Lage von Prekmurje in SlowenienWappen des Murlandes
Prekmurje,deutschÜbermurgebiet,ungarischMuravidék (‚Mur-Land‘) ist eine Region im äußersten NordostenSloweniens. Das Gebiet hat eine Fläche von etwa 950 km² und umfasst das hügeligeGoričko, die EbenenRavensko undDolinsko sowie den westlichen Teil desLendava-Hügellandes. Die Region hatte im Jahr 2020 76.987 Einwohner.
Der Landesteil ist nach dem FlussMur benannt, der einst die in Ungarn lebenden Slowenen von dencisleithanischen in derUntersteiermark trennte. Der wirtschaftliche und kulturelle Mittelpunkt von Prekmurje ist heute die StadtMurska Sobota. Im Norden und Osten wohnt eineungarischeMinderheit, die ein Recht auf einen Sitz im slowenischen Parlament hat. Es ist die ärmste Region Sloweniens.
Die Region ist einHügelland mit Höhen zwischen etwa 150 und 400 m: Das Goričko stellt eine morphologische Fortsetzung desoststeirischen Hügellandes dar, das sich in denVasi Hegyhát undZalai-dombság Westungarns, demLendava-Hügelland (Unterlimbacher Hügelland) und demMeđimurje (Zwischenmurland) Kroatiens als letzte Alpenausläufer fortsetzt. Der Hauptfluss ist dieLedava (Lendva/Limbach), die den Nordostteil der Murebene (Pomurska ravan) durchfließt. Diese bildet den Südost- und Südteil des Prekmurje. Höchste Erhebung ist der418 m. i. J. hoheSotinski breg an der Grenze zu Österreich.
Die zwei wichtigsten Straßenverbindungen verlaufen in Nord-Süd-Richtung: Jene im Westen verläuft parallel zur steirischen Grenze und beiNeuhaus-Bonisdorf ins österreichischeSüdburgenland, die andere biegt in der Landesmitte beiPetrovci-Šalovci in östlicher Richtung nach Ungarn ab.
Ethnien derUngarischen Krone um 1880, dunkleres Blau die kleinen slowenischen GebieteTeilungskonzept fürÖsterreich-Ungarn in den Pariser Vororteverträgen 1919/20: Das Prekmurje als die weiße Spitze im Norden Jugoslawiens
Der slowenische Siedlungsraum gehörte seit Beginn der Neuzeit zurHabsburgermonarchie. Das Gebiet nördlich der Mur war schon im Mittelalter Teil desKönigreichs Ungarn gewesen, bevor dieses in der Zeit der Türkenkriege 1527/38 alsKönigliches Ungarn zu Österreich kam. Westlich grenzte dieUntersteiermark desHerzogtums Steyer (Steiermark) an, das slowenische Kernland und die Küste waren dasHerzogtum Krain. Damit ist das Prekmurje der einzige Teil des heutigen Slowenien, der nicht zumHeiligen Römischen Reich gehörte. Die Bevölkerung des Raumes war gemischt ungarisch und slowenisch, mit kleineren deutschen Gebieten. Zudem bildeten und hielten sichevangelische Gemeinden sowohl in der slowenisch- als auch in der ungarischsprachigen Bevölkerung. Bis heute lebt der Großteil derslowenischen Protestanten in dieser Region.[2]
Nach demZerfall der Habsburgermonarchie 1918 bildete sich in derUngarn zugehörigen Prekmurje 1919 dieMurrepublik (Republik Prekmurje) der slowenischen Volksgruppe, die aber nur sechs Tage bestand. Nach der Niederschlagung derSezession verlangte die slowenische Volksgruppe des Gebietes eine Vereinigung mit der slowenisch dominierten Untersteiermark, die seit 1918 dem neuenSHS-Staat (Königreich Jugoslawien) angehörte. Mit demVertrag von Trianon wurde die Prekmurje 1920 tatsächlich aus Ungarn herausgelöst und dem SHS-Staat unterstellt; auch kam das Burgenland (Deutsch-Westungarn) an Österreich.
Nach demBalkanfeldzug im Frühjahr 1941 kam die Prekmurje zunächst wieder zurück zu Ungarn und nach dem Ende des Krieges 1945 wieder zu Jugoslawien, wo sie dem neuen GliedstaatSozialistische Republik Slowenien zugeordnet wurde. Aus dem Gliedstaat (mit der Prekmurje) wurde 1991 die unabhängigeRepublik Slowenien, die 2004 derEU beitrat.
Die slowenische Bevölkerung spricht eine lokale Mundart, diePrekmürščina (Prekmurisch), einen ostslowenischen Dialekt, der demMeđimurje- und demBurgenlandkroatisch verwandt ist und durch die lange Zugehörigkeit zu Ungarn geprägt ist. Er wurde schon im 18. Jahrhundert verschriftlicht und hat sich seine Eigenständigkeit gegenüber dem (Krainer) Standardslowenischen gut erhalten.
↑Dieter Schulze, Izabella Gawin:Baedeker Reiseführer Slowenien: mit Downloads aller Karten und Grafiken. Mairdumont GmbH & Company KG, 2018,ISBN 978-3-575-42567-6 (google.com [abgerufen am 27. August 2022]).