Es ist das erste Mal in der Geschichte der Olympischen Spiele, dass zwei Städte als offizielle Gastgeber fungieren. Insgesamt werden die Wettkämpfe an sechs verschiedenen Orten ausgetragen, die sich über den italienischen Teil derOstalpen verteilen.
Ausschlaggebend war Beobachtern zufolge die deutlich höhere Zustimmung in der Bevölkerung (83 zu 55 Prozent) sowie die zögerliche Haltung in Schweden bezüglich staatlicher Finanzgarantien, während in Italien nach anfänglichen Diskussionen die Regierung volle Unterstützung zusicherte.[1]
In Mailand wurde ein Olympisches Dorf auf dem Gelände des ehemaligen Güterbahnhofs „Scalo di Porta Romana“, einer Industriebrache an der Via Lorenzini/Ecke Via Ripamonti im StadtteilMunicipio 4 erbaut. Während den Spielen beherbergt das Dorf 1300 Bewohner. Das Bauprojekt wurde 2025 mit demInternational Safety Award desBritish Safety Council ausgezeichnet.[2] Nach den Spielen plant die Immobiliengesellschaft COIMA, den Komplex in Studentenwohnungen umzuwandeln.
Cortina d’Ampezzo
Etwa vier Kilometer nördlich von Cortina d’Ampezzo wurde auf dem Gelände des stillgelegtenFlugplatzes Cortina d’Ampezzo in Fiames ein temporäres Olympisches Dorf errichtet. Während der Spiele sind hier etwa 1400 Menschen in 350 18 qm großenMobilheimen untergebracht. Die Kosten beliefen sich auf ungefähr 35 Millionen Euro.[3] Alle Heime wurden für die Zeit nach den Spielen verkauft und werden auf Campingplätzen in Italien weitergenutzt.[4]
Bormio
In Bormio stehen insgesamt 400 Betten in vier bestehenden Hotels für die Delegationen zur Verfügung. Die zentrale Lage ermöglicht eine schnelle Erreichbarkeit der Wettkampfstätten.[5]
Livigno
Die Unterbringung inLivigno erfolgt in drei bestehenden, nahe beieinander liegenden Hotels.[3]
Antholz
InRasen-Antholz sind in vier bestehenden Hotels insgesamt 300 Personen untergebracht. Hierfür wurden in den Hotels diverse Räume umfunktioniert, damit die Einrichtungen den Standards des IOC entsprechen.[6]
Predazzo
Das Olympische Dorf inPredazzo, wo die Delegationen desNordischen Skisports untergebracht sind, befindet sich auf dem Gelände der Alpinschule derGuardia di Finanza. Hierfür wurden die Räumlichkeiten der Kaserne saniert. Insgesamt stehen dort 750 Betten zur Verfügung.[7]
Zeremonien
Olympischer Fackellauf
Ankunft der olympischen Flamme in Mailand am 5. Februar 2026
Das olympische Feuer wurde am 26. November 2025 traditionsgemäß imgriechischenOlympia entzündet. Es folgte die erste Phase desFackellaufs auf griechischem Gebiet. Mit dem Flugzeug kam das olympische Feuer im Dezember an denFlughafen Rom-Fiumicino. Am 5. Dezember entzündete der Präsident der Italienischen Republik,Sergio Mattarella, bei einer Zeremonie auf derPiazza del Quirinale den Kessel für die olympische Flamme.[8] Am Folgetag startete der Fackellauf auf italienischem Boden. Dabei wurden propalästinensische Demonstranten daran gehindert, den Fackellauf zu stören.[9] Die ersten Etappen führten durch die RegionLatium und die RegionUmbrien. Es folgte dieToskana, ehe die Route auf die beiden InselnSardinien undSizilien führte. Anschließend kehrte der Fackellauf dann wieder auf das Festland zurück und führte durchKalabrien. Von dort aus ging es wieder in den Norden durchKampanien, eheNeapel erreicht wurde. Anschließend führte der Weg über die Regionen Latium,Apulien undMolise in dieAbruzzen. Der weitere Weg führte überEmilia-Romagna in dasPiemont und dasAostatal. Mitte Januar erreichte das olympische Feuer mit derLombardei die erste von drei Regionen der Spiele. Es folgten weitere Etappen nachVenetien, der zweiten Region der Spiele. Dort warVerona, Austragungsort der Schlussfeier, das Ziel. Anschließend führte die Route nachCortina d’Ampezzo, einem der gastgebenden Orte. Im Anschluss führte die Route durch die RegionTrentino-Südtirol. Vom 30. Januar an führte der Fackellauf durch die Lombardei. ÜberLivigno, Austragungsort der Wettkämpfe im Freestyle-Skiing und Snowboard, ging die Route nachMailand.[10] Während der Eröffnungsfeier wurde das Feuer in Mailand amArco della Pace von den Ski-LegendenAlberto Tomba undDeborah Compagnoni gemeinsam entzündet. Gleichzeitig wurde es in Cortina d’Ampezzo auf der Piazza Dibona von der Abfahrts-OlympiasiegerinSofia Goggia entzündet.
Die Eröffnungsfeier fand am 6. Februar statt. Hauptveranstaltungsort der Eröffnungsfeier warMailand, wo der größte Teil der Zeremonie imMilano San Siro Olympic Stadium stattfand. Parallel wurde eine Zeremonie inCortina d’Ampezzo abgehalten. An beiden Orten ist während der Eröffnungsfeier gleichzeitig eine Schale, je ein Olympisches Feuer, entzündet worden.[11][12] Athleten aus Russland und Belarus, die unter der Bezeichnung „Individuelle Neutrale Athleten“ an den Start gehen, durften nicht an der Eröffnungsfeier teilnehmen. Grund ist derrussische Angriffskrieg in der Ukraine.
Schlussfeier
Die Schlussfeier der Spiele soll am 22. Februar in derArena von Verona stattfinden.
Wettkampfprogramm
Es finden in acht Sportarten und 16 verschiedenen Disziplinen insgesamt 116 Wettkämpfe (54 für Männer, 50 für Frauen und 12 Mixed-Wettbewerbe) statt.[13] Das sind sieben Wettbewerbe, eine Disziplin und eine Sportart mehr als in Peking 2022. Nachfolgend die Änderungen im Detail:
Skibergsteigen wird als neue Sportart erstmals olympisch. Es wird je ein Sprint für Männer und Frauen sowie ein Mixed-Wettbewerb ausgetragen.
ImSkeleton wird ein neuer Mixed-Teamwettbewerb erstmals ausgetragen.
ImRennrodeln wird der Doppelsitzer der Frauen ins Programm aufgenommen.
ImFreestyle-Skiing wird das Programm um je einen Dual-Moguls-Wettkampf für Männer und Frauen ergänzt.
ImSki Alpin wird der Mixed-Teamwettbewerb nach zwei Austragungen (2018 und 2022) wieder aus dem Programm gestrichen, sodass es eine Medaillenentscheidung weniger gibt. Zusätzlich wird anstelle der Alpinen Kombination eine Team-Kombination für Männer und Frauen ausgetragen.[14]
ImSkispringen wird der Großschanzenwettbewerb der Frauen erstmals ins Programm aufgenommen. Zusätzlich wird aufgrund einer Reduktion der Quotenplätze bei den Männern anstatt des Mannschaftswettbewerbs mit vier Springern ein Super-Team-Wettbewerb mit zwei Springern ausgetragen.[14]
In derNordischen Kombination wird der Mannschaftswettbewerb mit vier Startern durch einen Teamsprint mit zwei Startern ersetzt. Grund hierfür ist ebenfalls eine Reduktion der Quotenplätze.[15][16]
ImSkilanglauf werden die Renndistanzen für beide Geschlechter angeglichen: Der Einzelstart wird mit 10 Kilometern, der Skiathlon mit 20 Kilometern, der Massenstart mit 50 Kilometern und die Staffel mit 4 × 7,5 Kilometern ausgetragen.
Die Nationalen Olympischen Komitees vonRussland undBelarus sind aufgrund desrussischen Überfalls auf die Ukraine weiterhin suspendiert. Wie bei denOlympischen Sommerspielen 2024 dürfen einzelne Athleten aus beiden Ländern alsIndividuelle Neutrale Athleten (AIN) an den Olympischen Winterspielen 2026 teilnehmen.[18] Diese Athleten müssen vom Internationalen Verband der jeweiligen Sportart und von einem Panel des IOC zugelassen werden. Bislang erlauben nur dieInternationale Eislaufunion (ISU) bei den Eislaufsportarten Eisschnelllauf, Eiskunstlauf und Shorttrack sowie dieInternational Ski Mountaineering Federation (ISMF) beim Skibergsteigen die Teilnahme von neutralen Athleten aus Russland und Belarus. Bei den Mannschaftssportarten Curling und Eishockey sowie bei Teamwettbewerben in anderen Sportarten lässt das IOC grundsätzlich keine russischen und belarussischen Athleten zu.[19]
Das Logo „Futura“ (deutsch:Zukunft) zeichnet in einer durchgehenden weißen Linie die Zahl 26 nach und soll dieNachhaltigkeit von Mailand–Cortina 2026 symbolisieren.[20]
Medaillen
Die olympischen Medaillen bei der Präsentation im Juli 2025
Die Medaillen für die Olympischen Winterspiele wurden am 15. Juli 2025 auf einer Veranstaltung in Venedig vonValentina Marchei, der Leiterin desAmbassador-Programms der Spiele, präsentiert. Das Design der Medaillen soll Emotionen und Teamwork in den Mittelpunkt stellen. Die Medaillen bestehen aus zwei Hälften. Diese sollen die Verbindung der beiden ausrichtenden Städte Mailand und Cortina sowie den Siegeswillen und die Anstrengung, die nötig sind, um sie zu gewinnen, symbolisieren.[21]
Auf der einen Seite sind die olympischen Ringe, auf der anderen das Logo der Spiele abgebildet. Zudem sind auf jeder Medaille die jeweilige Disziplin sowie weitere Informationen eingraviert. Eine Medaille ist einen Zentimeter dick und hat einen Durchmesser von acht Zentimetern. Die Goldmedaillen sind 500 Gramm schwer und haben zusätzlich sechs Gramm Goldanteil. Eine Silbermedaille wiegt 500 Gramm und die Bronzemedaille ist 420 Gramm schwer.[22]
Die Anfertigung der Medaillen wurde durch die staatliche MünzprägeanstaltIstituto Poligrafico e Zecca dello Stato vorgenommen. Für die Herstellung wurdewiederverwertetes Metall genutzt, das aus den eigenen Produktionsabfällen gewonnen wurde. Der Präsident des Organisationskomitees,Giovanni Malagò, versicherte im Vorfeld der Spiele, dass diese nicht kaputtgehen werden. Grund hierfür war der Umstand, dass bei den vorangegangenenSommerspielen in Paris 2024 mehr als 100 Medaillen von Athleten zurückgegeben wurden, da diese nach wenigen Monaten beschädigt waren.[22]
Dennoch lösten sich bei mehreren Olympioniken bereits beimJubeln die Medaillen vomUmhängeband.[23]
Kritik und Kontroversen
Bewerbung
Bereits vor der offiziellen Olympiabewerbung wurde die fehlende Transparenz der Kandidatur kritisiert.Turin, ursprünglich als dritter Austragungsort vorgesehen, zog sich aus diesem Grund im September 2018 von der Kandidatur zurück.[24]
Im Gegensatz zu anderen Bewerbern wurden zudem in keinem der AustragungsorteReferenden abgehalten, in denen sich die Bevölkerung für oder gegen eine Bewerbung aussprechen konnte. In Cortina d’Ampezzo wurde ein solches von einer Bürgerinitiative vorgetragenes Anliegen vom Bürgermeister im Oktober 2018 abgeblockt.[25]
Das bei der Abstimmung des IOC als mitausschlaggebend für Mailand – Cortina d’Ampezzo genannte Kriterium der hohen Bevölkerungszustimmung von 83 %,[1] beruhte auf einerOnline-Umfrage, an der etwas mehr als 2500 Personen teilnahmen.[26] Die Repräsentativität der Umfrage wurde wegen der fehlenden Transparenz bezüglich der Auswahl der Umfrageteilnehmer infrage gestellt.[27]
Bau, Kosten und Zustand der Anlagen
Die Kosten für den Bau der Anlagen wurden von verschiedener Seite kritisiert und deren langfristige Nutzung angezweifelt.[28]
Arena Santa Giulia
Die Baukosten der für die Spiele neu gebautenArena Santa Giulia, die als Hauptaustragungsort des olympischen Eishockeyturniers vorgesehen ist, waren rund ein Jahr vor Eröffnung der Spiele von geplanten 180 Millionen Euro bereits auf 300 Millionen Euro gestiegen.[29] Zudem kam es zu starken Verzögerungen beim Bau. Die ursprünglich für Ende 2025 geplante Eröffnung der Halle musste verschoben und die Anfang Dezember 2025 als Testveranstaltung geplanten Spiele der Division 1B derEishockey-U20-Weltmeisterschaft in eine andere Halle verlegt werden. Die Eröffnung war nun für den 2. Februar 2026, drei Tage vor Beginn des ersten Spiels, geplant.[30]
Darüber hinaus äußerten Vertreter derNHL, deren Spieler erstmals seit 2014 wieder an den Olympischen Winterspielen teilnehmen, Kritik an der aufgrund der verkürzten Vorbereitungszeit möglicherweise mangelnden Eisqualität und an der im Vergleich zur NHL geringeren Größe des Spielfelds.[31]
Bereits im Oktober 2024 war publik geworden, dass die Sportstättenkommission desNationalen Olympischen Komitees Italiens in einem Gutachten die Eignung der Anlage als Sportstätte nur befristet und unter Einschränkungen erteilt hatte. Die Anlage entspreche laut CONI nicht den Bestimmungen, nach der für jeden Zuschauer stets die Sicht auf die Spielfläche gewährleistet sei.[32] Dies gelte nach dem Gutachten insbesondere für Eishockeyspiele.[33] Die Halle sei deshalb nur mit entsprechender Ausnahmegenehmigung und nur für eine begrenzte Zahl von Eishockeyspielen durch die entsprechenden nationalen und internationalen Verbände als Spielstätte abzunehmen.[34]
Laut Kritikern seien die Probleme mit der Halle hausgemacht, da der BauherrCTS Eventim die Anlage von vornherein nicht als Spielstätte für Sportveranstaltungen entworfen habe, sondern als Konzerthalle.[35]
Kunsteisbahn
Die olympischen Wettbewerbe imRennrodeln,Bobsport undSkeleton wurden ursprünglich auf der KunsteisbahnPista olimpica Eugenio Monti inCortina d’Ampezzo geplant. Diese war im Jahr 2008 geschlossen worden; im Zuge der Olympiavergabe an Italien wurde die „Reaktivierung“ der Bahn angekündigt, damit dort die Bob-, Rennrodel- und Skeletonwettbewerbe stattfinden können.[36] Im März 2023 begann der Abriss der Bahn, um Platz für den Neubau zu machen. Die 2018 für die Olympiabewerbung ursprünglich mit 41,8 Millionen Euro angesetzten Kosten waren bis dahin bereits auf knapp 100 Millionen Euro angewachsen. Völlig unklar war im März 2023 noch, ob die Bahn nach den Olympischen Spielen überhaupt rentabel weiterbetrieben werden kann.[37] Im Juli 2023 waren die Abbrucharbeiten abgeschlossen.[38] Bei der nachfolgenden öffentlichen Ausschreibung für die Vergabe des Neubaus wurden keine Angebote abgegeben. Auch nachdem eventuelle Baufirmen direkt kontaktiert worden waren, fand man keinen bereitwilligen Auftragnehmer. Die Baufirmen führten an, dass aufgrund der stark angestiegenen Energie- und Materialkosten das Projekt für sie nicht rentabel sei.[39] Mitte Oktober 2023 wurde der Bau einer neuen Bahn in Cortina verworfen. Damit gab es keinen wettbewerbsfähigen Eiskanal mehr in Italien. Eine eventuelle Wiederinbetriebnahme der stillgelegten Olympiabahn inCesana Pariol war zuvor vom italienischen SportministerAndrea Abodi wegen zu hoher Kosten abgelehnt worden.[40] Stattdessen sollten die Olympiaorganisatoren auf eine bestehende Anlage im Ausland (wie denOlympia Eiskanal Igls inInnsbruck oder dieKunsteisbahn Königssee in Bayern) zurückgreifen müssen.[41]
Anfang 2024 kam es zum Streit zwischen der italienischen Regierung und demInternationalen Olympischen Komitee (IOC). Während die italienische Regierung um MinisterMatteo Salvini im Februar bekannt gab, die Eisbahn in Cortina d’Ampezzo bis März 2025 wiederaufzubauen, um die Wettkämpfe im eigenen Land austragen zu können, plädierte das IOC für die Nutzung einer ausländischen Eisbahn.[42] Kritikpunkte waren vor allem Zweifel an der rechtzeitigen Fertigstellung[43] (Neubau einschließlich Tests und Prüfverfahren) aufgrund der knappen Zeit bis zu den Winterspielen, die hohen Kosten für den Neubau von ca. 82 Millionen Euro aus öffentlichen Geldern bei ohnehin hohen Ausgaben für die Olympischen Winterspiele 2026 sowie die unsichere Nachnutzung der Bahn nach den Winterspielen. Athleten und Sportverbände sprachen sich ebenfalls gegen eine Auslagerung ins Ausland und für die Verwendung einer Eisbahn in Italien aus, um Teil der Olympischen Spiele zu sein.
Nach Baustart im Frühjahr 2024 lagen die Arbeiten an der Bahn im September im Zeitplan. Die Prüfung und Freigabe der Strecke war für den März 2025 vorgesehen.[44]
Biathlonzentrum
Laut Bewerbungsunterlagen wurden die Kosten der für die Spiele notwendigen Umbauarbeiten in derSüdtirol Arena in Antholz mit 5,4 Millionen US-Dollar angegeben.[45] 2021 gab das Organisationskomitee bekannt, dass für die Anpassung der Sportstätte 28,5 Millionen Euro nötig seien, das Biathlonkomitee Rasen-Antholz war von 71,5 Millionen Euro ausgegangen.[46] Im Juni 2024 begannen die Umbauarbeiten an der Sportstätte Antholz. Im Juli 2025 waren nach Angaben der Provinz Bozen – Südtirol die Kosten auf über 58,5 Millionen Euro angewachsen und umfassten unter anderem den Neubau der Beschneiungsanlage, die Modernisierung des Stadions, eine neue Flutlichtanlage sowie ein neues Speicherbecken.[47] Kritiker bezeichneten die Umbauarbeiten als „überdimensioniert“[48] und kritisierten die mangelnde Transparenz bei der Vergabe der Aufträge sowie die unzureichende Einhaltung von Umweltschutzauflagen.[49]
Skisprungschanzen
In der Bewerbung für die Winterspiele war für dasStadio del salto Giuseppe Dal Ben inPredazzo eine auf Nachhaltigkeit basierende Modernisierung der bestehenden Anlagen für 8,7 Millionen Euro vorgesehen. Im August 2022 wurde stattdessen ein Projekt vorgestellt, das den vollständigen Abriss und Neubau der Schanzen umfasste. Die dafür veranschlagten Kosten betrugen 2022 bereits 36,6 Millionen Euro. Völlig unklar waren bei der Verabschiedung des Neubauprojektes durch den Gemeinderat von Predazzo die zukünftigen jährlichen Betriebskosten.[50] Bis zum Frühjahr 2024 waren die Kosten auf über 41 Millionen Euro in die Höhe geschnellt. Nach Aussage der Verantwortlichen entsprachen die bestehenden Schanzen nicht mehr den Vorgaben, weshalb ein Neubau unausweichlich war.[51]
Ursprünglich sollte die Anlage bereits zur Saison 2024/25 für Wettkämpfe zur Verfügung stehen. Aufgrund von Verzögerungen beim Bau wurde dieser Termin nicht eingehalten und die als Test vorgesehenen Weltcups abgesagt. Beide neuen Schanzen wurden schließlich am 11. Juli 2025 zertifiziert.[52][53] Sie wurden im Rahmen desSkisprung-Grand-Prix 2025 und des Grand Prix der Nordischen Kombination vom 18. bis 21. September 2025 eingeweiht,[54] wobei am wettkampffreien Freitag die offizielle Einweihungszeremonie stattfinden sollte. Im Zusammenhang mit dem Wettbewerb gerieten die neuen Schanzen in Kritik, nachdem sich mit der ÖsterreicherinEva Pinkelnig und der KanadierinAlexandria Loutitt zwei erfahrene Springerinnen erhebliche Knieverletzungen zuzogen.[55] Als bei derselben Veranstaltung die japanische KombiniererinHaruka Kasai schwer am Knie verletzt wurde, wurden Nachbesserungen angekündigt.[56] Im November 2025 wurde mitgeteilt, dass die Neigung des Schanzentisches sowohl auf der Groß- als auch der Normalschanze um 0,5 Grad erhöht wurde.[57]
Langlaufzentrum
Das LanglaufzentrumCentro del fondo e del biathlon Fabio Canal in Tesero im Fleimstal zählt laut des Bewerbungsdossiers zu den bestehenden Sportstätten, die bereits „perfekt ausgestattet“ seien. Dennoch waren Umbauten in Höhe von 9,8 Millionen US-Dollar veranschlagt worden, der Großteil davon für zeitlich befristete Baumaßnahmen.[58] Im August 2023 begannen die Umbauarbeiten, für die die Autonome Provinz Trient bis dahin 18,6 Millionen Euro bewilligt hatte.[59] Aufgrund gestiegener Rohstoffpreise wurden die Mittel im Laufe des Jahres 2023 erneut aufgestockt. Zudem wurde der Bau von weiteren Einrichtungen bewilligt, die ursprünglich nicht vorgesehen waren, sodass sich die Gesamtkosten bis dahin auf 22,4 Millionen Euro beliefen.[60]
Zu den anfangs nicht geplanten Projekten, die mit Olympiamitteln finanziert werden, zählt der umstrittene Bau einer 2,2 Kilometer langenRollskipiste. Eine solche Piste war erst 2020 amLavazèjoch eröffnet worden, nachdem der ursprünglich in Tesero geplante Bau am Widerstand der Bevölkerung gescheitert war.[61] Umweltschutzverbände kritisierten den Bau, weil dadurch weitere wertvolle landwirtschaftliche Flächen zerstört und zersplittert würden.[62] Kritik wurde auch gegenüber dem Ausbau der Beschneiungsanlage geäußert. Laut Bewerbungsdossier sollte der Wasserbedarf für diekünstliche Beschneiung der Langlaufloipen in Tesero aus 54 Trinkwasserbrunnen gedeckt werden.[63] Ein bereits andernorts genutztes Verfahren, das bei Wasserknappheit allerdings auch die Trinkwasserversorgung der Bevölkerung infrage stellt.[64] Um den Bedarf für die olympischen Wettbewerbe zu sichern, wurde an dem am Wettkampfgelände vorbeifließendenAvisio ein Einlaufwerk errichtet, das allerdings in einemNatura-2000-Schutzgebiet liegt. Laut der zuständigen Dienststelle für Nachhaltigkeit und Schutzgebiete der Provinz würde der Betrieb eine effektive Umweltveränderung im Schutzgebiet bewirken. Es stellte sich zudem heraus, dass der Bau nicht demFlächennutzungsplan entsprach, weshalb im Nachhinein eine Ausnahmegenehmigung wegen „übergeordneten Interesses“ erlassen wurde.[65]
Verteilung von Unterkünften und Wettkampfstätten
Verschiedene Beteiligte kritisierten, dass die Wettkampfstätten auf sieben Orte verteilt sind und es kein gemeinsames olympisches Dorf gibt. So finden z. B. die Frauen- und Männerwettbewerbe im Alpinen Skisport erstmals an unterschiedlichen Orten statt.[28]
Unterbringung der Freiwilligen
Für die Olympischen Winterspiele Milano-Cortina und die Paralympics wurden laut Organisationskomitee 18.000 Freiwillige für das „Team 26“ rekrutiert.[66] Etwa 130.000 hatten sich als Freiwillige beworben. Wenige Wochen vor den Spielen gab es zahlreiche Absagen. Allein in Mailand fehlten im Januar 2026 etwa 1.000 Freiwillige. Als Grund wurden insbesondere die hohen Unterhaltskosten angegeben.[67] Für die Absagen wurde das Organisationskomitee verantwortlich gemacht, das erst im Januar 2026 den Einsatzort mitteilte und damit die Suche nach Unterkünften erschwerte. Die Freiwilligen tragen die Kosten für Übernachtung, Anreise und Verpflegung selbst.[68] Um den Turnover während der Spiele gewährleisten zu können, wurden wenige Tage vor Beginn der SpieleAlpini des Reservistenverbandes ANA (Associazione Nazionale Alpini) herangezogen und die Altersobergrenze der Freiwilligen auf 70 Jahre erhöht.[69] 160 für Cortina d’Ampezzo bestimmte Alpini wurden in Notunterkünften zunächst ohne Warmwasser und Heizung untergebracht, worauf 20 die sofortige Heimreise antraten.[70] Andere Freiwillige aus den Reihen des Katastrophenschutzes wurden aufgefordert mit Schlafsack und Kissen anzureisen, da ihnen nur eine Liege ohne Bettzeug zur Verfügung gestellt werden könne.[71]
Proteste
Bei einem Protestzug durch Mailand gegen die Olympischen Spiele kam es einen Tag nach der Eröffnungsfeier in San Siro zu Krawallen.[72] Die nach Presseangaben bis zu 10.000 Demonstranten[73] – die Polizei sprach von 3000 Teilnehmern – protestierten gegen ein Entwicklungsmodell, das auf Spekulation und dem Abbau von Arbeitsschutzmaßnahmen basiert, mit nutzlosen Bauvorhaben, Zubetonierung und Ausbeutung prekärer Arbeitsverhältnisse.[74] Der vomKomitee für nicht nachhaltige Olympische Spiele 2026 organisierte Demonstrationszug wandte sich auch gegen die Praxis, wie mithilfe einer Großveranstaltung Bauvorhaben und Projekte, die für die Veranstaltung selbst nicht unbedingt notwendig und sonst oft nicht realisierbar wären, durchgesetzt werden.[75] Protestiert wurde auch gegen die Anwesenheit von Mitarbeitern der US-amerikanischen BehördeICE bei den Spielen.[76] Etwa 100 gewaltbereite Demonstranten setzten sich vom Protestzug ab und griffen die Sicherheitsbeamten mit Feuerwerkskörpern und Flaschen an. Die Polizei antwortete mitTränengas,Wasserwerfern und Schlagstöcken. Mehrere Demonstranten wurden festgenommen.[72] MinisterpräsidentinGiorgia Meloni bezeichnete diejenigen, die gegen die Winterolympiade demonstrierten, als „Feinde Italiens“. Zur Demonstration hatten auch Parteien, Gewerkschaften und Organisationen derLinken und der linkenMitte aufgerufen.[77]
Sabotageakte auf Eisenbahnstrecken
Wie bei denOlympischen Sommerspielen 2024 in Paris wurden nach der Eröffnungsfeier bei mehreren Sabotageakten verschiedene Streckenabschnitte der italienischen Eisenbahnen beschädigt. Niemand bekannte sich zu den Anschlägen. Die Ermittler gehen davon aus, dass sie von Gruppierungen mit anarchistischem Hintergrund durchgeführt wurden und im Zusammenhang mit der Eröffnungsfeier der Olympischen Winterspielen stehen. Von den Sabotageakten waren Streckenabschnitte rund um den EisenbahnknotenpunktBologna betroffen.[78] Es kam zu Ausfällen im Schienenverkehr und zu stundenlangen Verspätungen.[79] Zwei Tage nach den Sabotageakten tauchte auf einer von italienischen Anarchisten betriebenen Webseite ein Aufruf zu weiteren Sabotageangriffen gegen die Olympischen Spiele auf.[80] In der Nacht vom 10. auf den 11. Februar 2026 kam es zu einem weiteren Sabotageakt beiAbbadia Lariana an derVeltlinbahn, die Mailand mit demVeltlin verbindet, einem der Austragungsorte der Spiele.[81]
Doping
Vier Tage vor Beginn der Spiele wurde die für die italienische Mannschaft nominierte BiathletinRebecca Passler positiv auf den verbotenen WirkstoffLetrozol getestet und suspendiert.[82] Die Suspendierung wurde am 13. Februar 2026 von einem Berufungsgericht der nationalen Anti-Doping-Behörde aufgehoben.[83]
↑Competiton Schedule v.7 (by session). In: milanocortina2026.olympics.com. Milano Cortina 2026, 9. Dezember 2024, abgerufen am 10. Dezember 2024 (englisch).