Potschep wurde erstmals 1447 urkundlich erwähnt, 1503 erstmals als „Stadt“.
In derZeit der Wirren kam es 1610 bei Potschep zu erbitterten Kämpfen zwischen russischen undpolnisch-litauischen Truppen. 1618 fiel der Ort an Polen-Litauen, mit demEwigen Frieden von 1686 jedoch endgültig an Russland.
Während desGroßen Nordischen Krieges wurde Potschep 1708 bis 1709 auf AnweisungPeters des Großen wieder befestigt und diente als Truppenstützpunkt der russischen Armee.
In Folge war Potschep wichtiges regionales Handwerks- und Handelszentrum mit vier jährlichen Jahrmärkten, deren bedeutendster der bereits ab 1665 abgehalteneEliasmarkt war. Trotzdem galt der Ort als dörfliche Siedlung, die mit den umliegenden Ländereien im Verlaufe des 18. und 19. Jahrhunderts verschiedenen Familien des Großadels gehörte (Menschikow, Rasumowski, Kleinmichel).
Erst 1919 wurde das Stadtrecht verliehen.
ImZweiten Weltkrieg wurde Potschep am 22. August 1941 von der deutschenWehrmacht besetzt und am 21. September 1943 von Truppen derBrjansker Front derRoten Armee zurückerobert. Gemäß sowjetischen Archiven wurden imHolocaust 1875 Juden, darunter Männer, Frauen und Kinder, hauptsächlich bei den Schießereien im März 1942 ermordet.[2]
Außerhalb von Potschep, lagern abgefüllt in über 67.000 Fliegerbomben rund 7.500 t der Nervenkampfstoffe Vx, Sarin und Soman, die im Rahmen der Einhaltung der Vorgaben nach dem Chemiewaffenübereinkommen (CWÜ) von 1997 durch eigens hierfür errichtete Anlagen vernichtet werden.
In Potschep sind dieAuferstehungskathedrale (Воскресенский собор/Woskressenski sobor) aus den 1760er Jahren (ArchitektAntonio Rinaldi) sowie dieEliaskirche (Ильинская церковь/Iljinskaja zerkow) vom Beginn des 19. Jahrhunderts erhalten.
Die Stadt besitzt ein Heimatmuseum.
Im 25 Kilometer entfernten DorfKrasny Rog des Rajons Potschep liegt der ehemalige Landsitz des Dichters und SchriftstellersAlexei Konstantinowitsch Tolstoi (1817–1875), der heute als Museum hergerichtet ist. Dort befinden sich auch die Grabkapelle Tolstois und seiner Frau sowie in der Nähe die hölzerneMariä-Himmelfahrts-Kirche (Успенская церковь/Uspenskaja zerkow) vom Beginn des 19. Jahrhunderts.
In Potschep gibt es Betriebe der Lebensmittel-, Textil- und holzverarbeitenden Industrie.
In der Stadt befindet sich das mengenmäßig größte der sieben Chemiewaffenlager der Russischen Föderation. Hier werden ungefähr 7500 Tonnen anVX,Sarin undSoman gelagert. Am 10. April 2008 wurde der Grundstein für eine Chemiewaffenvernichtungsanlage gelegt. Das Auswärtige Amt, welches schon an zwei weiteren Chemiewaffenvernichtungsanlagen in Russland inGorny (2002) undKambarka (2006) beteiligt war, engagiert sich auch hier mit 140 Millionen Euro für den Bau einen Betriebsgebäudes zur Verbrennung von Reststoffen aus der Chemiewaffenvernichtung.
Die Stadt liegt an der 1887 durchgängig eröffnetenEisenbahnstreckeBrjansk–Homel–Brest (Belarus), einer Strecke der damaligenPolessje-Eisenbahnen (Streckenkilometer 84).
Die FernstraßeM13 Brjansk–belarussische Grenze und ebenfalls weiter über Homel Richtung Brest führt südlich an Potschep vorbei.
↑abItogi Vserossijskoj perepisi naselenija 2010 goda. Tom 1. Čislennostʹ i razmeščenie naselenija (Ergebnisse der allrussischen Volkszählung 2010. Band 1. Anzahl und Verteilung der Bevölkerung). Tabellen5, S. 12–209;11, S. 312–979 (Download von der Website des Föderalen Dienstes für staatliche Statistik der Russischen Föderation)