Während Martinsried bereits im 12. Jahrhundert und Steinkirchen im 13. Jahrhundert in den Urkunden der KlösterDietramszell bzw.Benediktbeuern erwähnt werden, ist Planegg wohl der jüngste Ortsname des gesamtenWürmtals. Er wurde erstmals 1409 in einer Verkaufsurkunde an den bayerischenHerzogWilhelm III. erwähnt.
Die Gemeinde Martinsried unterstand jedoch nicht nur dem Ort Planegg: Auch der Grundherr – das Kloster Dietramszell – forderte Geld für den Erhalt des Klosters und ein Zehntel aller Erträge musste an die Kirche abgegeben werden.
Das 19. Jahrhundert brachte einen großen Aufschwung für Planegg. 1851 konnte der damalige Gemeindeausschuss feststellen:
„Planegg, ein äußerst frequenterWallfahrtsort, erfreut sich von Jahr zu Jahr eines immer größer werdenden Zuzugs von Fremden, die sich mit Beginn der günstigen Jahreszeit teils der Erholung und des Vergnügens wegen, vorzüglich jedoch zur Stärkung ihrer Gesundheit hierher begeben und ihren momentanen Wohnsitz hier aufschlagen. Das milde und gesunde Klima Planeggs, das als höchst wohltätig sich herausstellende Würmwasser, kunstgerecht angewandt, machen den Aufenthalt zu einem der angenehmsten, wozu noch eine unmittelbare Verbindung mit der Hauptstadt durch eine täglich zweimal gebotene Stellwagen-Fahrgelegenheit sich gesellt.“
Planegg war zu einem Erholungs- und Belustigungsort fürMünchen geworden, der Bau derEisenbahnlinie Pasing–Starnberg im Jahr 1854 vergrößerte diese Bedeutung noch.Mit dem Gesetz vom 4. Juni 1848 über die Aufhebung derPatrimonialgerichtsbarkeit durfte sich die Gemeinde erstmals selbst verwalten. Ende des 19. Jahrhunderts wuchs die Einwohnerzahl so schnell (innerhalb von fünf Jahren hatte sie sich mehr als verdoppelt), dass 1900 für die nun 1339 Bürger ein neuesRathaus gebaut werden musste, das bis ins Jahr 1995 auch noch als solches benutzt wurde.
Nachdem die Planegger bis Anfang des 20. Jahrhunderts seelsorgerisch von derPfarrkircheSt. Martin in Martinsried aus betreut wurden, erhielt Planegg 1920 mitSt. Elisabeth eine eigene Pfarrkirche.
ImZweiten Weltkrieg wurde Planegg wiederholt Ziel von alliierten Bombenabwürfen. So wurde die Gemeinde während derLuftangriffe auf München bis 1942 dreimal bombardiert. Der schwerste Angriff ereignete sich am 11. April 1945 auf den Planegger Bahnhof, als infolge des Abwurfs von 700 Sprengbomben über Planegg und Krailling 131 Menschen (davon 104 in Planegg) getötet und 26 Gebäude schwer beschädigt wurden. Am 1. Mai 1945 wurde Planegg nach kleineren Gefechten (elf tote SS-Soldaten) von US-Truppen besetzt.[5]
Die Planungen für einen Umbau des Bahnhofsgeländes begannen bereits 1999, doch erst 2003 konnte die Gemeinde nach langen Verhandlungen das Bahnhofsgebäude von derBahn AG kaufen. Zunächst zog der Kiosk von der linken auf die rechte Seite der Unterführung und die Toiletten wurden saniert. Danach wurde bis 2004 der Bahnhofsvorplatz renoviert, um Überschwemmungen zu verhindern.[6]
Im März 2016 beschloss die Gemeinde den Entwurf derArchitekten Molenaar/Weber, der einen größeren Bahnhofsvorplatz, umgeben von Geschäften und einem Supermarkt, vorsah. Auf Höhe der Gleise sollte ein Fahrradschnellweg und ein zweistöckigesBike-and-Ride-Haus entstehen. In der Folge wurde das Grundstück mit demGasthof „Eiche“ erworben und der gesamte Komplex abgerissen, an dessen Stelle ein temporärer ebenerdigerBusbahnhof gebaut wurde.[7] Zudem wurden Grundstücke süd- und nordwestlich des Bahnhofs erworben.[8] Das Grundstück mit dem Gasthof „Heide-Volm“ sollte nach dem ursprünglichen Plan umgebaut werden, stattdessen musste die Besitzerfamilie 2021 den Betrieb der Gaststätte aufgeben und ließ das Gebäude abreißen.[9] Im Februar 2023 gelang der Gemeinde nach langen Verhandlungen der Erwerb des Grundstückes. Zusätzlich kaufte sie noch Grundstücke nordöstlich der Bahnstrecke, um dort mit dem Wohnungsbau zu beginnen.[10]
Am 16. Dezember 2014 entschied dieBayerische Staatsregierung, dieLinie 6-West desMünchner U-Bahn-Systems von der bisherigen EndstationKlinikum Großhadern bis Martinsried fortzuführen. Die Strecke sollte ab 2016 für 73,5 Millionen Euro gebaut werden und 2020 in Betrieb gehen.[11] Die Verlängerung der U6 im Süden nach Martinsried war bereits am 20. Juli 2009 vom Kreistag München beschlossen worden, die ursprünglich angestrebte Eröffnung 2014/2015 konnte allerdings nicht realisiert werden. Auch der zweite Termin konnte aufgrund von Verzögerungen bei den Verhandlungen zwischen den beteiligten Parteien nicht eingehalten werden.[12] Nach eigentlichem Baubeginn im November 2022 fand im Februar 2023 der symbolischeSpatenstich für die rund 950 Meter lange Strecke statt. Die Fertigstellung des Bauvorhabens ist für das Jahr 2027 geplant, die Gesamtkosten belaufen sich auf 212 Millionen Euro.[13] Nach dem Bau derU9-Spange würde die U6 am Klinikum Großhadern enden, die U9 würde nach Martinsried weiterführen. In späterer Zeit könnte die Trasse auch zum S-Bahnhof Planegg weitergeführt werden.
Gräfelfing, Krailling, Neuried und Planegg sind heute unabhängige Gemeinden. Großhadern, Forstenried und Fürstenried gehören inzwischen zu München. Fronloh undPentenried gehören inzwischen zu Krailling (Landkreis Starnberg). Lochham gehört inzwischen zu Gräfelfing. Martinsried, Steinkirchen und das KlosterMaria Eich wurden nach Planegg umgegliedert.
Erster Bürgermeister ist seit 2020 Hermann Nafziger (CSU).[17] Zur Zweiten Bürgermeisterin wählte der Gemeinderat Judith Grimme (Grüne), zur Dritten Bürgermeisterin Christine Hallinger (SPD).[18]
Wappenbegründung: Die Eule verweist auf die FamilieHörwarth, die von 1616 bis 1732 über den Ort herrschte und eine Eule im Wappen enthielt. Die blaue Schlangenlinie symbolisiert dieWürm, die durch Planegg fließt.
Das abgebildete Wappen wurde 1951 als Gemeindewappen für Planegg anerkannt.
Miteinander e. V.: Der Verein setzt sich für die Finanzierung einer halbenDiakonenstelle für die evangelische Kirchengemeinde ein. Zudem werden eine Jugendwerkstatt, Flüchtlinge und Nachhilfe unterstützt. Auch organisiert der Verein das jährlich veranstalteteEntenrennen auf der Würm[30] sowie das MartinsriederDorffest.[31]
Musica Sacra Planegg-Krailling e. V.
Musikschule an der Würm e. V.
Volkshochschule im Würmtal e. V
Wellenbad Planegg
DasWellenbad Planegg, oder auchWürmbad, wie es im Volksmund genannt wird, ist eine der letzten 30 historischen Badeanstalten entlang derWürm und ihren Kanälen. Zudem ist es öffentlich und unentgeltlich zugänglich und spielt eine große Rolle im Naturschutz der Gemeinde Planegg.
Das Bad wurde zum ersten Mal 1864 mit neun Badehütten und einem Schwimmbad eröffnet. Im Jahr 1912 waren nach einem Umbau ein Herren- und ein Damenbecken, getrennt durch einen Steg mit Kabinen, sowie ein Sprungbecken vorhanden. Seit 1939 befindet sich das Bad im Eigentum der Gemeinde Planegg, die das Bad 1962 renovieren ließ. Jedoch wurde noch im folgenden Jahr ein Badeverbot in der Würm für Planegg undGräfelfing vom Landratsamt ausgesprochen. Seit 1973 ist das baden wieder erlaubt. Nachdem 2007 das Würmbad für einige hunderttausend Euro renoviert wurde, gibt es heutzutage ein Becken mit zwei Einstiegen und es sind zwei Seile gespannt, an denen man sich festhalten kann. Außerdem gibt es Liegewiesen mit Sitzbänken und Holzterrassen auf beiden Seiten des Beckens. Ferner gibt es eine Tischtennisplatte, Dusche und WC. Etwas abgeschieden ist zusätzlich ein kleines Laufbecken mit Geländer vorhanden.[32]
Das Zentrum Planeggs ist über Straßen mit dem Ortsteil Martinsried und den StädtenMünchen undStarnberg verbunden. Letztere sind auch mit derS-Bahn erreichbar. Zudem wird der Ortsteil Martinsried ab Ende 2022 mit einer Haltestelle der Linie U6 an dasU-Bahn-Netz von München angeschlossen (erwartete Fertigstellung 2027). Zukünftig könnte diese Linie auch bis zum Planegger Bahnhof weitergeführt werden. Der nächste internationale Großflughafen ist derFlughafen München im Nordosten der Stadt.
Außerdem verbinden zahlreiche Buslinien Planegg mit seinen Gemeindeteilen, den Nachbargemeinden und den Außenbezirken der Stadt München, wo auch Anschluss zur U-Bahn besteht. DieStadtbuslinie 160 und weitere 13Regionalbuslinien desMVV fahren nach bzw. durch Planegg.[33]
Vor allem im Gemeindeteil Martinsried sind zahlreiche Unternehmen aus derComputer- undBiotechnologiebranche, aber auch Unternehmen anderer Branchen mit Hauptsitz/Verwaltungssitz oder mit einer Niederlassung ansässig:
Leistungsschau der Freiwilligen Feuerwehr (ca. 1993)
DieFreiwillige Feuerwehr Planegg wurde am 6. April 1873 gegründet und ist damit die älteste Wehr im Würmtal. Förderer stiften die erste Druckpumpe, allerdings mussten die ersten Mitglieder anfangs ihre Ausrüstung selber bezahlen.[35] Sie hilft seitdem bei Bränden, technischen Hilfeleistungen und sonstigen Unglücksfällen. Es gibt zweiFeuerwehrhäuser (Planegg, Pasinger Straße 24a und Martinsried, Planegger Straße 14). Im Jahr 2022 rückten die Mitglieder zu 216 Einsätzen aus und Stand April 2023 gab es 126 aktive Mitglieder.[36][37] Zur Feier des 150-jährigen Jubiläums wurde 2023 eine Chronik geschrieben und eine kleine Ausstellung eröffnet.[35] Zusätzlich fand am 17. Juni ein Aktionstag mit praktischen Übungen und verschiedene Fahrzeugen, der von 3000 Personen besucht wurde.[38]
Die Bereitschaft Planegg/Krailling desBayerischen Roten Kreuzes wurde am 8. Januar 1911 gegründet. Bereits 1916 gab es 35 aktive und 137 zahlende Mitglieder, die von Beginn an aus Planegg und Krailling kamen. Das Rotkreuzhaus wurde durch Spenden finanziert und 1924 eingeweiht. Im Jahr 1928 wurde ein erstes Sanitätsfahrzeug vonAdler angeschafft. Während desZweiten Weltkriegs halfen die Sanitäter in München aus. Von 1975 bis 2004 bestand einSozialdienst, der von einerOrdensschwester geführt wurde. Im Rotkreuzhaus in der Germeringer Straße 8a sind ein Mannschaftstransport- und einRettungswagen stationiert. Im Jahr 1996 wurde der Hintergrundrettungsdienst durch einenFirst-Responder-Dienst ersetzt, bei dem ein weiteres Einsatzfahrzeug zur Verfügung steht.[39]
Des Weiteren verfügt Planegg über eine eigene Polizeiinspektion. Es handelt sich um die PI 46, welche demPolizeipräsidium München zugeordnet ist und für die Gemeinden Gräfelfing, Planegg und Neuried zuständig ist. Bis zum Ende des Jahres 2024 zählten auch die zum Landkreis Starnberg gehörenden Orte Krailling und Stockdorf zum Zuständigkeitsbereich der Polizeiinspektion. Diese ungewöhnliche Zuständigkeit über Landkreisgrenzen hinaus ging auf einen Beschluss der in Stockdorf wohnhaften früheren LandesjustizministerinMathilde Berghofer-Weichner (CSU) zurück und wurde zum Jahreswechsel 2024/25 rückgängig gemacht, als die Gebietsabtretung an die Polizeiinspektion Gauting desPolizeipräsidiums Oberbayern Nord vollzogen wurde.[40]
Im Jahr 2020 wurde festgestellt, dass die bisherige Wache von 1960 in der Josef-von-Hirsch-Straße 1 zu klein und sanierungsbedürftig ist. Seitdem ist dieImmobilien Freistaat Bayern auf der Suche nach einem Grundstück für den Neubau.[41]
1996 führte der Gemeinderat einen Umweltpreis ein, der jedoch mangels Bewerbern bis 2008 nur viermal vergeben und 2009 von Bürgermeisterin Annemarie Detsch aufgrund des fehlenden Interesses wieder abgeschafft wurde. 2021 wurde der Planegger Umweltpreis auf Bestreben des Gemeinderats Peter von Schall-Riaucour wiedereingeführt, der den grundsätzlich mit 5.000 € dotierten Preis für fünf Jahre stiftete.[48] 2021 wurden angesichts der breiten Beteiligung zusätzlich 1.000 € für die Plätze zwei bis vier ausgeschüttet. 2022 betrug das Preisgeld nur 2.500 €, im Folgejahr wurde das Preisgeld einmalig auf 7.500 € erhöht, um mehrere Initiativen mit einer Auszeichnung zu bedenken.[49] Folgende Gewinner wurden ausgezeichnet:
2021: Schulgarten-AG des Feodor-Lynen-Gymnasiums für die Reaktivierung des Schulgartens (Zusätzliche Gelder im Wert von 1.000 € wurden an weitere Bewerber ausgeschüttet)[50]
2022: Drei Gruppen des Kindergartens Josefstift für Nachhaltigkeit im Alltag und eine Klasse der Grundschule Planegg für ihre Projektwoche „Upcycling“[51]
2023: TV Planegg-Krailling e. V. für eine Reihe von Umweltprojekten und drei Fünftklässler des Feodor-Lynen-Gymnasium für die Aufzucht von Fliegenlarven als umweltfreundliche Tierfutteralternative sowie sieben weitere Preisträger[52]
↑Friederike Tschochner: 600 Enten schwimmen um die Wette. In: merkur.de. Münchner Merkur, 12. September 2022, abgerufen am 12. September 2022.
↑Startseite. In: miteinander-verein.de. Miteinander e. V., August 2022, abgerufen am 12. September 2022 (Informationen unter „Veranstaltungen“ und „Projekte“).
↑Korporativ Fördernde Mitglieder. (PDF; 435 KB) In: mpg.de. Max-Planck-Gesellschaft, 6. Juni 2014, S. 9, archiviert vom Original (nicht mehr online verfügbar) am 4. Dezember 2014; abgerufen am 7. Januar 2025.