Opportunitätskosten (englischopportunity costs) sind in derBetriebswirtschaftslehre undMakroökonomie keine echtenKosten im Sinne derKostenrechnung, sondern stellenentgangenen Gewinn oder entgangenenNutzen dar, der bei derEntscheidung für eine von mehreren Alternativen im Vergleich zur besten Alternative ganz ausbleibt oder nur gemindert entsteht.[1] Gegensatz sind dieOpportunitätserlöse.
Opportunitätskosten von Unternehmen müssen entsprechend demUnternehmensziel definiert werden.[2] Bei dem Ziel derGewinnmaximierung stellen sie entgangenen Gewinn, bei Umsatzmaximierung entgangenenUmsatzerlös dar. Verzeichnet einPrivathaushalt Opportunitätskosten, müssen sie denpersönlichen Zielen, beimStaat denStaatszielen entsprechen.
Der Begriff der „opportunity costs“ wurde bereits 1894 eingeführt als verlorenerZahlungseingang durch die Verwendung einesProduktionsfaktors für einen anderen Zweck.[3]
Die Merkmale der Opportunitätskosten ergeben sich aus einer Vielzahl von Definitionsversuchen.Hans Münstermann zufolge entsprechen die Opportunitätskosten der entgangenen Zielerfüllung.[4]Erich Preiser verstand 1963 unter Opportunitätskosten „Kosten im Sinne des anderweitig entgehenden Nutzens, alternative Kosten“.[5] Opportunitätskosten stellen für Unternehmen denjenigen Betrag dar, der ihnen dadurch entgeht, dass sie einenknappen Produktionsfaktor nicht mehr anderweitig verwenden können.[6] Opportunitätskosten sind der Nutzenentgang bzw. die Gewinneinbuße, die sich – bei Kenntnis der optimalen Entscheidung – aufgrund einer nicht durchgeführten besten bzw. nicht durchführbaren besseren Entscheidungsalternative ergeben.[7] Auch andere Autoren haben die Definitionen bereichert.[8][9] Allen gemeinsam ist, dass ganz oder teilweise entgangeneErträge,Gewinne oder Nutzen durch Opportunitätskosten abgebildet werden sollen, die dadurch entgangen sind, dass nicht die optimale Entscheidungsalternative gewählt worden ist.
Ihrer Art nach werden Opportunitätskosten – in Anlehnung an denProduktionsprozess – ininput- undoutputbezogene Opportunitätskosten unterschieden.
Inputbezogene Opportunitätskosten ergeben sich, indem derDeckungsbeitrag des produzierten Gutes auf den Inputfaktor (Arbeitsstunden, Stück, Tonnen etc.) relativiert wird (relativer Deckungsbeitrag). Zur Beurteilung der Opportunitätskosten müssen Deckungsbeiträge nicht unbedingt herangezogen werden. Sie können auch durch eine relative Betrachtung bezüglich entgangener Kundenakquise, entgangenerMarktanteile oder entgangener Umsätze beurteilt werden. Im Allgemeinen hat sich jedoch die Bewertung bezüglich entgangener Stückdeckungsbeiträge durchgesetzt, da diese einfacher verglichen werden können.
Outputbezogene Opportunitätskosten sind „Kosten“ (entgangene Deckungsbeiträge) einer Alternative, die nicht auf den Input, sondern auf den Output des Produktionsprozesses bezogen werden. Man unterscheidet hierbei zwischenAlternativkosten (Opportunitätskosten in Abweichung von der nächstbesten Alternative) undOptimalkosten (Abweichung der gewählten Alternative von der optimalen Verwendung).
Alternativkosten können dazu verwendet werden, verschiedeneProduktionsprogramme eines Unternehmens miteinander zu vergleichen. Optimalkosten hingegen bewerten eine Alternative nur im Vergleich zum optimalen Produktionsprogramm. Allerdings kann das Konzept der Opportunitätskosten meistens nur dafür verwendet werden, Alternativen zu bewerten, nachdem Entscheidungen bereits getroffen wurden. Sie lassen also lediglich eineEx-post-Analyse zu.
Ist dievolkswirtschaftliche Leistungsfähigkeit wegen derKapazitätsgrenze erreicht, so kann eineVolkswirtschaft von einerGütergruppe nur dann mehr produzieren, wenn sie auf eine bestimmte Menge anderer Güter verzichtet.[10] Dieses Verhältnis der Gütereinbuße des Gutes
zu Gunsten der Gütervermehrung beim Gut
als Folge der anderen Verwendung der Produktionsfaktoren nennt man Opportunitätskosten
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DasGesetz der zunehmenden Opportunitätskosten besagt, dass bei fortgesetzter Ausdehnung derProduktion eines Gutes um eine infinitesimal kleine Einheit immer mehr Einheiten der alternativen Güter aufgegeben werden müssen.[11]
Soll beispielsweise beiVollbeschäftigung mehrKleidung alsNahrung hergestellt werden, müssen umso mehrArbeitskräfte undMaschinen aus derNahrungsmittelindustrie abgezogen werden, wobei dieQualifikation vonPersonal und die Eignung vonSachkapital einenEngpass darstellen kann.
Opportunitätskosten gibt es in der Betriebswirtschafts- und Volkswirtschaftslehre:
- Betriebswirtschaftslehre:
- Volkswirtschaftslehre:
BeiPrivathaushalten gibt es unter anderem Opportunitätskosten, wenn dieArbeitszeit beispielsweise wegenTeilzeitarbeit verringert wird, wodurch sich dieFreizeit zwar erhöht, aber dasArbeitsentgelt sinkt. Die Einkommensminderung ist als Opportunitätskosten anzusehen. Wird umgekehrt die Arbeitszeit erhöht, ergibt sich aus dem geringeren Freizeitwert ein Nutzenentgang. Opportunitätskosten sind aus Sicht desArbeitnehmers derDisnutzen desArbeitsleids.
In der Volkswirtschaftslehre spielen Opportunitätskosten vor allem bei auftretendenKostenvorteilen eine zentrale Rolle.[14] Diese sind bei derFaktorallokation im Rahmen einer gegebenenProduktionsstruktur zu berücksichtigen, wenn ein kostenungünstigeres Gut durch ein kostengünstigeresSubstitutionsgut ersetzt werden soll.
- Beispiele
- Konzept derTransformationskurve,
- beim entgangenen Nutzen,
- als Summe aus expliziten Kosten (=absolute, tatsächliche Kosten) und impliziten Kosten (=theoretisch mögliche Einnahmen, die bei der Ausführung einer anderen denkbaren Sache, in der gleichen Zeit erwirtschaftet werden könnten).
Opportunitätskosten fallen in der Betriebswirtschaftslehre nicht lediglich bei eigenen Entscheidungen an, sondern auch, wenn Dritte auf eineInvestition oder einenVertrag unerwartet einwirken (Vertragspartner durchKündigung, derStaat etwa bei derStilllegung von Betrieben) undVertragsstrafen oderEntschädigungen niedriger sind als die ursprünglich erwarteten Gewinne. Opportunitätskosten gehören zu denZusatzkosten, weil ihnen keinAufwand zugrunde liegt. Sie sind damitkalkulatorische Kosten (kalkulatorische Abschreibungen,kalkulatorische Eigenkapitalverzinsung,kalkulatorische Mieten und Pachten,kalkulatorischer Unternehmerlohn,kalkulatorische Wagnisse) und fallen lediglich beiknappen Produktionsfaktoren an, bei nicht knappen sind sie stets gleich Null. Wegen ihrer schwierigen Ermittlung kommt ihnen mehr theoretische als praktische Bedeutung zu.[15]
Eine Entscheidung ist im Umkehrschlussoptimal, wenn die Opportunitätskosten nicht gewählter Alternativen geringer sind als der Gewinn oder Nutzen aus der gewählten Alternative.
- Beispiele
In derSozial- undFamilienpolitik spielen Opportunitätskosten eine Rolle im Sinne eines Ausfalls an Erwerbseinkommen und beruflicher Karriereentwicklung des Individuums aufgrund vonHaus- und Familienarbeit, insbesondere der Kindererziehung. So nennt dasFamilienministerium (BMFSFJ) als Opportunitätskosten der Kindererziehung den Verlust von Erwerbseinkommen, den Verlust von rentenrechtlichen Ansprüchen und ein erhöhtes Beschäftigungsrisiko.[16] Eine berufliche Auszeit, die sich über viele Monate oder Jahre erstreckt, bringt zudem eineDequalifikation mit sich.
- ↑Susanne Wied-Nebbeling, Hartmut Schott:Grundlagen der Mikroökonomik. 3. Auflage. Springer, 2005,ISBN 3-540-22683-4,S. 85.
- ↑Silvio Unterguggenberger,Kybernetik und Deckungsbeitragsrechnung, 2013, S. 86
- ↑David Green,Pain Cost and Opportunity Cost, in: The Quarterly Journal of Economics 8, 1894, S. 218–229
- ↑Hans Münstermann,Bedeutung der Opportunitätskosten für unternehmerische Entscheidungen, in:Zeitschrift für Betriebswirtschaft, Ergänzungsheft 1, 1966, S. 22 ff.
- ↑Erich Preiser,Erkenntniswert und Grenzen der Grenzproduktivitätstheorie, in: Erich Preisser (Hrsg.):Bildung und Verteilung des Volkseinkommens, 1963, S. 286
- ↑Gebhard Zimmermann,Grundzüge der Kostenrechnung, 2019, S. 82
- ↑Peter Klaus Jäger,Modellmethodologie und optimale Bestellmenge, 1982, S. 288
- ↑Hartmut Michel,Grenzkosten und Opportunitätskosten, in:ZfbF 2, 1964, S. 82 ff.
- ↑Werner Kern,Kalkulation mit Opportunitätskosten, in: Zeitschrift für Betriebswirtschaft, 1965, S. 133 ff.
- ↑Hartwig Bartling/Franz Luzius,Grundzüge der Volkswirtschaftslehre, 2014, S. 37
- ↑Hartwig Bartling/Franz Luzius,Grundzüge der Volkswirtschaftslehre, 2014, S. 39
- ↑Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung vom 21. Mai 2015,Einkommensungleichheit in Deutschland im Mittelfeld, Vermögensungleichheit hoch, abgerufen am 4. September 2017
- ↑Rudolf Hickel,Vom Rheinischen zum Turbo-Kapitalismus, in: Blätter für deutsche und internationale Politik 12, 2006, S. 1475
- ↑Peter Bofinger,Grundzüge der Volkswirtschaftslehre, 2011, S. 36
- ↑Josef Kloock,Opportunitätskosten, in: Wolfgang Lück (Hrsg.):Lexikon der Betriebswirtschaft, 1983, S. 846
- ↑Gerechtigkeit für Familien. Zur Begründung und Weiterentwicklung des Familienlasten- und Familienleistungsausgleichs. (PDF; 2,5 MB) BMFSFJ, archiviert vom Original (nicht mehr online verfügbar) am 21. Juli 2011; abgerufen am 25. Juni 2010.