Notwasserung

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EinAirbus A320 nach einer Notwasserung im Januar 2009 (US-Airways Flug 1549)

EineNotwasserung ist eineNotlandung auf dem Wasser durch einFluggerät, das nicht fürWasserlandungen ausgelegt ist. Notwasserungen kommen in der modernen Luftfahrt äußerst selten vor. Eine Notlandung auf dem Land gilt grundsätzlich als weniger gefährlich als eine Notwasserung.

Inhaltsverzeichnis

Liste von Notwasserungen von Verkehrsflugzeugen (Auswahl)

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BeiFlugzeugen stellen Notwasserungen ein sehr riskantes Manöver dar, da sich die Wasseroberfläche bei typischen Landegeschwindigkeiten von Strahlverkehrsflugzeugen (ca. 250 km/h) sehr hart verhält und die Tragwerks- und Rumpfstruktur nicht für direktes Aufsetzen auf einer Oberfläche ausgelegt sind. Trotzdem gab es Notwasserungen, bei denen alle oder wenigstens einige der Passagiere überlebten:

  • Am 15. August 1949 mussten die Piloten einerDouglas DC-4/C-54A derTransocean Air Lines (LuftfahrzeugkennzeichenN79998) etwa 13 Kilometer vor deririschen Westküste eine nächtliche Notwasserung durchführen. Das ausRom kommende Flugzeug flog zunächst weit auf denAtlantik hinaus, anstatt inShannon zwischenzulanden. Nachdem die Besatzung ihren Irrtum bemerkt hatte und umgekehrt war, ging der Treibstoff aus. Sieben Fluggäste und ein Besatzungsmitglied kamen ums Leben. Weitere 50 Personen wurden von der Besatzung einesFischtrawlers gerettet.[1]
  • Am 11. Juni 1952 wasserte eineDouglas DC-4 auf demPan-Am-Flug 526A vor der KüstePuerto Ricos bei starkemSeegang. Alle 69 Personen an Bord überlebten den Aufprall. Durch die unkoordinierte Evakuierung und das Versäumnis, die Passagiere über den Umgang mit denRettungswesten zu unterweisen, starben 52 Fluggäste beim Untergang der Maschine. Dieser Unfall führte zur internationalen Vorschrift, dass Passagiere auf längeren Flügen über Wasser bereits vor dem Start darüber informiert werden müssen, wo die Rettungswesten zu finden und wie diese zu benutzen sind.
  • Am 19. Juni 1954 musste eineConvair CV-240-2 der schweizerischen FluggesellschaftSwissair (HB-IRW) wegen Treibstoffmangels imÄrmelkanal notgewassert werden. Von den neun Personen an Bord (fünf Fluggäste und vier Besatzungsmitglieder) ertranken drei Passagiere, da sie nicht schwimmen konnten und keineSchwimmwesten an Bord waren (diese waren damals noch nicht vorgeschrieben), die Übrigen überlebten. Das Flugzeug hatte sich auf einemLinienflug vonGenf nachLondon befunden. Die Schuld wurde den Piloten angelastet, die es versäumt hatten, vor dem Flug genügend Treibstoff zu tanken, und auch während des Flugs nicht bemerkten, dass der Treibstoff nicht reichen würde.[2]
  • Am 26. März 1955 riss ein Triebwerk einerBoeing 377 derPan American World Airways im Flug ab. Der Besatzung gelang es, die Maschine etwa 56 Kilometer vor der KüsteOregons notzuwassern. Bei dem Unfall kamen vier der 23 Insassen ums Leben.[3]
Notwasserung desPan-Am-Flugs 6
  • Am 16. Oktober 1956 machte eineBoeing 377 auf demPan-Am-Flug 6 eine Notwasserung im Pazifik, nachdem zwei der vier Motoren ausgefallen waren. Um die Chancen einer Rettung der Passagiere zu erhöhen, kreiste das Flugzeug bis zum Morgengrauen um ein Schiff der US-Küstenwache, bevor sie wasserte. Alle 31 Menschen an Bord überlebten.[4]
  • Am 23. September 1962 musste eineLockheed Super Constellation auf demFlying-Tiger-Line-Flug 923 rund 1000 Kilometer westlich von Irland im Atlantik notwassern, nachdem drei der vier Motoren ausgefallen waren. Von den insgesamt 68 Passagieren und acht Besatzungsmitgliedern wurden 48 Personen durch die Besatzung des Frachters MS Celerina gerettet.[5]
  • Am 21. August 1963 konnte eineTu-124 derAeroflot nach dem Start inTallinn ihr Fahrwerk nicht vollständig einfahren. Der zusätzlicheLuftwiderstand erhöhte den Treibstoffverbrauch. Aufgrund des dichtenNebels in Tallinn entschieden sich die Piloten nachLeningrad auszuweichen. Dort kreiste das Flugzeug zunächst über der Stadt, bis der erste Motor ausfiel. Nach Ausfall des zweiten Motors führte die Besatzung eine Notwasserung auf derNewa durch. Alle 52 Insassen überlebten.[6]
  • Am 21. Juni 1964 führte die Besatzung einerDouglas DC-3 der spanischenTASSA nach dem Start vomFlughafen Palma de Mallorca eine Notwasserung durch, nachdem beideMotoren nacheinander imSteigflug ausgefallen waren. Die Maschine setzte etwa 900 Meter vor der Küste auf, wobei sich der Kapitän verletzte. An Bord befanden sich 25 britische Urlauber und drei Besatzungsmitglieder. Es gelang, das Flugzeug vollständig zu evakuieren. Ein männlicher Fluggast kletterte jedoch in die Kabine zurück, um seine Tasche zu holen. Er ging mit der Maschine unter und ertrank.[7][8]
  • Am 16. September 1966 kam es bei einerDouglas DC-3(EC-ACX), die vonSpantax fürIberia betrieben wurde, zwei Minuten nach dem Start vomFlughafen Teneriffa-Los Rodeos zu einem Triebwerksschaden. Bei der erforderlichen Notwasserung ertrank ein Passagier, der sich geweigert hatte, das Flugzeug zu verlassen. Alle anderen 23 Passagiere und drei Besatzungsmitglieder überlebten.[9]
  • Am 2. Mai 1970 machte eineDC-9-33CF derOverseas National Airways, die fürALM Antillean Airlines betrieben wurde, mit leerem Tank eine Notwasserung imKaribischen Meer. Die Piloten hatten wegen schlechter Sicht mehrere Landungen aufSint Maarten abgebrochen und sich zu spät entschieden, nachSaint Thomas auszuweichen. Das Flugzeug blieb nach der Notwasserung im Wesentlichen intakt, sank jedoch nach zehn Minuten in 1500 Meter Meerestiefe. Von den 63 Insassen überlebten 40, die eine Stunde später von Hubschraubern gerettet wurden(siehe auchALM-Flug 980).[11]
  • Am 23. November 1996 wurde eineBoeing 767-200ER auf demEthiopian-Airlines-Flug 961 entführt. Nachdem der Treibstoff ausgegangen war, versuchten die Piloten etwa 500 Meter vor der Küste derKomoren eine Notwasserung. Dabei zerbrach das Flugzeug in mehrere Teile. Von den 175 Insassen überlebten 50. Einige starben, da sie die Schwimmwesten bereits in der Kabine aufgeblasen hatten und somit an Bord gefangen waren.[12]
  • Am 16. Januar 2002 fielen bei einerBoeing 737 auf demGaruda-Indonesia-Flug 421 beide Triebwerke aufgrund starkenHagels aus. Mehrere Versuche, die Triebwerke wieder zu starten, scheiterten, so dass sich die Piloten gezwungen sahen, auf dem Fluss Bengawan Solo naheYogyakarta zu landen. Von den insgesamt 60 Personen an Bord verstarb eine Flugbegleiterin.[13]
  • Am 6. August 2005 machte eineATR 72 auf demTuninter-Flug 1153 vorSizilien eine Notwasserung, nachdem der Treibstoff ausgegangen war. Später stellte sich heraus, dass die ausgetauschte Tankuhr für einen kleineren Tank gedacht war. Von den 39 Menschen an Bord überlebten 20. Das Wrack wurde in drei Teilen aufgefunden.[14]
  • Am 15. Januar 2009 führte der KapitänChesley Sullenberger mit einemAirbus A320 auf demUS-Airways-Flug 1549 wenige Minuten nach dem Start auf dem New Yorker FlughafenLa Guardia eine Notwasserung auf demHudson River durch. Ein doppelterVogelschlag hatte zum Ausfall der beiden Triebwerke geführt. Alle 155 Menschen an Bord überlebten. Das Flugzeug blieb dabei bis auf ein abgerissenes Triebwerk intakt und für die Rettung der Insassen lange genug schwimmfähig.[15][16]

Anflugverhalten

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Anflugverfahren von Verkehrsflugzeugen

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Die Piloten müssen bei diesem Landungstyp darauf achten, dass beide Tragflächen gleichzeitig aufsetzen und die Maschine in einer waagerechten Fluglage verbleibt. Bei Landungen von Verkehrsflugzeugen haltenTriebwerke, die unter den Tragflächen angebracht sind, dem sich im Moment des Eintauchens durch die Landegeschwindigkeit schlagartig aufbauenden Wasserwiderstand in der Regel nicht stand und reißen ab. Dabei sollte nach Möglichkeit die Außenhaut des Flugzeugrumpfes intakt bleiben. Flugzeuge, deren Triebwerke oberhalb der Tragflächen angeordnet sind, sind hier im Vorteil.

Ditching-Schalter in einemAirbus A330

Kurz vor dem Aufsetzen sollte derditch mode aktiviert werden, soweit vorhanden. Er sorgt dafür, dass eine Vielzahl von Klappen verschlossen werden (z. B. dasOutflowvalve) und die Maschine länger an der Wasseroberfläche verbleibt, so dass die Chance erhöht wird, dass Passagiere die Maschine überNotrutschen verlassen können, bevor das Flugzeug im Gewässer versinkt.

Wenn möglich, wird gegen den Wind gelandet. Bei größerem Wellengang wird parallel zu den Wellen gelandet, möglichst auf einem Wellenkamm. Die Landung erfolgt mit eingefahrenem Fahrwerk. Gelandet werden sollte mit geringerSinkrate und geringstmöglicher Geschwindigkeit. Die Landung wird als – heckbetonte –Dreipunktlandung mit parallelem Wasserkontakt der Tragflächen durchgeführt, da sonst die Gefahr eines Überschlages besteht.

Notwasserung von Kleinflugzeugen

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Die Notwasserung von Kleinflugzeugen ist wegen der geringeren Landegeschwindigkeit nicht ganz so gefährlich wie mit Verkehrsflugzeugen. Eine Notlandung auf dem Festland ist aber auch hier weniger gefährlich als eine Notwasserung.

Notwasserung von Segelflugzeugen

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Segelflugzeuge werden mitausgefahrenem Fahrwerk, verriegelter Haube und geschlossener Belüftung gewassert. Die Gurte sind so straff wie möglich anzuziehen.

In der älteren Literatur wird teilweise noch empfohlen, mit eingefahrenem Fahrwerk zu wassern. Neuere Versuche haben jedoch gezeigt, dass moderne Segelflugzeuge durch ihre strömungsgünstige Form nach dem Aufsetzen recht tief unter die Wasseroberfläche tauchen, was vor allem bei seichtem Wasser sehr gefährlich ist. Der Widerstand des ausgefahrenen Fahrwerks verringert die Eintauchtiefe merklich, ohne dass deswegen die Gefahr bestünde, dass sich das Segelflugzeug überschlägt.

Eine Wasserung sollte parallel zum Ufer erfolgen, einerseits wegen der Ausrichtung der Wellen, andererseits auch, um nicht versehentlich zu nahe ans Ufer zu geraten. Die Wasseroberfläche wird wie eine feste Landebahn angeflogen und das Flugzeug möglichst mit Minimalfahrt aufgesetzt. Nach dem Wiederauftauchen wird die Haube geöffnet oder notfalls abgeworfen, Gurtzeug und Fallschirm abgelegt und das Cockpit verlassen. Ein Segelflugzeug hat eine begrenzte Schwimmfähigkeit.

Hubschrauber

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BestimmteHubschrauber-Typen verfügen über Notschwimmeigenschaften und über zusätzlich aufblasbare Schwimmer, die dasKentern des Hubschraubers nach einer Wasserung vermeiden sollen. Durch den hohen Schwerpunkt und den Wellengang besteht eine große Gefahr desDurchkenterns, weshalb dieses Szenario zum Inhalt von Notfalltrainings für potenziell betroffenen Personenkreise (z. B. Flugpersonal,Offshore-Arbeiter oder Marineangehörige) gehört.

Stillstand nach der Notwasserung

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Eine Maschine, gleich welchen Typs, kommt allein durch die auf das Flugzeug einwirkende Reibung an der Wasseroberfläche zum Stillstand. BeiStrahlflugzeugen steht keineSchubumkehr zur Verfügung, da die Triebwerke bei der Wasserung im Regelfall abreißen, abgesehen davon, dass erhebliche Probleme mit den Triebwerken die Ursache für die Notwasserung gewesen sein dürften.

Literatur

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  • Jürgen Mies:Gefahrenhandbuch für Piloten (=Privatpilotenbibliothek. Band 1). Motorbuch Verlag, Stuttgart 1994,ISBN 3-613-01577-3.

Weblinks

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Wiktionary: Notwasserung – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen

Einzelnachweise

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  1. Unfallbericht DC-4 N79998,Aviation Safety Network (englisch), abgerufen am 13. März 2019.
  2. Unfallbericht CV-240 HB-IRW,Aviation Safety Network (englisch), abgerufen am 13. März 2019.
  3. Flugunfalldaten und -bericht imAviation Safety Network (englisch)
  4. Flugunfalldaten und -bericht imAviation Safety Network (englisch)
  5. Peter W. Frey:Dramatische Hilfeleistung mitten im Atlantik. NZZ vom 27. September 2012.
  6. Flugunfalldaten und -bericht imAviation Safety Network (englisch)
  7. Plane Crash Info: Douglas Dc-3 EC-AQH, 21. Juni 1964, abgerufen am 28. Februar 2017.
  8. Juan Carlos Diaz Lorenzo, Ultano Kindelán y TASSA / 2 (in Spanisch), abgerufen am 27. Februar 2017.
  9. Unfallbericht DC-3 EC-ACX,Aviation Safety Network (englisch), abgerufen am 14. Januar 2018.
  10. Aviation Safety Network, 23. Juli 1969aviation-safety.net
  11. Flugunfalldaten und -bericht imAviation Safety Network (englisch)
  12. Flugunfalldaten und -bericht imAviation Safety Network (englisch)
  13. Flugunfalldaten und -bericht imAviation Safety Network (englisch)
  14. Flugunfalldaten und -bericht imAviation Safety Network (englisch)
  15. Flugunfalldaten und -bericht imAviation Safety Network (englisch)
  16. Marc Pitzke:New York feiert das Hudson-Wunder. In:Spiegel online. (Abgerufen am 16. Januar 2009)
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