Nowokusnezk wurde 1618 vonKosaken alsKusnezk (Кузнецк) gegründet. Anfangs bestand die Ortschaft aus einem befestigtenOstrog am Tom-Ufer, der seinen Namen Kusnezk der bevorzugten Beschäftigung der einheimischen Bevölkerung, der Eisenmetallurgie (russischkusnez = „Schmied“), verdankte. 1622 erhielt die Festung erstmals Stadtrechte und diente noch bis zum 18. Jahrhundert als militärischer Stützpunkt an Russlands östlicher Grenze. Anfang des 19. Jahrhunderts verlor die Festung jedoch endgültig ihre militärische Bedeutung. Der Ort behielt jedoch seine Verwaltungsfunktion als Sitz eines gleichnamigenUjesds, nach dessen Auflösung 1822 einesOkrugs und ab 1898 des wiederhergestellten Ujesds. Die Kleinstadt wurde inoffiziell auch alsKusnezk-Sibirski („Sibirisches Kusnezk“) bezeichnet, um Verwechslungen mit der in dieser Periode bedeutend größeren StadtKusnezk im europäischen Teil Russlands (Gouvernement Saratow) zu vermeiden.
Einen entscheidenden Wachstumsschub für den Ort gab es in den 1930er-Jahren. 1929 begann hier im Zuge derIndustrialisierung der Sowjetunion die Errichtung eines Metallurgiekombinats, welches die industrielle Verarbeitung der in der Region vorhandenen Steinkohle und Erze aufnehmen sollte. Im Zuge des 1932 abgeschlossenen Baus des Kombinats vereinigten sich das ehemalige Kusnezk sowie mehrere angrenzende Ortschaften (darunter die Arbeitersiedlung Sad-Gorod) zu einer neuen Industriestadt, die 1931 ihre Stadtrechte erhielt. 1931 bekam die neue Stadt ihren heutigen Namen, wurde jedoch 1932 zu EhrenJosef Stalins inStalinsk (Сталинск) umbenannt und hieß noch bis 1961 so, als die Stadt wieder den Namen Nowokusnezk (wörtlich „Neu-Kusnezk“) erhielt. Bis zu den 1960er-Jahren wurden in der Stadt weitere drei Metallurgie-Großbetriebe aufgebaut.
Die Stadt Nowokusnezk ist verwaltungstechnisch in sechs Stadtbezirke (auch Stadtrajons genannt) unterteilt, die mit dem Stand vom 1. Januar 2007 die folgenden Einwohnerzahlen haben:
Trotz einer Vielzahl von Industriebetrieben gilt Nowokusnezk als eine vergleichsweise grüne Stadt, da das Zentrum beim Bau in den 1930er-Jahren gemäß den Idealen einerGartenstadt entwickelt wurde. Neben einer Vielzahl von Gebäuden aus den 1930er-Jahren und der Nachkriegszeit sind in Nowokusnezk mit derErlöser-Verklärungskathedrale (Спасо-Преображенский собор) und der ehemaligen Kusnezker Festung zwei markante Bauwerke der Zarenzeit erhalten geblieben. Die Erlöser-Verklärungskathedrale in ihrer heutigen Gestalt wurde in den Jahren 1792–1835 erbaut und gilt als Beispiel des sogenannten „sibirischenBarocks“, das sonst nur in alten sibirischen Städten wieIrkutsk,Tomsk oderTobolsk anzutreffen ist.
Nowokusnezk ist eines der größten Industriezentren Westsibiriens. Hier befinden sich die beidenMetallurgiekombinateKusnezk (gegründet 1929) undWestsibirien (1961), die beide zu den größten russischen Herstellern von Eisenbahnschienen gehören, außerdem das Nowokusnezker Aluminiumwerk, die Nowokusnezker Fabrik für Eisenlegierungen, mehrereSteinkohlebergwerke desKusnezker Beckens, Maschinenbaubetriebe, Nahrungsmittelfabriken und zwei Heizkraftwerke. Aufgrund der Vielzahl der Industrieobjekte und deren relativ hohen Schadstoffausstoßes gilt die Umweltsituation in Nowokusnezk als überaus angespannt.
Am 19. März 2007 ereignete sich in der Uljanowskaja-Mine eine schwereMethangas-Explosion, bei der 110 Bergarbeiter zu Tode kamen. Die Mine war erst im Jahr 2002 in Betrieb genommen worden und gehört zum Imperium des OligarchenRoman Abramowitsch.[3][4]
Am 24. Mai 2007 ereignete sich erneut ein schweres Grubenunglück in Nowokusnezk. Bei einer Methangas-Explosion in einem Bergwerk unweit des schon im März 2007 von einer Methangas-Explosion betroffenen Schachts kam es in 500 Metern Tiefe zu einer Verpuffung, der 38 Bergarbeiter zum Opfer fielen. Zum Zeitpunkt der Detonation befanden sich 217 Arbeiter unter Tage. 179 Bergleute konnten gerettet werden. Die zu hohen und somit gefährlichen Methangaskonzentrationen sollen den Bergwerksbetreibern bekannt gewesen sein.[5]
Der internationaleFlughafen Nowokusnezk befindet sich 18 km westlich der Stadt. Das städtische öffentliche Verkehrsnetz besteht aus rund 70 Linien[6], darunter auch Straßenbahn- undTrolleybuslinien. Nowokusnezk liegt an der regionalenSchnellstraße32K-445, die die Stadt mit Kemerowo verbindet.
↑abItogi Vserossijskoj perepisi naselenija 2010 goda. Tom 1. Čislennostʹ i razmeščenie naselenija (Ergebnisse der allrussischen Volkszählung 2010. Band 1. Anzahl und Verteilung der Bevölkerung). Tabellen5, S. 12–209;11, S. 312–979 (Download von der Website des Föderalen Dienstes für staatliche Statistik der Russischen Föderation)
↑Maschke, Erich (Hrsg.):Zur Geschichte der deutschen Kriegsgefangenen des zweiten Weltkrieges. Verlag Ernst und Werner Gieseking, Bielefeld 1962–1977.