Als Ausgangspunkt der Entwicklung kann man die im November 1997 durchgeführten Versuche mit einer modifiziertenPC-7 Mk.II ansehen, an der beispielsweise neue Tragflächen und eine 1190 kW starkePT6-Propellerturbine getestet wurden. Die eigentlichen Konstruktionsarbeiten an der praktisch komplett neu entwickelten PC-21 begannen dann Anfang 1999, wobei moderne CAD-Entwurfsverfahren zum Einsatz kamen. Der Bau des ersten Prototyps begann 2001 und am 1. Mai 2002 feierte Pilatus dessenRollout. Dieser erste Prototyp HB-HZA blieb vom 6. Juni 2002 bis zum 20. Februar 2025 im Luftfahrzeugregister eingetragen.[2] Zwei Monate nach dem Rollout erfolgte der Erstflug mit Bill Tyndall. Die Maschine wurde noch im selben Monat bei der RIAT und derFarnborough Air Show präsentiert. Ende 2004 erhielt Pilatus das Typzertifikat vomBundesamt für Zivilluftfahrt (BAZL) für die PC-21, die somit bereit für die Serienproduktion war. Bis zu diesem Zeitpunkt wurden 200 Mio. Franken in die Entwicklung investiert.
Der zweite Prototyp HB-HZB flog erstmals am 7. Juni 2004 mit Cheftestpilot Andreas Ramseier. Die erste Serienmaschine hatte ihren Erstflug am 29. August 2005, obwohl zu diesem Zeitpunkt noch kein offizieller Auftrag für die Maschine vorlag.[3]
Anfang November 2006 bestellte dieLuftwaffe vonSingapur 19 Exemplare für rund 700 Millionen Franken. Die Maschinen wurden ab Frühjahr 2008 zum Trainingszentrum von Singapur im australischen Perth ausgeliefert. DieSchweizer Luftwaffe unterzeichnete am 22. Januar 2007 den Kaufvertrag über sechs Flugzeuge für ihr Jetpiloten-Ausbildungsprogramm (JEPAS). Der Preis für alle Maschinen inkl. Logistik lag bei 115 Mio. Schweizer Franken. Die Flugzeuge wurden 2008 ausgeliefert.[4]Im November 2009 bestellte die Luftwaffe derVereinigten Arabischen Emirate 25 Stück der PC-21 inklusiveFlugsimulatoren und Logistikunterstützung mit einem Bestellwert von mehr als 500 Mio. Franken. Die erste dieser ab Anfang 2011 auszuliefernden Maschinen hatte am 22. November 2010 ihren Erstflug. Nach den Bestellungen Australiens und Frankreichs in den Jahren 2015 und 2016 wurden drei Jahre lang keine Maschinen verkauft. Die Bestellung der spanischen Luftwaffe zum Jahreswechsel 2019/2020 über 24 Flugzeuge sicherte die Weiterbeschäftigung der in der Produktion des Flugzeugs tätigen Mitarbeiter, welche sonst ab 2021 unsicher geworden wäre.[5] Spanien ersetzte damit dieCASA C-101 und laut einem Beschluss von Ende 2022 mit weiteren 16 Flugzeugen auch den GrundtrainerE-26 Tamiz.[6]
Im Frühling 2023 waren 244 Flugzeuge des Typs PC-21 aktiv.[7]
Die Flugeigenschaften und die Bordsysteme lehnen sich an moderneStrahl-Trainer an. So wird ein leistungsfähiges Triebwerk (etwa 40 % stärker als das derPC-9) zusammen mit einem Fünfblatt-Hartzell-Propeller mit 2,39 m Durchmesser verwendet. Das Triebwerk verfügt durch eine elektronische Regelung über ein jetähnliches Ansprechverhalten, wobei durch automatischen Seitenrudereinsatz das Drehmoment des Triebwerks ausgeglichen wird. Die Aerodynamik ist auf Wendigkeit und Geschwindigkeit ausgelegt. So werden zum Beispiel dieQuerruder durch kleine Spoiler hydraulisch unterstützt, was für eine hohe Rollrate von 200°/s sorgt. Kernstück der Avionik ist das moderne digitaleCockpit mit je drei LCDs (15 × 20 cm) und einemHead-Up-Display verbunden mit dem darunter platzierten Eingabepanel für die beiden Piloten. Mit dem „open-architecture mission system“ ist das Flugzeug weit leistungsfähiger und flexibler als vergleichbare Trainingsflugzeuge. Für den Notfall ist es mit zweiSchleudersitzenMartin-Baker CH16C (Mk.16L) ausgestattet. Die PC-21 ist sowohl für die Basisausbildung als auch für das fortgeschrittene Pilotentraining einsetzbar. So kann ein Großteil der Jetschulung bereits auf der PC-21 absolviert werden. Lärm- und Umweltbelastungen sowie die Kosten sind dabei jedoch um ein Vielfaches geringer.[8]Im 2024 wurde ein Technologietransfer vonLockheed Martin zu Pilatus vereinbart. Damit sollten Trainingsfunktionen eines fortschrittlichen Pilotenausbildungssystems definiert werden für die Ausbildung von Jet-Piloten.[9]
Die Mehrzahl, 42, werden als Basis- und Fortgeschrittenentrainer bei derNo. 1 Flying Training School inEast Sale (22) und derNo. 2 Flying Training School inPearce (20) eingesetzt, wo sie 2019 dieCT/4 (lagen inTamworth) und die PC-9A ablösten. Die übrigen sieben Exemplare stehen bei derNo. 4 Squadron inWilliamtown (4) und derAircraft Research and Develepment Unit (ARDU) inEdinburgh (3) in Dienst.
Im Januar 2017 erhielt Pilatus den Kaufvertrag für 17 PC-21 vom französischen Verteidigungsministerium.[11] Die ersten 17 Flugzeuge wurden 2018/2019 geliefert. Neun im Jahr 2021 nachbestellte Exemplare werden 2022/23 geliefert.[12]
Im Rahmen des "Future Aircrew Training" (FAcT) Programms, Hauptauftragnehmer ist SkyAlyne, eine Gemeinschaftsfirma vonCAE undKF Aerospace, bestellte Kanada 2024, die ab 2026 auf der CFBMoose Jaw zum Einsatz kommen sollen.[14] Die lokale Bezeichnung des PC-21 lautet CT-157 Siskin II.
Im Sommer 2012 bestellte Katar 24 PC-21 für rund 600 MillionenSchweizer Franken. Die Auslieferung soll ab 2014 erfolgen. DieQEAF verfügt zurzeit noch über kein Trainingsflugzeug dieser Klasse, weshalb die entsprechenden Strukturen und mitbestellten Simulatoren vor Ort in der neuen Luftwaffenakademie neu angelegt werden.
Die saudische Luftwaffe hat 2012 als Ersatz für ihrePilatus PC-9 55 PC-21 als Fortgeschrittenentrainer bestellt. Die Auslieferung erfolgte ab 2014.[16]
Die Schweizer Luftwaffe verwendet acht PC-21 für das Fortgeschrittenentraining als Ersatz für die 2002 ausgeschiedenenBAE Hawk. Die erste Tranche umfasste sechs PC-21 und wurde 2008 ausgeliefert, die zwei nachbestellten Flugzeuge wurden am 12. April 2012 der Schweizer Luftwaffe übergeben. A-105 im November 2023 beschädigt.
Die PC-21 lösten die zuvor verwendetenSIAI-Marchetti S. 211 ab.[17] als Fortgeschrittenentrainer bei der RSAF Flight Training School auf der australischen Luftwaffenbasis RAAF Base Pearce eingesetzt.
Im Dezember 2019 wurde bekannt, dass Spanien 24 Exemplare mit Auslieferung zwischen 2020 und 2022 alsC-101-Ersatz anschaffen wolle, der Vertragsabschluss erfolgte Anfang 2020[18]. Ende 2022 gab die Regierung bekannt, weitere 16 Exemplare zu ordern, die mutmaßlich bis 2025 ausgeliefert werden[19].
Die ersten Exemplare trafen im September 2021 bei derAcademia General del Aire auf der BasisBase Aérea de San Javier ein[20].
Da die PC-21 für die Waffenausbildung den Einsatz von Lenk- und Abwurfwaffen auf den Anzeigeinstrumenten simulieren kann, ist das Mitführen von Waffen zurzeit nicht vorgesehen. Die Infrastruktur ist jedoch vorbereitet für vier Unterflügelstationen und eine Unterrumpfstation für Waffen für dieAufstandsbekämpfung.
Aussenlasten: bis zu 1150 kg an fünf externen Aufhängestationen
Der zweite Prototyp HB-HZB stürzte am 13. Januar 2005 ab. Beim Unfall starb der Pilot und ein Passant auf dem Flugplatz Buochs wurde schwer verletzt. Beim Flug handelte es sich um ein Training einer gemeinsamen Vorführung mit dem ersten Prototypen, der sicher landete.[23]
Die Schweizer PC-21 A-105 geriet am 28. November 2023 neben die Piste und die Piloten stiegen mit den Schleudersitzen aus.[24][25][26]
↑abcdeCraig Hoyle: Pilatus marks PC-21 production milestone. In: Flightglobal.com. 20. Februar 2015, abgerufen am 12. November 2017 (englisch): „Pilatus has rolled out its 100th PC-21 turboprop trainer, with the Royal Saudi Air Force aircraft sporting special markings.“