Dieser Artikel behandelt den Plural als Fachausdruck. Für das 1917 gegründete Unternehmen siehePlural Servicepool.
Dieser Artikel oder Abschnitt bedarf einer grundsätzlichen Überarbeitung:
Siehe Diskussionsseite
Bitte hilf mit, ihn zuverbessern, und entferne anschließend diese Markierung.
DerPlural (lateinisch[numerus] pluralis‚Mehrzahl‘, abgeleitet vonplures ‚mehrere‘;Abkürzung:Plur., Pl.) ist dergrammatische Fachausdruck fürMehrzahl (Abkürzung:Mz.). Dem Plural gegenübergestellt ist derSingular, die Einzahl. In manchen Sprachen gibt es weitere Zahlformen, sieheNumerus.
Der Plural eines Substantivs bezeichnet typischerweise eine Menge von Gegenständen oder Individuen, die größer als eins ist. Substantive, dienicht-zählbare Dinge bezeichnen, haben häufig keinen Plural, oder der Plural hat eine andere Funktion (z. B.poetischer Plural).
Neben dem interpretierbaren Plural der Substantive, der meistens eine Mehrzahl von bezeichneten Dingen oder Personen angibt, gibt es im Deutschengrammatische Kongruenz hinsichtlich der Unterscheidung Singular/Plural. Kongruenz ist nur in manchen Fällen von der Bedeutung der Ausdrücke gesteuert (so bei Verbindungen mit „und“):
Der bestimmte Artikel, der im Singular dieWortgeschlechter anzeigt(der, die, das), weist im Plural die Einheitsformdie auf. Für Maskulina und Neutra gilt daher in ihrer bestimmten Verwendung bereits ein Numerusunterschied durch die Artikelform als gegeben.
Der unbestimmte Artikel(ein-) zeigt im Deutschen üblicherweise keine Pluralform:ein Stuhl – Stühle. Lediglich zur besonderen Hervorhebung der Unbestimmtheit kann die Formeinige eingesetzt werden:ein Stuhl – einige Stühle, die analog zu den anderen Mengenattributen wiekeine, wenige, manche, viele, alle flektiert, wobei bei der Anzahl Null sowohl Singular als auch Plural stehen kann:kein Stuhl / keine Stühle, womitkein wie einPossessivpronomen(mein, dein, sein, ihr) fungiert. Außerdem entspricht der unbestimmte Artikel morphologisch wie semantisch dem Zahlworteins und entsprechend flektieren die anderenNumeralia (Kardinalzahlen) im Plural:ein Stuhl – zwei Stühle, …
Während die Flexionsendung eines deutschen Artikels oder Adjektivs von Genus, Numerus und Kasus abhängt, also drei Einheitenkategorien in sich vereint („Fusion“), treten in Substantiven die Suffixe gegebenenfalls hintereinander auf („Agglutination“). Auf den eigentlichen Stamm können substantivischeDerivationsmorpheme folgen, die jeweils ein festes Genus tragen, und daran kann ein Pluralsuffix angehängt werden, hinter dem allenfalls noch ein Dativsuffix stehen kann.[1]
Konkret werden zur Pluralbildung in der deutschen Sprache folgende sprachliche Mittel verwendet:
modifikatorische (nämlich Umlaut:der Magen – die Mägen)
morphosyntaktische (nämlich die Artikelunterscheidung bei Nullpluralen:der Wagen – die Wagen).
Folgende Tabelle gibt eine Übersicht über die Pluralbildung vonErbwörtern undLehnwörtern:
Pluralmorph (Endung)
Maskulina
Feminina
Neutra
ohne Umlaut
mit Umlaut
ohne Umlaut
mit Umlaut
ohne Umlaut
mit Umlaut
-e
Hund – Hunde
Turm – Türme
Wildnis – Wildnisse
Hand – Hände
Jahr – Jahre
Floß – Flöße
-er
Geist – Geister
Wurm – Würmer
-/-
-/-
Ei – Eier
Amt – Ämter
-(e)n
Bauer – Bauern
-/-
Tafel – Tafeln
Werkstatt – Werkstätten
Ohr – Ohren
-/-
-s
Kakadu – Kakadus
-/-
Boa – Boas
-/-
Radio – Radios
-/-
-∅
Bürger – Bürger
Vater – Väter
Peperoni – Peperoni
Mutter – Mütter
Messer – Messer
Kloster – Klöster
Wie man erkennen kann, sind die Arten der Pluralbildung vielfältig und arbiträr; weder vom Genus noch von der Lautgestalt des Substantivs sind eindeutige Regeln vorhersagbar. Es gibt dennoch einige Zusammenhänge zwischenGenus und Pluralform eines Substantivs.
erhalten. Die Distribution der einzelnenAllomorphe ist aber morphologisch bedingt, d. h., es kann keine allgemeingültige Regel angegeben werden, mit der man aus dem Aussehen des Singulars auf den Plural schließen könnte. Nur die Wahl zwischen-n und-en ist phonetisch bedingt.
Manchmal existieren verschiedene Pluralformen eines Wortes, zum Beispiel
das Wort – die Wörteroderdie Worte
Dabei gibt es einen Bedeutungsunterschied in der hochdeutschen Sprache:Die Worte beziehen sich auf das Wort als Aussage, währenddie Wörter sich eher auf die grammatische Bedeutung von „Wort“ beziehen.
der Park – die Parks oderdie Pärke (CH)
der Tunnel – die Tunnel (sieheNullplural) unddie Tunnels (siehes-Plural, von engl.tunnel)
der Luftballon – die Luftballone unddie Luftballons
Dieser Plural ist typisch für die deutsche Sprache, wenn auch ungleich auf die Genera verteilt. So gibt es zwar über 200 maskuline Wörter aus demErbwortschatz, die einene-Plural bilden, aber nur etwa 60 Neutra und 40 Feminina. Während letztere stets Umlaut zeigen, wo dieser möglich ist (die Kuh - die Kühe), tritt der Umlaut bei Maskulina und Neutra unregelmäßig auf; vgl. derHund - die Hunde vs.der Ball - die Bälle. MaskulineDeverbativa bilden, wo möglich, regelmäßig Umlaut:der Fall - die Fälle,der Flug - die Flüge,der Zug - die Züge.
Innerhalb der indogermanischen und sogar dergermanischen Sprachen ist dere-Plural eher selten; er tritt jedoch auch imDänischen auf (vermutlich durch deutschen Einfluss mitbedingt).
Feminina ohne Umlaut: sämtliche Feminina auf-nis (Plural mit Auslautverdoppelung:-nisse), wiedie Befugnis,die Kenntnis.
Neutra ohne Umlaut: sämtliche Neutra auf-nis (Plural mit Auslautverdoppelung:-nisse), wiedas Wagnis,das Ergebnis,das Erfordernis.
Feminina mit Umlaut:Angst,Axt,Bank,Braut,Brunst,Brust,Faust,-flucht (z. B.Ausflucht),Frucht,Gans,Gruft,Hand,Haut,Kluft (auchn-Plural),Kraft,Kuh,-kunft,Kunst,Laus,Luft,Lust,Macht,Magd,Maus,Nacht,Naht (auchn-Plural),Not,Nuss,Sau (auchn-Plural),Schnur,Stadt,Sucht,Wand,Wurst,Zunft.
Einige Feminina sind im Schwange, vome- zumn-Plural zu wechseln, eine Entwicklung, die das SimplexFlucht (Fluchten, aber noch:Ausflüchte), ferner die WörterSaat oderSchlucht bereits abgeschlossen haben (*Säte,Schlüchte →Saaten,Schluchten).
Vor allem Feminina bilden im Deutschen einen Plural auf-n; dabei enden sie im Singular typischerweise auf-e,-el oder-er:
die Erbse – die Erbsen
die Leiter – die Leitern
die Partikel – die Partikeln
Feminina auf-er oder-el verhalten sich deshalb anders als gleichförmige Maskulina oder Neutra, weil der Plural bei ihnen nur durch die Endung und nicht, wie bei jenen, durch den Wechsel des Artikels ausgedrückt werden kann.
Denn-Plural in der Form-en bilden Wörter, die in der Morphologie ihres Singulars keine Endung aufweisen, also nicht auf abgeschwächtes-e, auf-er oder-el enden, wie:
die Frau - die Frauen
der Mensch - die Menschen
der Herr - die Herren, auch:die Herrn
die Tat - die Taten
Personenbezeichnungen mit Endung-in bilden denn-Plural mit Auslautverdoppelung in der Form-innen:Fahrerinnen,Professorinnen.
Feminina wieDeverbativa auf-ung und Deadjektiva auf-heit,-keit,-igkeit sowie Feminina lateinischer, griechischer, französischer Herkunft auf-ion und-tät bilden den n-Plural auf-en:
die Erklärung - die Erklärungen
die Freiheit - die Freiheiten
die Kleinigkeit - die Kleinigkeiten
die Universität - die Universitäten
Außerdem bilden einige Maskulina einenn-Plural; es handelt sich dabei vorwiegend um belebte Substantive auf-e, z. B.der Bube,der Knabe,der Rabe,der Löwe,der Grieche,der Schwede; sowie ferner um einige wenige Substantive auf-er, etwader Bauer,der Bayer,der Vetter.
Eine weitere Gruppe von vor allem maskulinen Wörtern mit Plural auf-n sind Wörter lateinischer oder griechischer Herkunft mit Endbetonung oder Betonung auf der vorletzten Silbe, die Personen bezeichnen, z. B.:
auf-at:der Advokat,der Pirat,der Soldat
auf-et:der Poet,der Prophet,der Prolet
auf-or:der Doktor,der Juror,der Professor
Schließlich existiert noch eine Gruppe neutraler Lehnwörter, welche ebenfalls zumeist aus dem Lateinischen oder Griechischen stammen und eine endbetonte Stammform im Singular zeigen; diese nehmen einen Plural auf-ien an, z. B.:
das Fossil – die Fossilien (neben:die Fossile)
das Indiz – die Indizien
das Utensil – die Utensilien
sowie als einziges Erbwort:
das Kleinod – die Kleinodien (neben:die Kleinode)
Die meisten dieser Wörter haben ihr Singularmorph-um abgestoßen; einige jedoch behalten dieses Suffix weiterhin und zeigen so Suffixwechsel bei der Numerusbildung:
das Museum – die Museen
das Sanatorium – die Sanatorien
Siehe aber auch das Unterkapitel zum Plural von Fremdwörtern.
Der Plural auf-r betrifft ursprünglich nur eine kleine Klasse von Neutra (Bezeichnungen für Tierjunge) und wurde von dort ausgehend mittelsAnalogie auch auf andere Wörter übertragen. Heute flektieren etwa ein Dutzend Maskulina und mehrere Dutzend Neutra nach diesem Muster, das nur imMittelhochdeutschen produktiv war; dabei tritt immer, wo möglich, Umlaut ein.
Maskulina ohne Umlaut:Geist,Leib,Ski/Schi.
Maskulina mit Umlaut:Gott,Mann,Mund,Rand,Strauch,-tum (z. B.Reichtum),Wald,Wurm.
Neutra ohne Umlaut:Biest,Bild,Brett,Ei,Feld,Geld,Gemüt,Geschlecht,Gesicht,Gespenst,Kind,Kleid,Lid,Lied,Nest,Regiment,Rind,Schild,Schwert,Viech.
Neutra mit Umlaut:Aas,Amt,Bad,Blatt,Buch,Dach,Dorf,Fach,Gehalt,Gemach,Geschmack,Gewand,Glas,Grab,Gras,Gut,Haupt,Haus,Holz,Horn,Huhn,Kaff,Kalb,Korn,Kraut,Lamm,Land,Mahl (auche-Plural),-mal (auche-Plural, z. B.Denkmal),Maul,Rad,Ross (auche-Plural),Schloss,Spital,Tal,Trumm,Tuch,Volk,Wort.
Femininer-Plurale sind im Standarddeutschen nicht belegt. Imösterreichischen Deutsch indes existiert für „Tomate“ ein Singular:die Paradeis mit zugehörigem Pluraldie Paradeiser. Häufig wird jedochdie Paradeiser auch als Singular verwendet.
Die Mehrzahlbildung mit-s ist im Hochdeutschen im 17./18. Jahrhundert aufgekommen, und zwar zuerst bei Familiennamen und später bei den Ruf- und Ortsnamen. In diesen Fällen geht sie auf die Genitiv-Endung-s zurück, etwaMüllers Familie, Meiers Leute.[2] Eine andere Quelle sind die s-Plurale desNiederdeutschen, etwadie Kumpels, die Jungens, die sie wie die anderennordseegermanischen Sprachen, etwa das Niederländische und das Englische, seit alters kennen.
Heute gehört dies-Endung zum Standard der deutschen Pluralbildung. Sie wird zum Beispiel bei manchenAkronymen, bei vielen Fremdwörtern, vor allem solchen englischer oder französischer Herkunft, sowie bei Satzkomposita verwendet:
die CD – die CDs
der Pkw – die Pkws
der Akku – die Akkus
der Cousin – die Cousins
der Job – die Jobs
das Handy – die Handys
das Lebewohl – die Lebewohls
Enden Substantive, was fürs Deutsche eigentlich unüblich ist, auf andere Vokale als das abgeschwächte e, so gilt i. d. R. die Pluralform-s:die Oma - die Omas,der Opa - die Opas, dasZebra - die Zebras,das Gnu - die Gnus,das Gummi - die Gummis,das Kino - die Kinos,das Café - die Cafés,das Komitee - die Komitees,ugs. dasKilo - die Kilos.
Ders-Plural wird zudem für die Kennzeichnung von Gruppen gleichen Familiennamens verwendet:
die Müllers (mehrere Mitglieder der Familie Müller)
Endungslos und formengleich mit dem Singular ist der Plural bei vielen Maskulina und Neutra auf-el,-en oder-er:
der Gürtel – die Gürtel
der Kuchen – die Kuchen
der Laster – die Laster (im Sinne von 'Lastwagen')
das Laster – die Laster (im Sinne von 'Untugend')
das Mündel – die Mündel
das Lebewesen – die Lebewesen
Hierunter fallen auch die sehr zahlreichenDeverbativa der Formfahren - der Fahrer - die Fahrer,laufen - der Läufer - die Läufer,Gerüste bauen - der Gerüstbauer - die Gerüstbauer etc. (nicht jedochder Bauer - die Bauern i. S. v. Landwirt). Auch jederzeit mögliche Neubildungen, auch Ad-hoc-Bildungen, dieser Klasse folgen diesem Pluralschema:chatten - der Chatter - die Chatter,Snowboard fahren - snowboarden - der Snowboarder - die Snowboarder,gar nichts verstehen - der Gar-nichts-Versteher - die Gar-nichts-Versteher.
Nullplural zeigen ebenfalls Neutra auf-e; dabei handelt es sich zumeist um Kollektivsubstantive mit Präfixge- z. B.das Gebäude - die Gebäude, so auchGebilde,Gebirge. Ebenso das Maskulinumder Käse - die Käse.
Ein Sonderfall sind einige lateinische Wörter wieKasus undStatus. Singular und Plural werden hier zwar gleich geschrieben(der Status – die Status), aber mit unterschiedlich gesprochener Endung: Singular mit kurzemu, Plural mit langemu. Das langeu im Plural wird zuweilen auch markiert, z. B. alsKasūs (mitMakron).[3][4]
Umlaut tritt jedoch auch bei der Pluralbildung von Substantiven auf, welche sich eines Pluralmorphs bedienen; typischerweise handelt es sich dabei um Maskulina mite-Plural oder Neutra mitr-Plural; für einsilbige Feminina mite-Plural ist Umlaut obligatorisch. Andere Feminina zeigen keine Umlautung im Plural, ausgenommen Komposita auf-statt (Plural:-stätten).
In Verbindung mit demn-Plural tritt, von diesem Fall abgesehen, kein Umlaut auf; selbiges gilt ausnahmslos für dens-Plural.
Bei Wörtern aus Fachsprachen kommt es mitunter zu ungewöhnlichen Pluralformen, welche der fremden Herkunft dieser Wörter geschuldet sind. Teils erscheint hierbei die deutsche Pluralendung-e oder-en:
das Visum – die Visa
das Praktikum – die Praktika
das Universum – die Universen
das Antibiotikum – die Antibiotika
die Sphinx – die Sphingen oderdie Sphinxe
der Pharao – die Pharaonen
der Embryo – die Embryonen oderdie Embryos
der Kibbuz – die Kibbuzim oderdie Kibbuze
der Seraph – die Seraphim oderdie Seraphe
der Kodex – die Kodizes (oder:der Codex –die Codices)
der Index – die Indizes (oderdie Indices)
der Appendix – die Appendixe oderdie Appendizes
Spezielle Pluralformen von Fremdwörtern auf „-ma“[5]
Es gibt eine Reihe von Nomen lateinischen und griechischen Ursprungs, die im Singular auf „-ma“ enden. Diese bilden ihren Plural entweder mit „-s“, „-en“ oder „-mata“.
das Komma – die Kommas oderdie Kommata
das Schema – die Schemas oderdie Schemata oderdie Schemen (selten)
das Klima – die Klimata oderdie Klimas (selten) oderdie Klimate (besonders fachsprachlich)
das Aroma – die Aromas oderdie Aromen oderdie Aromata (selten)
BeiFremdwörtern werden im Deutschen auch Plurale gebildet, welche sich in der Morphologie (nicht aber unbedingt in der Aussprache) an der Pluralform der Herkunftssprache des betreffenden Wortes orientieren:
der Espresso – die Espressi (Originalplural) nebendie Espressos (eingedeutschter Plural)
die Pizza – die Pizzenoder die Pizzas (beides eingedeutschte Plurale), selten:die Pizze (Originalplural)
der Kasus – die Kasus (Gelehrtenplural nach lateinischem Vorbild: Singular mit kurzem, Plural mit langemu)
der Tenuis – die Tenues
Spaghetti,Rigatoni etc. sind im italienischen Original die Pluralformen. Die entspr. Singularform ist im Deutschen nicht gebräuchlich. Es ergeben sich so zwei Möglichkeiten des Plurals:die Spaghetti - die Spaghetti oderdie Spaghettis.
Folgende Wörter bilden im Deutschen einen Plural mittels Einschub eines Dentallautes-d- oder-t- zwischen Wortstamm und Plural:
der Bau – die Bauten (nebendie Baue)
der Zeitlauf – die Zeitläuf[t]e
In einemAufforderungssatz wird umgangssprachlich manchmal ein zusätzliches-s an den bereits markierten Plural angefügt; diese Endungstypen entstammen demNiederdeutschen:
Kind – Kinders
Jungen – Jungens, auchJungs
Weib – Weibers
Eine parallele Übermarkierung zeigt sich beim Äquivalent zu deutsch „Kind“ im Niederländischen(het kind – de kinderen) und im Englischen (child – children).
Entstanden ist Letzterer, nachdem die ältere, der deutschen Form äquivalente Pluralformchilder mit der Pluralendung-er nicht mehr klar war; deshalb wurde die neue Pluralendung-en angefügt, die damals noch produktiv war (vgl. die Reliktformox – oxen). Manchmal wird heute auch die nicht anerkannte Formchildrens benutzt, bei der noch eine dritte Endung, nämlich die heutige Standardendung-s angefügt wird.
Die Plurale auf-e und-er sowie die Nullplurale und Umlautplurale mit-er,-el fügen in der Dativform ein-n an:-en,-ern,-eln. Somit den Krügen, den Gläsern, den Tellern, den Äpfeln.
Bei Maßeinheiten, Mengenbezeichnungen, Währungen und Ähnlichen, die Maskulina oder Neutra sind, wird bei Zahlenangaben kein Plural verwendet. Beispiele:100 Gramm, 30 Grad Wärme, 5 Prozent, 100 Euro; aber:5 Meilen, 10 Rupien (Feminina). Dies gilt auch für manche Substantive, die in anderen Zusammenhängen eine Pluralform erhalten:zwei Glas Wein, drei Fass Bier, drei Maß Bier, fünf Blatt Papier, zehn Schuss Munition, dreißig Mann Verlust, ein zwei Faust großes Erzstück.[6] Vgl. dagegen Feminina wiezwei Flaschen Wein,zwei Dosen Tomaten und Zeitangaben in allen Genera wiezehn Minuten Pause,fünf Stunden Zeit,drei Tage Urlaub,viele Jahre Arbeit. Letztlich ungeklärt bleiben muss die Zuordnung zu Singular- oder Pluralform etwa beivier Teller Suppe.
Bei Stoffbezeichnungen entfällt der Plural manchmal, wenn eine Portionseinheit gemeint ist:2 Kaffee für die Herren am Tisch vorn links.[7]
Ein Wort, das rein formal im Singular auftritt, abersemantisch eine Mehrzahl bezeichnet, heißtKollektivum. Dabei ist meist eine unbestimmte Menge gemeint, die keine grammatische Mehrzahl hat:
Auchdas Gemüseist so entstanden, in heutiger Bedeutung aber ist je nach Kontext durchaus eine Anzahl bestimmbar (etwadas Gemüse im Kühlschrank). Zudem existiert auch der Pluraldie Gemüse.
Das Laub benennt eine unbestimmbare Vielzahl von Blättern. Ebensodas Gras, das Getreide (auf dem Feld).Ähnlich, wenn auch ggfls. in der Zahl der Glieder bestimmt oder bestimmbar, weiteremorphologisch nicht markierte Kollektiva wiedas Obst (auf dem Teller), das Personal, das Management.Das Team, die Versammlung, das Parlament, die Regierung bezeichnen eine ggfls. bestimmbare Vielzahl von Personen, können aber auch selbst in den Plural gesetzt werden (die Regierungen). Indie Mannschaft, die Nachbarschaft ist-schaft Hinweis auf die Bedeutung als Kollektivum.
DiePersonalpronomen weisen im Singular und Plural unterschiedliche Stammformen auf, nur der Pluralstamm der 3. Person entspricht einem der genusabhängigen Singularstämme, nämlich dem femininen. Auch die Deklinationsformen sind mit Stammwechseln unregelmäßig, wobei sie in der 3. Person weitgehend dem Muster der Adjektive und Artikel folgen.
Viele Sprachen der Welt haben einemorphologische Numerusunterscheidung und kennen deshalb auch die Kategorie Plural. Es gibt jedoch auch Sprachen, z. B. dasChinesische, die die Kategorie Numerus nur bei Personenbezeichnungen kennen (z. B.xuéshēng –xuéshēngmen 'Schüler, Sg. – Pl.') und die deshalb auch über keine generellen Pluralformen verfügen. Ausdruck der Mehrzahl erfolgt dann über unabhängige Zählwörter. Von der Sprache derPirahã wird gesagt, dass sie über keine Möglichkeit zur Unterscheidung des Plurals verfüge.
Die meistenindogermanischen Sprachen bilden Pluralformen für gewöhnlich durch flexionsmorphologische Vorgänge, in erster Linie durchSuffigierung. Ein typisches Suffix zum Beispiel für diewestromanischen Sprachen; man vergleiche zum Beispiel das jeweilige Wort für „Zunge“ in folgenden Sprachen:
Auch dieslawischen Sprachen kennen einen vergleichbaren Suffixwechsel, zumindest bei femininen und neutralen Substantiven; man vergleiche das Wort für „Kopf“:
Bulgarisch:glava – glavi (gilt auch für Makedonisch)
Slowenisch:glava – glave (gilt auch für Serbokroatisch)
Slowakisch:hlava – hlavy (gilt auch für Tschechisch)
Polnisch:głowa – głowy (gilt auch für Niedersorbisch)
Obersorbisch:hłowa –hłowy
Russisch:golova – golovy
Ukrainisch:holova – holovy
DasGriechische weist, ähnlich dem Lateinischen, Suffixwechsel in allen Kasus auf, z. B.
Nominativ:δήμος (dímos) – δήμοι (dímoi)
Genitiv:δήμου (dímou) – δήμων (dímon)
In dengermanischen Sprachen haben sich dagegen andere Suffixe als Pluralmarker etabliert, die mit den deutschen vergleichbar sind. So ist im Niederländischen, im Niederdeutschen und im Friesischen der Plural auf-(e)n sehr verbreitet, in den skandinavischen Sprachen dagegen jener auf-(e)r. Derenglische Plural auf-(e)s ist eine Weiterentwicklung dieses skandinavischen Plurals. Vergleiche hierzu das Wort für den „Arm“:
Niederländisch:arm – armen
Friesisch:earm – earmen
Schwedisch:arm – armar
Norwegisch:arm – armer
Englisch:arm – arms
Eine Vielzahl an Möglichkeiten der Pluralbildung findet sich außer im Deutschen vor allem imAlbanischen und in denkeltischen Sprachen. DasKymrische etwa zeigt sogar die Besonderheit eines sogenannten subtraktiven Plurals, bei dem ein eventuell vorhandenes Singularsuffix getilgt wird:
mochyn „Schwein“ –moch
pysen „Erbse“ –pys
psygodyn „Fisch“ –pysgod
blodyn „Blume“ –blodau
Aber auch eine Vielzahl von Umlautpluralen sind imKymrischen belegt:
arth „Bär“ –eirth
carreg „Stein“ –cerrig
troed „Fuß“ –traed
Beziehungsweise eine Kombination von beiden (Tilgung des Singularsuffixes und der dadurch bedingte Wegfall des Umlauts):
plentyn „Kind“ –plant
aderyn „Vogel“ –adar
Ähnlich komplexe Umlautformen zeigt ansonsten noch dasIsländische:
ImArabischen werden interne und externe Plurale unterschieden. Externe Plurale werden durch Suffigierung gebildet, interne durch Umstrukturierung derWortbasis:
externer Plural bzw.gesunder Plural[9]:معلم /muʿallim Lehrer –معلمون /muʿallimūn (Suffix-ūn, maskulin),سیارة /sayyāra Auto –سیارات /sayyārāt (Suffix-āt, meist für feminine Wörter)
interner Plural bzw.gebrochener Plural[9]:قلم /qalam Stift –أقلام /aqlām (Basisq-l-m),مدرسة /madrasa Schule –مدارس /madāris (Basis:m-d-r-s) usw. Welches Schema angewendet wird, ist nur selten vorhersehbar.
Außerdem existiert für Wörter, die Mengen von Dingen bezeichnen, ein kollektiver Singular:تفاح /tuffāḥ Äpfel (eine Menge davon, z. B. ein Kilogramm) –تفاحة /tuffāḥa (ein einzelner) Apfel –تفاحات /tuffāḥāt (mehrere einzelne) Äpfel (z. B. drei). Die Einzel-Singulare werden vom Kollektivsingular regelmäßig mit der Femininendung -a gebildet, und davon regelmäßig der Einzel-Plural auf -āt.
ImHebräischen gibt es zwei Pluralsuffixe: -imים- und -otות-. -im wird oft für männliche Pluralformen benutzt, -ot für weibliche. Beispiel: Talmid – Schüler (Einzahl); Talmidim – Schüler (Mehrzahl), Talmidot – Schülerinnen. Es gibt aber hierzu zahlreiche Ausnahmen.
Inmalayo-polynesischen Sprachen ist die Pluralbildung durchReduplikation charakteristisch. Die polynesischen Sprachen markieren Plurale nicht durch Endungen, sondern durch den Artikel, wie inMāorite tamaiti – nga tamaiti (das Kind – die Kinder). Als Ausnahme haben einige Wörter eigene Pluralformen mit gedehntem Vokal, zum BeispielHawaiianischte wahine – nā wāhine (die Frau – die Frauen).
InPlansprachen bildet man den Plural oft durch ein allgemeines Prinzip, etwa imEsperanto durch Anhängen eines-j an dasSubstantiv:domo „Haus“ – Plural:domoj. Davon abweichende oder unregelmäßige Pluralformen finden sich nicht.
Es gibt einige Fälle der Verwendung des Plurals, die sich dadurch auszeichnen, dass eigentlich nur eine einzelne Person gemeint ist, dennoch aber der Plural verwendet wird. Für diese Fälle haben sich in der Sprachwissenschaft folgende Unterscheidungen und Begriffe eingebürgert:[10]
Pluralis auctoris (=Autorenplural): Hier spricht der Verfasser eines Textes in der „Wir“-Form, um den Leser stärker einzubeziehen; typisches Beispiel, etwa in der Einleitung einer wissenschaftlichen Arbeit: „Wir werden uns in dieser Arbeit mit den besonderen Problemen der … befassen“.
Pluralis benevolentiae (auch:Pluralis sanitatis oderKrankenschwesternplural): In diesem Fall dient die „Wir“-Form einer mit Fürsorgeaufgaben betrauten Person (Arzt, Krankenpflegepersonal, Eltern …) dazu, dem Angesprochenen, Betreuungsbedürftigen ihr Mitgefühl anzudeuten; typisches Beispiel: „Wie geht es uns denn heute?“
Pluralis majestatis (auch:Pluralis majestaticus): Es handelt sich dabei um die Verwendung der „Wir“-Form durch Personen mit Hoheitsrechten, um anzuzeigen, dass ihnen eine besondere, eben hoheitliche Stellung zukommt; typisches Beispiel: „Wir, von Gottes Gnaden …, haben geruht, …“
Pluralis modestiae (=Plural der Bescheidenheit): die Eigenleistung oder ein Fremdverschulden werden durch die Verallgemeinerung in den Hintergrund gestellt; Beispiele: „Wir haben hier bereits etwas vorbereitet.“ statt „Ich habe das ganz alleine gemacht!“ oder „Wir haben einen Fehler gemacht.“ statt „Kollege XY hat gepatzt!“
Neben anderenHöflichkeitsformen wird in vielen Sprachen in der Anrede der Plural verwendet, um Respekt oder Ehrerbietung oder auch nur Distanz zum Angesprochenen auszudrücken. Im Englischen hat die ursprüngliche Plural-Anredeyou den Singularthou sogar vollständig verdrängt.
Derpoetische Plural wird vor allem in der antiken Dichtung gebraucht um das gemeinte Objekt größer erscheinen zu lassen.
↑Beate Kirchner, Jonny Rieder, Renate Wolf:Ostseestädte. Kreuzfahrten zwischen Kiel, St. Petersburg und Kopenhagen. 4., aktualisierte Auflage. Trescher, Berlin 2012,ISBN 978-3-89794-215-8, S. 381, Zitat: „mit ihren 14 Kasūs.“
↑Ursula Blank-Sangmeister:Intra. Lehrerband II. Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen 2010,ISBN 978-3-525-71827-8, S. 81, Zitat: „Im Deutschen können die Kasūs nicht wörtlich wiedergegeben werden.“
↑Helmut Glück (Hrsg.):Metzler-Lexikon Sprache. 4., aktualisierte und überarbeitete Auflage. J. B. Metzler, Stuttgart u. a. 2010,ISBN 978-3-476-02335-3.