konservatives, stärker an der ursprünglichenAasen’schen Standardisierung(Landsmål) orientiertesNynorsk
Bokmål wird von circa 85 bis 90 Prozent der norwegischen Bevölkerung geschrieben. Es handelte sich dabei ursprünglich um eine Varietät des Dänischen, das jahrhundertelang auch in NorwegenSchriftsprache war, die aber – besonders in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts – schrittweise auf der Basis der bürgerlich-städtischenUmgangssprache norwegisiert wurde. Bokmål wird oft in moderates und radikales Bokmål unterteilt, wozu Zwischenformen treten. Moderates Bokmål ist die am weitesten verbreitete Variante von Bokmål und weitgehend mit dem modernen Riksmål identisch.
DasRiksmål ist eine ältere, heute amtlich missbilligte Varietät, die einem moderatenBokmål ähnlich ist. Es ist derdänisch-norwegischen literarischen Tradition verpflichtet und in der Rechtschreibung etwas weniger norwegisiert. Seit den 2000er Jahren gibt es praktisch keine Unterschiede zwischen Riksmål und moderatem Bokmål mehr.
Nynorsk hingegen ist eineSynthese aus denautochthonen norwegischen Dialekten. Es wird von etwa 10 bis 15 Prozent der norwegischen Bevölkerung geschrieben. Der Name Nynorsk bezeichnet eigentlich die Sprachphase, zu der autochthone norwegische Dialekte seit dem Beginn des 16. Jahrhunderts gehören; diese Bedeutung ist Nichtlinguisten jedoch häufig nicht bekannt.
Høgnorsk schließlich wird nur in sehr kleinen Kreisen gepflegt.
Verhältnis der skandinavischen Sprachen untereinander
Als Untermenge dernordgermanischen Sprachen sind die drei festlandskandinavischen Sprachen eng miteinander verwandt. Normalerweise verstehen Norweger,Dänen undSchweden die Sprache der Nachbarn daher oftmals. Zu unterscheiden ist jedoch die Verwandtschaft mit Bezug auf die Schriftsprache und die Aussprache. Insbesondere die dänischen und norwegischen (in der Variante „Bokmål“) Schriftsprachen unterscheiden sich nur unerheblich, während diejenige des Schwedischen stärker von den beiden anderen abweicht. Die Aussprachen vieler norwegischer und schwedischer Dialekte ähneln sich oftmals und bilden ein grenzüberschreitendes Dialektkontinuum. Die dänische Aussprache weicht hingegen recht stark von den Aussprachen der beiden anderen Sprachen ab, was eine mündliche Kommunikation mit Sprechern des Norwegischen oder insbesondere des Schwedischen erschwert. Insgesamt nimmt das Norwegische eine gewisse „Mittelposition“ unter den drei Sprachen ein, was die Kommunikation mitbeiden Nachbarsprachen erleichtert. Sprecher des Norwegischen – vor allem die Benutzer des Nynorsk – haben auch etwas bessere Voraussetzungen,Färöisch undIsländisch zu erlernen, da diese Sprachen ihren Ursprung in den Dialekten Westnorwegens haben.
Der Ursprung der norwegischen Sprache liegt imAltnordischen, das von Norwegern undIsländernnorrønt mál (nordische Sprache) genannt wurde. Anders als in den meisten anderen mittleren und größeren Sprachen Europas konnten sich die altnorwegischen Schriftvarietäten jedoch nicht über die Jahrhunderte hinweg zu einem einheitlich normierten Standard entwickeln. Gründe sind erstens die besondere Unwegsamkeit Norwegens und die folglich schlechten Verkehrswege, die eine vergleichsweise unbeeinflusst und unabhängig voneinander erfolgte Entwicklung der Dialekte förderte, zweitens das lange Fehlen eines unbestrittenen politischen und wirtschaftlichen Zentrums und drittens die ab dem Spätmittelalter bis ins frühe 19. Jahrhundert andauernde dänische Vorherrschaft, die das Dänische als Amtssprache in Norwegen verankerte.
DasAltnorwegische war demAltisländischen noch sehr ähnlich, ist aber in wenigerHandschriften erhalten. Aufgrund verschiedener Lautwandel wird um 1350 der Übergang zum Mittelnorwegischen angesetzt.[3]
Im Spätmittelalter und in der älteren Neuzeit wurde Norwegisch stark vom Niederdeutschen und vom Dänischen beeinflusst. In derHansezeit warMittelniederdeutsch dieVerkehrssprache des Nordens. Viele niederdeutsche Wörter wurden alsLehnwörter integriert. Von 1380 bis 1814 war Norwegen mit Dänemark vereinigt, anfangs noch alsdänisch-norwegische Personalunion, später alsRealunion. Während dieser Zeit geriet die alte norwegische Schriftsprache zunehmend außer Benutzung und verschwand im Zuge derReformation gänzlich.
Die ursprünglichen Dialekte wurden auf dem Lande aber weiterhin gesprochen. Nach der Trennung Norwegens von Dänemark im Jahre 1814 entstand im Laufe des 19. Jahrhunderts, wie auch in anderen jungen Staaten Europas, einenationalromantische Bewegung, die hauptsächlich an die norwegische Vergangenheit des Mittelalters (also an die Zeit vor der Vereinigung mit Dänemark) anzuknüpfen suchte. Dies betraf auch die Sprache: Die Anhänger dieser Bewegung forderten, dass die ursprüngliche norwegische Sprache des Mittelalters zu neuem Leben erweckt werden solle, um für die Emanzipation Norwegens ein Zeichen zu setzen. So entzündete sich eine Sprachdebatte um die Frage, ob man die dänischen Einflüsse im Norwegischen weiterhin billigen (Welhaven,Anton Martin Schweigaard) oder auf Basis norwegischer Dialekte eine eigenständige Sprache schaffen solle (Wergeland,P. A. Munch,Rudolf Keyser). Während Wergeland und seine Anhänger die vergangenen 400 Jahre dänischen Einflusses unbeachtet lassen und dem mittelalterlichen Norwegischen Vorschub gewähren wollten, wies Schweigaard 1832 in der ZeitungVidar darauf hin, dass man über mehrere Jahrhunderte des Kulturaustausches nicht einfach hinwegsehen könne; es sei unmöglich, das einmal Assimilierte wieder auszugliedern.[4]
Schließlich wurde in den 1850er Jahren von demDichter undSprachwissenschaftlerIvar Aasen dasLandsmål entwickelt, das seit 1929 offiziellNynorsk heißt. Das Ziel war ausdrücklich, dem – Dialekt sprechenden – Volk seine eigene Schriftsprache zu geben, die neben die dänische Schriftsprache der bürgerlich-städtischen Oberschicht treten sollte;Nynorsk wurde damit zu einem zentralen Element der Demokratiebewegung. Seit 1885 istLandsmål/Nynorsk eine amtlicherseits anerkannte Schriftsprache. Die Grundlage für diese neue Sprache bildete nicht eine einzige Mundart, sondern ein gemeinsames System, das Aasen durch die wissenschaftliche Erforschung einer Vielzahl von Mundarten aller Landesteile gefunden hatte. Im Laufe des 20. Jahrhunderts wurde das zuvor eher west- und zentralnorwegisch dominierteNynorsk im Rahmen mehrerer Reformen unter Zurückdrängung der zentralnorwegischen Elemente verstärkt den ostnorwegischen Dialekten einerseits und dem südostnorwegisch geprägtenBokmål angenähert. Von einerPlansprache unterscheidet sichNynorsk durch seine Verankerung in eng verwandten, lebendigen Dialekten.
Der GymnasiallehrerKnud Knudsen trat zur gleichen Zeit für eine durchgreifende Sprachreform auf der Grundlage einer von ihm angenommenen „Umgangssprache der Gebildeten“ ein. Seine Reformvorschläge wurden in der Rechtschreibreform von 1862 weitestgehend vom Parlament übernommen und bildeten die Grundlage desRiksmål, das 1929 vom Parlament inBokmål umbenannt wurde und sich später aufgrund von Kontroversen über die Normierung inBokmål undRiksmål mit je eigenen Normen und Traditionen aufteilte.
Aufgrund des erstarkten Nationalbewusstseins konnteNynorsk bis 1944 immer mehr Unterstützer gewinnen und hatte seinerzeit knapp ein Drittel der Norweger auf seiner Seite. Inzwischen ist der Anteil der Unterstützer auf 10–15 Prozent zurückgegangen. Dies hat mehrere Gründe: In den urbanen Gebieten, also vor allem in der RegionOslo, wirdNynorsk als befremdlich empfunden. Das städtische Bürgertum hat das auf ländlichen Mundarten basierendeNynorsk ohnehin stets abgelehnt. Folglich fehlt demNynorsk bis heute eine wirkliche Verankerung in den wirtschaftlichen und politischen Zentren. Zum anderen wird von manchen Landbewohnern, besonders in Ostnorwegen,Nynorsk als artifiziell empfunden, da es ihnen als dialektales Flickwerk erscheint. Schließlich ist die Grammatik desNynorsk schwieriger als die desBokmål, obgleich einzuräumen ist, dass die meisten norwegischen Dialekte dennoch demNynorsk näher als demBokmål stehen, das wiederum einige demautochthonen Norwegisch ziemlich fremdephonologische,morphologische und sonstigegrammatische Züge aufweist.
Im Laufe des 20. Jahrhunderts wurden mehrereRechtschreibreformen durchgeführt, mit dem Versuch, beide Schriftsprachen einander anzunähern (Fernziel:Samnorsk „Gemeinnorwegisch, Einheitsnorwegisch“). So wurde in der Reform von 1917 auf Druck derNynorsk-Bewegung eine Reihe spezifisch „norwegischer“ Ausdrücke propagiert, die traditionelle dänische Begriffe ersetzen sollten. Da dies nicht in dem Maße geschah, wie man es sich vorgestellt hatte, wurde 1938 eine weitere Reform verabschiedet: Zahlreiche traditionelle dänische Elemente durften nicht mehr gebraucht werden. Diese Sprache wurde aber kaum angenommen. Es kam zu großen Streitigkeiten, Eltern korrigierten beispielsweise die Schulbücher ihrer Kinder, weil der Konflikt sehr stark von Gefühlen geprägt war und auch nach wie vor ist. Gleichzeitig wurde auchNynorsk verstärkt sprachgeschichtlich jüngeren Formen geöffnet. 1959, 1981 (Bokmål), 2005 (Bokmål) und 2012 (Nynorsk) fanden weitere Reformen statt, wobei diejenigen von 2005 im Bokmål wieder eine Reihe traditionell dänischer Formen zuließ. Ergebnis all dieser Reformen ist die Existenz von „moderaten“ und „radikalen“ Formen in der Rechtschreibnorm, zwischen denen man wählen kann. Das komplizierte System von offiziellen Haupt- und Nebenformen wurde im Bokmål 2005 aufgegeben, im Nynorsk 2012.[5] Das Fernziel einesSamnorsk wurde gleichzeitig ausdrücklich fallengelassen.
Rechtliche Verhältnisse und Verbreitung der Sprachformen
Nynorsk und Bokmål als Amtssprachen auf Gemeindeebene
Bokmål
Nynorsk
neutral
Seitens des Staates sind die beiden SprachformenBokmål undNynorsk offiziell anerkannt. Gemäß Sprachengesetz darf keine staatliche Behörde eine der beiden zu mehr als 75 % gebrauchen, was in der Praxis allerdings – zu Ungunsten vonNynorsk – oft nicht befolgt wird. Die Behörden des Staates und derFylker (Regierungsbezirke) müssen Anfragen in der gleichen Sprachform beantworten, in der sie gestellt werden. Auf der Ebene der Gemeinden (Kommunen) darf die Behörde in derjenigen Sprachform antworten, die sie für ihr Territorium als amtlich erklärt hat. In der Schule werden beide Varianten unterrichtet, wobei diejenige, die nicht die Hauptvariante ist, alssidemål (Nebensprache) bezeichnet wird.
Nynorsk ist Amtssprache von 25 % der Gemeinden, in denen insgesamt 12 % der Gesamtbevölkerung leben,Bokmål ist Amtssprache in 33 % der Gemeinden, die übrigen 42 % der Gemeinden sind „sprachneutral“ (was faktisch meist mitBokmål-Gebrauch gleichzusetzen ist). Auf der Ebene der Schulkreise und Kirchengemeinden geht der amtliche Gebrauch desNynorsk über dieses Gebiet hinaus; so haben auf Grundschulstufe 15 % aller SchülerNynorsk als Schulsprache, und in 31 % der Kirchengemeinden sindLiturgie und Predigt aufNynorsk.
Geographisch gesehen istNynorsk offizielle Sprachform in den meisten Gemeinden des fjordreichenWestnorwegens (ohne die Städte und stadtnahen Gemeinden) sowie in den geographisch anschließenden zentralen GebirgstälernOstnorwegens (Hallingdal,Valdres,Gudbrandsdal) undSüdnorwegens (Setesdal, Vest-Telemark).Bokmål dagegen ist offizielle Sprachform in den meisten Gemeinden Südostnorwegens und an der Südküste einerseits sowie in manchen Gemeinden Nordnorwegens andererseits. Auf regionaler Ebene istNynorsk Amtssprache von zwei Fylkern, nämlichVestland undMøre og Romsdal, während die andern Fylker „sprachneutral“ sind. Von diesen sprachneutralen Fylkern weisenAgder mit 24 %,Rogaland mit 35 % und Telemark mit 47 % allerdings einen relativ großen Anteil anNynorsk-Gemeinden auf.[6]
Das Sprachabkommen imNordischen Rat garantiert im Übrigen, dass Dänisch und Schwedisch im offiziellen Schriftverkehr erlaubt sind. Das gilt gegenseitig.
Gegner der Sprachreformen, dieBokmål näher anNynorsk bringen sollten, benutzen für die von ihnen gepflegte Sprachform den NamenRiksmål weiter. Typisch ist hierfür etwa die Verwendung einiger dänischer Zahlwörter, von Wortformen wieefter stattetter odersne stattsnø, die Vermeidung des femininen Genus (z. B.boken stattboka, „das Buch“) und die Vermeidung von Diphthongen (z. B.sten stattstein, „Stein“). Tatsächlich haben sich einerseits durch die Wiederzulassung vieler danonorwegischer Formen imBokmål, andererseits durch die Aufnahme zahlreicher Elemente aus demBokmål insRiksmål diese beiden Varianten in den letzten dreißig Jahren einander stark angenähert.
Das sog.Høgnorsk (etwa „Hochnorwegisch“) ist eine inoffizielle Variante desNynorsk, eine Sprachform, die dem originalenLandsmål vonIvar Aasen sehr ähnlich ist. Die Høgnorsk-Bewegung missachtet die Reformen desNynorsk nach 1917.
Diese Sprachform wird schriftlich nur von einer sehr kleinen Gruppe Norweger verwendet, doch Elemente des Hochnorwegischen finden immer noch bei vielen Raum. Die Schreibweise wirkt oft archaisch auf die Mehrheit der Norweger, im Mündlichen aber lässt sich die Sprache kaum von den traditionellen Mundarten und der darauf gebauten Normalsprache unterscheiden. Nur werden im Hochnorwegischen eher einheimische Wörter als niederdeutsche Lehnwörter verwendet. Ein großer Teil des norwegischen Liedguts ist, da vor 1917 geschrieben, aus heutiger Sicht hochnorwegisch verfasst.
Riksmål, Bokmål, Nynorsk und Høgnorsk im Vergleich
Das norwegische Alphabet besteht aus 29 Buchstaben: A, B, C, D, E, F, G, H, I, J, K, L, M, N, O, P, Q, R, S, T, U, V, W, X, Y, Z, Æ, Ø, Å.[7] Die Buchstabenc, q, w, x undz kommen nur in einigen Fremd- oder Lehnwörtern und Eigennamen vor. Stattck schreibt mankk, fürqu trittkv ein, fürph/th/kh tretenf/t/k ein,z (im Deutschen) wird meist durchs ersetzt:sentrum/senter entspricht „Zentrum“,sukker entspricht „Zucker“.
Bokmål undNynorsk sind Schriftsprachen, die Aussprache ist nicht landesweit normativ festgelegt, denn gesprochen werden vor allem die Dialekte beziehungsweise zunehmend Regiolekte. Die Ausspracheangaben variieren je nach Grammatik. Einige geschriebene Laute können in der Aussprache entfallen. Vor allem das auslautendet beim bestimmten Artikel(det / -et) und das „g“ der Endsilbe-ig sowied am Ende eines Wortes werden generell nicht ausgesprochen.
Der ö-Laut hat im Norwegischen den BuchstabenØ ø, der ä-Laut hatÆ æ, der o-Laut hat häufigÅ å, während der Buchstabeo oft den u-Laut repräsentiert:bo [buː] „wohnen“,dør [døːr] „Tür“,ærlig [æːrli] „ehrlich“. Norwegischesu wird meist[ʉ], vor einer Nasalverbindung aber[u] gesprochen. Unbetontese ist kurz wie inSprache ([ə]).y ist einü-Laut[y].
Die meisten norwegischen Dialekte besitzen ein gerolltes „r“ ähnlich wie im Italienischen oder im Südostdeutschen (Vorderzungen-R), viele west- und südnorwegische Dialekte haben aber auch ein Zäpfchen-R (norwegisch:skarre-r), wie es im Hochdeutschen, Dänischen oder Französischen üblich ist. Der r-Laut darf nicht verschluckt werden (alsodager [daːgər], und nicht [daːgɐ]).
Das norwegisches ist immer stimmlos (wie scharfes S inaußen), das norwegischev (und ebenso die Buchstabenverbindunghv) wird wie in „Vase“ gesprochen (nicht wie inVogel!).
Folgende Lautverbindungen sind zu berücksichtigen:sj, skj werden „sch“ gesprochen:nasjon [naʃuːn] „Nation“,gj, hj, lj werden „j“ gesprochen,kj und in manchen Dialektentj sind derich-Laut[ç]:kjøre [çøːrə] „fahren“, der allerdings zunehmend mit dem[ʃ]-Laut verschmilzt[8],rs wird in manchen Dialekten „sch“ gesprochen:vær så god! „bitte schön!“ ist also [værsɔgu:] oder [væʃɔgu:].
Vor hellen Vokalen(i, y, ei, øy) gelten besondere Regeln:sk wird hier „sch“,g wird hier „j“ undk wird hier „ch“[ç] gesprochen:ski [ʃiː],gi [jiː] „geben“,kirke [çɪrkə] „Kirche“.
Zu beachten sind vor allem folgende Ausnahmen (Bokmål):det [de] „das, es, jenes“,-et[ə] „das“,de [diː] „sie, die (Mehrzahl)“,og[o] „und“,jeg/meg/deg/seg [jæi mæi dæi sæi] „ich/mich/dich/sich“.
Je nach Sprecher tendiert langesa zu einem o-ähnlichen Laut wie in Englischcall, währendæ Richtung „a“ wie in „Vater“ geht undy kaum von unserem „i“ zu unterscheiden ist. Je nach Dialekt wird der Diphthongei wie [æj] oder [aj] gesprochen.
Das Norwegische besitzt 23Konsonanten, darunter fünf retroflexe Laute, die alsAllophone anzusehen sind. Letztere kommen nicht in den Dialekten mit Zäpfchen-R vor.[9]
Das Norwegische hat (wie das Schwedische) zwei bedeutungsunterscheidende Akzente, die oftAkzent 1 undAkzent 2 genannt werden.Siehe dazu:Akzente in den skandinavischen Sprachen.
Allgemeine Vorbemerkung: Im Folgenden werden von den Nynorsk-Varianten nur diejenigen vermerkt, die gemäß der Rechtschreibreform von 2012 gültig sind. Seltene, fast nur in älteren Texten vorkommende oder im Kreise derHøgnorsk-Anhänger benutzte Lautungen und Formen bleiben ausgespart.
Substantive (Hauptwörter) und Artikel (Geschlechtswörter)
Die norwegische Sprache kennt offiziell die dreiGenera: Maskulinum, Femininum und Neutrum. Riksmål und konservatives Bokmål kennen aber wie die dänische Sprache nur das männlich-weibliche(Utrum) und das sächliche Geschlecht(Neutrum). Die Substantive geben in der Regel aber keinen Hinweis darauf, welches Geschlecht sie haben. Häufig stimmt das Geschlecht mit dem des deutschen Substantivs überein (z. B.sola „die Sonne“,månen „der Mond“,barnet „das Kind“).
Das Norwegische kennt auch den unbestimmten Artikel, für jedes Geschlecht existiert eine eigene Form:
Bokmål
Nynorsk
Deutsch
Geschlecht
en dag
ein dag
ein Tag
männlich
ei/en flaske
ei flaske
eine Flasche
weiblich
et hus
eit hus
ein Haus
sächlich
et eple
eit eple
ein Apfel
sächlich
et øye
eit auga/auge
ein Auge
sächlich
Wie im Dänischen wird der bestimmte Artikel bei unbegleiteten Substantiven (d. h. wenn kein Adjektiv vor bzw. kein Personalpronomen hinter dem Substantiv steht) nur als Suffix angehängt, an dem auch das Geschlecht des Substantivs zu erkennen ist:
Bokmål
Nynorsk
Deutsch
dagen
dagen
der Tag
flaska/flasken
flaska
die Flasche
huset
huset
das Haus
eplet
eplet
der Apfel
øyet
auga/auget
das Auge
Beim bestimmten Artikel Neutrum(-et) wird dast nicht gesprochen!eple („Apfel“) undeplet („der Apfel“) werden also gleich ausgesprochen.
Weibliche Substantive werden imBokmål aber – dänischer Tradition folgend – oft auch wie männliche behandelt:
In der unbestimmten Mehrzahlform enden männliche, weibliche und (imBokmål) mehrsilbige sächliche Substantive auf-er (imNynorsk gibt es, vergleichbar mit dem Schwedischen, die Endungen-ar und-er), einsilbige (imNynorsk auch mehrsilbige) sächliche bleiben in der Regel endungslos:
Gar keine Mehrzahlendung haben alle einsilbigen Neutra, z. B.hus „Haus/Häuser“,barn „Kind/Kinder“, aber ausnahmsweise auch männliche einsilbige Wörter, z. B.sko „Schuh(e)“ oder neutrale mehrsilbige Wörter, z. B.våpen „Waffen“.
Um die Mehrzahl der bestimmten Formen zu bilden, wird imBokmål geschlechtsübergreifend-ene bzw.-a (optional bei einsilbigen Neutra) angefügt.
Nynorsk kennt-ane, -ene, -o und-a:
Bokmål
Nynorsk
Deutsch
dagene
dagane
„die Tage“
flaskene
flaskene
„die Flaschen“
husene (seltener:husa)
husa
„die Häuser“
eplene (seltener:epla)
epla
„die Äpfel“
øynene (seltener:øya)
augo/auga
„die Augen“
Die unregelmäßigen Substantive haben hier:fedrene „die Väter“,endene „die Enten“,bøkene „die Bücher“ und – mit Erhalt des „r“ voræ –klærne „die Kleider“ usw.
Das norwegische Substantiv kennt neben der Grundform eine eigene Form für den Genitiv, indem sowohl im Singular wie im Plural unabhängig vom Genus ein-s an das Substantiv (nicht an Artikel und Pronomen!) angehängt wird. Bei mehrgliedrigen Ausdrücken wird diese Genitivregel auf den gesamten Ausdruck angewandt, das heißt, das letzte Wort im Ausdruck erhält die Ergänzung-s. Enden das Substantiv oder der Ausdruck bereits auf einem-s,-x oder-ch, wird anstatt des Genitiv-s nur ein Apostroph-’ angehängt:
Bokmål
Nynorsk
Deutsch
kongens
kongensodertil/åt kongenoderkongen sin
„des Königs“
kongenes
konganesodertil/åt konganeoderkongane sin
„der Könige“
mannen på husets tak
mannen på hustaket (hier kein Genitiv möglich)
„der Mann auf dem Dach des Hauses“
mars’
til/åtmarsodermars sin
„des März“
Weitere Beispiele (Bokmål):Guds ord „Gottes Wort“,de gamle mennenes fortellinger „Die Erzählungen der alten Männer“
Der Genitiv wird, außer bei Namen und Personen, vorwiegend im geschriebenenBokmål verwendet. Im geschriebenenNynorsk und in der gesprochenen Sprache überhaupt wird er gewöhnlich mit den Präpositionenav, til, på usw. oder aber mit einer Dativkonstruktion („garpegenetiv“, einer dem Niederdeutschen entlehnten Konstruktion) umschrieben, etwaprisen på boka stattbokas pris (der Preis des Buches),boka til Olav stattOlavs bok (Olavs Buch),taket på huset statthusets tak (das Dach des Hauses),Stortinget si sak stattStortingets sak (die Angelegenheit des Parlaments, wörtlich: „dem Parlament seine Angelegenheit“).
Nach absteigender Priorität verwendet man für ‚die Haustür‘:husdøra, husets dør, døra på huset. Die Präpositionpå „auf“ steht in diesem Fall, da die Tür nicht mehr als zum Hause selbst gehörig empfunden wird.
Angaben zu Nation, Beruf, Religion:han er nordmann (BM und NN),han er lutheraner (BM) bzw.han er lutheranar (NN) „er ist Norweger, er ist Protestant“
folgenden Adjektiven:første / øverste / neste / siste / forrige / venstre / høyre (BM) bzw.høgre (NN) „erste / oberste / nächste / letzte / vorige / linke / rechte“, also z. B.neste dag „am nächsten Tag“,på venstre side „auf der linken Seite“
festen Wendungen:på kino/sirkus „im Kino/Zirkus, ins Kino/in den Zirkus“,på skole „in die Schule“,i telt „in einem Zelt“,å skrive brev „einen Brief schreiben“,å kjøre bil (BM) bzw.å køyre bil (NN) „Auto fahren“,spille gitar „Gitarre spielen“.
Deklination von Adjektiven (Beugung von Eigenschaftswörtern)
Wie in allen germanischen Sprachen (mit Ausnahme des Englischen) wird im Norwegischen zwischen starken und schwachen Endungen unterschieden. Sowohl imBokmål als auch imNynorsk hat der Plural aller regelmäßigen Adjektive immer die Endung-e; diese Endung haben auch alle veränderlichen schwachen Adjektive für alle Geschlechter.
Maskuline und feminine Formen sind im Singular endungslos:en gammel (BM) bzw. ein gammal (NN) „ein alter“,ei gammel (BM) bzw. ei gammal (NN) „eine alte“; das Neutrum hat im Singular die Endung-t (oder-tt):et gammelt (BM) bzw.eit gammalt (NN) „ein altes“,blått lys „blaues Licht“. Im Plural gilt fast immer die Endung-e.
Starke Deklination
Maskulin
en/ein stor lastebil
„ein großer Lastwagen“
Feminin:
ei stor bro/bru
„eine große Brücke“
Neutrum:
et/eit stort hus
„ein großes Haus“
Plural:
store lastebiler/lastebilar, store broer/bruer, store hus
„große Lastwagen, Brücken, Häuser“
Zahlreiche Adjektive erhalten allerdingsnicht die Endung-t im Neutrum: Dazu gehören Adjektive, die auf-sk, -ig (BM) bzw.-eg (NN) oder Konsonant +t enden:et dårlig lag / eit dårleg lag „ein schlechtes Team“.fersk / frisk „frisch“ undrask „schnell“ bekommen jedoch die Endung-t.
Das Adjektiv wird auch in prädikativer Stellung stark flektiert (während es im Deutschen unverändert bleibt!):bilen er stor „das Auto ist groß“,huset er stort „das Haus ist groß“,bilene/bilane er store „die Autos sind groß“,husene/husa er store „die Häuser sind groß“.
de store lastebilene, broene/bruene, husene / dei store lastebilane, bruene, husa
„die großen Lastwagen, Brücken, Häuser“
Adjektive werden schwach dekliniert, wenn das Substantiv durch den bestimmten Artikel, das Demonstrativpronomendenne/dette/disse (dies), ein Possessivpronomen (mein, dein, sein …) oder ein Genitivattribut näher bestimmt ist:fars store hus verlangt ein schwach dekliniertes Adjektiv, während es im Deutschen stark dekliniert wird: „Vaters großes Haus“.
Steht ein Adjektiv vor einem Substantiv, muss der Artikelden/det/de dem Adjektiv vorangestellt werden:huset „das Haus“ >det store huset „das große Haus“, demgemäß wird die Bestimmtheit des Artikels zweifach ausgedrückt, einmal alsdet, das andere Mal als Endung-et, allerdings nicht bei Eigennamen, die keine Endung erhalten:den legendæreThor Heyerdahl „der legendäre Thor Heyerdahl“. den/det/de (BM) bzw.den/det/dei (NN) entfällt jedoch vorhel (BM) /heil (NN) „ganz“:hele året / heile året „das ganze Jahr“.
Bei Adjektiven auf unbetontes-el/-en/-er (BM) bzw.-al/-en/-ar (NN) fällt das-e- bzw.-a- vor einer Endung meistens weg, und ein eventuell voranstehender Doppelkonsonant wird vereinfacht:gammel/gammal >gamle,kristen >kristne,vakker/vakkar >vakre.
Eine Reihe von Adjektiven ist unveränderlich. Dazu gehören Adjektive auf Vokal (auch alle Komparative!) und auf-s:bra, tro, sjalu, lilla, stille, bedre (BM) bzw.betre (NN),øde (nur BM; NNaud flektiert regelmäßig),stakkars, gratis, moderne usw.
Die Adjektiveliten „klein“ undegen (BM) bzw.eigen (NN) „eigen“ sind gänzlich unregelmäßig: maskulinliten, egen/eigen, femininlita, egen/eiga, neutrumlite, eget/eige, Pluralsmå/små(e), egne/eigne, schwache Form:lille/litle~lisle~vesle, egne/eigne. Beispiel:det egne lille huset (BM) /det eige vesle (oderlisle, litle)huset (NN) „das eigene kleine Haus“.
Nur bei einigen Personalpronomina gibt es im Norwegischen einen Unterschied zwischen Nominativ und Akkusativ. Nur im Singular der 3. Personen gibt es geschlechtliche Formen.
Bokmål
Singular
Plural
1. Person
jeg – meg
„ich – mir, mich“
vi – oss
„wir – uns“
2. Person
du – deg
„du – dir, dich“
dere – dere
„ihr – euch“
3. Person
han – ham/han den – den
„er – ihm, ihn“
de – dem
„sie – ihnen/sie“
hun – henne den – den
„sie – ihr, sie“
det – det
„das, es – das, es“
Reflexiv
seg
„sich“
seg
„sich“
han – ham/han undhun – henne werden nur fürPersonen verwendet, wenn das grammatische Geschlecht des betreffenden Wortes männlich oder weiblich ist.Mitden dagegen bezeichnet manDinge männlichen oder weiblichen Geschlechts.det wird bei Personen und Dingen verwendet, wenn das grammatische Geschlecht sächlich ist. Beispiele:mannen – han er her „der Mann – er ist hier“,kvinna – hun er her „die Frau – sie ist hier“,døra – den er her „die Tür –sie ist hier“,barnet – det er her „das Kind – es ist hier“.
Die Objektivformenham undhan sind gleichbedeutend und gleichberechtigt; in der gesprochenen Sprache überwiegthan.
den, det undde haben auch die Bedeutung „jener/jene, jenes“ und „jene“. Außerdem werden sie als bestimmter Artikel vor Adjektiven verwendet.
Nynorsk
Singular
Plural
1. Person
eg – meg
„ich – mir, mich“
vi/me – oss
„wir – uns“
2. Person
du – deg
„du – dir, dich“
de/dokker – dykk/dokker
„ihr – euch“
3. Person
han – han
„er – ihm, ihn“
dei – dei
„sie – ihnen/sie“
ho – henne/ho
„sie – ihr, sie“
det – det
„das, es – das, es“
Reflexiv
seg
„sich“
seg
„sich“
han undho werden (wie im Deutschen, aber anders als imBokmål) nicht nur für Personen, sondern auch für männliche bzw. weibliche Dinge verwendet.
Die Objektformenhenne undho in der 3. Person Singular feminin sowie die Formende unddokker in der 2. Person Plural sind gleichbedeutend und gleichberechtigt.Dokker wurde anlässlich der Rechtschreibreform von 2012 eingeführt, während gleichzeitig die bis dahin nebenhan gültige Objektsformhonom (3. Person Singular maskulin) wegfiel.
den, det unddei haben auch die Bedeutung „jener/jene, jenes“ und „jene“. Außerdem werden sie als bestimmter Artikel vor Adjektiven verwendet.
Possessivpronomina werden ähnlich wie Adjektive gebeugt, jedoch gibt es keine schwachen Formen. Im Norwegischen werden die Personalpronomen oft nachgestellt; das zugehörige Substantiv erhält in diesem Fall den bestimmten Artikel angehängt:mitt hus =huset mitt „mein Haus“.
Singular Utrum
Singular Neutrum
Plural
mein
min/mi
mitt
mine
dein
din/di
ditt
dine
reflexiv
sin/si
sitt
sine
unser
vår
vårt
våre
euer
deres (BM) /dykkar (NN)
deres /dykkar
deres /dykkar
sin wird verwendet, wenn Subjekt und Besitzer identisch sind, für alle Geschlechter in Singular und Plural:hun sitter i bilen sin (BM) bzw.ho sitt i bilen sin (NN) „sie sitzt in ihrem [eigenen] Auto“ <>hun sitter i bilen hennes (BM) bzw.ho sitt i bilen hennar „sie sitzt in ihrem Auto (im Auto von jener Frau)“;de sitter i bilen sin „sie sitzen in ihren eigenen Autos“. Ansonsten stehenhans „von ihm“,hennes (BM) /hennar (NN) „von ihr“ undderes (BM) /dykkar „von ihnen“ (identisch mit „euer“!).
mi, di, si sind die femininen Formen im Singular. Sie kommen, anders alsmin, din, sin, nur nachgestellt vor:min mor (BM) =mora mi (BM, NN) „meine Mutter“.
Die Nachstellung (z. B.huset mitt) ist nicht möglich in folgenden Fällen: – beiall:all sin tid, – beiegen (BM) /eigen (NN):sin egen bil, – bei Genitivattributen:din fars bil.
Interrogativpronomina und -adverbien (fragende Für- und Umstandswörter)
Das Norwegische hat die ursprünglich differenzierten Personalendungen vereinfacht, so dass heute jedes Verb in allen Personen dieselbe Endung hat – was auch für alle skandinavischen Sprachen außer Isländisch, Färöisch sowie einige norwegische und schwedische Dialekte gilt. Noch bis etwa um 1900 waren Personalendungen in beiden schriftlichen Sprachen üblich.Bokmål benutzte das gleiche System, wie es im älteren Dänischen verwendet wurde. AufNynorsk sah die Konjugation folgendermaßen aus; man beachte die mit dem älteren Schwedisch übereinstimmenden Pluralendungen:
starkes Verb Einzahl:å ganga (heuteå gå)– eg gjeng – eg gjekk – eg hev gjenge ([zu] gehen – ich gehe – ich ging – ich bin gegangen)
starkes Verb Mehrzahl:å ganga – dei ganga – dei gingo – dei hava gjenge ([zu] gehen – sie gehen – sie gingen – sie sind gegangen)
Verben, deren Wortstamm auf einen Konsonanten endet und die damit mehrsilbig sind, haben als Infinitivendung imBokmål die Endung-e, imNynorsk wahlweise die Endung-e oder-a:
Bokmål
Nynorsk
Deutsch
å komme
å kom(m)e, å kom(m)a
kommen
å diskutere
å diskutere, å diskutera
diskutieren
å åpne
å opne, å opna
öffnen
Verben, deren Stamm vokalisch endet, sind im Infinitiv endungslos:
Bokmål
Nynorsk
Deutsch
å gå
å gå
gehen
å se
å sjå
sehen
å gi
å gje/gi
geben
Einige im Infinitiv normalerweise einsilbige Verben kennen auch eine (freilich nur sehr selten benutzte) Langform, wozu detaillierter weiter unten mehr.
Es gibt nur eine Imperativform für die 2. Person Singular/Plural. Sie wird gebildet, indem die Infinitivendung weggelassen wird. Nach gewissen Konsonantenverbindungen kann das auslautende-e erhalten bleiben, damit die Form leichter auszusprechen wird (3. Beispiel); diese Form gilt jedoch als dialektal, standardsprachlich sagt manåpn!. Ein auslautendesmm wird vereinfacht (2. Beispiel):
Infinitiv
Befehlsform
Deutsch
å gå
gå!
gehen – geh(e)!
å komme
kom!
kommen – komm(e)!
å åpne /å opne
åpn! /opne!
öffnen – öffne!
Der Imperativ wird durchikke (Bokmål) /ikkje (Nynorsk) verneint:
drikk ikke så mye! (BM) /drikk ikkje so mykje! (NN) „trink nicht so viel!“
ImBokmål wird das einfache Präsens gebildet, indem man an den Infinitiv ein-r anhängt:
Bokmål
Deutsch
å gå → går
„gehen (gehe, gehst, geht, gehen, geht, gehen)“
å komme → kommer
„kommen“
å åpne → åpner
„öffnen“
ImNynorsk hängt man an den Wortstamm je nach Konjugation gar keine Endung (teilweise zugleich mit Umlaut; bei der starken und der rückumlautenden schwachen Konjugation),-r (bei einsilbigen starken oder schwachen Verben),-ar (bei der ersten schwachen Konjugation) oder-er (bei der zweiten schwachen Konjugation):
Nynorsk
Deutsch
å drive → driv
„treiben“
å komme → kjem
„kommen“ (Umlaut, vgl. „er kömmt“)
å gå → går
„gehen“
å opne → opnar
„öffnen“
å leve → lever
„leben“
ImNynorsk korrespondieren diese Präsensendungen mit den verschiedenen Endungen des Präteritums (siehe unten).
Die einzigen Ausnahmen sind folgende Verben (vor dem Schrägstrich steht die Form desBokmål, danach diejenige desNynorsk):
Im Norwegischen gibt es zwei Arten, das Passiv zu bilden. Die eine funktioniert genau wie im Deutschen mit dem Hilfsverbå bli „werden, bleiben“ und dem Partizip Perfekt; imNynorsk kann stattå bli auchå verte/verta gebraucht werden (BM = Bokmål, NN = Nynorsk):
jeg blir sett (BM) bzw.eg blir/vert sett (NN)
„ich werde gesehen“
han ble funnet (BM) bzw.han blei/vart funnen (NN)
„er wurde gefunden“
Es gibt imBokmål noch eine weitere Möglichkeit zur Bildung des Passivs im Infinitiv, im Präsens sowie in der einfachen Vergangenheit bei schwachen Verben der 2. und 3. Konjugation (siehe unten):Im s-Passiv wird die Präsens-Endung-r ersetzt durch-s bzw.-s wird an die Form der einfachen Vergangenheit angehängt:
jeg ser →jeg ses/sees
„ich sehe“ → „ich werde gesehen“
han finner →han fins/finnes
„er findet“ → „er wird gefunden“
Infinitiv:fortelles „erzählt werden“
Präsens:fortelles „wird erzählt“ (für alle Personen)
Vergangenheit:fortaltes „wurde erzählt“ (für alle Personen)
Beispiele:
vinen drikkes av faren „der Wein wird vom Vater getrunken“
vinduet må ikke åpnes „das Fenster darf nicht geöffnet werden = Fenster nicht öffnen!“
ImNynorsk ist die Verwendung des s-Passivs viel eingeschränkter; sie findet sich fast nur nach Modalverben (siehe unten) und bei Deponentien (das sind Verben, die nur in der Passiv- bzw. Mediumform vorkommen). Die Passiv- bzw. Mediumendung imNynorsk lautet-st:
møte/møta →møtast
„treffen“ → „sich treffen“
dei møter →dei møtest
„sie treffen“ → „sie treffen sich/einander“
Die Passivform wird imBokmål wie imNynorsk oft in Bedienungsanleitungen als unpersönliche Aufforderung verwendet. Zusammen mit Modalverben kann diese Form auch als Infinitiv verwendet werden:
det kunne ikke selges (BM) bzw.det kunne ikkje seljast (NN)
„es konnte nicht verkauft werden“
vannet kan drikkes (BM) bzw.vatnet kan drikkast (NN)
Im Norwegischen kann man ebenso viele Zeiten wie im Deutschen bilden (kom „kam“ [Präteritum // Imperfekt],har kommet „bin gekommen“ [Perfekt],hadde kommet „war gekommen“ [Plusquamperfekt],skal/vil komme „werde kommen“ [Futur I],skal/vil ha kommet „werde gekommen sein“ [Futur II // Perfekt-Futur]).
Für die Perfekt-Zeiten verwendet man in der Regel das Hilfsverbha „haben“.være (BM) bzw.vere (NN) „sein“ kann man verwenden, um einen Zustand oder ein Ergebnis auszudrücken:hun er gått = „sie ist gegangen“ → „sie ist weg“. ImBokmål ändert der Gebrauch vonha odervære an der Verbform nichts, imNynorsk dagegen bleibt das Verb nachha unflektiert, wogegen es nachvere in der Regel flektiert wird; vgl. Bokmålhan/hun/det/de har kommet, han/hun/det/de er kommet versus Nynorskhan/ho/det/dei har kom(m)e, aberhan/ho er kom(m)en, det er kom(m)e, dei er komne. Das Futur wird mit den Hilfsverbenskulle oderville gebildet oder auch mit der Konstruktionkomme til å.
Bokmål
jeg
kommer
„ich komme“
jeg
skal
komme
„ich werde kommen“
jeg
vil
komme
„ich werde kommen“
jeg
kommer til å
komme
„ich werde kommen“
jeg
kom
„ich kam“
jeg
har
kommet
„ich bin gekommen“
jeg
hadde
kommet
„ich war gekommen“
jeg
skal ha
kommet
„ich werde gekommen sein“
jeg
vil ha
kommet
„ich werde gekommen sein“
Nynorsk
eg
kjem
„ich komme“
eg
skal
komme
„ich werde kommen“
eg
vil
komme
„ich werde kommen“
eg
kjem til å
komme
„ich werde kommen“
eg
kom
„ich kam“
eg
har
komme
„ich bin gekommen“
eg
er
kommen
„ich bin gekommen“ (resultativ)
eg
hadde
komme
„ich war gekommen“
eg
var
kommen
„ich war gekommen“ (resultativ)
eg
skal ha
komme
„ich werde gekommen sein“
eg
skal vere
kommen
„ich werde gekommen sein“ (resultativ)
vil undskal können auch modale Bedeutung haben („will“ und „soll“). Aus dem Kontext muss man erschließen, ob sie lediglich als Zukunfts-Marker verwendet werden.
Das Norwegische kennt für das Präteritum dreischwache Konjugationen.
Die erste Konjugation hat imBokmål wahlweise die Endungen-et oder-a, imNynorsk immer-a. Sie gilt für Verben auf mehrere Konsonanten mit Ausnahme vonll, mm, ld, nd, ng:
Die zweite Konjugation hat sowohl imBokmål als auch imNynorsk die Endung-de (nach Diphthong,v oderg) bzw.-te (nach einfachem Konsonanten oderll, mm, ld, nd, ng):
ImNynorsk korrespondieren diese verschiedenen Präteritumsendungen mit den verschiedenen Endungen im Präsens, vgl.:
eg opnar <>eg opna „ich öffne“ <> „ich öffnete“
eg lever <>eg levde „ich lebe“ <> „ich lebte“
eg trur <>eg trudde „ich glaube“ <> „ich glaubte“
Am häufigsten verwendet das Norwegische (wie auch das Englische) das Präteritum. Das Perfekt wird u. a. verwendet, wenn es keine Zeitangabe gibt oder es um andauernde Zustände geht.
Das Norwegische kennt zwischen hundertfünfzig und zweihundertstarke und unregelmäßige Verben. Zum Beispiel:dra, dro, dratt (Bokmål) =dra, drog, drege (Nynorsk) „ziehen, zog, gezogen“ = englischdraw, drew, drawn = „ziehen, zog, gezogen“ (dra ist etymologisch verwandt mit „tragen“, vgl. also „tragen, trug, getragen“).
Das Partizip (Perfekt) der Vergangenheit endet imBokmål immer auf-t, nie auf-en:drikke, drakk, drukket, im Deutschen aber: „trinken, trank, getrunken“. ImNynorsk hingegen wird das Partizip Perfekt hinter dem Hilfsverbvere flektiert:han/ho er kommen, det er komme, dei er komne „er ist, es ist, sie sind gekommen“, nachha jedoch nicht:han/ho/det/dei har lese „er hat, es hat, sie haben gelesen“.
Während die Gesamtheit der Beugungsformen desNynorsk im Allgemeinen komplexer ist als diejenige desBokmål, gilt bei den starken Verben der umgekehrte Fall: So gibt es in der I. starken Klasse desBokmål unter anderem folgende Verbtypen:gripe – gre(i)p – grepet, skri(de) – skred/skrei – skredet, bite – be(i)t – bitt, drite – dre(i)t – dritet, klive – kleiv – klevet/klivd, ri(de) – red/rei(d) – ridd sowieli(de) – led/lei(d) – lidt. ImNynorsk hingegen werden in dieser Klasse alle Verben nach lediglich zwei Typen flektiert: 1)gripe – greip – gripe, bite – beit – bite, drite – dreit – drite, klive – kleiv – klive und 2)ri(de) – reid – ride/ridd/ridt, li(de) – leid – lide/lidd/lidt, skri(de) – skreid – skride/skridd/skridt.
Die meisten starken Verben desNynorsk werden nach folgenden Haupttypen konjugiert:
la(te) – lét – late (Langvokale) bzw.halde – heldt – halde (Kurzvokale)
Eine ähnliche Zusammenfassung fürBokmål zu machen, ist fast ausweglos, da in dieser Varietät die den obigen Reihen 1–4 entsprechenden Gruppen sehr stark zersplittert sind. Der Hauptgrund hierzu liegt in einer inkonsequent vorgenommenen Standardisierung, in der dänische Tradition, südostnorwegische Dialekte und weitere Kriterien bunt gemischt sind. Eine Liste der wichtigeren unregelmäßigen Verben desBokmål findet sich bei den externen Links.
Der Bedeutungsumfang der norwegischen Präpositionen lässt sich nicht ohne Weiteres auf ihre deutsche Entsprechung übertragen. So heißt es norwegischå klatre i et tre mit der Präpositioni „in“, während es im deutschen „auf einen Baum klettern“ heißt. Im Folgenden werden deshalb nur die wichtigsten Präpositionen mit einer allgemeinen Übersetzung aufgeführt (bei Doppelformen vor dem Schrägstrich Bokmål, danach Nynorsk):
i: in
ved: an
til: zu, nach
på: auf
hos: bei
fra/frå: von (… her)
med: mit
for: für (als Konjunktion: „denn“)
foran: vor (örtlich)
uten/utan: ohne
før: vor
av: von (verwandt mit deutschab und englischof)
Häufig sind Kombinationenved siden/sida av „an der Seite von = neben“,frem til „bis“.
Die wichtigsten Konjunktionen sind (bei Doppelformen vor dem Schrägstrich Bokmål, danach Nynorsk):
Beiordnend:
og: und
også (Nynorsk auchòg): auch
men: aber, sondern
Unterordnend:
fordi: weil
hvis/viss: falls
at: dass
så: so, dann
om: wenn, ob
da: als, da, dann, denn
før vor, bevor
Kombinationen:selv om „selbst wenn, obwohl“,så at „sodass“.
Das Relativpronomen im Nominativ und Akkusativ istsom – im Akkusativ kann es entfallen. Präpositionen werden ans Satzende gestellt, das Relativpronomen entfällt (die Beispiele inBokmål):huset som er hvitt „das Haus, das weiß ist“,huset (som) jeg ser er hvitt „das Haus, das ich sehe, ist weiß“,huset hun bor i „das Haus, in dem sie wohnt“.
Im Norwegischen gibt es (fast) keinen Konjunktiv, bei der indirekten Rede muss die Zeit deshalb an die des einleitenden Verbs angeglichen werden.
Steht eine unterordnende Konjunktion am Satzanfang, ändert sich die grundlegende Satzstellung nicht, wohl aber die Positionen von Adverbien wieikke/ikkje.
101 – BM(én) hundre og én 101 – NN(éin) hundre og éin
1000 – BM(ett) tusen 1000 – NN(eitt) tusen
1001 – BM(ett) tusen og én 1001 – NNeitt tusen og eitt
Die nach schwedischem und englischem Muster gebildeten Zahlen des Typs Zehner + Einer, also etwa 51 –femtién/femtiéin, 52 –femtito, 53 –femtitre, 54 –femtifire, 55 –femtifem, 56 –femtiseks, 57 –femtisju, 58 –femtiåtte, 59 –femtini, wurden 1951 per Parlamentsbeschluss offiziell eingeführt. Zuvor bildete man diese Zahlen offiziell wie im Dänischen und Deutschen, also Einer +og („und“) + Zehner: 51 –énogfemti/éinogfemti, 52 –toogfemti, 53 –treogfemti, 54 –fireogfemti, 55 –femogfemti, 56 –seksogfemti, 57 –sjuogfemti, 58 –åtteogfemti, 59 –niogfemti. In der gesprochenen Alltagssprache ist diese letztere Zählweise allerdings auch heute noch weit verbreitet; die meisten Menschen gebrauchen wechselweise das eine oder das andere System – nur bei den Telefonnummern hat sich das neue System vollständig durchgesetzt.[10] Ebenfalls inoffiziell und dennoch verbreitet sind die dem Riksmål angehörigentyve statttjue für 20 undtredve statttretti für 30.
Die Ordnungszahlen von 1 und 2 sind unregelmäßig:første/fyrste „erste(r/s)“,andre „zweite(r/s)“. Die weiteren werden, wie in allen germanischen Sprachen, durch das Anhängen eines Dentalsuffixes (im Norwegischen-t, -d; gefolgt von der Endung-e) gebildet, wobei zahlreiche kleinere und größere Irregularitäten auftreten. Bei den Kardinalzahlen, die auf Vokal ausgehen, wird bei 7. bis 10. sowie, ausgehend von letzterem, bei 20. bis 90. vor den Dental einn eingeschoben.
Bitte hilf mit, ihn zuverbessern, und entferne anschließend diese Markierung.
Der norwegische Satz hat als Grundwortstellung Subjekt – Prädikat (Verb) – Objekt. Die Satzstellung wird auch nach unterordnenden Konjunktionen weitgehend beibehalten, außer dass sich die Position der Negationspartikel vor das infinite Verb verschiebt:fordi han ikke ville betale „weil er nicht bezahlen wollte“.
Inversion (Vertauschung des finitiven Prädikates und des Subjektes) tritt auf, wenn am Satzanfang statt des Subjektes ein Adverb, das Objekt oder ein untergeordneter Nebensatz steht:i morgen skal jeg komme „morgen werde ich kommen“,takk skal du ha! „Dank sollst du haben!“,hvis det regner, blir jeg hjemme =regner det, blir jeg hjemme „falls es regnet, bleibe ich zuhause“ = „regnet es, bleibe ich zuhause“.
Unter Anwendung des Feldschemas vonPaul Diderichsen ist einHauptsatz wie folgt aufgebaut:[11]
Vorfeld
finites Verb
Subjekt
Adverb A: Satz- adverbial
infinites Verb
Objekt(e)
Adverb B: Adverbial der Art, des Ortes und der Zeit
Dessverre
hadde
ho
ikkje
funne
pengane
i går
I morgon
skulle
dei
sikkert
løyse
saka
rettvist
Bilane
køyrde
midt i gata
Dei
kunne
vel
gje
henne gåver
i dag likevel
Kva
heiter
du
Im Vorfeld können außer dem gebeugten Verb prinzipiell alle Satzteile stehen, am häufigsten aber das Subjekt. Steht ein anderer Satzteil als das Subjekt im Vorfeld, so bleibt dessen eigentlicher Platz unbesetzt.
ImNebensatz steht dasSatzadverbial immer vor dem Verb bzw. den Verben und unmittelbar nach dem Subjekt:
Im Vergleich zum heutigen Isländischen und Färöischen fehlen dem Norwegischen folgende grammatikalische Strukturen: Kasus (mit Ausnahmen einer Art Genitiv), Substantivklassen, Personalendungen (es gilt pro Zeit je eine flektierte Einheitsform), Konjunktive (die erhaltenen Reste sind lexikalisiert), besondere Formen für den Plural der Präteritopräsentia und der starken Verben im Präteritum. Die Struktur des Norwegischen/Dänischen/Schwedischen entspricht also etwa derjenigen des Neuenglischen, während die des Isländischen/Färöischen etwa der des Althochdeutschen nahekommt. Differenzierter liegen die Verhältnisse in der Morphologie: Im Bereich der Pluralbildung der Substantive sowie der Ablautungen des starken Verbs stehtNynorsk dem Isländischen, Färöischen und Schwedischen näher,Bokmål hingegen dem Dänischen.
Lautlich steht das Norwegische in gewisser Hinsicht dem Deutschen nahe: Abschwächung der Auslautvokale imBokmål zuSchwa, Verlust der altnordischen th-Laute (þ, ð), Zäpfchen-R in einigen westlichen Dialekten.Nynorsk ähnelt dem Deutschen sodann in Bezug auf seinen Reichtum an Diphthongen. Im Gegensatz zum Deutschen haben aber alle skandinavischen Sprachen diehochdeutsche Lautverschiebung nicht mitgemacht, weshalb es viele Unterschiede bei den Konsonanten gibt (t =z/ss/ß,k =ch,p =pf/ff/f,d =t). Ein grundlegender Unterschied zwischen Norwegisch und Deutsch besteht im Weiteren darin, dass Norwegisch (wie Schwedisch) neben dem Druckakzent auch einen musikalischen Akzent kennt; sieheAkzente in den skandinavischen Sprachen.
Die festlandskandinavischen Sprachen wurden zur Zeit derHanse sehr stark vonniederdeutschen Fremdwörtern geprägt. Nahezu ganze Sätze können ohne ursprünglich im Nordgermanischen vorhandene Wörter gebildet werden. Dies stellt einen erheblichen Unterschied zuIsländisch undFäröisch dar, die erfolgreich bestrebt sind, ihre Sprachen von Fremdwörtern aller Art reinzuhalten (Sprachpurismus).
Die festlandskandinavischen Sprachen (d. h. die meisten dänischen, schwedischen und norwegischen Dialekte sowie die jeweiligen Hochsprachen) haben das altnordische Kasussystem (von genetivischem-s sowie einem Teil der Personalpronomen abgesehen) nicht bewahrt (vgl. isländischhundur, hunds, hundi, hund „ein Hund, eines Hundes, einem Hunde, einen Hund“). ImAltnordischen verlangten einige Präpositionen den Genitiv, andere den Dativ, weshalb diese Kasus in bestimmten festen Redewendungen immer noch vorkommen, etwa:gå til bords (Genitiv mit der Endung-s) „zu Tische gehen“ gegenübergå til stasjonen „zum Bahnhof gehen“,være/vere på tide (Dativ mit der Endung-e) „an der Zeit sein“ gegenübervære/vere på taket „auf dem Dach sein“.
Lebendige Dativformen kommen noch in den innernorwegischen Mundarten vor, etwabåten „das Boot“, Dativ Singularbåté, båta „dem Boot“, Pluralbåta(r)ne „die Boote“, Dativ Pluralbåtå(m) „den Booten“.
Das norwegische Suffix-s, das an jedes Substantiv angehängt werden kann (s. o.), geht historisch auf den Genitiv der a-Deklination zurück, wurde aber im Laufe der Sprachgeschichte verallgemeinert. Im Altnordischen hatten i- und u-Stämme, schwach deklinierte Wörter sowie Feminina niemals diese Endung (vgl. neuisländischhunds „eines Hundes“ – ggü.vallar „eines Feldes“ /afa „Großvaters“ /ömmu „Großmutters“, im Pluralvalla, afa, amma).
Schon im Altnordischen war-n am Wortende weggefallen, daher endet der Infinitiv im Norwegischen auf-e oder-a (vgl. neuhochdeutsch „-en“, althochdeutsch und gotisch „-an“). Auf dialektaler Ebene hat in Südwestnorwegen der Infinitiv die Endung-a (z. B.lesa „lesen“,finna „finden“), in Nordwestnorwegen-e (lese,finne); in Ostnorwegen gilt dann-a, wenn der Wortstamm im Altnordischen leicht war, und-e, wenn der Wortstamm im Altnordischen schwer war (z. B.lesa gegenüberfinne). Im Dialekt vonTrøndelag tritt Apokope auf, d. h. der Infinitiv kann ohne Endung auftreten (z. B.les,finn). DasNynorsk spiegelt diese Verhältnisse wider, indem der Infinitiv wahlweise sowohl auf-e als auch auf-a enden kann.
Die Verbendungen-ar und-er der schwachen Verben entsprechen den Endungen der 2. und 3. Person Singular im Altnordischen; vgl. alt- und neuisländischtalar, segir „[du] sprichst, sagst, [er] spricht, sagt“. DieNullendung der starken Verben imNynorsk, z. B. ohne Umlauthan bit „er beißt“ zu Inf.bite,han skyt „er schießt“ zu Inf.skyte, mit Umlauthan tek „er nimmt“ zu Inf.ta(ke),han kjem „er kommt“ zu Inf.kom(m)e, entspricht ebenfalls der ursprünglichen 2. und 3. Person Singular, vgl. altnorwegisch/altisländischhan bítr „er beißt“,han skytr „er schießt“,han tekr „er nimmt“,han kømr „er kommt“, denn viele Dialekte stoßen hier in lautgesetzlicher Übereinstimmung etwa mit dem Vorgang altnorwegisch/altisländischhestr > neunorwegischhest „Pferd“ die eigentliche Flexionsendung-r ab, und die entsprechenden Formen wurden deshalb auch in die Standardvarietät übernommen. Daneben gibt es allerdings Dialekte, wo die altnorwegische Endung-r als-er oder aber-e erhalten geblieben ist; dialektal gibt es somit neben standardisiertemhan bit, han skyt, han tek, han kjem auchhan bite(r), han skyte(r), han teke(r), han kjeme(r). Die umlautloseBokmål-Formkommer entspricht sowohl der dialektalen Lautung Südostnorwegens als auch der dänischen Form.
Heute gelten diese standardsprachlichen Formen Bokmålkommer = Nynorskkjem für alle Personen im Singular und Plural. In einigen innernorwegischen Mundarten gibt es jedoch immer noch eine Numerusbeugung, allerdings jeweils nur eine Form für Singular und Plural: Präsenseg/du/han/ho drikk <>vi/de/dei drikka, Präteritumeg/du/han/ho drakk <>vi/de/dei drukko – gleich dem älteren Schwedisch.
Ein Teil der norwegischen Mundarten kennt auch noch einen Konjunktiv im Präteritum, etwaeg vore odereg vøre, deutsch „ich wäre“.
Ursprünglich waren alle Verben im Infinitiv zwei- oder mehrsilbig; bei einigen Verben ist allerdings der stammschließende Konsonant und infolgedessen auch die Infinitivendung geschwunden: vgl. englischgive „geben“ gegenüberBokmålgi; im Präteritumgav (Nebenform:ga) „gab“ ist dasv aber (wie bei englischgave) erhalten geblieben.
Nynorsk kennt bei diesen Verben zumeist sowohl lange als auch kurze Formen, im genannten Fall also die Infinitivvariantengje undgjeve/gjeva „geben“, wobei in der Praxis die kurze Variantegje im Infinitiv, hingegen die von der Langform abgeleitete Variantegjev im Präsens bevorzugt wird. Im Präteritum gilt jedoch allein von der Langform hergeleitetesgav, im Partizip Perfekt stehengjeve undgitt wiederum nebeneinander. Ein ähnlicher Fall ist etwa Infinitivta (seltentake/taka) „nehmen“, Präsenstek odertar, Präteritum alleintok, Partizip Perfektteke odertatt. Etwas abweichend, indem auch im Präteritum die von der Kurzform hergeleitete Form stehen kann, geht beispielsweiseri „reiten“ mit Präsensrid oderrir, Präteritumreid oderrei, Partizip Perfektride oderridd/ridt.
Der Sprachcode nachISO 639 ist fürbokmålnb beziehungsweisenob (früherno) und fürnynorsknn beziehungsweisenno. Für die norwegische Sprache insgesamt gibt es die Codesno beziehungsweisenor.
Jan Terje Faarlund, Svein Lie, Kjell Ivar Vannebo:Norsk referansegrammatikk. Universitetsforlaget, Oslo 1997. (3. Auflage 2002,ISBN 82-00-22569-0) (Bokmål und Nynorsk).
Bokmålsordboka undNynorskordboka, hrsg. von der Avdeling for leksikografi ved Institutt for lingvistiske og nordiske studier (ILN) ved Universitetet i Oslo, in Zusammenarbeit mit dem Språkrådet, mehrere Auflagen; digital:Bokmålsordbok | Nynorskordboka.
Norsk Ordbok. Ordbok over det norske folkemålet og det nynorske skriftmålet. Bände 1–12, Oslo 1950/1965–2016.
Det Norske Akademis ordbok, ein seit 2002 erarbeitetes und 2017 online gestelltes digitales Wörterbuch; Vorgänger:Norsk Riksmålsordbok. 1937–1957 (vier Bände). Nachdruck 1983 (sechs Bände), Supplement 1995 (2 Bände).
K. Antonsen Vadøy, M. Hansen, L. B. Stechlicka:Thematisches Wörterbuch Neu-Norwegisch – Deutsch / Deutsch – Neu-Norwegisch. Ondefo-Deutschland 2009,ISBN 978-3-939703-49-5.
K. Antonsen Vadøy, M. Hansen, L. B. Stechlicka:Tematisk Ordbok Nynorsk – Tysk / Tysk – Nynorsk. Ondefo, Hagenow 2009,ISBN 978-3-939703-49-5.
Åse Birkenheier:Ivar Aasen – der Mann, der eine neue, alte Sprache schuf. In: dialog. Mitteilungen der Deutsch-Norwegischen Gesellschaft e. V., Bonn. Nr. 42, 32. Jahrgang 2013, S. 24–27.
Kari Uecker:Das Norwegische mit seinen vielen Varianten. Regionalsprachen und Dialekte gewinnen an Popularität. In: dialog. Mitteilungen der Deutsch-Norwegischen Gesellschaft e. V., Bonn. Nr. 42, 32. Jahrgang 2013, S. 57.
↑Koenraad De Smedt, Gunn Inger Lyse, Anje Müller Gjesdal, Gyri S. Losnegaard:The Norwegian Language in the Digital Age (= White Paper Series). Springer, Berlin / Heidelberg 2012,ISBN 978-3-642-31388-2,S.45,doi:10.1007/978-3-642-31389-9 (englisch,springer.com):“Norwegian is the common spoken and written language in Norway and is the native language of the vast majority of the Norwegian population (more than 90%) and has about 4,320,000 speakers at present.”
↑Vgl. Terje Torgilstveit:Norsk språk i seinmiddelalderen. Endringer, periodisering og årsaker til endringene (= Doktoravhandlinger ved Universitetet i Agder.Band406). 2023,S.4 (norwegisch,Academia.edu – mit englischsprachiger Zusammenfassung).