Das Borghese-Wappen als Papstwappen mit der Inschrift PAVLVS V. BVRGHESIVS über dem Portikus desPetersdoms in Rom
Camillo Borghese war der Sohn von Graf MarcantonioBorghese ausSiena, der 1541 mit seiner Familie nach Rom umsiedelte und Jurist an derrömischen Kurie war.
Camillo Borghese war der älteste von sieben Kindern, wovon drei vor seiner Wahl zum Papst verstarben. Sein BruderFrancesco (1556–1620) war Graf von Rignano und General der Päpstlichen Armee. Ein weiterer BruderGiovanni Battista (Giambattista Borghese 1554–1609) warGouverneur vonBorgo undKastellan derEngelsburg. Der Sohn aus der Ehe seiner Schwester Ortensia mit Francesco Caffarelli, der spätere einflussreiche KardinalScipione Caffarelli Borghese, wurde von ihm adoptiert, damit dieser den Familiennamen Borghese tragen durfte.[1]
1604 erwarb Camillo Borghese denPalazzo Borghese, den er mit Beginn seines Pontifikats seinen Brüdern überließ. Sie ließen ihn zu einem der prächtigsten Stadtpaläste Roms erweitern und die bekannteVilla Borghese angelegen, in der sich auch eine vonGian Lorenzo Bernini geschaffeneBüste des Papstes befindet.
Am 16. Mai 1605, nach dem Tode des nur 26 Tage regierendenLeo XI., wählte ihn dasKonklave zum neuen Papst. Kardinal Borghese hatte bereits Chancen auf die direkte Nachfolge Clemens’ VIII. gehabt, galt aber noch als zu jung. Nach dem raschen Tod des Medici-Vorgängers einigte man sich auf ihn als Hoffnungsträger.
Seinen Papstnamen wählte er in Erinnerung anPaul III., den Förderer seiner Familie. Nach der Wahl ernannte er als sogenanntenKardinalnepoten seinen Neffen Scipione Caffarelli Borghese zum Kardinal undKardinalstaatssekretär. Durch die Erringung des Papstamtes schloss die FamilieBorghese zu den alten römischen AdelsfamilienColonna undOrsini auf und überholte sie bald in Bezug auf das Familienvermögen.
Gleich zu Beginn seines Pontifikats kam es zu einem Konflikt mit derRepublik Venedig. Venedig hatte ein Gesetz erlassen, das verbot,Immobilien an die Kirche zu veräußern, und das gleichzeitig denKlerus unter die Rechtsprechung der Republik stellte. Paul V. verhängte daraufhin denKirchenbann über denSenat der Republik und dasInterdikt über die ganze Republik. Im Jahr 1607 überlebte Paul V. ein Attentat.
Paul V. förderte die Wirtschaft imKirchenstaat und ließ das antike AquäduktAqua Traiana, das Wasser von Quellen in denSabatiner Bergen nach Rom leitete, nach über tausend Jahren Unterbrechung wiederherstellen, wodurchTrastevere und derVatikan wieder mit Wasser versorgt werden konnten. Die nach ihm benannteAcqua Paola mündet in einen frühbarocken Prachtbrunnen, dieFontana Paola. 1605 gründete er die päpstliche BankBanco di Santo Spirito, die erste Bank Roms überhaupt und ältesteZentralbank Europas.
Paul V. ließ die Fassade vonSt. Peter erbauen. Die dort über demPortikus angebrachte Inschrift samt seinem Wappen zeugen noch heute an prominenter Stelle von ihm.
Verhältnis zu Galilei und zur kopernikanischen Lehre
1611 ernannte Paul V.Galileo Galilei als Mitglied der päpstlichenAccademia dei Lincei und unterstützte seine Entdeckungen.[2] 1616 wies er KardinalRobert Bellarmin an, Galilei zu verbieten, dasheliozentrische Weltbild vonKopernikus als Tatsache zu lehren. Im selben Jahr versicherte Paul V. Galilei, dass er vor Verfolgung zu Lebzeiten des Papstes sicher sei. Bellarmins Bescheinigung erlaubte es Galilei, seine Studien auf der Suche nach Beweisen fortzusetzen und das heliozentrische Modell als theoretisches Instrument zu verwenden.[3]
Im Übrigen folgte das Pontifikat Pauls V. im Wesentlichen den Vorgaben Clemens’ VIII. Wichtig wurde die Nichtentscheidung Pauls V. imGnadenstreit (1607), an die sich bis heute alle Nachfolger hielten.
Paul V. ließ Ende des Jahres 1620 zur Feier derSchlacht am Weißen Berg eine Prozession abhalten, auf der er zusammenbrach und sich nicht mehr erholte. Am 28. Januar 1621 starb er an den Folgen des Schlaganfalls, den er auf dem Platz vor demQuirinalspalast erlitt. Sein Nachfolger wurde Gregor XV.
Volker Reinhardt: Paolo V. In: Massimo Bray (Hrsg.):Enciclopedia dei Papi. Band 3: Innocenzo VIII, Giovanni Paolo II. Istituto della Enciclopedia Italiana, Rom 2000 (treccani.it).
Hubert Jedin:Paul V., Gregor XV. und die Anfänge der Gegenreformation in Mitteleuropa. In:Erwin Iserloh,Josef Glazik, Hubert Jedin (Hrsg.):Reformation, katholische Reform und Gegenreformation (=Handbuch der Kirchengeschichte. Band IV). Herder, Freiburg im Breisgau 1967, Sonderausgabe 1999,ISBN 3-451-27100-1, S. 650–659. bes. 650–655 [Paul V.].
↑Minou Schraven:Giovanni Battista Borghese’s Funeral ‘Apparato’ of 1610 in S. Maria Maggiore, Rome. In:The Burlington Magazine.Band143,Nr.1174, 2001,S.23–28,JSTOR:889069.
↑James McLachlan:Galileo Galilei: First Physicist. Oxford University Press, 1999,ISBN 978-0-19-513170-3,S.59 (englisch,google.de [abgerufen am 16. April 2025]).
↑Richard J. Blackwell:Galileo, Bellarmine, and the Bible. University of Notre Dame Press, Paris 1991,ISBN 978-0-268-15893-4,S.124 (englisch).