
Pferdehandel bezeichnet den kommerziellen Kauf und Verkauf vonPferden als Teilbereich desViehhandels, der sich über Jahrtausende als bedeutende Wirtschaftsaktivität entwickelte. Die Handelsformen reichen von direktem Erwerb beimZüchter oderGestüt, über organisierteAuktionen und traditionellePferdemärkte bis hin zu spezialisiertenHandelsbetrieben, wobei moderne Vermarktungsformen wie Online-Auktionen die traditionellen Handelsstrukturen ergänzen. Die Bewertungsschwierigkeiten beim Pferdekauf führten zur Entwicklung rechtlicherGewährleistungsregelungen.
Historisch spielte der Pferdehandel eine zentrale Rolle, weil Pferde den Verkehr von der Antike bis zur Verbreitung derEisenbahn im 19. Jahrhundert und der motorisiertenLandfahrzeuge im frühen 20. Jahrhundert prägten. So gab es interregionale und internationale Handelsnetze, wie etwa dieTee-Pferde-Straße zwischen Tibet und China während derTang-Dynastie oder die indo-afghanischen Handelsrouten des 18. Jahrhunderts. Das Militär war über Jahrhunderte hinweg ein Hauptabnehmer von Pferden. Allein imZweiten Weltkrieg wurden mehrere Millionen Pferde eingesetzt. Mit derMechanisierung des Militärs, desTransportwesens – auch auf kurzen Strecken – und derLandwirtschaft im 20. Jahrhundert wandelte sich der Pferdehandel in der westlichen Welt vom Markt fürArbeitspferde zum Markt fürFreizeit- undSportpferde.
Imrömischen Recht galten Pferde, wie andere Zugtiere auch, alsRes mancipi, für die beimKauf besondere Regeln galten.[1][2][3]
Das Pferd war in Europa das wertvollste landwirtschaftliche Tier und besaß einen vielfach höheren Wert als eine Kuh.[4] Beim Pferdehandel stand viel auf dem Spiel. Streitigkeiten im Zusammenhang mit dem Pferdehandel führten zu Rechtsvorschriften.[5] So beschreibt beispielsweise das zwischen dem 6. und 8. Jahrhundert entstandeneLex Baiuvariorum im 16. Kapitel „De Venditionibus“ („Von Verkäufen“) Mängel beim Pferdehandel, die eineGewährleistung begründeten.[6] In Norwegen wurde im 13. Jahrhundert imFrostathingslov die Gewährleistung beim Pferdekauf festgelegt.[7][8][9]
In seinem 1578 erstmals erschienenen Werk „Von der Gestüterey“ rätMarkus Fugger im 24. KapitelVon den Gebrechlichkeiten und Mangel der Roß/ auch was daran zubetrachten/ so mans kauffen will dazu,[10] das Pferd vor dem Kauf genau zu begutachten und sich einen Gesamteindruck zu verschaffen. Man sollte sich die Gliedmaßen und den Kopf genau anschauen, auf Auffälligkeiten in der Bewegung und bei Belastung unter dem Reiter achten, selbst Probe reiten, das Fressverhalten beobachten und auf Hinweise für Rosstäuscherei achten.[5]Rosstäuscherei war ein bekanntes Problem, wie dasZedlers Universallexikon von 1742 erläutert.[11] Daraus leitet sich beispielsweise auch der englische Begriff „horse trading“ ab, der im metaphorischen Sinn ein zwielichtiges Geschäft meint, ähnlich dem deutschen „Kuhhandel“.
Das Alter eines Pferdes lässt sich beim Pferdekauf anhand derZähne bestimmen.[11] Daraus entstand das Sprichwort „Einem geschenkten Gaul schaut man nicht ins Maul“, das in vielen Sprachen existiert, beispielsweise aufKatalanisch: „a cavall regalat no li miris el dentat“[12] oder Latein „Equi dentes inspicere donati“.[13]

In den deutschsprachigen Ländern gab es zahlreiche jüdische Pferdehändler. Für den Handel brauchten Jüdinnen undJuden keinenZunftnachweis. Sie hatten viele Handelsbeziehungen und oft genügend Geld, um ihn zu betreiben.[14] Der Handel mit Pferden war eine der wenigen beruflichen Möglichkeiten für Juden. Häufig übten jüdische Familien eine Kombination von Tätigkeiten aus, zum Beispiel Viehhandel, Schlachten sowie Ausleihen kleiner Geldbeträge in Erwartung künftiger Ernten. Sie leisteten damit einen wichtigen Dienst für die Landbevölkerung, deren Einkommen von den Erntezyklen abhing.[15] Sie unterlagen aber oft zusätzlichen Zöllen.[16]
Der Pferdehandel wurde in verschiedenen Regionen, beispielsweise in derMarkgrafschaft Brandenburg-Ansbach von jüdischen Pferdehändlern dominiert.[17][18] Nach demDreißigjährigen Krieg mussten die Markgrafen von Brandenburg-Ansbach ihr zerstörtes Land wieder aufbauen. Um die Wirtschaft zu beleben, führten sie klare Handelsregeln in einem zuverlässigen Rechtssystem ein. Zu diesem Zweck ließen die Markgrafen von Brandenburg-Ansbach reiche Juden in ihrem Gebiet leben. Diese sollten den Handel fördern und einePferdegebühr an die Markgrafen zahlen. Juden erhielten im Fürstentum Ansbach das Recht, sich niederzulassen und frei zu reisen. Sie waren geschützt, konnten Grundstücke kaufen und ihre eigenen Angelegenheiten selbst regeln. Im Jahr 1791 hatte das Fürstentum Ansbach etwa 350.000 Einwohner, von denen etwa drei Prozent Juden waren.[15]
Mitte des achtzehnten Jahrhunderts lebte die Mehrheit der jüdischen Bevölkerung des deutschsprachigen Raums in ländlichen Gebieten (mit Ausnahme von jüdischen Gemeinden z. B. in Frankfurt am Main, Worms und Prag), meist in kleinen Familiengruppen innerhalb der christlichen Bevölkerung. Mit wenigen Ausnahmen durften sich Juden nach einer Vertreibungswelle im fünfzehnten und sechzehnten Jahrhundert in den meisten deutschen Städten noch nicht wieder niederlassen.[15] Juden zahlten Steuern und waren wichtig für die Wirtschaft. Es gab Kontakte zwischen Juden und Nicht-Juden. Ein Sprachführer belegt, dass es Juden in der Region gab undihre Sprache bekannt war. Man interessierte sich für jüdische Bräuche und wollte wissen, wie Juden Christen sahen.[15]
Ab dem 17. Jahrhundert waren vieleJuden in der Schweiz im Viehhandel tätig. Sie handelten auch im Elsass, in Schwaben und Vorarlberg und mussten gegen diskriminierende Maßnahmen kämpfen. So hatten sie bis ins 19. Jahrhundert kein Niederlassungsrecht und mussten oft Sonderzölle bezahlen, um Zugang zum Markt zu erhalten.[19][20][21][22]
Jüdische Vieh- und Pferdehändler wurden imDritten Reichdenunziert und verdrängt.[23][24][25][26][27] Deutsche Bauern, die mit ihnen Geschäfte machten, wurden oft boykottiert.[28]

Die norwegische Volkszählung von 1900[29] listet rund 240 professionelle Pferdehändler auf.In Westnorwegen wurden Pferde gezüchtet und nach Ostnorwegen und Schweden verkauft. In Westnorwegen war es aufgrund geeigneter Weideflächen günstiger, Pferde zu züchten als im Osten. Dort war dagegen der Bedarf an Arbeitspferden fürForstwirtschaft,Landwirtschaft undVerkehr groß, die Pferdezucht hingegen weniger rentabel.[30]
Für ihre Pferdezucht waren vor allem die ProvinzenSogn og Fjordane sowieMøre og Romsdal bekannt. Junge Pferde wurden meist vierjährig von Pferdehändlern aufgekauft und nach Osten gebracht.
Die Pferdehändler lebten meist in Westnorwegen, zwischen den Pferdezuchtdörfern und den Märkten in Ostnorwegen und mussten über etwas Kapital verfügen. Im Frühjahr machten sie eine Runde und kauften junge Pferde, die Pferde wurden abgeholt und verbrachten den Sommer auf den Weiden im Hochgebirge, bevor sie auf den Markt gebracht oder unterwegs verkauft wurden. Pferde ausVestland, die im Herbst auf demKongsberg-Markt oder inRauland verkauft werden sollten, weideten oft über den Sommer auf derHardangervidda. Einige Pferde wurden bis nach Schweden und nach Nordnorwegen zum Verkauf gebracht. Bis zum Ende des 20. Jahrhunderts wurden Pferde vonLærdal undNordfjord über die Berge zu den Märkten in Ostnorwegen getrieben.[31] Auf dem Grundset-Markt und dem Markt vonLevanger wurden viele Pferde über die Landesgrenze gehandelt.[32]
Es gab Pferdemärkte inOslo, ab 1640 inKristiania und ab 1736 in Stortorvet, bis in die 1960er Jahre. In Kristiania standen auf dem Pferdemarkt vom Februar 1885 500 Pferde zum Verkauf. 1940 gab es in Norwegen 17 Pferdemärkte und 42 Pferderennen. 1940 fand der Pferdemarkt in Levanger zweimal statt. Die wertvollsten Pferde wurden in Zeitungsannoncen beworben.[33]
ImAllgemeinen Landrecht für die Preußischen Staaten von 1794 befasst sich § 205 mit denGewährsmängeln bei Pferden: „Eine gleiche Vermuthung gilt von Pferden, bey welchen sichDämpfigkeit, Herzschlägigkeit,[34][35] Kaude, wahre Stätigkeit („Pertinacia“),[36]schwarzer Staar,Mondblindheit undRotz innerhalb Vier Wochen nach der Uebergabe hervorthun.“
Auch dieKaiserlichen Verordnung betreffend die Hauptmängel und Gewährfristen beim Viehhandel vom 27. März 1899 und dasBGB schreiben Gewährsmängel zum Schutz der Käufer und Verkäufer fest.[37] Wenn sich ein Gewährsmangel innerhalb von 14 Tagen nach dem Kauf zeigte, konnte der Käufer Rückabwicklung des Kaufes verlangen.
Mit dem Aufkommen der Eisenbahn im 20. Jahrhundert wurde es möglich, Vieh und damit auch Pferde über weite Strecken zu transportieren, und der Handel nahm Aufschwung.[38] In den 1880er Jahren war Deutschland ein großer Pferdeimporteur. In geringerem Maße importierten auch die Vereinigten Staaten. Russland war ein großer Exporteur, während Frankreich und Österreich-Ungarn in kleinem Maßstab Pferde exportierten.[39]
Um 1900 fand der Zuchtpferdehandel hauptsächlich in Handelsställen statt und nicht mehr auf öffentlichen Märkten. Es wurde meistens mitHengsten, seltener mitStuten gehandelt. Es gab Bestrebungen, den Zuchtbestand zu verbessern und Zuchthengste mussten aus den Zuchtgebieten beschafft werden, die in der jeweiligen Zuchtrichtung führend waren. Dazu bedurfte es der Vermittlung von Händlern, welche die Züchter in den Ursprungsgebieten kannten. Es gab einen lebhaften inländischen Handel mit Zuchtpferden vonOst- undWestpreußen,Mecklenburg,Schleswig-Holstein,Hannover undOldenburg nach den übrigen Landesteilen. Nachdem die Einfuhr von holländischen Zuchttieren verboten wurde, beschränkte sich der deutsche Zuchttierhandel zu dieser Zeit im Wesentlichen auf das Inland. Nur eine kleine Zahl von Hengsten wurde aus England eingeführt, außerdem gab es Handel mit Amerika, Österreich-Ungarn und Belgien.[40]
Im Gebrauchspferdehandel in Deutschland um 1900 versorgte vor allemOstpreußen Deutschland mit Reit- und leichten Wagenpferden. Insbesondere die Armee erhielt leistungsfähigeTrakehner.Oldenburg, Mecklenburg, Hannover und Schleswig-Holstein lieferten edle und schwerereWagenpferde,Posen ein weniger edles Zugpferd und derWesten undSüden dasKaltblut.[40]
Nach dem Zweiten Weltkrieg erlebte der Handel mit Arbeitspferden aufgrund des kriegsbedingten Mangel an Maschinen einen kurzen Aufschwung, wurde dann aber schnell durch die Motorisierung verdrängt.[41][42][43][44]
Der Pferdehandel bot zahlreichenRoma, insbesondere denLovara eine Einkommensquelle.[45][46]

Ende des 19. Jahrhunderts verfügte dasRussland über einen hohen Pferdebestand von etwa 22 Millionen Tieren, was einem Verhältnis von etwa 1 Pferd auf 4 Menschen entsprach. Damit besaß Russland deutlich mehr Pferde pro Kopf alsÖsterreich-Ungarn undPreußen, wo das Verhältnis nur bei etwa 1 Pferd auf 10 Menschen lag.[47][48.1] Im bedeutenden russischen Binnenhandel wurden jährlich etwa 500.000 Pferde auf rund 600 Pferdemärkten zwischen den pferdezuchtgeprägten Regionen im Südosten und dem Nordwesten gehandelt.[48.1] Für die Kavallerie-Remonte und die Artillerie benötigte Russland jährlich über 8.000 Pferde.[48.2] Der Export machte mit jährlich rund 40.000 Pferden nur etwa 0,2 % des Gesamtbestands aus. Die Hauptabnehmer waren Deutschland (30.000), Großbritannien (4.000) und Rumelien (3.000). Damit spielte der Export im Vergleich zum Binnenhandel eine untergeordnete Rolle.[48.1]
Kirgisen- undBaschkirenpferde[49] wurden vor allem inOrenburg, imGouvernement Samara und derUralregion sowie für dasKosakenheer gehandelt.Kalmückenpferde[49] wurden vor allem in den GouvernementsAstrachan,Saratow und imDongebiet gehandelt.[48.3]Kabardiner und Pferde aus demSchwarzmeergebiet sowie demKaukasus gelangten in großen Mengen in die GouvernementsTaurien,Cherson,Jekaterinoslaw,Poltawa undKiew.Don-Pferde wurden im gesamten südwestlichen Russland sowie bis nachBessarabien, Polen, Österreich, Preußen und auf demBalkan gehandelt.[48.4]
Zentren der Zucht und des Handels waren Ende des 19. Jahrhunderts die GouvernementsWoronesch,Tambow,Saratow,Kursk undOrel. Reitpferde aus demGouvernement Podolien waren für dieGarde bestimmt. Die Handelsströme verliefen von Süden nach Norden, wobei die Reichweite durch den Preis begrenzt war. Aufgrund der Transportkosten blieben preiswerte Kirgisenpferde meist im Wolgagebiet, während hochwertige kaukasische und Donpferde[49] landesweiten sowie internationalen Absatz fanden.[48.5]
Auch in den sechs russischen StaatsgestütenChrenowoje (heutiges Russland),[48.5]Janów Podlaski (heutiges Polen) undNowo-Alexandrowo,Streletzki,[50]Limarewo sowieDerkul (alle heutige Ukraine) konnten Pferde erworben werden. Während derRennen in Moskau befand sich im Nationalgestüt Derkul eine Verkaufsstelle für Englische Vollblüter. Die Staatsgestüte besaßen außerdem zwei Auktionsanstalten: den Moskauer und den St. Petersburger Auktionsstall.[48.6]

Im 18. Jahrhundert hatteIndien einen enormen Pferdebedarf,[51] weshalb es Teil eines blühenden Handelssystems war, das von den Hochburgen der Pferdezucht inZentralasien bis zumMittleren Osten reichte.[52] In den 1770er Jahren wurde der jährliche Pferdeimport aus demIran undTurkestan nach Indien auf 45.000–50.000 Tiere geschätzt, was etwa 20 Millionen Rupien entsprach – dem Dreifachen der damaligen Exporte Bengalens nach Europa. Dieses Volumen wurde vermutlich nur in Ausnahmejahren mit hohen Verlusten durch Epidemien oder Kriege erreicht; realistischer gilt ein Durchschnitt von 16 Millionen Rupien. Der Pferdehandel war für Indien bedeutender als der Handel mit Europa.[52]

Der Großteil der Pferde wurde vonHirtennomaden derkasachischen Steppe im SüdenRusslands, derturkmenischen Steppe östlich desKaspischen Meeres und imafghanischenTurkestan gezüchtet. Indien war der wichtigste Absatzmarkt, wo vor allem Kriegspferde gefragt waren.[53]Darunter waren vieleTurkmenen, aus dem Gebiet nördlich desHindukusch umBalch und weiter unten an dem FlussAmudarja sowie aus der Nähe vonAndchoi undMaimana.Im Sommer wurden die Pferde von afghanischen Händlern, entweder direkt, oder über Mittelsmänner auf den Märkten vonBalch,Buchara undHerat, oder direkt von den züchtenden Nomaden erworben. AuchKarakol war ein Handelsplatz.[54] Die Pferde wurden in einer schlechter Verfassung zu etwa einem Viertel ihres Wertes gekauft. Dann wurden sie für ein bis zwei Monate auf den weiter südlich gelegenen, fettenWeiden umKabul undKandahar aufgefüttert. Im Oktober und November schlossen sich die Händler denKarawanen der Handel treibendenPowindah-Nomaden an.[55]
Auf dem Weg verkauften die Händler Tiere auf lokalen Märkten und erwarben neue Tiere ausRajasthan, demPunjab undRohilkhand. So wurden die regionalen Zuchten in den Fernhandel mit Zentralasien integriert. Für die einheimischen Zuchten vonSindh undGujarat waren Balotra im Mai undPushkar im November wichtige Märkte. Pushkar war der wichtigste Markt in Rajasthan, zu dem alljährlich rund 5.000 Pferde gebracht wurden.Die Märkte fanden alle im Herbst, bei Ankunft der Pferde, oder im Frühling, am Ende der Weidesaison, statt, damit die Händler sie ohne großen Zeitverlust besuchen konnten. So folgte beispielsweise 18 Tage nach dem großen Markt von Pushkar der Markt von Ummedganj in der 300 km nordwestlich gelegenenMalwa, der denHof von Kota mit Pferden versorgte. Die Händler versorgten ihre Kundschaft auch mit Neuigkeiten undPost. Um die Wende des 18. Jahrhunderts mussten sie etwas mehr als 10 % des Verkaufspreises, den die Pferde erzielten, als Wegegeld bezahlen.[52]
Land- und Seeweg ergänzten sich und boten bei Unruhen Ausweichmöglichkeiten. Bis 1700 kamen zahlreiche Pferde ausFars, demIrak oderArabien per See nachZentralasien. Im 18. Jahrhundert wurde der Handel über denPersischen Golf eingeschränkt, sodass die meisten Pferde nun nicht mehr aus demMittleren Osten, sondern ausPorbandar und anderen Häfen inKathiawar importiert wurden.
Im 19. Jahrhundert wuchs der Pferdehandel aus demIran nach Indien, um diebritische Armee zu versorgen. Die Regierung kaufte Pferde im nördlich gelegenen Porbandar, verschiffte sie nachBombay und weiter entlang der Westküste bis nach Süden bisMangalore undKochi, von wo sie über Land nachMadras transportiert wurden. Auch die südlichen Überlandrouten führten in die Gegend von Madras undArcot. Gegen Ende des 19. Jahrhunderts gewannen die Märkte im nördlichenDekkan an Bedeutung, während südliche Märkte wieTirupati wegen politischer Instabilität an Einfluss verloren.[57]
Bevor inKuwaitErdöl entdeckt wurde, drehte sich der Handel zwischen Indien und Kuwait vorwiegend umDatteln und Rassepferde. Kuwaitische Seeleute wickelten den Handel zwischen demSchatt al-Arab und den westlichen Häfen Indiens ab und brachten die Waren nach Indien. Der Pferdehandel endete 1945 nach dem Zweiten Weltkrieg. Danach veränderten die Kuwaitis ihre Handelsgewohnheiten und begannen in Indien mit Perlen zu handeln und nahmen im GegenzugTeakholz für denSchiffsbau mit.[58]

Während derTang-Dynastie (618–907) entstand die Tee-Pferde-Straße, ein Handelsweg zwischenLhasa inTibet und den südchinesischen ProvinzenYunnan undSichuan. Dort wurdeZiegeltee aus Yunnan gegen Pferde aus Tibet getauscht, ein Kriegspferd hatte den Gegenwert von 20 bis 60 kg Tee. In derSong-Zeit erreichte der Handel mit bis zu 2000 Händlern täglich und bis zu 7.500 Tonnen Tee jährlich seinen Höhepunkt.[59] Unter derYuan-Dynastie ging der Handel zurück, erholte sich unter derMing-Dynastie und wurde zunehmend reglementiert. 1735 verboten die Mandschu-Herrscher derQing-Dynastie den Pferdeimport.[60][59] Hauptgüter warenTee aus China, tibetische Pferde für militärischen Gebrauch, Salz aus China sowie Seide und Opium. Die Straße bestand überwiegend ausSaumpfaden. Die nördlichen Routen führten vonChengdu undDali nachMarkam (Tibet), dann südlich desSaluen-Flusses nach Lhasa und weiter überGyangzê, den PassNathu La,Sikkim bisKalkutta. Die Entfernung betrug etwa 2000 km bis Lhasa und 3000 km bis Kalkutta. Die Tee-Pferde-Straße kreuzte mehrere große Flüsse und führte über mehr als 4.000 Meter hohe Gebirgspässe, die acht Monate pro Jahr wegen Schnee unpassierbar waren.[60]

Das Militär war ein wichtiger Abnehmer von Pferden. So waren beispielsweise rund 14 bis 20 MillionenPferde am Ersten Weltkrieg beteiligt, 1,5 Millionen davon auf deutscher Seite.[61][62] DerZweite Weltkrieg war der größte Pferdekrieg der Geschichte. Während des Zweiten Weltkriegs wurden auf deutscher Seite rund 2,75 Millionen Pferde gebraucht. Die Sowjetunion schickte etwa eine Million mehr in den Kampf.[63][64]
Für die Deckung des Pferdebedarfs des Militärs dienten unter anderem dieHaupt- undLandgestüte in Deutschland, dieStaatspferdezuchtanstalten in Österreich, dieHaras Nationaux in Frankreich, dieNationalgestüte in Polen und Kroatien oder das Yeguada Militar de Jerez de la Frontera in Spanien. DasHauptgestüt Trakehnen versorgte beispielsweise die preußische Kavallerie jahrhundertelang mit Pferden.[65][66]
DiePferdeausfuhr war ein im 19. und frühen 20. Jahrhundert etablierter Begriff derPolitik. Weil Pferde bedeutend für den Transport von Soldaten und Kanonen waren, galt die Pferdeausfuhr alsWaffenexport und wurde vielfach eingeschränkt.[67][68]
Es wurden Kriege geführt, um an Pferde zu gelangen, beispielsweise derKrieg der Himmlischen Pferde, von 104 bis 101 v. Chr., einer militärischen Auseinandersetzung zwischen der chinesischenHan-Dynastie und dem Volk derDayuan.[69] Der chinesische KaiserWu von Han hörte von den großen und starken Pferden(Himmlischen Pferden) der Dayuan imFerghanatal, die sich gut als Kriegspferde eignen. Er entsandte eine Handelsmission mit dem Auftrag, solche Pferde zu erwerben, die jedoch scheiterte. Daraufhin veranlasste Kaiser Wu von Han zwei Feldzüge gegen die Dayuan. Nach ihrer Niederlage traten die Dayuan 3000 Pferde an die Han ab. Mit diesen Pferden verstärkten die Han ihre Kavallerie und konnten so dieXiongnu im Han-Xiongnu-Krieg besiegen.[70][71] Die Pferdezucht im Ferghanatal ist weiterhin auf einen hohen Niveau und China importiert die begehrten Ferghanas.[72]
Heute wird beim Pferdekauf einKaufvertrag und eineAnkaufsuntersuchung empfohlen. Der traditionelle Pferdekauf perHandschlag ist anfällig für Missverständnisse.[73] Seit 2002 ist der Tierkauf in Deutschland dem Kauf sonstiger beweglicher Sachen gleichgestellt,[74] ähnlich ist es in Österreich.[75] In der Schweiz ist der Pferdekauf dem Viehhandel gleichgestellt.[76]
Junge Pferde werden meistens alsAbsetzer,Jährling oder Dreijährige verkauft. Während Dreijährige häufig noch nichteingeritten sind, ist dies bei Vierjährigen meistens schon der Fall. Die Eignung eines Pferdes für eine bestimmte Aufgabe wird vonRasse,Abstammung,Gebäude,Interieur,Alter, Geschlecht,Gesundheit, eventuellen Untugenden, wieWeben,Koppen,Headshaking oder positiven Eigenschaften wieVerkehrssicherheit,verladefromm,schmiedefromm,Trächtigkeit[77] bei einer Zuchtstute oderSchussfestigkeit[78] bei einemPolizeipferd beeinflusst.Weitere Faktoren sind die Qualität derGrundgangarten, die Veranlagung zumSpringen, Schnelligkeit, besondere Zuverlässigkeit fürTherapiepferde oderFahrpferde,Ausdauer oder große Kraft bei Arbeitspferden. Von Bedeutung ist derAusbildungsstand des Pferdes und seine Herkunft, Aufzucht beziehungsweise seine Vorgeschichte, beispielsweise ob das Pferd aus einemSchulbetrieb, aus demSport, von derRennbahn kommt, kürzlich importiert worden ist, häufig den Besitzer gewechselt hat und wie es bisher gehalten wurde (Hufbeschlag,Fütterung,Schur,Eindecken,Offenstall).[79]
Die Preisgestaltung hängt von mehreren Faktoren ab. Der Preis für ein dreijähriges Pferd beinhaltet die Haltung des Jungpferdes über drei Jahre, die Haltung derMutterstute über mindestens ein Jahr, dieDecktaxe und weitere Nebenkosten wieSchmied,Tierarzt, Eintragungen imStutbuch,Zuchtschauen sowie Vermarktungskosten. Die Kosten für 4 JahrePferdehaltung bedingen, dass ein verantwortungsvoll gezogenes Jungpferd eine erhebliche Summe kostet, auch wenn es sich um ein normales Freizeitpferd, wie beispielsweise einenFreiberger handelt.[80] Bei Vierjährigen kommen die Kosten für ein zusätzliches Jahr Reitpferdehaltung und Pferdeausbildung hinzu.
Käufer, welche die Kosten für eine verantwortungsvolle Zucht scheuen, suchen oftmals nach günstigen Angeboten, die nicht immer seriös sind,[81] oder sehen sich auf dem Markt fürSchlachtpferde um. Es gibt Organisationen, die angeblich Schlachtpferde retten, diese aber zu einem Preis über dem eigentlichen Schlachtpreis verkaufen und so Gewinn erzielen.[82] Ehemalige Schlachtpferde sind häufigkrank und deshalb unreitbar, stammen nicht aus einer verantwortungsvollen Zucht, sind schlecht ausgebildet oder sind schlecht gehalten worden.[83] Manchmal werden ehemalige Sportpferde, die mit Schutzvertrag als Beistellpferd oderZuchtstute abgegeben wurden, entgegen der Vereinbarung an einenSchlachthof[84] oder als Reitpferd verkauft.[85][86]
ImRennsport werden jedes Jahr zahlreicheVollblüter ausgemustert, weil sie ihren Leistungshöhepunkt überschritten haben oder nicht erfolgreich genug waren, und sie sind meist vergleichsweise preisgünstig. Dabei ist jedoch zu bedenken, dass diese Pferde eine gründlicheAusbildung benötigen und dass Vollblüter in der Regel temperamentvoller als Warmblüter sind und nicht für alle Freizeitreiter geeignet sind.[87]
Der Import und Export von Pferden ist aufwendig, da Transportkosten für die lebende Fracht,[88] komplexe Ein- und Ausfuhrbestimmungen[89] sowie die Verzollung[90] anfallen.[91] Manche Länder untersagen den Export von Pferden vollständig, wie etwa dieFäröer.[92] Andere Staaten wie dieSchweiz regeln die Einfuhr über Kontingente.[93]Island verbietet wiederum aus Seuchenschutzgründen den Import von Pferden und gebrauchter Pferdeausrüstung vollständig.[94][95] Zudem behindern gesundheitliche Aspekte den Handel; so entwickelnIsländer häufig einSommerekzem, wenn sie aus ihremnordischen Ursprungsland ingemäßigten Breiten überführt werden.[96] Bei wertvollen Sport- oderRennpferden fallen diese Kosten weniger ins Gewicht. Auch Durchschnittspferde werden international gehandelt. Gründe dafür sind die niedrigeren Aufzuchtkosten in Süd- oder Osteuropa sowie der Kundenwunsch, ein Rassepferd aus dem Ursprungsland zu erwerben, beispielsweise einen Isländer oder einen Original-Araber.
Mit rund 6,4 Millionen Tieren hatteMexiko 2023 die weltweit größte Pferdepopulation vor denVereinigten Staaten.[97] In Mexiko werden bei Auktionen Spitzenpreise von 320.000 USD für Sportpferde erzielt.[98] China war im Jahr 2023 mit 700 Millionen US-Dollar der größte Pferdeexporteur. Insbesondere wurden Rennpferde vonChina nachHonkong exportiert.Irland, das zahlreiche Renn- und Sportpferde exportiert, lag mit 600 Millionen US-Dollar an zweiter Stelle.[99][100] Der größte Importeur warHongkong mit 870 Millionen US-Dollar, darunter zahlreiche Rennpferde,[101][100] gefolgt von den Vereinigten Staaten mit 700 Millionen US-Dollar.[102] Mit knapp 600 Pferden war Deutschland 2024 der größte Abnehmer isländischer Pferde.[103]
Das Geschäftsmodell von Ausbildungs- und Handelsställen besteht darin, junge Pferde zu kaufen, auszubilden, auf ersten Turnieren vorzustellen und anschließend zu verkaufen. Andererseits gibt esPferdehändler mit Verkaufsställen, bei denen die Verkaufspferde nur relativ kurze Zeit verbleiben.
Beim Einkauf und beim Verkauf von Pferden sind unterschiedliche Fähigkeiten gefragt. So muss ein Einkäufer Pferde sehr gut beurteilen können und ihren Wert einschätzen können. Beim Verkauf ist es dagegen wichtig zu erkennen, welcher Käufer zu welchem Pferd passt, und zu überzeugen.[104]
In der Schweiz benötigen Pferdehändler ein Pferdehandelspatent, das zum Pferdehandel in der ganzen Schweiz berechtigt und alle drei Jahre erneuert werden muss. Voraussetzung dafür ist der Besuch von Fortbildungen. Dabei wird zwischen gewerbsmäßigem Pferdehandel und dem normalen Bestandswechsel unterschieden.[105]


Zahlreiche Pferde werden über Auktionen verkauft. Ein Beispiel sind dieDülmener Wildpferde vomMerfelder Bruch.[106]
VieleZuchtverbände unterstützen ihre Züchter beim Verkauf der Nachzucht. So veranstalten deutscheLandgestüte Auktionen für junge Pferde ihres Zuchtverbandes. DasHaupt- und Landgestüt Marbach veranstaltet beispielsweise im Anschluss an dieHengstleistungsprüfung im Frühjahr eine Auktion, bei der junge Pferde aus derLandeszucht und die weniger erfolgreichen Teilnehmer der Hengstleistungsprüfung verkauft werden.[107] ImBrandenburgischen Haupt- und Landgestüt Neustadt/Dosse wird dieKörung im Herbst bei einer Veranstaltung mit NamenSchaufenster der Besten durchgeführt. Im Anschluss an dieKörung findet eine Hengstauktion statt.[108] ImLandgestüt Moritzburg gibt es eine Verkaufspferdewoche für junge Pferde der RasseDeutsches Sportpferd.[109]
Die Pferdezuchtverbände organisieren zahlreiche Auktionen,[110] beispielsweise dasWestfälische Pferdestammbuch,[111] dieVerdenerAuktion, bei derHannoveraner verkauft werden[112] und die Auktionen desOldenburger Pferdezuchtverbands inVechta.[113]
Es gibt auch private Auktionen, wie die internationale Sportpferde-AuktionPSI Sales inAnkum[114] und die PS-Online-Auktionen, bei denen Junge Springpferde, Dressurpferde, Hengste und Fohlen verkauft werden, darunter auch Pferde vomGestüt Lewitz.[115] Es gibt auch Hybrid-Auktionen, bei denen sowohl vor Ort, als auch Online geboten werden kann.[116][117]
In der Schweiz organisiert der Zuchtverband CH-Sportpferde (ZVCH) zusammen mit regionalen Veranstaltern dezentrale Verkaufsschauen für eingetrageneSchweizer Sportpferde und beteiligt sich an der Organisation von Fohlenauktionen.[118] Der Verein Schweizer Sportpferd (VSS) organisierte 2020 aufgrund derCOVID-19-Pandemie seine erste Online-Fohlenauktion.[119] Der Schweizerische Freibergerverband bietet einen Online-Verkaufsservice fürFreiberger an.[120]
In Österreich veranstaltet derFohlenhof Ebbs in Tirol alljährlich im Herbst eine Fohlenauktion fürHaflinger.[121] Auch gibt es von der Zentralen Arbeitsgemeinschaft Österreichischer Pferdezüchter (ZAP) ein Online-Verkaufspferdeportal für in Österreich eingetragene Zuchtpferde.[122]
Im Rahmen desWinter Equestrian Festival inFlorida findet seit 2021 alljährlich eine Sportpferdauktion statt. Dort kann jeweils auf rund ein Dutzend Pferde des niederländischenKWPN Gestüts VDL Stud aus Beers (Friesland) geboten werden. 2023 wurden 14 Pferde für 2,6 Mio. $ verkauft, was einem Durchschnittspreis von rund 190 000 $ entspricht.[123]
Für denRennsport werden viele Vollblüter bereits alsJährlinge über Auktionen verkauft.[124] Um diese Handelsplätze weltweit zu koordinieren, gründete sich im Jahr 1983 die Society of International Thoroughbred Auctioneers (SITA) als internationaler Verband der Auktionshäuser.[125] In Deutschland vermarktet dieBaden-Badener Auktionsgesellschaft beispielsweise die meisten Vollblüter über die BBAG-Sales-Auktion.[126] Rekordpreise bei Auktionen sorgen oft für Schlagzeilen, spiegeln aber nicht unbedingt den zukünftigen Erfolg der Tiere wider.[127] Neben den klassischen Auktionen dienen zudemVerkaufsrennen als Plattform, bei denen die Pferde direkt aus dem Wettbewerb heraus verkauft werden.[128]


In Deutschland leben rund 480 000 Pferde.[97] In allen Orten mitMarktrecht, denMarktgemeinden, gab es Märkte. Viele davon waren Pferdemärkte, derenPlätze, Bauwerke oder Veranstaltungen in einigen Orten noch erhalten sind. Vieh- und Pferdemarktplätze waren Spezialmärkte, die bei größeren Städten meist etwas außerhalb lagen.
DerGerhart-Hauptmann-Platz ist der ehemaligePferdemarkt in derHamburgerAltstadt. Hier gab es vom Mittelalter bis zum 17. Jahrhundert Pferdemärkte. Dann wurde der Pferdehandel auf denNeuen Pferdemarkt verlegt.
Beim fünftägigenBrokser Heiratsmarkt inBruchhausen-Vilsen imLandkreis Diepholz findet immer am letzten Markttag, dem letzten Dienstag im August der Pferdemarkt statt.[129]
InSoest ist der Pferdemarkt bei derAllerheiligenkirmes am Donnerstag.[130] Der Pferdemarkt derCranger Kirmes findet am Donnerstag vor der Kirmes statt.[131]
BeimLukasmarkt inMayen imrheinland-pfälzischenLandkreis Mayen-Koblenz findet der Pferdemarkt dienstags auf dem Viehmarktplatz in der Polcher Straße statt. Das Programm zeigt einen Überblick über die Pferdewelt.[132]
DenHeilbronner Pferdemarkt gibt es seit 1770.[44] DieAlte Reithalle inStuttgart ist ein bedeutendes Denkmal der Stahlarchitektur des 19. Jahrhunderts, das für den städtischen Pferdemarkt gebaut wurde.
BeimLeonberger Pferdemarkt gibt es Seminare fürTherapeutisches Reiten undReitlehrer, eineHippologische Fachtagung mit prominenten Referenten aus dem Pferdesport und ein Schaureiten der Reitvereine im Reiterzentrum. Im alten Reiterstadion wird für Kleinpferde eine Prämierung mit Showprogramm und einGespannwettbewerb durchgeführt. Am Dienstagmorgen findet auf dem Marktplatz der traditionelle Pferdehandel statt. Später werden im Reiterstadion die Großpferde prämiert und ein Gespannwettbewerb ausgetragen. Höhepunkt ist der große Festumzug am Nachmittag mit circa 100 Wagen und Gruppen.
DerFohlenmarkt inSinsheim wird jährlich eine Woche vor Pfingsten abgehalten. Der Markt beginnt anChristi Himmelfahrt und dauert fünf Tage. Im Umfeld des Fohlenmarktes finden Reitturniere und Verbandspferdeschauen statt. In jüngerer Zeit gab es wieder ein stärkeres Angebot an Pferden, nun jedoch weniger kaltblütige Arbeitspferde, sondern überwiegendWürttemberger Reitpferde. DerMathaisemarkt ist ein traditionsreichesFrühlingsfest inSchriesheim beiHeidelberg. Die um 1960 abgebrochene Tradition eines Pferdemarktes wurde in den 1980er Jahren wieder aufgenommen.[133] BeimMannheimer Maimarkt werden keine Pferde mehr gehandelt. Jedoch findet seit 1964 das inzwischen international ausgeschriebeneMaimarkt-Turnier statt. DerKalte Markt inEllwangen, ist zwar aus einem Pferdemarkt entstanden, es werden jedoch keine Pferde mehr gehandelt, aber es finden heute unter anderem eine Pferdeprämierung, ein Reitumzug und eine Reitsport-Verkaufsmesse statt.
DerMünchner Pferdemarkt fand ab 1883 auf dem Areal oder in der Nachbarschaft desSchlacht- und Viehhof München statt und wurde ursprünglich zwei Mal wöchentlich abgehalten. Seit den 1970er Jahren wird der Pferdemarkt nur noch einmal monatlich, am ersten Samstag des Monats veranstaltet. Schließlich wurde der Münchner Pferdemarkt nach Ingolstadt verlegt und bis 2022 fortgeführt.[134]DerKaltblut-Fohlenmarkt Rottenbuch auf der Fohlenwiese ist der größteKaltblut-Fohlenmarkt Deutschlands. Dort wird seit 1558 ein Pferdemarkt veranstaltet.BeimBarthelmarkt im bayerischenOberstimm findet der Rossmarkt (Pferde- und Fohlenmarkt) am Montagmorgen („Barthelmarktmontag“) statt.[135]

Einer der größten Pferdemärkte derNiederlande ist derPferdemarkt Hedel. Er findet jährlich am ersten Montag nach dem 1. November inHedel statt. Zusätzlich gibt einenWochenmarkt und eineKirmes. DerZuidlaardermarkt ist einViehmarkt imniederländischenZuidlaren im Oktober. Seit derMaul- und Klauenseuche 2001 gibt es hier keine Rinder mehr, sondern in erster Linie Pferde. Bei niederländischen, deutschen und belgischen Pferdehändlern ist der Pferdemarkt sehr populär geworden. Die Geschichte des Zuidlaardermarkt geht bis ins 12. Jahrhundert zurück, der erste Markt fand im Jahr 1200 statt.
In derSchweiz ist derMarché-Concours national de chevaux ein bedeutender Pferdemarkt. Es ist eine jährlich stattfindende Schau fürFreiberger-Pferde mit einem Pferderennen inSaignelégier,Kanton Jura. Die Veranstaltung ist die zentrale Bühne der Freiberger Pferdezucht.[136] Der Marché-Concours national des chevaux wurde zum ersten Mal vom 28. bis 30. August 1897 vom Bauernverband derFreiberge organisiert.
In Italien war derMusterplatz (italienischPiazza della Mostra) ein wichtiger Pferdemarkt. Der Platz liegt mitten imAltstadtbereich derSüdtiroler LandeshauptstadtBozen. Seinen Namen verdankt er seiner frühneuzeitlichen Funktion als Ort der militärischenMusterung. Geschichtlich wird der Musterplatz erstmals um 1450 urkundlich genannt. Er fungierte damals alsPferdemarkt, wie einelandrechtliche Verfügung belegt, wonach niemand im Stadtbereich Pferde vorführen solle als„auf der rechten Musterstadt“.[137] Wenig später, um 1470/80, ist der heutige Name als„auff der Muster in der stat Potzen“ und„die gmain Muster“ ausdrücklich bezeugt.[138]
Das irischeConnemara Pony Festival inClifden ist eine Zuchtschau und ein Pferdemarkt fürConnemara-Ponys im August, das seit 1924 besteht. Es wurde ursprünglich inRoundstone und seit 1947 in Clifden durchgeführt. Alljährlich werden rund 400 Pferde verkauft. Es wird von der Connemara Pony Breeders Society veranstaltet.[139]
In Polen erteilte KönigWładysław II. Jagiełło 1433 dem DorfSkaryszew das Marktprivileg für einen großen Pferdemarkt im Jahr. DerPferdemarkt Skaryszew war 2013 der größte seiner Art im Land.[140][141] Auch derStettiner Roßmarkt[142] und dieSchlopper Pferdemärkte waren von Bedeutung.[143]

Pferdehaltung ist inKirgisistan mit rund 350 000 Tieren weit verbreitet.[97] DerViehmarkt von Karakol ist ein regelmäßig, jeweils an Sonntagen stattfindenderViehmarkt in derkirgisischen StadtKarakol, auf dem insbesondere mitSchafen undPferden gehandelt wird.[144]
In Indien gibt es einen Pferdebestand von über 200 000 Tieren.[97] InSonpur findet alljährlich im November und Dezember der größte Viehmarkt inIndien, derViehmarkt von Sonpur statt. Neben Pferden werden dort Rinder, Schafe, Ziegen, Geflügel und Kamele gehandelt.[145]Der Kamelmarkt von Pushkar ist ein mehrtägigerViehmarkt mit Volksfest. Der Markt beginnt mit dem hinduistischen Kalendermonat Kartik und endet am Kartik Purnima, der sich in der Regel mit Ende Oktober und Anfang November des gregorianischen Kalenders überschneidet. Der Markt zieht alljährlich hunderttausende Menschen an und ist einer der größten Kamelmärkte weltweit.[146] Dort werden auch zahlreiche Pferdegehandelt.[147]