DiePferdemedizin, auchPferdeheilkunde oderHippiatrie, ist ein Teilgebiet derTiermedizin. Sie beschäftigt sich mit denKrankheiten,Verletzungen und derReproduktionsmedizin vonHauspferden, begleitenderForschung, aber auch mit derPferdehaltung undFütterung.
Tierärzte können sich aufGroßtiere, beziehungsweisePferde spezialisieren.
In Deutschland gibt es denFachtierarzt für Pferde und für Pferdechirurgie, der nach einer mehrjährigen Weiterbildungszeit und einer Prüfung von der jeweiligenTierärztekammer verliehen wird. In Deutschland bietet dieFU Berlin zudem einen berufsbegleitenden Masterstudiengang für Pferdemedizin an.[1]Die deutschen Pferdemediziner haben mit derGesellschaft für Pferdemedizin einen eigenen Fachverband.[2] Auch dieDeutsche Veterinärmedizinische Gesellschaft hat eine eigene FachgruppePferdekrankheiten.[3]
In der Schweiz ist eine dreijährige Facharztausbildung erforderlich, bevor dieGesellschaft Schweizer Tierärztinnen und Tierärzte (GST)[4] den TitelFachtierärztin/Fachtierarzt FVH für Pferde verleiht.[5]
Auf Europäischer Ebene gibt es einDiplomate of the European College of Equine Internal Medicine (ECEIM), also für die Innere Medizin der Pferde.
Der Kriegstheoretiker Publius Flavius Vegetius Renatus verfasste im ausgehenden 4. Jahrhundert ein vor allem die Pferdeheilkunde abhandelnden Lehrbuchs derVeterinärmedizin (Digesta Artis Mulomedicinae), in welcher er von den „Thüringern“ als einer für den Kriegsdienst besonders tauglichen Pferderasse schreibt, stellt zugleich die früheste Erwähnung dieses Namens dar.
Im 5. oder 6. Jahrhundert n. Chr. erschienen dieHippiatrica, eine Sammlung antiker griechischer Schriften zur Pferdeheilkunde.
Der zweiteMerseburger Zauberspruch aus dem 10. Jahrhundert behandelt die Heilung eines Pferdes durch Besprechung. Balders Pferd hat einen verletzten Huf. Darauf folgt der Spruch Wodans: „Bein zu Bein, Blut zu Blut, Glied zu Glied, als ob sie geleimt seien“. Das WortBein bedeutet in diesem ZusammenhangKnochen.
Im Mittelalter war das um 1250 verfasste sechsteiligen Handbuch der PferdeheilkundeHippiatria desJordanus Ruffus, dem Oberhofmarschall Friedrichs II., verbreitet und wurde seit dem 13. Jahrhundert auch in verschiedene Sprachen übersetzt.[6]
DasRossarzneibuch von Meister Albrant ist ein hippiatrischer (= pferdeheilkundlicher) deutschsprachiger Text, der im 13. Jahrhundert am Hof Friedrichs II. entstand. Er gehört zur Fachprosa und beinhaltet eine Auflistung von Rezepten gegen 36 Pferdekrankheiten. Dieses Werk zählt zu den wenigen Texten der älteren deutschen Literatur, die bis in die Neuzeit hinein stark nachwirkten.
Carlo Ruinis WerkDell Anatomia et dell’Infirmità del Cavallo von 1598, enthält zahlreiche Holzschnitte zur Anatomie des Pferdes.
1766 veröffentlichteGeorge Stubbs in LondonThe Anatomy of the Horse ein Buch mit 18 Stichen und einen umfangreichen Kommentar über die Anatomie des Pferdes. Stubbs hatte zwischen 1756 und 1758 das Sezieren von Pferden akribisch Schritt für Schritt dokumentiert. Seine spätere Frau, Mary Spencer, assistierte ihm bei der Arbeit.
Wie bei anderenHaustierarten auch sind regelmäßigeImpfungen (z. B. Tollwut, Tetanus, Influenza, Herpes) durch denTierarzt auch beim Pferd unerlässlich.[7][8]
Pferde undEsel werden vor allem von Fadenwürmern (Nematoden),Saugwürmern (Trematoden) und Bandwürmern (Cestoden) befallen. Zudem können einige andere Insekten, wie beispielsweise Larven derMagendasseln, Pferde befallen. Auch bei Equiden ist ein gewisser Befallsgrad mit Innenparasiten natürlich. ZurEntwurmung von Pferden werden vorwiegend Präparate aus der Wirkstoffgruppe derAvermectine, vor allemIvermectin gegen Rund- und Saugwürmer sowie Magendasseln eingesetzt. Gegen Bandwürmer gibt es den WirkstoffPraziquantel in verschiedenen Kombinationspräparaten. Im Herbst steigt die Anzahl vonMoosmilben auf den Weiden drastisch an, welche als Überträger der Bandwürmer gelten und vom Pferd mitgefressen werden.Entwurmungen sollten bei Pferden bedarfsgerecht durchgeführt werden.[9]
Die Schweizerische Vereinigung für Pferdemedizin bietet eine Weiterbildung für Pferdezahnmedizin an.[10]
Bei manchen Pferden müssen einmal im Jahr die Zähne glatt geschliffen werden. Das Wildpferd frisst den ganzen Tag strukturreiche Nahrung, die die Zähne gleichmäßig abnutzt. Das domestizierte Pferd bekommt Kraftfutter zugefüttert. Es nutzt seine Zähne weniger ab und manchmal auch weniger gleichmäßig. Dadurch können scharfkantige Vorsprünge an den Zähnen entstehen, die dem Pferd beim Kauen Schmerzen bereiten. In diesem Fall kann es das Raufutter nicht mehr gut zermahlen und in der Folge sogar abmagern. Auch kann dasMundstück dem Pferd Unbehagen bereiten, so dass Probleme bei derArbeit entstehen. Dann müssen die Zähne entsprechend abgeschliffen werden. Diese Aufgabe kann in einfachen Fällen derHufschmied, in komplexeren Fällen, bei denen beispielsweisesediert werden muss, übernimmt diese Aufgabe ein Veterinär.[11][12]
Lahmheiten sind Störungen desGangbildes von Pferden. Ursache können Verletzungen oder Krankheiten sein, welche die Extremitäten betreffen.
Als Kolik beiPferden bezeichnet man Schmerzen im Bereich desAbdomens. Die Kolik selbst ist dabei keine Krankheit, sondern nur einKrankheitssymptom, dessen Auftreten viele verschiedene Ursachen haben kann. Das am häufigsten betroffene Organsystem ist derMagen-Darm-Trakt,[13] aber auch Erkrankungen desHarn- und Geschlechtsapparates[14][15] beispielsweiseHarnsteine[16] können Koliksyptome auslösen.
Es gibt eine Reihe typischer Pferdekrankheiten, die in der Pferdemedizin eine Rolle spielen.
In derReproduktionsmedizin kann mit Hilfe vonZyklusdiagnostik kann derDeckzeitpunkt bestimmt werden, dazu kann mit Ultraschall das Stadium derFollikel überprüft werden. Bei derkünstlichen Besamung kann mit Frisch- undGefriersamen besamt werden.Nach demDecken wird meist 16 bis 18 Tagen die erste Untersuchung aufTrächtigkeit mit Hilfe vonUltraschall durchgeführt.[17]
Die Ankaufsuntersuchung beimPferdekauf und -verkauf von Bedeutung. Die Ankaufsuntersuchung findet im Regelfall vor dem Kauf statt, eventuell kann sie auch danach erfolgen, wenn eine Klausel imKaufvertrag dies vorsieht. Dabei wird nach einem bestimmten Untersuchungsmuster vorgegangen und die Gesundheit beurteilt.[18]
Umgangssprachlich wird zwischen einer kleinen und einer großen Ankaufsuntersuchung unterschieden. Während die kleine Ankaufsuntersuchung nur eine allgemeine klinische Untersuchung beinhaltet, kommen bei der großen Ankaufsuntersuchung noch weiterführende Untersuchungen dazu. Die häufigste weiterführende Untersuchung ist hierbei dieröntgenologische Untersuchung.