
Open Library (englisch fürFreie Bibliothek) ist ein Projekt zur kollaborativen Erstellung einer auf einer bibliographischen Datenbank basierenden Online-Bibliothek. Selbsterklärtes Ziel der Open Library ist es, eine eigene Webseite für jedes bislang veröffentlichte Buch zu schaffen. In vielen Fällen wird dabei über den bibliographischen Nachweis hinaus auch der zeitlich befristete Zugang zumDigitalisat des jeweiligen Buchtitels mit hinterlegtemVolltext ermöglicht (als virtuelle „Leihe“).
Als Teilprojekt desInternet Archive wurde die Open Library maßgeblich vonBrewster Kahle initiiert und ist am 16. Juli 2007 offiziell ins Leben gerufen worden. Partner des Open-Library-Projekts ist dieOpen Content Alliance.
Heute sind laut eigenen Angaben 24 Millionen bibliografische Datensätze und die Nachweise und Verknüpfungen zu 1,2 Millionen digitalisierten Büchern in der Open Library enthalten (Stand: November 2009). Die bibliografischen Daten der Open Library sindgemeinfrei (public domain), während derQuellcode unter derGNU Affero General Public License (AGPL) steht.
Die in der Open Library enthaltenenMetadaten stammen von Verlagen, Bibliotheken und Privatpersonen. Dank eines strukturiertenWikis ist es jedem möglich, an der Open Library mitzuarbeiten und Bücher zu katalogisieren oder bereits bestehende Datensätze zu Werken oder Autoren zu editieren.
Die Open Library arbeitet nicht gewinnorientiert.
In der Open Library sind nach eigenen Angaben ca. 30 Millionen Datensätze vorhanden, davon 20 Millionen öffentlich zugänglich und editierbar mit bibliografischen Informationen zu Büchern.[1] Zirka 5 % davon sind auch mit einem Digitalisat des entsprechenden Titels verknüpft.
Die in der Open Library nachgewiesenen vollständigen Digitalisate stammen überwiegend aus den im Textarchiv des Internet Archives vorgehaltenen und nicht mehr urheberrechtlich geschützten Buchtiteln sowie von den im Rahmen derOpen Content Alliance digitalisierten Büchern. Der Zugriff auf diese Buchdigitalisate erfolgt in der Regel auch über das Textarchiv des Internet Archives. Dort finden sich mittlerweile viele Titel derGoogle Book Search. Der Internet-Archive-BookViewer ermöglicht das Blättern in digitalisierten Büchern direkt im Browser, sie sind zudem durchsuchbar, da einOCR-generierter Volltext hinterlegt wurde. In vielen Fällen stehen die Digitalisate dann auch in unterschiedlichen Dateiformaten (unter anderenPDF,EPUB,DjVu) zum Herunterladen zur Verfügung.
Mit derBoston Public Library besteht eine „Scan-on-Demand“-Kooperation: Stößt man in der Open Library auf die Seite eines gemeinfreien Buches, das im Bestand der Boston Public Library und noch nicht gescannt ist, so wird ein Knopf „Scan this book“ angezeigt. Ein Klick auf diesen Knopf bewirkt, dass ein Bibliotheksmitarbeiter vor Ort das Buch aus dem Regal nimmt und es zum „Scanning Center“ bringt, wo es für die Open Library digitalisiert wird.
AlsWebserver verwendet die Open Library einenLighttpd-Server mit einemFastCGI-Interface. Die Suche basiert auf einemSolr-Suchserver mit einerLucene-Programmbibliothek.[2]
Als Datenbank wird Infobase genutzt, eine Eigenentwicklung, die speziell für die Zwecke der Open Library entstanden ist: Mit ihr lassen sich beliebig strukturierte große Datenmengen, die von einer großen Zahl an Nutzern erstellt werden, speichern undversionieren. Die Oberfläche basiert auf Infogami, einem strukturierten Wiki basierend aufPython.[3]
Seit dem 6. Mai 2010 präsentiert sich die Open Library mit neuem Layout und erweiterten Funktionen. Mit dem Relaunch ist die Betaphase offiziell beendet, allerdings ist die neue Version noch nicht voll funktionsfähig.[4]
Zur Katalogisierung bibliographischer Daten wird ein Formular angezeigt, in das die entsprechenden Daten eingetragen werden können. Hierbei sind keine Pflichtfelder definiert. Für das Feld „Autor“ existiert einRegister, das von jedermann erweitert werden kann. Alle anderen Felder haben kein Register hinterlegt.
Neben der Eingabe der gängigen bibliographischen Daten können auch dieDDC und dieLoC-Klassifikationen eingetragen werden. Darüber hinaus ist es möglich, ein strukturiertes Inhaltsverzeichnis, eine Beschreibung und den ersten Satz des Buches in das Katalogisat einzupflegen. Zu den Metadaten eines Titels können von den Nutzern auch Buchcover oder Bilder der Autoren hochgeladen werden.
Die Open Library bietet sowohl eine einfache als auch eine erweiterte Suche an. Darüber hinaus ist auch ein facettiertes Browsen (Drill-Down) möglich, bei dem die Suchergebnisse durch Ein- und Ausschalten verschiedener Filter modifiziert werden können. Ein Ranking der Trefferlisten, z. B. nach Relevanzkriterien, ist allerdings nicht möglich.
Die einzelnen Titel in der Open Library enthalten Links zuGoogle Book Search und zu Buchhändlern wieAmazon undAbeBooks. Außerdem wird auf den entsprechendenWorldCat-Eintrag des jeweiligen Buches verwiesen.
Darüber hinaus gibt es die Möglichkeit, mittels maschinenlesbarerTags vonFlickr-Fotos auf Open-Library-Buch- und Autorenseiten zu verlinken.[5]
Verschiedene Open-Library-APIs ermöglichenMash-ups:[6]
DieLibrary of Congress, die California State Library und dieBoston Public Library kooperieren mit der Open Library (s. a. Inhalte der Open Library). Darüber hinaus sind bereits die Katalogdaten zahlreicher Bibliotheken in Open Library importiert.[9] Im Gegenzug können natürlich auch Bibliotheken über die APIs oder per Bulk-Download die in der Open Library erfassten Metadaten herunterladen und in ihren eigenen Katalog integrieren. So finden sich beispielsweise im Kölner Universitätsgesamtkatalog mittlerweile die Nachweise zu 565.000 der in der Open Library verzeichneten Digitalisate.[10]
OCLC[11] und die British Library[12] befürworten die Open Library hingegen nicht.
Im Gegensatz zuLibraryThing handelt es sich bei der Open Library nicht um eine Webanwendung zur Verwaltung persönlicher Bibliothekskataloge und Medienlisten. Auch werden in Open Library nicht die einzelnen Exemplare katalogisiert, sondern nur die Metadaten der Bücher. Das erklärt auch den zahlenmäßigen Unterschied: In LibraryThing sind mehr als 45 Millionen Bücher inkl. Exemplardatensätze katalogisiert (Stand: November 2009), in der Open Library die Hälfte (nur Bücher, keine Exemplare).Im Gegensatz zu LibraryThing, wo für bestimmte Anwendungen Gebühren verlangt werden, ist Open Library komplett kostenlos. Der LibraryThing-Gründer Tim Spalding unterstützt die Open Library seit der Entwicklungsphase.[13]