Etwa 80 % der Landesfläche werden vom Ostteil der gebirgigen InselNeuguinea eingenommen. Daneben gibt es eine Reihe von Inseln und Inselgruppen. Papua-Neuguinea ist Teil despazifischen GroßraumsMelanesien, der von Neuguinea bis zu denFidschi-Inseln im Osten reicht. Geografisch liegt Neuguinea am Rande des tiefen Ozeanbeckens auf einem stark verformten, bis heute vulkanisch aktiven Teil der Erdkruste. VomMiozän bis zumPleistozän faltete sich die Erdoberfläche hier stark und schuf die Buchten, Gebirge und Inselketten des Landes.
Die ganze Insel wird von einem etwa 200 Kilometer breiten, verästelten Gebirge durchzogen, das von steilen Tälern und wenig zugänglichen Ebenen geprägt ist. Diese Landesnatur begünstigte die isolierteStammesbildung, wie sie in Neuguinea stattgefunden hat. Höchster Berg in Papua-Neuguinea ist derMount Wilhelm mit 4509 Metern, knapp unterhalb der ganzjährigenSchneegrenze.
Die Landschaften sind äußerst vielfältig und abwechslungsreich. In den durch starke Höhenunterschiede gekennzeichneten Gebirgen befinden sich spitze Bergkuppen, breite Täler,Gletscher,Regenwald,Vulkane, Grasflächen, Hochgebirgswald und alpine Ebenen. Zwischen Gebirge und Küstenland befinden sichMangrovensümpfe,Savannen sowie fruchtbares Schwemmgebiet von Flüssen und Regenwald. Der längste Fluss Papua-Neuguineas ist der 1126 Kilometer langeSepik. Vor der Nordküste liegen ausgedehnteKorallenriffe.
NachGrönland ist Neuguinea die zweitgrößte Insel der Erde und wird weiträumig von zahlreichen Inselgruppen umgeben, die geographisch in vier Hauptgruppen unterteilt werden können.
Im Hochland kann es nachts Frost geben, an den Küsten ist es dagegen ganzjährig tags und nachts um die 30 Grad Celsius warm. Während es im benachbarten Nordaustralien meist heißer, aber trockener ist, gibt es an den Küsten Neuguineas oft eine tropisch hohe Luftfeuchtigkeit. An einigen Küstenstrichen ist die Feuchtigkeit extrem hoch. Die vom Gebirge heruntergeleiteten Passat- und Monsunwinde bringen dem ganzen Land regelmäßig tropische Regenschauer.
Das Land ist seit dem 17. Mai 2012[8] in 20Provinzen, die autonome RegionBougainville und den Hauptstadt-DistriktNational Capital District eingeteilt.
Im Allgemeinen werden Küstenprovinzen, Hochlandprovinzen und Inselprovinzen unterschieden. Außerdem kann man die Provinzen, die im ehemaligen Mandatsgebiet der früheren deutschen Kolonie Neu-Guinea liegen, von denen des australischen Papua-Neuguineas trennen.
Auf dem Gebiet des ursprünglichenDeutsch-Neu-Guinea liegen (von West nach Ost)
Papua-Neuguinea hatte 2023 10,3 Millionen Einwohner.[10] Das jährliche Bevölkerungswachstum betrug + 1,8 %. Zum Bevölkerungswachstum trug ein Geburtenüberschuss (Geburtenziffer: 25,1 pro 1000 Einwohner[11] vs. Sterbeziffer: 6,5 pro 1000 Einwohner[12]) bei. Die Anzahl der Geburten pro Frau lag 2022 statistisch bei 3,2, die der Region Ostasien und Ozeanien betrug 1,5.[13] DieLebenserwartung der Einwohner Papua-Neuguineas ab der Geburt lag 2022 bei 66 Jahren.[14] DerMedian des Alters der Bevölkerung lag im Jahr 2021 bei 21,8 Jahren.[15] Im Jahr 2023 waren 33,9 Prozent der Bevölkerung unter 15 Jahre,[16] während der Anteil der über 64-Jährigen 3,3 Prozent der Bevölkerung betrug.[17]
Die Mehrheit der Bevölkerung besteht ausPapua, die sich in 700 bis 1000 Volksgruppen mit jeweils eigener Sprache und Kultur sowie teils auch eigener Religion unterteilen. Sie wohnen zu 90 % im unwegsamen Bergland der Insel und leben größtenteils traditionell in Familienverbänden. Die Zahl der mehrheitlichmelanesischen ethnischen Gruppen ist allerdings noch größer. Melanesier leben vor allem in Küstennähe und auf den Inseln. Zudem gibt es Minderheiten vonMikronesiern,Polynesiern und Europäern (unter anderemDeutsche).[20]
Das Mitglied einer ethnischen Gemeinschaft bezeichnet man alsWantok (von englischone talk), da sich die Zugehörigkeit zu einem Volk in erster Linie durch die Verwendung der gleichen Sprache bestimmt. Es kann immer auf die Hilfe der Gemeinschaft zählen, muss dabei aber auch große Verpflichtungen eingehen. Das Wantok-System zieht sich durch sämtliche staatlichen und privaten Strukturen.[21]
Im Jahre 2017 waren 0,4 % der Bevölkerung im Ausland geboren.[22][23]
Papua-Neuguinea ist traditionell ein Land mit sehr großer sprachlicher Vielfalt. In der Bevölkerung werden insgesamt 839 verschiedene Sprachen und Dialekte gesprochen (je nach Angabe zwischen 11 % und 25 % der lebenden Sprachen der Welt).[24] Vor dem Hintergrund spielt die von Teilen der Bevölkerung gesprochene SpracheHiri Motu, eine auf derMotu-Sprache basierendeKreolsprache, eine große Rolle für die nationale Einigung. Hierbei handelt es sich um eine melanesisch-papuanische Mischsprache. Ihre Bedeutung schwindet allerdings angesichts des wachsenden Einflusses derPidginspracheTok Pisin, die sich selbst zu einer ausgewachsenen Kreolsprache entwickelt hat. Tok Pisin wird von immer mehr Menschen als Muttersprache beherrscht und gilt als bedeutendereVerkehrssprache. Hiri Motu wird dagegen inzwischen von weniger als zwei Prozent der Bevölkerung gesprochen.
Die ehemalige AmtsspracheDeutsch ist im Land nahezu verschwunden, die australische Besatzungsmacht verdrängte die deutsche Sprache nach demErsten Weltkrieg weitgehend durch dieenglische. Lediglich eine auf dem Deutschen basierende Kreolsprache, dasUnserdeutsch, wurde 2004 noch von etwa 100 Menschen gesprochen. Englisch wird hingegen inzwischen von ein bis zwei Prozent der Bevölkerung als Muttersprache verwendet.[21]
Aufgrund der Missionsarbeit von Missionaren aus demDeutschen Kaiserreich gehört die Mehrheit der Bevölkerung zuchristlichen Gemeinschaften. Gemäß der Volkszählung von 2011 waren insgesamt 95,6 % der Einwohner Christen. Weniger als 2 % waren Nicht-Christen, während 3 % keine Religion angaben. Seit dem Jahr 2000 lag der Anteil der Christen konstant bei 96 %, während der Anteil der Nichtchristen bei weniger als 2 % lag.[25] Dietraditionellen Religionen sind durch Missionierung seit Anfang des 20. Jahrhunderts stark zurückgegangen. In der Volkszählung von 2011 wurden keine Anhänger der einheimischen Glaubensrichtungen mehr gesondert ausgewiesen.[25] Die traditionelleMusik Neuguineas ist Bestandteil der verbliebenen Kulte und der Dorffeste(sing-sing). Diegaramut genannten hölzernenSchlitztrommeln werden an der Nordküste und auf vorgelagerten Inseln bei Zeremonien geschlagen. Es gibt kleine Minderheiten vonBahai undMoslems.
Große Teile der über 15-jährigen Bevölkerung sind Analphabeten (35,8 % aller Männer, sowie 37,2 % aller Frauen über 15).[26] Viele Schulen sind in kirchlicher Trägerschaft.[27] Darunter sind etwa 500 Schulen in Trägerschaft der Evangelisch-Lutherischen Kirche von Neuguinea.[28] Im Land gibt es mehrere Universitäten, von denen die drei größten die folgenden sind:
Die Gesundheitsausgaben des Landes betrugen im Jahr 2021 2,3 % des Bruttoinlandsprodukts.[29] Im Jahr 2018 praktizierten in Papua-Neuguinea 0,6 Ärztinnen und Ärzte je 10.000 Einwohner.[30] Die Sterblichkeit bei unter 5-jährigen betrug 2022 41,4 pro 1000 Lebendgeburten.[31]
DieLebenserwartung der Einwohner Papua-Neuguineas ab der Geburt lag 2022 bei 66 Jahren[14] (Frauen: 69,2[32], Männer: 63,4[33]).Die Lebenserwartung stieg von 61,7 Jahren im Jahr 2000 bis 2022 um 7 %.[14]
Das Gebiet der heutigen Insel Neuguinea war vor 60.000 bis 50.000 Jahren, als es erstmals von Menschen besiedelt wurde, der nördliche Teil vonSahul, einer zusammenhängenden Landmasse, die auch den gesamtenKontinent Australien umfasste. Im Zuge des Abschmelzens der Gletscher zu Ende der letzten Eiszeit stieg der Meeresspiegel bis vor etwa 6000 Jahren; die Landverbindung zum heutigen australischen Festland ging vor etwa 8000 Jahren verloren. Weite Küstengebiete wurden überflutet, was das Wissen über frühe Küstenkulturen stark einschränkt. Auf der Insel bildete sich eine starke Diversifizierung mit unzähligen kleinen voneinander isolierten Stämmen heraus, so dass es noch heute auf Neuguinea ungefähr800 Sprachen gibt. Vor mehr als 2000 Jahren besiedelten Menschen deraustronesischen Sprachfamilie vorwiegend die Küstengebiete Neuguineas, da diese zurLapita-Kultur gehörenden Menschen hervorragende Seefahrer waren.
Der PortugieseJorge de Meneses, der 1526/27 die Nordküste und vorgelagerte Inseln erkundete, gilt als europäischer Entdecker der Insel.
1545 landete der SpanierÍñigo Ortiz de Retez und nannte die Insel „Neuguinea“, weil ihn die Küste an die des afrikanischenGuinea erinnerte, an der er zuvor vorbeigesegelt war.
1623 kartographierteJan Carstenszoon im Auftrag derNiederländischen Ostindien-Kompanie große Teile der Küste. Seit diesem Zeitpunkt unterhielt die Niederländische Ostindien-Kompanie geschäftliche und machtpolitisch motivierte Kontakte zu der Region und dem SultanatTidore.
DieNiederländer nahmen den Westteil der Insel 1828 in Besitz, während der Ostteil von kolonialen Bestrebungen noch unberührt blieb.
Bald lieferten sich dasDeutsche Reich und dasVereinigte Königreich ein Wettrennen, wer den noch freien Ostteil der Insel zuerst zu eigenem Besitz erklären würde. Der Süden wurde am 6. November 1884 zum „Protektorat“Britisch-Neuguinea erklärt und am 4. September 1888 annektiert. Das „Protektorat“ wurde nach der Unabhängigkeit Australiens 1902 an Australien übertragen und 1905 inTerritorium Papua umbenannt.
Deutsche Kapitäne und der OrnithologeOtto Finsch hatten an der Nordküste am 3. November 1884 mit der Hissung von Flaggen Fakten geschaffen. Das Deutsche Reich und das Vereinigte Königreich einigten sich 1885, den Ostteil der Insel in der Mitte zu teilen. Der Norden wurdeKaiser-Wilhelms-Land (KWL) genannt und „Schutzgebiet“ derNeuguinea-Kompagnie, einer großen deutschen Kolonialgesellschaft.[34] Das Kaiser-Wilhelms-Land gehörte zumdeutschen Kolonialreich.Otto Schellong war ein deutscher Arzt, der als Anthropologe, Ethnologe und Sprachforscher bei den Papua bekannt wurde. Gleich zu Beginn desErsten Weltkriegs besetzten australische Truppen 1914 das deutsche Gebiet. Nach dem Krieg übergab derVölkerbund das Kaiser-Wilhelms-Land als treuhänderisch zu verwaltendesMandatsgebiet „Territorium Neuguinea“ anAustralien. Das ehemalige Kaiser-Wilhelms-Land wurde gemäß demVersailler Vertrag von 1919 abgetreten.
Im Dezember 1941 erobertenjapanische Truppen den Nordteil der Insel und die Zivilverwaltung wurde suspendiert. Die HauptstadtPort Moresby wurde zeitweise Hauptquartier des US-amerikanischen GeneralsDouglas MacArthur. Die Kämpfe zwischen Japanern undAlliierten dauerten drei Jahre und verliefen an einigen Orten sehr erbittert. An vielen Küstenorten liegen immer noch gesunkene Kriegsschiffe aus jener Zeit.
Seit dem Jahr 1949 erfolgte die gemeinsame australische Verwaltung der Kolonie Papua und des in das Treuhandsystem derVereinten Nationen überführten Territoriums Neu-Guinea alsTerritorium Papua und Neuguinea in Port Moresby.
Am 27. Februar 1963 wurde das passiveFrauenwahlrecht[35] eingeführt, am 15. Februar 1964 sodann das aktive Frauenwahlrecht. Diese Rechte wurden bei der Unabhängigkeit 1975 bestätigt.[36]
1972 wurden Wahlen abgehalten und die Bevölkerung stimmte für die Unabhängigkeit. Im Dezember 1973 wurde Papua-Neuguinea autonom und erhielt am 16. September 1975 die volle Souveränität.[37] DasNationalitätszeichen des Landes lautetPNG, was auch als gebräuchlichesAkronym für Papua-Neuguinea verwendet wird.Das Land wechselte häufig seine Premierminister – zu nennen wären vor allemMichael Somare undJulius Chan. Unter der Regierung Chans kam es 1989 zu einem blutigen Bürgerkrieg auf der InselBougainville, dem längsten und opferreichsten des Südpazifiks seit dem Zweiten Weltkrieg. Er konnte erst 1997 unter dem Eindruck derSandline-Affäre – dem Versuch der Regierung Chan, den Konflikt mithilfe eines Söldnerunternehmens militärisch zu lösen – beigelegt werden. Am 26. Januar 2012 scheiterte mit derMeuterei der Streitkräfte von Papua-Neuguinea ein Versuch des ehemaligen Premierministers Michael Somare, mit einemPutsch wieder an die Macht zu gelangen.
Vom 18. auf den 19. September 1994 kam es zu heftigen Vulkanausbrüchen auf der InselNeubritannien, die die StadtRabaul fast gänzlich zerstörten.
In der Hauptstadt Port Moresby befindet sich das 118 Abgeordnete umfassendeNationalparlament Papua-Neuguineas, das alle fünf Jahre gewählt wird.
Seit 2005 hatBougainville den Status einer „Autonomen Region“ mit besonderen Rechten. In einemUnabhängigkeitsreferendum Ende 2019 stimmten dessen wahlberechtigte Bewohner mit großer Mehrheit für die Unabhängigkeit von Papua-Neuguinea.
Das deutsche Auswärtige Amt beobachtet, dass es in Port Moresby, Lae, Mount Hagen und den Hochlandprovinzen öfters zu Unruhen und Auseinandersetzungen zwischen rivalisierenden Clans kommt.[43] In diesen Gegenden sei auch die Kriminalität, insbesondere brutale Raubüberfälle, besonders hoch.
DieRoyal Papua New Guinea Constabulary (RPNGC) mit rund 4500 Polizisten ist die nationale Polizeibehörde mit Zuständigkeit für ganz Papua-Neuguinea. Der Hauptsitz befindet sich in Konedobu, einem Vorort vonPort Moresby im National Capital District. Polizeipräsident ist seit 2019 David Manning, wobei mehrere stellvertretende Polizeipräsidenten für organisatorische Aufgaben und Regionen zuständig sind. Die RPNGC wird unterstützt von derCommunity Auxiliary Police, freiwilligen Kräften, die bei der Polizeiarbeit in ländlichen Gemeinden helfen.[44]
Die RPNGC wurde aus zwei Vorgängerorganisationen gebildet, die vor der Unabhängigkeit Papua-Neuguineas bestanden. DieRoyal Papuan Constabulary, die ursprünglich von der australischen Kolonialverwaltung im Rahmen des Aufbaus von Papua im späten 19. Jahrhundert gegründet wurde, und dieNew Guinea Police Force, die das ehemaligeDeutsch-Neuguinea undBritisch-Neuguinea abdeckte und ebenfalls von Australien gegründet wurde, zunächst während des Ersten Weltkriegs und dann als Teil desVölkerbundsmandats von 1920 formalisiert wurde.
Laut deutschemAuswärtigem Amt kann es zu situativer Korruption von Polizeibeamten kommen.[43] Vor allem gegenüber Gefangenen verletzen Polizeibeamte regelmäßig grundlegende Menschenrechte.
Seit 1973 verfügt das Land mit derPapua New Guinea Defence Force über eine eigene Armee mit 3000 (Stand 2020) aktiven Soldaten. DiePapua New Guinea Defence Force leidet unter prekären Finanzierungsbedingungen, die mangelnde Ausrüstung und Ausbildung zur Folge haben.[45]
Die Lage derMenschenrechte in Papua-Neuguinea gilt als äußerst kritisch. So berichtet die OrganisationAmnesty International in ihrem Jahresbericht 2011, dass körperliche Misshandlungen in den Gefängnissen des Landes „an der Tagesordnung“ seien. Inhaftierte Frauen würden zudem häufig sexuell missbraucht.[46] In Papua-Neuguinea werden (Stand 2022) regelmäßig Frauen der Hexerei beschuldigt, verfolgt und ermordet.[47] Bis 2013 konnte „Hexerei“ von Rechts wegen bestraft werden. Täter, die Übergriffe auf Frauen damit rechtfertigten, sie seien von diesen „verhext“ worden, konnten damit rechnen, von der Justiz des Landes mildernde Umstände zuerkannt zu bekommen.[48] Einheimische Organisationen wieStop Sorcery Violence vonMonica Paulus versuchen Frauen vor derModernen Hexenverfolgung zu retten.[49]
Traditionell gehören Medien in Papua-Neuguinea zu den unabhängigsten in Ozeanien, amerikanische Beobachter vonFreedom House sehen dieses System aber erodieren. Dies begann 2013 mit dem Rückzug derAustralian Associated Press (AAP), der das Mediensystem nachhaltig geschwächt hat. Seitdem geraten regierungskritische Blogger unter Druck, wie auch Menschenrechtsgruppen und Journalisten, die etwa auf die Zustände im australisch finanzierten Flüchtlingslager aufManus Island aufmerksam machen.[50]
Die NichtregierungsorganisationReporter ohne Grenzen sieht in Papua-Neuguinea erkennbare Probleme für die Pressefreiheit.[41] So wurde bekannt, dass investigative Journalisten bei Recherchen zu Korruptionsfällen massiv bedroht wurden. Als die Polizei 2017 auf friedlich demonstrierende Studenten feuerte, versuchte sie gewaltsam, die Berichterstattung zu unterbinden. Dies passt in das Bild, dass Journalisten in Papua-Neuguinea bei kritischer Berichterstattung Polizeigewalt fürchten müssen, sobald das staatliche Gewaltmonopol und die Interessen der politischen und wirtschaftlichen Elite bedroht sind. Appelle der Medien an die Politik, die Situation zu verbessern, verhallen.[51]
Nach der Definition von Beobachtern verfügt Papua-Neuguinea über ein sogenanntes defizitäres Mediensystem, wie es für Transformationsstaaten typisch ist und das Parallelen – Einschüchterung durch Eliten, Intransparenz und Selbstzensur – zu vielen osteuropäischen Ländern aufweist.[52][53]
Traditionell ist derlandwirtschaftlicheinformelle Sektor Papua-Neuguineas sehr stark ausgeprägt. 73,7 % der Bevölkerung finden dort, auch aufgrund hoher Arbeitslosigkeit, ihr Auskommen. Ein erheblicher Teil der landwirtschaftlichen Tätigkeit beschränkt sich aufSubsistenzwirtschaft. Der Anteil der Landwirtschaft amBruttoinlandsprodukt (BIP) beträgt demnach auch nur 26 %, während dieIndustrie 42 % und derDienstleistungssektor 32 % erwirtschaften.
Im formellen Sektor dominiert der primäre Sektor: Bergbau, Plantagenwirtschaft (Kaffee,Kopra,Kakao undPalmöl) sowie die Holzindustrie. Papua-Neuguinea hat noch auf weiten Flächen unerschlossene Wälder. Weitgehend ist das Land daher von im Rohstoffbereich oft stark schwankenden Weltmarktpreisen abhängig, da die Verarbeitung meist im Ausland stattfindet.
Zur Stabilisierung der internen Wirtschaftskreisläufe wird seit 2002 der Gebrauch des traditionellenMuschelgeldes derTolai alsKomplementärwährung offiziell gefördert. Im Februar 2002 wurde in der Nähe vonRabaul auf der Insel Neubritannien die weltweit erste Muschel-Bank eröffnet. DieTolai Exchange Bank wechselt das Muschelgeld in harte Währung, denKina. Der aktuelle Wechselkurs beträgt vier Kina für einfathom (eine Kette mit Muscheln). Allein auf derGazelle-Halbinsel schätzt man einen Umlauf an Muschelgeld in Höhe von acht Millionen Kina.
DerAußenhandel ist durch einen hohen Exportüberschuss geprägt: Während 2001 für 4,655 Milliarden Euro Waren exportiert wurden, beliefen sich die Importe auf 808 Millionen Euro. Hauptexportgüter sind Gold (35 %), Erdöl (31 %),LNG (8,3 Mt, das sind 2,2 % der Weltfördermenge),[54] Kupfer (11 %) und Kaffee (5 %). Importiert werden vor allem Maschinen, Transportausrüstungen und Industriegüter.
DerStaatshaushalt umfasste 2016 Ausgaben von umgerechnet 4,295 MilliardenUS-Dollar, dem standen Einnahmen von umgerechnet 3,169 Milliarden US-Dollar gegenüber. Daraus ergibt sich einHaushaltsdefizit in Höhe von 5,6 % desBIP.[55]
Insbesondere die ehemalige KolonialmachtAustralien unterstützte den Staatshaushalt Papua-Neuguineas massiv im Rahmen derBudgethilfe. Diese Zahlungen machten einen erheblichen Teil der Staatseinnahmen aus. Die mangelnde Transparenz in den Haushaltsprozeduren führte in den 1990er Jahren dazu, dass die ungebundenen Budgetzuschüsse in reine Projekthilfe umgewandelt wurden. Der letzte Haushaltszuschuss erfolgte im australischen Fiskaljahr 1998/99.[58]
Trotz zahlreicher Sehenswürdigkeiten, wie etwa demKokoda Track, und einer äußerst vielfältigen und abwechslungsreichen Landschaft ist der Tourismus in Papua-Neuguinea bisher nur gering ausgeprägt. Jährlich besuchen etwa 70.000 Personen Papua-Neuguinea. Reisen in bestimmte Gebiete gelten als sehr gefährlich. Das Auswärtige Amt empfiehlt besondere Vorsicht aufgrund der sehr hohen Kriminalitätsrate unter anderem bei Aufenthalten inPort Moresby, inLae, im Hochland, inMount Hagen und auf der InselBougainville.[59]
Das Straßennetz erreicht nur einen Teil der Bevölkerung. Neben Strecken in Küstengebieten führt eine zweispurige Straße von Lae undMadang aus in das Hochland und bindet so Kainantu,Goroka, und Mount Hagen an den Rest des Landes an. Die Hauptstadt Port Moresby und die Sepik-StädteWewak undVanimo sind über Land nicht mit dem Rest des Landes verbunden. Von 19.600 Kilometern Straße sind 600 Kilometer asphaltiert.
Da das Flugzeug ein wichtiges Transportmittel ist, gibt es neben dem modernisierten internationalenFlughafen Port Moresby 472 weitere kleinere Flugplätze und Landepisten. Die nationale FluggesellschaftAir Niugini fliegt Flughäfen im Inland sowie asiatische und ozeanische Länder an.
Zu den 16 größten Häfen zählen die Überseehäfen Port Moresby,Lae,Madang undRabaul. Auf dem Wasserweg werden Handelsgüter und Personen transportiert. In Papua-Neuguinea legen gelegentlich Kreuzfahrtschiffe an. Seit Jahrtausenden wird die in Papua-Neuguinea beheimatete Seefahrt bewundert. Der Ruf der Polynesier als hervorragende Segler liegt unter anderem in der Technik ihrerProa-Boote begründet.[60]
Erst im Jahr 2000 entstand eine Literaturszene in Port Moresby. Vorher traten nur einzelne Autoren in Erscheinung, heute gibt es weit über 100 Schriftsteller, die mehr oder weniger literarisch tätig sind. Der bedeutendste Literaturpreis des Landes ist derCrocodile-Price, der seit 2010 verliehen wird und mit dem eine Veröffentlichung in einer angeschlossenen Anthologie verbunden ist. Bedeutende Autoren sindRussell Soaba undMichael Dom.
Seit der Unabhängigkeit Papua-Neuguineas 1975 wuchs die Medienlandschaft stark. 1975 sendete ein Rundfunknetzwerk (NBC) und es erschien eine Zeitung; Fernsehsender gab es keine und an den Universitäten fand keine Journalistenausbildung statt. Im Jahr 2002 erschienen die zwei konkurrierenden englischsprachigen TageszeitungenPapua New Guinea Post-Courier undThe National.[61]
Die National Broadcasting Corporation (NBC) ist Papua-Neuguineas staatlicher Rundfunk mit Sitz in Boroko (Port Moresby) und Studios im ganzen Land. Produziert werden die Hörfunkprogramme NBC Radio und The Tribe sowie der Fernsehkanal NBC TV (vormals Kundu 2). Daneben sendet seit 1987 der kommerzielle Anbieter EM TV (Fiji Television) landesweit terrestrisch. Weitere Anbieter sind Digicel PNG und Click TV PNG.
Im Jahr 2021 nutzten 25,7 Prozent der Einwohner Papua-Neuguineas das Internet.[62]
Sport ist ein wichtiger Bestandteil der papua-neuguineischen Kultur und die Sportkultur des Inselstaates wurde vor allem von den ehemaligen Kolonialmächten, dem Vereinigten Königreich und später Australien geprägt.Rugby League ist bei weitem die beliebteste Sportart[63] und gilt als Nationalsport des Inselstaates.[64][65] In einer Nation, in der Gemeinschaften weit entfernt voneinander leben und viele Menschen nur ein Existenzminimum haben, gilt Rugby League – als mögliche Erklärung für den Spielenthusiasmus – als Ersatz für Stammeskriege (in denen es um Leben und Tod ging). Viele Papua-Neuguineer erlangten Bekanntheit, nachdem sie ihr Land international vertraten oder in einer professionellen Liga in Übersee spielten. Selbst australische Rugby-League-Spieler, die in der jährlichenState of Origin spielen, das in Papua-Neuguinea andächtig verfolgt wird, zählen zu den bekanntesten Menschen in Papua-Neuguinea. Die State of Origin ist für die meisten Papua-Neuguineer der Höhepunkt des Jahres, obwohl die Unterstützung so leidenschaftlich ist, dass viele Menschen im Laufe der Jahre bei gewaltsamen Zusammenstößen ums Leben kamen, während sie ihre Mannschaft unterstützten.[66] Diepapua-neuguineische Rugby-League-Nationalmannschaft spielt jährlich gegen die australische Prime Minister’s XIII (eine Auswahlmannschaft nationaler Rugby-League-Spieler), für gewöhnlich in Port Moresby.
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