
Paul R. Ehrlich (Paul Ralph Ehrlich; *29. Mai1932 inPhiladelphia,Pennsylvania) ist ein US-amerikanischer Biologe und Professor fürBiologie an derStanford-Universität. Er ist renommierterEntomologe mit dem SpezialgebietSchmetterlinge. Er ist ebenso bekannt als Forscher und Autor im ThemenbereichÜberbevölkerung. Seinh-Index gemäßGoogle Scholar beträgt 164 (Stand März 2025).[1]
Ehrlich erreichte seinenB.A. inZoologie 1953 an derUniversity of Pennsylvania, seinen M.A. 1955 und seinen Ph.D. 1957 an derUniversity of Kansas. Während seiner Studien nahm er an Forschungsreisen über Insekten imBeringmeer und in der kanadischenArktis teil. Während eines Stipendiums desNational Institutes of Health untersuchte er dieGenetik und das Verhalten vonparasitischenMilben. 1959 wechselte er zur Fakultät in Stanford, wo er 1966 ordentlicher Professor für Biologie wurde.
Seit dem 18. Dezember 1954 ist Paul Ehrlich mitAnne H. Ehrlich, geborene Fitzhugh Howland, Ökologin und Populationsbiologin, verheiratet. Gemeinsam hat das Paar mehrere Publikationen veröffentlicht und etliche Auszeichnungen erhalten. Sie haben eine Tochter.
Ehrlich ist Präsident amCenter of Conservation Biology an der Stanford-Universität. Er ist Mitglied derAmerican Association for the Advancement of Science, derAmerican Academy of Arts and Sciences, derNational Academy of Sciences und derAmerican Philosophical Society. Ehrlichs Forschungsgruppe in Stanford beschäftigt sich gegenwärtig mit natürlichen Populationen derSkabiosen-Scheckenfalter (Euphydryas aurinia). Zusammen mit Gretchen Daly arbeitete er auf dem Gebiet derBiogeografie. Er erforscht den Einfluss menschlicher Aktivitäten auf dieArtenvielfalt. Ehrlich führt weitere Basisforschung durch überPopulationsbiologie undRessourcen, wobei er sich aufgefährdete Arten, kulturelle Evolution,Umweltethik und auf die Bewahrung von genetischen Ressourcen konzentriert.
Paul Ehrlich kooperiert mit Kollegen aus der Biologie, aber auch aus den BereichenÖkonomie,Psychologie,Politikwissenschaften,Rechtswissenschaften undSozialwissenschaften. Für viele seiner Fragestellungen wählt er einen interdisziplinären Ansatz.
Ehrlichs bekanntestes Buch ist das 1968 erschieneneThe Population Bomb (Die Bevölkerungsbombe). Es wurde auf Vorschlag vonDavid Brower, damals der geschäftsführende Direktor desSierra Club, als Fortsetzung eines Artikel imNew Scientist im Dezember 1967 geschrieben. Im Artikel und im Buch sagte Ehrlich voraus, dass ungefähr zwischen 1970 und 1980Hungersnöte in der Welt auftreten würden, da dieÜberbevölkerung die Ressourcen zu stark belaste, und bezeichnete es beispielsweise als Fantasie, dassIndien sich jemals selbst ernähren könne.
Ehrlich sagte voraus, dass dieSterberate in den 1970ern, an manchen Stellen auch in den 1980ern, massiv ansteigen würde, es würden Hunderte von Millionen Menschen verhungern. Diese Voraussage stellte sich als falsch heraus: Die Sterberate sank von 13 (pro 1.000 Menschen) im Zeitraum von 1965 bis 1974 auf 11 im Zeitraum von 1980 bis 1985 und weiter auf 10 von 1985 bis 1990; dieser Trend setzte sich fort und die Sterberate sank auf 9 von 2005 von 2010. Ehrlich hatte, wie er später einräumte, das Ausmaß von Hungersnöten überschätzt, tatsächlich waren zwischen 1968 und 2010 seiner Einschätzung nach vielleicht 300 Millionen Menschen verhungert. Ehrlich führte dies auf mittelfristige Erfolge derGrünen Revolution zurück, die er unterschätzt habe, die aber ihrerseits negative Auswirkungen auf die Umwelt habe.[2] In einer Stellungnahme gegenüber dem JournalistenDan Gardner (2010), der ihn für ein mangelndes Eingeständnis von Fehlern kritisierte, schrieb Ehrlich, dass er ohne konkreten Zeitrahmen vorausgesagt habe, dass der Welthunger nicht verschwinden würde.[3]
Ehrlich war 1968 einer der Gründer vonZero Population Growth. Die Organisation, die sich fürWachstumskritik einsetzt, nennt sich heutePopulation Connection. Ihr Ziel ist vor allem, Aufmerksamkeit auf das Problem der Überbevölkerung zu lenken und entsprechenden Druck auf den Gesetzgeber auszuüben. Ehrlich und seine Frau Anne gehörten zum Beraterstab bei derFederation for American Immigration Reform bis 2003. Zusammen mitStephen Schneider und zwei weiteren Autoren kritisierte er imScientific American vom Januar 2002Bjørn Lomborgs BuchThe Skeptical Environmentalist.
1980 schloss Ehrlich mit dem Ökonomen und ZukunftsforscherJulian L. Simon eine öffentliche Wette ab. Simon forderte Ehrlich auf, ihm 5 Metallmengen im Werte von 1000 $ zu nennen, die, wie von Ehrlich und anderen angenommen, in absehbarerer Zeit knapper werden würden und damit auch deutliche Preissteigerungen zu erwarten hätten.
Ehrlich wählte Chrom, Kupfer, Nickel, Zinn und Wolfram in einem Zeitrahmen von 10 Jahren. Im September 1990 war aber der Gesamtpreis all dieser Metalle gefallen und Ehrlich bezahlte Simon den Differenzbetrag von 576,07 $. Ehrlich hätte auch verloren, wenn er in Benzin, Nahrungsmittel, Zucker, Kaffee, Baumwolle, Wolle oder Phosphate investiert hätte, denn alle diese Güter waren inflationsbereinigt billiger geworden.
Eine im Nachhinein durchgeführte Untersuchung auf Basis der realen Preisentwicklung der Rohstoffe ergab, dass Simon nur durch Glück gewonnen hatte. Bei Betrachtung aller möglichen Zeiträume von 1900 bis 2008 hätte Simon die Wette nur in 38,4 % aller Fälle gewonnen, während Ehrlich nicht nur häufiger gewonnen hätte, sondern auch mit einer großen Gewinnmarge. Tatsächlich sei der Zeitraum von 1980 bis 1990, in dem die Wette lief, einer der 15 schlechtesten während des gesamten Untersuchungszeitraums von 1900 bis 2008 gewesen. Entgegen der populären öffentlichen Meinung sei die Schlussfolgerung der Wette nicht, dass es Rohstoffmangel nicht gebe, sondern dass es beim Wetten besser sei, das Glück auf seiner Seite zu haben als die Expertise.[4]
| Personendaten | |
|---|---|
| NAME | Ehrlich, Paul R. |
| ALTERNATIVNAMEN | Ehrlich, Paul Ralph (vollständiger Name) |
| KURZBESCHREIBUNG | US-amerikanischer Biologe |
| GEBURTSDATUM | 29. Mai 1932 |
| GEBURTSORT | Philadelphia,Pennsylvania |