
Palā (hethitisch:URUpa-la-a; Sprache:palaumnili[1]) war ein Land im nördlichenAnatolien während derBronzezeit. Es spielte nie eine bedeutende politische Rolle, ist aber wegen der überliefertenPalaischen Sprache für die Forschung von Interesse, da diese als Schwestersprache desHethitischen zu den drei bekannten bronzezeitlichen Sprachen desAnatolischen gehörte. Das Volk wirdPalaer genannt.
Das Land Pala lag nordwestlich des unterenKızılırmak und war eine Randregion desHethitischen Reiches. Es wird häufig zusammen mit der hethitischen Region Tummana genannt. Dies legt eine Identifizierung der beiden Länder mit den antiken Regionen Blaëne (Βλαηνή) und Domanitis (Δομανῖτις) inPaphlagonien nahe.[2] Demnach lag Pala am oberen und Tummana am unterenGökırmak (᾿Αμνίας), einem linken Nebenfluss des Kızılırmak, doch dürfte sich Pala in der Bronzezeit über dieses Gebiet hinaus erstreckt haben. Als Grenzen können im Osten Tummana, im Westen Kaštama und im Süden Kiššiya, welches umAnkara lag, angegeben werden.
Pala wird erstmals in denHethitischen Gesetzen (17. Jh. v. Chr.) genannt. In § 5 wird die Buße bei Ermordung eines Händlers in den LändernḪatti, Pala undLuwiya geregelt, was als Hinweis gedeutet wird, dass diese drei Länder unabhängig waren, aber diesbezüglich Abkommen untereinander hatten. Später scheint Pala stets fester Teil des Hethitischen Reiches gewesen zu sein, litt aber unter Einfällen derKaškäer.
Šuppiluliuma I. setzte seinen NeffenḪutupiyanza als Verwalter in Pala ein, und nachdemMuršili II. die Kaškäer aus Tummana vertrieben hatte, wurde er auch dort als Verwalter eingesetzt. Ḫutupiyanza gelang es schließlich noch, die benachbarte Region Kalašma von den Kaškäern zurückzuerobern.
AlsMuwattalli II. die hethitische Hauptstadt nachTarḫuntašša verlegte, unterstellte er Pala und Tummana zusammen mit anderen benachbarten Ländern und Städten seinem BruderḪattušili.
Das Palaische (palaumnili) ist eineindogermanische Sprache, die einen starkenhattischen Einfluss aufweist. Sie ist lediglich in wenigen Ritualtexten aus den hethitischen Archiven überliefert.
Der Hauptgott der Palaer war der WettergottZaparwa, der zusammen mit der GöttinKataḫziwuri und dem SonnengottTiyaz verehrt wurde. Dazu kamen noch einige minderwichtige Gottheiten. Eine der wenigen namentlich genannten palaischen Personen war die Priesterin Anna (pal. „Mutter“).
Die erhaltenen palaischen Ritualtexte enthalten Götterlisten mit zehn Gottheiten, die vom Wettergott Zaparwa angeführt werden. Der aus dem Hattischen stammende Name ist möglicherweise alsZparfa auszusprechen.[3] Die ebenfalls ursprünglichhattische Göttin Kataḫziwuri tritt als Beschwörerin in Reinigungsritualen auf und gleicht der hethitisch-luwischenKamrušepa. Der Sonnengott Tiyaz dagegen ist indogermanisches Erbe und kann wie der luwische SonnengottTiwad von protoanatolisch *díwot- ‚Sonne, Tag‘ (zuindogermanisch *dei- ‚scheinen‘) abgeleitet werden.[4] Die Hofgöttin Ḫilanzipa hat ihre Entsprechung im hethitischen GottḪilašši (heth.ila ‚Hof‘,šepa‚Genius‘). Der göttliche SchmiedḪašamili und die in palaischen Texten als Zauberin bezeichnete Kamana sind wiederum hattischer Herkunft, vermutlich auch Šaušḫalla, doch ist von letzterer Gottheit nichts bekannt. Zu diesen Gottheiten treten noch drei Götterkollektive, die sämtliche Parallelen in anderen anatolischen Religionen haben. Die Schicksalsgottheiten Gulzannikeš entsprechen den hethitischenGulšeš und der luwischen Schicksalsgöttin Gulza. Die Ilaliyantikeš entsprechen den hethitischenIlaliyanteš (heth.ilaliya- ‚wünschen‘) und werden bereits in altassyrischen Texten ausKültepe genannt. Die Uliliyantikeš waren Fruchtbarkeitsgottheiten, die den luwischenUliliyašši entsprechen, welche im Ritual der luwischen BeschwörerinPaškuwatti gegen männliche Impotenz angerufen werden.