Der Norden Portugals hat ein relativ kühles und feuchtes Klima und besteht aus zwei Landschaften: DerMinho im Nordwesten gehört durch die stark entwickelte Industrie zu den am dichtesten besiedelten Gegenden des Landes. Die größten Städte des Minho sindBraga,Guimarães,Vila Nova de Famalicão,Barcelos undViana do Castelo. Der Minho wird wegen seines Klimas und der vergleichsweise üppigen Vegetation als dergrüne Garten Portugals bezeichnet. Auf den Hängen der zahlreichen Flusstäler wird vor allemWein angebaut, der zumVinho Verde weiterverarbeitet wird. Daneben gedeihen viele Gemüsesorten. Die natürliche Vegetation ist eine Mischung aus der Flora[7] dergemäßigten Klimazone und dersubtropischen Flora; je nach Höhenlage gibt esEichen,Kastanien,Pinien undOlivenbäume.
Im Nordosten liegtTrás-os-Montes („Hinter den Bergen“). Diese dem Meer abgewandte Seite Nordportugals ist sehr gebirgig, hat kalte Winter und sehr heiße Sommer. Die Vegetation ist bedeutend weniger üppig als im Minho und wird zur Grenze nach Spanien hin spärlicher. Beiden Landschaften ist gemein, dass ihre Gebirgsmassive, wie z. B.Marão oderPeneda-Gerês, von zahlreichen Flüssen wie demRio Minho oder demRio Douro durchschnitten werden. Im Norden Portugals liegt derNationalpark Peneda-Gerês. Dort gibt es noch Restbeständenaturbelassener Wälder, in denen sich insbesondere die immergrüneSteineiche findet. Bedeutende Städte im Nordosten sindVila Real,Bragança,Mirandela undChaves.
Die RegionCentro, auch Mittelportugal genannt, ist größtenteils hügelig bis gebirgig und hat mit derSerra da Estrela ein beachtliches Gebirge mit Wintersportmöglichkeiten. DerTorre ist mit1993 m der höchste Berg Kontinentalportugals. Die wichtigsten Landschaften sind dieBeiras, die sich im Osten der Region befinden und wo die Städte wieCastelo Branco,Guarda,Covilhã undLeiria liegen, derRibatejo im Südwesten der Region, sowie dieMetropolregion Lissabon, wo sich Städte wieSantarém,Tomar oderEntroncamento befinden. DieEstremadura ist die westliche Landschaft der Region; dort liegen die Städte,Alcobaça,Caldas da Rainha,Torres Vedras undÓbidos. Die gesamte Region ist fruchtbar und hat ein für den Weinbau günstiges Klima. Die Tradition des Weinbaus reicht bis in dieRömerzeit zurück. Daneben werden Getreide, Reis, Sonnenblumen und Gemüse angebaut. Die Region wird durch denTejo geteilt. Seit dem Bauzahlreicher Staudämme gibt es anders als zuvor kaum noch Überschwemmungen.
DerAlentejo ist eine trockene und heiße Region des Landes. Die Oberfläche der gesamten Region ist eben bis hügelig. Die Region ist als frühere Kornkammer Portugals bekannt, ist heute nur dünn besiedelt und vonAbwanderung von den Dörfern in die Städte der Region oder andere Regionen des Landes gekennzeichnet; weitläufige Getreidefelder mitOlivenhainen undKorkeichen dominieren die Landschaft. Auch Wein und Sonnenblumen werden angebaut. Die Wiesen dienen zur Schafzucht und sind im Frühling mit Blumen übersät. Zum wirtschaftlichen Niedergang haben die länger werdendenTrockenperioden beigetragen, die mit dem Bau von Staudämmen gemildert werden sollen. Umstritten ist die Anpflanzung von schnell wachsendenEukalyptusbäumen. Diese stellen ein erhöhtes Risiko für Waldbrände dar, trotzdem haben die Anbauflächen zugenommen. Die südlichen Küstenregionen sind häufig vonKiefernwäldern bewachsen. Daneben finden sich zahlreichePalmenarten, von denen nur dieZwergpalme einheimisch ist. Im Südwesten der Region, im KreisOdemira, werden diverse Früchte- und Gemüsearten angebaut, die übers ganze Jahr lang wachsen und teils ins europäische Ausland exportiert werden.
DieAlgarve ist die Südküste des Landes. Sie ist mit ihren hübschen Städten, den Steilküsten und den Sandstränden mit glasblauem Wasser ein beliebtes Urlaubsziel. Im Laufe der Jahre wurde die Algarve immer beliebter und der Tourismus nahm zu. Die größten Städte der Region sindPortimão,Faro,Loulé,Quarteira undLagos. Der bestimmende FlussRio Guadiana bildet zweimal ein längeres Stück dieGrenze zu Spanien. An die große sommerliche Hitze angepasst sind zahlreichesukkulente Pflanzen.
Zu Portugal gehören auch die InselgruppenMadeira(Holzinsel) undAzoren(Habichtsinseln) imAtlantik. Sie sind, bis auf die AzoreninselSanta Maria,Vulkaninseln. Die Inselgruppe Madeira vor der Küste Afrikas hat eine teils tropische und teils subtropische Vegetation. Der höchste Berg Portugals (Ponta do Pico,2351 m) befindet sich auf der AzoreninselPico.
Die bedeutendsten Flüsse Portugals sind derTejo, welcher in Spanien unter dem NamenTajo entspringt, derDouro (spanischDuero) und derMondego, wobei letzterer nur durch Portugal fließt.
Die Tierwelt Portugals unterscheidet sich punktuell, insgesamt aber nur unwesentlich von der Spaniens. Vereinzelt leben hier nochWölfe, die von Norden her wieder zahlreicher wurden, insbesondere vomNationalpark Peneda-Gerês her und im Tal desCôa.[8]
Der nur auf der Iberischen Halbinsel verbreitetePardelluchs war in Portugal nahezu ausgestorben; selten wurden Einzeltiere angetroffen, die vermutlich über die Grenze aus Spanien eingewandert sind. Seit den erfolgreichen Aufzucht- und Auswilderungsprogrammen imNaturpark Guadiana und seit 2022 auch an der Algarve erholt sich die portugiesische Luchspopulation und wurde 2022 auf 200 geschätzt.[8][9]
Da Portugal auf einerZugvogelroute nach Afrika liegt, lassen sich zahlreiche Vögel beobachten, darunter insbesondere im Süden dieFlamingos;Steinadler leben und jagen in den Küstengebieten. Dort kommen im Wasser ebenfalls besondere Tierarten vor, etwa die giftige QuallePortugiesische Galeere oder eine der seltenenDelfinpopulationen in Europa, hier vor allem in den Mündungsgebieten vonSado undTejo.
Bevölkerungsentwicklung Portugals (in Millionen, 1960–2017)
In Portugal lebten im Jahre 2021 insgesamt 10.344.802 Personen, so das Ergebnis derVolkszählung.[11] Damit hat sich die Bevölkerung seit 1900 verdoppelt.
Die portugiesische Bevölkerung wuchs 2019, 9 Jahre nach dem Beginn der Finanzkrise im Jahre 2010, wieder, nachdem sie seit derFinanzkrise geschrumpft war. Einige der Gründe für das erneute Bevölkerungswachstum sind die Aufnahme von Migranten aus den früherenKolonien, die Verbesserung und Stabilisierung der wirtschaftlichen Lage, welche die Auswanderung junger Portugiesen und Familien stoppte und die Rückkehr von Portugiesen aus dem Ausland.[12] 2020 und 2021 wurden über 10,34 Millionen Einwohner verzeichnet.[11]
Die Geburtenrate, die vor 1920 noch bei 30 pro 1000 Einwohnern lag, ist bis 2021 auf 8,2 pro 1000 Einwohner gesunken. Die Anzahl der Geburten pro Frau lag 2022 statistisch bei 1,4, die der Europäischen Union betrug 1,5.[13] Regional gibt es hinsichtlich der Bevölkerungsentwicklung erhebliche Unterschiede: Während die Bevölkerung derAlgarve,Lissabons und derAzoren wächst, geht jene desAlentejo und imCentro zurück.[14] Innerhalb Portugals gibt es starke Migrationsbewegungen, wobei die Wanderungsbewegungen aus den Regionen des Hinterlandes in Richtung der Großstädte wie Lissabon,Porto,Coimbra,Braga,Leiria,Aveiro und in die Algarve gehen.
Die Bevölkerung Portugals altert: 2021 lebten in Portugal 1,3 Millionen Personen, die jünger als 16 Jahre alt waren, während 2,5 Millionen Personen 65 Jahre oder älter waren. Dieser Trend ist im Hinterland besonders ausgeprägt; der Grund ist die Abwanderung der jüngeren Bewohner in die Großstädte und in die Metropolregionen. Da zahlreiche Portugiesen, die im Ausland gearbeitet haben, für ihren Lebensabend in ihre Heimat zurückkehren, ist die Alterung der Bevölkerung des Landes besonders prägnant.[15] DieLebenserwartung der Einwohner Portugals ab der Geburt lag 2022 bei 81,6 Jahren[16] (Frauen: 84,5[17], Männer: 78,8[18]).
Die größte einheimische ethnische Minderheit bilden 40.000 bis 50.000 Roma, die sozial und ökonomisch häufig marginalisiert sind.[19] Die erste umfassende offizielle Studie zur portugiesischen Roma-Gemeinde ergab 2017 eine Zahl von gut 37.000 Personen, die sich noch als Roma bezeichnen. Die Studie zeigte eine unterdurchschnittliche Schulbildung, aber auch einige Verbesserungen in der Bildung und Erfolge der verschiedenen Integrations- und Anti-Diskriminierungskampagnen.[20] Die rechtspopulistische ParteiChega thematisiert Ressentiments gegen Roma seit ihrer Gründung 2019 als erste und einzige Partei. Die Politik, vor allem aber zivilgesellschaftliche Akteure und Journalisten verstärken seither Aufklärung und Einordnung der Fakten über die Roma in Portugal.[21]
Die dichteste Besiedelung weist der Küstenstreifen zwischen den zwei Metropolregionen des Landes,Porto undLissabon, auf. In diesem Streifen lebt knapp 40 % der Bevölkerung; das Hinterland und der Süden Portugals dagegen sind nur dünn besiedelt. Mehr als 10 % der Bevölkerung entfällt auf die zwei größten Städte (Lissabon und Porto), während mehr als die Hälfte in Orten unter 2000 Einwohnern lebt. Der Trend geht in Portugal in RichtungVerstädterung.
Lange Zeit war Portugal ein Auswanderungsland; 2021 lebten über 20 % der Portugiesen im Ausland. Wichtige Zentren der portugiesischen Kultur in derDiaspora gibt es vor allem inFrankreich, wo allein 1.132.048 Portugiesen[22] leben, aber auch in vielen anderen Staaten, insbesondere Brasilien, Südafrika, Venezuela, Schweiz, an der Ostküste der USA, und zuletzt verstärkt in Angola. In Luxemburg lebten 2025 rund 89.700 Portugiesen, damit stellten sie 13 Prozent der Bevölkerung Luxemburgs.[23] Andererseits war Portugal schon während der Unabhängigkeitskriege seiner Kolonien Zielland für Einwanderer aus den kolonisierten Regionen.
Seit dem Beitritt Portugals zurEuropäischen Gemeinschaft 1986 und dem damit verbundenen politischen und wirtschaftlichen Wandel ist Portugal verstärkt zu einem Einwanderungsland geworden, wobei die Herkunftsländer der Zuwanderer vor allem in Afrika (Kap Verde,Angola,Guinea-Bissau), Südamerika (Brasilien) sowie in Osteuropa (Ukraine,Rumänien,Russland undRepublik Moldau) liegen. Seit demRussischen Überfall auf die Ukraine 2022 wurden zudem etwa 54.000 ukrainische Staatsbürger und Einwohner der Ukraine als Geflüchtete in Portugal aufgenommen (Stand 17. Oktober 2022).[25] Zuvor hatte Portugal bereits Geflüchtete aus den Bürgerkriegen im Irak und vor allem Syrien aufgenommen, darunter fast 3.000 im Rahmen von internationalen Abkommen von UNO und EU zur Übernahme von Geflüchteten aus Griechenland, Italien und vor allem der Türkei.[26]
Ende 2008 lebten 443.102 ausländische Staatsangehörige in Portugal. Diese stammen zu mehr als der Hälfte aus anderenportugiesischsprachigen Ländern, sind meist katholischen Glaubens und haben deshalb einen ähnlichen kulturellen Hintergrund.[27] Etwa ein Viertel der Ausländer, die in Portugal leben, sind Europäer, wovon ein Teil Rückkehrer sind, also aus Portugal ehemals ausgewanderte Portugiesen, die mit fremder Staatsbürgerschaft zurückgekehrt sind. Ein anderer Teil sind Dauerurlauber, die in Portugal ihren Ruhestand verbringen. Im Jahre 2017 waren 8,5 % der Bevölkerung im Ausland geboren.[28]
Die ausländische Bevölkerung lebt zu mehr als der Hälfte inLissabon, davon abgesehen konzentriert sie sich auf die Stadtgebiete an der Küste. Im Hinterland liegt der Anteil bei unter 0,5 %.
DieVolkszählung 2021 ergab eine aktuelle Zahl von 555.299 Einwohnern Portugals mit ausländischer Staatsangehörigkeit, die damit aktuell 5,4 % der Gesamtbevölkerung stellen.[29]
In Portugal herrschtReligionsfreiheit und seit Einführung des „Gesetzes über die Glaubensfreiheit“(Lei da Liberdade Religiosa)[32] offiziell auch Gleichheit zwischen den Religionen. Die Gleichheit ist aber in der Realität noch nicht erreicht: Diekatholische Kirche betreibt in Portugal bedeutende Kultureinrichtungen, eineangesehene Universität, Privatschulen und auch einenRadiosender. Weiter ist das Gesetz über die Glaubensfreiheit nur teilweise auf die katholische Kirche anzuwenden.[30] Ob öffentliche Schulen verpflichtet sein sollen,Religionsunterricht anzubieten, ist in Portugal seit den 1980er Jahren umstritten.[30] 2004 wurde ein neuesKonkordat zwischen Portugal und demHeiligen Stuhl geschlossen.[33] Einerseits hat die Kirche das Recht, Unterricht anzubieten, doch muss eine Zustimmung vorliegen. Auch müssen prinzipiell alle Religionsgemeinschaften das gleiche Recht haben, was praktisch schwierig umzusetzen ist.
Die portugiesische Ausprägung des Katholizismus wird als „menschlich, lyrisch und mit Verständnis für die fleischlichen Dinge des Lebens“ beschrieben.[35] Typisch ist die starke Verehrung derJungfrau Maria. Wichtigstes Pilgerziel ist der WallfahrtsortFátima. Hier soll die Jungfrau Maria 1917 drei Hirtenkindern erschienen sein.
Im Mittelalter spielten zwei weitere Religionen eine bedeutende Rolle in Portugal:MuslimischeMauren undAraber beherrschten ab dem Jahr 711 lange vor allem den Süden des Landes. Nach derReconquista mussten sie das Land verlassen oder sich den Christen unterwerfen. Sie brachten zahlreiche technische Fortschritte mit sich, wie Verbesserungen im Brunnenbau, Bewässerung, Olivenanbau, Anbau von Zitrusfrüchten, Baumwolle undZuckerrohr, dieSeidenraupenzucht, die Herstellung vonFliesen, Jalousien, Hygiene und Ornamentik. Die Gesellschaft im damaligen Portugal bot auch unterworfenen oder versklavten Mauren die Möglichkeit, gesellschaftlich aufzusteigen; die muslimische Bevölkerung ging in der christlichen auf.[36] DasJudentum in Portugal hat ebenfalls eine lange Geschichte. So genossen dieJuden im Mittelalter den Schutz der portugiesischen Könige. Das durch Handel und Verwaltungsposten in Staat und Kirche erworbene und gesparte Vermögen diente als Grundlage für den Aufbau derportugiesischen Flotte. 1504 und 1506 kam es in Lissabon zuanti-jüdischen Pogromen. Später verbesserte sich die Lage der Juden in Portugal wieder. Die faschistischeSalazar-Diktatur etwa beteiligte sich nicht an der Judenverfolgung, und 1938 wurde mit derSinagoga Kadoorie die größte Synagoge der Iberischen Halbinsel eingeweiht. 2015 erließ Portugal ein Staatsbürgerschafts-Sondergesetz für die Nachfahren dersephardischen Juden, unterstrich die Bedeutung der jüdischen Geschichte Portugals für das Land und entschuldigte sich für das ihnen hier geschehene historische Unrecht.
Lissabon beherbergt eine der größtenHindu-Gemeinden Europas, vor allem dank seiner nepalesischen und indischstämmigen Bewohner. Daneben existieren in Portugal andere Glaubensrichtungen, darunter derBuddhismus, mit dem VerbandUnião Budista Portuguesa als Zentralorgan (siehe dazu auchportugiesisch-tibetische Beziehungen).
Eine repräsentative Umfrage im Auftrag der Europäischen Kommission im Rahmen desEurobarometers ergab 2020, dass für 47 Prozent der Menschen in Portugal Religion wichtig ist, für 37 Prozent ist sie weder wichtig noch unwichtig und für 15 Prozent ist sie unwichtig.[37]
Bis zurNelkenrevolution 1974 wurde Bildung vernachlässigt; nach der Revolution ging der Aufbau des Bildungssystems nur langsam voran. Dies macht sich bis heute bemerkbar: Im Jahr 2000 verfügten beispielsweise nur ungefähr ein Zehntel der Dreißigjährigen über einen Hochschulabschluss. Damit lag Portugal unter den EU-Mitgliedern vor der Osterweiterung mit großem Abstand weit zurück. Die Analphabetenquote liegt um 4,6 % (3,1 % bei Männern, 5,9 % bei Frauen). ImPISA-Ranking von 2015 erreichen Portugals Schüler Platz 29 von 72 Ländern in Mathematik, Platz 22 in Naturwissenschaften und Platz 21 beim Leseverständnis. Portugal liegt damit über dem Durchschnitt derOECD-Staaten.[38]
Das Schulsystem besteht aus einer vierjährigen Grundschule und einer fünfjährigen Oberschule. Für Kinder ab dem sechsten Lebensjahr besteht eine gesetzlich festgelegte neunjährige Schulpflicht. Der Pflichtschulunterricht ist an staatlichen Schulen kostenlos. Für den Unterricht an einer der vergleichsweise zahlreichen privaten Schulen können bedürftige Familien Unterstützung erhalten.
Wer nach der Oberschule die dreijährigeEscola Secundária absolviert, bekommt die Universitätsreife und kann zwischen mehreren Möglichkeiten des Hochschulstudiums wählen: Hochschulbildung wird in Portugal von staatlichen und privaten Universitäten(universidades) sowie staatlichen und privaten Fachhochschulen(escolas politécnicas) angeboten. Zur Förderung abgelegener Gebiete wurden in vielen mittleren Städten Hochschulen eingerichtet. In jedem Fall ist eine Aufnahmeprüfung zu absolvieren und es sind Studiengebühren zu entrichten, die bei privaten Schulen höher sind als bei staatlichen. Sie sind je nach Fachrichtung unterschiedlich, für staatliche Einrichtungen bis zu 850 Euro jährlich. Trotzdem ist etwa ein Drittel der Studenten bei einer privaten Institution eingeschrieben. Zusätzlich zu den Einschreibegebühren sindpropinas, Gebühren für die Vergabe von Zeugnissen und Diplomen zu zahlen. Etwa 20 % der Studenten kommen in den Genuss einer einkommensabhängigen staatlichen Unterstützung.
Mit dem steuerfinanziertenServiço Nacional de Saúde steht seit 1979 allen Einheimischen und Besuchern ein, bis auf meist geringe Zuzahlungen, weitgehend kostenlosesGesundheitssystem zur Verfügung, wie es dieportugiesische Verfassung von 1976 festgeschrieben hat. Daneben bestehen berufsständische und private Gesundheitssysteme. Die Gesundheitsausgaben des Landes betrugen im Jahr 2022 10,6 % des Bruttoinlandsprodukts.[39] Im Jahr 2020 praktizierten in Portugal 56,2 Ärztinnen und Ärzte je 10.000 Einwohner.[40] Die Sterblichkeit bei unter 5-jährigen betrug 2022 3,2 pro 1000 Lebendgeburten.[41] DieLebenserwartung der Einwohner Portugals ab der Geburt lag 2022 bei 81,6 Jahren[16] (Frauen: 84,5[42], Männer: 78,8[43]). Die Lebenserwartung stieg von 76,3 Jahren im Jahr 2000 bis 2022 um 7 %.[16]
Der öffentliche RettungsdienstINEM deckt Kontinentalportugal mit einem einheitlichen Notfalldienst ab.
Der NamePortugal entstammt dem vomRömischen Imperium angelegten HafenPorto,lateinischPortus Cale (lateinischportus bedeutet „Hafen“). Es ist umstritten, was mitCale gemeint ist. Einige Gelehrte meinen,Cale beziehe sich auf dieGallaeker (altgriechischΚαλλαικοίKallaikoi, lateinischCallaici oderCallaeci) – „Hafen der Galläker“. Andere meinen, es handele sich um ein Überbleibsel von lateinischcalidus, was „warm“ bedeutet – „Warmer Hafen“. Andere Historiker haben vermutet, dieGriechen hätten als Erste dort gesiedelt und das altgriechische Wortκαλόςkalós für „schön“ sei namensgebend gewesen – „Schöner Hafen“. Anm. Im Mittelalter wurdePortus Cale zuPortucale, späterPortugale, wobei der Name im 7. und 8. Jahrhundert nur die nördlichen Teile des Landes bezeichnete, also die Region zwischen den FlüssenDouro undMinho.
Anm.
Das griechische Wort für „Hafen“ ist allerdingsλιµήνlimḗn.
Es wird geschätzt, dass Portugal bereits vor 500.000 Jahren durchHomo heidelbergensis und später durch den ausHomo heidelbergensis hervorgegangenenNeandertaler besiedelt war. Aus einer Höhle(Lapa do Picareiro) unweit der Atlantikküste in Zentralportugal stammt der früheste Hinweis auf eine Besiedelung des westlichsten Europas durch anatomisch moderneMenschen (Homo sapiens). Entdeckt wurdenSteinwerkzeuge, die auf ein Alter von 41.100 bis 38.100 Jahren (cal BP) datiert wurden.[44] Felszeichnungen aus derAltsteinzeit, die die weltweit bedeutendsten ihrer Art sind, wurden auf ein Alter zwischen 22.000 und 8.000 Jahren vor heute datiert.[45] Der Übergang zurJungsteinzeit erfolgte zwar spät, dafür setzte sich speziell in Südportugal die Kupferverarbeitung besonders schnell durch. Erste Handelsbeziehungen mit anderen Regionen Europas sind für diese Zeit belegt. Ab 800 v. Chr. gründetenPhönizier Handelsstützpunkte an derAlgarve. Ab etwa 600 v. Chr. gründeten Griechen im östlichen und nordöstlichen Bereich mehrere kleine Siedlungen. Frühestens ab dem 6. bis 3. Jahrhundert v. Chr. wanderten in mehreren WellenKelten ein, die sich mit denIberern vermischten. Neben den Kelten wird der Stamm derLusitaner genannt, der denRömern als besonders wehrhaft galt und imLateinischen namensgebend für das Land werden sollte.[46] Die Vermischung der Kelten mit der einheimischen Kultur erschuf dieKeltiberer.
Der römischeDiana-Tempel inÉvora, einer der besterhaltenen des Landes
Ab 450 v. Chr. wurde die südliche iberische Halbinsel vonKarthago kolonisiert. Bis 206 v. Chr. gelang es den Römern, die Karthager zu vertreiben. Im Verlaufe desZweiten Punischen Krieges, an dem zahlreiche lusitanische Söldner von Karthago eingesetzt wurden, kam es zu einer Gegeninvasion Roms auf der iberischen Halbinsel und damit zu einer Romanisierung.[47] Von den Römern wurde das Territorium Portugals zunächst als ProvinzHispania ulterior, ab der Regierungszeit vonAugustus unter dem NamenLusitania verwaltet, die neben dem Großteil des heutigen Portugal weitere Gebiete im Westen des heutigenSpanien umfasste. In Nord- und Nordostportugal trafen die römischen Eroberer auf starken Widerstand; erst ab 19 v. Chr. galt die Region als unterworfen. Danach kam es zu starkerRomanisierung, Städte nach römischem Vorbild,Römerstraßen,Villae und Bergwerke entstanden, mit den Siedlern kam dasVulgärlatein ins Land, aus dem später dieportugiesische Sprache entstand, und auch das Christentum.[48] Die römische Herrschaft endete in derVölkerwanderungszeit;Sueben (ab 409),Alanen,Vandalen und vor allemWestgoten (ab 416) fielen ein und gründeten kurzlebige Reiche auf dem Gebiet des heutigen Portugal. Nur die Sueben konnten sich länger halten, ihr Reich umBraga wurde jedoch 456 durch den König derWestgotenTheoderich II. und ein zweites Mal 585 deren KönigLeovigild zerstört.[49]
Iberische Halbinsel (um 1036); Portugal existierte noch nicht.
Im Jahr 711 besiegte ein vonTāriq ibn Ziyād geführtes Berberheer die Armee von Westgoten-KönigRoderich. Bis 716 war das ganze Territorium des Westgoten-Reiches unter Kontrolle derUmayyaden, Lusitanien wahrscheinlich schon 713.Al-Andalus und vor allem dasEmirat, späterKalifat von Córdoba wurde teils von sehr fähigen und erfolgreichen Herrschern wieAbd ar-Rahman I.,Abd ar-Rahman III. oderal-Hakam II. geführt und gehörte zu den fortschrittlichsten Reichen seiner Zeit. Nach seinem Zerfall in mehrereTaifas gehörte der Großteil Lusitaniens zur Taifa vonBadajoz, der äußerste Süden zuSevilla und zu anderen Kleinkönigreichen. Es kam zu einer Einwanderung von berberischen Siedlern, klimatisch bedingt vor allem in den Süden der Halbinsel. Dermaurische Einfluss auf Kultur undSprache Portugals war stark und nachhaltig.[50]
DasKönigreich Asturien war für die Mauren nicht von Interesse. Von hier ausgehend begann im 9. Jahrhundert die christlicheReconquista der Territorien des späteren Portugal. Im Jahr 868, während einer Schwächephase des Emirates von Córdoba, wurdePortucale erobert (Presúria), 879Coimbra. Mit der Presúria von Portucale durchVímara Peres entwickelte sich in der Gegend um Porto als Teil des Königreiches Asturien-León eine„erste“ Grafschaft Portucale(Condado Portucalense). Nachkommen aus der Familie von Vímara Peres herrschten in dieser Region bis 1071; es kam zum Wiederaufbau vonBraga und zum Bau der Festung vonGuimarães.[51] 1071 wurde eine Revolte des letzten Grafen von Portucale, Nuno Mendes, gegen den 1065 zum König von Galicien und Portugal ernannten Garcia niedergeschlagen. Der König vonLeón belehnte um 1095Heinrich von Burgund mit Portucale und Coimbra. Es entstand eine, ebenfalls als Condado Portucalense bezeichnete, „zweite“ Grafschaft Portucale, die direkt zur Gründung des unabhängigen Königreiches von Portugal führte.
Die Festung vonGuimarães, das Hauptsymbol für Portugals Unabhängigkeit
Bereits der Sohn Heinrichs von Burgund,Alfons I., rebellierte 1127 mit Unterstützung des lokalen Kleinadels(infanções) nach dem Tod Heinrichs gegen seine eigene Mutter, die einen galicischen Prinzen geheiratet hatte. Nach der gewonnenenSchlacht von Ourique hatte er so weit an Prestige gewonnen, dass er 1143 mitEinverständnis vonAlfons VII. von León den Königstitel annahm. Im Jahre 1166 gabLeón den Anspruch der Vorherrschaft über Portucale auf, womit die formelle Unabhängigkeit erlangt wurde. Die Herrscher desHauses Burgund versuchten, ihr Territorium in Richtung Süden auszudehnen, wobei es das Ziel gewesen sein dürfte, die Macht über ganz Lusitanien zu erlangen.Kastilien verhinderte dies aber. Bis 1250 wurde die Reconquista mit der Eroberung derAlgarve, unter starker Beteiligung ausländischer Ritter undRitterorden, abgeschlossen.[52]
1580 starb das Haus Avis aus, Portugal fiel aus dynastischen Gründen an diespanischenHabsburger (Iberische Union). Bis 1640 herrschten die Spanier; Portugal verlor seine Unabhängigkeit, sank zur spanischen Provinz herab und verlor Teile seines Kolonialreiches. 1640 führte der Herzog vonBraganza eine Adelsrevolte gegen die spanische Herrschaft an und rief sich alsJohann IV. zum König aus. Er gründete die vorletzte portugiesische Dynastie, dasHaus Braganza. Außen- und wirtschaftspolitisch geriet das Land in immer größere Abhängigkeit vonEngland (Methuenvertrag, 1703). 1755 vernichteteein Erdbeben große Teile der Hauptstadt Lissabon. Unter dem Ersten Minister und ReformerMarquês de Pombal wurde die Stadt wieder aufgebaut und das Land mit zum Teil drastischen Methoden zu einem aufgeklärtabsolutistischen Staat umgeformt. 1761 kam es zu einem Angriff Spaniens und Frankreichs auf das Land, Pombal trugWilhelm Graf zu Schaumburg-Lippe den Oberbefehl über die vereinigten portugiesischen und britischen Truppen an. Wilhelm wehrte die Angriffe ab und sicherte damit die Unabhängigkeit Portugals. In den folgenden Jahren reformierte er das portugiesische Heer tiefgreifend und ließ die FestungElvas an der spanischen Grenze errichten. 1807 besetztennapoleonische Truppen das Land; die königliche Familie floh nach Brasilien. Nachdem dieFranzosen mit britischer Hilfe vertrieben worden waren, kam es zurliberalen Revolution, das Land erhielt zum ersten Mal in seiner Geschichte eineVerfassung (1821). Der anschließende Kampf zwischen Anhängern des Absolutismus und Befürwortern einerkonstitutionellen Monarchie wurde erst 1834 durch den Sieg Letzterer imMiguelistenkrieg entschieden. Am 7. September 1822 erlangte Brasilien unter KaiserPedro I. seine Unabhängigkeit.
Die Zeit nach Ende des Miguelistenkrieges wurde von der Auseinandersetzung zwischen Rechts- und Linksliberalen (Cartisten undSetembristen) geprägt. 1853 starb mit KöniginMaria II. dasHaus Braganza in direkter Linie aus, über die Ehe der Königin mitFerdinand II. vonSachsen-Coburg und Gotha übernahm der portugiesische Zweig dieses deutschen Adelshauses den Thron (bis 1910). Die Endphase der Monarchie war durch eine große Armut, geringe Bildung (80 Prozent der Portugiesen warenAnalphabeten), allgemeine wirtschaftliche Probleme (Staatsbankrott 1891) und durch sich zu Staatskrisen ausweitende republikanische Aufstände geprägt. UnterJoão Franco wurden die Königsbezüge weiter erhöht und das Ansehen der Monarchie litt verschärft durch den sichtbaren Widerspruch zwischen zerrütteten Staatsfinanzen einerseits und dem luxuriösen, extravaganten Lebensstil der Herrscherfamilie andererseits.[53] 1908 wurden der KönigKarl I. und sein Sohn, ThronfolgerLudwig Philipp, bei einer Kutschfahrt erschossen. Nur der Sohn Manuel überlebte das Attentat.
Am 3. Oktober 1910 wurde der republikanische Abgeordnete Miguel Bombarda unter ungeklärten Umständen ermordet. In der Nacht kam es daraufhin in Lissabon zurevolutionären Aufständen. Eine schnell gebildete provisorische Regierung rief am 5. Oktober 1910 dieRepublik aus; KönigManuel II. floh ins englische Exil.[53]
Die junge Republik Portugal sagte Großbritannien 1914 materielle Unterstützung und die Entsendung eigener Truppen zu. Obwohl sie offiziell neutral war, rechtfertigte die portugiesische Regierung die Beteiligung am Ersten Weltkrieg mit einem alten Allianz-Abkommen der beiden Länder, das 1912 erneuert worden war.
„Mit der Teilnahme am Ersten Weltkrieg auf der Seite der Briten versuchte Portugal, seine afrikanische Kolonien (Angola und Mozambique) zu schützen, die 1898 Bestandteil eines geheimen Abkommens zwischen den Briten und den Deutschen gewesen waren. Zudem wollte Portugal seinen Eintritt in die Riege der europäischen Nationen unterstreichen. Das Mitwirken auf internationaler Ebene wurde als Mittel zur Stärkung der nationalen Einheit wahrgenommen. Schließlich sollte die Legitimität des republikanischen Regimes gefestigt werden, das zu dem Zeitpunkt durch monarchistische Bewegungen und große wirtschaftliche Schwierigkeiten bedroht war.
Der britische Generalstab begnügte sich zunächst mit der materiellen Hilfe Portugals. Die Führung blieb skeptisch, ob der Einsatz der jungen portugiesischen Republik in den Kampfhandlungen den alliierten Kräften wirklich nutzen würde. Die wachsenden logistischen Probleme der Alliierten veranlassten Großbritannien jedoch dazu, im Dezember 1915 die Beschlagnahmung aller in portugiesischen Häfen ankernden deutschen Schiffe zu erbitten. Dieser Bitte entsprach die Regierung am 24. Februar 1916, worauf Deutschland Portugal am 9. März den Krieg erklärte.“[54]
Im März 1916 trat das Land auf Seiten derEntente in denErsten Weltkrieg ein. Portugal mobilisierte zeitweise56.500 Soldaten. In derVierten Flandernschlacht verlor das Expeditionskorp an einem einzigen Tag fast 7500 Männer (Gefallene, Vermisste, Kriegsgefangene und Verwundete) bei einer deutschen Offensive.[55]
In der sogenanntenErsten Republik (bis 1926) herrschten allgemeine politische Instabilität und chaotische Zustände. Sie war durch monarchistische und kommunistische Aufstände, Putschversuche (unter anderen desSidónio Pais, 1917) und schwache, häufig wechselnde Regierungen ohne parlamentarische Mehrheit gekennzeichnet.
1926 putschte das Militär und beendete die erste Republik. Unter den Militärs stieg ein Zivilist,António de Oliveira Salazar, ab 1928 Finanzminister, ab 1932 Ministerpräsident, zu höchster Macht auf. Er gründete ab 1933 den „Estado Novo“, den neuen Staat, ein autoritäres Gebilde mitfaschistischen Tendenzen, mit Einheitspartei (Nationale Union), Staatsjugend undGeheimpolizei (PIDE). Die katholisch-autoritäre und antidemokratische Ideologie des Diktators verfolgte das Projekt eines „Ständestaates“.
Gemäß dem Dekret Nummer 19694 vom 5. Mai 1931 erhielten Frauen das aktive und passive Wahlrecht unter der Bedingung, dass sie mindestens die Sekundarschule abgeschlossen hatten; Männer dagegen mussten nur lesen und schreiben können.[56][57] Nach Adams bewirkte diese Klausel ein sehr eingeschränktesFrauenwahlrecht für Frauen mit hoher Bildung.[58] Mit dem Wahlgesetz D.L. 24631 vom 6. November 1934 erhielten alle, die lesen und schreiben konnten, das nationale Wahlrecht.[56][57] Bei Wahlen zu bestimmten lokalen Gremien aber blieben einige Beschränkungen für Frauen bis 1968 in Kraft.[56][57]
Außenpolitisch baute Salazar auf die Bindung an Großbritannien, sympathisierte imSpanischen Bürgerkrieg mit den nationalspanischen Kräften und taktierte geschickt zwischen den Blöcken. ImZweiten Weltkrieg blieb das Land neutral, belieferte beide Seiten mit dem wichtigen RohstoffWolfram und wurde zum Tummelplatz vonGeheimagenten vieler Kriegsparteien. Salazar, der von Anfang an mit einem alliierten Sieg rechnete und entscheidend aufFranco im Sinne einer spanischen Neutralität eingewirkt hatte, erlaubte denAlliierten schließlich im Herbst 1943 die Einrichtung vonMilitärbasen auf denAzoren.
Portugal ist Gründungsmitglied der 1949 geschaffenenNATO. Ab 1960 – demAfrikanischen Jahr, bei dem 18 Länder unabhängig wurden – begann derKolonialkrieg, der in Afrika (Angola,Mosambik,Guinea-Bissau) mit großer Härte geführt wurde. Der Versuch des OffiziersHenrique Galvão, das Salazar-System durch die Entführung des PassagierschiffsSanta Maria im Januar 1961 in der Karibik zum Einsturz zu bringen, scheiterte, obwohl dieSanta-Maria-Affäre international Aufsehen erregte.
1968 musste Salazar wegen gesundheitlicher Probleme zurücktreten. Sein Nachfolger,Marcelo Caetano, konnte sich nicht zu grundlegenden Reformen entschließen. Durch den Kolonialkrieg war Portugal außenpolitisch zunehmend isoliert, die Kriegskosten führten zu steigender Staatsverschuldung undInflation.
Führende Militärs erkannten, dass der Kolonialkrieg militärisch für Portugal nicht zu gewinnen war. Wegen der Unfähigkeit der Regierung, eine politische Lösung des Problems zu finden,putschten linksgerichtete Militärs in der Nacht zum 25. April 1974. Die allgemeine Unzufriedenheit der Bevölkerung mit der Diktatur, durch die einsetzende Wirtschaftskrise (ausgelöst durch dieerste Ölkrise 1973) noch verstärkt, führte dazu, dass sich große Teile der Bevölkerung mit den putschenden Offizieren solidarisierten.
Durch die allgemeine Volkserhebung, dieNelkenrevolution, wurde der Estado Novo rasch beendet. Das Markenzeichen der Revolution in Portugal waren rote Nelken, die den aufständischen Soldaten von der Bevölkerung in ihre Gewehrläufe gesteckt wurden.
Am 14. Mai 1974 wurde ein neues Wahlgesetz beschlossen (Gesetz 3/74, Artikel 4, Nummer 1).[59] Nach dem Dekretgesetz Nummer 621-A/74, Artikel 1.1 vom 15. November 1974 waren für die Konstituierende Versammlung portugiesische Staatsbürger wahlberechtigt, die am 28. Februar 1975 18 Jahre oder älter waren.[59] Zum ersten Mal in der portugiesischen Geschichte war damit das allgemeine Wahlrecht anerkannt und wurde im folgenden Jahr ausgeübt: Im April 1975 wurden die Mitglieder der Konstituierenden Versammlung gewählt, die die Verfassung von 1976 konzipierte.[59] Diese wurde am 2. Juni 1976 proklamiert[57] und damit für alle Wahlen eine Gleichheit des Wahlrechts für Frauen und Männer verfassungsrechtlich abgesichert.[56]
Die neuen Machthaber entließen die portugiesischen Kolonien in die Unabhängigkeit (1974/1975),Macau folgte 1999.
Die erste Zeit nach der Revolution war geprägt von der Auseinandersetzung zwischen einer eher konservativen Strömung (General Spínola) und einemsozialistischen Flügel (Hauptmann Otelo Saraiva de Carvalho) innerhalb desMFA (Movimento das Forças Armadas – Bewegung der Streitkräfte), der Vereinigung der putschenden Offiziere. Zunächst sah es so aus, als würde die sozialistische Strömung siegen, es kam zuVerstaatlichungen und zu einerLandreform. Die Verfassung von 1976 definierte den Übergang zum Sozialismus als Staatsziel.
Als sich bei den ersten Präsidentschaftswahlen nach der neuen Verfassung 1976 der gemäßigtereGeneral Eanes überraschend deutlich gegen Otelo Saraiva de Carvalho durchsetzen konnte, waren die Weichen für eine Rückkehr des Landes zu einer parlamentarischen Demokratie westeuropäischen Zuschnitts gestellt. Eanes und der Vorsitzende der Sozialistischen ParteiMário Soares (Regierungschef von 1976 bis 1978 und 1983 bis 1985, Staatspräsident von 1986 bis 1996) führten das Land schließlich 1986 in dieEuropäische Gemeinschaft.
1979 gewann zum ersten Mal seit derNelkenrevolution wieder eine politische Gruppierung die Parlamentswahlen, die rechts der Mitte stand, die Regierungen unterFrancisco Sá Carneiro undFrancisco Pinto Balsemão. Die Regierung konnte sich mit der sozialistischen Opposition auf eine Verfassungsänderung einigen, die die sozialistischen Überreste entfernte, welche nach der Nelkenrevolution in die Verfassung geschrieben worden waren. Die 1982 in Kraft getretene Verfassungsänderung ersetzte den bis dahin bedeutenden Revolutionsrat durch einVerfassungsgericht nach dem Vorbild anderer demokratischer Staaten. 1985 wurdeAníbal Cavaco Silva Premierminister. Seiner konservativenPartido Social Democrata (PSD) gelang bei den Wahlen 1987 ein Erdrutschsieg; erstmals errang eine Partei die absolute Mehrheit. Cavaco Silva blieb bis 1995 Ministerpräsident. Er verfolgte eine neoliberale Wirtschaftspolitik und nahm die Verstaatlichungen aus der Zeit der Nelkenrevolution zurück. Von 1995 bis 2002 stellten wieder die Sozialisten mitAntónio Guterres die Regierung.
Bei denParlamentswahlen vom 17. März 2002 kam es zu einem neuerlichen Rechtsrutsch. Bei einer Wahlbeteiligung von 62,3 Prozent erreichte die konservative PSD unterJosé Manuel Durão Barroso eine relative Stimmenmehrheit von 40,1 Prozent, gefolgt von der sozialistischenPartido Socialista und der rechtskonservativen VolksparteiCDS-PP mit 37,9 beziehungsweise 8,8 Prozent. Mit letzterer bildete Barroso eine Koalitionsregierung, wobei der populistische Vorsitzende des CDS-PP,Paulo Portas, das Amt des Verteidigungsministers übernahm und zudem die Bereiche Justiz sowie Arbeit und Soziales an das CDS-PP gingen. Die Sozialisten stellten jedoch ununterbrochen den Präsidenten des Landes, da Nachfolger von Soares 1996 der SozialistJorge Sampaio wurde.
Im Juli 2004 wurde Barroso vomEuropäischen Rat zum Nachfolger vonRomano Prodi alsPräsident der Kommission derEuropäischen Union nominiert. Sein Nachfolger als Ministerpräsident wurdePedro Santana Lopes, der nur kurze Zeit regieren konnte, da Präsident Sampaio bereits im November dasParlament vorzeitig auflöste und fürFebruar 2005 Neuwahlen ausschrieb, bei der die Partido Socialista mit 121 von 230 Sitzen zum ersten Mal in der Geschichte die absolute Mehrheit der Parlamentssitze errang. Ihr SpitzenkandidatJosé Sócrates wurde am 12. März 2005 neuer Ministerpräsident des Landes.
Am 22. Januar 2006 wählten ungefähr 8,9 Millionen Portugiesen einen neuen Präsidenten. Der bisherige Präsident, der SozialistJorge Sampaio, durfte sich nach zwei Amtszeiten nicht mehr zur Wahl stellen. Gegen fünf Kandidaten der Linken setzte sich bereits im ersten Wahlgang der Mitte-rechts-Kandidat und frühere RegierungschefAníbal Cavaco Silva (PSD) mit einer absoluten Mehrheit von 50,6 Prozent bei einer Wahlbeteiligung von 62,6 Prozent durch. Er wurde von einem Bündnis ausPSD und CDS-PP unterstützt. Der als Architekt des portugiesischen Wirtschaftsaufschwungs in den Jahren 1985 bis 1995 geltende 66-jährige Wirtschaftsprofessor wurde damit der erste bürgerliche Präsident in Portugal seit der Nelkenrevolution von 1974. Er wurde am 9. März 2006 für fünf Jahre in sein Amt eingeführt. Am 23. Januar 2011 wurde Cavaco Silvaim Amt bestätigt.[60]
Die drastischen Auswirkungen der weltweiten Wirtschafts- und Finanzkrise dominierten den Wahlkampf bei denParlamentswahlen 2009. Obwohl die regierendenSozialisten deutlich an Wählerstimmen verloren und ihre absolute Mehrheit einbüßten, gelang es ihnen, sich als wählerstärkste Partei zu behaupten. Damit blieb auch die Regierung Sócrates im Amt.
Nachdem das Sparkonzept der Regierung im Parlament keine Mehrheit gefunden hatte, reichte Sócrates am 23. März 2011 sein Rücktrittsgesuch ein. In den anschließendenNeuwahlen erfuhren die Sozialisten eine deutliche Wahlniederlage. Folgerichtig wurde am 15. Juni 2011Pedro Passos Coelho, Vorsitzender der mit fast 40 % der Stimmen siegreichen liberal-konservativenSozialdemokratischen Partei (PSD), zum neuen Ministerpräsidenten Portugals ernannt. Er führte eine Koalitionsregierung aus PSD undCDS-PP, die mit 132 von 230 Parlamentssitzen über eine solide Mehrheit verfügte.
Nach derParlamentswahl am 4. Oktober 2015 blieb das bisher regierende ParteienbündnisPàF zwar stärkste Kraft, verlor jedoch die absolute Mehrheit. Die linken bisherigen OppositionsparteienPS,BE undCDU halten zusammen mit 124 der insgesamt 230 Sitze im Parlament eine regierungsfähige Mehrheit. Am 20. Oktober 2015 sagte António Costa (PS) dem Staatspräsidenten Anibal Cavaco Silva, dass er eine Linksregierung bilden wolle.[61] Cavaco Silva blockierte jedoch vorerst die Versuche der Sozialisten und Kommunisten, ein Regierungsbündnis zu schließen, und ernannte den amtierenden bürgerlich-konservativen Premierminister Pedro Passos Coelho abermals zum Regierungschef. In einer Fernsehrede an die Nation am Abend des 22. Oktober 2015 begründete Cavaco Silva dies mit Rücksichtnahme auf Europäische Union und Euro,[62] „Finanzinstitutionen, Investoren und die Märkte“.[63] Am 26. November 2015 wurdeAntónio Costa zum Premierminister ernannt und versprach eine Abkehr von der harten Austeritätspolitik unter Beachtung der Vorgaben der Europäischen Union.[64] Am 24. Januar 2016 wurdeMarcelo Rebelo de Sousa (PSD) zum Staatspräsidenten gewählt.[65] Nach derParlamentswahl 2019 bildete António Costa am 26. Oktober 2019 eine Minderheitsregierung, nach den Parlamentswahlen von 2022 eine Alleinregierung.Portugal war im Juni 2021 das erste Land, dessen Konjunkturprogramm nach dem Wirtschaftseinbruch infolge der Einschränkungen infolge von Corona von der Europäischen Kommission abgesegnet wurde. Investitionen in umweltfreundliche Produktionsprozesse und Digitalisierung, sowie in Gesundheit, Wohnen und Infrastruktur sollen möglich werden.Am 21. März 2024 wurde der konservativeLuís Montenegro Premierminister Portugals und bildete eine Minderheitsregierung.
Der Präsident, der alle fünf Jahre direkt in allgemeinen und direkten Wahlen bestimmt wird, ist Oberkommandierender derStreitkräfte. Er ernennt einen Premierminister und den Ministerrat, wobei er sich am Ergebnis der Parlamentswahlen zu orientieren hat. Der Staatsrat ist ein Gremium, das den Präsidenten berät, und besteht aus dem Staatspräsidenten und seinen Vorgängern, dem Premierminister, dem Präsidenten des Verfassungsgerichtes (Tribunal Constitucional), dem Bürgerbeauftragten, den regionalen Präsidenten (Azoren undMadeira) sowie fünf vom Staatspräsidenten und fünf vom Parlament ausgewählten Personen.
Die Verfassung von 1976 galt als ein Kompromiss zwischen zwei Legitimitätsformen, die sich während derTransformation herausgebildet haben: dem Militär, dem gewählten Parlament und dem gewählten Präsidenten. Bis zu einer endgültigen Institutionalisierung des Regierungssystems in Portugal dauerte es bis 1982, als die Verfassung eine Revision erfuhr. Bis 1982 wurde die revolutionäre Legitimation des Militärs als notwendig empfunden. Seit der Revision 1982 wurden die Befugnisse des Präsidenten zu Gunsten des Parlamentes beschnitten. Man spricht in dem Zusammenhang von der Herausbildung eines parlamentarischen Regierungssystems.[66] Die Regierung ist seitdem allein dem Parlament verantwortlich. Die Befugnisse des Militärs wurden durch die Auflösung des Revolutionsrates beschnitten und einer zivilen Kontrolle unterstellt. Seit der Verfassungsrevision 1982 hat der direkt gewählte Präsident in Portugal keine exekutiven Befugnisse mehr.
Die Regierung wird vom Premierminister geleitet, der sich einen Ministerrat zusammenstellt. Jedeneue Regierung muss dem Parlament ihr Programm zur Debatte vorlegen. Wird es nicht abgelehnt, ist die Regierung vom Parlament akzeptiert.
Das Parlament wird alsAssembleia da República(Versammlung der Republik) bezeichnet und besteht aus einer Kammer mit bis zu 230 Abgeordneten (Einkammersystem). Die Abgeordneten werden für vier Jahre nachVerhältniswahlrecht gewählt. Der Präsident hat das Recht, das Parlament aufzulösen und Neuwahlen anzusetzen.
Das Oberste Gericht ist die höchste Instanz der portugiesischen Justiz. Zudem sind besondere Oberste Gerichte für militärische, verwaltungsrechtliche und steuerrechtliche Fragen zuständig. Das Verfassungsgericht Portugals hat neun Mitglieder und überwacht die verfassungsgemäße Auslegung des Rechts.
Die über lange Zeit größten Parteien sind die sozialdemokratisch orientierteSozialistische Partei(PS) und die bürgerlich-konservativ orientierteSozialdemokratische Partei(PSD). Daneben gibt es noch die rechtspopulistischeVolkspartei(CDS/PP), die traditionsreicheKommunistische Partei(PCP) und den vor wenigen Jahren als Sammelbecken der intellektuellen Linken gegründetenLinksblock(BE). Die fünf Parteien sind seit derParlamentswahl am 5. Juni 2011 im Parlament vertreten. DieGrünen(PEV) treten in Portugal seit 1987 immer in Listenunion mit den Kommunisten an und bekommen seit Gründung dieses Bündnisses(CDU) immer zwei Parlamentsmandate.
Portugal ist ein sehr sicheres Land, 2023 stand es auf dem siebten Platz desGlobal Peace Index.[67][68]Trotz seiner vergleichsweise konservativen,katholizistischen Gesellschaft hat sich das traditionell weltoffene Land heute zu einem sehr liberalen Land entwickelt, was sich beispielsweise in der 2001 eingeführten und international beachteten liberalenDrogenpolitik Portugals[69][70] oder der vergleichsweise fortschrittlichen Situation derHomosexualität in Portugal zeigt. Die vollumfänglichegleichgeschlechtliche Ehe wurde in Portugal bereits 2010 legalisiert.
der Oberste Gerichtshof(Supremo Tribunal de Justiça)
5 Rechtsmittelgerichte(tribunais da relação)
23 Bezirksgerichte(tribunais de comarca), 4 Strafvollstreckungsgerichte(tribunais de execução das penas), 4 Fachgerichte(Tribunal marítimo;Tribunal da propriedade intelectual;Tribunal da concorrência, regulação e supervisão;Tribunal central de instrução criminal)
25 Friedensgerichte(julgados de paz)
das Oberste Verwaltungsgericht(Supremo Tribunal Administrativo)
15 Verwaltungs- und Finanzgerichte(tribunais administrativos e fiscais), ein Bezirksverwaltungsgericht(tribunal administrativo de círculo), ein Steuergericht(tribunal tributário)
Portugal war Gründungsmitglied derNATO und beteiligt sich mit Truppen an der Friedenssicherung auf demBalkan. Zusammen mit Spanien ist Portugal an denIbero-Amerikanischen Gipfeltreffen beteiligt, die vor allem den Dialog mit den LändernLateinamerikas fördern sollen. Federführend war das Land bei der Gründung derGemeinschaft der Portugiesischsprachigen Länder (CPLP), deren Ziel es ist, die Zusammenarbeit dieser Länder zu vertiefen. Ferner ist das Land Mitglied in derLateinischen Union, die den Erhalt und die Vielfältigkeit der romanischen Sprachen fördert.
Portugal unterstützte eines seiner früheren Kolonialgebiete,Osttimor, im Kampf um Unabhängigkeit von Indonesien, und kooperiert dabei zugunsten des jungen Staates finanziell und militärisch mit asiatischen Ländern, den Vereinigten Staaten sowie derUNO.
Es besteht ein Streit zwischen Portugal undSpanien um das Gebiet vonOlivenza (portugiesischOlivença), das gegenwärtig zum spanischen Staat gehört, jedoch von Portugal beansprucht wird. Olivença kam 1801 unter spanische Verwaltung, doch Spanien erklärte sich auf demWiener Kongress von 1815 bereit, das Gebiet an Portugal zurückzugeben. Portugal verlangt seither die Rückgabe.
Portugal gliedert sich in 18 Distrikte und zwei autonome Regionen: dieAzoren undMadeira. Die Distrikte sind dabei eine ältere Version der Einteilung des Landes, die immer mehr an Wichtigkeit verliert. Die fünf historischen Regionen des Landes wurden in 25Subregionen eingeteilt, die durch die Veränderung der Bevölkerungszentren im Land immer mehr an Wichtigkeit gewinnen. Darunter folgt dieKommunale Selbstverwaltung in Portugal, mit 308Municípios (welche mit deutschenLandkreisen oder SchweizerBezirken verglichen werden können) und 3091Freguesias (Gemeinden). Bis zuradministrativen Neuordnung 2013 waren es 4259 Gemeinden.
Bei der Einteilung von Regionen und Subregionen, welche auch als europäischeNUTS bekannt sind, existieren in Portugal sieben Regionen (fünf Regionen auf dem Festland und die zwei autonomen RegionenAzoren undMadeira), welche sich weiterhin in 25 Subregionen einteilen lassen.
Die 308Municípios, auch bekannter als Kreise oder im Vergleich zu den deutschen Landkreisen, verteilen sich über das ganze Land und bestehen aus einer oder mehrerenFreguesias, welche auch als Gemeinden bekannt sind.
In Portugal gibt es 3.091 Freguesias, welche auch als Gemeinden bekannt sind, die durch eine oder mehrere Gemeinden einen Kreis, alsoMunicípio, bilden.
Der Präsident ist Oberkommandierender der Streitkräfte. Die bis 2003 herrschende allgemeine Wehrpflicht ist ausgesetzt. Portugal gab 2017 knapp 1,7 Prozent seiner Wirtschaftsleistung oder 3,8 Milliarden Dollar für seine Streitkräfte aus.[77]
Portugal ist Teil desEuropäischen Binnenmarkts. Zusammen mit 20 anderen EU-Mitgliedstaaten (blau) bildet es eine Währungsunion, dieEurozone.
Seit seinem Beitritt zurEG im Jahre 1986 hat sich Portugal zu einer zunehmend diversifizierten, vor allem auf Dienstleistungen ausgerichteten Ökonomie entwickelt. Dienstleistungen sind mittlerweile für etwa zwei Drittel desBIP verantwortlich. Wie in anderen Staaten Europas wurden weit reichendePrivatisierungen durchgeführt und die Staatsausgaben reduziert. Im Jahre 1998 hat sich Portugal für den Beitritt zurEuropäischen Währungsunion qualifiziert und führte wie elf andere Staaten am 1. Januar 2002 denEuro als Zahlungsmittel ein und löste damit denPortugiesischen Escudo ab.
NachEinführung des Euro (1999) sanken die realen Zinsen. Das Wirtschaftswachstum hat mit etwa 3,3 % jährlich jenes des EU-Durchschnitts in den Jahren bis zurWeltwirtschaftskrise ab 2007 meist übertroffen. Große Kapitalzuflüsse trugen zu Jahren des Wirtschaftswachstums bei; gleichwohl sank dieProduktivität. DieBanken- und Finanzkrise seit 2008 hatte auch in Portugal Auswirkungen auf die Realwirtschaft (Rezession). Im Rahmen der ab 2010 folgendenEurokrise wurde Portugal zu den besonders betroffenenPIIGS-Staaten gezählt. DieEFSF sagte Portugal im Mai 2011Finanzhilfen in Höhe von 78 Milliarden Euro zu. Danach erholte sich die wirtschaftliche Lage, und Portugal konnte unter Einhaltung aller Zahlungsverpflichtungen den Rettungsschirm 2014 bereits wieder verlassen,[78] die Arbeitslosenquote blieb zunächst aber relativ hoch (im April 2017 9,8 Prozent).[79] DasBruttoinlandsprodukt (BIP) je Einwohner betrug 2016 16.900 Euro.[80] Ab dem Wahlsieg des neuensozialistischen PremierministersCosta Ende 2015 und dem folgenden Ende derAusteritätspolitik verbesserte sich die wirtschaftliche Lage deutlich. Dank gestiegener Inlandsnachfrage, weiter gewachsenen Tourismuseinnahmen und anhaltend gesteigertem Export sank die Arbeitslosenquote bis 2019 auf 6,5 Prozent[81] und die Brutto-Staatsschulden auf 116,6 Prozent des BIP,[82] das 24.600 Euro pro Kopf erreichte (EU-Platz 18 von 28, EU-Schnitt 31.600 Euro).[83]
Portugal ist immer noch das ärmsteAltmitglied derEU: Das Pro-Kopf-BIP (inKaufkraftparitäten) liegt bei etwa 78 % des Durchschnitts der EU-Länder vor derOsterweiterung, wobei es im Jahr 1985 noch etwa bei 50 % lag. Im Vergleich mit demBIP derEU ausgedrückt in Kaufkraftstandards erreicht Portugal einen Index von 77 (EU-28:100) (2015).[84] Die Entwicklung im Land ist jedoch sehr unterschiedlich. Nimmt man nur den Großraum Lissabon, so liegt der Index hier mit über 100 inzwischen leicht über dem europäischen Durchschnitt (2014).[85]
2013 hatten 24,6 % der Männer und 36,1 % der Frauen zwischen 30 und 34 Jahren einen Hochschulabschluss (zum Vergleich: NRW 28,3 % / 29,9 %). Zudem erfuhr die Infrastruktur im Land enorme Investitionen, auch mit Hilfe der EU. Als Ergebnis kann beispielhaft ein überdurchschnittlicher Ausbau der Glasfaseranschlüsse für schnelles Internet gelten (2012: 10,3 %, zum Vergleich: Deutschland 1,1 %),[89] auch ist dasAutobahnnetz Portugals heute eines der dichtesten in Europa, und eine Unternehmensgründung ist online innerhalb eines Tages möglich.[90] Prämierte Entwicklungen wie die weitverbreitetenMultibanco-Bankautomaten oder dasVia-Verde-Mautsystem können als Beispiele für die Innovationsfähigkeit im Land gelten. Nach einer Boomphase bis Anfang der 2000er Jahre geriet Portugal dann zunehmend in Wettbewerb mit den Niedriglohnländern Mittel- und Osteuropas, Asiens und Nordafrikas, worunter die Attraktivität Portugals für ausländische Direktinvestitionen litt. Diese steigen jedoch seit 2009 wieder deutlich an und betrugen 2012 über 57 Mrd. Euro.[91] Die Durchschnittslöhne in Portugal sind für westeuropäische Verhältnisse weiterhin niedrig und die Arbeitszeiten zum Teil wesentlich länger.
Im Februar 2022 lag dieArbeitslosigkeit in Portugal bei 5,8 Prozent.[92] Vor der Krise, 2008, hatte die Arbeitslosenquote bei 7,6 Prozent gelegen.[93] Bis zum Juni 2018 sank sie auf 6,7 Prozent ab und unterschritt damit das Vorkrisenniveau.[94]
2014 arbeiteten 8,6 % aller Arbeitskräfte in der Landwirtschaft, 23,9 % in der Industrie und 67,5 % im Dienstleistungssektor. Die Gesamtzahl der Beschäftigten wird für 2017 auf 5,23 Millionen geschätzt; davon sind 48,8 % Frauen.[95]
Der Außenhandel wird zu etwa 80 % mit den EU-Partnern abgewickelt. Exportiert werden vor allem Bekleidung und Schuhe, Fahrzeuge, Maschinen, Chemieprodukte, Kork sowie Zellstoff und Papier. Importiert werden Maschinen, Fahrzeuge, Öl und Ölprodukte sowie Landwirtschaftsprodukte. Dabei hatte Portugal traditionell ein großesHandelsbilanzdefizit, konnte jedoch im Rahmen seiner wirtschaftlichen Anstrengungen, nach seiner tiefen Wirtschaftskrise nach derEurokrise 2010, seine Exporte deutlich steigern und weist etwa seit 2012 einen Handelsüberschuss aus, der tendenziell seither weiter ansteigt.[96] DasZahlungsbilanzdefizit war dabei durch Einnahmen aus dem Tourismus und denRücküberweisungen der Auslandsportugiesen auch früher nicht so hoch wie das Handelsbilanzdefizit.
Der Außenhandel hat für Portugals Wirtschaftspolitik seit 2010 eine gesteigerte Bedeutung gewonnen. Auch dank der Anstrengungen der staatlichen AußenhandelskammerAICEP und anderer Akteure erreichten die Exporte des Landes im Jahr 2018 den portugiesischen Rekordwert von 44,3 % desBIP,[97] die Planungen der Regierung unter demsozialistischen PremierministerCosta zielten – vor der im März 2020 auch inPortugal ausgebrochenen COVID-19-Pandemie – auf eine weitere Steigerung bis auf 50 % des BIP um das Jahr 2025 ab.[98] Auch als IT-Standort gewinnt Portugal zunehmend an Bedeutung. So siedeln sich nicht nur immer mehrStart-up-Unternehmen in Portugal an, mit dem Cluster derLX Factory in Lissabon als bekanntestem Beispiel, sondern auch internationale Konzerne verlagern ihre Entwicklungsabteilungen hierher, etwa nachOeiras bei Lissabon, oder gründenJoint Ventures, darunter auch deutsche Unternehmen wieBMW.[99] Gründe sind das große Angebot an qualifizierten Absolventen, die gute IT-Infrastruktur und das vergleichsweise niedrige Lohnniveau.[100]
Ausländische Investitionen kommen vor allem ausSpanien,Deutschland undGroßbritannien. Zwischenzeitlich sorgten auch zunehmende Investitionen aus der ölreichen ehemaligen portugiesischen KolonieAngola für Aufsehen, etwa der Kauf der BankBanco BIC Português durch ein angolanisches Bankhaus oder die Investitionen vonIsabel dos Santos u. a. in portugiesische Medienunternehmen.
Im Jahr 2024 wurden 71 % des portugiesischen Strombedarfs mit erneuerbaren Energien gedeckt.[102][103] Dabei lieferte Wasserkraft 28 % des Stroms in Portugal, Windenergie 27 %, Solarenergie 10 % und Biomasse 6 %.[102][103] 10 % wurden aus Erdgas erhalten.[103] Gegenüber dem Jahr 2010 haben sich die Verhältnisse fast umgekehrt, damals wurden 37,4 Mrd.kWh (77 %) durch Wärmekraftwerke und 11,1 Mrd. (23 %) erneuerbar durch Wasserkraftwerke erhalten.[104]
Windenergie ist seit zwei Jahrzehnten ein sehr wichtiger Faktor in derElektrizitätsversorgung. Ende 2024 waren in PortugalWindkraftanlagen mit einerNennleistung von 5.963 MW installiert.[105] 2021 bis 2023 hatte Windkraft jeweils 26 %[106][107][108] und damit über ein Viertel des portugiesischen Strombedarfes geliefert. Schon 2014 waren 27 % erreicht worden, was weltweit der zweithöchste Wert war und nur vonDänemark mit 39,1 % übertroffen wurde.[109] Die Stromerzeugung ausPhotovoltaik ist mit einer installierten Leistung von 3519 MW (2023) nicht ganz so bedeutend, aber der Zubau hat 2023 mit 1282 MW einen neuen Höchstwert erreicht.[110] Dazu kommt dieBioenergie mit 891 MW.[111] Ende 2008 wurde mit demWindpark Alto Minho der zu diesem Zeitpunkt größte Onshore-Windpark Europas in Betrieb genommen.[112] Für Details zu Windkraftwerken siehe auchWindenergie in Portugal.
Bezogen auf den gesamtenEndenergiebedarf (Strom, Wärme, Verkehr) lieferten erneuerbare Energien im Jahr 2018 30,3 %[113] der Energie (2013: 25,7 %), bis 2020 wollte Portugal diesen Anteil auf 31 % erhöhen.[114]
Mitte 2021 stammten bereits fast zwei Drittel des erzeugten Stromes in Portugal aus regenerativen Quellen (15,08 Mrd. kWh) und nur noch gut ein Drittel aus fossilen Quellen, ausschließlich Gas (7,68 Mrd. kWh) und Steinkohle (0,22 Mrd. kWh).[115] Bis Ende 2021 wurden die beiden letzten Kohlekraftwerke im Land abgeschaltet, wobei am StandortSines zukünftiggrüner Wasserstoff produziert wird, während am StandortPego auch der zweite Block auf Gas umgestellt wird.[116]
Portugal gehört zu den weltführenden Nationen in derWolframproduktion. An abbaubaren Bodenschätzen gibt es außerdemKohle,Kupfer,Zinn,Gold,Eisenerze wiePyrit undChalkopyrit, Tonminerale wieKaolinit sowieWolframit,Uraninit undLithium.[117] In der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts galt Portugal als wichtiger Lieferant fürUran. Der Uranabbau wurde jedoch zu Beginn des 21. Jahrhunderts wegen Unwirtschaftlichkeit eingestellt. Während desZweiten Weltkrieges versorgte sich Deutschland mit portugiesischem Wolfram für die Waffenproduktion. Die Atombombe vonHiroshima enthielt portugiesisches Uran.
Die Landwirtschaft Portugals ist eine der ineffizientesten in Europa; der Anteil der Landwirtschaft am BIP liegt bei etwa 5 %, jedoch sind mehr als 15 % der Arbeitskräfte in der Landwirtschaft beschäftigt. Dies führte dazu, dass viele Betriebe aufgaben und fast die Hälfte der Nahrungsmittel importiert wird. Der Anbau vonMandeln befindet sich ebenso wie dieKorkeichenplantagen(montados) imAlentejo und imDouro-Tal in einer tiefen Krise. Zwar ist Portugal mit etwa 125.000 Tonnen und damit der Hälfte der weltweit geernteten Menge das bedeutendste Produktionsland fürRohkork.[118] Dennoch steht der Wirtschaftszweig etwa seit der Jahrtausendwende durch die zunehmende Popularität und internationale Herstellung vonsynthetisch hergestellten Verschlussalternativen für Weinflaschen stark unter Druck. Auch die Hoffnung zahlreicher Korkbauern(tiradores), der portugiesische Kork sei zumindest für Weine im Hochpreissegment unersetzlich, hat sich nicht erfüllt, denn der Trend weg vom Naturprodukt hin zu kostengünstigeren Alternativen aus Kunststoff ist auch bei teuren Weinen zu beobachten.[119] Folge dieser Entwicklung sind zahlreiche Firmeninsolvenzen und Abwanderungen aus den Korkanbauregionen. Portugals Regierung und die Korkindustrie reagieren inzwischen auf die Entwicklung mit weltweiten „Green-Marketing“-Werbekampagnen, in denenWinzer wieder von der ökologischen Nachhaltigkeit des Naturprodukts Kork überzeugt werden sollen.[120] Daneben gewinnt Kork als vielseitig verwertbarer und sehr leichter Werkstoff mit seinen wasserabweisenden, hitze- und fäulnisresistenten, wärmedämmenden und schallisolierenden Eigenschaften als eine ökologische Alternative Bedeutung, etwa als Bodenbelag oder Dämmstoff. Kork findet auch in der Schuh- und Bekleidungsmode zunehmend Beachtung, auch als veganer Lederersatz.[121]
Für dieZellstoffindustrie, einen wichtigen Wirtschaftsfaktor Portugals, werden große Flächen mit schnell wachsendemEukalyptus als Rohstoff aufgeforstet. Dies ist aus ökologischen Gründen bedenklich, weil Eukalyptus den Boden auslaugt, den ursprünglichen Wald und damit die Tierwelt verdrängt, und die katastrophalen Waldbrände im Sommer begünstigt.
Ähnlich der Landwirtschaft kämpft die Fischerei mit Produktivitätsproblemen. Die portugiesische Fischereiflotte ist im Vergleich zur spanischen schwach entwickelt. Der meiste Fisch wird importiert.
Tourismus spielt eine wichtige Rolle in Portugals Wirtschaft; Strand beiPortimão
DerTourismus ist eine wichtige Einnahmequelle. Mit 17 Millionen Touristen pro Jahr (2015[122]) gehört Portugal zu denmeistbesuchten Ländern der Welt, häufigste Reiseziele sind dieAlgarve und die Region um die HauptstadtLissabon.
Für etwa acht Prozent des BIP, mit steigender Tendenz, ist der Tourismus verantwortlich, wobei die meisten Besucher aus Spanien und Großbritannien kommen. Mit über 11,4 Millionen Touristen stand Portugal 2016 auf Platz 30 der meistbesuchten Länder der Welt.[123] DieAlgarve ist dabei unangefochten das Zentrum.
Zur internationalen Vermarktung desPortweins aus der ältesten Weinbau RegionAlto Douro ab dem 17. Jahrhundert leisteten die drei deutschenKopke,Burmester und Andresen einen entscheidenden Beitrag zur Entwicklung des Portweins.
Vor der Algarve,Sétubal und den InselgruppenMadeira und Azoren gibt es Möglichkeiten, sowohl Delfine als auch Wale in freier Natur zu erleben.
Auf der Atlantikinsel Madeira begann der Tourismus in der Mitte des 19. Jahrhunderts; die Insel war eines der bevorzugten Ziele wohlhabender britischer Reisender. Sie stiegen vor allem im HotelReid’s Palace ab, das der Schotte William Reid 1891 hatte bauen lassen.
2018 exportierte Portugal Waren und Dienstleistungen im Wert von 89,211 Mrd. Euro. Die Importe des gleichen Zeitraums beliefen sich auf 87,211 Mrd. Euro, so dass das Land einenHandelsbilanzüberschuss von 2 Milliarden Euro verbuchte.[124]
Die wichtigsten Zielländer für portugiesische Exporte 2018 waren Spanien (25,27 %), Frankreich (12,27 %), Deutschland (11,48 %), Großbritannien (6,36 %), die USA (4,94 %), Italien (4,25 %), die Niederlande (3,81 %), Angola (2,60 %), Belgien (2,34 %) und Brasilien (1,46 %).[125]
Die Importe Portugals stammten vor allem aus Spanien (31,43 %), Deutschland (13,85 %), Frankreich (7,63 %), Italien (5,32 %), den Niederlanden (5,20 %), China (3,14 %), Belgien (2,88 %), Großbritannien (2,51 %), den USA (1,8 %) und aus Russland (1,78 %).[126]
DerStaatshaushalt umfasste im Jahr 2019 Einnahmen von 91,01 Mrd. Euro und Ausgaben von 90,6 Mrd. Euro, womit sich ein knapperHaushaltsüberschuss von etwa 600 Mio. Euro ergab.[127] Dies war ein Zeichen der positiven wirtschaftlichen Entwicklung und guten Haushaltspolitik Portugals, nachdem das Land lange Jahre meist ein Haushaltsdefizit vorwies. 2016 standen Haushaltsausgaben von 92,2 Mrd. Dollar noch Einnahmen von 87,2 Mrd. Dollar gegenüber, woraus sich ein Haushaltsdefizit in Höhe von 5,0 Mrd. Dollar beziehungsweise 2,4 % desBIPs ergab.[128]
DieStaatsverschuldung betrug 2009 127,9 Mrd. Euro oder 76,1 % des BIP (laut folgender Tabelle 83,6 %), mittlerweile liegt sie bei über 100 % des BIP.[128] Am 6. April 2011 gab der Premierminister Portugals bekannt, dass das Land im Zuge derVerschuldungskrisen von Eurozonen-Staaten Finanzhilfen der Europäischen Union annehmen werde.[129] Seit 2014 benötigt das Land keine EU-Finanzhilfen mehr.
Im Jahr 2011 betrug die Neuverschuldung 4,2 % des BIP. Damit erfüllte Portugal die vorgeschriebenen Sparziele der EU von 5,9 % des BIP deutlich. Dies gelang aber nur durch zusätzliche Zahlungen aus Pensionsfonds (Übertragung der Pensionsfonds der staatlichen SparkasseCGD zum Staatshaushalt), ansonsten hätte das Defizit bei 7,7 % gelegen.
ImLogistics Performance Index, der von derWeltbank erstellt wird und die Qualität der Infrastruktur misst, belegte Portugal 2018 den 23. Platz unter 160 Ländern.[132]
Das Straßennetz ist nicht zuletzt dankEU-Mitteln aus Förderungsfonds seit den 1980er Jahren schnell gewachsen und gut ausgebaut. Das gesamte Straßennetz umfasste 2008 etwa 82.900 km, wovon 71.294 km asphaltiert sind.[95] Die wichtigen Routen werden vongebührenpflichtigenAutoestradas abgedeckt. Diese erreichen insgesamt eine Länge von 1100 km und werden größtenteils vom börsennotierten UnternehmenBrisa betrieben. Gebührenfrei sind hingegenItinerários Principais (IP) oderItinerários Complementares (IC). Die Investitionen in den Straßenverkehr verdeutlichen sich nicht zuletzt in den Unfallstatistiken, 2008 starben in Portugals Straßenverkehr 83 Menschen pro 1 Million Einwohner nach 323 im Jahre 1991 (zum Vergleich 54 pro 1 Million in Deutschland 2008).[133]
Der Fernverkehr mit Bussen hat in Portugal einen höheren Stellenwert als in Mitteleuropa. Das größte Linienbusunternehmen istRede Expressos.
Das Eisenbahnnetz Portugals ist relativ weitmaschig. Das staatliche UnternehmenInfraestruturas de Portugal verwaltet einSchienennetz, das eine Gesamtlänge von 2789 km hat. Davon sind 188 kmSchmalspur, 607 km sind mehrspurig ausgebaut.[134] Personenzüge werden von der staatlichenComboios de Portugal und von der privatenFertagus angeboten. Auf den Hauptverkehrsrouten sind die Verbindungen effizient, der HochgeschwindigkeitszugAlfa Pendular bietet die schnellsten Verbindungen zwischen den Ballungszentren, die Höchstgeschwindigkeit im Regelbetrieb beträgt je nach Strecke und Baureihe von 250 km/h bis zu 300 km/h, die aber in Portugal nicht gefahren werden können. Auf den wenigen Schnellfahrabschnitten derzeit werden bis zu 220 km/h erreicht. DieSchnellfahrstrecke Lissabon–Porto ist in Bau.
Von wenigen grenzüberschreitenden Regionalzügen abgesehen, verkehren seit 2020 aufgrund derCOVID-19-Pandemie keine internationalen Züge zwischen Portugal undSpanien mehr.
Die fünf wichtigstenFlughäfen Portugals sindLissabon,Porto,Faro,Ponta Delgada undFunchal. Sie werden von mehreren Fluggesellschaften bedient, wobei die portugiesischen LinienTAP Portugal,SATA Air Açores undPortugália Airlines die meisten Verbindungen bieten. Im Jahr 2006 fertigten die portugiesischen Flughäfen insgesamt 22 Millionen Passagiere und 135.000 Tonnen Fracht ab. Es wurde erwartet, dass das Verkehrsaufkommen bis 2025 auf 46,8 Millionen Passagiere und 259.000 Tonnen Fracht steigen werde.[136]
Angesichts der steigenden Passagierzahlen wurde 2008 entschieden, zusätzlich zu dem existierenden Flughafen Lissabons einen neuen kommerziellen Flughafen (Novo Aeroporto Lisboa) zu schaffen. Er sollte auf dem wenig benutzten Militärflughafen inMontijo erbaut werden. Dieser liegt am südlichen Ufer desTejo. Ab 2022 sollte der Betrieb aufgenommen werden.[137] Der Baubeginn wurde mehrfach verschoben, 2024 untersagte die portugiesische Luftfahrtbehörde (Autoridade Nacional da Aviação Civil, ANAC) die Umnutzung des Flugplatzes, womit das Projekt faktisch beendet wurde.
Die wichtigsten Häfen Portugals befinden sich inAveiro, Porto, Lissabon,Sines undSetúbal. Im Jahr 2007 kamen fast 70 % aller Importe über den Seeweg ins Land, während 41 % der Exporte über die Häfen abgewickelt wurden. Von den 58 Millionen Tonnen liefen 39 % über den Hafen von Sines. Die Häfen werden modernisiert und ihre Verkehrsanbindung verbessert, damit sie einen größeren Teil des spanischen Außenhandels abwickeln können.[138]Von den Flüssen sind der Douro[139] und der Tejo[140] schiffbar.
DieVia Algarviana ist einWanderweg mit einer Länge von 300 km und wurde nur auf bereits bestehenden Land- und Waldwegen errichtet. Bei der Weggestaltung war man bemüht, an Punkten von besonderem natürlichem, kulturellem, menschlichem und landschaftlichem Interesse vorbeizuführen und so auch den lokalen Tourismus im Hinterland zu fördern.
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Portugal wird manchmal alsLand der Poeten bezeichnet. In der portugiesischen Literatur hatte diePoesie immer stärkeren Einfluss als dieProsa. ImMittelalter, als die portugiesische Nation entstand, war im Nordwesten der Iberischen Halbinsel die Poesie weit verbreitet. Es entstanden exzellenteepische wielyrische Werke. Während die bekanntesten klassischen PoetenLuís de Camões undFernando Pessoa sind, gibt es eine Reihe weniger bekannter Künstler, die auf die moderne portugiesische Literatur bedeutenden Einfluss haben.
Die Prosa entwickelte sich später als die Poesie und prägte sich erst im 14. Jahrhundert in der Form von Chroniken oder der Beschreibung des Lebens von Heiligen heraus. Hier istFernão Lopes der berühmteste Vertreter; er verfasste eine Chronik der Regentschaften von drei Königen seiner Zeit. Für ihn waren Genauigkeit der Darstellung sowie eine lebhafte Schilderung am wichtigsten. International ist die portugiesische moderne Literatur am bekanntesten, besonders mit den Werken vonJosé Maria Eça de Queiroz und demNobelpreisträger für Literatur 1998,José Saramago.
DieFilmkunst hat eine lange Tradition in Portugal. International genießt vor allem der anspruchsvolleAutorenfilm des Landes unterCineasten einen guten Ruf, doch sind preisgekrönte Regisseure, wieJoão Botelho oderJoão Canijo, der breiten Bevölkerung, selbst in Portugal, eher wenig bekannt. Wird dieFilmwirtschaft auch hier von den internationalen Großproduktionen und denMultiplex-Kinos bestimmt, so gibt es abseits davon aber noch immer eine regeFilmklub-Bewegung und eine Reihe verschiedenerFilmfestivals im Land, die engagierte neue Regisseure wie die sehr unterschiedlichenMiguel Gomes,Jorge Pelicano oderFernando Fragata hervorbringen, ebenso Schauspielernachwuchs mit Namen wie etwaAna Moreira,Diogo Infante oderLúcia Moniz.
Als bekanntester portugiesischer Regisseur ist hierManoel de Oliveira († 2. April 2015) zu nennen, der zudem mit über 100 Jahren (Jahrgang 1908) der älteste noch arbeitende Regisseur der Welt war, und der letzte lebende, der bereits zuStummfilmzeiten drehte. Die bekanntesten Schauspieler sindMaria de Medeiros, die inPulp Fiction die Filmpartnerin vonBruce Willis war, undJoaquim de Almeida mit seinen zahlreichenHollywood-Rollen.
Die wichtigste Musikform Portugals ist derFado, der sehr melancholisch sein kann und zumKlischee der melancholischen Portugiesen (gegenüber den temperamentvollen Spaniern) beigetragen hat. Diese Musik geht eng einher mitSaudade (etwa:Sehnsucht)[143] und ist wahrscheinlich durch die Vermischung der Lieder von portugiesischen Seefahrern mit den Rhythmen afrikanischer Sklaven entstanden. Hierbei werden zwei Stilformen unterschieden, nämlich der variantenreichere, volksnahe Fado vonLissabon, und der akademische, nur von Männern gesungene Fado vonCoimbra. Das international bekannteste Fadolied wurdeApril in Portugal, das in einigen hundert Versionen weltweit veröffentlicht wurde und vonRaul Ferrão stammt, und zudem den Fado Coimbras mit dem Lissabons vereint.Amália Rodrigues war die bedeutendste Fado-Künstlerin, nach ihrem Tod sind mehrere Musiker aus ihrem Schatten getreten und bringen neue Formen des Fado hervor, die teils nur noch diesaudade mit dem ursprünglichen Fado gemein haben, teils aber ganz bewusst an traditionellen Mustern des Fado festhalten. In den letzten Jahren hat die Zahl der Fado-Veröffentlichungen und seine öffentliche Präsenz wieder stärker zugenommen, durch Erfolge von jungen Sängern wieMariza,Camané oderAna Moura. In den früheren Kolonien Portugals hat sich der Fado ebenfalls verbreitet und sich zurkapverdischenMorna einerCesária Évora und zumbrasilianischenChoro weiterentwickelt. Zu den heute im deutschsprachigen Raum bekannten, vom Fado beeinflussten Gruppen zähltMadredeus mit der SängerinTeresa Salgueiro.
Seit demMittelalter war dieKirchenmusik im Rahmen des starken portugiesischen Katholizismus sehr bedeutend in Portugal und erreichte ihren Höhepunkt in derRenaissance. Im Bereich der geistlichen Vokalpolyphonie hatte Portugal eine bemerkenswerte Generation portugiesischer Komponisten vorzuweisen, die im 16. und 17. Jahrhundert die Musikgeschichte von Portugal geprägt haben: Estêvão de Brito (c. 1575–1641), Filipe de Magalhães (c.1571–1652),Duarte Lobo (1565–1646) undManuel Cardoso (1566–1650). Diese sogenannteGeneration der Polifonisten von Évora stellt die Glanzzeit der Kirchenmusik in Portugal dar. Von dem aufMadeira wirkenden BarockkomponistenAntónio Pereira da Costa (um 1697–1770) stammen die einzigen bekanntenConcerti grossi der portugiesischen Musikgeschichte.
dieOrgel der Kathedrale von Faro ist ein wichtiges Instrument, ebenfalls von Arp Schnitger, aus den Jahren 1715/1716 mit 25 Registern auf zwei Manualen und Pedal.
Im Bereich der klassischen Musik hat Portugal keine international bedeutenden Komponisten vorzuweisen. Im 18. und 19. Jahrhundert waren es einzelne Komponisten wieCarlos Seixas,João Domingos Bomtempo,José Vianna da Motta oderLuís de Freitas Branco, die zwar für Portugal bedeutende Werke schrieben, jedoch keine nennenswerte internationale Aufmerksamkeit erreichten. Hingegen gehörteLuísa Todi (La Todi, 1753–1833) zu den europaweit berühmtesten Sängerinnen ihrer Zeit.
Im 20. Jahrhundert wurde die Tradition portugiesischer klassischer Musik von Komponisten wieEmmanuel Nunes,António Victorino de Almeida oderEurico Carrapatoso fortgesetzt. Der TenorLomelino Silva erlangte in den 1920er und 1930er Jahren internationalen Ruhm, geriet danach jedoch in Vergessenheit.Zum Ende des 20. Jahrhunderts konnte Portugal international bedeutende Komponisten vorweisen:Emmanuel Nunes, der unter anderem einen Lehrauftrag in Paris innehatte,Jorge Peixinho, den man als wichtigste Figur der zeitgenössischen Musik Portugals seiner Generation bezeichnen kann, undJoao Pedro Oliveira mit Lehraufträgen in Portugal und Brasilien.
Der ehemalige Madredeus-MusikerRodrigo Leão konnte sich mit seinen modern-klassischen Kompositionen im zeitgemäßen und doch traditionellen Gewand sowohl in seiner Heimat, als auch international einen Namen machen. Das Akkordeon-QuartettDanças Ocultas erhielt international ebenfalls einige Aufmerksamkeit. Auch gewann Portugal 2017 mit dem SängerSalvador Sobral den62. Eurovision Song Contest in Kiew.
Die musikalischen Traditionen der verschiedenen Regionen werden zudem immer wieder neu belebt und zeitgemäß interpretiert, oft auch durch die Vereinigung verschiedener Musikstile. Künstler wieTrovante,Júlio Pereira oderRão Kyao, ein Komponist, Musiker und Sänger portugiesischer Musik und des Fado hat sich durch Aufnahme musikalischer Einflüsse aus indischer Musik (Goa, ehemalige portugiesische Kolonie), ausMacau (ehemalige portugiesische Kolonie), aus dem arabischen Raum und aus Nordafrika einen Namen gemacht.
DasPopmusik-Genre, das in den 1960er Jahren vor allem mitBeatbands wieQuinteto Académico,Conjunto Académico João Paulo und insbesondere denSheiks in Portugal eingeführt wurde, konnte seit den 1980er Jahren neben der Rockmusik zur bestimmenden Musik der Jugend aufsteigen, mit Namen wieHeróis do Mar, denDelfins, oder dem früh verstorbenen, exzentrischen SängerAntónio Variações. Die BandThe Gift hat in den letzten Jahren mit ihrem vielschichtigen Pop und ihrem Amália Rodrigues-Tribut-ProjektHoje für vergleichbar viel Aufsehen unter Musikfreunden im Land gesorgt, ebensoSilence 4 und ihr inzwischen solo auftretender SängerDavid Fonseca. Die erste Eurodance-Gruppe Portugals, „Santamaria“, brachte auch Technobeats in die Diskotheken.
Über die Landesgrenzen hinaus konnte sich der Rock- und Blues-Sänger, Gitarrist und KomponistRui Veloso einen Namen machen. Neben bekannten Gruppen wieGNR oderUHF sind die unbestritten populärste Rockband des Landes die 1978 alsPunkband gegründetenXutos & Pontapés, währendMoonspell die international bekanntesteMetal-Band aus Portugal ist. Aus Bands wie der als Psychobilly-Band begonnenen GruppeTédio Boys oder der PunkbandCensurados sind einige der prägendsten Formationen der vielfältigenUnderground- undIndependent-Szenen im Land entstanden.Mata-Ratos sind die älteste, noch bestehende Band derPunkszene Portugals.
Jede Region Portugals besitzt ihrenFolklorestil(Ranchos Folclóricos). Projekte wie die PopbandsSétima Legião oderSitiados verbinden diese mit zeitgemäßen Popstilen. Die portugiesische Musik- und Tanztradition hat sich inBrasilien mit den Traditionen derSklaven aus dem heutigenAngola zurSamba gemischt und ist in dieser Mischung ebenso in Portugal populär. Vor allem unter angolanischen Einwanderern ist derKuduro beliebt. Hierbei handelt es sich um eine Musikrichtung, welche unter anderem Einflüsse desSungura sowie desAfro Zouk beinhaltet. Der Rhythmus ist schnell und hart. Die verbreiteteKizomba ist eine Mischform aus dem angolanischenSemba undZouk. Es handelt sich meist um romantische Lieder mit entsprechend langsamen Rhythmen. Populär sind diese beiden Musikrichtungen (jedoch die Kizomba im Besonderen) bei der jungen Generation afrikanischer Einwanderer. In den vergangenen Jahren wurde diese Musikrichtung unter Jugendlichen kulturell portugiesischer Herkunft verbreitet.
Im Bereich des Kunsttanzes ist Portugal seit Anfang der 1990er Jahre recht erfolgreich und gehört mit Russland zu den wichtigsten Ländern in Europa auf diesem Gebiet. Zahlreiche Tänzer sowie Choreographen konnten europaweiten oder weltweiten Ruhm erlangen:Rui Horta,João Fiadeiro,Clara Andermatt. Dabei werden oftmals moderne und innovative Formen eingesetzt, neue Stile entwickelt. An der Ausbildung junger Tänzer ist Portugal regelmäßig beteiligt. Die Tanzkultur in Portugal wird alsNova Dança Portuguesa bezeichnet.
In der Malerei und Bildhauerei erreichten portugiesische Künstler nie große Bekanntheit. Das lag an diversen Gründen: Zum einen gab es keine neuen, innovativen Techniken und Formen aus dem Land. Oft wurden viele Gemälde und Skulpturen zur Ehre Gottes nur für bestimmte Klöster oder Kirchen erschaffen, ohne dass die Namen der Künstler bekannt waren (die oftmals ihren Namen absichtlich nicht angaben). Daneben spielte die oft schwierige Aussprache portugiesischer Namen sowie die Zerstörung von Kunst durch das Erdbeben von 1755 und durch napoleonische Truppen Anfang des 19. Jahrhunderts eine entscheidende Rolle. Dennoch hat auch Portugal viele Maler hervorgebracht. Die heutige Malerei ist an den Tendenzen moderner Malerei ausgerichtet.
Im Mittelalter und der Renaissance waren es oftmals ausländische Maler, die in Portugal wirkten, etwa aus Flandern, die aber keine berühmten Maler waren, sondern dort, weil sich durch die großen Meister ihres Landes verdrängt worden waren, dann in Portugal wirkten konnten. Bedeutende Namen aus dieser Zeit warenNuno Gonçalves,Gregorio Lopes undGrão Vasco.
Die portugiesische Küche ist mannigfaltig, sie folgt in mancher Hinsicht der iberischen Tradition, darüber hinaus nahm sie jedoch viele Elemente aus den kolonisierten Gebieten auf. Nach der maurischen Herrschaft über Portugal blieben auch viele nordafrikanische Einflüsse erhalten, dazu gehören der starke Gebrauch von Zucker, Zimt, Gewürzen und Eidotter.[35]
Als Nationalgericht Portugals gilt derBacalhau. Bereits seit dem 13. Jahrhundert spielte diese Art Trocken- und Salzfisch in der Ernährung der Portugiesen eine bedeutende Rolle. Heute sagt man, dass es in der portugiesischen Küche ein Bacalhau-Rezept für jeden Tag des Jahres gibt.Sardinen, im 16. Jahrhundert das billigste Nahrungsmittel im Land, sind auch heute ein traditionelles Essen. So sind gegrillte Sardinen(Sardinhas Assadas) insbesondere im Sommer sehr populär.[144] Zahlreiche weitere Gerichte wieCaldeirada,Amêijoas à Bulhão Pato,Rissóis de Camarão oderArroz de marisco unterstreichen die Bedeutung von Fisch und anderen Meeresprodukten in der portugiesischen Küche.
Typisch sind außerdem Suppen wieCaldo verde, eine Grünkohl-Kartoffelsuppe aus dem portugiesischen KohlCouve-galega, die typischerweise mitBroa (Maisbrot) undChouriço serviert wird, oder dieSopa alentejana mit Brot, Ei,Koriander, Knoblauch und Olivenöl. Fleisch wurde im Mittelalter Portugals nur sehr wenig gegessen, trotzdem sind Würste(enchidos) verbreitet und es gibt einige berühmte Fleischgerichte wieCozido à portuguesa oder das populäre SchnellgerichtFrancesinha.Frango Assado (Gegrilltes Hähnchen) insbesondere mit scharfem Piri-Piri gewürzt, ist heute ein weitverbreitetes Gericht, das aus den afrikanischen Kolonien nach Portugal kam. Außerdem gibt es eine lange Tradition in der Käserei, nennenswert sindQueijo do Pico,Queijo Serra da Estrela oderQueijo de Azeitão.
Süßspeisen nehmen in Portugal einen ganz bedeutenden Platz ein. Die berühmtenPastéis de Nata (Pastéis de Belém) sind eine Spezialität ausBelém und verbreiteten sich in den letzten Jahren überMacau in weite Teile Südostasiens. Einige der zahlreichen weiteren Süßspeisen sind diePastéis de Tentúgal, dieOvos moles de Aveiro, oder auch der vor allem zu Weihnachten verbreiteteBolo Rei. Vor allem im Herbst werden traditionell gerösteteMaronen an kleinen Straßenständen verkauft.
Für seinen Wein ist Portugal bekannt. Seit derRömerzeit wird Portugal mit dem Gott des Weines und der Feste,Bacchus/Dionysos, assoziiert. Einige portugiesische Weine gehören zu den besten der Welt. Eine bekannte Weinspezialität ist der spritzig-moussierendeVinho Verde. Weltbekannt ist derPortwein, während von der Insel Madeira ein weiterer bekannterLikörwein aus Portugal stammt, derMadeira. Daneben gibt es auch einige einheimische Bierbrauereien.
Im Juni finden in ganz Portugal Feste zu Ehren der drei Volksheiligen(Santos Populares) statt. Diese drei Heiligen sindAntonius,Johannes undPetrus. Gefeiert wird mit Wein,água-pé (Most), traditionellem Brot mit Sardinen, Straßenumzügen und -tänzen, Hochzeiten, Feuer und Feuerwerk sowie viel guter Laune. Besonders bekannt sind die Straßenumzüge, dieMarchas Populares, der Hauptstadt Lissabon, bei denen Tanzgruppen aus den historischen Stadtvierteln gegeneinander antreten.
Santo António wird in der Nacht vom 12. auf den 13. Juni gefeiert, vor allem in Lissabon (wo dieser Heilige geboren wurde und lebte), wo eine Art Straßenkarneval(Marchas Populares) stattfindet. Zu diesen Tagen gibt es Hochzeiten, dieCasamentos de Santo António. Der populärste Heilige istSão João (hl. Johannes), für den amJohannistag vor allem inPorto undBraga gefeiert wird, wobei esSardinen undCaldo Verde (eine traditionelle Suppe) gibt. Zu Ehren vonSão Pedro wird am 28. und 29. Juni gefeiert, besonders inPóvoa de Varzim undBarcelos, wobei diese Feste dem Meer gewidmet sind. Dabei gibt es Feuer(fogeiras) und einen Straßenkarneval.
Auch imKanusport kann Portugal Erfolge vorweisen, etwa seine Silbermedaille beiOlympia 2012. Der portugiesische KanuherstellerNelo ist Weltmarktführer und rüstete auch die Mehrzahl der erfolgreichen Olympia-Wettbewerbsteilnehmer 2012 aus.[146] In der KleinstadtMontemor-o-Velho hat derportugiesische Kanuverband mit seinem Leistungszentrum seinen Schwerpunkt. Hier wurden auch mehrmals internationale Veranstaltungen ausgerichtet, zuletzt dieKanurennsport-Europameisterschaften 2013.
Insbesondere portugiesische Langstreckenläufer waren häufig international erfolgreich. Die bekannteste weibliche Läuferin dürfte die olympische GoldmedaillengewinnerinRosa Mota sein, währendCarlos Lopes 1984 imMarathonlauf die erste olympische Goldmedaille für Portugal überhaupt holte.
In der Nähe des SeebadesEstoril, nahe der Atlantikküste, befindet sich mit demCircuito do Estoril eine bekannte Rennstrecke für Auto- und Motorradrennen, auf der jahrelang derFormel 1 Grand Prix von Portugal ausgefahren wurde. Auch als Teststrecke für Rennwagen wird der Kurs in Estoril genutzt.
In der StadtSantarém befindet sich ein bekanntes Speedway-Stadion, in dem auch bereits internationale Meisterschaften ausgefahren wurden, wie die Europäische Speedway-Club-Meisterschaft im Jahre 2000.
Ganzjährig bieten die Küsten im Süden und Westen ideale Bedingungen zumWellenreiten. Einige der besten Surfspots Europas ziehen Surfer aus aller Welt an, etwa inEriceira, das weltweit dritte und Europas erstes Surfreservat. Unter den vielen weiteren Surfspots sind das traditionsreiche SeebadFigueira da Foz, der nahe Lissabon gelegene StrandPraia do Guincho, oder auch das frühere FischerdorfNazaré, das für seinebesonders große Welle bekannt ist. Seit dem Jahr 2010 ist Portugal einer der offiziellen Stopps derWSL Championship Tour. Jedes Jahr veranstaltet das Land den „MEO Rip Curl Pro Portugal“ am Supertubos-Strand inPeniche. Der beste portugiesische Surfer ist Frederico Morais. In der WSL Championship Tour erreichte er 2017 den 14. Platz in seinem Rookie-Jahr. Vasco Ribeiro gewann 2014 die Junioren-Weltmeisterschaft der Männer und Teresa Bonvalot gewann 2016 und 2017 die Junioren-Europameisterschaft der Frauen.
Segeln hat eine lange Tradition in Portugal. Bekannt dafür sind insbesondere dieAzoren, etwa mit derLes Sables–Les Açores–Les Sables-Regatta oder dem international bekannten Treffpunkt, der StadtHorta. Segelveranstaltungen finden zudem an der Algarve und im Großraum Lissabon statt. So fanden dieISAF-Segel-Weltmeisterschaften 2007 inCascais statt, das auch für seinen Yachthafen bekannt ist.
Mit demATP Estoril (ab 1990) bei den Herren sowie denWTA Oeiras (1999–2014) bei den Damen finden in Portugal bekannte internationale Tennisturniere der höchsten Turnierserie statt. Ehemals ausgetragene Turnieren waren dieATP Porto (1995–1996) bzw.WTA Porto (2001–2002). Darüber hinaus wurden und werden einige Turniere derATP Challenger Tour in Portugal ausgetragen. Zuletzt warJoão Sousa ausGuimarães der vielversprechendste portugiesische Tennisspieler. Am 14. Juli 2014 erreichte er mit dem 35. Platz seine bisher beste Platzierung in derTennisweltrangliste.
Für portugiesischesBadminton ist dagegenCaldas da Rainha der wichtigste Ort, etwa als häufiger Austragungsort für Turniere derPortugal International, und als Sitz desportugiesischen Badmintonverbandes. Als erfolgreichste Spielerin kannIsabel Rocha gelten, die in den 1960er und 1970er Jahren insgesamt 32 nationale Titel gewann. Als besonders erfolgreicher männlicher Spieler istJosé Bento zu nennen. Er stammte aus Lourenço Marques, der heuteMaputo genannten Hauptstadt der damaligen portugiesischen KolonieMosambik, und dominierte besonders während der 1970er-Jahre das Badminton in Portugal.
Heute Mit 13 Landesmeisterschaften istJoaquim Durão Rekordmeister im Schach. Erfolgreichste weibliche Spielerin istCatarina Leite, währendSchachgroßmeisterLuís Galego der aktuell bedeutendste Schachspieler Portugals sein dürfte.
DerPortugiesische Schachverband FPX(Federação Portuguesa de Xadrez) ist seit seiner Gründung 1927 Mitglied im WeltverbandFIDE und organisiert die wichtigsten Turniere im Land, darunter den Landespokal(Taça de Portugal) und den dreigliedrigen Ligabetrieb für Vereine(Campeonatos Nacionais por Equipa), mit derPrimeira Divisão als oberster Spielklasse. Heute sind in Portugal über 100 Schachvereine und etwa 4.000 Spieler im FPX organisiert.
Geschichte Schach wurde in Portugal im 14. und 15. Jahrhundert besonders populär. KönigD. João I. lobte das Schachspiel Anfang des 14. Jahrhunderts in seinem BuchLivro de Montaria als ausgezeichnetes militärisches Training, undD. João II. spielte gerne, vor allem auf Reisen.
1512 erschien in Rom das Italienisch verfasste, europaweit verbreitete SchachbuchLibro da imparare giocare a scachi des PortugiesenDamiano de Odemira. InPietro Carreras im Jahr 1617 veröffentlichten WerkIl Gioco degli Scacchi fand sich auch eine Liste der besten Schachspieler. Auf dem 32. Platz wurde dort der portugiesische KönigD. Sebastião I. aufgeführt, nachRuy López und vor dem spanischen KönigPhilipp II., der 1575 das erste internationale Schachturnier der Welt ausgerichtet hatte. Damiano de Odemira wurde auf dem 25. Platz gelistet, jedoch wurde er als Spanier aufgeführt, da Portugal 1580 durch Erbfolge an Spanien gefallen war (Iberische Union, bis 1640).
Weitere Sportarten und internationale Veranstaltungen
Portugiesische Sportler sind international imBeachvolleyball und insbesondere imRollhockey erfolgreich, wo sie mit Spanien im Wechsel Rekord-Rollhockey-Weltmeister sind. Traditionelle Sportarten Portugals wie dasJogo do pau sind dagegen international weitgehend unbekannt.
Rugby Union erfreut sich ebenfalls zunehmender Beliebtheit. Dieportugiesische Nationalmannschaft qualifizierte sich2007 erstmals für eineRugby-Union-Weltmeisterschaft, bei dem Turnier in Frankreich landete man in der Gruppenphase jedoch auf dem letzten Platz;2023 gelang erneut die Qualifikation, wobei ihnen in der Vorrunde jeweils ein Sieg und ein Unentschieden gelang. Portugal ist einer der Teilnehmer bei derRugby-Union-Europameisterschaft und trifft dort auf andere aufstrebende Nationalmannschaften.2002–2004 konnte man dieses Turnier erstmals gewinnen. Als Heimatstadion dient dasEstádio Universitário de Lisboa in Lissabon.
Portugal verfügt, ausgehend von mittelalterlichen und klösterlichen Sammlungen, über eine lange Bibliothekstradition. So entwickelten sich bis heute vielfältige Bibliothekstypen, wie wissenschaftliche Bibliotheken, Universitätsbibliotheken, öffentliche Bibliotheken, Bibliotheken der zentralen Verwaltung und Spezialbibliotheken. Die genaue Anzahl von Bibliotheken und der Gesamtbestand an Medien sind nicht bekannt (die LIB2-Studie von 1986 ermittelte 556 portugiesische Bibliotheken). Systematische und methodische Arbeiten zur Förderung des öffentlichen Bibliothekswesens und der Bibliothekswissenschaft begannen Ende des 19. Jahrhunderts.
In der Zeit desEstado Novo (1928–1974) waren die Bedeutung der Bibliotheken und die Bibliotheksarbeit selbst durch Zensur und Restriktionen stark eingeschränkt. Dadurch gibt es bis heute Defizite in der Entwicklung des Bildungs- und Bibliothekssystems. Die jahrzehntelange Diktatur begünstigte eine mangelnde Volksbildung und den Analphabetismus. Nach derNelkenrevolution 1974 kam es zur Demokratisierung im Bildungs- und Kulturbereich.
Gegen die mangelnde Volksbildung und den Analphabetismus wurde systematische Erwachsenenbildung und Leseförderung betrieben. Die besorgniserregende Situation der öffentlichen Bibliotheken hatte zahlreiche Initiativen und Neuregelungen innerhalb des Bibliothekswesens zur Folge, z. B. 1983 das „Manifest des öffentlichen Lesens“. 1986 wurde dies durch eine Gesetzgebung zur Schaffung und Koordinierung eines Netzes des öffentlichen Lesens untermauert. Gleichzeitig kam es zur in Portugal erst relativ spät einsetzenden Automatisierung der Bibliotheksarbeit und zum Einsatz moderner Informationstechnik, zunächst in Universitätsbibliotheken und derNationalbibliothek „Biblioteca Nacional de Lisboa“.
Letztere war die erste öffentliche Bibliothek, die 1796 als Königlich-öffentliche Hofbibliothek gegründet wurde. Sie betreibt z. B. die nationale bibliographische Datenbank PORBASE. Diese enthält über 1 Million Titeleinträge, 800.000 Verfassereinträge von etwa 134 Bibliotheken und Dokumentationszentren und die Portugiesische Nationalbibliographie. DieNationalbibliothek und vermutlich fast alle anderen Bibliotheken arbeiten mit dem BibliothekssystemCDS/ISIS und dem DatenaustauschformatUNIMARC.
Eine Archivar- und Bibliothekar-Ausbildung ist über ein Studium an den staatlichen Universitäten Coimbra, Lissabon und Porto möglich. Einige zum Teil staatliche Institutionen übernehmen Koordinierungsaufgaben und unterstützen die Förderung des portugiesischen Buches und die Kooperation und Unterstützung von Bibliotheken.
Durch umfangreiche innovative Arbeiten der letzten Jahre hat das portugiesische Bibliothekswesen den Anschluss an europäische und internationale Standards geschafft. Noch existierende Defizite sollen durch Förderung des Lesens und der Bibliotheken und durch internationale Zusammenarbeit weiter abgebaut werden.
Vier Hauptfernsehkanäle können im ganzen Land per Antenne empfangen werden:RTP1 undRTP2, die vom staatlichen portugiesischen RundfunkRádio e Televisão de Portugal (RTP) betrieben werden und die privaten KanäleSIC (Grupo Sonae) undTVI (Media Capital, davon 32 % RTL Group). Das Programm wird bei diesen Sendern, außer dem kulturell ausgerichtetenRTP2, besonders am Abend stark von brasilianischen und portugiesischenTelenovelas bestimmt; die Nachrichtensendungen sind mit meist ein bis zwei Stunden Dauer sehr lang und in hohem Maße auf das Tagesgeschehen in Portugal ausgerichtet. Fremdsprachige Spielfilme werden angesichts des kleinen Binnenmarktes selten synchronisiert, sondern mitUntertiteln gezeigt. Der AuslandssenderRTP Internacional kann u. a. auch in Mitteleuropa empfangen werden und zeigt eine Auswahl der vier Programme, währendRTP África aus denportugiesischsprachigen Ländern Afrikas berichtet. Daneben gibt es eine Vielzahl von Kabelkanälen, zu nennen ist insbesondereSport TV und brasilianische Sender. In Porto und Lissabon gibt es Lokalsender, zudem unterhält die RTP auf Madeira und den Azoren eigene Sendeanstalten.
Es gibt etwa 150 Radiostationen in Portugal. Die Sender derRTP, des katholischenRádio Renascença und derTSF sind landesweit zu empfangen. Die RTP ist überKurzwelle auch in Mitteleuropa zu hören, allerdings nur auf Portugiesisch.
Unter den zahlreichen Zeitungen, die in Portugal gedruckt werden, findet ein Konsolidierungs- und Konzentrationsprozess statt, bei dem viele der kleinen Blätter aufgeben müssen. Bedeutende täglich erscheinende Zeitungen sind der konservativ-liberaleDiário de Notícias, der linksliberalePúblico (beide aus Lissabon) und dasJornal de Notícias aus Porto, dazu dieBoulevardzeitungCorreio da Manhã. Wichtige Wochenzeitungen sindExpresso undSol, auch das politische WochenmagazinVisão und die MusikzeitungBlitz sind zu nennen.Jornal de Letras gehört zu den bedeutendsten Kulturzeitungen des Landes, währendJornal de Negócios und derDiário Económico die bedeutenden Wirtschaftszeitungen sind.Destak undMetro sind die wichtigstenGratiszeitungen in Portugal.
Sehr große Auflagen haben Sportzeitungen, die täglich erscheinen und sich fast ausschließlich mit Fußball beschäftigen – die bedeutendsten sindO Jogo,A Bola undRecord. Die Benfica Lissabon nahestehendeA Bola ist die auflagenstärkste Zeitung in Portugal.
Die Betreiber der SeiteFootball Leaks sind Whistleblower aus Portugal.
In Portugal sind gesetzlich elf fest verpflichtendeFeiertage und ein optionaler,de facto aber auch fester Feiertag (Karnevalsdienstag) im Jahr festgelegt. Dazu kommt einkommunaler Feiertag, der von jeder der 308 Kreisverwaltungen (Municípios) selbst festgelegt wird.[150]
Anmerkung: Jeder Kreis hat einen eigenen kommunalen Feiertag, oft für denHeiligen Antonius am 13. Juni (port.:Santo António), den Heiligen Johannes (Johannistag) am 24. Juni (port.:São João) oder den Heiligen Petrus (Peter und Paul) am 29. Juni (port.:São Pedro). Wenn der Kreis einen solchen Feiertag nicht hat, istKarneval ein gesetzlicher Feiertag. Der Karneval wird wie ein normaler Feiertag behandelt, insbesondere Staatsbedienstete haben an diesem Tag normalerweise frei. Der erfolglose Versuch im Jahre 1995, diese Regelung abzuschaffen, kostete den damaligen MinisterpräsidentenCavaco Silva viel Popularität. Daneben wurde zwischenzeitlich der 24. Juni als Feiertag diskutiert (Unabhängigkeit Portugals im Jahre 1128).
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↑Giuseppe Costanzo, Guy Brindley, Pierre Tardieu, Alexandre Frémaux, Francesco Meloni, Lizet Ramirez, Rory O’Sullivan: Wind energy in Europe: 2024 Statistics and the outlook for 2025–2030. In: WindEurope.org > WindEurope Intelligence Platform > Statistics. Februar 2025, abgerufen am 11. März 2025 (englisch).
↑Giuseppe Costanzo, Guy Brindley, Guy Willems, Lizet Ramirez, Phil Cole, Vasiliki Klonari; Editor: Rory O’Sullivan: Wind energy in Europe; 2023 Statistcs and the outlook for 2024–2030. In: WindEurope.org > Intelligence Platform > Reports. Februar 2024, abgerufen am 28. Februar 2024 (englisch).
↑Julian Prime, Iman Abdulkadir Ahmed, Dennis Akande, Nazik Elhassan, Gerardo Escamilla, Akshay Jamdade, Yury Melnikov, Adrian Whiteman: Renewable energy statistics 2024. International Renewable Energy Agency IRENA, Abu Dhabi, Juli 2024, abgerufen am 20. März 2025 (englisch, ISBN 978-92-9260-614-5).
↑Jens Hofschroeer, Henrich Hardieck:Die Korkver- und Bearbeitung in Portugal am Beispiel der nördlichen Algarve. S. 72 (eingeschränkte Vorschau in der Google-Buchsuche).
↑Delegação do Norte e Douro. In: douro.iptm.pt. IPTM – Instituto Portuário e dos Transportes Marítimos, archiviert vom Original (nicht mehr online verfügbar) am 23. April 2015; abgerufen am 25. Dezember 2014.
↑Nikolai Brushlinsky, Marty Ahrens, Sergei Sokolov, Peter Wagner: Welt-Feuer-Statistik Ausgabe Nr. 26-2021. (PDF) Tabelle 1.13: Personal und Ausstattung der Feuerwehren der Staaten in 2010–2019. WeltfeuerwehrverbandCTIF, 2021, abgerufen am 18. Februar 2022.
↑Portugal. Members. Comité technique international de prévention et d’extinction du feu (CTIF), abgerufen am 20. Juli 2022 (englisch).
↑Vgl. etwa Rémi Boyer:Fado – Mystérique de la Saudade. Zéfiro/Arcano Zero, Sintra 2013; englische Ausgabe:Fado, Saudade & Mystery. Love of Portugal. Übersetzt von Howard Doe, ebenda 2013,ISBN 978-989-677-109-6.
↑Gilberto Freyre:Herrenhaus und Sklavenhütte. München 1982, S. 221, S. 218.