Okey war einUS-amerikanischerHersteller von Automobilen, die zwischen 1896 und 1907 entstanden sind. Von 1905 bis 1907 wurden sie von einem dazu gegründeten Unternehmen produziert.

Perry Okey (1873–1963) ausColumbus (Ohio) begann als Sechzehnjähriger eine Elektrikerlehre bei derColumbus Electric Light & Power Co. Dort erhielt er die Gelegenheit, sich eine kleine Werkstatt einzurichten, in der er mit einem Verbrennungsmotor experimentierte. Um 1894 konstruierte und baute er einenVerbrennungsmotor. DerwassergekühlteEinzylinder war einViertakter mit 2½ZollBohrung (63,5 mm) und 3 ZollHub (76,2 mm), ergebend einenHubraum von 14.73c.i. resp. 241 cm³. Die passendeZündkerze war seine Erfindung.[1]
Offenbar lief der kleine Motor zufriedenstellend, und Oakey meldete sich im Sommer 1895 mit einem unbekannten Fahrzeug zur Teilnahme amChicago Times-Herald Motocycle race an, das ursprünglich am 2. November 1895 stattfinden sollte. Der Wettbewerb wurde jedoch kurzfristig auf den 28. November verschoben. Am Start erschien Okey aus unbekannten Gründen aber nicht.
SeinTricycle[1] hatte zunächst einen wiederum selbst konstruierten Einzylinder-Viertaktmotor und Wasserkühlung. Später experimentierte Okey mit einem ähnlichen,luftgekühlten Motor.[2] Tricycles sind dreirädrigeMotorräder, die zu dieser Zeit ebenfalls als Automobile betrachtet wurden. Für 1896 ist von Perry Oakey ein Automobil belegt.[2] Damit gilt er als erster, der in Columbus ein Motorfahrzeug baute und fuhr.[1] Weitere experimentelle Fahrzeuge folgten bis zur Jahrhundertwende.
Zur Unternehmensgeschichte liegen nur wenige und gelegentlich widersprüchliche Angaben vor.
Ab 1900 scheint Okey den Automobilbau als Handwerk in einem Einmannbetrieb betrieben zu haben.[2] Die dabei entstandenen Fahrzeuge waren von hoher technischer und innovativer Qualität. 1901 entstand einRunabout mit Einzylindermotor,Planetengetriebe undKettenantrieb. Es hatte 14 bhp (10,4 kW) Leistung bei 1000/min und erreichte 35 mph (ca. 55 km/h). 1905 entstand das fünfte Auto. Es hatte einen vorne untergebrachtenZweizylinder-Zweitaktmotor, eineAntriebswelle und wiederum ein Planetengetriebe. Vier Fahrzeuge dieses Typs wurden bis Ende 1905 gebaut.[2]

Eine Quelle nennt 1904 als Gründungsjahr derOkey Motor Car Company[1], nach einer anderen wurde sie erst im Januar 1907 gegründet. Dies deutet auf Reorganisationen und -Finanzierungen hin. Bekannt ist, dass der Herausgeber des FachmagazinsCycle and Automobile Trade Journal,Hugh Dolnar, 1905 eines der genannten Zweizylindermodelle testen konnte und davon sehr angetan war. Dolnar ist einPseudonym, gebildet alsAnagramm des Nachnamens vonHorace Lucian Arnold (1838–1915), einem sehr bekannten Ingenieur, Wissenschaftsjournalisten und Autor von Fachbüchern über Fabrikorganisation und Kostenmanagement. Arnold versuchte danach, für Okeys Kleinbetrieb eine solidere Finanzierung zu vermitteln und so eine geordnete Produktion sicherzustellen. Eine solche kam auch zustande, allerdings ist nicht nachgewiesen, ob sie von Arnold angestoßen worden war. Die Führungspositionen sind wie folgt belegt: Präsident wurdeC. M. Crittenden und VizepräsidentH. T. Stewart. Für die Finanzen zuständig warF. R. Shinn undH. E. Walton amtierte als Sekretär und Geschäftsführer. Perry Okey war der Chefingenieur.[1]
Eine alternative und weniger detaillierte Darstellung nennt den Januar 1907 als Gründungsdatum[2]; allerdings kann es sich dabei auch um eine weitere Reorganisation gehandelt haben.

In der kurzen Zeit seines Bestehens bot das Unternehmen neun verschiedene Modelle an[1]; dies wahrscheinlich nicht gleichzeitig, denn für 1907 ist nur noch eines belegt.[2] Leider lassen sich die Daten der meisten Okey-Modelle nicht mehr belegen. Es scheint, dass Perry Okey relativ früh vomKetten- auf denWellenantrieb übergegangen ist.
Bekannt ist ein 1905 entstandenes, von einer Einzelquelle beschriebenes, größeres Automobil. Dessen Motor war einDreizylinder-Viertakter mit 4Zoll (101,6 mm)Bohrung und 6 Zoll (152,4 mm)Hub und damit einemHubraum von 226,2c.i. (3707 cm³) Dieser Motor hatteobenliegende, gesteuerte Ventile und einen von Okey entwickeltenVergaser, zu dessen Besonderheiten ein ringförmiger Schwimmer, Nadelventile und einer zusätzlichen Luftzufuhr mittels eines„automatischen“ Ventils, das zwischen Vergaser und Motor angebracht war.[1]

Das meistgebaute Okey-Automobil dürfte der20 HP Model L-7 mit einemRadstand von 90 Zoll (2286 mm)[3] resp. 92 Zoll (2337 mm)[2][4] gewesen sein. Das Fahrzeug war eine etwas vergrößerte Weiterentwicklung des14 HP mit einemDreizylinder-Zweitaktmotor und22 bhp (16,4 kW) Leistung bei 1300/min. Das Rating nachA.L.A.M. lag bei 20,4 HP.[3] Dies ist ein errechneter, nicht gemessener Wert, der auch zur Berechnung der Steuerformel herangezogen wurde, so in Großbritannien. Die A.L.A.M. (Association of Licensed Automobile Manufacturers) war der Verband der nach demSelden-Patent lizenzierten Motorfahrzeughersteller. 1903 hatte er erstmals in den USA Normen für Motorfahrzeuge herausgegeben.[Anm. 1] Ob auch hier der innovative Vergaser verwendet wurde, geht aus den Quellen nicht hervor.
Mit einem Preis von US$ 1400.- gehörte der L-7 in die damaligeMittelklasse. EinHighwheeler kostete ab etwa US$ 350.-, der konstruktiv den früheren Oakey ähnlicheOldsmobile Curved Dash US$ 650.-.[5]
Bereits im November 1907 musste die Insolvenz beantragt werden. Im Dezember bewilligte der Nachlassverwalter die Weiterführung der Produktion bis zur Abarbeitung der vorliegenden Bestellungen.[2] Das Unternehmen wurde offenbar 1908 liquidiert.[1] Das einzige Produkt war zu dieser Zeit ein leichter Runabout mit drei Zylindern und 20 HP Leistung zu US$ 1400.-[2], womit zweifellos der L-7 gemeint ist.
Die Quellenlage erlaubt keine vollständige Übersicht. Von vielen Modellen ist keine „offizielle“ Bezeichnung bekannt, wobei es eine solche nicht notwendigerweise gegeben haben muss.
| Modell A.L.A.M.-Rating | Bauzeit (in etwa) | Motorbauform | Hubraum | Leistung | Radstand | Karosserie | Preis | Bemerkungen |
|---|---|---|---|---|---|---|---|---|
| Tricycle Experimental | 1896 | Einzylinder-Viertakt | Motordreirad | Wasserkühlung. Möglicherweise war eine Teilnahme amTimes-Herald Contest geplant. | ||||
| Single Cylinder Experimental | 1897–1900 | Einzylinder-Viertakt | Wasser- oderLuftkühlung | |||||
| Single Cylinder | 1901–1904 | Einzylinder-Viertakt | Luftkühlung | |||||
| 14 HP | 1904–1906 | R2-Zweitakt | 14 PS (10,3 kW) | Wasserkühlung | ||||
| Dreizylinder | 1905–? | R3-Viertakt OHV-Ventilsteuerung | 226,2 cu in (3.707 cm³) | Wasserkühlung, Okey-Vergaser | ||||
| Model L-7 20,4 HP | 1905–1907 | R3 Zweitakt | 140,3 cu in (2.299 cm³) | 22 PS (16,2 kW) | 90 in (2.286 mm)[3] 92 in (2.337 mm)[2][4] | Runabout, 2 Sitze | 1400 US$ | Wasserkühlung |
Rating nach der obgenanntenA.L.A.M.-Methode. Dieser Lobbyverband der nach demSelden-Patent lizenzierten Motorfahrzeughersteller gab 1903 die ersten Normen für Motorfahrzeuge in den USA heraus. Sie wurdenerrechnet, nicht gemessen und daher ungenau, aber sie boten dem Interessenten erstmals die Möglichkeit, Herstellerangaben nach gleichen Kriterien zu vergleichen. Dazu wurde aus der Formel auch eine Rating-Tabelle abgeleitet.[6]
Über Okeys weitere Tätigkeiten ist wenig bekannt. Zwischen 1917 und 1955 erhielt er Patente für Erfindungen in unterschiedlichen Bereichen, so für einen automatischenAnlasser, ein Gerät zur Messung derViskosität von Flüssigkeiten, eine Rechenmaschine und ein Kühlgerät. Zudem scheint er sich mit derOsmose beschäftigt zu haben.[7]