| Parti Québécois | |
|---|---|
| Parteiführer | Paul St-Pierre Plamondon |
| Gründung | 11. Oktober 1968 |
| Hauptsitz | Montreal |
| Ausrichtung | Sozialdemokratie Separatismus Linksnationalismus |
| SitzeNationalversammlung von Québec | 4 / 125 (3,2 %) |
| Website | www.pq.org |
DieParti Québécois (PQ) ist einepolitische Partei in derkanadischen ProvinzQuébec. Sie strebt die Unabhängigkeit Québecs von Kanada an. Ein weiteres Kernanliegen des Parti Québécois ist die Förderung derfranzösischen Sprache in Québec. In sozialen, wirtschaftlichen und kulturellen Fragen steht die PQ densozialdemokratischen Parteien in Europa nahe, sie unterhält aber lediglich informelle Beziehungen zurArbeiterbewegung und zuGewerkschaften.
Mitglieder und Anhänger der Partei werden alspéquistes (peˈkist) bezeichnet, abgeleitet von der französischen Aussprache der Abkürzung. Nach den letzten Wahlen am 3. Oktober 2022 war die PQ mit 3 von 125 Sitzen in derNationalversammlung von Québec vertreten und ist die schwächste Oppositionspartei.
Die PQ entstand 1968 aus der Fusion desMouvement Souveraineté-Association vonRené Lévesque und desRalliement national. Im selben Jahr schlossen sich auch die meisten Mitglieder desRassemblement pour l’indépendance nationale der PQ an. Die Hauptziele waren damals schon die politische, wirtschaftliche und gesellschaftliche Unabhängigkeit Québecs. Bei den Wahlen im Jahr 1976 errang die Partei erstmals die Mehrheit der Sitze in derNationalversammlung und Lévesque wurde Premierminister. Dieser Wahlsieg beschleunigte die Abwanderung der anglophonen Minderheit und die Verlagerung ihrer wirtschaftlichen Aktivitäten nachToronto.
Die Regierung der PQ war die erste, die das Recht derUreinwohner auf Selbstbestimmung anerkannte, sofern sich diese nicht auf die territoriale Integrität Québecs auswirken. Das bedeutendste neu eingeführte Gesetz war dieCharta der französischen Sprache, die dem Französischen den Vorrang in allen Lebensbereichen garantiert. 1981 wurde die Regierung bestätigt, doch interne Auseinandersetzungen führten 1984 zu Lévesques Rücktritt. Sein NachfolgerPierre-Marc Johnson konnte die Niederlage bei den Wahlen 1985 nicht abwenden.
DasQuébec-Referendum 1980, bei dessen Annahme die Provinzregierung Verhandlungen über die Unabhängigkeit hätte führen können, wurde mit fast 60 % der Stimmen abgelehnt. Nach dem Scheitern desMeech Lake Accord und desCharlottetown Accord, die umfangreiche Änderungen derkanadischen Verfassung vorsahen, blieb die Frage um den Status Quebécs unbeantwortet. Nach neun Jahren in der Opposition bildete die PQ ab 1994 wieder die Regierung und verstärkte ihre Bemühungen um die Unabhängigkeit. DasQuébec-Referendum 1995 wurde äußerst knapp abgelehnt (50,58 % Nein-Stimmen), woraufhin PremierministerJacques Parizeau seinen Rücktritt bekanntgab.
Lucien Bouchard, ein früheres Mitglied der kanadischen Bundesregierung unterBrian Mulroney und später Gründer desBloc Québécois, folgte auf Parizeau, sprach sich aber gegen ein weiteres Unabhängigkeitsreferendum aus. Die PQ gewann die Wahlen 1998, obwohl sie insgesamt weniger Stimmen erhielt als dieParti libéral du Québec, da sie von Verzerrungen des Mehrheitswahlrechts profitierte. 2001 folgte der frühere FinanzministerBernard Landry. Unter dessen Führung verlor die PQ die Wahlen 2003. Vier Jahre später fiel die Partei bei den Wahlen noch hinter derAction démocratique du Québec auf den dritten Platz zurück, konnte aber 2008 wieder zulegen.
Zu Beginn des 21. Jahrhunderts nahm der linke progressive Flügel der PQ einen Rechtsrutsch der Partei hin zumNeoliberalismus wahr. Zahlreiche Mitglieder traten aus der PQ aus gründeten 2006Québec solidaire. Auf der rechten Seite des politischen Spektrums machte die 2012 gegründeteCoalition Avenir Québec der PQ Konkurrenz. 2012 ging die PQ zwar als stärkste Kraft aus den Wahlen hervor, verfehlte aber die absolute Mehrheit der Mandate deutlich und bildete eine vonPauline Marois angeführte Minderheitsregierung. Weniger als zwei Jahre später setzte sievorgezogene Neuwahlen an, in der Hoffnung, die Mehrheit zu erringen. Doch das Kalkül ging nicht auf und die PQ erzielte das schlechteste Ergebnis seit 1970. Nach dem darauf folgenden Rücktritt von Pauline Marois führteStephane Bédard die Partei vom 10. April 2014 an ein gutes Jahr interimistisch, bevor am 15. Mai 2015Pierre-Karl Péladeau zum Parteivorsitzenden gewählt wurde und somit zum Oppositionsführer in Québec aufstieg.[1]
Da in Kanada auf Bundes- und auf Provinzebene unterschiedliche Parteien antreten, stehen Parti Québécois undBloc Québécois nicht in Konkurrenz zueinander. Der Bloc steht dem PQ politisch nahe und vertritt die Interessen der Québecer Souveränisten imkanadischen Unterhaus inOttawa. Bei Wahlen unterstützen sich beide Parteien gegenseitig. Sie verfügen über eine ähnliche Mitglieder- und Wählerbasis. Prominente Mitglieder sind oft bei Veranstaltungen der jeweils anderen Partei anwesend.[2]
Ergebnisse bei den Wahlen zur Nationalversammlung:[3]
| Wahl | Sitze total | Kandi- daten | Gew. Sitze | Stimmen | Anteil |
|---|---|---|---|---|---|
| 1970 | 108 | 108 | 7 | 662.404 | 23,06 % |
| 1973 | 110 | 110 | 6 | 897.809 | 30,22 % |
| 1976 | 110 | 110 | 71 | 1.390.351 | 41,37 % |
| 1981 | 122 | 122 | 80 | 1.773.237 | 49,26 % |
| 1985 | 122 | 122 | 23 | 1.320.008 | 38,69 % |
| 1989 | 125 | 125 | 29 | 1.369.067 | 40,16 % |
| 1994 | 125 | 125 | 77 | 1.751.442 | 44,75 % |
| 1998 | 125 | 124 | 76 | 1.744.240 | 42,87 % |
| 2003 | 125 | 125 | 45 | 1.269.183 | 33,24 % |
| 2007 | 125 | 125 | 36 | 1.125.546 | 28,35 % |
| 2008 | 125 | 125 | 51 | 1.141.751 | 35,17 % |
| 2012 | 125 | 125 | 54 | 1.393.765 | 31,95 % |
| 2014 | 125 | 124 | 30 | 1.074.115 | 25,38 % |
| 2018 | 125 | 125 | 10 | 687.995 | 17,06 % |
| 2022 | 125 | 125 | 3 | 600.708 | 14,61 % |
| Name | Vorsitz | Premier |
|---|---|---|
| René Lévesque | 1968–1985 | 1976–1985 |
| Pierre Marc Johnson | 1985–1987 | 1985 |
| Guy Chevrette(interimistisch) | 1987 | |
| Jacques Parizeau | 1987–1996 | 1994–1996 |
| Lucien Bouchard | 1996–2001 | 1996–2001 |
| Bernard Landry | 2001–2005 | 2001–2003 |
| Louise Harel(interimistisch) | 2005 | |
| André Boisclair | 2005–2007 | |
| François Gendron(interimistisch) | 2007 | |
| Pauline Marois | 2007–2014 | 2012–2014 |
| Stéphane Bédard(interimistisch) | 2014–2015 | |
| Pierre-Karl Péladeau | 2015–2016 | |
| Jean-François Lisée | 2016–2018 | |
| Pascal Bérubé(interimistisch) | 2018–2020 | |
| Paul St-Pierre Plamondon | Seit 2020 |