In der Region Picardie spricht man vonPicardisch. Hingegen werden in Flandern und Artois die Bezeichnungenchti undchtimi und im Raum umLille undValenciennesRouchi verwendet, auch wenn man in Flandern meist nur vonpatois spricht. Linguisten verwenden lediglich die BezeichnungPicardisch. All diese Bezeichnungen sind synonym.
Der französische Staat hat – entsprechend seiner Politik, einzig das Französische alsAmtssprache auf seinem Territorium zuzulassen – das Picardische nicht in dieser Weise anerkannt, auch wenn einige Gutachten das Picardische als vom Französischen getrennte Sprache auffassen. Das Picardische profitiert trotzdem von derDélégation Générale à la Langue Française et aux Langues de France des Kulturministeriums. An derUniversité de Picardie Jules Verne in Amiens wurde 1971 dasZentrum für pikardische Studien gegründet, dessen erster DirektorRené Debrie war.
Popularität über die Grenzen Frankreichs und Belgiens hinaus erlangte Picardisch durch die französischen FilmkomödienWillkommen bei den Sch’tis (2008) undDie Sch’tis in Paris – Eine Familie auf Abwegen (2018), die in warmherzig-humorvoller Weise das Aufeinanderprallen von Picardisch mit Hochfranzösisch thematisieren. Für die deutscheSynchronisierung ersetzte deren Regisseurin Beate Klöckner das Picardische nicht durch einen deutschen Dialekt, sondern erschuf ein fiktives Kauderwelsch. Durch leichte Anklänge anrheinfränkische Dialekte klang diese Kunstsprache dennoch verwandt.[5]
↑Julie Auger, Indiana University:Issues of authenticity, purity, and autonomy in minority languages: What is “real” Picard, and who is an “authentic” speaker? CongressMinority and Diasporic Languages of Europe. 14.–17. Februar 2003, Berkeley, USA, In: Pawel Nowak, Corey Yoquelet (Hrsg.):Berkeley Linguistics Society. 29 (englisch).