Die Stadt Pau liegt am FlussGave de Pau im südwestlichenPyrenäenvorland gut 215 km südlich vonBordeaux bzw. ca. 195 km südwestlich vonToulouse in einer Höhe von ca.215 m. Die südlichen und westlichen Vororte sind selbstständige Gemeinden, die größte davon ist Jurançon.
Der WallfahrtsortLourdes befindet sich ca. 58 Kilometer südöstlich.
Das Klima ist gemäßigt, Regen (ca. 885 mm/Jahr) fällt übers Jahr verteilt.[3]
DieMechanisierung der Landwirtschaft und die Aufgabe von bäuerlichen Kleinbetrieben führte im 20. Jahrhundert zu einerLandflucht. Inzwischen nimmt die NachbarstadtLescar einen Großteil der Zuwanderer auf.
Pau ist an das französische Hochgeschwindigkeitsnetz desTGV angebunden. Es existieren Schnellverkehrsverbindungen RichtungBayonne undDax (weiter über Bordeaux nachParis) sowieTarbes (und weiter nachToulouse).Außerdem fahren seit 2011 wieder Nahverkehrszüge nachOloron-Sainte-Marie (auf der ab 1970/1980 stillgelegtenBahnstrecke Pau–Canfranc); seit Juli 2016 wurde die Bahnstrecke wieder bis Bedous in Betrieb genommen – eine Verlängerung auf der derzeit stillgelegten Strecke bisCanfranc (Spanien) ist geplant.
Pau hat eine lange Tradition als Universitätsstadt. Die erste Universität wurde im Jahre 1722 gegründet. Heute besitzt sie eine interdisziplinäre Universität (Recht, Wirtschaft, Naturwissenschaft und Humanwissenschaft), zwei IUT (Institut Universitaire de Technologie), ein IAE (Institut d’Administration d’Entreprise) und eine Handelsschule (École supérieure de commerce de Pau).
Pau verdankt seinen Ursprung einer von einem Grafen vonBéarn wohl Anfang des 11. Jahrhunderts angelegtenBurg, die in der zweiten Hälfte des 14. Jahrhunderts durchGaston III. von Foix-Béarn erweitert und verstärkt wurde. Hierdurch steigerte sich der Status des Ortes, und die Vizegrafen von Béarn hielten sich hier häufig auf.[6] Zwecks der Ansiedlung von weiterer Bevölkerung in Pau erklärteGaston IV. von Béarn-Foix 1464, hier seine Residenz aufschlagen zu wollen. 1464 erteilte er dem Ort dasMarktrecht und setzteJuraten ein. Er erlaubte den Juraten unter der Bedingung, dass sie den Ort mit Mauern umgäben und eine Kirche erbauten, durch einPatent vom 19. März 1468, eine Abgabe aufWein und andere in Pau gehandelte Güter zu erheben. Die Mauern wurden nur halb, die Kirche aber 1473 ganz vollendet, sodass sie vom Bischof von Lescar, der dabei sich und seinen Nachfolgern dasBesetzungsrecht ausmachte, eingeweiht werden konnte.[7]
Größere Bedeutung erlangte Pau durch den Umstand, dass seine Herren, die Vizegrafen von Béarn, mitFrançois Phébus, dem Enkel Gastons IV., 1479 auchKönige von Navarra wurden. Nun nahm die Bevölkerung bald so zu, dassJean d’Albret und seine GemahlinKatharina durch ein Patent vom 4. November 1502 den Ort zur Stadt erhoben. Nach der Eroberung des südlich derPyrenäen gelegenes Teils Navarras durchFerdinand den Katholischen verlegten die von dort vertriebenen Vizegrafen von Béarn 1512 ihre Residenz vonPamplona nach Pau. Die Stadt blieb nun bis 1589 deren Regierungssitz und wurde nach und nach Sitz eines souveränen Rats, eines Parlaments und einerMünzstätte. Auch ließen sich hier baldJesuiten sowie andere Mönchs- und Nonnenorden nieder.[7][6] Besondere Bedeutung gewann Pau seit 1527 als Residenz der geistreichen hugenottenfreundlichenMargarete von Navarra. Ihre TochterJeanne d’Albret brachte im Dezember 1553 in Pau den späteren französischen KönigHeinrich IV. zur Welt.[8][6]
Catherine de Bourbon, die Schwester Heinrichs IV., hielt in Pau Hof, als sie Béarn im Namen ihres Bruders regierte. In denReligionskriegen hatte Pau allerdings viel zu leiden. 1620 kam es durchLudwig XIII. an die französischeKrondomäne.[8][6] Die 1722 hier gestiftete Universität hatte fünf Professoren, die das kanonische, Zivil- und französisches Recht sowie die schönen Wissenschaften lehrten. Sie wurde nach derFranzösischen Revolution aufgehoben, und auch die 1721 gegründete Akademie der Wissenschaft und Künste ging später ein. In der Folge derFebruarrevolution 1848 wurde der gefangeneAbd el-Kader am 23. April 1848 aus dem Fort Lamalgue beiParis nach dem Schloss von Pau gebracht, in dem er nun längere Zeit mit seiner Familie wohnte.[9]
Als sich Frankreich imZweiten Weltkrieg unterdeutscher Besatzung befand, formierte sich dieRésistance. In Pau bestand derMaquis mehrheitlich aus Spaniern. Sie waren nach dem Ende derZweiten Spanischen Republik nach Frankreich gekommen und kampferprobt. Im Oktober 1944 war Pau befreit. Die Flagge ihrer Republik in rot, gelb und purpur flatterte über der Zentrale, dem Hotel Bristol, und sie planten die Befreiung Spaniens vomFranquismus. DieProvisorische Regierung der Französischen Republik musste Truppen an die Südgrenze verlegen, um die Ausweitung des Konflikts zu verhindern.[10]
DerBoulevard des Pyrénées, am Südrand der hochgelegenen Innenstadt, bietet einen Panoramablick auf den Kamm der Pyrenäen.
DasSchloss Pau im Zentrum der Altstadt wurde im Mittelalter gegründet und ist der Geburtsort vonHeinrich IV.
DasMusée des beaux-arts de Pau befindet sich in einem Gebäude im Stil desArt déco aus dem Jahr 1931. Als städtisches Museum zeigt es Kunst aus Europa, mit einem Schwerpunkt auf französischen Gemälden des 19. Jahrhunderts.
Pau gehört wegen der Nähe zu denPyrenäenpässen sehr häufig zu den Etappenstädten derTour de France. Bisher war die Stadt jeweils über 60-mal Ziel- oder Startort einer Etappe. Damit steht Pau in der Liste der häufigsten Tourstädte nachParis undBordeaux an dritter Stelle.
Eine der ältesten französischen Meuten, dieSchleppjagden durchführt, ist die 1842 gegründetePau Hunt.[13] DiePau Hunt geht auf den 1828 gegründetenCercle Anglais zurück, einenGentlemen’s Club in Pau, zu dem auch ein Polo Club[14] und der Golf Club[15] gehörten.
Zudem gibt es in Pau die berühmte, 1842 eröffneteGalopprennbahnHippodrome de Pont-Long. Über das Jahr verteilt, überwiegend im Winterhalbjahr, werden dort rund 30 Renntage für Flach- und Hindernisrennen veranstaltet.[16] Auch die Rennbahn war mit demCercle Anglais verbunden.[17]
MitÉlan Béarnais Pau-Orthez stellt die Stadt einen der wichtigsten französischenBasketballvereine. Insgesamt wurde die Mannschaft neunmal französischer Meister und holte sechs Pokaltitel. Zusätzlich konnte das Team 1984 denKorać-Cup gewinnen, einen ehemaligen Europapokaltitel.
Die Statue Heinrichs IV. von Frankreich zu Pau. In:Illustrirte Zeitung.Nr.37. J. J. Weber, Leipzig 9. März 1844,S.172 (Digitalisat in der Google-Buchsuche).
↑Wolf-Eckhard Gudemann (Red.):Lexikon der Geschichte. Lizenzausgabe, aktualisierte Sonderausgabe. Orbis Verlag, Niedernhausen/Ts. 2001,ISBN 3-572-01285-6.
↑Jacques Canaud:Le temps des Maquis : De la vie dans les bois à la reconquête des cités, 1943–1944 (= Collection Témoignage). Éditions De Borée, Clermont-Ferrand 2011,ISBN 978-2-8129-0498-1,S.209.