Operation Dynamo

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Britische Soldaten werden in Rettungsbooten aus Dünkirchen evakuiert. (Nachgestellte Szene aus dem Film „Divide and Conquer“ der US-Armee, 1943)

Operation Dynamo war der Codename einer militärischen Evakuierungsaktion der britischenAdmiralität imZweiten Weltkrieg, bei der mit 85 Prozent das Gros desbritischen Expeditionskorps (BEF) und Teile derfranzösischen Armee per Schiff nachEngland transportiert werden konnten. Diese Truppenteile wurden von derWehrmacht bei derSchlacht um Dünkirchen eingekesselt, wobei ein – bis heute nicht endgültig geklärter – Haltebefehl für die rasch vorstoßenden deutschenPanzertruppen ein Zeitfenster für die Alliierten öffnete, in dem vom 26. Mai bis zum 4. Juni 1940 338.226 Soldaten, davon 198.229 Briten und 139.997 Franzosen,[1] unter Zurücklassung fast des gesamten Materials evakuiert werden konnten. Diese bis dahin größte Rettungsaktion der Weltgeschichte bildete die Grundlage für das DurchhaltevermögenGroßbritanniens, denn der Verlust fast der gesamten britischenBerufsarmee hätte zu dieser Zeit nicht kompensiert werden können.

Inhaltsverzeichnis

Vorgeschichte

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Nach dem deutschenÜberfall auf Polen am 1. September 1939, mit dem der Zweite Weltkrieg begonnen hatte, kam es an der Westfront zunächst zu keinen größeren Kampfhandlungen. Obwohl das Gros der Wehrmacht in den ersten Kriegswochen im Osten gebunden war, nutzten die Verbündeten Frankreich und Großbritannien nicht die Gelegenheit zu einer Offensive. Am 10. Mai 1940 begann die deutsche Wehrmacht denWestfeldzug. Ihr Vormarsch kam unerwartet rasch voran, so dass das britische Kriegskabinett unterWinston Churchill bereits am 19. Mai eine Evakuierung des BEF erwog.

Am 20. Mai 1940 erreichten die derHeeresgruppe A zugehörigen deutschen Panzertruppen unterGeneralHeinz Guderian die französische Kanalküste westlich vonAbbeville. Damit waren die gesamte BEF unter GeneralViscount Gort und Teile derfranzösischen 1. Armee unter GeneralGeorges Blanchard in der Region um Dünkirchen eingeschlossen.

Verlauf

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Hauptartikel:Schlacht um Dünkirchen

Der Haltebefehl

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Die deutschen Panzertruppen stießen von Abbeville in RichtungCalais vor und kamen bis auf 18 Kilometer an die eingeschlossenen alliierten Truppen heran.Guderian bekam am frühen Nachmittag des 24. Mai vonHeeresgruppenführerGerd von Rundstedt und auch von Hitler den ausdrücklichen Befehl, den weiteren Vormarsch sofort zu stoppen. Die Gründe für diesenHaltebefehl konnten bis heute nicht bis ins Letzte geklärt werden.

Erst am Abend des 26. Mai – zwei Tage und 8 Stunden später – erhielten diePanzer Guderians den Befehl, wieder auf Dünkirchen vorzustoßen, um die Evakuierung des BEF zu unterbinden. Die Panzer benötigten 16 Stunden, um ihre Marschbereitschaft wiederherzustellen. Die Briten gewannen durch den Haltebefehl also genau drei Tage zusätzliche Zeit. Sie nutzten sie, um einen starken Verteidigungsring um Dünkirchen aufzubauen.

Evakuierung

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VonDover aus befehligteVize-AdmiralBertram Ramsay die Operation, bei der alle verfügbaren Wasserfahrzeuge – insgesamt 900 – zur Evakuierung der Truppen aus Dünkirchen eingesetzt wurden. SelbstFischkutter undRNLI-Lebensrettungsboote kamen dabei zum Einsatz. Obwohl der größte Teil der Soldaten mit Kriegsschiffen evakuiert wurde, sprach man in Großbritannien später vomMiracle of the Little Ships, demWunder der kleinen Schiffe.

Der 27. Mai begann mit heftigen deutschenLuftangriffen auf den Hafen und die Stadt von Dünkirchen. Kampfgeschwader der aus Westdeutschland und den Niederlanden anfliegendenLuftflotte 2 sowieStukas von näher gelegenen Feldflugplätzen nahmen an dem Angriff teil. Mehrere Schiffe wurden versenkt, unter anderem der FrachtdampferAden und der französische TruppentransporterCôte d’Azur, eine ehemalige Kanalfähre. Mittags mussten die zur Evakuierung zusammengedrängten Truppen das Hafengebiet räumen.

Die Briten sahen keine Möglichkeit mehr, über die von Bomben schwer beschädigten Hafenkais an Bord der Schiffe zu gelangen. Stattdessen wurde der Strand zwischen Dünkirchen und dem OrtDe Panne für die weitere Einschiffung der Truppen vorgesehen. Dort fehlte es jedoch an Landebrücken und Verladeeinrichtungen. Bis zum Abend des 27. Mai wurden lediglich 7.669 Mann gerettet.

Am Morgen des 28. Mai mischte sich Rauch aus den Bränden am Hafen mit tief hängenden Wolken und erschwerte die Sicht. Das Wetter wurde zunehmend schlechter. Zwar fanden deutsche Luftangriffe aufOstende undNieuwpoort statt, doch nur wenige Bomben fielen auf Dünkirchen. Die lange Ostmole des Hafens war wider Erwarten doch als Anlegestelle für größere Kriegsschiffe geeignet. 17.804 Soldaten konnten bis zum Abend abtransportiert werden.

Am 29. Mai verlangsamte sich der deutsche Vorstoß abermals, als die im Vergleich zu den Panzern langsameInfanterie aufrückte. Dichte niedrige Wolken und Nebel behinderten weiter die deutscheLuftwaffe, die erst ab 14 Uhr in die Kämpfe eingriff. Sie versenkte die großen FährschiffeQueen of the Channel,Lorina,Fenella,King Orry undNormannia. Die britischeAdmiralität zog daraufhin die modernen Zerstörer derRoyal Navy zurück. Erneut wurde der Hafen als „blockiert und unbenutzbar“ gemeldet. Dennoch konnten an diesem Tag 47.310 Mann abtransportiert werden.

Der 30. Mai ließ wegen des anhaltend schlechten Wetters keine Luftangriffe zu, und die deutschen Bodentruppen kamen gegen eine organisierte Verteidigung nur langsam voran. 53.823 Soldaten wurden evakuiert. Am 31. Mai waren es bereits 68.014.

Der 1. Juni begann mit sonnigem Wetter, so dass die Luftwaffe mit allen verfügbaren Einheiten angreifen konnte, aber auch durch die Jäger derRAF schwer bedrängt wurde. Obwohl die Royal Navy an diesem Tag vier Zerstörer und zehn weitere große Schiffe verlor, konnte sie 64.429 Soldaten übersetzen. Wegen der Verluste gab Ramsay den Befehl, Dünkirchen nur noch nachts anzulaufen.

Am 4. Juni meldete dieBBC:

“Major-GeneralHarold Alexander inspected the shores of Dunkirk from a motorboat this morning to make sure no-one was left behind before boarding the last ship back to Britain.”

Generalmajor Harold Alexander vergewisserte sich heute morgen beim Strand von Dünkirchen von einem Motorboot aus, dass niemand am Strand zurückgelassen wurde, bevor er das letzte Schiff nach Großbritannien bestieg.“

Ergebnisse

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Aus Dünkirchen evakuierte britische Soldaten nach der Ankunft in England

Bis zum 4. Juni waren insgesamt 338.226 alliierte Soldaten – davon 139.997 Franzosen – nach England gebracht worden. Etwa 40.000 Mann konnten dagegen nicht mehr evakuiert werden. Die Rettung von Menschenleben hatte auf britischer Seite absoluten Vorrang, da das Expeditionskorps fast ausschließlich aus gut ausgebildeten Berufssoldaten bestand, deren Verlust nicht zu ersetzen gewesen wäre. Operation Dynamo schuf also die notwendige Grundlage für die spätere Reorganisation derbritischen Armee. Aus diesem Grund wurde die erfolgreiche Evakuierung der Soldaten – ungeachtet ihrer Niederlage in Nordfrankreich – im Bewusstsein der britischen Bevölkerung als großer moralischer Sieg gewertet. Es entstand derMythos Dünkirchen, der den britischen Durchhaltewillen entscheidend stärkte. Laut dem HistorikerKarl-Heinz Frieser hätte der Verlust fast der gesamten britischen Berufsarmee das Ende der Regierung Churchills und damit wahrscheinlich auch das Ende des Krieges bedeutet.[2]

Einige der evakuierten Einheiten wurden umgehend wieder nachFrankreich verschifft, um dort weiter gegen die deutsche Wehrmacht zu kämpfen. Die in Großbritannien verbliebenen französischen Truppen gründeten nach der Kapitulation Frankreichs dieForces Françaises Libres (deutsch:Freie Französische Streitkräfte), die unter ihrem OberbefehlshaberCharles de Gaulle den Kampf gegen dasDeutsche Reich weiterführten.

Enorme Verluste erlitten die Briten dagegen an Kriegsmaterial: etwa 700 Panzer, 2470 Geschütze, knapp 64.000 Fahrzeuge aller Art, 20.000 Motorräder sowie 470.000 Tonnen Versorgungsgüter mussten zurückgelassen werden.[3] Um deren Verlust zu kompensieren, entwarfen die Briten später verschiedene billig zu produzierende Waffen wie dieSten Gun. Während des Unternehmens wurden mehr als 200 britische Schiffe – überwiegend durch deutsche Luftangriffe – versenkt. Zudem verloren die Briten 177 Flugzeuge und 90 Piloten, während auf Seiten der deutschen Luftwaffe 132 Maschinen abgeschossen wurden. Es war die bis dahin größte Luftschlacht des Zweiten Weltkriegs. Da die Luftkämpfe außer Sichtweite der Bodentruppen stattfanden, glaubten viele britische Soldaten, die RAF habe sich aus den Kämpfen zurückgezogen, um ihreJagdflugzeuge zu schonen.

Größere Schiffsverluste

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Großbritannien
SchiffDatumGrund
Grafton29. MaiTorpediert durchU 62
GrendeLuftangriff
WakefulTorpediert durchSchnellbootS 30 der2. Schnellboot-Flottille
Basilisk1. JuniLuftangriff
Havent
Keith
Frankreich
SchiffDatumGrund
L’Adroit21. MaiLuftangriff
Bourrasque30. MaiSeemine
Scirocco31. MaiSchnellbooteS 23 undS 26 der2. Schnellboot-Flottille
Foudroyant1. JuniLuftangriff

Gedenkfahrt

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Seit 1965 erinnert alle fünf Jahre am 26. Mai die von der britischenAssociation of Dunkirk Little Ships (ADLS) organisierte GedenkfahrtDunkirk-Ships an die Operation Dynamo. Teilnahmeberechtigt sind nur Schiffe, die 1940 an der Operation beteiligt waren. Rund 70 der ursprünglich 400 kleinen Schiffe nehmen noch an der Gedenkfahrt teil, die meisten in restauriertem Zustand.

2005 beteiligten sich 50 mit dem „Georgskreuz“ (St. George’s Cross) beflaggte Schiffe an der Erinnerungsfahrt vonRamsgate nach Dünkirchen. Sie wurden von einemPatrouillenboot der britischen Marine sowie vonSeenotrettungskreuzern durch den dichtbefahrenenÄrmelkanal begleitet.

Weiteres

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Nach der Operation fanden weitere ähnliche Aktionen statt: Vom 10. bis zum 13. Juni 1940 flohen 11.059 britische und andere alliierte Soldaten vonLe Havrenach England (Operation Cycle) und in derOperation Aerial flohen mehr als 215.000 alliierte Soldaten vonCherbourg,St. Malo und anderen Häfen nach England (14. – 25. Juni).[4]

Darstellung im Kino

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Die Operation Dynamo ist Gegenstand der KinofilmeDünkirchen (Großbritannien, 1958),Dünkirchen, 2. Juni 1940 (Frankreich, 1964) undDunkirk (Gemeinschaftsproduktion von 2017). InDie dunkelste Stunde von Joe Wright (Großbritannien 2017) wird geschildert, wie Churchill die Operation politisch durchsetzte. Der FilmAbbitte nach dem gleichnamigen Roman vonIan McEwan schildert in den Schlussszenen die dramatische Bergung am Strand.

Siehe auch

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Literatur

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Belletristik

Weblinks

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Commons: Operation Dynamo – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

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  1. Taylor, 1965.
  2. Christian Frey: Dünkirchen: Warum Adolf Hitler die Briten entkommen ließ. In: welt.de. 26. Mai 2015, abgerufen am 7. Oktober 2018. 
  3. Janusz Piekałkiewicz:Der Zweite Weltkrieg.ISBN 3-89350-544-X, S. 256.
  4. Operation Cycle, the evacuation from Havre, 10-13 June 1940. Historyofwar.org, abgerufen am 18. August 2011. 
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