Nogaische Sprache
Nogaisch (ногай тили) | ||
---|---|---|
Gesprochen in | Russland | |
Sprecher | 87.000 (2010)[1] | |
Linguistische Klassifikation |
| |
Offizieller Status | ||
Amtssprache in | ![]() | |
Anerkannte Minderheiten-/ Regionalsprache in | ![]() | |
Sprachcodes | ||
ISO 639-1 | – | |
ISO 639-2 | nog | |
ISO 639-3 | nog |

Dienogaische Sprache (nogaischногай тили /noġaj tili/) ist einewesttürkische Sprache deraralo-kaspischen Gruppe innerhalb derTurksprachen. Kurzform istNogaisch.
Namensherkunft und alternative Bezeichnungen
[Bearbeiten |Quelltext bearbeiten]Die Sprachbezeichnung „Nogaisch“ leitet sich vonNogai Khan, einem EnkelDschingis Khans ab. Früher wurde Nogaisch fälschlich nur „Tatarisch“, „Schwarztatarisch“ oder auch „Nogai-Tatarisch“ genannt. ImDeutschen sind auch die Bezeichnungen „Noghaisch“ und „Nogaiisch“ gebräuchlich. In derTürkei ist hauptsächlich nur die Bezeichnung „Nogay Türkçesi“ (nogaisches Türkisch) verbreitet.
Verbreitungsgebiet
[Bearbeiten |Quelltext bearbeiten]Nogaisch wird heute von rund 70.000 Menschen im nordöstlichenKaukasus gesprochen. Vor allem inDagestan, nordwestlicherNogaiski rajon und in der Umgebung, in der RepublikTschetschenien sowie in derRegion Stawropol ist das Nogaische verbreitet. Ein weiterer, kleinerer Siedlungsschwerpunkt liegt im nördlichenKaratschai-Tscherkessien in dem ebenfallsNogaiski rajon genannten Kreis und in der Umgebung, sowie einige Gemeinden an der unterenWolga. Bei der letzten Volkszählung derUdSSR (1989) gaben noch 67.591 oder 89,9 % der 75.181Nogaier Nogaisch als Muttersprache an.
Klassifizierungen
[Bearbeiten |Quelltext bearbeiten]Nogaisch wird mitunter verschieden klassifiziert. So listet das „Fischer Lexikon Sprachen“ (1987) das Nogaische innerhalb der Turksprachen wie folgt auf:[3]
- Turksprachen
- Westlicher Zweig
- Bulgarische Gruppe
- Oghusische Gruppe
- Kiptschakische Gruppe
- Kyptschak-nogaiische Gruppe
- Nogaiisch
- Kyptschak-nogaiische Gruppe
- Westlicher Zweig
Dagegen wird Nogaisch im „Metzler Lexikon Sprache“ (2005) wie nachstehend klassifiziert:[4]
- Turksprachen
- Südwesttürkisch (Oghusisch)
- Osttürkisch (Karlukisch)
- Westtürkisch (Kiptschakisch)
- Uralisch (Kiptschak-Bulgarisch)
- Pontisch-Kaspisch (Kiptschak-Oghusisch)
- Aral-Kaspisch (Kiptschak-Nogaisch)
- Nogaisch
Die aktuelle Klassifikation kann im ArtikelTurksprachen eingesehen werden.
Dialekte und Alphabete
[Bearbeiten |Quelltext bearbeiten]Das Nogaische istdialektal stark gegliedert. Doch heute lassen sich drei große Gruppen ausmachen:
- Weiß-Nogaisch in Karatschai-Tscherkessien
- Zentral-Nogaisch vorwiegend in der Region Stawropol, Tschetschenien und Inguschetien und
- Schwarz-Nogaisch in Dagestan
Das Nogaische ist eng mit demKasachischen verwandt, besonders mit dessen westlichen Dialekt. Sprachlich steht die Sprache zwischen dem Kasachischen und demKumykischen, von der auch das Nogaische stark beeinflusst wurde. Die Nogaier sehen beispielsweise den kumykischen Chasawjurt-Dialekt als nogaischesIdiom an, da dieser einen Übergangsdialekt des Kumykischen in ihre eigene Sprache darstellt.
Bis in die späten 1920er Jahre war bei den NogaiernTschagataischSchriftsprache. Doch im 16. Jahrhundert gerieten die Nogaier unter dem Spracheinfluss desOsmanischen, derweil sie vom 17. bis zum 18. Jahrhundert unter starkem Einfluss desPersischen standen. All dieseDach- undKultursprachen war gemeinsam, dass sie mit einem modifiziertenarabischen Alphabet geschrieben wurden.
Eigenständige Schriftsprache ist Nogaisch erst seit 1928, als einturksprachiges Alphabet der lateinischen Schrift eingeführt wurde, eine Variante desJaꞑalif (ausführlicher auch „Neues turksprachiges Alphabet“ genannt, siehe nachfolgende Tabelle). DessenOrthografie wurde vomnogaischenAkademiker A. Dzhanibekov (der seinen Namen schließlich inCanibek türkisierte) vervollständigt. Diese Orthografieregeln wurden schließlich von allen anderen nichtslawischen Völkern der UdSSR übernommen. Doch bereits 1938 wurde die Schrift im Zuge des obligatorischenRussisch-Unterrichtes auf ein modifizierteskyrillisches Alphabet umgestellt.
Lateinisches Alphabet (1928—1938) (erste Version):
A a | B в | Ç ç | D d | E e | Ә ә | G g | Ƣ ƣ |
I i | K k | L l | M m | N n | Ꞑ ꞑ | O o | Ө ө |
P p | Q q | R r | S s | Ş ş | T t | U u | Y y |
J j | Ь ь | Z z | V v |
Modernes nogai alphabet::
А а | Аь аь | Б б | В в | Г г | Д д | Е е | Ё ё |
Ж ж | З з | И и | Й й | К к | Л л | М м | Н н |
Нъ нъ | О о | Оь оь | П п | Р р | С с | Т т | У у |
Уь уь | Ф ф | Х х | Ц ц | Ч ч | Ш ш | Щ щ | ъ |
Ы ы | ь | Э э | Ю ю | Я я |
Mit demZerfall der Sowjetunion wurde 1990 für eine kurze Zeit das arabische Alphabet für die nogaische Sprache eingeführt, und in den Jahren 1991 und 1992 experimentierten die Nogaier mit verschiedenen Lateinalphabeten, die sich jedoch nicht durchsetzen konnten. So wird das Nogaische bis heute mit einem kyrillischen Alphabet geschrieben. MilitantePanturkisten verwenden jedoch für die Gestaltung ihrerInternetseiten das moderne türkische Lateinalphabet.
Der Sprachcode ist NOG.
Literatur
[Bearbeiten |Quelltext bearbeiten]- Birsel Karakoç:Das finite Verbalsystem im Nogaischen (=Turcologica. Band 58). Harrassowitz, Wiesbaden 2005,ISBN 3-447-05023-3 (zugl. Dissertation, Universität, Mainz 2001).
- Helmut Glück (Hrsg.), unter Mitarbeit vonFriederike Schmöe:Metzler Lexikon Sprache. 3., neu bearbeitete Auflage. Metzler, Stuttgart/Weimar 2005,ISBN 3-476-02056-8.
- Heinz F. Wendt:Fischer Lexikon Sprachen. Fischer Verlag, Frankfurt/M. 1987,ISBN 3-596-24561-3.