


Pierre Loti (eigentlichLouis Marie Julien Viaud; *14. Januar1850 inRochefort,DépartementCharente-Maritime; †10. Juni1923 inHendaye,Département Pyrénées-Atlantiques) war ein französischer Marineoffizier undSchriftsteller. Zu seinen unzähligen Romanen gehören etliche Bestseller des ausgehenden 19. Jahrhunderts und beginnenden 20. Jahrhunderts.
Pierre Loti kam aus einerhugenottischen Seefahrer-Familie, sein Bruder Gustave war Schiffsarzt. In der Literatur wird Lotis Sucht zu reisen oft mit dem Tod des Bruders in der Südsee begründet, der vier Jahre lang aufTahiti gelebt hatte. Pierre Loti besuchte ein strenges protestantisches Collège[1] und anschließend dieFranzösische Marineschule. 1876 nahm er an einer französischen Strafexpedition gegen türkische BewohnerSalonikis teil.[2] 1879 veröffentlichte LotiAziyadé, seinen ersten Roman, der inIstanbul spielt und seine Passion für den Orient und dasOsmanische Reich wiedergibt. Als Offizier der Marine beteiligte er sich 1883 an einerTonking-Expedition.

Loti, seinem FreundClaude Farrère zufolge einAgnostiker,[1] begab sich 1894 auf eine Palästinareise, um festzustellen, ob seine Seele, die „zu den gequälten dieses zu Ende gehenden Jahrhunderts gehört“, inJerusalem Linderung erfahren kann durch eine neue spirituelle Erfahrung. Am 26. März 1894 traf er dort ein und hielt sich bis um den 17. April dort auf. Am Tag seiner Abreise war er zutiefst desillusioniert, den Weg zur mystischen Erfahrung hatte er nicht gefunden.
Durch ein Kuriosum derspanisch-französischen Beziehungen war Loti zwischen 1891 und 1898 zwei MalVizekönig[3] derFasaneninsel, einer Flussinsel zwischen den beiden Ländern. 1892 reiste er nach Spanien, wo er sich kritisch mit denJesuiten[4] auseinandersetzte. Im selben Jahr wurde Loti in dieAcadémie française berufen. 1900 war er als Adjutant des Vizeadmirals Pottier Mitglied des französischen Expeditionskorps zur Niederschlagung desBoxeraufstandes in China. Loti hatte eine starke Abneigung[4] gegen die Engländer. Im BuchL’Inde (sans les Anglais) über seine Reise nachBritisch-Indien erwähnte er sie – mit Ausnahme der Klammer im Titel – mit keinem Wort, behandelte aber ausführlich die dortige Hungersnot.[4]
Loti war sehr gesellig und war ein Stammgast inBiarritz und im animierten Château d’Abbadia seiner Freunde Antoine und Virginie d’Abbadie.[3] Um den Frauen zu gefallen, betrieb er täglichen Sport. MitNatalia von Serbien,[3] die ihn regelmäßig in ihrer neu errichtetenVilla Sacchino inBidart empfing, war er gut vertraut. Er hatte mit Cruz Gainza,[3] einem Mädchen imadoleszenten Alter einfacher Herkunft, heimlich eine zweite Familie gegründet. Gainza brachte zwei Mädchen und den Sohn Ramuntcho zur Welt.
Loti thematisiert immer wieder in seinen Werken Todessehnsucht und Lebensgier und ist damit ein Vertreter desFin de siècle. Besonders in seiner Japan-Trilogie (Madame Chrysanthème,Japoneries de l’automne undLa troisième jeunesse de Mme Prune) kommt dieser Aspekt zum Tragen. Mit seinen exotischen Motiven wird Loti u. a. Vorbild fürLouis Bertrand undGilbert de Voisins – gleichzeitig wird er für seine unkritisch romantisierende Perspektive alsexotistisch beziehungsweiseorientalistisch kritisiert. Sein RomanLe Mariage de Loti (1880) begründete einen literarischen Exotismus und Impressionismus der Südsee, insbesondere über Tahiti. Der Bestseller gilt bis heute als Klassiker des französischen Exotismus und diente als Grundlage für die Libretti der OpernLakmé vonLéo Delibes undL’île du rêve vonReynaldo Hahn.
Loti verfasste vor allem Reiseberichte und Landschaftsschilderungen; seine Reisen in die Wüste, durch Persien und nach China fanden eine große Leserschaft.[5] Viele von Lotis Werken sind heute in Vergessenheit geraten, auch wenn er zu den meistgelesenen Autoren der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts zählt und einen beachtlichen Teil der Einstellungen der Franzosen zu anderen Ländern geprägt hat. Insofern ist sein kulturgeschichtlicher Einfluss bedeutend. Klassiker wieLe Mariage de Loti,Aziyadé oderMadame Chrysanthème zählen noch heute zu vielzitierten Werken und nehmen in der französischen Literaturgeschichte einen stilbildenden Platz ein.

Am 10. Juni 1923 starb Pierre Loti in Hendaye; er erhielt ein Staatsbegräbnis. Pierre Loti ist inSaint-Pierre-d’Oléron auf derÎle d’Oléron, im Garten des Hauses seiner Familie begraben.[6] Die Grabstelle ist auf Wunsch Lotis nicht öffentlich zugänglich.[7]
Lotis Elternhaus in Rochefort an der französischen Atlantikküste konnte bis 2012 besichtigt werden. Es wurde wegen Renovierung geschlossen und im Juni 2025 wieder eröffnet.[8]Loti arbeitete sein ganzes Leben lang an der Gestaltung und Veränderung dieses Hauses – jedes Zimmer richtete der passionierte Geschichtskenner im Stil eines Ortes oder einer Epoche ein, für die er sich besonders interessierte, und stellte darin Exponate aus, die er über die Jahre während seiner Reisen erwarb. Das Haus befindet sich noch im Originalzustand, in dem Loti es einrichtete. Im Inneren ist in einmaliger und beeindruckender Weise alles in eine Phantasiewelt umgestaltet worden: Unter anderem ein Empfangssaal, einRittersaal und eine Moschee wurden mit Liebe zum Detail und unter Nutzung originaler Bauelemente in den Mauern dieses Stadthauses realisiert – vorwiegend um die bürgerliche Gesellschaft seiner Zeit und zahlreiche Liebschaften zu beeindrucken. Daneben gibt es auch zeitgemäß erhaltene Wohnräume.
Im Istanbuler StadtteilEyüp ist ein Café über dem großen muslimischen Friedhof nach Loti benannt. Der Platz ist auch über eineLuftseilbahn zu erreichen und bietet einen beeindruckenden Ausblick auf die Istanbuler Stadtteile amGoldenen Horn.
In gewisser Weise ehrt es Pierre Loti, dass diedeutschen Besatzer und dasVichy-Regime imZweiten Weltkrieg verschiedene Romane verboten und auf die „Liste Otto“ setzten. Dies waren vor allemL’horreur allemande undLa hyène enragée, die den deutschen Angriff des Jahres 1914 zum Thema haben.[9]

| Personendaten | |
|---|---|
| NAME | Loti, Pierre |
| ALTERNATIVNAMEN | Viaud, Louis Marie Julien (wirklicher Name) |
| KURZBESCHREIBUNG | französischer Marineoffizier und Schriftsteller |
| GEBURTSDATUM | 14. Januar 1850 |
| GEBURTSORT | Rochefort (Charente-Maritime) |
| STERBEDATUM | 10. Juni 1923 |
| STERBEORT | Hendaye |