Phenothiazine

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Strukturformel von Phenothiazin / Thiodiphenylamin

AlsPhenothiazine wird eine Untergruppe derThiazine bezeichnet, bei welcher der zentrale,Stickstoff- undSchwefel-haltigeThiazin-Ring zweianellierteBenzol-Ringe trägt. Viele werden alsArzneistoffe,Farbstoffe, undInsektizide eingesetzt.[1] Die medikamentös wirksamen Phenothiazine besitzenstrukturchemische Gemeinsamkeiten mit dem ersten überhaupt entdecktenNeuroleptikum – demChlorpromazin. Alle Phenothiazine besitzen ein räumlich annähernd planaresDreiringsystem, das genau genommen für sich allein (ohneSubstituenten) den NamenPhenothiazin trägt.

In derChemie undPharmakologie gehören alle daraus durch Abwandlung einzelnerMolekülteile (v. a. mittelsSubstitution) abgeleitetenDerivate zurGruppe derPhenothiazine.

Inhaltsverzeichnis

Eigenschaften und Einteilung

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Phenothiazin-Grundgerüst

Phenothiazine sind oxidationsempfindliche, wenig wasserlösliche Substanzen, die sich unter Einwirkung von Luft und Licht – gefördert durchSchwermetall-Ionen – leicht in Lösung unter Verfärbung zersetzen.[1] Die neben (unsubstituiertem) Phenothiazin zur Gruppe der Phenothiazine zählenden substituierten Derivate können nach Strukturmerkmalen weiter unterteilt werden in solche vomChlorpromazin-,Pecazin- undPerphenazin-Typ; außerdem stehen dieAzaphenothiazine sowie dieThioxanthene den Phenothiazinen nahe:

Chlorpromazin-Typ

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Hierzu gehören die Stoffe mitoffener Seitenkette anR2:

Die Vertreter des Chlorpromazintyps sind eher schwach antipsychotisch wirksam (nieder- bis mittelpotente Neuroleptika).

Pecazin-Typ

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Hierzu gehören Substanzen mitPiperidinylalkyl-Seitenkette anR2.
Der WirkstoffPecazin wurde etwa zurPrämedikation von Kindern verwendet.[2]InDeutschland ist nur noch das schwach potenteThioridazin im Handel. Der HerstellerNovartis nahm dieses Neuroleptikum Ende Juni 2005 weltweit vom Markt, weil das Risiko für schwerwiegende unerwünschte Wirkungen stärker als bei anderen Neuroleptika schien.[3]

Perphenazin-Typ

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Dies sindPhenothiazine mit einerPiperazinylalkyl-Seitenkette anR2:

Sie wirken im Vergleich mit Chlorpromazin mindestens gleich stark, eher stärker antipsychotisch.

Azaphenothiazine

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Azaphenothiazin-Grundgerüst

Diese besitzen ein Aza-analoges Ringsystem und wirken gleichartig wie die vorgenannten Stoffe.Einziger Vertreter dieser Subgruppe ist dasProthipendyl.

Thioxanthene

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Thioxanthen-Grundgerüst

Sie sind den eigentlichenPhenothiazinen ebenfalls sehr ähnlich, nur wird deren Drei-Ring-Grundgerüst durchThioxanthen gebildet.

Wichtige Vertreter sind

Sie unterscheiden sich gleichfalls anR2:
Chlorprothixen hat eineoffene,Flupentixol undZuclopenthixol haben einePiperazinylalkyl-Seitenkette.

Herstellung

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UnsubstituiertesPhenothiazin wird technisch durchkatalysierte Umsetzung vonDiphenylamin mit 2ÄquivalentenSchwefel als Oxidationsmittel in der Schmelze hergestellt. Dabei entsteht Phenothiazin und als ReduktionsproduktSchwefelwasserstoff, welches gasförmig abgeführt wird. Das verbleibende Phenothiazin wird durchVakuumdestillation gereinigt.

(C6H5)2NH + 2 S → C12H9NS + H2S

Seine Derivate lassen sich auf ähnlichem Wege aus p-Diaminen oder Aminothiophenolen und Schwefel darstellen.[4][5]

Anwendungsgebiete

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Sie werdenmedizinisch eingesetzt als

Die meisten Phenothiazin-Präparate kommen in derPsychiatrie bei der Behandlung vonSchizophrenien (d. h. alsNeuroleptika) zum Einsatz. DasniederpotentePromethazin wird häufig gegenAngst- und Erregungszustände verwendet und hat sich dafür seit Jahrzehnten bewährt.

Wirkung

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Die Phenothiazine insgesamt wirken unspezifischer, mit einem breiteren Spektrum als dieButyrophenone oder andere Klassen vonNeuroleptika. Sie blockieren oft eine ganze Reihe von Rezeptoren fürNeurotransmitter, unter anderemD2-,α1-,5HT2A-,H1- undM1-Rezeptoren,[6] wodurch

Effekte entstehen können.

Unerwünschte Wirkungen

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DieNebenwirkungen der Phenothiazine ergeben sich aus dem vergleichsweise breiten Wirkspektrum (siehe beiWirkung).

Die hochpotenten Stoffe können durch ihreDopamin-Rezeptor-Blockade ähnliche Motorikstörungen auslösen wie die starken Butyrophenone: Dieseextrapyramidal-motorischen Störungen (EPMS) umfassen Früh- undSpätdyskinesien,Akathisien undparkinsonähnlicheSymptome.

Einige Phenothiazine (v. a. des Chlorpromazin-Typs) können Störungen der Wärmeregulation verursachen.

Einige Phenothiazine können ein Long-QT-Syndrom verursachen und damit zu tödlichen Herzrhythmusstörungen führen.

Geschichte

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Die Geschichte der Phenothiazine geht zurück bis an die Anfänge der organischen Chemie in der Mitte des 19. Jahrhunderts. 1865 stellteAugust Kekulé die Theorie auf, dass die Kohlenstoff-Atome in organischen Substanzen in Ringsystemen (Benzolring) auftreten. Praktische Bedeutung hatte diese Erkenntnis vor allem in der Farbenindustrie. 1876 wurden die beiden FarbstoffeMethylenblau und Thionin (Lauths Violett) hergestellt, die beide die Phenothiazinstruktur enthalten. In den nächsten Jahren wurde Methylenblau als Mittel gegen Malaria, Kopfschmerzen oder Depressionen versucht, konnte sich jedoch nicht durchsetzen. In der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts wurde es still um die Phenothiazine. In der Tiermedizin wurden sie alsWurmmittel eingesetzt, für den Menschen galten sie in höheren Dosierungen als zu toxisch. Erst in den 1940er Jahren begann sich die medizinische Forschung wieder vermehrt den Phenothiazinen zuzuwenden. Die französische PharmafirmaRhône-Poulenc entdeckte Phenothiazine mitantihistaminischen Eigenschaften. Dies führte 1950 zur Synthese vonNeuroleptika (Chlorpromazin).[7]

Siehe auch

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Butyrophenone,Diphenylbutylpiperidine,Benzamide,Atypische Neuroleptika

Einzelnachweise

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  1. abWissenschaft-Online-Lexika:Phenothiazine imLexikon der Chemie.
  2. A. G. Doughty:Oral Premedication in children: A controlled clinical trial of pecazine, trimeprazine and methylpentynol. In:British Journal of Anaesthesiology. Band 34, 1962, S. 80 ff.
  3. THIORIDAZINE - Withdrawn due to poor benefit/risk profile, WHO Pharmaceuticals Newsletter 2005, No. 01, abgerufen am 20. November 2016.
  4. Otto Lange:Die Schwefelfarbstoffe ihre Herstellung und Verwendung. Springer-Verlag, 2013,ISBN 978-3-662-34052-3,S. 22 (eingeschränkte Vorschau in der Google-Buchsuche). 
  5. Clemens Lamberth, Jürgen Dinges:Bioactive Heterocyclic Compound Classes Pharmaceuticals. John Wiley & Sons, 2012,ISBN 3-527-66447-5,S. 51 (eingeschränkte Vorschau in der Google-Buchsuche). 
  6. H. Schmidt (Hrsg.), begründet von C.-J. Estler:Pharmakologie und Toxikologie. Schattauer, Stuttgart und New York 2007, S. 225.
  7. H. Bangen:Geschichte der medikamentösen Therapie der Schizophrenie. Verlag für Wissenschaft und Bildung, Berlin 1992, S. 73–77.
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