Pascal ist eine Weiterentwicklung vonAlgol 60. Es lehnt sich in seinerSyntax an dieenglische Grammatik an. Dies soll die Lesbarkeit für Programmiereinsteiger verbessern; Pascal ist daher als Lehrsprache geeignet. Seine Verbreitung in der professionellen Programmierung fand es alsBorland/Turbo Pascal, späterObject Pascal. Jene sind, gegenüber dem Ur-Pascal, wesentlich erweiterte Versionen.
Ein wichtiges Konzept der Fehlersicherheit, das Wirth zur Anwendung brachte, ist diestarke Typisierung (englisch „strong typing“):Variablen sind bereits zur Übersetzungszeit einem bestimmtenDatentyp zugeordnet, und dieser kann nicht nachträglich verändert werden. Typenstrenge bedeutet, dass Wertzuweisungen ausschließlich unter Variablen gleichen Typs erlaubt sind. In Pascal gibt es von diesem strikten Zwang lediglich wenige Ausnahmen:
Wertzuweisungen der Form [Variable vom Typreal]:= [Wert vom Typinteger].
In Extended-Pascal Wertzuweisungen von ganzzahligen oder reellen Zahlen an Variablen vom Typcomplex.
Wertzuweisungen von eingeschränkten Wertebereichen einesordinalen Typs. Beispiel:type int10 = 1 .. 10; Werte dieses Typs können dann Integervariablen zugewiesen werden.
Wertzuweisungen von Mengen eines eingeschränkten Wertebereiches eines ordinalen Typs. Beispiel:type set10 = set of 1 .. 10; set20 = set of 1 .. 20; Werte des Typsset10 können dann Variablen des Typsset20 zugewiesen werden.
Wertzuweisungen auf eingeschränkte Wertebereiche eines ordinalen Typs oder einer Menge. In diesem Fall rufen Werte bzw. Mengen-Elemente außerhalb des Zielbereichs einenLaufzeitfehler hervor.
Wertzuweisungen zwischen unterschiedlichen String-Typen, inkl.char, Zeichen-Arrays gemäß Standard-Pascal und den verschiedenenString-Typen in Extended-Pascal, Borland Pascal usw. Sofern die Länge des Wertes nicht innerhalb der Kapazität des Ziels liegt, ergibt sich auch hier ein Laufzeitfehler.
Heute findet Pascal noch im universitären Bereich (Entwicklung/Ausbildung) und in sicherheitskritischen Bereichen (z. B.Verkehrstechnik,Energieversorgung,Medizintechnik,Raumfahrt,Militär, teilweise imBanken- undVersicherungswesen) Anwendung. Dies beruht hauptsächlich auf der guten Prüfbarkeit undWartbarkeit des Codes und der klaren Zuordnung der Variablen. So war die 2005 eingeführteBetriebsleittechnik IV der 2011 stillgelegtenTransrapid-Versuchsanlage Emsland in Pascal programmiert.Eine pascalähnliche Notation wurde in der Informatik und Mathematik zur Darstellung von Algorithmen benutzt.[2] Aus didaktischen Gründen, es seien hier die Typstrenge, Fehlersicherheit und frei verfügbare portierbare Pascalcompiler (Free Pascal,GNU Pascal) genannt, wird im aktuellen Informatikunterricht Pascal ebenfalls noch eingesetzt.[3] Im Hobby-Bereich erlangte Pascal zeitweilig eine weite Verbreitung.[4]
In der Pascal-Version, die im 1973 erschienenenRevised Report beschrieben wird, sind dieTextdateieninput undoutput vordefinierte Programmparameter.Sie als Programmparameter aufzuführen ist (indieser Pascal-Version jedenfalls) ausdrücklich verboten.[5]Daher ist das folgende Programm äquivalent zum obigen.In Dialekten wie Delphi wird der Programmkopf (nahezu) ignoriert und kann komplett entfallen, falls er jedoch vorhanden ist, muss ersyntaktisch korrekt sein.
programHallo;beginwriteln('Hallo Welt')end.
Ein Detail am Rande: In manchen alten Beispielen findet man einreadln nach demwriteln-Befehl. Das war nur notwendig, weil die I/O-Architektur derCDC Cyber 6000, auf der Wirth den ersten Pascal-Compiler entwickelte, das benötigte, um die internen Puffer zu leeren – sonst wäre im interaktiven Betrieb keine Ausgabe zu sehen gewesen. IDEs (integrierte Entwicklungsumgebungen) konnte man mit diesemreadln zwingen, am Ende der Programmausführung nicht sofort wieder in den Editor-Modus umzuschalten, was die Ausgabe bei manchen IDEs (z. B. Turbo-Pascal) sonst hätte verschwinden lassen. ImBatch-Betrieb war das ohnehin nie notwendig.
Jeder Variablen muss in einer Variablendeklaration ein Datentyp zugeordnet werden. Der Datentyp bestimmt, welche möglichen Werte die Variable während des Programmablaufs speichern kann. In Pascal gibt es vier einfache Standardtypen, nämlichinteger,real,boolean undchar.
Die Längen der verschiedenen Datentypen außerboolean sind abhängig vom Compiler. Weiterhin haben viele Implementationen noch weitere vordefinierte einfache Datentypen.
In Pascal ist es möglich, neben den vier Standardtypen eigene einfache Datentypen zu definieren. Dabei handelt es sich entweder umAufzählungstypen oder Ausschnittstypen. Um einen neuen Aufzählungstyp zu definieren, schreibt man alle Werte, die eine Variable dieses Typs speichern können soll, der Reihe nach auf. Im folgenden Beispiel wird ein neuer Typ mit dem NamenBesteck definiert:Besteck = (Gabel, Messer, Loeffel)
Einen Ausschnittstyp definiert man, wenn der Wertebereich eines umfassenderen Typs nicht voll ausgeschöpft wird. Wenn eine Variable beispielsweise nur die Zahlen zwischen 0 und 255 speichern können soll, so ist es möglich, den Datentypinteger auf dieseTeilmenge einzuschränken. Im folgenden Beispiel wird ein neuer Typ mit dem Namenbyte definiert:byte = 0 .. 255;
Pascal bietet Programmierern vier strukturierte Datentypen, die es ermöglichen, mehrere Werte in einer Variablen zu speichern. In einemFeld (array) kann eine feste, also während derLaufzeit unveränderbare Anzahl von Werten gespeichert werden, die alle vom selben Datentyp sein müssen. Im folgenden Beispiel wird ein Feld definiert, in dem maximal 100 ganze Zahlen abgespeichert werden können:
BeispielFeld=array[1..100]ofinteger;
In einer Menge (set) können ebenfalls Werte vom selben Datentyp gespeichert werden, allerdings wird nur festgehalten, welche Werte in der Menge enthalten sind, wobei es nicht darauf ankommt, wie oft ein einzelner Wert genannt wurde oder in welcher Reihenfolge die Werte genannt wurden. Ein Beispiel für die Definition einer Menge:
BeispielMenge=setof13..55;
In einemVerbund (record) kann eine feste Anzahl von Werten gespeichert werden, wobei die Werte von verschiedenem Datentyp sein dürfen. Ein Beispiel einer Definition:
Eine beliebig lange Folge von Werten desselben Typs kann in Pascal mithilfe des Datentypsfile (deutschDatei) dargestellt werden. Beispiel einer Definition:
Hauptzweck der Verwendung vonZeigern ist in Pascal das Erstellen von verschiedenen Datenstrukturen, je nach den Vorstellungen des Programmierers. So lassen sich mithilfe von Zeigern etwaListen undBäume erstellen, die bei der Speicherung von Daten Vorteile gegenüber Feldern, Mengen, Verbünden und Dateien bieten. Ein weiterer Vorteil von Zeigern ist, dass Zeigervariablen den von ihnen benötigten Speicherplatz während der Laufzeit anfordern können. Der Programmierer muss also nicht schon im Vorhinein definieren, wie viel Platz die Variablen seines Programms bei der Ausführung benötigen werden und kann grundsätzlich vom Minimum ausgehen, über das, je nach Bedarfsfall, hinaus erweitert wird.
Charakteristisch für Pascal ist das Konzept der Verschachtelung vonProzeduren undFunktionen. Im Deklarationsteil einer Prozedur oder Funktion können andere Prozeduren und Funktionen definiert werden, die außerhalb nicht sichtbar sind. Beispiel:
programHalloWelt;procedurefoo;procedurebar;beginwriteln('Hallo Welt');end;beginbarend;beginfoo;(* kein Compilerfehler *)bar(* Compilerfehler, da bar nicht sichtbar *)end.
Pascal bietet drei Arten vonSchleifen. Soll vor jedem Schleifendurchlauf eineAbbruchbedingung geprüft werden, verwendet man diewhile-Anweisung, für eine Prüfung nach jedem Durchlauf dierepeat-Anweisung. Für eine vorgegebene Anzahl von Durchläufen gibt es diefor-Anweisung.
whilewert<100dowert:=wert+1;
fori:=1to100dowert:=wert+1;
repeatwert:=wert+1untilwert>100;
Diewith-Anweisung ist keine Schleife, sie vereinfacht nur die Zugriffe auf Komponenten eines Record.
Sprunganweisungen können mitgoto auch verwendet werden, dessen Gebrauch jedoch umstritten ist (siehe Artikel zu Sprunganweisungen).
Pascal-Compiler sind überwiegendSingle-Pass-Compiler, d. h. die Quelle wird nur ein einziges Mal gelesen undanalysiert. Das Design der Sprache war so gehalten, um genau das zu ermöglichen. Bei der damaligen geringen Geschwindigkeit der Rechner Anfang der 1970er Jahre war dies ein großer Vorteil.
Der erste Pascal-Compiler entstand auf derCDC Cyber 6000 derETH Zürich. Daraus entstand dann Pascal 6000, das als erste operative Version eines Compilers der Sprache gesehen werden kann.
Ein zweiter Pascal-Compiler – der P4 „Portable Pascal Compiler“ vonUrs Ammann,Kesav Nori undChristian Jacobi – stammte ebenfalls von der ETH Zürich. Der P4 erzeugte eine plattformunabhängige, alsAssemblersprache ausgelegte Zwischensprache, denP-Code, der durch einevirtuelle Maschine (ein Programm) interpretiert wird. Später entstanden dann Compiler, die auf dem P4 basierten. Die verbreitetste Version wurde unter dem NamenUCSD Pascal bekannt, das auf vielen Systemen implementiert wurde, u. a. aufApple II undTexas Instruments TI-99/4A und wesentlich zur Verbreitung der Sprache sowohl (zuerst) in denVereinigten Staaten, später auch inEuropa beitrug. Im Mai 2006 wurden dieQuelltexte von Version II.0 freigegeben.
Da Pascal sowie der Quasi-Standard Borland/Turbo-Pascal eine strikte Trennung unterschiedlicher Typen vorsehen und dieZuweisungskompatibilität von Ausdrücken beachten, kommen impliziteTypumwandlungen, anders als in C, praktisch nicht vor. Insbesondere bei der Übergabe von Daten (z. B. aus externen Dateien, aber auch innerhalb des Programms) an Funktionen oder Prozeduren kann der Compiler schon beim Kompilieren die Korrektheit der Typen kontrollieren.
Keine nullterminierten Zeichenketten
Standard Pascal hatte zwarZeichenketten-Literale, aber keinen Typstring (s. oben). In den meisten späteren Implementierungen wurden Zeichenketten alschar-Arrays definiert, bei denen das erste Feld (Byte) zur Speicherung der Länge verwendet wurde. Daraus ergab sich eine Längenbegrenzung von 255 Zeichen. Bei den in derC-Standard-Bibliothek verwendeten Strings handelt es sich dagegen um NUL-terminierte Strings. Durch die Längenspeicherung in Pascal können verschiedene Operationen wie Stringverkettung effizienter durchgeführt werden (kein Durchsuchen bis zumNUL-Zeichen erforderlich). Größere Zeichenketten mussten selbst definiert werden (z. B. alsArray of char), sofern sie nicht (wie z. B. in Borland Pascal 7) durch die Compilerhersteller bereits implementiert wurden. Im Extended-Pascal-Standard wurden Zeichenketten als Scheme-Typ definiert. Auch hier muss die Kapazität angegeben werden, sie wird aber in runde Klammern geschrieben, und es gibt keine formale Längenbeschränkung:string(10240).
Strikte Trennung zwischen Programm, Funktionen und Prozeduren
Pascal trennt strikt zwischen einer Funktion (mit Rückgabewert) und einer Prozedur (kein Rückgabewert). Eine Funktion darf nicht als Prozedur aufgerufen werden – d. h., der Rückgabewert muss stets entgegengenommen werden. Seit Turbo Pascal 4.0 (1987) ist es jedoch möglich, Funktionen auch ohne Entgegennahme des Funktionsergebnisses aufzurufen. Weiterhin wird ein ausführbares Programm in Pascal durch dasSchlüsselwortprogram gekennzeichnet, wohingegen in C der Einstiegspunkt für ein Programm die Funktionmain ist, die sich außer durch ihren Namen nicht von anderen Funktionen unterscheidet.
Deklarationen
Programme, Funktionen und Prozeduren sind im Gegensatz zuC dreigegliedert: Es gibt neben dem Kopfteil, der den Namen und dieSignatur enthält, einen separaten Deklarationsteil, in dem Typen, Variablen und verschachtelte Prozeduren/Funktionen deklariert werden und einen Definitionsteil, in dem implementiert wird. In C gibt es nur einen Funktionskopf und Funktionsrumpf, der den Deklarations- und Definitionsteil vereinigt. In C dürfen Funktionen nicht verschachtelt definiert werden.
Case sensitivity
Im Gegensatz zu C ist Pascal in Bezug auf Schlüsselwörter,Bezeichner von Variablen, Funktionen oder Prozedurencase-insensitive.
Semikolon
Das Semikolon wird nicht wie in C als Befehlsabschluss interpretiert, sondern alsTrennzeichen zwischen Anweisungen. Vor einemend oderuntil kann es somit weggelassen werden. Vor einemelse darf es in der Regel gar nicht stehen, da sonst derif-Zweig als abgeschlossen angesehen werden würde. Ein Fall, bei dem es vor demelse steht (und stehen muss), ist am Ende einercase-Auflistung.
Delimiter
Für Zeichenketten-Literale und Zeichen-Literale wird dasselbe Begrenzungszeichen (Delimiter), nämlich der Apostroph, verwendet.
Zuweisungen
Zuweisungen an Variablen werden durch die Sequenz:= definiert, dasGleichheitszeichen allein dient dem Gleichheitsvergleich und der Definition vonKonstanten. Damit werden „mathematisch falsche“ Ausdrücke, z. B.i = i + 1, vermieden. Verkürzte Schreibweisen für Zuweisungen wiei++ statti := i + 1 oderi *= 2 statti := 2 * i existieren in Pascal nicht. Füri++ sieht Pascal dieintrinsische Funktioninc(i) und füri-- die Funktiondec(i) vor, die bei einigen Dialekten mächtiger sind als einunärer Postfix- oder Präfix-Operator.[6]
Operatoren
Pascal verwendet die Operatorenand,or,not,div (nur fürInteger, beiReal ist es/),mod und<> anstatt der C-Operatoren&&,||,!,/,% und!=. Die „Short Circuit“-Funktionalität von&& und|| in C (sobald das Ergebnis feststeht, nämlich wenn der linke Teil beimand FALSE beziehungsweise beimor TRUE ist, wird der rechte nicht mehr ausgewertet) schloss Niklaus Wirth explizit aus, da compilerinterne Optimierungsvorgänge die Reihenfolge der Auswertung verändern können. Spätere Pascalversionen implementierten eine lokal oder global zuschaltbare „Short Circuit“-Funktionalität, so dass der Programmierer im Einzelfall entscheiden kann, welche Art der Auswertung er wünscht. In Standard-Pascal gibt es keine Bitoperationen fürInteger (wie&,|,^ und~ von C), aber stattdessen den Typset of (mit den Operatoren*,+ und- für Durchschnitt, Vereinigung und Mengendifferenz).
Strenge Typentrennung
Pascal betreibt strenge Typentrennung, sodass unter anderem der Typchar nicht austauschbar ist mitinteger. Die Umwandlung muss mit den Funktionenord() undchr() durchgeführt werden. Dadurch werden verdeckte (oder ungewollte) Umwandlungen vermieden; z. B. führt die Anweisungi := 7/2 (mit i alsinteger) zu einer Fehlermeldung, weil der Operator / ein Operator ist, derreal als Ergebnis hat. Spätere Pascalversionen (z. B. Turbo Pascal) führten zusätzlich „explizite“Typumwandlungen, sog. „type casts“, ein, so dass z. B. mitlongint(i) der Wertebereich der Ganzzahlvariablen i erweitert oder eingeschränkt werden konnte. In Standard-Pascal musste dafür ein Umweg über (den Missbrauch von) Variantenrecords (union in C) genommen werden.
Zeigerarithmetik
In Pascal existiert keine Zeigerarithmetik, Iterationen über Arrays können nur über den Index erfolgen.
Wirths erste Veröffentlichung der neuen Programmiersprache erschien 1971, eine überarbeitete und erweiterte Version dieses Berichts 1973. Ein weiteres Jahr später folgte ein mit Kathleen Jensen geschriebener Bericht,[7] den Wirth als ultimative Referenz für Programmierer und Implementoren bezeichnete; das darin beschriebene Pascal nannte er Standard Pascal.[8]
Es gibt drei Standards, die sich auf Pascal beziehen:
Standard Pascal: ANSI/IEEE770X3.97-1993 oder ISO 7185:1990;
Extended Pascal: ANSI/IEEE770X3.160-1989 oder ISO/IEC 10206:1991;
sowie einen Entwurf zu „Object-Oriented Extensions to Pascal“.
Allerdings sind – wie bei den meisten anderen Programmiersprachen auch – nur die wenigsten Compiler zu diesen Standards vollständig kompatibel. Diese Tatsache verleitete Scott A. Moore zu der bissigen Bemerkung „Pascal is, unfortunately, very much a great improvement on its successors“ („Pascal ist leider so ziemlich eine große Verbesserung seiner Nachfolger“ – damals bereits ein geflügelter Satz).
Selbst großen Compilern wieDelphi oderFree Pascal fehlen bis heute einige Elemente aus Standard Pascal, während Extended Pascal von kaum einem unterstützt wird. Lediglich Prospero Pascal ist vollständig kompatibel zu Extended Pascal, während auch GNU Pascal vollständige Kompatibilität anstrebt.
Historisch interessant ist die Tatsache, dassApple bei der Entwicklung desBetriebssystems und der darauf laufendenApplikationen des Apple-II-NachfolgersMacintosh auf Pascal gesetzt hatte. Hierzu wurde bei Apple in einem vonLarry Tesler geführten Team unter Konsultation von Niklaus Wirth eine eigene Object-Pascal-Variante entwickelt, die von einer früheren objektorientierten Pascal-Variante namens Clascal abgeleitet wurde, die schon aufLisa verfügbar war. Object Pascal war für die Unterstützung von MacApp, einem Macintosh Application Framework erforderlich, das heute unter den BegriffKlassenbibliothek fallen würde. Object Pascal wurde 1986 fertiggestellt. Apple beendete den Fokus auf Object Pascal mit der Umstellung vonMotorola 68K-CPUs aufPowerPC-CPUs von IBM im Jahr 1994 mit der Betriebssystem-VersionMac OS 7.5. ZwecksRückwärtskompatibilität blieb die Übergabe von Parametern für Betriebssystemaufrufe bisMac OS 9.2.2 (veröffentlicht im Dezember 2001) an Pascal-Konventionen angelehnt.
Implementierungen (Compiler, Interpreter und IDEs)
Pascal hatte von Anfang an im universitären Bereich sehr großen Erfolg, was sich u. a. auch in der ProgrammierspracheAda niederschlug, die sehr stark an der Syntax von Pascal angelehnt ist. Ebenfalls fand es weite Verbreitung, auch im kommerziellen Bereich, mit den Produkten der FirmaBorlandTurbo Pascal, Borland Pascal und Delphi. Diese Versionen sind durch starke Erweiterungen des ursprünglichen Sprachstandards gekennzeichnet. Die Objektorientierung wurde dabei mit Version 5.5 eingeführt.
Ein unter derGNU Lesser General Public License stehendesOpen-Source-Projekt, das sich zum Ziel gesetzt hat, einen freien 32/64-Bit-Compiler zu erzeugen, der 100-prozentig kompatibel zu Turbo Pascal und Delphi sein soll und mittlerweile eine leichte Portierung von Pascal-Programmen auf fast alle gängigen Betriebssysteme und Hardwareplattformen ermöglicht.
Ein Pascal-Compiler, der als Frontend zurGNU Compiler Collection konzipiert ist. Er ist kein Bestandteil der GCC selbst, ist aber durch die Verwendung der GCC plattformunabhängig. GPC wird nicht mehr weiterentwickelt.
Diese inzwischen freie Implementierung eines Borland-kompatiblen Pascal-Compilers fürOS/2 wurde auch auf andere Plattformen portiert, wird aber seit 2005 nicht mehr weiterentwickelt.
Eine Entwicklungsumgebung für Free Pascal, die auch verschiedene Komponenten zur Verfügung stellt. Die IDE ist sehr Delphi-ähnlich gestaltet und verwendet unter Unix dasGTK+ als Grafik-Toolkit, unter Windows (win32/win64/wince) setzt es auf der nativenAPI auf, und auf Apple-Betriebssystemen kann wahlweise die nativeCarbon-API oder dasX-Window-System verwendet werden. Darüber hinaus unterstützt LazarusCross Compiling, so dass auch Software für weitere Plattformen wieWindows CE, OS/2,Palm OS oderNintendo DS entwickelt werden kann.
Dev-Pascal
Eine unter Windows laufende IDE, die auf Free Pascal oder GNU-Pascal als Compiler aufsetzen kann. Sie wird nicht mehr weiterentwickelt.
Eine 1986 von Kyan Software veröffentlichte, auf dem HeimcomputerApple II lauffähige Pascal-Entwicklungsumgebung inklusive Editor, Assembler, Makroassembler und Programmierkurs.
Kyan Pascal 128
Eine 1987 von Kyan Software weiterentwickelte Version für die HeimcomputerCommodore 128 undAtari 800.
Pascal C128
Eine vomMarkt+Technik Verlag veröffentlichte, auf dem Commodore 128 im C128-Modus lauffähige Pascal-Entwicklungsumgebung mit Compiler, Editor und Linker.
Profi-Pascal Plus
Eine 1987 vonData Becker veröffentlichte, auf dem Commodore 128 im C128-Modus lauffähige Pascal-Entwicklungsumgebung mit Compiler, Editor und Linker.
Eine 1989 vonMicrosoft veröffentlichte Pascal-Entwicklungsumgebung fürMS-DOS.
Super Pascal 128
Eine 1986 von Abacus Software veröffentlichte, auf dem Commodore 128 im C128-Modus lauffähige Pascal-Entwicklungsumgebung inklusive Editor, Assembler und Dienstprogrammpaket.
Pascal wurde nach dem französischen MathematikerBlaise Pascal benannt. Die Entwicklung der Programmiersprache Algol (bis 1958) wie auch die ihrer Nachfolger war Produkt von Entwicklungskomitees. Niklaus Wirth war maßgeblich an der Erstellung des Abkömmlings Algol W beteiligt, das in Zürich entwickelt und 1966 fertiggestellt wurde.[9] Er berichtete später von den Nachteilen einer gemeinsamen Entwicklung. Konsens innerhalb des Komitees musste mühsam erarbeitet werden, auch erschienen dem praktisch denkenden Wirth, der sich nicht nur als Wissenschaftler, sondern auch als Ingenieur sah, einige Entwicklungsziele mancher Kollegen als übertrieben und unumsetzbar.[10]
Im Jahr 1968 erhielt Wirth eine Professur an der ETH Zürich, wo er neben seiner Lehrtätigkeit Zeit fand, mit der Entwicklung einer neuen Sprache zu beginnen. Er arbeitete diesmal alleine und konnte Pascal im Laufe des Jahres 1969 fertigstellen. Einer der Gründe für die Neuentwicklung war laut Wirth das Fehlen einer für den universitären Unterricht geeigneten Sprache. Weder das zu unwissenschaftlich angelegteFortran noch das für die praktische Ingenieurstätigkeit ungeeignete Algol konnten Wirths Ansprüchen genügen. Über den Programmierunterricht hinaus sollte Pascal aber ebenso in der Wirtschaft, der Forschung und bei der Entwicklung von Compilern und Betriebssystemen einsetzbar sein.[10][11]
Weitere Ziele für die Entwicklung von Pascal bestanden daher darin, ein zuverlässiges und effizientes Werkzeug für das Schreiben großer Programme bereitzustellen[12] und den "Canyon" zwischen wissenschaftlicher und kommerzieller Entwicklung, wie sie durch die damals verbreiteten Sprachen Fortran und COBOL verkörpert wurden, mit einer universellen Programmiersprache zu überbrücken[13].
CDC 6600
Nachdem Wirth die Sprache 1969 fertiggestellt hatte, folgte ein Jahr später die Entwicklung des ersten Pascal-Compilers. Dieser wurde für Computer derCDC 6000 Serie geschrieben und ging bereits 1970 in Betrieb. Im Jahr 1971 veröffentlichte Wirth die nur 28 Seiten lange Beschreibung[14] der Sprache, 1972 konnten Lehrende Pascal erstmals für einführende Programmierkurse verwenden.[10] 1973 folgte eine überarbeitete und 54 Seiten lange Überarbeitung der Spezifikation.[5]
„Oft wurde ich gefragt, wie man eine Programmiersprache ‚erfindet‘. Man kann das nicht wirklich beantworten, aber es ist sicherlich eine Frage der Erfahrung auf dem Gebiet der Programmierung und von sorgfältiger Überlegung. Manchmal sage ich: ‚So, wie man ein Flugzeug entwickelt. Man muss eine gewisse Anzahl nötiger Bauelemente identifizieren und diese dann zu einem funktionierenden Ganzen zusammenbauen.‘ Diese Antwort ist vielleicht nicht voll zufriedenstellend, aber zumindest passiert dem Resultat in beiden Fällen dasselbe, entweder es fliegt oder es stürzt ab.“
Da die Sprache als Lehrsprache konzipiert war, wies das Standard-Pascal einige Merkmale auf, die den kommerziellen Einsatz erschwerten: Das Konzept für Dateizugriffe („file I/O“) war nicht mächtig, dieLaufzeitbibliothek wenig umfangreich, und Zeichenketten konnten nur über Umwege (packed array) direkt im Code verwendet werden. Das führte dazu, dass praktisch jede kommerzielle Implementierung hierzu eigene Lösungen anbot, was zunächst (ähnlich wie die Diversifizierung bei C) zu eigenen Pascal-Dialekten und damit zu Kompatibilitätsproblemen führte. Mit der monopolartigen Dominanz der Turbo-Pascal-Produkte vonBorland verschwanden diese Unterschiede fast vollständig.
Ein anderer wesentlicher Nachteil war, dass eine Modularisierung im Sinne getrennter Kompilierung nicht vorgesehen war – was mit der WeiterentwicklungModula-2 geändert wurde. Plattformspezifische Implementierungen sahen dafür eigene Lösungen vor (z. B. die Units von Turbo-Pascal, fortgeführt in äquivalenten Unit-Implementierungen in Free Pascal und Delphi, oder später die Module in ANSI/ISO Extended Pascal).
In den zwei Jahrzehnten nach 1975 gewann Pascal mehr Einfluss und wurde zu einer dominierenden Programmiersprache auf wichtigen Plattformen wie Apple II, Apple III, Apple Lisa, Commodore-Systemen, Z-80-basierten Maschinen und IBM PC. Dies ist unter anderem der Entwicklung von UCSD-Pascal und Turbo Pascal zu verdanken[16].
Trotz der ursprünglichen Kritik entwickelte sich Pascal weiter, so dass die Mehrzahl der früheren Probleme in kommerziellen Implementierungen behoben wurden. Allerdings waren die Lösungen meist zwischen den Compilern inkompatibel. In den 1990er Jahren vereinfachte sich die Situation allerdings dadurch, dass sich die Varianten graduell zwei Hauptkategorien, ISO-Pascal und Borland-ähnlichem Pascal, annäherten.
Einige der verbleibenden Schwierigkeiten, die durch die Unterschiede in den Pascal-Implementierungen entstanden, wurden später teilweise in Free Pascal gelöst, das verschiedene Dialekte mit Modus-Direktiven unterstützt[17].
Niklaus Wirth:Algorithmen und Datenstrukturen. Stuttgart 1975,ISBN 3-519-02330-X.
Niklaus Wirth:Pascal and its Successors. In: Manfred Broy, Ernst Denert (Hrsg.):Software Pioneers: Contributions to Software Engineering. Springer-Verlag, Berlin/Heidelberg 2002,ISBN 3-540-43081-4, S. 108–119.(online)
Kathleen Jensen, Niklaus Wirth:Pascal. User Manual and Report. (=Lecture notes in computer science. 18). Springer, Berlin 1974.
Kathleen Jensen, Niklaus Wirth:Pascal User Manual and Report. ISO Pascal Standard. 4. Auflage. Springer-Verlag, 1991,ISBN 3-540-97649-3.
Steven Pemberton, Martin Daniels, Ellis Horwood:Pascal Implementation: The P4 Compiler and Interpreter.ISBN 0-13-653031-1. (online)
Brian W. Kernighan:Why Pascal is Not My Favorite Programming Language. AT&T Bell Laboratories, Murray Hill, New Jersey 1981. Ein Artikel, der ausführlich anhand von Beispielen auf die Nachteile von Pascal eingeht und Pascal mit anderen Programmiersprachen wie C oder Fortran vergleicht.
↑Niklaus Wirth:The Programming Language Pascal. In:Acta Informatica.Band1,Nr.1, 1971,S.35–63,doi:10.1007/BF00264291 (englisch).
↑Niklaus Wirth:Recollections about the development of Pascal. In:History of programming languages---II. Januar 1996,S.97–120,doi:10.1145/234286.1057812 (englisch).
↑Niklaus Wirth:The Programming Language Pascal. 1971.
↑Niklaus Wirth:Pascal and its Successors. 2002, S. 108–119:Many times I have been asked how one "invents" a programming language. One cannot really tell, but it certainly is a matter of experience with the subject of programming, and of careful deliberation. Sometimes I answered: "Like one designs an airplane. One must identify a number of necessary building blocks and materials, and then assemble and combine them properly to a functioning whole". This answer may not be entirely satisfactory, but at least in both cases the result either flies or crashes.