PCK Raffinerie
PCK Raffinerie GmbH | |||
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Allgemeine Informationen zur Raffinerie | |||
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Betriebsinformationen | |||
Betreibende Gesellschaft | PCK Raffinerie GmbH | ||
Beteiligte Gesellschafter | |||
Beschäftigte | 1202 (2020)[1] | ||
Beginn der Erdölverarbeitung | 1. April 1964 | ||
Verarbeitungsbetrieb | |||
Einsatzstoffe | Urals-Rohöl[2] | ||
Produkte |
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Jahreskapazität int | 11,6 Millionen[2] | ||
Nelson-Index | 9,8[2] | ||
Geographische Lage | |||
Koordinaten | 53° 6′ 0″ N,14° 14′ 24″ O53.114.24Koordinaten:53° 6′ 0″ N,14° 14′ 24″ O | ||
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Standort | Schwedt/Oder | ||
Land | Land Brandenburg | ||
Staat | Deutschland |



DiePCK Raffinerie GmbH (ehemalsVEB Petrolchemisches Kombinat Schwedt) ist einErdölverarbeitungswerk inSchwedt/Oder in derUckermark (Brandenburg). Die PCK-Raffinerie in Schwedt versorgt zu 95 Prozent die RäumeBerlin und Brandenburg mit Kraftstoffen, alsoBenzin,Diesel,Flugturbinenkraftstoff undHeizöl. Der Marktanteil an der gesamtdeutschen Kraftstoffproduktion beträgt etwa zehn Prozent. Die Abkürzung PCK stand bis 1991 fürPetrolchemischesKombinat, 1991 bis 1996 fürPetrolchemie undKraftstoffe.
Mitarbeiter
[Bearbeiten |Quelltext bearbeiten]Für die PCK-Raffinerie arbeiten rund 1200 Mitarbeiter; 22 Prozent der Beschäftigten sind weiblich.[1] Auf dem Gelände der Raffinerie sind 80 weitere Unternehmen mit 2000 Mitarbeitern angesiedelt, von denen viele als Dienstleister für die PCK-Raffinerie arbeiten. Geschäftsführer der PCK Raffinerie GmbH ist seit 1. April 2022 Ralf Schairer.[3][4] Gegen Ende des Jahres 2022 war die Raffinerie zu 85 %, zu Jahresbeginn 2023 nur zu 50 % ausgelastet.[5] Ende 2022 wurde davon ausgegangen, dass alle Arbeitsplätze bei PCK ab dem 1. Januar 2023 trotz des ab dann geltenden vollständigen Embargos russischen Rohöls erhalten bleiben.[6]
Verkehrsanbindung und Logistik
[Bearbeiten |Quelltext bearbeiten]Das Rohöl aus dem westsibirischen Raum wurde bis Ende 2022 über die ca. 5000 km langeErdölleitung Freundschaft(„Druschba“) transportiert, die hinsichtlich Länge und Förderkapazität eine der größten der Welt ist. Sie wird auf russischem Gebiet derzeit (2023) vom StaatskonzernTransneft betrieben.[7] In Belarus wird die Pipeline in einen Nord- und einen Südstrang geteilt. Ab dieser Verzweigung fließt das Öl über den Nordstrang, der durch Polen führt, nach Schwedt.[8] Rund drei Wochen benötigte das Rohöl, um die 5000 km lange Strecke zu bewältigen. Ab der polnischen Grenze bis zur PCK-Raffinerie wird die Erdölleitung durch dieMineralölverbundleitung GmbH Schwedt betrieben, an der die Raffinerie selbst Anteile hält. Bis 2022 erreichten jährlich etwa 18,9 Millionen Tonnen Öl Schwedt über die "Druschba".
Von PCK aus führen zwei parallel liegende Erdölleitungen (DN 500 und 700) zur Raffinerie Leuna.[9] Somit deckte das über die "Druschba" gelieferte Öl 90 % des Gesamtbedarfs der Raffinerien Schwedt und Leuna und etwa 2/3 der gesamten russischen Öllieferungen in die Bundesrepublik (2021: 28,1 Millionen t.)[10]
Eine 202 km lange ErdölleitungRostock–Schwedt (1963[10] in Betrieb genommen), DN 400[11] versorgt die Raffinerie zusätzlich mit Rohöl. Über diese sog. "Pipeline APR"[9] können 50 %[5][12] des Rohölbedarfs des Betriebes gedeckt werden, was infolge des ab dem 1. Januar 2023 geltendenBoykotts der EU von russischem Rohöl und der damit verbundenen Drosselung bzw. Einstellung der Lieferung russischen Öls über die Druschba-Leitung von großer Bedeutung ist. Andere Angaben nennen "knapp 60 %" Auslastung, die mit Hilfe von dem Öl aus Rostock beigemischten Fließverbesserern erreicht werden könnten.[13] Die Leitung von Rostock soll für 400 Millionen Euro ausgebaut werden bzw. ist in Teilabschnitten schon grundinstandgesetzt und optimiert worden.[11]
Über eine Produktleitung (1967; 78 km, DN 300[9]) werden jährlich drei Millionen Tonnen Kraftstoffe in denPCK & elf TanklagerbetriebSeefeld (PETS) gepumpt. Von hier aus beliefern Tankkraftwagen (TKW) den kompletten Berliner Raum. Auch Westpolen wird mit PCK-Produkten beliefert.[14]
Zu DDR-Zeiten wurde Öl auch mit überschweren Kesselwagenzügen (Zugmasse bis 3600 t) vom Rostocker Überseehafen nach Schwedt transportiert.[15]
Sechs Millionen Tonnen Produkte verlassen im Jahr die Raffinerie per Bahn. Der Werkbahnhof ist über eineZweigbahn an dieBahnstrecke Berlin–Szczecin angeschlossen. Die PCK beliefert denFlughafen Berlin Brandenburg über Kesselwagen zu 80 Prozent mit Flugturbinenkraftstoff. In den letzten Jahren wurden dieB 2 und dieB 166 erheblich ausgebaut, sodass die Tanklastzüge aus Schwedt auf dem Weg zu den AutobahnenA 11 undA 20 nunmehr mit weniger Ortsdurchfahrten auskommen.
Polen und die Bundesrepublik Deutschland schlossen im Dezember 2022 einen Vertrag über eine Teilbelieferung der Raffinerie über denHafen Gdansk. Die Ladung von zwei oder drei Rohöltankern pro Monat, insgesamt etwa 3,5 Millionen t pro Jahr, soll über eine Stichleitung nachPłock (PKN Orlen) in den Nordarm der Druschba-Pipeline und über diesen weiter nach Schwedt gepumpt werden.[8] Die Ankunft des ersten Tankers wurde für Ende Januar 2023 erwartet.[12] Zusammen mit dem Öl aus Rostock wäre die Raffinerie ab dann trotz des gänzlichen Verzichts auf russisches Öl zu 70 % ausgelastet.[16]
Kasachstan will 2023 Rohöl über die„Druschba“ nach Schwedt liefern. Der russische Vizepremier Nowak äußerte Ende Dezember 2022 die prinzipielle Bereitschaft Russlands, kasachisches Öl durchzuleiten. Die staatliche kasachische Ölfirma KazMunayGas erklärte Anfang 2023 die Bereitschaft, 1,2 Millionen Tonnen Öl im weiteren Verlauf des Jahres nach Schwedt zu schicken.[17] Damit könnte die Auslastung der Raffinerie auf 80 % erhöht werden[6]. Nach mehreren fallweisen Lieferungen aus Kasachstan im ersten Halbjahr 2023 wurde im Juni 2023 ein Kontrakt, der die Lieferung von monatlich 100 000 t Öl nach Schwedt bis Ende 2024 fixiert, zwischen beiden Ländern geschlossen.[18] Mit dem Bezug des kasachischen Öls wird die Wirkung des Ölembargos gegen Russland geschwächt, denn es verdient zum einen an den Durchleitungsgebühren.[7] Des Weiteren gehören Anteile des kasachischen Ölfelds, von dem PCK beliefert wird, dem russischen ÖlkonzernLukoil.[19]
Werkfeuerwehr und Brandschutz
[Bearbeiten |Quelltext bearbeiten]An einer Feuerwehrwache sind 36 hauptamtliche Kräfte im 24 h Dienst, sowie über 100 nebenberufliche Kräfte für besondere Einsatzlagen in Bereitschaft[20].
Unter anderem sind folgende Fahrzeuge auf der Wache:
- ZweiUniversallöschfahrzeuge zur Brandbekämpfung
- SLF Panther zur kurzfristigen autarken Schnellbrandbekämpfung
- GW-Umwelt fürABC-Gefahrenlagen
- Change-House
- HLF (Hilfeleistungslöschgruppenfahrzeug) fürTechnische Hilfeleistung
- Erste-Hilfe-Fahrzeug
Produktion
[Bearbeiten |Quelltext bearbeiten]Die PCK-Raffinerie verarbeitete bis 2022 hauptsächlichRohöl ausRussland. Das Unternehmen hat eine Verarbeitungskapazität von 12 Millionen Tonnen Rohöl pro Jahr.
Hergestellte Raffinerieprodukte sind u. a.Motorenbenzin (2010: 2,7 Mio. t),Kerosin (Jet A1) (0,4 Mio. t),Dieselkraftstoff (3,4 Mio. t),Heizöl (extra leicht und schwer) (2,0 Mio. t) und weitere Produkte (2,4 Mio. t) (darunterPropan,Butan,Bitumen,Schwefel,Natriumsulfat,Propen,ETBE (ausBioethanol),Benzol,Toluol undXylole).
PCK hat seit Anfang der 1980er Jahre den Bereich der Umwandlung von schweren Prozessrückständen in Kraftstoffkomponenten, die sogenannte Konversion, ausgebaut. In dem 1998 fertiggestellten Kraftwerk mit dreistufigerRauchgasreinigung wird der schwere Rückstand verbrannt und in Dampf und elektrische Energie umgewandelt. Die Leistung des Kraftwerks beträgt rund 300 MW. Bis zu 130 MW werden in das Stromnetz eingespeist. Die Raffinerie versorgt die Stadt Schwedt außerdem mit Fernwärme.
2004 nahm PCK als erste Raffinerie in Deutschland die großtechnische Produktion eines Oktanzahlverbesserers auf Basis biogener Komponenten (ETBE-Anlage) auf, der dem Bereich Biokraftstoffe zugerechnet werden kann. Zwei Jahre später ging eine zweite Anlage ans Netz, mit der PCK ebenfalls Bioanteile chemisch in Benzinkomponenten einbindet – eine Leichtbenzinveretherungsanlage.
Die Rohölverarbeitungskapazität lag 2019 bei circa 11 % der gesamten deutschen Verarbeitungskapazität. Die Produktion im Jahr 2020 betrug 3,6 Mio. t Dieselkraftstoffe, 3,1 Mio. t Ottokraftstoffe, 1,7 Mio. t Heizöle, 0,2 Mio. t Flugturbinenkraftstoff und 2,5 Mio. t weitere Produkte.[1]
Mit der absehbaren Einstellung des Bezugs von Rohöl russischen Ursprungs am Ende des Jahres 2022 mussten die Anlagen, die jahrzehntelang auf diese russischen Ölsorten eingerichtet und optimiert waren, auf die Verarbeitung anderer Öle umgestellt werden.[5]
Die Raffinerie darf 20 Millionen Kubikmeter Grund- und Oberflächenwasser pro Jahr entnehmen.[21]
Geschichte
[Bearbeiten |Quelltext bearbeiten]DDR bis Treuhandanstalt
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DieDDR-Führung beschloss 1958 den Ausbau ihrer Grundstoffindustrie und bestätigte Schwedt an der Oder als Standort für das Erdölwerk. Der Bau des Werkes erfolgte mit dem Bau einer gemeinsamenErdölleitung durch die damaligensozialistischen Staaten innerhalb desRats für gegenseitige Wirtschaftshilfe (RGW), der sogenannten „Erdölleitung der Freundschaft“ (heute: Mineralölverbundleitung). Noch heute ist die Leitung aus dem GebietTjumen mit über 5000 km die längste Pipeline der Welt. Der Grundstein für den Betrieb wurde am 11. November 1960 gelegt.[22] Im BeiseinWalter Ulbrichts floss das erste Öl am 18. Dezember 1963 durch die Erdölleitung Freundschaft nach Schwedt.[23] Fünfeinhalb Jahre nach der Gründung 1958 wurde die Rohölverarbeitung der Raffinerie am 1. April 1964 unter dem NamenErdölverarbeitungswerk (EVW Schwedt) in Betrieb genommen. Ab Mai 1966 verfügte sie über eine eigene Zweigstelle derStadtsparkasse Schwedt.
Das EVW wurde zum wichtigsten Kraftstofflieferanten der DDR. Im Zuge derKombinatsbildung wurde das Werk am 30. Dezember 1970 Stammbetrieb desVEB Petrolchemisches Kombinat (PCK) und war neben denLeuna-Werken für die chemische Industrie auf Erdölbasis in der DDR zuständig. Seit Mitte der 1960er bis Anfang der 1980er Jahre baute die PCK ihren petrolchemischen Bereich aus, um die Textilindustrie mit Faserrohstoffen zu versorgen, hochwertigen Stickstoffdünger für die Landwirtschaft zu produzieren und petrolchemische Komponenten für die Chemieindustrie zu erzeugen. Anfang der 1970er Jahre baute die Raffinerie eine Anlage, um Grundstoffe für die Waschmittelproduktion herzustellen. Später erfolgte der Bau einer Futtereiweißanlage, welche auf Basis von Dieselkraftstoff und Hefepilzen Eiweiß für die Tiermast produzierte. 1972 startete das PCK die Herstellung von Möbeln ausPolyurethan. Nach zehn Jahren wurde diese Produktionslinie eingestellt. 1983 wurde mit dem Aufbau einer Fertigungslinie für Haushaltschemikalien sowie Schuh- und Lederpflegemitteln (Vertrag mit derSalamander) begonnen.

In den 1970er Jahrenexplodierten die Rohölpreise, und die Raffinerie war gezwungen, mit weniger Rohöl mehr zu produzieren und zu erwirtschaften. Daraufhin wurde 1977 mit dem japanischen KonzernToyo Engineering Corp. ein Importvertrag für den Bau eines Spalt- und Aromatenkomplexes (SAK) zur Spaltung langkettiger Kohlenwasserstoffe beschlossen. Das PCK stieg damit in die Konversionstechnologie ein und konnte den Anteil an „schwarzen Produkten“ (Schweröl, Bitumen) zugunsten von Diesel, leichtem Heizöl und Benzin („helle Produkte“) senken. Kraftstoffe und Aromaten (insbesondereBenzol) wurden vor allem zur Devisenerwirtschaftung in großen Mengen in das westliche Ausland exportiert. Die Kraftstoffe gelangten über eine Pipeline in das nahe Berlin gelegene TanklagerSeefeld. Von dort aus wurde der gesamte Berliner Raum (einschließlichWest-Berlin) versorgt. Die auf Basis des katalytischen Crackverfahrens arbeitende Anlage galt damals als eine der modernsten Europas.
1978 stand das Petrolchemische Kombinat vor den Aufgaben, den Spalt- und Aromatenkomplex sowie die Futtereiweißanlage aufzubauen. Für den Bau der Anlagen wären ca. 2000 zusätzliche Arbeitskräfte vonnöten gewesen, die die Regierung jedoch nicht dafür bereitstellen wollte. Das PCK musste die Arbeitskräfte aus allen Bereichen der Belegschaft rekrutieren und freisetzen. Die „Rationalisierung in neuen Dimensionen“ – unter dem Schlagwort „Weniger produzieren mehr“ (Schwedter Initiative) – ging von Schwedt aus und wurde zur landesweiten Kampagne.
In den 1980er Jahren arbeitete die Raffinerie weiter an ihrem Konzept der Rückstandskonversion, um nahezu rückstandsfrei produzieren zu können. So kamen 1984 der Visbreaker und 1988 der HSC-Desus-Komplex zur weiteren Aufarbeitung von dunklen Rückstandsprodukten hinzu. Der Thermocracker HSC (High Conversion Soaker Cracker) ist die einzige Anlage ihrer Art weltweit. Ende der 1980er Jahre wurden im PCK mehr als 10 Millionen Tonnen Erdöl pro Jahr verarbeitet. Die Gesamt-Beschäftigtenzahl belief sich auf über 8000. Wie viele Kombinate in der DDR, hatte auch die PCK ein werkseigenes Erholungsheim. InPenzlin wurde dafür das Hotel „Seehof“ direkt am Penzliner See genutzt. Das Werk stiftete 1966 einen Kunstpreis „zur Förderung der realistisch-sozialistischen Kunst“, der jährlich zumTag des Chemiearbeiters vergeben wurde.[24] Es erwarb für die unternehmenseigene Kunstsammlung Werke der bildenden Kunst. Die Sammlung ging nach derdeutschen Wiedervereinigung an den Rechtsnachfolger.
Im Juni 1990 wurde das Petrolchemische Kombinat aufgelöst und im Zuge der deutschen Wiedervereinigung als Petrolchemie und Kraftstoffe AG in das Handelsregister eingetragen, um von derTreuhandanstalt privatisiert zu werden. Im Juli 1991 wurde PCK an die deutschen MineralölgesellschaftenVEBA undDEA sowie ein Konsortium ausAgip,elf undTotal verkauft. 1996 wurde die AG in eine GmbH umgewandelt. Im Jahr 2010 verkaufte der staatliche ErdölkonzernPDVSA ausVenezuela dem russischen UnternehmenRosneft ein Beteiligungspaket an mehreren deutschen Erdölraffinerien. In dem Paket war auch ein 37,5 % Anteil an der PCK Schwedt.[25]
Rosneft und Treuhandverwaltung
[Bearbeiten |Quelltext bearbeiten]Die PCK Raffinerie GmbH ist ein Gemeinschaftsunternehmen derRosneft Deutschland GmbH (54,17 %),Shell Deutschland GmbH (37,5 %) und derEni Deutschland GmbH (8,33 %),[2] für die sie als Lohnverarbeiter tätig ist. In den Jahren 2015 und 2016 hatte Rosneft seine Beteiligung bereits durch die Übernahme der Anteile vonTotal undBP erhöht.[26] 2021 kündigte Rosneft, das damals einVorkaufsrecht hatte,[27] an, die Anteile von Shell zu übernehmen und damit auf insgesamt 91,67 % zu erhöhen. Dies steht unter dem Vorbehalt der behördlichen Genehmigungen desBundeswirtschaftsministeriums, die derzeit noch ausstehen. DasBundeskartellamt gab die Transaktion am 21. Februar 2022 frei,[28] das Bundeswirtschaftsministerium leitete jedoch eine Investitionsprüfung gemäßAußenwirtschaftsgesetz ein, ob sie die öffentliche Ordnung oder die Sicherheit der Bundesrepublik Deutschland gefährdet.[29]
Am 24. Februar 2022 begannen russische Streitkräfte einenvölkerrechtswidrigen Angriffskrieg gegen die Ukraine. Die Bundesregierung Scholz teilte am 16. September 2022 mit, man stelle die beiden deutschen Ableger von Rosneft, Rosneft Deutschland und RN Refining & Marketing, zur Sicherung des Betriebs der Raffinerie zunächst für ein halbes Jahr (bis März 2023 befristet)[30][27] unterTreuhandverwaltung derBundesnetzagentur.[31] Rosneft reichte eine Klage dagegen ein.[30] Da Shell das Vorkaufsrecht Rosnefts laut Branchenkennern nun als erloschen betrachtet, könnte der an einer Beteiligung an PCK interessierte polnische Ölverarbeiter und TankstellenbetreiberOrlen die Shell-Anteile, die der britische Ölmulti ohnehin seit Längerem abstoßen will, übernehmen.[27] Orlen betreibt auf deutschem Staatsgebiet, hauptsächlich im großen Umkreis der Raffinerie und im Bereich nahe der polnischen Grenze, etwa 580 Tankstellen.[32] DasBundesverwaltungsgericht wies Rosnefts Klage ab; die Bundesregierung gab die Verlängerung der Treuhandverwaltung der Rosneft-Anteile an PCK um sechs Monate am 15. März 2023 bekannt.[33]
Für die von deutscher Seite ab 1. Januar 2023 komplett boykottierten Öllieferungen aus Russland wurden Alternativen geschaffen[34] werden, etwa durch einen Ausbau der Pipeline vomHafen Rostock nach Schwedt.[35][36] Seit 2023 wird Rohöl auch über denHafen von Danzig nach Schwedt gepumpt.
Polen machte die Enteignung der Rosneft-Anteile an PCK sowohl für die Beileitung von Öl über sein Territorium nach Schwedt[16] als auch für einen Einstieg von Orlen bei PCK zur Bedingung.[27][37]
Im September 2023 wurde die Treuhandverwaltung der Bundesnetzagentur bis zum 10. März 2024 verlängert.[38]
Literatur
[Bearbeiten |Quelltext bearbeiten]- Heike Knortz: Innovationsmanagement in der DDR 1973/79–1989. Der sozialistische Manager zwischen ökonomischen Herausforderungen und Systemblockaden, Verlag Duncker & Humblot, Berlin 2004.
- Gerd Bukowski, Heinz Limmer:Vom Vorzeigebetrieb zur Spitzenraffinerie: Die Geschichte der Erdölraffinerie in Schwedt/Oder. Steckovics Verlag, 2011,ISBN 978-3-89923-282-0.
Weblinks
[Bearbeiten |Quelltext bearbeiten]- PCK Raffinerie GmbH
- InnoMonitor: PCK Raffinerie GmbH, abgerufen am 17. Januar 2013
- Schwedt und das Öl-Embargo. In: www.rbb-online.de. rbb Fernsehen, 17. Januar 2023; abgerufen am 22. Januar 2023.
- Videos imARD-Retro-Angebot derARD Mediathek:
- Aktuelle Kamera: Grundsteinlegung des VEB Erdölverarbeitungswerk Schwedt, Deutscher Fernsehfunk vom 12. November 1960.
- Aktuelle Kamera: Verlegung der Erdölleitung "Freundschaft" durch die Oder, Deutscher Fernsehfunk vom 25. Oktober 1961.
- Aktuelle Kamera: Baustelle des VEB Erdölverarbeitungswerk Schwedt, Deutscher Fernsehfunk vom 25. März 1963.
- Aktuelle Kamera: Probebetrieb im VEB Petrolchemisches Kombinat Schwedt, Deutscher Fernsehfunk vom 1. April 1964.
- Aktuelle Kamera: Erste Anfahrtsstufe im VEB Erdölverarbeitungswerk Schwedt, Deutscher Fernsehfunk vom 10. Juli 1964.
- Aktuelle Kamera: Erdölverarbeitungswerk in Schwedt wird fertiggestellt, Deutscher Fernsehfunk vom 3. September 1964.
Einzelnachweise
[Bearbeiten |Quelltext bearbeiten]- ↑abcPCK Raffinerie GmbH Schwedt/Oder Jahresabschluss zum Geschäftsjahr vom 01.01.2020 bis zum 31.12.2020. In: Bundesanzeiger. Abgerufen am 30. April 2022.
- ↑abcdÜbernahme von PCK-Anteilen durch Rosneft (Archiv). In: Stadt Schwedt. 17. November 2021, abgerufen am 12. Dezember 2023.
- ↑Scholz rechnet mit Unterbrechung russischer Ölversorgung. In: n-tv NACHRICHTEN. 17. September 2022, abgerufen am 17. September 2022.
- ↑Ines Markgraf: PCK Raffinerie in Schwedt hat neuen Geschäftsführer. In: nordkurier.de. 1. April 2022, abgerufen am 2. März 2024.
- ↑abcn-tv NACHRICHTEN: Raffinerie in Schwedt nur noch zur Hälfte ausgelastet. Abgerufen am 3. Januar 2023.
- ↑abEs wird weiter Öl nach Schwedt kommen. (Memento vom 29. Dezember 2022 imInternet Archive) In:inforadio.de (MP3, 8 MB).
- ↑abfinanzen.net:: Kasachstan will im ersten Quartal 300.000 Tonnen Öl nach Deutschland liefern - Russland verdient mit. Abgerufen am 4. Februar 2023.
- ↑abClaudio Kummerfeld: Warum Kasachstan-Öl per Pipeline wohl ein Wunschtraum bleibt. In: finanzmarktwelt.de. 21. Dezember 2022, abgerufen am 29. Dezember 2022 (deutsch).
- ↑abcBetreuung, Prüfung und Messung an/für KKS-Systeme. Abgerufen am 22. Januar 2023.
- ↑abPuls Thomas:Warum die bestehende Infrastruktur den Ersatz russischen Öls erschwert. In:Puls IW-Kurzbericht.Nr. 35, 8. April 2022 (iwkoeln.de [abgerufen am 4. Februar 2023]).
- ↑abSanierung der Pipeline APR zwischen Rostock und Schwedt. Abgerufen am 22. Januar 2023.
- ↑abWirtschaftsministerium sagt Öl via Danzig für PCK zu. In: rbb24.de. 16. Januar 2023, abgerufen am 17. Januar 2023.
- ↑n-tv NACHRICHTEN: Schwedt-Versorgung ist nicht das einzige Problem. Abgerufen am 3. Februar 2023.
- ↑finanzen.net: Ölmenge durch Druschba-Pipeline soll erhöht werden - höhere Lieferungen von Kasachstan nach Deutschland
- ↑Franz Rittig, Manfred Weisbrod:Baureihe 232 – Die berühmte Ludmilla (=Eisenbahn Journal Extra. Ausgabe 2 / 2012). Verlagsgruppe Bahn, Fürstenfeldbruck 2012,ISBN 978-3-89610-363-5, Seite 68
- ↑abPoland To Supply Crude To Former Rosneft Refinery In Germany. Abgerufen am 18. Dezember 2022 (englisch).
- ↑Kazakhstan Looks To Ramp Up Oil Exports To Europe. Abgerufen am 19. April 2023 (englisch).
- ↑n-tv NACHRICHTEN: Kasachstan liefert bis Ende 2024 Öl nach Schwedt. Abgerufen am 23. Juni 2023.
- ↑https://www.tagesschau.de/investigativ/ndr-wdr/rosneft-oel-russland-kasachstan-zoll-deutschland-102.html
- ↑PCK Raffinerie Werkfeuerwehr und Brandschutz abgerufen am 24. Jan. 2024
- ↑Michael Sauerbier: Der irre Streit um Teslas Wasserverbrauch. In: bz-berlin.de. 16. August 2021, abgerufen am 17. September 2022.
- ↑Chemie gibt Brot, Wohlstand und Schönheit., Kalenderblatt vom 11. November 2010 inDeutschlandradio Kultur (Archiv, abgerufen am 11. Dezember 2023).
- ↑Wie die "Druschba"-Leitung das Leben in der Stadt Schwedt bestimmt. Abgerufen am 30. Dezember 2022.
- ↑Bildende Kunst, Berlin, 4/1966, S. 220
- ↑Rosneft entering the German oil market. In: Center For Eastern Studies. 20. Oktober 2022, abgerufen am 22. Dezember 2022.
- ↑Rosneft übernimmt PCK-Mehrheit. In: MOZ. 29. Dezember 2016, archiviert vom Original am 1. Mai 2022; abgerufen am 1. Mai 2022.
- ↑abcdn-tv NACHRICHTEN: Polen fordert offenbar PCK-Verstaatlichung. Abgerufen am 29. Dezember 2022.
- ↑Bundeskartellamt erlaubt Rosneft Kauf großer Anteile an deutscher Raffinerie. In: Der Spiegel. 24. Februar 2022, abgerufen am 1. Mai 2022.
- ↑Manager-Magazin.de:Habeck will Abhängigkeit von Rosneft beim Öl lösen
- ↑abMOZ.de: Treuhandverwaltung bei PCK Schwedt: Rosneft will wieder das Sagen haben – Gericht entscheidet über Klage. 25. Januar 2023, abgerufen am 29. Januar 2023.
- ↑"Regierung stellt Rosneft Deutschland unter Treuhandverwaltung" Welt.de vom 16. September 2022
- ↑ORLEN Deutschland. Abgerufen am 29. Dezember 2022.
- ↑tagesschau.de: Ukraine-Liveblog: ++ Ukraine will Bachmut weiter verteidigen ++. Abgerufen am 14. März 2023.
- ↑Frederike Haupt (FAZ):Schwedt macht weiter (FAZ 17. Januar 2024)
- ↑Energie aus Russland - Deutsche Regierung übernimmt Kontrolle über Rosneft-Raffinerie. In: srf.ch. 16. September 2022, abgerufen am 16. September 2022.
- ↑EU-Sanktionen gegen Russland: Wann wirkt das Öl-Embargo? In: tagesschau.de. 16. September 2022, abgerufen am 16. September 2022.
- ↑Raffinerie Schwedt erhält erstmals Rohöl über Polen. In: Handelsblatt. 8. November 2022, abgerufen am 22. Dezember 2022.
- ↑Bundesnetzagentur - Homepage - Bekanntmachung des Bundesanzeigers vom 8. September 2023. Abgerufen am 10. September 2023.