Wenn nicht anders vermerkt, gelten die angegebenen Daten beiStandardbedingungen.
Juri Oganesjan und die Zerfallskette von294Og auf einer armenischen Briefmarke
Oganesson ist einchemisches Element. Es weist die bisher höchste nachgewieseneOrdnungszahl 118 auf. SeinElementsymbol ist Og. Es steht imPeriodensystem der Elemente aufgrund seiner Ordnungszahl in der 18. IUPAC-Gruppe bzw. in der 8. Hauptgruppe und gehört damit formal zu denEdelgasen. Ob sich Oganesson wie ein Edelgas verhält, ist unbekannt. Möglicherweise sind seine chemischen Eigenschaften gar nicht definiert, weil die Atomkerne zerfallen, bevor sich eine Elektronenkonfiguration ausbildet. Sein Name leitet sich von seinem MitentdeckerJuri Oganesjan ab.[2]
Im Periodensystem steht es hinter dem117Tenness (2010 erstmals synthetisiert) und vor einem hypothetischen119Ununennium.
Ein Bericht über die Erzeugung der Elemente116 und 118 imLawrence Berkeley National Laboratory wurde 1999 in der FachzeitschriftPhysical Review Letters veröffentlicht.[3] Im folgenden Jahr wurde der Bericht zurückgezogen, da die beschriebenen Ergebnisse von anderen Wissenschaftlern nicht zu reproduzieren waren.[4][5] Im Juni 2002 gab der Direktor der Berkeley Labs bekannt, dass die ursprüngliche Veröffentlichung auf höchstwahrscheinlich gefälschten Daten beruht habe. Der MitarbeiterVictor Ninov wurde verdächtigt, Zerfalls-Messwerte manipuliert zu haben. Ninov erklärte dagegen die Messapparatur für fehlerhaft und bestand auf seiner Unschuld.
Zunächst trug das Element densystematischen NamenUnunoctium (chemisches SymbolUuo). Nach Meldungen planten die Entdecker, den NamenMoskowium für das neue Element vorzuschlagen, der dann von derIUPAC hätte bestätigt werden müssen. In den Medien wurde diese Bezeichnung bereits teilweise verwendet. Die amerikanische Gruppe um Ninov hatte zunächst zur Ehrung ihres KollegenAlbert Ghiorso, der entscheidend an der Entdeckung der Elemente 95 bis 106 beteiligt war, den NamenGhiorsium, vorgesehen. Der Vorschlag wurde nach Ablehnung der Forschungsergebnisse jedoch obsolet.
Am 30. Dezember 2015 wurde die Entdeckung des Elements von der IUPAC offiziell anerkannt und dem Joint-Venture das Recht auf Namensgebung zugesprochen.[9] Am 8. Juni 2016 gab die IUPAC bekannt, dass für das Element der NameOganesson (Og) nach dem wissenschaftlichen Leiter des russischen Instituts und Mitentdecker des ElementsJuri Z. Oganesjan vorgeschlagen wurde; eine Widerspruchsfrist dazu endete am 8. November 2016.[10] Am 30. November 2016 wurde die offizielle Benennung von Oganesson bekannt gegeben.[11] MitMoscovium (Mc) wurde gleichzeitig das Element 115 benannt.[10]
Die Endung-on wurde in Analogie zu den Namen der fünf im Periodensystem darüber anschließenden Edelgase gewählt. Helium, ganz oben in der Spalte, bildet die Ausnahme.[12]
Es wird vermutet, dass eine etwaige Elektronenkonfiguration in der äußeren Schale ein komplettes Elektronenoktett hat, weshalb Oganesson chemisch der Gruppe derEdelgase zugeordnet wird. Es ist aber unklar, ob sich während der kurzen Lebensdauer der Atomkerne überhaupt eine stabile Elektronenkonfiguration ausbildet. Chemische Eigenschaften sind deshalb unbekannt und möglicherweise nicht definierbar. Das Element wurde bisher nur indirekt anhand seiner typischen Zerfallsprodukte nachgewiesen.
DerAggregatzustand von Oganesson ist undefiniert bzw. unbekannt, da nicht hinreichend viele Atome für die Bildung flüssiger oder gar fester Strukturen erzeugt werden können oder konnten. Oganesson liegt im Periodensystem auf der diagonalen Grenze zu denHalbmetallen. DasHalogenAstat, das ebenfalls auf dieser Diagonalen liegt, hat einen festen Aggregatzustand und ist vom Aussehen her eher metallisch.Das bisher einzig bekannteIsotop294Og hat wie294Ts die höchste experimentell nachgewieseneMassenzahl.
Berechnete atomare und physikalische Eigenschaften
Auf Grundrelativistischer Effekte verhält sich Oganesson möglicherweise nicht wie einEdelgas; diese Eigenschaft wird hingegen eher vonCopernicium (Element 112) erwartet.[13] Andererseits verhält sich Copernicium chemisch ähnlich wieQuecksilber.[14]
Oganesson besitzt als einzigesGruppe-18-Element eine positiveElektronenaffinität und wäre damit chemisch reaktiv.[15][16][17] Weiterhin tritt im Oganesson-Atom eine außerordentlich starkeSpin-Bahn-Kopplung auf (beim 7p-Valenzorbital mehr als 10 eV), die zu einem Verlust der äußeren Elektronenschalenstruktur führt.[18] Dies wiederum bewirkt, dass die äußeren Elektronen von Oganesson eher an ein uniformes Elektronengas (Fermi-Gas) erinnern; dies lässt eine extrem hohePolarisierbarkeit und einen hohenSchmelzpunkt erwarten. Weiterhin wurde berechnet, dass kristallines Oganesson eine sehr kleineBandlücke von lediglich 1,0–1,5 eV aufweisen sollte und damit im Gegensatz zu allen anderen Edelgaskristallen einHalbleiter ist.[19]
↑Die von der Radioaktivität ausgehenden Gefahren gehören nicht zu den einzustufenden Eigenschaften nach der GHS-Kennzeichnung. In Bezug auf weitere Gefahren wurde dieses Element entweder noch nicht eingestuft oder eine verlässliche und zitierfähige Quelle hierzu wurde noch nicht gefunden.
↑Victor Ninov, K. E. Gregorich, W. Loveland, A. Ghiorso, D. C. Hoffman, D. M. Lee, H. Nitsche, W. J. Swiatecki, U. W. Kirbach, C. A. Laue, J. L. Adams, J. B. Patin, D. A. Shaughnessy, D. A. Strellis, P. A. Wilk:Observation of Superheavy Nuclei Produced in the Reaction of86Kr with208Pb. In:Physical Review Letters.Band83,Nr.6, August 1999,S.1104–1107,doi:10.1103/PhysRevLett.83.1104 (englisch,online frei verfügbar durchnuclear.ucdavis.edu [PDF;83kB]).
↑Victor Ninov, K. E. Gregorich, W. Loveland, A. Ghiorso, D. C. Hoffman, D. M. Lee, H. Nitsche, W. J. Swiatecki, U. W. Kirbach, C. A. Laue, J. L. Adams, J. B. Patin, D. A. Shaughnessy, D. A. Strellis, P. A. Wilk:Editorial Note: Observation of Superheavy Nuclei Produced in the Reaction of86Kr with208Pb [Phys. Rev. Lett. 83, 1104 (1999)]. In:Physical Review Letters.Band89,Nr.3, Juli 2002,S.039901,doi:10.1103/PhysRevLett.89.039901 (englisch).
↑Yuri Ts. Oganessian, V. K. Utyonkov, Yu. V. Lobanov, F. Sh. Abdullin, A. N. Polyakov, R. N. Sagaidak, I. V. Shirokovsky, Yu. S. Tsyganov, A. A. Voinov, G. G. Gulbekian, S. L. Bogomolov, B. N. Gikal, A. N. Mezentsev, S. Iliev, V. G. Subbotin, A. M. Sukhov, K. Subotic, V. I. Zagrebaev, G. K. Vostokin, M. G. Itkis, K. J. Moody, J. B. Patin, D. A. Shaughnessy, M. A. Stoyer, N. J. Stoyer, P. A. Wilk, J. M. Kenneally, J. H. Landrum, J. F. Wild, R. W. Lougheed:Synthesis of the isotopes of elements 118 and 116 in the249Cf and245Cm+48Ca fusion reactions. In:Physical Review C.Band74,Nr.4, Oktober 2006,S.044602,doi:10.1103/PhysRevC.74.044602 (englisch).
↑Odile R. Smits, Jan‐Michael Mewes, Paul Jerabek, Peter Schwerdtfeger:Oganesson: A Noble Gas Element That Is Neither Noble Nor a Gas. In:Angewandte Chemie International Edition.Band59,Nr.52, 2020,S.23636–23640,doi:10.1002/anie.202011976,PMID 32959952.
↑Jan-Michael Mewes, Paul Jerabek, Odile R. Smits, Peter Schwerdtfeger:Oganesson Is a Semiconductor: On the Relativistic Band-Gap Narrowing in the Heaviest Noble-Gas Solids. In:Angewandte Chemie International Edition.Band58,Nr.40, 2019,doi:10.1002/anie.201908327.