DasWährungssymbol£ leitet sich von dem lateinischen Wortlibra „Pfund“ ab und kann im Deutschen wie alle Währungszeichen dem Geldbetrag wahlweise nach- oder vorangestellt werden. Der Standard ISO-4217-Währungscode lautetGBP (Great Britain Pound).
Adam Smith nach einem Emaille-Medaillon von James Tassie von 1787
Sterling ist der Name der Währung,Pfund der Name der Einheit, in der diese Währungdenominiert wird. Ähnliches ist bei der chinesischen WährungRenminbi zu beobachten, deren EinheitYuan heißt.
Über die Entstehung des NamensPfund Sterling gibt es verschiedene Ansichten:
Etymologisch leitet sich das Pfund Sterling unmittelbar vomSterling als Benennung des englischenSilberpenny ab. Eine Ansicht sieht als Ursprung dasgriechisch-lateinischestater, denbiblischen Namen einer großen Münze. Die Bezeichnung ‚Sterling‘ erscheint dann – vermittelt über verschiedene Formen wiemittellateinischsterlingus,mittelhochdeutschstœrlinc, westfränkischesterling,altfranzösischesterlin – als Bezeichnung einer ausländischen Münze.[1]
Der Name Sterling taucht das erste Mal in einem französischen Dokument im 11. Jahrhundert auf. Er beschreibt einebestimmte Qualität von Silber. Dies war aus der damaligen Sicht notwendig, damit die Menschen Vertrauen in das Münzgeld und dessen Einheitlichkeit bekamen oder, um es mitAdam Smiths Worten zu sagen: „Die ersten öffentlichen Stempel dieser Art, die auf die umlaufenden Metalle gedrückt wurden, sollten anscheinend in vielen Fällen dasjenige verbürgen, was zu verbürgen am schwierigsten und zugleich am wichtigsten ist, nämlich die Güte oder Feinheit des Metalls; sie mögen wohl der Sterlingmarke ähnlich gewesen sein, die man jetzt [Anm.: Ende des 18. Jahrhunderts] auf Silbergeschirr und Silberbarren prägt, […]“[2]
ImKönigreich Kent wurden seit etwa 765 n. Chr. die leichtenSceattas (Bezeichnung einer frühmittelalterlichen Münzsorte) durch schwerere Silberstücke abgelöst. Um 775 n. Chr. gaben die angelsächsischen Könige zum ersten Mal Silbermünzen nach dem Vorbild des karolingischen Denars (sieheKarolingische Münzordnung) heraus. Eingeführt wurde der Silberpenny von KönigOffa von Mercia (757–796), dem ersten angelsächsischen König.
Beim Silberpenny orientierte man sich in Gewicht und Feinsilbergehalt an den karolingischen Denaren auf dem Festland, wie sie im Frankenreich seit etwa 755 n. Chr. geschlagen wurden. Aus einem karolingischen Pfund Silber (ca. 406,5 g) wurden genau 240 Silberpennies geprägt. Diese Zahl geht ebenfalls auf die karolingische Münzreform zurück, die dasKarlspfund in 20Solidi (Shillinge) zu je 12Denarii (Pfennigen) einteilte (die bis 1971 gebräuchlichen Abkürzungen „s“ und „d“ für den Shilling bzw. Penny gingen auf diese lateinischen Bezeichnungen zurück). Dies ergibt nominal etwa 1,7 g Feinsilber/Denar. Gewicht und Silbergehalt des einzelnen Penny schwanken herstellungsbedingt; durch Auslese der schwereren Stücke und absichtliche Münzverschlechterung sank der durchschnittliche Silbergehalt im Laufe der Zeit.
Das „Pfund Sterling“ war daher weder eine ausgeprägte Münze noch eine Gewichtseinheit, sondern eine Zähleinheit für 240 silberne Kleinmünzen.
UnterHeinrich II. (1133–1189) gab es eine Münzreform, sodass trotz Herrscherwechsels Gewicht (1,3–1,45 g) und Feingehalt (925/1000) der Silbermünze Bestand hatten. Damit wurde der Short-Cross-Penny eingeführt; er zeigte auf der Vorderseite das zeptertragende Brustbild des Herrschers und ein kurzes Zwillingsfadenkreuz auf der Rückseite und wurde von 1180 bis 1247 geprägt. Abgelöst wurde der Short-Cross-Penny vom Long-Cross-Penny; dieser wies auf der Rückseite ein bis zum Münzrand reichendesLangkreuz auf und wurde von 1247 bis 1279 von einer weltlichen und drei geistlichen Münzanstalten geprägt.
Die Beständigkeit des Penny machte ihn zu einer der bedeutendsten Handelsmünzen. Er war auch in Schottland, denNiederlanden,Skandinavien und imRheinland weit verbreitet. Durch dieChampagne-Messen konnte er sogar bis nachItalien und an das östliche Mittelmeer vordringen. Der NameSterlingsilber begann sich im Laufe des 13. Jahrhunderts als Standard-Feinsilbergehaltsangabe (925/1000) zu etablieren. Von Italien ausgehend verbreitete sich der Name im Laufe der Jahre in ganz Westeuropa.[4] UnterEduard I. (1239–1307) wurde das Pfund Sterling nach dem Tower-Gewicht bemessen, welches etwas geringer war als das des Troyes-Pfundes (französische Variante des Karlspfundes).
Als KönigWilliam und KöniginMary 1688 den Thron bestiegen, befand sich die Finanzlage Englands in einem beklagenswerten Zustand. Großbritannien stand im Krieg mit Frankreich und benötigte neue Geldquellen zur Bezahlung seiner Truppen und der Kriegsflotte. Um das zerrüttete Geld- und Kreditsystem wieder aufzubauen, wurde eine Nationalbank benötigt. Diese sollte nationale Reserven mobilisieren.William Paterson, ein schottischer Kaufmann, bot der Regierung 1694 einen Kredit in Höhe von 1,2 Millionen Pfund zu einem Zinssatz von acht Prozent an. Er schlug die Bildung einer Gläubigergemeinschaft vor und verlangte als Gegenleistung die Einsetzung der Geldgeber als Direktoren der neuen GesellschaftBank of England. Außerdem verlangte Paterson das Recht, Banknoten in Höhe des Darlehens auszugeben und Bankgeschäfte zu betreiben. Im Jahr 1694 begann die Bank of England erstmals handgeschriebene Banknoten auszugeben. Erst später wurden sie durch gedruckte Noten ersetzt. Sie waren nummeriert und mit dem Namen der Bank und der AufschriftI promise to pay the bearer on demand the sum of … pounds („Ich gelobe, dem Inhaber auf Verlangen einen Betrag in Höhe von … Pfund auszuzahlen“) versehen. Geldfälscher bereiteten der Bank of England große Probleme; da die handgeschriebenen Noten leicht zu fälschen waren, wurde 1697 einWasserzeichen eingeführt, das durch das Papier hindurchschimmerte. Diese Wasserzeichen zeigten eine Schriftrolle und eine Tafel mit der AufschriftBank of England. Bis 1928 wurden die Noten der Bank of England ausschließlich einfarbig in schwarz auf weißem Papier gedruckt. Die Rückseite der Noten blieb unbedruckt. 1928 wurden zusätzlich zur existierenden Black & White Serie (5 Pfund bis 1000 Pfund) neue, farbige, beidseitig bedruckte 10-Shilling- und 1-Pfund-Noten herausgegeben. Die letzten Noten der Black & White Serie wurden 1956 gefertigt. Seit 1957 sind alle Noten der Bank of England mehrfarbig und beidseitig bedruckt.[5] Während ihrer ersten 150 Jahre hatte sich die Bank of England bei der Kreditvergabe an den englischen Staat zudem gegenüber anderen privaten Konkurrenten zu behaupten, was ihr aber gelang. Sie war die erste Zentralbank mit strengen Regeln für die Golddeckung der umlaufenden Banknoten.[6]
Ab 1663 kam in England dieGuinee, eine wertvolle Goldmünze, in allgemeinen Gebrauch. Das Wertverhältnis zwischen Guinee und den offiziell weiter geltenden Silbermünzen schwankte je nach den Marktpreisen für Gold und Silber. 1717 begann der Weg in denGoldstandard. Der heute noch wegen seiner Naturforschungen bekannteIsaac Newton war damals englischerMünzmeister. Er setzte damals fest, dass eine Guinee einen Wert von 21 silbernen Shillings haben sollte.[7] Newton hatte damit einen offiziellenBimetallismus eingeführt.
Im Vergleich zu den Weltmarktpreisen warGold jetzt in England überbewertet. Es lohnte sich daher, Gold nach Großbritannien einzuführen, dort inSilber einzutauschen und dieses dann wieder zu exportieren. Die Konsequenz daraus war, dass in England vollhaltige Silbermünzen allmählich aus dem Zahlungsverkehr verschwanden. Es folgte ein Kleingeldmangel, der die Ausbringung privater kupferner Penny- und Farthing-Token beförderte. Goldmünzen wurden daraus folgend zum dominierenden Zahlungsmittel, mit der weiteren Konsequenz, dass nicht Silber, sondern Gold zum Standard aufstieg.[6]Viele Staaten, zunächst inEuropa und dann weltweit, übernahmen den in England 1816 offiziell eingeführten Goldstandard. Die Anpassung erfolgte insbesondere aufgrund der zunehmenden Dominanz Englands in den internationalen Finanz-, Wirtschafts- und Handelsbeziehungen.[8]
Das Papiergeld, also die Banknoten, waren verbriefte Gold-Forderungen. Das heißt, sie konnten jederzeit bei derZentralbank zu einem festgelegten Tauschverhältnis in die entsprechende Menge Gold eingetauscht werden. Ende des 19. Jahrhunderts entstand zum ersten Mal mit Ausbreitung des Goldstandards ein internationales Systemfester Wechselkurse. Jedoch beruhte dieses System nicht auf offiziellen internationalen Regelungen und Vereinbarungen.[9]
£2-Banknote der Aberystwith and Tregaron Bank von 1814
DieKriege gegen Napoleon (1793–1815) stellten für die britische Finanzwirtschaft eine große Belastung dar. Diese und eine Konkurswelle nötigten die Bank of England dazu, 1793 die erste 5-Pfund-Note herauszugeben. Am 22. Februar 1797 löste die Landung französischer Truppen in Wales eine Panikwelle unter der Bevölkerung aus.[10]
Die Öffentlichkeit verlangte Goldmünzen statt des als wertlos erachteten Papiergeldes. In kürzester Zeit schrumpften dieGoldreserven der Bank. Sie stellte alle Zahlungen von Goldmünzen gegen Banknoten ein und gab 1- und 2-Pfund-Noten heraus.[11]
Der Nachfolger derGuinee wurde der moderneSovereign im Wert von 20 Shilling, d. h. einem Pfund Sterling. Er wurde im 19. Jahrhundert zur Hauptgoldmünze Großbritanniens. Die Münze wiegt 7,98805 g, hat einen Feingehalt von 916/1000 und damit am heutigen Goldpreis gemessen einen Wert von 999,15 Euro. Der Sovereign wurde kurze Zeit später dem Goldwert angepasst und entsprach bis zur Dezimal-Pence-Einführung folgenden Münznominalen:
Der Sovereign wurde ab 1855 in Australien, ab 1908 auch in Kanada (Ottawa), Südafrika und Indien geprägt. 1917 wurde in Großbritannien die Prägung eingestellt, da der Goldwert denNennwert von einem Pfund Sterling überstieg. 1925 und 1937 wurden in London nochmals geringe Auflagen geprägt. 1932 beendete auchSüdafrika als letzter Staat des Commonwealth mit der Abschaffung derGolddeckung die Prägung als Umlaufmünze.
Viele Preise (insbesondere für Kleidung) wurden bis zur Währungsumstellung 1971 sehr oft in „Guineas“ angegeben, und bis heute spielt sie im Auktionshandel eine Rolle. 1 Guinea entsprach 1 Pfund und 1 Shilling (also 21 Shilling) oder in alter Schreibweise£ 1 1 s 0 d beziehungsweise heute 1,05 Pfund. Eine Preisangabe von58 Guineas entsprach demnach£ 60 18 s 0 d, was auch den Vorteil hatte, dass der Preis so niedriger erschien. Die Guinea als eigene Banknote gab es jedoch nicht.
Während desErsten Weltkrieges setzten viele Länder, darunter auch Großbritannien, den Goldstandard aus. 1925 beschloss der damaligeSchatzkanzlerWinston Churchill zum Goldstandard zurückzukehren. Der Wechselkurs, wie er vor dem Krieg aktuell war (4,86 US-Dollar zu einem Pfund), wurde übernommen. Die Einführung des Goldstandards zur Vorkriegsparität kam dabei einer starken Aufwertung des Pfundes gleich. Wirtschaftshistoriker haben kalkuliert, dass das Pfund um 10 % überbewertet in den Goldstandard eingetreten war, was zu einer Erhöhung der Arbeitslosenzahl um 721.000 führte. Im Nachhinein bezeichnete Churchill die Entscheidung als den größten Fehler seines Lebens.[12] Die Überbewertung des Pfund Sterling hatte jahrelang hoheLeistungsbilanzdefizite verursacht, was eine Verringerung der Goldbestände der britischen Notenbank zur Folge hatte. Es wurde für die Bank von England immer schwieriger, die definierte Goldparität zu halten.[13] Die Goldkonvertibilität des britischen Pfunds wurde im September 1931 aufgehoben. Dieses Datum markiert somit das Ende des Versuchs der Wiedereinführung des Goldstandards.
Beim Sterlingblock (Sterling-Gebiet) handelte es sich um einen Verbund von Staaten, die ihre Währung am Pfund Sterling ausrichteten. Er wurde 1931 begründet, als die Pfundländer ihre Währung vom Gold lösten und stellt eine der erstenWährungsunionen[14] nach Beginn derWeltwirtschaftskrise dar.[15][16]
Teil des Zusammenschlusses waren die britischen Kolonien, von Großbritannien politisch (Ägypten,Irak,Transjordanien) oder wirtschaftlich abhängige Staaten, dieDominionsAustralien undNeuseeland sowie derIrische Freistaat. Die DominionsKanada,Neufundland undSüdafrikanische Union traten dem Sterlingblock im Jahr 1931 nicht bei. Bereits in der ersten Hälfte des 19. Jh. begann das Empire zu einer Währungsunion zusammenzuwachsen. Mit der Einführung des silver shilling 1825 wurde eine Art „Empire-Münze“ geschaffen. Sie sollte die führende Münze in allen Teilen des Empire werden. Unterstützt wurde dies auch durch die Auszahlung der in denKolonien stationierten Soldaten in silver shilling. Die Bindung an das Pfund Sterling erfolgte auch durch die Verpflichtung der Banken in den Kolonien, die das Recht der Münzprägung und der Notenemission ausüben wollten, gewisse Mindestreserven sowie öffentliche Schuldtitel in Sterling zu unterhalten.[17]
Dem Block schlossen sich 1932Thailand, 1933Schweden,Norwegen,Finnland,Dänemark undEstland und 1936Lettland, derIran und dieSüdafrikanische Union an. Bis 1939 bestanden für den Sterlingblock keine vertraglich festgelegten Regeln. Außer den britischen Kolonien und politisch abhängigen Gebieten konnten sich die Staaten nach eigenem Ermessen der Währungsunion anschließen oder auch nicht. Erst mit Beginn desZweiten Weltkriegs wurde die Sterling Area mit festen Regeln und Bindungen begründet. Aus dieser Sterling Area bezog Großbritannien einen großen Teil seiner Kriegslieferungen. Eine Verschuldung Großbritanniens in Höhe von 2,7 Mrd. Pfund gegenüber den Lieferländern entstand dadurch, dass Großbritannien die anderen Länder der Sterling Area nur mit Sterling-Gutschriften bezahlte. In den Nachkriegsjahren verließen nach und nach viele Mitglieder die Sterling Area aus politischen Gründen, wie z. B. Ägypten (1947), Israel (1948) und der Irak (1959).[18]
Bis März 1950 versuchte eine britische Delegation vergeblich,Westdeutschland stärker an den Sterlingblock zu binden. Großbritannien wollte Handelsbilanzdefizite in Pfund Sterling ausgleichen, um so seineUS-Dollar-Reserven zu schonen.[19]
Harry Dexter White (links) mit John Maynard Keynes
Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs löste der US-Dollar das Pfund alsLeitwährung ab. Bereits imBretton-Woods-System von 1944 wurde der US-Dollar als neue Leitwährung anerkannt. An der Bretton-Woods-Konferenz hatten 44 Staaten teilgenommen. Diskutiert wurden insbesondere zwei Vorschläge: derjenige vonJohn M. Keynes, der für die britische Variante eintrat, und derjenige vonHarry Dexter White (USA). Großbritannien hatte durch die Zerstörungen des Krieges und die hohen Kriegsschulden ein enormesAußenhandelsdefizit aufgebaut, was seine Verhandlungsposition auf der Konferenz gegenüber den USA schwächte. Mit der Durchsetzung von Whites Plan wurde der US-Dollar alsAnkerwährung an Gold gebunden (35 US-Dollar/Unze). Außerdem legte er fixe Wechselkurse zu anderen Währungen fest.
In Großbritannien wuchs die Produktion langsamer als in anderen europäischen Ländern. Am 18. November 1967 wurde das Pfund Sterling um ein Siebtel (etwa 14,3 %) abgewertet.[23] Mitte 1968 beschloss dieBank für internationalen Zahlungsausgleich, das Pfund nicht mehr als Reservewährung zu betrachten.[24]
Verschiedene Faktoren veranlassten US-PräsidentRichard Nixon, am 15. August 1971 das Ende der Bindung des US-Dollar an den Goldpreis zu verkünden (Näheres im ArtikelNixon-Schock). Der 'London Gold Pool' war bereits im März 1968 zusammengebrochen.
Im April 1972 trat Großbritannien demEuropäischen Wechselkursverbund bei (wahrscheinlich war das Pfund zu dieser Zeit überbewertet). Im Juni 1972 setzten hohe Devisenabflüsse aus Großbritannien ein – Marktteilnehmer kauften die Devisen und zahlten mit britischem Pfund. Am 23. Juni 1972 brach Großbritannien aus der Währungsschlange aus und ging zumfreien Floaten über (dabei blieb es bis heute, Stand Juni 2015); einige europäische Devisenbörsen wurden wegen dieser Abflüsse einige Tage geschlossen.[25][26]
Am 15. Februar 1971 („Decimal Day“)[27] wurde das seit dem 9. Jahrhundert bestehende, auf demkarolingischen Münzsystem beruhende englische Münzsystem durch das international üblicheDezimalsystem ersetzt.[28] Ein Pfund Sterling unterteilt sich seitdem in 100 Pence (Abkürzungp). Zuvor wurde ein Pfund Sterling in 20 Shilling (Abkürzung:s) und jeder Shilling in 12 Pence (Abkürzung:d) unterteilt, sodass ein Pfund 240 Pence entsprach. In einer Übergangsphase von 18 Monaten wurden die alten Penny-Münzen durch den sogenannten „New Penny“ oder auch „Decimal-Penny“ ersetzt. Es wurden Bronzemünzen (später kupferplattierte Stahlmünzen) im Wert von ½ Penny, 1 Penny und 2 Pence ausgegeben. Die 5-, 10- und 50-Pence-Münzen bestanden aus Kupfernickel. Anfänglich wurden die alten Münzen noch im Umlauf belassen und zunächst den neuen Münzen gleichgesetzt. Demnach entsprach 1 Shilling nun 5 New Pence und 1 Florin 10 New Pence. In späteren Jahren wurde die Stückelung erneuert, wobei die ½-Penny-Münze abgeschafft, dafür aber neue Münzen zu 20 Pence sowie Ein- und Zwei-Pfund-Münzen eingeführt wurden. In den 1990er Jahren wurde eine weitere äußerliche Änderung vorgenommen, indem die 5-, 10- und 50-Pence-Münzen durch kleinere Exemplare ersetzt wurden.[29]
Das Pfund Sterling blieb nach dem Zusammenbruch des Bretton-Woods-Systems 1973 relativ stabil. Die Regierung unternahm zunächst weder deflationäre Maßnahmen noch wurdenZinsen erhöht, um ihre Reserven zu sichern. Unter PremierministerJames Callaghan (März 1976 – Mai 1979) zeigte sich jedoch, wie anfällig die britischeWirtschaftspolitik war. In der Währungskrise von März bis November 1976 fiel das Pfund trotz hoher Standby-Kredite der anderen Zentralbanken an dieBank of England von über 2 US-Dollar bis auf 1,56 US-Dollar. Trotz großer Bemühungen desPremierministers musste Großbritannien Hilfe desIWF in Anspruch nehmen und Auflagen erfüllen.[31]
Im Oktober 1990 schloss sich Großbritannien demEuropäischen Währungssystem (EWS) an. Viele Investoren und insbesondereGeorge Soros hielten das Pfund Sterling für überbewertet. Soros setzteHedgefonds gegen das Pfund, was eineSpekulationswelle auslöste. Das Pfund geriet unter einen enormen Abwertungsdruck. Anfänglich versuchte die Bank of England, das Pfund durchStützungskäufe zu stabilisieren; letztendlich musste sie das Pfund am 16. September 1992 aus dem EWS herausnehmen. Dieser Tag wurdeSchwarzer Mittwoch (englisch: Black Wednesday) genannt. Das Pfund fiel in den darauffolgenden Wochen um fast 15 % gegenüber derD-Mark und um 25 % gegenüber dem US-Dollar. 1991 zeigte sich, dass seineAbwertung der britischen Wirtschaft eher gut getan hatte.Innerhalb von zwei Jahren stieg der Pfund-Wechselkurs gegenüber der D-Mark um mehr als 25 %.[32]
Vereinigtes Königreich als Mitglied der Europäischen Union
Wechselkurs desEuro zum GBP seit 1999 (Quelle: EZB)
Das Vereinigte Königreich konnte als Mitglied derEuropäischen Union denEuro als Währung einführen, war hierzu jedoch nicht verpflichtet. Beim Abschluss desVertrags von Maastricht im Jahr 1992, in dem unter anderem die Einführung des Euro beschlossen wurde, handelten sich Großbritannien und Dänemark eine Ausnahmeregelung heraus. Durch diese sogenannte Opting-Out-Klausel waren diese zwei Länder als einzige in der Europäischen Union rechtlich nicht dazu verpflichtet, den Euro einzuführen. Mit demAustritt des Vereinigten Königreichs aus der EU 2020 ist diese Klausel obsolet geworden.
Die Meinungen in der politischen Landschaft Großbritanniens gingen bei diesem Thema weit auseinander. DieLabour Party, die von 1997 bis 2010 den Regierungschef stellte, nahm verschiedene Positionen ein.Tony Blair, Premierminister von 1997 bis 2007, stellte eine Einführung des Euro in Aussicht, wenn fünf wirtschaftliche Kriterien erfüllt seien und die Bevölkerung in einemReferendum der Einführung zustimmen würde. Sein Parteifreund und NachfolgerGordon Brown, Premierminister von 2007 bis 2010, sprach sich nicht für eine solche Einführung aus. Die seither regierendenkonservativen Tories lehnten die Einführung ebenfalls ab.[33] DieLiberaldemokraten, die von 2010 bis 2015 an der Regierung beteiligt waren, sind generell EU-freundlicher eingestellt, forcierten die Frage aber nicht. DieRegierung Cameron vereinbarte, in ihrer Legislaturperiode keine Schritte zu unternehmen, den Euro einzuführen. Mit demAustritt des Vereinigten Königreichs aus der Europäischen Union zum 31. Januar 2020 wurde das Thema hinfällig.
Umfragen unter der Bevölkerung zeigten durchweg eine große Ablehnung einer Euro-Einführung. Es gab zu keiner Zeit eine Mehrheit für eine Euro-Einführung, wie die folgende Tabelle zeigt:
Im Jahr 2008 wurden neue Münzen eingeführt. Sie zeigen Auszüge desköniglichen Wappenschildes (englisch: Royal Shield of Arms), wobei die 1-Pfund-Münze als einzige den kompletten Schild zeigte.[42]
Im Herbst 2008 begann eineKrise im Finanzsektor, die unter anderem die in London ansässige Finanzbranche hart traf. Der Kurs des Pfunds zum Euro fiel innerhalb weniger Wochen deutlich (sieheGrafik hier). Viele Briten sahen dies – es verteuert Importe, erleichtert Exporte und macht unter anderem Auslandsurlaube teurer – insgesamt positiv, weil es dazu beitragen konnte, ihre hohen Außenhandelsdefizite[43] zu verringern und weil es ihre Konkurrenzfähigkeit im Ausland stärkte.
Nach dem Referendum über den EU-Austritt im Juni 2016 sank der Wert des Pfunds gegenüber dem Euro deutlich. Es sank gegenüber dem US-Dollar auf den niedrigsten Stand seit 1985.
2011 war das britische Pfund alsReservewährung im internationalen Industriegeschäft und Warenhandel weitgehend bedeutungslos.[44] Lediglich inspekulativenFinanztransaktionen hat die Währung eine Bedeutung.
Im Jahre 2011 ist die Inflationsrate im Vereinigten Königreich auf 5,0 % gestiegen (pro Jahr, Oktober 2011, Spitzenwert von 5,2 % im September 2011). Die größten Streiks seit mehr als 30 Jahren am 30. November 2011 zeigten die Erwartungen der britischen Arbeitnehmer an die Politik der Regierung zur Stabilisierung der Kaufkraft der Renten.[45] Im Jahr 2010 betrug das Handelsbilanzdefizit von Großbritannien rund 154,4 Milliarden US-Dollar.
Ende September 2022 fiel das Pfund Sterling gegenüber dem US-Dollar auf den niedrigsten Stand seit der Dezimalisierung im Jahr 1971.[46]
Der Währungsraum des Pfund Sterling umfasst neben Großbritannien und Nordirland auch verschiedene Überseegebiete undKronbesitzungen, die von der Währung unmittelbar abhängen. Teilweise wird nur eine lokale Serie von Banknoten und Münzen herausgegeben. Andere Gebiete haben nominell eigene Währungen, die aber 1:1 an das Pfund Sterling gebunden sind. Weitere Gebiete haben eigene Währungen ohne Bindung an das Pfund, oder haben eine andere Währung übernommen.
Die Kronbesitzungen verwenden lokale Varianten des Pfund Sterling. Diese sind keine eigenständigen Währungen und haben auch keinen eigenenISO 4217-Code. Lediglich eigene Münzen und Banknoten werden ausgegeben.
Wie bei den Banknoten ausNordirland undSchottland ist das Bargeld der Kronbesitzungen kein allgemein anerkanntes Zahlungsmittel im Rest des Pfund-Währungsraums. Lediglich in Guernsey und Jersey wird das Geld des jeweils anderen Gebiets akzeptiert.
Offiziell wird das Pfund Sterling in einigen Überseegebieten des Vereinigten Königreiches verwendet. Die meisten von ihnen verfügen aber über keine ständige Bevölkerung.
AufTristan da Cunha wird mit Pfund Sterling bezahlt, obwohl es Teil des GebietsSt. Helena, Ascension und Tristan da CunhaSt. Helena, Ascension und Tristan da Cunha ist, welches eine eigene Währung hat. Dies hat den Hintergrund, dass bis zum Ausbruch des Vulkans auf Tristan da Cunha im Jahr 1961 in derSubsistenzwirtschaft der Insel Geld keine große Rolle spielte. Nach der Evakuierung der Inselbevölkerung nach Großbritannien begann diese das Pfund Sterling zu verwenden, was sie auch beibehielt, als sie auf die Insel zurückkehrte.
Das ÜberseegebietSudgeorgien SandwichinselnSüdgeorgien und die Südlichen Sandwichinseln verwendet offiziell das Pfund Sterling, was jedoch nur wenige Menschen praktisch betrifft, da das Territorium bis auf Forschungsstationen und Amtssitze nicht ganzjährig bewohnt ist.
Auch dasBritische Antarktis-Territorium verwendet das Pfund Sterling, hat aber keine ständige Bevölkerung. Zudem sind die Ansprüche auf das Gebiet gemäßAntarktisvertrag international nicht anerkannt. Andere Nationen haben dort Stationen errichtet.
Folgende Überseegebiete verwenden formal eigene Währungen (dementsprechend geben diese Gebiete auch eigene Münzen und Banknoten heraus), die jedoch zum britischen Pfund in Wechselkursparität stehen:[47]
GibraltarGibraltar verwendet dasGibraltar-Pfund (ISO 4217-Code GIP). Seit 1934 hat das Gebiet das Recht, eigenes Geld zu drucken, muss dieses jedoch mit einer entsprechenden Geldmenge an Pfund Sterling decken. Schon von 1927 an wurden eigene Banknoten ausgegeben, aber erst seit 1988 auch eigene Münzen. Seit 1898 war das Pfund Sterling Gibraltars Währung und wird in Gibraltar auch heute noch akzeptiert.
Im GebietSt. Helena, Ascension und Tristan da CunhaSt. Helena, Ascension und Tristan da Cunha verwenden die InselnAscension undSt. Helena dasSt.-Helena-Pfund (ISO 4217-Code SHP). AufTristan da Cunha, das auch zu dem Überseegebiet gehört, wird allerdings das Pfund Sterling verwendet. Die dortigen Inselbewohner betrieben ursprünglich vorwiegend Tauschhandel. Nachdem die gesamte Bevölkerung von 1961 bis 1963 wegen eines Vulkanausbruchs nach Großbritannien evakuiert werden musste, wurde bei der Rückkehr die dortige Währung üblich.[48]
DieFalklandinselnFalklandinseln verwenden dasFalkland-Pfund (ISO 4217-Code FKP). Seit 1899 haben die Inseln eigene Banknoten, seit 1974 auch eigene Münzen.
Überseegebiete mit ehemaliger Bindung an das Pfund
Viele Gebiete des ehemaligenBritish Empire verwendeten eine an das Pfund Sterling gebundene Währung. Die in der Karibik und im Nordatlantik gelegenen Gebiete, die sich gegen eine Unabhängigkeit entschieden haben, verwenden mittlerweile allesamt an denUS-Dollar gebundene Währungen.
AnguillaAnguilla nutzt denOstkaribischen Dollar, der seit 1976 mit einem festen Wechselkurs an denUS-Dollar gebunden ist. Seit der Einführung des VorläufersBritish West Indies Dollar im Jahr 1949 war die Währung an das Pfund gebunden.
BermudaBermuda verwendet denBermuda-Dollar, der 1:1 an denUS-Dollar gebunden ist. Bis 1972 war er an das Pfund gebunden.
DieJungferninseln BritischeBritischen Jungferninseln verwenden seit 1961 denUS-Dollar. Von 1951 an waren die Inseln Mitglied in der Währungsunion desBritish West Indies Dollar, dem Vorläufer des Ostkaribischen Dollars. Dies wurde u. a. wegen der Nähe zu denAmerikanischen Jungferninseln aufgegeben.
MontserratMontserrat nutzt wie Anguilla denOstkaribischen Dollar, weswegen auch dort von 1949 bis 1976 die Bindung an das Pfund bestand und seither eine Bindung an den US-Dollar besteht.
DiePitcairninselnPitcairninseln nutzen denNeuseeland-Dollar, der bis zur Dezimalisierung 1967 an das Pfund Sterling gebunden war und danach über die Bindung an denAustralischen Dollar bis 1971 einen festen Wechselkurs zum Pfund hatte.
Die autonomen MilitärbasenAkrotiri und Dekelia verwenden seit jeher die Währung der Republik Zypern und damit seit 2008 denEuro. Zuvor war dasZypern-Pfund dort Währung, welches sich bis 1971 eng am Pfund Sterling orientierte.
Im Britischen Empire gab es vor der Dezimalisierung zahlreiche landesspezifische bzw. koloniale Münzprägungen. Allein zwischen den vier Landesteilen Schottland, Nordirland, Wales und England gab es große Unterschiede:
Schottland prägte bis zum Jahr 1603 eigene Münzen. Im Jahr 1709 wurden die letzten echten schottischen Münzen inEdinburgh geprägt.
England prägte seitdem eigene Münzen für den Landesteil Schottland, wobei sowohl die schottischen als auch die englischen Münzen offiziell in ganz Großbritannien gültig waren.
Dieses Verfahren wurde bis zur Einführung der Dezimalwährung mit der getrennten Prägung der 1-Shilling-Münzen durchgeführt. Die Schotten weigerten sich jedoch oft aus Stolz, die englischen Münzen zu akzeptieren. Mit der Einführung der Dezimalwährung wurde die länderspezifische Münzprägung abgeschafft, alle Münzen sind im gesamten Vereinigten Königreich gültig und gleich aussehend, es gibt keine regionalen Unterschiede mehr.
Bei Banknoten gibt es jedoch auch heute noch regionale Unterschiede. Grund dafür ist, dass es einigen Privatbanken erlaubt ist, eigene Geldscheine herauszugeben. Oft werden diese jedoch wegen ihres Aussehens nicht überall akzeptiert, obwohl sie in ganz Großbritannien Gültigkeit haben. Meist werden die Banknoten nur in dem Landesteil akzeptiert, in dem die herausgebende Bank ihren Sitz hat. Ein Umtausch im Ausland ist praktisch unmöglich, da die meisten Banken nur die Noten derBank of England akzeptieren.
DieBank of England als Zentralbank des Vereinigten Königreiches[49] emittiert Banknoten, die in England und Wales den Status eines gesetzlichen Zahlungsmittels („legal tender“) haben. In der Praxis werden sie aber im gesamten Königreich akzeptiert. DieBank of England gibt Banknoten im Wert von 5, 10, 20 und 50 Pfund heraus.
Schottische Banknoten werden von derBank of Scotland,Royal Bank of Scotland und derClydesdale Bank herausgegeben. Sie sind kein gesetzliches Zahlungsmittel. Herausgegeben werden von den drei Banken Noten im Wert von 5, 10, 20, 50 und 100 Pfund. DieRoyal Bank of Scotland gibt zusätzlich noch Banknoten im Wert von 1 Pfund heraus.[50] Diese werden aber seit 2001 nicht mehr gedruckt und sind daher weitestgehend aus dem Zahlungsverkehr verschwunden.
Die schottischen Banken haben eine Vereinbarung geschlossen, die jeweiligen Banknoten desselben Wertes in gleichen Farben zu gestalten. Dabei einigte man sich für die 5-Pfund-Noten auf Blau, für die 10-Pfund-Noten auf Braun, für die 20-Pfund-Noten auf Violett, für die 50-Pfund-Noten auf Grün und für die 100-Pfund-Noten auf Rot.[51]
In Nordirland werden Banknoten von folgenden Banken herausgegeben:Bank of Ireland,Danske Bank (vormals: Northern Bank), Ulster Bank. Auch diese Banknoten sind kein gesetzliches Zahlungsmittel. Oft kommt es vor, dass die Banknoten Nordirlands in Wales und England nicht akzeptiert werden. Man kann sie jedoch auch dort in Banknoten der „Bank of England“ eins zu eins umtauschen.[52]
Bis Juni 2020 gab auch die First Trust Bank (seit November 2019 AIB) Banknoten heraus. Die Geldautomaten der Bank geben nunmehr Scheine der Bank of England aus. Die Scheine der First Trust Bank blieben bis 30. Juni 2022 gültig. Danach konnten sie weitere zwei Jahre lang umgetauscht werden.[53]
Nur Bank of Ireland und Ulster Bank geben wie die schottischen Banken den kompletten Satz von 5-, 10-, 20-, 50- und 100-Pfund-Noten aus. Danske Bank beendete die Ausgabe von 5-Pfund-Noten im Jahr 2008, im Jahr 2013 dann auch die Ausgabe von 50- und 100-Pfund-Noten.[54][55]
Banknoten der mit dem Vereinigten Königreich verbundenen Gebiete
DieIsle of Man verwendet das Pfund Sterling, gibt aber ihre eigenen Banknoten heraus. Das Isle-of-Man-Pfund (auch:Manx-Pfund) ist jedoch kein offizielles Zahlungsmittel im Vereinigten Königreich und wird in Großbritannien meist nicht akzeptiert.[56]
Auch die Kanalinseln geben ihre eigenen Banknoten heraus. Die Währung der Kanalinsel Guernsey ist dasGuernsey-Pfund und die der Insel Jersey dasJersey-Pfund. Beide Währungen sind gültiges Zahlungsmittel der Kanalinseln und wertmäßig 1:1 an das britische Pfund gebunden.
Die Pfund-Noten unterliegen einem stetigen Wandel. Seit Ausgabe der ersten Banknoten im Jahr 1694 änderten sich Beschaffenheit und das Design der Noten regelmäßig.[57]
Mit der Einführung der Serie C im Jahr 1960 zeigen seitdem alle Banknoten auf der Vorderseite KöniginElisabeth II. Das Abbilden historischer Persönlichkeiten auf der Rückseite der Banknoten begann mit William Shakespeare im Jahr 1970, als die Serie D eingeführt wurde. Seitdem werden immer wieder andere Persönlichkeiten auf den Geldscheinrückseiten abgebildet.
Derzeit sind Banknoten der Serie G im Umlauf.[58][59] Die Banknoten der Serie F wurden mit Ablauf des 30. September 2022 ungültig.[60]
Am 13. September 2016 wurde die erste Banknote der Serie G eingeführt. Die 5-Pfund-Note besteht erstmals aus einem Polymer um die Haltbarkeit der Banknote zu erhöhen. Zusätzlich wurde die Qualität der Sicherheitsmerkmale erhöht, zum Beispiel durch ein durchsichtiges Fenster in der Banknote. Die vorherige 5-Pfund-Note behielt bis Mai 2017 ihre Gültigkeit und wurde von derBank of England aus dem Zahlungsverkehr gezogen.[59] Im November 2016 protestierten Menschen, die auf tierische Produkte verzichten möchten, gegen die Verwendung der neuen britischen Fünf-Pfund-Banknoten, wegen ihres Gehalts an Talg. Die Bank of England bestätigt Spuren von Tierfett in den Noten aus Polymer.[61] Die Firma Innovia, Kunststofflieferant für die Scheine, erklärte gegenüber derdpa, man verwende wissentlich grundsätzlich keine tierischen Produkte. Eine Untersuchung soll zeigen, ob in zugekauftem Rohmaterial tatsächlich eine geringe Menge Talg enthalten ist.[62]
Königin Elisabeth II. starb im September 2022, ihr Nachfolger wurde ihr SohnCharles III. Die ersten Banknoten mit dem Konterfei Charles’ III. wurden Ende 2022 der Öffentlichkeit vorgestellt. Seit dem 5. Juni 2024 wird die Banknotenserie mit dem Porträt von König Charles III. herausgegeben. Das Erscheinungsbild sowie die Rückseiten der Noten wurden dabei nicht verändert. Banknoten mit dem Bildnis von Königin Elisabeth II. sind ebenfalls bis auf Weiteres gültig.[63]
Es gibt auch noch Banknoten im Wert von 1.000.000 £(Giant) und 100.000.000 £(Titan). Diese werden nur für bankinterne Zwecke gebraucht,[68] um die in Schottland und Nordirland umlaufenden Privatbanknoten abzudecken.[69]
Die Queen als Wasserzeichen auf einer 5-Pfund-Note
Zum Schutz gegen Fälschungen weisen die Banknoten der Bank of England unter anderem folgendeSicherheitsmerkmale auf:[70]
Wasserzeichen mit dem Porträt des Königs (ab 2024)
Sicherheitsfaden
fluoreszierende Wertziffern
Hologramm; je nach Betrachtungswinkel ist ein farbiges Bild der Britannia, oder die jeweilige Wertziffer zu sehen; bei der 50-Pfund-Note sind eine Rose und ein Medaillon zu sehen
In der Geschichte des Geldes wurde schon früh mit Geldfälschung begonnen, oft auch in staatlichem Auftrag. Bereits in den Jahren 1790 bis 1796 schleuste Großbritannien große Mengen Falschgeld („Assignaten“) nach Frankreich, um dieFranzösische Revolution zu schwächen.[71]
Die wohl größte Geldfälscheraktion ist jedoch die der Nationalsozialisten im Zweiten Weltkrieg. Sie wollten mit Millionen gefälschten britischen Pfund Großbritannien besiegen, indem sie das Vereinigte Königreich in eine enormeInflation stürzten. Die Nazis investierten viel Zeit, um die genaue Beschaffenheit des britischen Geldes und seine Sicherheitsmerkmale zu analysieren. Erst etwa zwei Jahre nach Beginn der sogenannten Operation Bernhard erschienen die ersten vom Sicherheitsdienst produzierten falschen Pfund-Noten. Nach Erprobung der gefälschten Banknoten in einer Schweizer Bank konnte die Massenproduktion beginnen. Das Unternehmen wurde nach dem Verantwortlichen für die Fälscheraktion, dem SS-Sturmbannführer Bernhard Krüger, benannt: DasUnternehmen Bernhard. Häftlinge mit Fachwissen im grafischen Bereich wurden aus denKonzentrationslagern Buchenwald, Ravensbrück, Mauthausen, Theresienstadt undAuschwitz in das KZ Sachsenhausen gebracht, um dort als Geldfälscher eingesetzt zu werden. Ab Anfang 1943 wurden so knapp neun Millionen falsche Geldscheine im Wert von über 134 Millionen Pfund gedruckt.[72][73]
Bis 1971 gab es das Zwölfersystem bzw. das Zwanzigersystem im Gegensatz zum ab 1971 gültigen einheitlichen Zehnersystem (Dezimalsystem). Man spricht daher auch von der vordezimalen Periode. Als Basis gilt der Penny (Mehrzahl Pence). 12 Pence = 1 Shilling, 20 Shilling = 1 Pound. Als Pfund-Münze gab es die 1-Pfund-GoldmünzeSovereign.Eine britische Besonderheit waren diverse Namen und auch Kosenamen für einige der Münzwertstufen. Die wichtigsten sind in der unten angefügten Tabelle aufgelistet.[74]
Die aktuellen Pfund-Münzen zeigen derzeit noch auf der Vorderseite das Porträt der am 8. September 2022 verstorbenen Königin Elisabeth II. Ihrem Alter entsprechend wurden die Kopfbilder jeweils in den Jahren 1968, 1985, 1998 und 2015 geändert.[76] Die vollständige Bezeichnung lautet: ELIZABETH D.G. REG. F. D., wobei die Abkürzungen D.G. fürDei Gratia („von Gottes Gnaden“), REG fürRegina („Königin“) und F. D. fürFidei Defensatrix („Verteidigerin des(anglikanischen) Glaubens“) stehen. Bei zukünftigen Prägungen wird das Konterfei von KönigCharles III. auf den Münzen zu sehen sein.
Im Rahmen eines öffentlichen Designer-Wettbewerbes zur Gestaltung der neuen britischen Münzen setzte sich der Entwurf von Matthew Dent durch. Die Münzen mit seinem Design wurden im Jahr 2008 eingeführt.
Die 1-Pfund-Münze zeigte denköniglichen Wappenschild (englisch: Royal Shield of Arms) komplett. Auf den sechs kleineren Werten sind jeweils Teile des Schilds so abgebildet, dass sich diese geeignet gruppiert – mit Lücken – ebenfalls zum Schildmotiv ergänzen. Die drei durchmessergrößten Münzen (2, 10 und 50 Pence) bilden dabei die Ecken des Schilds, die kleinste (5 Pence) liegt in der Mitte.[78][79]
2016 wurde die Prägung einer fälschungssichereren, zwölfeckigen 1-Pfund-Münze begonnen, um das runde Pfund abzulösen. Die neuen Pfundmünzen sind seit dem 28. März 2017 in Umlauf.
Das Pfund Sterling wird in vielen Ländern der Welt als Reservewährung gehalten. Im 18. und 19. Jahrhundert galt das Pfund als wichtigste Reservewährung der Welt.[80]Während des 20. Jahrhunderts verlor es diese Stellung, stattdessen wurde der US-Dollar zur wichtigsten Reservewährung. Im 21. Jahrhundert wurde der Euro zur zweitwichtigsten Reservewährung. Von 2006 bis 2016 stand das britische Pfund an dritter Stelle, bevor es vom Yen überholt wurde; es macht momentan ca. 4 % der weltweit gehaltenen Reserven aus. Insbesondere in den Entwicklungsländern mit historischem Bezug zu Großbritannien und den Commonwealth-Staaten wird die Währung als Reserve gehalten.[81]
International gebräuchlicheReservewährungen (Angaben in Prozent) (4. Quartal des Jahres)
Wechselkurs des Euro zum Pfund Sterling (seit 1999)
Das britische Pfund wird insbesondere gegen den US-Dollar, Euro und denYen gehandelt. Bis zur Einführung des Euros als Buchgeld (1. Januar 1999) wurde es auch gegen anderekonvertible Währungen wie DM und Französischen Franc gehandelt. Vor einigen Jahren lag der britische Leitzins bei sechs Prozent, der japanische lag zur gleichen Zeit bei nur etwa 0,5 %. Während derFinanzkrise ab 2007 wurde der Leitzins in Großbritannien mehrfach gesenkt; 2010 lag er nur noch bei etwa 0,5 %. Das Pfund Sterling ist nach dem US-Dollar, Euro und dem Yen die am vierthäufigsten gehandelte Währung der Welt.
Der Wert des Pfundes wurde 1940 in einer Vereinbarung auf 4,03 US-Dollar festgelegt. 1949 musste es aufgrund der starken Entwicklung des Dollar abgewertet werden: Am 19. September 1949 wurde es auf einen Schlag von 4,03 auf 2,80 abgewertet;[82] dann begann dasBretton-Woods-System.
1967 war es noch 2,40 Dollar wert; in den darauffolgenden Jahren legte es wieder an Wert zu. Der Kurs des Dollar stand trotz Bretton Woods wegen der enormen Defizite der USA vor allem durch denVietnamkrieg unter Druck, bis im August 1971 (sieheNixon-Schock) die USA die Goldbindung des Dollar aufhoben.
Im Januar 2009 fiel das Pfund auf ein 23-Jahr-Tief. Am 29. Dezember 2008 war ein Euro 0,9801 Pfund wert, ein historischer Tiefstand gegenüber dem Euro (kurz nach Einführung des Euro als Buchgeld am 1. Januar 1999 erhielt man für einen Euro noch etwa 0,568 Pfund). Auch im Jahr 2009 machte der Tiefstand des britischen Pfundes immer wieder Schlagzeilen.
Jahr
1 €
$1
1998
–
£0,6038
1999
£0,6587
£0,6181
2000
£0,6095
£0,6609
2001
£0,6219
£0,6947
2002
£0,6288
£0,6672
2003
£0,6920
£0,6125
2004
£0,6787
£0,5462
2005
£0,6838
£0,5500
2006
£0,6817
£0,5435
2007
£0,6843
£0,4998
2008
£0,7963
£0,5412
2009
£0,8909
£0,6388
2010
£0,8578
£0,6471
2011
£0,8679
£0,6235
2012
£0,8109
£0,6311
2013
£0,8493
£0,6394
2014
£0,8061
£0,6068
2015
£0,7263
£0,6541
2016
£0,8186
£0,7401
2017
£0,8762
£0,7766
2018
£0,8848
£0,7499
2019
£0,8773
Durchschnittliche historische Jahres-Wechselkurse zu US-Dollar und Euro[83][84]
Der Binnenwert des Pfundes unterlag in der Zeit seiner Existenz zahlreichen Schwankungen, die aber vor allem durch seine Anbindung an Edelmetallwerte (Goldstandard oderSilberstandard) begrenzt wurden. Die Bibliothek des britischen Unterhauses hat hierzu ein Dokument veröffentlicht, welches diese Schwankungen seit 1750 dokumentiert.[85]
Das Dokument besagt, dass zwischen 1750 und 1914 der Wert der Währung, vor allem bedingt durch Ereignisse wie Krieg und Ernteerträge, von Jahr zu Jahr zwar erheblich schwankte, aber im langjährigen Verlauf relativ stabil war. So betrug der Index-Wert des Pfundes 1750 5,1 und erreichte 1813 einen Höhepunkt von 16,3. Die allgemeine Schwankungsbreite war bis 1914, als der Wert 9,8 betrug, zwischen 8,5 und 10,0. 1920 wurde mit 25,3 ein neuer Höhepunkt erreicht, bis Mitte der 1930er fiel er wieder auf 15,8.
1940 betrug der Index 20; seither steigt er an. Die Indizes betrugen beispielsweise 33,0 im Jahr 1950, 49,1 im Jahr 1960, 73,1 im Jahr 1970, 263,7 im Jahr 1980 (= das 3,6fache des Betrages von 1970). 497,5 im Jahr 1990, 671,8 im Jahr 2000 und 757,3 im Jahr 2005.
Umgekehrt proportional zum Index fiel die Kaufkraft eines Pfund-Betrages: 100 Pfund des Jahres 1940 hatten 1950 noch 60,6 % ihrer Kaufkraft, 1960 noch 40,7 %, 1970 noch 27,4 %, 1980 noch 7,58 % (es hatte also 92,4 % seines Wertes verloren). DieDeutsche Mark und derSchweizer Franken waren sehr viel wertstabiler (siehe Tabelle).
Das offizielle Währungskürzel lautetGBP und wird generell verwendet außer bei Aktienkursen für den HandelsplatzLondon Stock Exchange. Diese Kurse werden inGBp (Pence), der 1/100-Einheit angezeigt.
Die größte britische Münze hat einen Nennwert von 15.000 Pfund. Sie besteht aus 15 kg Gold und wurde Anfang 2022 zum 70. Thronjubiläum der Königin von der Royal Mint hergestellt.[86]
Willi Albers (Hrsg.):Handwörterbuch der Wirtschaftswissenschaft. Band 8:Die Terminmärkte bis Wirtschaft der DDR. Fischer, Stuttgart 1980,ISBN 3-525-10257-7.
Peter Czada, Michael Tolksdorf,Alparslan Yenal:Internationale Währungsprobleme. Zur Geschichte, Funktion und Krise des internationalen Währungssystems. Leske + Budrich, Opladen 1988,ISBN 3-8100-0737-4.
Rudolf Kaulla:Rechtsstaat und Währung. W. Kohlhammer Verlag, Stuttgart u. a. 1949.
MONEY! Münzen und Banknoten aus aller Welt. Eine Qualitätssammlung von De Agostini. DeAgostini Deutschland, Hamburg 1997–2000,ZDB-ID 2579955-1.
Alain Naef:An Exchange Rate History of the United Kingdom: 1945–1992. Cambridge University Press, Cambridge 2022,ISBN 978-1-108-83999-0.
Adam Smith:Der Wohlstand der Nationen (=Bibliothek der Wirtschaftsklassiker. 2). FinanzBuch-Verlag, München 2006,ISBN 3-89879-140-8, Erstes Buch, Viertes Kapitel.
↑Handwörterbuch der Wirtschaftswissenschaft. Band 8, Gustav Fischer, Stuttgart und New York / J. C. B. Mohr (Paul Siebeck), Tübingen / Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen und Zürich 1980, S. 542 ff.
↑England: Die nächste Krise? – Mit den Wahlen zum Unterhaus am 10. Oktober will Harold Wilson wenigstens das Parlaments-Patt beenden. Aber diese Wahlen, die zweiten in diesem Jahr, könnten ebensogut zu einem neuen Remis führen und Britanniens Dauerkrise noch weiter verlängern: Englands Wähler, von Apathie, Verzweiflung und Selbstmitleid befallen, trauen den Parteien und ihren Führern nichts mehr zu. In:Spiegel online. 30. September 1974 (spiegel.de).
↑Gustav Schmidt:Großbritanniens Position nach dem Zweiten Weltkrieg. In:Länderbericht Großbritannien.Bundeszentrale für politische Bildung, 1994, S. 7 ff. (oder 2. Aufl. 1997 (Taschenbuch 1999) oder 3. Aufl. 2006)