![]() DiePeking 2020 in Wewelsfleth | ||||||||||||||||||||||||||||
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DiePeking ist eineViermast-Stahlbark und gehörte zu den berühmtenFlying P-Linern derReedereiF. Laeisz. Wie drei Viertel derSegelschiffe dieser Reederei ab 1877 erhielt sie analog zum SpitznamenPudel der Sophie Laeisz, Ehefrau vonCarl Laeisz, einen mit „P“ beginnenden Namen.[1][2] Eignerin ist heute dieStiftung Historische Museen Hamburg.
Im Jahr 1909 bestellte die Reederei Laeisz diePeking, zusammen mit der späterenPassat.[3] Die Viermastbark lief am 25. Februar 1911[4] bei der HamburgerWerftBlohm & Voss (Baunummer 205) vomStapel. Die Baukosten betrugen 680.000Goldmark. DiePeking war alsFrachtschiff für dieSalpeterfahrt konzipiert.
Da diePeking keine Hilfsmotoren hatte, war sie beim Ein- und Auslaufen in Hamburg auf Schlepperhilfe angewiesen, ebenso bei Sturm imÄrmelkanal. Mit voller Besegelung war sie schneller als damalige Dampfschiffe.[5]
Allerdings verfügte die Peking über zwei einzylindrige Petroleummotoren vom TypGnom derMotoren-Fabrik Oberursel.[6] Diese erstmals 1897 auf denVollschiffenParchim undPalmyra getesteten und seinerzeit auf Initiative des Kapitäns des Laeisz-SchiffesPotosi,Robert Hilgendorf, eingeführten Motoren dienten zum Bedienen desLadegeschirrs und derAnkerwinden, aber auch zum Aufladen derBatterien für denFunkraum. Die NamensgebungGnom sollte darauf hindeuten, dass der Motor mit 2 m × 2,40 m × 1,70 m (H × B × T) für damalige Verhältnisse besonders platzsparend dimensioniert war.
Am 22. Juni 1911[7] lief diePeking unter KapitänJ. H. Hinrich Nissen zu ihrerJungfernfahrt aus.[8] Er hatte schon das Fünfmast-VollschiffPreußen befehligt. Ziel ihrer Fahrt warValparaíso (Chile), wo sie am 14. September eintraf.[9] Am 28. Januar 1912 war diePeking von dieser ersten Reise wieder in Hamburg zurück.[10] Kapitän Nissen erhielt bei einem Seeamtsverfahren wegen Unfalls eines Matrosen mit Todesfolge[11] einen Freispruch und führte diePeking danach ab dem 30. November noch dreimal auf der RouteHamburg–Antwerpen–Chile. Letztmals vor Beginn desErsten Weltkrieges (28. Juli 1914) ging das Schiff unter Kapitän August Oetzmann von Hamburg aus am Mittag des 6. Juni 1914 in See. Die Fahrt führte wiederum nach Valparaiso, wo diePeking im August ankam und umgehend – ebenso wie 40 andere deutsche Schiffe, darunter acht weitere Frachtsegler von Laeisz –interniert wurde.[12]
Nach Kriegsende erfolgte die Rückführung vonCaleta Coloso (Chile) nachLondon unter dem Kommando von KapitänHeinrich Oellrich (6. Oktober 1919 – 21. Januar 1920). Am 10. Mai 1921 ging das Schiff alsReparation anItalien, wo man jedoch keine Verwendung für die Viermastbark hatte, insbesondere weil keine entsprechend ausgebildete Besatzung verfügbar war. Da die Segelschiffe für die Überführungsreise auf eigene Rechnung mit dem in Europa dringend benötigten Salpeter beladen werden durften und die Salpeterfrachten hohe Erlöse brachten, konnte der Rückkauf der meisten Segelschiffe nach Deutschland erreicht werden. Er wurde vomDeutschen Segelschiff-Kontor organisiert. So gelang es F. Laeisz, diePeking zum 11. Januar 1923 für 8500 Pfund zurückzukaufen, was nach der Kaufkraft von 2021 rund 500.000 Euro entspräche. Am 25. Januar traf sie von London aus unter Kapitän Albrecht[13], wohl mit Hilfe des SeeschleppersFairplay XIV[14], in Cuxhaven ein. Sie lief am 23. April 1923[15], wiederum unter Kapitän Oellrich[16], nach Valparaiso aus. In den Folgejahren fuhr diePeking die Route Hamburg–Talcahuano.
Nach zwei Fahrten unter Kapitän Oellrich (1925) und dann KapitänHermann Piening[17] (1926) wurde diePeking zum kombinierten Fracht- und Schulschiff umgebaut. In den Jahren 1928 und 1929 machte die Viermastbark unter dem Kommando von KapitänJürgen Jürs zwei Reisen nach Talcahuano. Bei der zweiten Reise war der später sehr bekanntgewordene amerikanische Segler und SchriftstellerIrving Johnson mit an Bord und drehte dabei einen spektakulären Dokumentarfilm (s. u. Filme). Johnsons Tagebuch mit dem Titel „The Peking Battles Cape Horn“ (deutsch unter dem Titel: „Mit derPeking umKap Hoorn“; s. u. Literatur) gilt heute als Klassiker der Seefahrtsliteratur im englischsprachigen Raum.[18] Ihre letzte Reise unter der Flagge von F. Laeisz führte diePeking 1931/1932 unter KapitänHans Rohwer nach Valparaíso und dann vonTaltal (Chile) nachSantander (Spanien). Wenig später endete die Segelkarriere des Schiffes für immer.
F. Laeisz verkaufte nach 20 Südamerikafahrten das Schiff 1932 infolge derWeltwirtschaftskrise anShaftesbury Homes and Arethusa (heutiger Name:Shaftesbury Young People Trust), eine wohltätige englische Hilfsorganisation für Kinder und Jugendliche.[19] Das Schiff wurde nunmehr für den Internatsbetrieb umgebaut, inArethusaII umbenannt (nach der HMSArethusa, Vorgängerin gleichen Namens aus dem 19. Jahrhundert, die wiederum nach einerNymphe aus dergriechischen Mythologie benannt war) und bald darauf nachUpnor naheRochester,Kent, verholt und auf demMedway verankert.[20] DieRahen wurden bis auf drei amFockmast abgenommen und der Rumpf mit einemPortenband versehen. Im Jahr 1940 wurde die Bark von derRoyal Navy als Unterkunft beschlagnahmt, wieder inHMS Pekin [sic] umbenannt und im Chatham Dockyard, Kent,aufgelegt. Nach demZweiten Weltkrieg kam sie wieder an den Vorbesitzer und erhielt den NamenArethusa II zurück.
Am 31. Oktober 1974 wurde die Viermastbark an die J. Aron Charitable Foundation versteigert. Vom 5. bis zum 22. Juli 1975 wurde der Rumpf derPeking vomniederländischenSeeschlepperUtrecht vonBlackwall, London, nach New York geschleppt. Dort wurde sie originalgetreu wiederaufgeriggt. Mit der Beschriftung „Peking Hamburg“ lag sie fortan amPier desSouth Street Seaport Museums inNew York. Hier unterrichtete Irving Johnson, der inzwischen nicht mehr aktiv segelte, sich aber immer noch mit dem Schiff verbunden fühlte, gelegentlich Schulklassen an Deck über die Segelschifffahrt und seine Reise mit dem Schiff.
2001 reisten der ehemaligeSyndikus derHandelskammer Hamburg, Reinhard Wolf, und der Vorstand derStiftung Hamburg Maritim, Joachim Kaiser, nach New York, um die Möglichkeit einer Rückholung des Schiffes zu sondieren. Entsprechende Übergabeverhandlungen zogen sich jedoch über viele Jahre hin, insbesondere weil es nicht gelang, genügendSponsoren aufzubringen, um den Kaufpreis zu bezahlen.[21]
Im Oktober 2012 erlitt dasSouth Seaport Museum erhebliche Schäden durch eine mit demHurrikan Sandy verbundeneSturmflut, wobei die inzwischen völlig marode Peking noch weiter beschädigt wurde. In dieser Situation entschied das Museum, dass es aus finanziellen Gründen in Zukunft keinen Platz mehr für diePeking gebe, da dort mit derWavertree noch ein weiterer, ebenfalls erheblich sanierungsbedürftiger Großsegler lag, der nach Ansicht der Verantwortlichen aufgrund seiner Vorgeschichte besser zu New York passte.[22] Das Museum erklärte sich zwar bereit, das Schiff zu verschenken, jedoch war eine schwimmende Überführung derPeking in einen anderen Hafen ohne eine umfassende Instandsetzung nicht möglich. Wenn niemand hierfür die Kosten aufbringen könne, sollte das Schiff zur Verschrottung freigegeben werden.[23][24]
Schließlich kam im letzten Augenblick Mitte 2015 ein Gespräch zwischen Wolf und dem HamburgerBundestagsabgeordnetenJohannes Kahrs (SPD) zustande, der das Projekt der Rückholung des Schiffes sofort unterstützte. Es gelang ihm, gemeinsam mit seinem ebenfalls aus Hamburg stammendenCDU-KollegenRüdiger Kruse, am 12. November 2015 einen Beschluss desHaushaltsausschusses desBundestages herbeizuführen, mit dem das im Aufbau befindlicheDeutsche Hafenmuseum mit insgesamt 120 Millionen Euro bezuschusst werden sollte, wovon 26 Millionen Euro auf die Rückholung und Restauration derPeking entfielen.[21]
Eigentümer des Schiffes wurde dieStiftung Hamburg Maritim. Sie erhielt im Mai 2016 den Auftrag zur Rückholung und fachgerechtenRestaurierung. Daraufhin wurde diePeking im September 2016 mit Schleppern zur Caddell-Werft aufStaten Island verholt und dort für die Überführung vorbereitet.[24] Der Transport über den Atlantik mit dem DockschiffCombi Dock III begann am 19. Juli 2017.[25] Am 30. Juli 2017 traf dieCombi Dock III mit derPeking in Brunsbüttel ein, am 2. August 2017 wurde diePeking zur Peters-Werft überführt. Hier wurde das Schiff – mit Unterbrechungen – aufgearbeitet und im Mai 2020 an dieStiftung Historische Museen Hamburg übergeben.[26] Am 7. September 2020 wurde die Peking nachHamburg überführt.[27] Ihr künftiger Liegeplatz soll voraussichtlich amSchumacherwerder gegenüber derHafenCity sein. Dort soll ab 2023 auch der Hauptstandort des Deutschen Hafenmuseums entstehen.[28]
Ab dem 2. August 2017 lag diePeking zum Abbauen der Takelage, dem Ziehen der Masten und dem Entfernen des Holzdecks am Kai derPeters-Werft inWewelsfleth. Danachverholte das Schiff mit Schlepperhilfe in das überdachte Trockendock, um die Arbeiten am Rumpf durchzuführen. Die Restaurierungsarbeiten wurden weitgehend auf der Peters-Werft durchgeführt[29][30][31] und am 24. Juni 2019 wurde das Trockendock mit neu gesetzten Masten verlassen.[32] Die Kosten beliefen sich mit Stand Januar 2020 auf 38 Millionen Euro.[33] Als Grund für die enorme Kostensteigerung wurden der Rückbau der Betonunterteilung im Frachtraum, die Kontamination mit Asbestverkleidungen und die Menge an bleihaltigerMennige genannt, welche großflächig als Rostschutz aufgebracht war.[34][35]
Nach Abschluss der grundlegenden Restaurierungsarbeiten auf der Peters-Werft in Wewelsfleth wurde diePeking am 7. September 2020 in ihren Heimathafen Hamburg verholt, zugleich ist das Schiff in das Eigentum der Stiftung Historische Museen Hamburg überführt worden. Bis zur Fertigstellung des Deutschen Hafenmuseums auf dem Kleinen Grasbrook liegt sie am Bremer Kai im Hansahafen. Hier erfolgt ihre museale Ausstattung; seit September 2021 kann der historische „Hamborger Veermaster“, dessen Restaurierung immer noch nicht ganz abgeschlossen ist, im Rahmen von sog. Baustellenführungen besichtigt werden, jedoch nur jeweils während des Sommerhalbjahres von April bis Oktober.[36][37]
Bei ihrer Restaurierung erhielt diePeking wieder funktionsfähig nachgebaute Jarvis-Brasswinden (benannt nach dem schottischen Erfinder John Charles Barron Jarvis, 1857–1935)[38], so dass die Rahen wie seinerzeit im Echtbetrieb von zwei Mann bewegt werden können.[39]
Am 1. Dezember 2021 gab derVerein der Freunde der Viermastbark Peking bekannt, dass es ihm gelungen war, einen originalgetreuen Gnom-Petroleummotor (s. o.) zu erwerben. Nach seiner Restaurierung soll er 2022 in diePeking eingebaut werden, um die damaligen Ladevorgänge vorbildgerecht demonstrieren zu können.[40][41]
Für den Museumsbetrieb wurde u. a. ein verglasterPersonenaufzug in denLaderaum eingebaut.
Die unten genannte Viermastbarken waren zueinander Schwesterschiffe, aber im engeren Sinn keine derPeking/Passat, da sie nicht aus einer Baureihe stammten(siehe: „Schwesterschiff“ Passat).[42][43]
Vier weitere Schiffe waren zwar keine echtenSchwesterschiffe, hatten aber nur leicht abweichende Abmessungen (siehePassat), weshalb die Schiffe auch als „die acht Schwestern“ bezeichnet wurden. DiePamir, 1905 erbaut, sank 1957 in einemHurrikan.
Neben den beiden deutschen SchiffenPassat undPeking sind noch weitere elf Viermaster erhalten geblieben, von denen vier noch in Fahrt sind: In Europa dienen dieViking imGöteborger Hafen und diePommern (ex Laeisz-Schiff) im finnischenMariehamn auf denÅland-Inseln als Museumsschiffe. Weiterhin im aktiven Dienst befinden sich die beiden unter russischer Flagge fahrenden ViermastbarkenKruzenshtern (ex Laeisz-Schiff „Padua“), undSedov (ex „Magdalene Vinnen“, ex „Kommodore Johnsen“).
Außerhalb von Europa sind ferner dieMoshulu (ex Kurt; heute Restaurantschiff), das KreuzfahrtschiffSea Cloud sowie die japanischen MuseumsschiffeNippon Maru undKaiwo Maru sowie ihre gleichnamigen, als Schulschiffe dienenden Nachfolger, zu nennen; einziges erhaltenes Viermastvollschiff ist dieFalls of Clyde.