Polnisch wird mit demlateinischen Alphabet geschrieben, ergänzt um die BuchstabenĄ,Ć,Ę,Ł,Ń,Ó,Ś,Ź undŻ. Mit der Pflege der polnischen Sprache ist derPolnische Sprachrat beauftragt. Die Wissenschaft, die sich mit der polnischen Sprache,Literatur und Kultur befasst, heißtPolonistik.
Die ältesten heute bekannten polnischen Schriftzeugnisse sind Namen undGlossen inlateinischen Schriftstücken, insbesondere in derBulle von Gnesen des PapstesInnozenz II. aus dem Jahr 1136, in der fast 400 einzelne polnische Namen von Ortschaften und Personen auftauchen. Den ersten geschriebenen vollständigen Satz fand man dagegen in der Chronik desKlosters Heinrichau beiBreslau. Unter den Einträgen des Jahres 1270 findet sich eine Aufforderung eines Mannes zu seiner mahlenden Frau.Day ut ia pobrusa. a ti poziwai (heutzutageDaj, ać ja pobruszę, a ty poczywaj), was in der Übersetzung ungefähr lautet: „Lass mich jetzt mahlen, und du ruh dich aus.“
Zu den frühesten Denkmälern der polnischen Sprache gehören dieBogurodzica – die erste polnische Hymne, die „Heilig-Kreuz-Predigten“ und die „Gnesener Predigten“. Später wurden auch religiöse Texte aus dem Lateinischen ins Polnische übertragen, beispielsweise derFlorianer Psalter aus dem14. Jahrhundert. Im15. Jahrhundert wurde der Einfluss des Tschechischen zurückgedrängt und das Schriftpolnische emanzipierte sich vom Lateinischen. Nachdem Polnisch bis zum 16. Jahrhundert überwiegend von Geistlichen geschrieben wurde, etablierte es sich in der Folgezeit auch bei Adel und Bürgertum.
Die moderne polnische Literatursprache entwickelte sich im 16. Jahrhundert auf der Grundlage vonDialekten, die inGroßpolen gesprochen wurden – der Gegend umGnesen undPosen im Westen Polens. Aus dieser Zeit stammen dieEulenspiegel- sowie die Chronikliteratur vonMarcin Bielski und die Prosaschriften vonMikołaj Rej. Ihr hohes sprachliches Niveau lässt auf eine lange gesprochene Tradition des Polnischen amKönigshof, in der staatlichen Verwaltung sowie auch in der weltlichen und kirchlichen Rhetorik schließen. Im16. Jahrhundert erreichte die polnische Sprache einen Stand, der sie wegen ihres Reichtums und ihrer Geschmeidigkeit zu den wichtigsten SprachenMitteleuropas aufsteigen ließ. Die Gebildeten derRenaissance kämpften um die weitere Entwicklung des Polnischen und seine Durchsetzung gegenüber dem Latein. „Die Völker außerhalb aber sollen wissen, dass die Polen keine Gänsesprache, sondern ihre eigene Sprache haben!“ (als „Gänsesprache“ ist hier Latein gemeint)[3] lautete die berühmte Maxime des als Vater der polnischen Literatur geltenden Mikołaj Rej aus dem Jahre 1562.
Das Altpolnische(język staropolski) ist der Vorläufer der mittelpolnischen Sprache und wurde zwischen dem 9. und 16. Jahrhundert gesprochen. Die größten Unterschiede zum heutigen Polnisch sind die zwei TempusformenAorist undImperfekt. Diese verschwanden zwischen dem 14. und 15. Jahrhundert. Im 15. Jahrhundert verschwand auch der dritte Numerus, derDual.
In der Aussprache hat sich der Lautwert folgender Buchstaben gegenüber dem heutigen (Standard-)Polnisch verändert:
Ł ł – wurde wie dunkles „l“ ([ɫ]) ausgesprochen.
Ą ą – wurde wie ein nasales „a“ ([ã]) ausgesprochen, daher auch heute „a“ mitOgonek.
Ó ó – wurde wie ein langes „o“ ([o:]) ausgesprochen, statt wie heute[u].
Mittelpolnisch(język średniopolski) bezeichnet die Sprachstufe, die zwischen dem 16. und 18. Jahrhundert gesprochen wurde. Das vonJan Kochanowski vorgeschlagene Alphabet für das Mittelpolnische besitzt 48 Buchstaben und lautet vollständig:a á à ą b b́ c ć ç d θ θ´ θ˙ é è ę f g h ch i j k l ł m ḿ n ń o ó p ṕ q r ŗ ſ σ ß t v w ẃ x y z ź ƶ(Den Buchstabenç, θ, θ´, θ˙, ŗ, σ und ß entsprechen in der heutigen polnischen Sprachecz,dz,dź,dż,rz,ś undsz.)[5]
In dieser Phase der polnischen Sprache verschwanden die „geneigten“ Vokale[ɑ]/[ɒ] (a),[e] (é) und [o:] (ó). Seit dem17. bzw.18. Jahrhundert wird dasą wie ein nasaliertes „o“ [ɔ̃] gesprochen.
Mit 38 Millionen Sprechern in Polen, 2 Millionen in Europa außerhalb Polens sowie mit etwa 8 Millionen Muttersprachlern außerhalb Europas gehört die polnische Sprache zu den 25 größten Sprachen der Welt.[6]
Polnisch ist dieNationalsprache Polens und eine der Amtssprachen derEuropäischen Union. Die relative Homogenität der Bevölkerung Polens ist der Grund, weshalb Polnisch dort von fast allen Bürgern gesprochen wird. In den Nachbarstaaten Polens, allen voran in ehemaligen polnischen Gebieten, wird die Sprache von Minderheiten verwendet.[7] AlsMinderheitensprache[8] ist Polnisch etwa inLitauen,Rumänien, derSlowakei,Tschechien und derUkraine anerkannt. Herausragend ist die Verbreitung des Polnischen in Litauen, wo die Polen mit 6,3 % Bevölkerungsanteil diegrößte Minderheit stellen.[9] In und um die HauptstadtVilnius mit ihrer polnisch-litauischen Vergangenheit ist die Anzahl an Polnischsprachigen besonders hoch, in einigen Gemeinden stellen sie sogar die absolute Mehrheit. Gemeinhin wird diesbezüglich vonlitauischem Polnisch gesprochen, welches eineVarietät des Hochpolnischen darstellt. InBelarus ist die polnischsprachige Bevölkerung vor allem in der Gegend vonGrodno verbreitet. In der heutigen Ukraine ist diese insbesondere in der nach dem Zweiten Weltkrieg von Polen abgetretenen StadtLemberg vertreten, wo heute noch die charakteristischeLemberger Färbung des Polnischen verwendet wird. Kleinere Ballungen Polnischsprachiger finden sich zudem inRussland.
Neben der territorialhistorisch bedingten heutigen Ausdehnung kommt hinzu, dass viele Polen ihre Sprache als Auswanderer ins europäische Ausland brachten. In Europa finden sich die absolut größten Sprecherzahlen in absteigender Folge inDeutschland,Großbritannien undFrankreich. Bereits Ende des19. Jahrhunderts siedelten viele Polen (dieRuhrpolen) imRuhrgebiet, es folgten weitere Immigrationswellen in der zweiten Hälfte des20. Jahrhunderts. Etwa 1,5 Millionen Menschen in Deutschland haben einen polnischen Migrationshintergrund,[10] ein Großteil von ihnen spricht die polnische Sprache. In letzter Zeit wächst die polnischsprachige Gemeinschaft vor allem inNordeuropa bzw.Skandinavien. InIsland undNorwegen sind die Polen die größte, inIrland die zweitgrößte und inSchweden die drittgrößte Minderheit des Landes (Stand: 2012).[11][12] InEngland undWales war Polnisch laut einer Volkszählung von 2011 mit über einer halben Million Sprechern nachEnglisch die zweitmeistgesprocheneErstsprache.[13] In der Europäischen Union zählt es zu den fünf meistgesprochenen Muttersprachen.[14]
Laut dem polnischen Sprachwissenschaftler Stanisław Urbańczyk lassen sich sechs Dialekte unterscheiden, die im heutigen Polen verbreitet sind,[18] wobei dasKaschubische mittlerweile offiziell als eigenständige Sprache innerhalb derLechischen betrachtet und als solche gelehrt wird. Diesen Status erhoffen sich auch einige Sprecher desSchlesischen. Die gesellschaftliche Rolle der Dialekte allgemein ist meistens auf die Kommunikation innerhalb der Familie und zur Stilisierung literarischer Texte beschränkt. InSchlesien oder derKaschubei hingegen wird der jeweilige Dialekt bzw. die jeweilige Mundart oftmals zur kulturellen Identifikation gepflegt und angewandt.
Großpolnischer Dialekt(dialekt wielkopolski) – wird im mittel-westlichen und nördlichen Polen in den Gebieten um Posen undBromberg bis zur Weichselmündung gesprochen.
Kleinpolnischer Dialekt(dialekt małopolski) – wird im Süden und Südosten des Landes gesprochen.
Masowischer Dialekt(dialekt mazowiecki) – wird imHauptstadtraum umWarschau und im Nordosten des Landes gesprochen.
(Neue) Mischdialekte(dialekty mieszane) – werden im Westen und Nordwesten des Landes sowie inMasuren gesprochen. Bis zumZweiten Weltkrieg lebte in diesen Gebieten ein vergleichsweise geringer Bevölkerungsanteil polnischer Muttersprachler. Die in der Kriegsfolge vertriebene deutschsprachige Bevölkerungsmehrheit wurde nach dem Krieg durch Zuzügler aus verschiedenen Teilen Polens (darunter auch aus denehemaligen polnischen Ostgebieten) ersetzt, so dass man von einem angestammten ortsüblichen Dialekt nicht sprechen kann.
Schlesischer Dialekt(dialekt śląski) – wird in der Region Oberschlesien gesprochen.
Kaschubische Sprache(Język kaszubski, dialekt kaszubski) – wird imDanziger Großraum gesprochen.
Polnisch wird seit seiner frühesten Entwicklung mit demlateinischen Alphabet geschrieben und benutzt zur Wiedergabe der speziellen polnischen Lautediakritische Zeichen. Das polnische Alphabet (im Polnischen abecadło) besteht aus 32 Buchstaben und lautet vollständig:
Ą, Ę, Ń und Y kommen nie am Wortanfang vor (Y in Fremdwörtern), deshalb sind die entsprechenden Großbuchstaben sehr selten und nur dann in Gebrauch, wenn das ganze Wort in Großbuchstaben geschrieben wird. Zudem werden die Buchstaben Q, V und X nur in Fremdwörtern oder in Bildungen, die mit Fremdwörtern assoziiert werden sollen, benutzt.[1] Bei den Ausspracheregeln der einzelnen Buchstaben und Buchstabenkombinationen existieren keine Ausnahmen. Jedem Buchstaben ist ein konkreter Laut zugeordnet (mit Ausnahme der Kombinationen ci, rz, si, sz, szcz, zi).
Die nasalierten Vokale [ɛ̃] und [ɔ̃] haben eine starke Tendenz zurDiphthongierung (in Richtung [ɛ̃ɯ̃] bzw. [ɔ̃ũ]). Die Vokale werden, ob in betonter oder unbetonter Silbe, gleich lang und deutlich ausgesprochen; reduzierte Vokale oder Murmellaute kennt das Polnische nicht. DerWortakzent liegt im Polnischen meistens auf der vorletzten Silbe (Pänultima); bei manchen Wörtern, z. B. Fremdwörtern und im Verbund gesprochenen Präpositionalphrasen, kann aber auch die letzte oder die drittletzte Silbe betont sein.
Bis etwa zum 16. Jahrhundert kannte das Polnische folgende drei Numeri: Singular,Dual, Plural. Hinweise auf den historischen Dual gibt es noch bis heute im Wortschatz (beispielsweise bei Körperteilen, die in Paaren vorkommen). SieheNominativ Singularręka („Hand“), Nominativ Pluralręce. Der heutige Plural ist ein historischer Dual. Im jeweiligen Wort ist der eigentliche Dual nur imInstrumental noch erhalten, bei allen übrigen Fällen sind Dual und Plural gleich. Siehe Singular Instrumental:ręką, Dual Instrumental:rękoma, Plural Instrumental:rękami.
Generell unterscheidet man in der polnischen Grammatik wie im Deutschen dreiGenera:
Durch den Ausbau derBelebtheitskategorie, der zu verschiedenen Schemata führt, nach denenKasus im Singular und Plural zusammenfallen, muss man im Maskulinum drei verschiedene Kategorien unterscheiden (unbelebt, belebt und Personen), sodass moderne Grammatiken bis zu fünf Genera unterscheiden. Der Unterschied liegt in der Angleichung des Akkusativs an den Nominativ oder den Genitiv sowie in besonderen Formen für den Nominativ Plural bei männlichen Personen, hier am Beispiel eines kongruierendenAdjektivs (nowy, „neu“):
Tiere männlichen Geschlechts, ugs. auch Gegenstände
ptak („Vogel“)
nowe
= Nom. Pl.
unbelebtes Maskulinum (rodzaj męski nieżywotny)
Gegenstände
stół („Tisch“)
nowy (stół)
= Nom. Sg.
Femininum (rodzaj żeński)
weibliche Personen und Tiere, Gegenstände
książka („Buch“)
nową
Neutrum (rodzaj nijaki)
Gegenstände, Kinder, Jungtiere
okno („Fenster“)
nowe
Das Polnische verfügt über ein ausgeprägtes Formensystem und hat dasurslawische Kasussystem bewahrt: Sechs Kasus für Nomen,Pronomen und Adjektive und einen siebten Kasus für Nomen, denVokativ, der in der höflichen, direkten Anrede gebraucht wird.
Der Nominativ ist typischerweise derSubjektkasus, derGenitiv der Possessivkasus und der Kasus des direktenObjekts in Sätzen mit Verneinung (zum Beispiel: „ich kenne des Menschen nicht“. Zitat aus der Luther-Bibel); derDativ ist der Kasus des indirekten und derAkkusativ der des direkten Objekts. Genitiv, Dativ und Akkusativ können auch mit einigen Präpositionen verwendet werden. Der Instrumental wird hauptsächlich mitPräpositionen verwendet, außer wenn er das Instrument anzeigt. Siehe: Lateinischer ablativus instrumentaliste defendo gladio –bronię cię mieczem („ich verteidige dich mit dem Schwert“), wobei-em die Instrumentalendung beimiecz („Schwert“) ist. DerLokativ wird ausschließlich mit Präpositionen verwendet. Wie im Deutschen ziehen manche Präpositionen mehrere Kasus nach sich, je nachdem, ob sie einen statischen Zustand („die Vögelein schweigen im Walde“) oder eine Bewegung („kommt in den Wald!“) ausdrücken.
Fall(przypadek)
Frage
(pytanie)
Beispiel
Nominativ (Mianownik)
wer? was?
kto? co?
Jan Kowalski
Genitiv (Dopełniacz)
wessen?
kogo? czego?
Jana Kowalskiego
Dativ (Celownik)
wem?
komu? czemu?
Janowi Kowalskiemu
Akkusativ (Biernik)
wen? was?
kogo? co?
Jana Kowalskiego
Instrumental (Narzędnik)
mit wem? womit?
(z) kim? (z) czym?
(z) Janem Kowalskim
Lokativ (Miejscownik)
über wen? worüber?
o kim? o czym?
(o) Janie Kowalskim
Vokativ (Wołacz)
(Anredeform)
o!
Janie Kowalski!
Im Polnischen werdenSubstantive – im Gegensatz zum Deutschen – grundsätzlich kleingeschrieben, mit Ausnahme vonSatzanfängen undEigennamen. Es werden belebte und unbelebte Substantive unterschieden und innerhalb der belebten wiederum personale und nichtpersonale. Dies ist für dieDeklination der Maskulina relevant.
Fast alle Adjektive werden nach einem Grundmuster dekliniert. Es gibt zwei Arten von Adjektiven:
Weichstämmige: Sie laufen auf einen weichen Konsonanten oder aufk bzw.g aus und haben die maskuline Nominativendung-i.
Hartstämmige (alle übrigen): Sie haben die Endung-y.
Verben werden nach Person, Numerus und Genusflektiert. Wie das Russische und die meisten anderen slawischen Sprachen verfügt auch das Polnische über ein kompliziertesAspektsystem. DasTempussystem hingegen hat eine Vereinfachung erfahren, indem drei Tempora –Aorist,Imperfekt undPlusquamperfekt – aufgegeben wurden. DasPräteritum ist somit die einzig verbliebene Vergangenheitsform. Vereinzelt trifft man, vor allem in der Schriftsprache, noch auf das Plusquamperfekt, auch wenn es als obsolet gilt.
Präpositionen sind unveränderlich und bilden zusammen mit einem Substantiv oder einem Pronomen eine Sinneinheit.
Die Bildung femininer Formen von Funktions- und Berufsbezeichnungen (Movierung) spielt im Polnischen eine geringere Rolle als im Deutschen. Zwar können in der Regel mit Suffixen wie-ka feminine Äquivalente gebildet werden, sie sind aber deutlich seltener anzutreffen. So kann man beispielsweise zusłuchacz („Zuhörer“) die feminine Formsłuchaczka („Zuhörerin“) bilden, doch empfinden viele Muttersprachler Ausdrücke wieDrodzy słuchacze, drogie słuchaczki („Liebe Zuhörer, liebe Zuhörerinnen“) als gekünstelt bzw. pedantisch und verwenden hier die maskuline Formsłuchacz alsgenerisches Maskulinum.
Ähnliches gilt bei Feminina zu Berufsbegriffen höherer Position wiedyrektor,profesor oderpsycholog. Eine Direktorin oder Professorin spricht man eher mitpani dyrektor bzw.pani profesor („Frau Direktor“, „Frau Professor“) an. In dieser Verwendung wird der Titel nicht flektiert. Die weiblichen Formen sind in der Umgangssprache aber anzutreffen, in einigen Fällen (wiepolicjantka odersekretarka) auch üblich.
Eine Eigentümlichkeit des Polnischen und weiterer slawischer Sprachen sind weibliche Formen von Nachnamen. Heißt der VaterSuchocki, so heißen seine Frau und TochterSuchocka. Früher wurden abgesehen von jenen auf-ski und-cki auch von weiteren männlichen Nachnamen weibliche Varianten gebildet. So bekamen Nachnamen, die der Form nach Adjektive waren, im Nominativ Singular statt der männlichen Endung-y die weibliche Endung-a. Die Frau oder Tochter eines HerrnSuchy oderChudy hieß dannSucha,Chuda. Alle anderen Nachnamen bekamen das Suffix-owa oder-yna (für verheiratete Frauen) und-ówna oder-anka (für unverheiratete Frauen) angehängt. Der Vater hieß etwaŁasiewicz, die FrauŁasiewiczowa, die TochterŁasiewiczówna oder, mit Stammkonsonantenänderung männlichSkarga, weiblich-verheiratetSkarżyna und weiblich-unverheiratetSkarżanka.
Der Gebrauch dieser Formen, mit der Ausnahme von-ski und-cki, schwindet jedoch allmählich und ist nicht mehr amtlich. Einige ältere Frauen führen noch immer ihren weiblichen Namen (auch in der Fräulein-Form, wie z. B.Anna Świderkówna). Dieser Schwund der suffixalen Verweiblichung von Nachnamen ist einerseits praktisch, andererseits geht er mit einem gewissen Nachteil einher, denn der Systemzwang der polnischen Grammatik erfordert, dass nicht-verweiblichte, maskulin (im grammatischen Sinne) klingende Nachnamen von Frauen nicht flektiert werden, bzw. in allen Fällen endungslos bleiben. „Die Postulate von Frau Steinbach“ lautet dann auf Polnischpostulaty pani Steinbach, nichtSteinbacha (mit der regelmäßigen maskulinen Genetiv-Endung-a). Konsequenterweise muss man – hat man eine Kollegin namensChudy – ebensodokumenty od pani Chudy sagen, auch wenn man sie gewöhnlicherweise nicht „Frau Chudy“, sondern schlichtwegChudy (etwa: „die Chudy“) nennt, dadokumenty od Chudy absolut inakzeptabel klingt („Unterlagen von Frau/dem Chudy“). In solchen Fällen wird häufig wieder auf die alte Form zurückgegriffen und bspw.dokumenty od Chudej genutzt, mit der femininen Genitivendung-ej, als wäre der Name der KolleginChuda.
Wie jede lebende Sprache unterliegt auch das Polnische im Laufe der Zeit gewissen Entwicklungen und Einflüssen, sowohl in der Grammatik als auch im Wortschatz. Manche Änderungen werden zu einem festen Bestandteil der Sprache, andere wiederum hinterlassen kaum Veränderungen oder geraten in Vergessenheit.
Grammatik
Eine gegenwärtig zu beobachtende Veränderung besteht darin, dass die maskuline „unbelebte“ Sachform durch die maskuline „belebte“ Sachform ersetzt wird. Viele Wörter, die bisher als eindeutig unbelebt betrachtet wurden, werden umgangssprachlich und vor allem in derJugendsprache als belebt angesehen. Dies äußert sich dadurch, dass der Akkusativ dem Genitiv gleicht und nicht, wie bisher, dem Nominativ. Oft (noch in der Umgangssprache) anzutreffende Formen sindmieć pomysła („eine Idee haben“) oderobejrzeć filma („einen Film ansehen“).
Doch die meistenNeologismen und Fremdwörter, die sich auf nichtmaterielle oder nichtwahrnehmbare Begriffe beziehen, nehmen auch in der offiziellen Sprache die maskuline belebte Sachform an. Beispiel:dostać e-maila/SMSa („eineE-Mail/SMS bekommen“).
Wortschatz
Es werden immer mehr Wörter aus dem Englischen entlehnt. Gleichzeitig verschwinden viele französische und russische Fremdwörter. Eine Erscheinung ist die Änderung mancher französischer Fremdwörter von der französischen in die englische Aussprache, z. B. wirdimage wie im Englischenimidż ausgesprochen und nicht länger wie im Französischenimaż.
In den letzten Jahren flossen einige bishervulgäre Ausdrücke in die Umgangssprache ein; z. B. machte das Adjektivzajebisty eine vergleichbare Entwicklung durch wie das deutsche „geil“. Auf der anderen Seite werden im Rahmen derpolitischen Korrektheit manche Wörter als stärker beleidigend empfunden als früher. Beispielsweise ist es heute nicht mehr angebrachtpedał („schwul“) zu benutzen (außer in der Bedeutung „Pedal“), dîe Wörtergej (von engl.gay) oderhomoseksualista („Homosexueller“) haben es ersetzt.
Aussprache
Da zunehmend Wörter aus dem Englischen mit entsprechend andersartiger Sprachstruktur entlehnt werden, verbreiten sich diesbezüglich bisher selten anzutreffende Lautverbindungen. So erscheint nun z. B.i nachalveolaren Lautent,d,s,z,r (siehetir,didżej,ring).
Dialektstruktur
Die Dialekte der polnischen Sprache vereinheitlichen sich zusehends im Zusammenhang mit der Umsiedlung der Bevölkerung nach dem Zweiten Weltkrieg, der Verstädterung sowie den (standardsprachlichen) Einflüssen der Massenmedien und der Bildung. Die Dialekte sind unter der jüngeren Generation kaum ausgeprägt, davon ausgenommen sind jedoch dergoralische und der schlesische Dialekt, die im Augenblick nicht vom Aussterben bedroht sind. Mehrheitlich wird bereits Standardpolnisch als Muttersprache gesprochen.
Es wurden nur relativ wenige polnische Wörter in das Deutsche übernommen. Beispiele:
„Grenze“, das seinen Ursprung vom im 12./13. Jahrhundert aus dem Altpolnischen entlehntengraniza/graenizen/greniz hat, erreichte von den östlichen Kolonisationsgebieten aus allmählich das deutsche Sprachgebiet und verdrängte das fränkische WortMark.
„Gurke“ wurde aus dem Polnischen(ogórek) ins Deutsche übernommen. (Die Herkunft ist jedochmittelgriechischαγγούρι(ο)νangouri(o)n, das vomaltgriechischenἄωροςaōros „unreif“ abstammt.)
„Säbel“(szabla) kam aus dem Polnischen ins Deutsche, ebenso Namen einiger Vogelarten, zum BeispielStieglitz(szczygieł).
Der deutsche Ausruf „dalli“ geht auf polnischdalej („weiter“, „vorwärts“) zurück.[19]
Das deutsche umgangssprachliche Wort „Penunze“ ist aus einem polnischen Dialekt übernommen, in dem manpieniądze nicht [pʲɛ'ɲɔndzɛ] ausspricht, sondern mitu stattɔ. (pieniądze hat darüber hinaus denselben Ursprung wiePfennig undPenny.)
Im Ruhrgebiet (Ruhrdeutsch) wird das ursprünglich polnische Wort „Mottek“(młotek) für einen Hammer benutzt, eine alte Frau wird als „Matka“ (matka, „Mutter“) bezeichnet. In der Jugendsprache wird für Geld manchmal auch „Schlotten“ gesagt, im Polnischen heißt die WährungZłoty (der „Goldene“).
Wenn man „einen pitschen“ ging (pić, „trinken“), meinte man früher meist einen Kaffee trinken. Diese Wendung ist aber veraltet und wird in der Jugendsprache neu besetzt. Nun geht man alkoholische Getränke konsumieren, wobei „sich einen pitschen“ so viel wie „sich betrinken“ heißt.[20]
In Ostösterreich wird die Schulnote 5 („nicht genügend“) mitunter als „pintsch“ (vonpięć, „fünf“) bezeichnet.
Für dasdiakritische Zeichen, das im polnischen Alphabet zur Bezeichnung der Nasale benutzt wird, wird auch in deutschen Texten gelegentlich der AusdruckOgonek benutzt.
In derDeutschrap-Szene hat der Ausdruck „lellek“ (Ziegenmelker) als Beleidigung Einzug gehalten.[21]
Insbesondere im Mittelalter kam es im Zuge derdeutschen Ostsiedlung zu einem intensiven nachbarschaftlichen Kontakt zwischen Polen und Deutschen respektive Österreichern, und zwar nicht nur in den späterendeutschen Ostgebieten, sondern auch in Zentralpolen, wo über viele Jahrhunderte bedeutende deutsche Minderheiten in den Städten lebten (z. B. inKrakau). Bei vielen Stadtgründungen in Ostmitteleuropa spielten Deutsche eine wichtige Rolle und viele Städte erhielten nach ihrer Gründung dasMagdeburger Recht.[22] In dieser Zeit gelangten viele deutsche Wörter vor allem in den Bereichen Bauhandwerk, Wirtschaft und Verwaltung ins Polnische (Germanismen).[23] Eine zweite Phase des späteren Einflusses bestand im Zeitraum derpolnischen Teilungen 1772–1918, als große Teile Polens unter preußisch-deutscher oder österreichischer Herrschaft standen. Bis heute gelangen weitere Wörter in den Sprachgebrauch.[24]
Liste deutscher Lehnwörter im Polnischen (Auswahl):[25]
Im 16. Jahrhundert nahmen die Einflüsse desItalienischen undFranzösischen zu und dauerten bis zum Ende des 19. Jahrhunderts an.
Ab der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts dominiert das Englische, was vor allem in den Bereichen Technologie und Wissenschaft, Wirtschaft, Sport, Freizeit und im Alltagsleben deutlich wird.[23]
Wszyscy ludzie rodzą się wolni i równi pod względem swej godności i swych praw. Są oni obdarzeni rozumem i sumieniem i powinni postępować wobec innych w duchu braterstwa.
[ˈfʂɨsʈ͡sɨ ˈluʥɛ ˈrɔdzɔ̃ ɕɛ ˈvɔlɲi i ˈruvɲi pod‿ˈvzglɛndɛm sfɛj gɔdˈnɔɕt̠͡ɕi i sfɨx praf # sɔ̃ ˈɔɲi ɔbdaˈʐɛɲi rɔˈzumɛm i suˈmʲeɲɛm i pɔˈvʲinɲi pɔstɛmˈpɔvat̠͡ɕ ˈvɔbɛt͡s ˈinnɨx v‿ˈduxu braˈtɛrstfa]
Alle Menschen sind frei und gleich an Würde und Rechten geboren. Sie sind mit Vernunft und Gewissen begabt und sollen einander im Geist der Brüderlichkeit begegnen.
Jan Mazur:Geschichte der polnischen Sprache. Lang, Frankfurt am Main 1993.ISBN 3-631-45821-5.
Peter Rehder (Hrsg.):Einführung in die slavischen Sprachen. 3. Auflage, Wissenschaftliche Buchgesellschaft, Darmstadt, 1998. S. 145–164.ISBN 3-534-13647-0.
Zenon Klemensiewicz:Historia języka polskiego. 9. Auflage, PWN, Krakau, 2009.ISBN 978-83-01-12760-2. (polnisches Standardwerk)
↑"Världens 100 största språk 2010" (Die 100 meistverbreiteten Sprachen der Welt 2010). In:Schwedische NationalenzyklopädieNationalencyklopedin.Band35. Stockholm 2010,ISBN 978-91-86365-26-4.