Planetarium

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Der Titel dieses Artikels ist mehrdeutig. Weitere Bedeutungen sind unterPlanetarium (Begriffsklärung) aufgeführt.
Vorführung im Planetarium Reims

Planetarium (griechisch-lateinisch für „Planetenraum“[1]) bezeichnete ursprünglich einGerät zur Veranschaulichung des Planetenlaufs. Bis zum 19. Jahrhundert verstand man darunter einen kleinen mechanischen Apparat, den man inzwischen als „Orrery“ bezeichnet. Unter dem modernen Planetarium versteht man heute ein Gebäude mit einer halbkugelförmigen Kuppel, auf deren Innenfläche Bilder desSternenhimmels von einem speziellenProjektor erzeugt werden. Diese Art Planetarium bezeichnet man als Projektionsplanetarium. Zu den wesentlichen Merkmalen gehört, dass der Projektor die Tages- und Jahresbewegungen zu einer beliebigen Zeit und für einen beliebigen geographischen Ort darstellen kann. Als Erfinder des modernen Projektionsplanetariums gilt der PhysikerWalther Bauersfeld, der es 1919 im Auftrag vonCarl Zeiss Jena entwickelte und baute.[2][3] Das Projektionsplanetarium ist nicht mit einerSternwarte zu verwechseln. Ersteres erzeugt einen simulierten Sternenhimmel, während man in einer Sternwarte die realenHimmelsobjekte beobachten kann.

Ein weiteres Instrument zur Beobachtung von realen Himmelsobjekte und zum Identifizieren derselben ist das Handplanetarium, ein kleiner, in der Hand gehaltener Computer mitGPS-Empfänger,Lagesensoren und Visiereinrichtung. Mit dem Handplanetarium werden Himmelsobjekte wieSterne undPlaneten am realen Sternenhimmel angepeilt, das Handplanetarium identifiziert die Objekte und gibt weitere audiovisuelle Informationen über Kopfhörer und Display.

Inhaltsverzeichnis

Statistik

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Zeiss-Planetarium Jena

Der Planetariumsprojektor Model I der FirmaCarl Zeiss wurde am 7. Mai 1925 im weltweit ersten permanent betriebenen modernen Projektionsplanetarium im neu eröffneten Sammlungsbau desDeutschen Museums auf derMünchnerMuseumsinsel in Betrieb genommen und ist bis heute als Exponat im Deutschen Museum erhalten.[2][3][4] DasZeiss-Planetarium in Jena (D) ist seit dem 18. Juni 1926 bis heute in Betrieb.[5] Jährlich besuchen mehr als 100 Millionen Besucher ein Planetarium. Weltweit gibt es über 3200 Projektionsplanetarien,[6] doch diese Zahl ist vermutlich zu niedrig, da viele Schulplanetarien hauptsächlich intern genutzt werden und kaum Informationen über sie vorhanden sind. In den USA sind mindestens 1500 Planetarien bekannt. Die größten und modernsten Häuser stehen in Japan und Australien.

Europa

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In Europa sind über 450 Planetarien gelistet,[7] wobei eine unbekannte Anzahl von Zeltplanetarien enthalten ist. Die größten europäischen Bauten mit mehr als 23 m Kuppeldurchmesser befinden sich in:Brüssel (BE),Prag (CZ),Jena (DE),Kopenhagen (DK),Valencia (ES),Athen (GR),Budapest (HU),Częstochowa (PL),Lissabon (PT),Moskau (RU),Sankt Petersburg (RU),Stockholm (SE) undKiew (UA).

Deutschland, Österreich, Schweiz

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Siehe auch:Liste der Planetarien in Deutschland undListe der Planetarien in Österreich
Planetarien in Deutschland
Carl-Zeiss-Planetarium Stuttgart

In Deutschland gibt es ca. 100 Planetarien (Stand: 30. Juni 2007).

In Österreich gibt es ein Großplanetarium inWien (Wiener Planetarium), ein Mittelplanetarium inKlagenfurt und drei Kleinplanetarien (Judenburg, Schwaz und Wien). Als erstes Planetarium weltweit erhielt dasZeiss Planetarium Schwaz am 11. September 2006 eine Ganzkuppelvideoanlage des TypsSpacegate Quinto.[8] Am 8. November 2006 wurde inJudenburg mit dem „Sternenturm“ ein weiteres Full-Dome Planetarium eröffnet. Das neueste Planetarium Österreichs ist das digitale Planetarium imNaturhistorischen Museum in Wien. Es wurde im September 2014 aus Anlass des 125-Jahre-Jubiläums des Museums eröffnet und ist ein Full-Dome Planetarium neuester Generation. Das Kleinplanetarium in Königsleiten, das höchstgelegene Planetarium Europas, wurde im Frühjahr 2016 endgültig geschlossen.[9] Dezember 2017 startete die Astronomin und WissenschaftsvermittlerinRuth Grützbauch in Wien perLastenfahrrad das mobile, aufblasbare Pop-Up-Planetarium Public Space mit 5 m Durchmesser für bis zu 30 Kinder und besucht damit Schulen, Kindergärten und Veranstaltungen.[10][11]

In der Schweiz besitzt dasVerkehrshaus in Luzern[12] ein 18-m-Großplanetarium, die Stadt Kreuzlingen[13] ein Planetarium mit einer 10-m-Kuppel. Weiterhin existieren noch fünf Kleinplanetarien. InSion wurde im Herbst 2018 ein neues Kleinplanetarium eröffnet.[14]

Im Jahr 2011 wurde dieGesellschaft Deutschsprachiger Planetarien e. V. gegründet, als Nachfolgeorganisation des zuvor nur informell existierendenRates deutscher Planetarien sowie derArbeitsgemeinschaft Deutschsprachiger Planetarien. Die jährlich im April/Mai stattfindende GDP-Tagung gilt als eine Art Branchentreffen der Planetarien sowie der in diesem Bereich tätigen Firmen. Innerhalb der GDP gibt es mehrere Arbeitsgruppen, die sich mit speziellen Themen befassen, z. B. Planetariumsdidaktik und Planetariumsleitungen. Die nächste Tagung der GDP findet 2025 in Halle (Saale)[15] statt.

Mobile Planetarien, Heimplanetarien

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Mobiles Planetarium

Neben den stationären Planetarien mit ihren großen Apparaten und entsprechend großen und massiven Kuppeln gibt es auch eine Reihe von kleinen und mobilen Lösungen. Ein mobiles Planetarium besteht i. d. R. aus einem Projektionsgerät und einer aufblasbaren Kuppel. Es kommen Kuppelgrößen von etwa 2,5 bis 8 Metern Durchmesser zum Einsatz. Beim Projektor gibt es viele verschiedene Ansätze. Bei rein optischen Geräten wird meist nur der Sternenhimmel abgebildet, hier manchmal sogar nur für eine Hemisphäre. Aber auch recht komplexe Geräte mit Sonnen-, Mond- und Planetenprojektoren gibt es. Was all diesen Geräten fehlt ist jedoch die automatische Steuerung dieser Zusatzprojektoren. Unterstützt durch die rasante Entwicklung von Computern und Digitalprojektoren (sog. Beamer) hat sich in letzter Zeit auch das digitale Planetarium etabliert. Es können alle Aspekte des Sternenhimmels erlebt und erklärt werden, also Planetenbewegungen, Finsternisse, Durchgänge usw. Dies erfolgt größtenteils mit kurzen sogenannten Fulldome-Videoclips.

Eine neue Generation von portablen Planetarien wird von dem japanischen Planetariumsbauer Takayuki Ohira entwickelt. Seine Planetarien finden auf Veranstaltungen wie z. B. der Aichi World Expo 2006 ihre Anwendung. Neben den professionellen Linien Astroliner und Megastar brachte Takayuki Ohira im August 2006 in Zusammenarbeit mit dem Unternehmen Sega Toys unter dem Namen Sega Homestar das erste Heimplanetarium auf den Markt. Im Handtaschenformat projiziert es für den Hobbybereich einen realistischen Sternenhimmel von bis zu 60.000 Sternen an die Zimmerdecke oder Wand. Die Genauigkeit und Programmierbarkeit eines professionellen Projektionsplanetariums kann mit einem solchen deutlich günstigeren Heimgerät nicht erreicht werden.

Größere Projektoren werden in mobilen „aufblasbaren“ Planetarien eingesetzt. Diese bestehen aus einem runden Kuppelzelt, in dem durch ein Gebläse ein leichterÜberdruck erzeugt wird, der es aufrecht hält. Besucherzahl bis ca. 75 Personen (10-m-Kuppel), die meist auf Kissen sitzen. Der Projektor steht teils in der Mitte der Kuppel. Manchmal auch am Rand (z. B. bei Projektor mit 1/4 Kugelspiegel). Solche Planetarien werden meist von Personen betrieben, die sich und ihr Planetarium für Einsatz in Schulen und bei Veranstaltungen aller Art buchen lassen (Firmenfeste, Jubiläen, Werbeveranstaltungen...) .

Ein Planetarium, das nicht auf einenSaal mit kuppelförmiger Decke angewiesen ist, ist das PlanetariumZürich. Der Blick in den Sternenhimmel wird von computergesteuerten Projektoren auf eineLeinwand projiziert.

Ausstattung und Technik

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Auditorium und Kuppel

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Kuppelsaal eines Planetariums mit unidirektionaler Sitzanordnung. In der Mitte befindet sich das Projektionssystem, bestehend aus einem Sternprojektor und einer Fulldome-Video-Anlage.
Planetariumskuppel mit unidirektionaler Sitzanordnung.

In vielenStädten gibt es öffentliche Planetarien mit Präsentationen für alle Altersgruppen. Ähnlich wie imKino nimmt derZuschauer dabei auf einem Sitz im Kuppelinnenraum Platz. Um eine gute und ergonomische Rundumsicht auf den künstlichen Sternenhimmel an derKuppel zu gewährleisten, sind die Sitze darunter oft drehbar angeordnet. Die klassische Sitzanordnung besteht auskonzentrischen Sitzreihen rund um den zentralen Sternenprojektor. Bei neueren Bauten wird immer öfter auch eine dem Kino ähnelnde, unidirektionale Sitzordnung installiert. Oft wird die Kuppel dabei um bis zu 30° geneigt, wodurch bei filmischen Vorführungen auch Teile des Bodens zu sehen sein können, ohne dass das Bild verzerrt oder gekippt werden muss. Die Kuppel selbst besteht meist aus gebogenem Metallblech. Wie eine Kino-Leinwand kann sie perforiert sein, um durchlässig für den Schall von dahinter liegendenLautsprechern zu sein.

Sternenprojektor

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Planetariumsprojektor von Carl Zeiss

Unser heutiges Bild eines Planetariums-Projektors wird geprägt von optomechanischen Geräten in Kugel- oder Hantelform in der Mitte der Kuppel. Kern des Systems sind die Sternfeld-Projektoren. Ältere Geräte stellen die Sterne durch Lochblenden dar, neuere Generationen von Carl Zeiss arbeiten mitGlasfaser-Technik. Veränderliche Objekte wieSonne,Mond undPlaneten werden durch zusätzliche Projektoren erzeugt. Damit lässt sich die Gestalt des Sternenhimmels und auch die scheinbare Bewegung der Sterne und Planeten zueinander, über den Tag, über Jahre oder Jahrhunderte darstellen. Durch Drehung um die Hauptachse lässt sich die Tageszeit bzw. diegeografische Länge des Standortes verändern, durch Neigung um eine horizontale Achse kann diegeografische Breite bestimmt werden. Weitere Projektoren können dieSternbilder und deren Namen, dieMilchstraße und anderenebelartige Objekte darstellen.

Moderner Zeiss-Planetariumsprojektor Universarium Modell IX

Als modernster Sternenprojektor der Welt gilt das Modell IX „Universarium“ vonCarl Zeiss Jena. Das erste Modell in Europa dieser Art wurde im Jahr 2000 imBochumer Planetarium installiert. Nach Stuttgart im Jahr 2001 wurde 2002 auch imWiener Planetarium und in Mannheim das Universarium eingerichtet, 2003 folgte dasPlanetarium Hamburg, 2016 Berlin. DasZeiss-Planetarium Jena wurde im Oktober 2006 mit einer Ganzkuppel-Laserbild-Projektionsanlage („All Dome Laser Image Projection“) ausgestattet, wie sie auch im Pekinger Planetarium eingesetzt wird. Diese projiziert ein nahtloses Kuppelbild mit einer erheblich verbesserten Farb- und Kontrastdarstellung.

ImPlanetarium Hamburg und imMediendom Kiel wird erstmals in Deutschland auch eine 360°-Video-Projektion mit dem SystemDigistar 3 des UnternehmensEvans & Sutherland eingesetzt. Dieser Simulator ermöglicht erstmals eine freie Visualisierung komplexer Inhalte über die Astronomie hinaus.

Dia-Projektoren

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Häufig wird die Sternenprojektion durchDiaprojektoren ergänzt. Diese sind meist in den Seitenwänden unterhalb der Kuppel untergebracht. Neben einfachen Projektoren zu Vortragszwecken kommen Systeme mit mehreren, gekoppelten Dia-Projektoren zum Einsatz; hierbei unterscheidet man zwei Varianten:

Mit den Diaprojektoren kann u. a. dieSilhouette einer Stadt und dieDämmerung dargestellt werden. Um zwischen Panoramen und Ganzkuppel-Bildern überblenden zu können, werden oft mehrere Projektions-Sätze installiert. Daher sind 20 und mehr installierte Diaprojektoren in Planetarien keine Seltenheit.

Video-Projektoren

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Um auch Bewegtbild darstellen zu können, kommenVideoprojektoren zum Einsatz. Um allen Zuschauern einen guten Blick zu bieten, sind diese oft mehrfach ausgeführt. Aufgrund des besserenSchwarzwertes werden meistRöhrenprojektoren eingesetzt. Erst die neueren Generationen vonLCD- undDLP-Geräten erfüllen diesen Anspruch zufriedenstellend.

Laser

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Laser bieten eine hohe Lichtstärke, brillante Farben und maximale Schärfe. In großen Häusern werden sie daher als Bild- bzw. Video-Projektoren eingesetzt (z. B.Zeiss ZULIP). Die neuesten Generationen von Laser-Projektoren (Zeiss ADLIP,E&S Digistar Laser) sind in der Lage, die Kuppel vollständig zu bespielen und Sterne in einer vergleichbaren Qualität darzustellen wie einoptomechanischer Sternenprojektor.

Auch Show-Laser, wie man sie in Diskotheken findet, kommen zum Einsatz und werden – kombiniert mitNebelmaschinen – für Musik- und Unterhaltungsprogramme genutzt. Oft wird die Anlage durch Scheinwerfer,Scanner,Stroboskope etc. ergänzt.

Ganzkuppel-Video

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Zeiss ZKP4 Projektor
Zeiss ZKP4 Projektor in Verbindung mit einem Fulldome-Videosystem

Durch die Digitalisierung und die immer größeren Speicher und Rechenleistungen ist es seit einigen Jahren möglich, kuppelfüllendesBewegtbild darzustellen. Mit einem derartigen System können praktisch beliebige Inhalte an die Kuppel projiziert werden; wodurch das Planetarium, genannt auch Sternentheater, zu einem echten Multimedia-Theater wird. Auf diese Weise wird es z. B. möglich, Flüge zwischen den Sternen, Achterbahnfahrten oder Tauchgänge in die Tiefsee zu simulieren.

Das Bild kommt dabei nicht vom Film wie bei einem Kuppel-Kino, sondern wird meist durch mehrere synchron laufende Video-Projektoren dargestellt. Dabei sind zwei Betriebsarten möglich, die teilweise kombiniert werden können:

  • Ganzkuppel-Video
  • Echtzeit-generierte Bilder, die von leistungsfähigen Grafikprozessoren erzeugt werden – Diese Variante ermöglicht sogar eine interaktive Steuerung von Objekten per Tastatur, Maus oder Joystick.

Tonsysteme

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Auch wenn nach wie vor die meisten Häuser mit klassischenStereo-Systemen ausgestattet sind, haben gerade die größeren Planetarien auf den Trend zuMehrkanalton reagiert und entsprechende5.1- oder 7.1-Kanal-Systeme installiert. Inzwischen sind sogar erste Ansätze zu echten 3-dimensionalen Tonsystemen zu finden, z. B. imAdler-Planetarium in Chicago. In Deutschland finden sich 3D-Audiosysteme in den Kuppeln der Planetarien in Jena, Hamburg und Bochum sowie dem Mediendom der Fachhochschule Kiel. Die letztgenannten vier Anlagen basieren auf Entwicklungen des Fraunhofer-Instituts für Digitale Medientechnologie (IDMT) in Ilmenau.

Geschichte

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Darstellende Armillarsphäre
Eisinga Planetarium mit Bewegung der Planeten an der Zimmerdecke

Mechanische Apparaturen

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Bereits in der Antike berichtenCicero,Ovid undPappos über eine wahrscheinlich vonArchimedes konstruierte mechanische Kugel ausSyrakus, die die Bewegungen von Sonne und Mond darstellen konnte. DerMechanismus von Antikythera war eine mit einer astronomischen Uhr vergleichbares Gerät, das mit Hilfe vonZahnrädern undZifferblätternastronomisch-kalendarische Zusammenhänge zeigte, vermutlich aus dem 2. oder 1. Jhdt. v. Chr.[16]

Tellurien (von Tellusdie Erde) dienen der Illustration der jahreszeitlichen Erscheinungen bedingt durch die Neigung derErdachse, meist zusammen mit einemLunarium, das den Mond in das Modell mit einbezieht.

Diese Geräte werden auch alsOrrerys bezeichnet, nach demGrafen von Orrery, der um 1713 so ein Modell erhielt.

Ein mechanisches Modell derGalileischen Monde wirdJovilabium genannt.

BeiArmillarsphären werden die Umlaufbahnen mit Metallringen abgebildet.

ImGottorfer Riesenglobus befindet sich ein Modell des alten, geozentrischen Weltbildes nachPtolemäus. Es wurde zwischen 1650 und 1664 errichtet und gilt als ältestes begehbares Planetarium. Weltweit existieren vier solcherHohlgloben.

DasEisinga Planetarium befindet sich im Wohnzimmer eines von derUNESCO geschützten friesischen Grachtenhauses inFraneker (Friesland,Niederlande). Das maßstabgetreue Modell wurde zwischen 1774 und 1781 vom WollkämmerEise Eisinga gefertigt, nachdem am 8. Mai 1774 Merkur, Venus, Mars, Jupiter und der Mond am Firmament dicht beieinander standen. Daher wurde behauptet, dass durch die gegenseitigen Anziehungskräfte diese Himmelskörper kollidieren und die Erde aus ihrer Umlaufbahn schleudern würden, um sodann in der Sonne zu verbrennen. Eise Eisinga wollte mit dem Gerät zeigen, dass es keinen Grund zur Panik gab.

Projektions-Planetarien

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Planetariumsprojektor Zeiss Modell I im Deutschen Museum

Die FirmaCarl Zeiss inJena entwickelte ab 1914 den ersten Planetariumsprojektor für dasDeutsche Museum inMünchen. Im Juli 1914 ging man noch von einer Betriebsfähigkeit im Frühjahr 1915 aus:

„Im Neubau des Deutschen Museums in München soll in einem besonderen kuppelartigen Dunkelraum von 5,5 Meter Höhe und 8,2 Meter Durchmesser der Sternhimmel mit der Sonne und den Planeten so anschaulich dargestellt werden, daß auch dem Laien die Bewegung der Erde, des Mondes und der Planeten nach der kopernikanischen Lehre leicht verständlich werden wird und zu ersehen ist, wie sich das Himmelsgewölbe dem Beschauer in München an verschiedenen Tagen und zu verschiedenen Stunden darstellt. Nach P. Richter, der interessante Einzelheiten der geplanten Anlage, die schon im Frühjahr betriebsfähig sein soll, im ‚Geographischen Anzeiger‘ gibt, wird die Sonne in der Mitte des Raumes als helle Lichtquelle angebracht, während die Planeten und Monde als leuchtende beziehungsweise zurückstrahlende Kugeln erscheinen. Die Erde soll etwa 2,5 Meter von der Sonne entfernt sein, weshalb die Entfernungen der äußeren Planeten von der Sonne entsprechend verkürzt werden. Die Planetenbewegung soll erstens in wirklicher Zeit durch ein Uhrwerk, zweitens in beschleunigter Zeit durch Umschaltung aus einen Elektromotor bewirkt werden, wobei auch eine genaue Einstellung für verschiedene, aber bestimmte Daten, zum Beispiel 13. Angust 1843, ermöglicht werden soll. Am Gewölbe des Dunkelraumes werden die in München sichtbaren Fixsterne als Glühlampen verschiedener Größe sichtbar werden, wobei der Veränderlichkeit des sichtbaren Sternenhimmels entsprechend Rechnung getragen wird. Neben diesem Riesenplanetarium nach kopernikanischer Lehre wird ein zweites kleineres das ptolemaeische System veranschaulichen, wobei die Fixsterne an einer Kugel von etwa sieben Meter Durchmesser durchscheinend angebracht werden. Mit Vollendung dieser beiden Anlagen besitzt das Deutsche Museum das größte astronomische Anschauungsmaterial der Welt.“

Bericht imZnaimer Tagblatt vom 19. Juli 1914[17]

Die Arbeiten wurden jedoch infolge desErsten Weltkriegs unterbrochen und dauerten daher bis ins Jahr 1924.

Der Projektor wurde ab August 1923 in einer 16-Meter-Kuppel auf dem Dach der Zeiss-Werke in Jena erprobt und am 21. Oktober 1923 in München präsentiert. Anschließend fanden in der Neun-Meter-Kuppel des noch im Bau befindlichen Deutschen Museums erste öffentliche Vorführungen statt. Nach Fertigstellung des Projektors in Jena gab es ab Ende Juli 1924 dort ebenfalls öffentliche Vorführungen. Mit der Eröffnung des Museumsgebäudes in München nahm dasPlanetarium im Deutschen Museum am 7. Mai 1925 den Betrieb auf.[18]

Der für das Münchner Planetarium konstruierte Projektor war für die Darstellung des Sternenhimmels aus Sicht des 48. Breitengrades ausgelegt. Für das Nachfolgemodell wählte man einen hantelförmigen, schwenkbaren Aufbau, der die Projektion für beliebigeBreitengrade möglich machte. Der erste dieser Modell II genannten Projektoren wurde in dem am 18. Mai 1926 eröffnetenPlanetarium in Barmen, einem heutigen Stadtteil von Wuppertal, installiert.[19] Noch im selben Jahr eröffneten Planetarien inLeipzig,Düsseldorf,Jena,Dresden und Berlin. Die Projektortechnik wurde von Carl Zeiss in Jena und nach demZweiten Weltkrieg in Oberkochen weiterentwickelt. Die technische Ausstattung von Planetarien in aller Welt entwickelte sich zu einem wichtigen Exportprodukt des Unternehmens.[20] Nach Ablauf des Patentschutzes fertigten auch andere Hersteller in den USA und Japan Planetariumsprojektoren verschiedener Bauformen.

Astronomie-Computerprogramme

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Mittlerweile gibt es verschiedeneProgramme, die auf dem Computer-Monitor ähnliche Darstellungsmöglichkeiten bieten wie ein Planetarium.

Oft kann man sich dabei virtuell im Weltraum zwischen den Sternen bewegen und navigieren. Dazu werden Geschwindigkeit und Entfernungen angegeben, sodass man die räumliche Anordnung der wichtigsten Sterne selbst erkunden kann.

Handplanetarien

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Die neueste Entwicklung sind sogenannte Handplanetarien. Hierbei handelt es sich um eigenständige kleine Computer mit GPS-Empfänger zur Bestimmung der Position und der Zeit,Magnetsensor zur Bestimmung desAzimuts,Beschleunigungsmesser zur Bestimmung derElevation,Peilvorrichtung in Form eines einfachen Rohrs oder von Kimme und Korn und einem kleinenBildschirm. Sie sind zum Gebrauch unter dem realen Sternenhimmel gedacht. Mit Hilfe der eingebauten Sensorik wird ermittelt, auf welches Himmelsobjekt das Handplanetarium ausgerichtet ist. Handplanetarien haben je nach Modell verschiedene Betriebsmodi. Bei allen können Himmelsobjekte angepeilt werden, auf Knopfdruck werden sie identifiziert und bei allen Objekten werden weitere Informationen auf dem Bildschirm und bei den wichtigsten Objekten auch Audio-Informationen über einenKopfhörer ausgegeben. In einem weiteren Modus können Himmelsobjekte eingegeben und mit Hilfe von Richtungsinformationen auf dem Monitor oder an der Visierung aufgesucht werden. Eines der Modelle ist in der Lage,Fernrohre mitGoto-Montierung auf das angepeilte Objekt auszurichten. Ein anderes Modell kann auf spezielle Fernrohre aus nicht magnetischen Materialien wie einSuchfernrohr montiert werden.[21]

Prinzipiell bieten Handplanetarien abhängig von den auf dem kleinen Rechner vorhandenen audiovisuellen Informationen undDatenbanken ähnliche Möglichkeiten das Weltall zu erkunden wie Projektionsplanetarien mit einer wichtigen Einschränkung: Es steht immer nur der aktuell sichtbare Sternenhimmel zur Verfügung. Neue Informationen und neue Schulungsprogramme lassen sich jederzeit per Software-Update auf das Handplanetarium überspielen. Handplanetarien sind hervorragend geeignet zum Selbststudium des Sternenhimmels. Sie bieten sozusagen geführte Touren durch die sichtbaren Himmelsobjekte. Die wichtigste Betriebsart ist hierbei die Hilfe zum Aufsuchen der Objekte und die dann wiedergegebenen Informationen.

Literatur

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  • Walter Augustin Villiger:Das Zeiss-Planetarium. Verlag Bernhard Vopelius, Jena, 1931
  • Helmut Werner:Die Sterne dürfet ihr verschwenden. Verlag Gustav Fischer, Stuttgart, 1953
  • Ludwig Meier:Der Himmel auf Erden. Verlag Johann Ambrosius Barth, Leipzig, Heidelberg, 1992
  • Yann Rocher (Hrsg.):Globes. Architecture et sciences explorent le monde. Norma/Cité de l’architecture, Paris, 2017.
  • Boris Goesl,Hans-Christian von Herrmann, Kohei Suzuki (Hrsg.):Zum Planetarium. Wissensgeschichtliche Studien. Paderborn 2018,ISBN 978-3-7705-5971-8.
  • Helen Ahner:Planetarien, Verlag Wallstein, Göttingen 2021,ISBN 978-3-8353-5430-2

Siehe auch

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Software

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  • Cartes du Ciel – Freeware PC-Planetariumssoftware mit umfangreichen Katalogen und Plugin für beispielsweise Meade Autostar Steuerungen
  • Celestia – 3d-Kosmos-Simulator mit tausenden von Objekten, erweiterbar durch vielfältige Plugins – Open Source
  • Stellarium – Realistische Darstellung des Sternenhimmels mit freier Wahl von Standort und Zeit sowie zahlreichen Fotos von Himmelsobjekten – Open Source

Weblinks

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Commons: Planetarien – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
Wiktionary: Planetarium – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen

Einzelnachweise

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  1. In seiner ursprünglichen Verwendung; siehePlanetarium. In:Gabriel Christoph Benjamin Busch:Handbuch der Erfindungen: Zehnten Theils zweyte Abtheilung, die Buchstaben P und Q enthaltend. Wittekindt, 1820,S. 366 (google.com). 
  2. abMark R. Chartrand III:A Fifty Year Anniversary of a Two Thousand Year Dream. In:The Planetarian.Band 2,Nr. 3. International Society of Planetarium Educators, 21. September 1973,S. 95 ff. (ymaws.com [PDF]). 
  3. abPlanetariumsgeschichte. Carl Zeiss Jena GmbH, abgerufen am 5. Juli 2022. 
  4. Die Geschichte des Planetariums - Deutsches Museum. Abgerufen am 5. Juli 2022 (deutsch). 
  5. Die Weltenmaschine.ISBN 978-3-9811120-2-3, S. 145–146
  6. Stand: Ende 2006; Quelle: LochNessProductions
  7. Liste der Planetarien inDeutschland (Memento vom 30. Dezember 2011 imInternet Archive) undEuropa (Memento vom 14. Dezember 2009 imInternet Archive), im Original abgerufen am 5. Juli 2008
  8. www.planetarium.at (Memento vom 24. Mai 2007 imInternet Archive) (im Original abgerufen am 13. September 2009)
  9. Susanne M. Hoffmann:Planetarium-Sternwarte Königsleiten endgültig geschlossen. Artikel im BlogportalSciLogs vom 11. Mai 2016. Abgerufen am 9. Dezember 2017.
  10. Aufblasbares Planetarium auf Tour orf.at, 12. Februar 2018, abgerufen am 19. Februar 2018.
  11. Sternenhimmel für alle: Das Pop-up Planetarium „Public Space“ scienceblogs.de/astrodicticum-simplex, 14. Dezember 2017, abgerufen am 19. Februar 2018.
  12. Verkehrshaus in Luzern
  13. Planetarium und Sternwarte Kreuzlingen
  14. Planétarium Sion - Valais. Seite des Planetariums Sitten im Wallis (frz.).
  15. Daniela Bolz: Tagung 2025 der GDP in Halle (Saale). In: Centennial of the Planetarium. 25. Dezember 2024, abgerufen am 29. Dezember 2024 (amerikanisches Englisch). 
  16. Ioannis N. Svoronos:Das Athener Nationalmuseum. Band 1. Beck & Barth, Athen 1908, S. 1–86 („Die Funde von Antikythera“)(Online)
  17. Das größte Planetarium der Welt. In: Znaimer Tagblatt und Niederösterreichischer Grenzbote, 19. Juli 1914, S. 10 (online beiANNO).Vorlage:ANNO/Wartung/ztb
  18. Ludwig Meier:Die Erfindung des Projektionsplanetariums. In:Jenaer Jahrbuch zur Technik- und Industriegeschichte.Band 5. Verein Technikgeschichte in Jena e. V., Jena 2003,ISBN 3-931743-69-1,S. 82, 124–133. 
  19. Ludwig Meier:Der Himmel auf Erden. Die Welt der Planetarien. Barth, Leipzig / Heidelberg 1992,ISBN 3-335-00279-2,S. 51–64, 151. 
  20. ZEISS Planetariumsmodelle seit 1923. Carl Zeiss Jena GmbH, abgerufen am 9. Januar 2024. 
  21. Starsight, Nr. 3/2008, S. 10. HerstellerseitenCelesstron SkyScout (Memento vom 29. September 2009 imInternet Archive),Meade mySKY (Memento vom 6. September 2011 imInternet Archive)
Normdaten (Sachbegriff):GND:4174793-8(lobid,OGND,AKS)
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