
Singapur, während auf der untersten StufeBangladesch
Bangladesch,Bhutan
Bhutan oderKambodscha
Kambodscha stehen.[14]
Die Kategorisierung der Weltbank ist ein Kriterium beimLänderrating.
Einkommensarmut wird in denEU-Mitgliedstaaten in Armutsstudien bei einem Einkommen von 50 % des Durchschnittseinkommens angenommen, 40 % ist die Grenze fürstarke Armut, 60 % fürschwache Armut (Armutsnähe).[15] Andere Teile derFachliteratur sehen dieArmutsgrenze (englischpoverty line) erst bei 15 % des Durchschnitts- oder Pro-Kopf-Einkommens.[16] Geringes Einkommen bedeutet geringeKaufkraft, so dass im Extremfall nicht einmal dieGrundbedürfnisse Gesundheit, Kleidung, Nahrung, Trinkwasser oder Wohnung befriedigt werden können. Zur Ermittlung von relativer Einkommensarmut wird häufig dasmittlere Einkommen bevorzugt, da es im Gegensatz zum arithmetischen Mittel unempfindlicher gegenüber Extremwerten ist.
Das Pro-Kopf-Einkommen findet alsWohlstandsmaß eine breite Verwendung inMassenmedien,Wirtschaft,Wirtschaftspolitik undWirtschaftswissenschaft. Im Marketing von Unternehmen kann es Marktpotenzial für die künftige Güternachfrage anzeigen. Dabei ist zu beachten, dass die Aussagekraft dieser Kennzahl durch die gewählteBezugsgröße eingeschränkt sein kann. Beim PKE inInlandswährung oderFremdwährung wird die nationaleKaufkraft schlecht wiedergegeben, beim PKE aufgrund des Bruttoeinkommens können Extremwerte zu einer Verzerrung führen.
Die Kennzahl erlaubt dennoch den Vergleich der wirtschaftlichen Lage der Bevölkerung im Zeitablauf oder in verschiedenen Ländern.[17] Bei internationalen Vergleichen wirken sich die Unterschiede zwischen BIP und BNP und die Berechnungsunterschiede nur graduell auf die Werte des Pro-Kopf-Einkommens aus.[18]
Ein ökonomischer Zusammenhang besteht zumÄquivalenzeinkommen. Dieses ist nämlich definiert als diejenige Höhe des Pro-Kopf-Einkommens, die bei Gleichverteilung die gleiche Höhe der Gesamtwohlfahrt garantiert wie die, die sich bei der tatsächlichen (ungleichen)Einkommensverteilung ergibt.[19]
Das Pro-Kopf-Einkommen ist vomDurchschnittseinkommen abzugrenzen. Letzteres stellt das jährliche Bruttoeinkommen derErwerbstätigen eines Staates dar. Anstelle desBezugswerts „Erwerbstätige“ wird für das Pro-Kopf-Einkommen die Einwohnerzahl verwendet, was auch jene Einwohner einbezieht, die nicht erwerbstätig sind. Das Pro-Kopf-Einkommen alsarithmetisches Mittel der Summe aller Einkommen bezogen auf die Bevölkerungsgröße (Köpfe) ist abzugrenzen vomMittleren Einkommen (bestimmt als derMedian aller Einkommen, das die betrachtete Bevölkerung in zwei Hälften teilt – die eine Hälfte verdient mehr als das Medianeinkommen, die andere Hälfte weniger), sowie vom Durchschnittseinkommen oder durchschnittlichenHaushaltseinkommen als arithmetisches Mittel aller Einkommen bezogen auf die Anzahl der Einkommen oder Anzahl der Haushalte.