Im Jahr 2019 verzeichnete das Pergamonmuseum rund 804.000 Besucher.[6]
Die für die Sanierung veranschlagten Kosten stiegen von zunächst rund 250 Millionen Euro (im Jahr 2000) auf 1,507 Milliarden Euro (im Jahr 2023). Weitere Kostensteigerungen gelten als wahrscheinlich. Der Zeitbedarf stieg von zunächst 5 auf wenigstens 24 Jahre.[7]
Das erste Pergamonmuseum wurde 1897–1899 vonFritz Wolff erbaut und am 18. Dezember 1901 von KaiserWilhelm II. eröffnet.[8] Enthüllt wurde dabei das vonAdolf Brütt geschaffene Bildnis vonCarl Humann. Der Lichthof des damaligen Museumsbaus enthielt bereits weitere Architektur ausPergamon,Priene undMagnesia.
Nach dem Abriss des ersten Pergamonmuseums 1908 waren die Pergamenischen Bildwerke bis zur Vollendung des Nachfolgebaus in der östlichen Säulenhalle desNeuen Museums untergebracht.
Wilhelm Waetzoldt hält die Eröffnungsrede zur Eröffnung des Pergamonmuseums, 1930
Da die bei den Ausgrabungen inBabylon,Uruk,Assur undÄgypten gefundenen Monumentalobjekte im ersten Bau nicht adäquat gezeigt werden konnten und dieser außerdem bald Schäden zeigte (das Fundament war abgesackt, wäre allerdings bei entsprechendem politischen Willen durchaus reparabel gewesen), gab es seit 1906 Planungen vonWilhelm von Bode, dem 1905 neu berufenen Generaldirektor der damals Königlichen, seit 1918 Staatlichen Museen für einen Neubau an gleicher Stelle. In diesem sollten neben den antiken Architekturen im Nordflügel die deutsche Kunst der Nachantike im Deutschen Museum, im Südflügel die Vorderasiatische Abteilung und (seit 1927 geplant) die Islamische Kunst-Abteilung unterkommen.
Seit 1907 plante Alfred Messel aufgrund eines Konzepts von Wilhelm von Bode den monumentalenDreiflügelbau in straffen neuklassizistischen Formen. Nach seinem Tod im Jahr 1909 übernahm sein engster Freund, der Berliner BaustadtratLudwig Hoffmann, die Ausführung des Baues. Außerdem waren die ArchitektenWilhelm Wille undWalter Andrae für die Einrichtung der Vorderasiatischen Abteilung, des heutigen Vorderasiatischen Museums mithethitischen,sumerischen,assyrischen,babylonischen und persischen Kunstwerken, undGerman Bestelmeyer für die Einrichtung des Nordflügels mit der Sammlung deutscher Kunst der Gemälde- und Skulpturengalerie (das sogenannte „Deutsche Museum“) sowieErnst Kühnel, der gemeinsam mit Hoffmann die Islamische Kunstabteilung, das heutige Museum für Islamische Kunst mit derMschatta-Fassade entwickelte, an dem Projekt beteiligt. Gemeinsam mitTheodor Wiegand entwickelte Ludwig Hoffmann die Konzeption für die Säle mit den Säulenaufbauten aus Priene, Magnesia,Milet und Pergamon sowie den Saal für den von Carl Humann entdecktenPergamonaltar und dasMarkttor von Milet. 1910 begannen die Bauarbeiten, die durch denErsten Weltkrieg, dieNovemberrevolution 1918 und dieInflation 1922/1923 verzögert wurden. Erst 1930 konnte der Bau der Dreiflügelanlage im Wesentlichen abgeschlossen und die vier Museen darin eröffnet werden. Nicht ausgeführt blieben die von Messel und Hoffmann ursprünglich geplantePortikus im Innenhof, dieKolonnade am Kupfergraben sowie der sich südlich zwischen demNeuen Museum und demKupfergraben anschließende vierte Flügel für dasÄgyptische Museum.
Der Bau präsentiert sich als eine nach Südwesten zurSpree hin orientierte tiefe Drei-Flügel-Anlage.[9] Der hohe Mittelbau am Ende des langenVorhofes ist fensterlos. Die Seitenflügel tragen über dem Sockel jeweils eine Reihe mit zwölf kolossalendorischenPilastern. Die Stirnseiten der Seitenflügel sind verbreitert, mit einer etwas hervorstehenden fensterlosen Wand zum Vorhof. Ihre Schauseiten zur Spree hin sind, etwas vorspringend, von einer Halbsäulenreihe aus jeweils sechs (ebenfalls dorischen)Halbsäulen besetzt; über diesen und dem umlaufendenDachgesims erheben sich an beiden Seitenflügeln dieGiebel.
Während der aktuell durchgeführten Generalsanierung des Pergamonmuseums erfolgte eine Untersuchung der historischen Baukonstruktionen am Gebäude, die die ingenieurstechnischen Leistungen des zuständigen Stadtbaurats Wilhelm Wille und des ZivilingenieursOtto Leitholf dokumentiert, die mit zahlreichen Sonderkonstruktionen auf den schwammigen Baugrund reagierten.[10]
Während derLuftangriffe imZweiten Weltkrieg auf Berlin wurde das Pergamonmuseum schwer getroffen. Viele Ausstellungsstücke wurden an sichere Orte ausgelagert, die Monumentalstücke wurden zum Teil eingemauert. 1945 wurde ein Großteil der Exposita von derRoten Armee für ein großes SiegesmuseumStalins nachMoskau undLeningrad abtransportiert. 1954 konnte mit dem Miletsaal der erste Saal der Antikenabteilung wieder eröffnet werden, 1955 der vonElisabeth Rohde unter anderem durch die Übertragung des Hephaistion-Mosaiks veränderte Hellenistische Saal. 1957 und 1958 gab die Sowjetunion einen Großteil der Bestände an dieDDR zurück. Der Pergamonaltar konnte vonCarl Blümel und Elisabeth Rohde weitgehend in der Inszenierung von 1930 wieder aufgebaut werden, dasDeutsche Museum hingegen wurde nicht wieder eingerichtet. Die in ihm einst gezeigten Sammlungen befanden sich zum Großteil in derGemäldegalerie und in derSkulpturensammlung inWest-Berlin imMuseumszentrum Berlin-Dahlem. Weitere Bestände waren imFlakbunker Friedrichshain verbrannt oder befinden sich bis heute völkerrechtswidrig in denDepots desPuschkin-Museums in Moskau und derEremitage inSankt Petersburg. Die Rückkehr dieser Bestände, darunter der berühmteSchatz des Priamos, ist 1990 zwischen der Bundesrepublik undRussland vertraglich festgelegt worden, wurde jedoch bisher vomRussischen Parlament und von Museumsdirektoren in Moskau verhindert. Im Pergamonmuseum kamen die Antikensammlung, das Vorderasiatische Museum, das Museum für Islamische Kunst, die in der DDR neu gegründeteOstasiatische Abteilung und dasMuseum für deutsche Volkskunde unter; die Letzteren beiden zogen zu Beginn der 1990er Jahre wieder aus und wurden mit ihren Schwesterabteilungen inDahlem vereinigt.
Jede der Abteilungen wurde ursprünglich eigenständig bezeichnet. Erst seit 1958 führt der gesamte Bau den Namen „Pergamonmuseum“, der bis dahin für die Säle der Antikensammlung im Ostflügel reserviert war.
Im Jahr 2007 war das Pergamonmuseum mit etwa 1.135.000 Besuchern das meistbesuchte Berliner Museum und das am besten besuchte deutsche Kunstmuseum. Abgesehen von 2004 war es seit 1999 jeweils das meistbesuchte Berliner Museum.
Die Antikensammlung ist an drei Standorten untergebracht: im Pergamonmuseum, mit dem Großteil der Sammlung imAlten Museum sowie mit Stücken etwa der Zypernsammlung imNeuen Museum. Der Sammlungsteil im Pergamonmuseum zeigt in den drei zentralen Hauptsälen an der Kopfseite des Gebäudes Kunstwerke dergriechischen undrömischen Baukunst und daneben wenige Werke anderer Kunstrichtungen. Nach dem Zweiten Weltkrieg bis ins Jahr 2010 waren im Nordflügel des Museums auch die Bestände derOst-Berliner Antikensammlung, nach der Wiedervereinigung der Antikensammlung zu Beginn der 1990er Jahre und dem Umzug derWest-Berliner Sammlung zurück in das Alte Museum vor allem Werke der Skulpturensammlung ausgestellt.
Im Vorderasiatischen Museum werden Exponate aus archäologischen Grabungen deutscher Wissenschaftler, unter anderem derDeutschen Orient-Gesellschaft, gezeigt, die im Bereich der sumerischen, babylonischen und assyrischen Hochkulturen ausgegraben wurden. Dazu zählen viele monumentale Baudenkmäler, Reliefs und auch kleinere Kult-, Schmuck- und Gebrauchsgegenstände.
Besondere Anziehungspunkte sind das babylonische Ischtar-Tor, ein Teil der davor gelegenen Prozessionsstraße sowie die Thronsaalfassade vonNebukadnezar II.
Im Rahmen desMasterplans Berliner Museumsinsel soll das Pergamonmuseum durch eineArchäologische Promenade mit demBode-Museum, dem Neuen Museum und dem Alten Museum verbunden werden.[11] Als neues Eingangsgebäude bietet dieJames-Simon-Galerie einen der Zugänge zum Hauptrundgang im Pergamonmuseum.[12][13]
Im Jahr 2000 wurde für die Umbauarbeiten ein Architektenwettbewerb ausgeschrieben, den der Kölner ArchitektOswald Mathias Ungers gewann. Unter anderem soll „mit einem ergänzenden vierten Flügel ein Hauptrundgang geschaffen werden, der die monumentale Architektur des Ägyptischen und des Vorderasiatischen Museums, der Antikensammlung und des Museums für Islamische Kunst zu einem Gesamtbild vereinigt.“[14] Das Museum für Islamische Kunst wird in den Nordflügel umziehen,[15] in dem bis zum Zweiten Weltkrieg das Deutsche Museum untergebracht war.[16]
Am 3. Mai 2019 fand das Richtfest für den ersten Bauabschnitt der Grundinstandsetzung und Ergänzung des Pergamonmuseums statt.[17] Der erste Bauabschnitt kostete rund 489 Millionen Euro und wurde am 4. Dezember 2025 abgeschlossen.[2][18][19]
Trotz der Sanierung verzeichnete das Haus 2019 eine Gesamtzahl von rund 804.000 Besuchern und konnte damit die Vorjahresbilanz nochmals um rund 24.000 Besucher steigern.[6] Im März 2023 wurde von der Stiftung Preußischer Kulturbesitz mitgeteilt, dass das Museum ab dem 23. Oktober 2023 für dreieinhalb Jahre komplett für Besucher geschlossen wird. Als Grund wurde angegeben, dass nun auch der südliche Gebäudeteil instand gesetzt wird. Mit der Wiedereröffnung des Nordflügels sowie des Mittelteils des Museums mit dem Pergamonsaal wird im Frühjahr 2027 gerechnet. Der südliche Gebäudeteil soll erst im Jahr 2037 wiedereröffnet werden.[20]
In dem deutschen Science-Fiction-FilmIch bin dein Mensch der RegisseurinMaria Schrader von 2021 ist das Pergamonmuseum in Berlin ein zentraler Schauplatz der Handlung.
Wilhelm von Bode:Denkschrift betreffend Erweiterungs- und Neubauten bei den Königlichen Museen in Berlin. Imberg & Lefson, Berlin 1907. Auch abgedruckt in: Wilhelm von Bode:Mein Leben. 2 Bd. Verlag H. Reckendorf, Berlin 1930.
Volker Viergutz:Berliner Museumskrieg. Ein unveröffentlichtes Kapitel der Lebenserinnerungen Ludwig Hoffmanns in Berlin. In:Berlin in Geschichte und Gegenwart. Jahrbuch des Landesarchivs Berlin. 1993,ISSN0175-8446, S. 85–112.Beschreibt den Konflikt zwischen Wilhelm von Bode und Ludwig Hoffmann um die Gestaltung des Pergamonmuseums.
Nikolaus Bernau, Nadine Riedl:Für Kaiser und Reich. Die Antikenabteilung im Pergamonmuseum. In: Alexis Joachimideset al. (Hrsg.):Museumsinszenierungen. Zur Geschichte der Institution des Kunstmuseums. Die Berliner Museumslandschaft 1830–1990. Verlag der Kunst, Dresden und Basel 1995,ISBN 3-364-00325-4, S. 171–190.
Nicola Crüsemann:Vom Zweistromland zum Kupfergraben. Vorgeschichte und Entstehungsjahre (1899–1918) der Vorderasiatischen Abteilung der Berliner Museen vor fach- und kulturpolitischen Hintergründen. (= Jahrbuch der Berliner Museen N.F. Bd. 42, 2000, Beiheft) Gebr. Mann, Berlin 2001,ISBN 3-7861-2403-5.
Nikolaus Bernau:Die Architektursäle des Pergamonmuseums – ein Denkmal deutscher Architekturgeschichte. In:Stefan Altekamp,Mathias René Hofter, Michael Krumme (Hrsg.):Posthumanistische Klassische Archäologie. Historizität und Wissenschaftlichkeit von Interessen und Methoden. Hirmer-Verlag, München 2001,ISBN 3-7774-9300-7, S. 461–472.
Nikolaus Bernau:Museumsinsel Berlin. Stadtwandel-Verlag, Berlin 2006, 2. Aufl. 2010,ISBN 978-3-86711-163-8.
Olaf Matthes:Das Pergamonmuseum. Berlin-Edition, Berlin 2006,ISBN 3-8148-0143-1.
Volker Kästner: Museumsbauten für den Pergamonaltar in Berlin, inPergamon. Panorama der antiken Metropole, Begleitbuch zur Ausstellung Berlin 2011, Imhof, 2011, S. 381–387.
Nikolaus Bernau:Das Pergamonmuseum und seine vier Museen als Lehrinstrumente einer anderen Moderne, InPergamon. Panorama der antiken Metropole, Begleitbuch zur Ausstellung Berlin 2011, Imhof, 2011, S. 388–392.
Can Bilsel:Antiquity on display. Regimes of the authentic in Berlin’s Pergamon Museum. Oxford University Press, Oxford 2012,ISBN 978-0-19-957055-3.
Bénédicte Savoy, Philippa Sissis (Hrsg.):Die Berliner Museumsinsel: Impressionen internationaler Besucher (1830–1990). Eine Anthologie. Böhlau, Wien/Köln/Weimar 2013,ISBN 978-3-412-20991-9.
Christiane Oehmig, Volker Hübner, Bettina Häfner:Pergamonmuseum. Historische Baukonstruktionen. Geymüller Verlag für Architektur, Firmitas, Band 2, Aachen/Berlin 2016,ISBN 978-3-943164-35-0.
↑Pergamon-Museum, in: Eva und Helmut Börsch-Supan, Günther Kühne und Hella Reelfs:Kunstführer Berlin. 4. Auflage, Philipp Reclam jun., Stuttgart 1991, S. 72.
↑Christiane Oehmig, Volker Hübner, Bettina Häfner:Pergamonmuseum. Historische Baukonstruktion. Geymüller Verlag für Architektur, Aachen / Berlin 2016,ISBN 978-3-943164-35-0,S.15.