
Pari, auchPeri[1] (persisch پری,DMGparī, Pluralparīyān), ist einfeenähnliches, geflügeltes Fabelwesen derpersischen Mythologie. Die Pari stehen für alles Gute und Reine auf der Welt. Wilhelm Vollmer beschreibt sie als überirdische Wesen, genauer vom Himmel verstoßeneEngel, die auf der Erde für Ruhe und Ordnung sorgen sollen. Sie seien demnach gottähnliche Wesen in Menschengestalt.[2] Andere Überlieferungen besagen, dass die Pari exquisite, geflügelte geisterartige Wesen sind, die auf einer Stufe zwischen Engel und Mensch stehen. Ihre Gegenspieler sind die sogenanntenDiwe (persische Bezeichnung für böse Dämonen). Der Glaube an Pari wurde zusammen mit denen der Diwen später vomIslam übernommen und in dieseReligion integriert.[3]
Pari ist inIran ein traditionell beliebter Mädchenvorname. Eine Ableitung des Namens istParysatis. Parysatis war eine Königin des persischen Reiches.
Die Pari sind häufige Gestalten in der persischen Literatur. Es sind (meist weibliche) Feen voller Anmut und Schönheit, sie verzauberten die Sterblichen vor allem durch ihr schönes Gesicht („Feengesicht“, persischparitschehr). Sie können sowohl hilfreich als auch gelegentlich böse und verderblich für die Menschen sein.
Zu Beginn des epischen BuchesSchāhnāme („Das Buch der Könige“) vonFirdausi erscheint die Gottheit Sorusch in Gestalt einer Pari, um Keyumars (der mythologisch erste Mann und Schah (persischKönig) der Welt) und seinen Sohn Siamak vor der Bedrohung durch den zerstörerischen Ahriman zu warnen. Letztlich gelingt es Keyumars, den grausamen Ahriman und seinen dämonischen Sohn zu besiegen. Im Abschnitt des GedichtsRostam und Sohrab wird Rostams Geliebte, die Prinzessin Tahmina, als „Pari-Gestalt“ bezeichnet. Die Fee Pari Banu ist eine Hauptfigur in der GeschichtePrinz Ahmed und die Fee Peri Banu in der MärchensammlungTausendundeine Nacht.
Weiterhin ist die Figur der Pari in zahlreichen musikalischen und künstlerischen Formen verarbeitet. Beispielsweise haben die iranischen Sänger Darius und Shahram Shabpareh beide ein Lied herausgebracht, welches den Titel „Parya“ trägt.
Die Existenz von Dämonen wird imKoran, der heiligen Schrift des Islam, bejaht. Die Vorstellung, Dämonen könnten den menschlichen Geist inspirieren, findet sich im islamischen Geisterglauben wieder und erleichterte die Übernahme weiterer dämonischer Gestalten außerhalb der Arabischen Halbinsel. Unter jenen Gestalten assimilierten sich unter persischem Einfluss der Glaube an die Pari undDiwen, und ihre Existenz wurde sogar in den Offenbarungskontext des Korans integriert. Die Pari wurden dabei zu meist wohlwollenden Wesen, die in ständigem Konflikt mit den bösartigen Diwen stehen.[4] Vonanimistischen Glaubensvorstellungen beeinflussteMuslime halten die Kontaktaufnahme zu den Pari für vergleichbar mit der zu einem Heiligen, um sich vor bösen Dschinnen und Diwen zu schützen. Dersunnitische GelehrteTabari ordnete die Pari den vor-adamitischen Wesen zu, die einst unter der Herrschaft derDschinn auf Erden lebten.[5] Der OrientalistJoseph von Hammer-Purgstall hielt zudem fest, dass manche Muslime wohl eine eigene Entstehungssubstanz für die Pari erdacht hätten. Während der Stammvater der Dschinn aus Feuer erschaffen worden sei, wären die Pari möglicherweise aus Duft erschaffen worden. Einen Konsens habe es dazu aber nicht gegeben.[6]


Die Figur der Pari erscheint in demorientalisierenden MärchenVathek des exzentrischen EngländersWilliam Beckford, das er im Jahre 1782 in französischer Sprache geschrieben hat.
InThomas Moores GedichtParadies und die Pari, Teil seiner Lalla Rookh, heißt es, eine Pari gewinne Eingang zum Himmel nach drei Gaben an Gott. Die erste Gabe sei ein Tropfen Blut von einem jungen Soldaten, der bei einem Anschlag auf Mahmud von Ghazni getötet wurde. Die zweite sei ein Seufzer von Lippen einer sterbenden Jungfrau. Die dritte Gabe sei die Träne eines bösen alten Mannes, der beim Anblick eines betenden Kindes in den Ruinen des Tempels vonBaalbeck Buße tat.[7]
Robert Schumann hat Moores gekürzte Fassung der Erzählung alsOratorium mit dem TitelDas Paradies und die Peri vertont. In London wurde 1862 die fantastische OuvertüreParadise and the Peri (Op. 42) vonWilliam Sterndale Bennett uraufgeführt.
Die letzte große Arbeit des französischen KomponistenPaul Dukas war dasBallettLa Péri (1912), vom KomponistenPoème danse genannt. Es geht darin um einen jungen persischen Prinzen, der bis ans Ende der Welt wandert, um dieLotosblume, durch die der Mensch unsterblich werden kann, zu suchen, bis er schließlich auf ihre Beschützerin trifft, diePéri.Friedrich Burgmüller hat eine BallettmusikLa Péri komponiert, die nach dem Libretto vonThéophile Gautier von dem ChoreographenJean Coralli tänzerisch umgesetzt wurde und 1843 an derPariser Oper uraufgeführt wurde.[8]
William Schwenck Gilbert undArthur Sullivans Operette 1882Iolanthe trägt den Untertitel „Peer und die Pari“, doch hat seine Pari – die Feenkönigin „Iolanthe“ – außer dem Namen wenig Ähnlichkeiten mit den Pari der persischen Mythologie.
In demFantasyromanZariel's Doom (2014) von Joseph Robert Lewis erscheinen „Peris“ als Wesen mit blattartigen Flügeln, insektenartigen Augen und vier Armen und ohne Beine.
In der Folge „The Twin Dilemma“ der FernsehserieDoctor Who erklärt der Protagonist Geschichte und Eigenschaften der Paria/Parya.