Nunsploitation ist einFilmgenre und zählt zum Bereich desErotik- undExploitation-Films. Der Name ist ein Kofferwort ausNun, dem englischen Wort für Nonne, und Exploitation, die Bezeichnung für ein Filmgenre mit Billigproduktion und drastischen Darstellungen. Der Begriff bezieht sich auf Exploitationfilme, die Nonnen und Klöster zum Thema haben.
Nunsploitation steht in der jahrhundertealten Tradition der Erzählungen über fehlgeleitete, geschändete oder sexuell abartigeOrdensschwestern. Beispiele dafür finden sich beiGiovanni Boccaccio (Il Decamerone, 1351),Pietro Aretino (Ragionamenti, 1600) oderDenis Diderot (La religieuse, 1762). Entsprechende Filme kamen vor allem in den 1970ern ausItalien,Japan,Spanien,Großbritannien und denPhilippinen. Heute sind Überbleibsel dieses Genres inPornofilmen zu begutachten.
Der Höhepunkt von Nunsploitation-Filmen findet sich in entsprechendenitalienischen Produktionen aus den 1970er Jahren. Dabei profitierte man von dem gesunkenen Einfluss desVatikans auf den kulturellen Konsum. Der hohe Ausstoß an Nunsploitation-Filmen ist in Zusammenhang mit den sinkenden Zuschauerzahlen in den italienischen Kinos seit den frühen 1960ern zu sehen. Durch spekulative Inhalte und Nacktszenen, wie sie vom damaligen Fernsehen nicht angeboten wurden, hoffte man auf hohe Einnahmen bei vergleichsweise günstigen Produktionsbedingungen. Stilistisch beeinflusst wurden die Nunsploitation-Filme von den italienischen Sexkomödien der 1960er, die teilweise bereits jenes Ambiente vonMittelalter undRenaissance als Hintergrund wählten (z. B.L'armata Brancaleone vonMario Monicelli, 1966), das auch für die Nunsploitation-Filme dominierend sein würde. Außerdem orientierte man sich an der vorhandenen Literatur, vornehmlich an Boccaccio und Aretino. Insgesamt war die Nonne zunächst eher eine Episodenfigur und rückte erst allmählich zur Protagonistin in gänzlich monothematischen Filmen auf. Auch von ihrem Anspruch her seriöse Filme wieThe Devils (Ken Russell, 1971) oderIl Decameron (Pier Paolo Pasolini, 1971) griffen das Thema auf und sorgten für Nachahmer imTrashfilm-Sektor. Schließlich war es auch die Geschichte der unzölibatären, mit einem Mann lebenden und Kinder zeugenden sowie zur Strafe eingemauertenNonne von Monza,Virginia de Levya, die die Fantasie von Filmemachern beschäftigte, was zunächst zu satirischen (Il monaco di Monza,Sergio Corbucci 1963), dann eher sexuell ausgerichteten und expliziteren Produktionen führte (z. B.Die Nonne von Monza,Eriprando Visconti 1969).
Wiederkehrendes Thema dieser Filme ist die Frau, die gegen ihren Willen zur Nonne gemacht wird, zumeist als Strafe für vorherige Verstöße gegen die Moral. Im Kloster wird dann oft der – auch gemeinsamen oder gegenseitigen –Masturbation gefrönt, zwischen den Nonnen entstehen erotische oder sexuelle Bindungen oderGeschlechtsverkehr wird mit einem eingeschmuggelten Mann ausgeführt. Die Übergänge zwischen religiöser und sexueller Ekstase werden als fließend dargestellt. Regelmäßig müssen Sünden bestraft werden, wobei die Nonnen barbusig gepeitscht werden und erneut sexuelle Konnotationen geboten werden. Letztlich müssen die Umtriebe der Nonnen immer wieder von männlichen Kirchenautoritäten unterbunden werden.