Das niederländischeToponym Nijmegen lässt sich nach aller Wahrscheinlichkeit auf daslateinischeNoviomagus zurückführen und ist letztendlichkeltischen Ursprungs. Der zweite Teil geht zurück auf das keltische Wortmagos für „Feld“, „Ebene“ und der erste auf das keltische Adjektivnovios fürneu.[3] Die Endung wurde von-os zu-usromanisiert. Über die Jahrhunderte entwickelten sich unterschiedliche Schreibweisen wieNovimagus, Novomagus, Neomagus oderNoviomagi. In der ZeitKarls des Großen hieß der OrtNumaga, was sich im Laufe der Geschichte inNieumeghen oderNimmegen (siehe auch das deutscheNeumagen) veränderte. Letztere ist stets im deutschenExonymNimwegen erkennbar.
Nijmegen liegt 15 Kilometer südlich vonArnhem und ist ca. 14,5 km entfernt von den deutschen GemeindenKranenburg undKleve. Im Norden bildete dieWaal, die beiPannerden als einer der Flüsse desRhein-Maas-Deltas aus demRhein entsteht, bis in die 1990er-Jahre die Stadtgrenze. Seither ist dort der neunte und damit jüngste Stadtbezirk mit dem NamenWaalsprong (eigentlichNijmegen-Noord) angesiedelt.
Erst seit 1998 entspricht die Anzahl der Stadtbezirke der heutigen. Damals entstanden erstmals nördlich der Waal Wohnsiedlungen im heutigen Bezirk Nijmegen-Noord, der deswegen auchWaalsprong genannt wird. Der Stadtbezirk Dukenburg existiert seit 1965 und in Lindenholt begannen erste Bauarbeiten im Jahr 1977.
DieHansestadt Nijmegen bezeichnet sich als die älteste Stadt derNiederlande, obwohl auch einige andere niederländische Städte, darunter Maastricht, diesen Titel beanspruchen. Die Geschichte der Stadt geht bis in die Zeit desRömischen Reiches zurück; 2005 fand die 2000-Jahr-Feier statt, die Römer unterhielten hier seit 19 v. Chr. verschiedene Militärstützpunkte. Zuerst gründeten sie dasOppidum Batavorum, das vonTacitus erwähnt wurde und 69 n. Chr. vonJulius Civilis wieder zerstört wurde. Danach entstand zwischen 98 und 104 n. Chr. eine zivile Siedlung:Ulpia Noviomagus Batavorum.
Die militärischen Standorte wechselten: Von 19 v. Chr. bis 12/10 v. Chr. befand sich die Garnison auf demHunnerberg, von 12/10 v. Chr. bis 69 n. Chr. auf demKops Plateau und von 69 n. Chr. bis zur Mitte des zweiten Jahrhunderts wieder auf dem Hunnerberg. Vom Ende des vierten Jahrhunderts bis zum Anfang des fünften Jahrhunderts gab es noch einmal eine spätantike Befestigung im Bereich des späteren Pfalzhügels. Nach dem Abzug der Römer gingen um 410 auch deren administrativ-militärische Funktionen verloren. Zahlreiche Grabungsfunde im Stadtgebiet erweisen eine spätantik-frühmittelalterliche Siedlungskontinuität vom vierten bis zum siebten Jahrhundert.[6]
Die römischen Befestigungen gingen an dieMerowingerkönige und dann in die Hände der karolingischen Könige. Anfang des 7. Jahrhunderts ist eine merowingische Münzstätte nachgewiesen. Die Pfalzkirche aus dem ersten Viertel des 7. Jahrhunderts diente zugleich alsPfarrkirche. Nijmegen war eincastrum gegen die NachbarvölkerSachsen undFriesen.Karl der Große baute 777 auf den Mauern desKastells einePfalz, die aber erst nach seinem Tod fertiggestellt wurde.[7] Die zugehörige Ortschaft wurde alsvilla bezeichnet. Ludwig der Fromme hielt sich oft in der Pfalz auf.[6] Die Pfalz war Mittelpunkt eines ausgedehnten Königsgutsbezirkes(fiscus Niumaga) mit Reichsforst.[8] Um das Jahr 880 nahmen dieNormannen die Pfalz ein, die sie bei ihrem späteren Abzug niederbrannten.
Als Handelsniederlassung entstand Nijmegen wahrscheinlich vor dem Jahr 1000 zwischen der heutigen Grotestraat, Priemstraat und Nonnenstraat, westlich des Pfalzhügels in unmittelbarer Nähe zur Waal.[9] Während der ottonischen und salischen Zeit fanden königliche oder kaiserliche Hoftage im Ort statt.[10] Wohl um 1030 wurde in der Pfalz dieSt.-Nikolaus-Kapelle, einer der wenigen erhaltenen romanischen Zentralbauten errichtet. Es war ein Zentralbau nach dem Vorbild der Aachener karolingischen Pfalzkirche.[11]
Friedrich Barbarossa, Kaiser desHeiligen Römischen Reiches ließ die im Jahr 1047 von HerzogGottfried dem Bärtigen niedergebrannte Pfalz 1155 in eine ausgedehnteBurganlage, denValkhof, umbauen. Davon sind im 21. Jahrhundert jedoch nur zwei Kapellen erhalten. Seit Ende des 12. Jahrhunderts hatte Nijmegen eine königliche, seit 1247 eine gräfliche Münzstätte.[12] Mit der Burggrafschaft war ein umfangreicher Gerichtsbezirk im Umland verbunden, zu demUbbergen undGroesbeck gehörten.
UnterHeinrich VII. wurde Nijmegen 1230freie Reichsstadt. Kurz darauf, am 8. Oktober 1247, kam die Reichsstadt ingelderländische Hände. GrafOtto II. von Gelderland erhielt die Stadt als Pfand vom römisch-deutschen KönigWilhelm II. (der gleichzeitig Graf von Holland war). Weil das Lehen nicht ausgelöst werden konnte, blieb es fortan im Besitz der Herren von Geldern. Unter Otto II. begann 1250 auch der Bau derStevenskerk, einer Kirche, die auch heute noch die Silhouette von Nijmegen dominiert. Um 1300 wurde die Umwallung der Stadt anlegt (Fläche 29 ha).[12]
Blick auf den Fluss Waal und die Valkhof-Zitadelle, Gemälde vonJan van Goyen, 1641
Trotz derGroßen Pest 1345 stieg die Einwohnerzahl Nijmegens kontinuierlich. Nijmegen wurde 1402 Mitglied der Hanse. Es wurden Handelsbeziehungen nach England und in die Ostsee aufgebaut.
Mitte des 15. Jahrhunderts soll die Stadt über 10.000 Einwohner gehabt haben.[12] Die Errichtung und Renovierung zahlreicher Kirchen und Klöster lockte Handwerker und Künstler in die Stadt. In dieser Zeit wurde zur Unterstützung des Handels derNimweger Kran (Nijmegse Craen (Kraan), ein steinerner Haus- oder Tretradkran alsHafenkran) auf der Waalkade errichtet. Er diente auch als Wachunterkunft und wurde 1882 wegen Baufälligkeit abgerissen.[13] DieReformation fand zunächst freundliche Aufnahme. Nijmegen wurde der wichtigste von vier Hauptorten imHerzogtum Geldern. 1543 kam Nijmegen mit dem Rest des Geldernlandes durch denVertrag von Venlo inspanischen Besitz. PrinzMoritz eroberte die Stadt 1591. Zu Nijmegen wurde 1678 derFriede von Nimwegen zwischenFrankreich und derRepublik der Sieben Vereinigten Niederlande geschlossen. Unter Napoleon geriet Nijmegen unter französische Herrschaft, bis es imWiener Kongress 1815 definitiv zumKönigreich der Niederlande gelangte.
Im Jahr 1923 eröffnete in Nijmegen eine katholischeUniversität (Katholieke Universiteit Nijmegen, kurz KUN).
Nijmegen nach der Bombardierung von 1944
Am 22. Februar 1944, imZweiten Weltkrieg, verursachte einalliiertes Bombardement starke Zerstörungen in der Stadt: Nachdem eine Mission aufGotha (dort befand sich ein Werk derMesserschmitt AG) abgebrochen worden war, erlagen die zurückfliegenden Bomberbesatzungen auf der Suche nach einemSekundärziel vermutlich dem Irrtum, das deutscheKleve anzufliegen. Fast 800 Menschen starben, darunter alle Menschen in einem Schulgebäude.[14][15][16] Der Bombenopfer aus demZweiten Weltkrieg gedachte die Stadtverwaltung mit der Gestaltung von Infoplatten auf den Gehwegen der Innenstadt. Diese runden Edelstahl-Plaketten sind außen herum gekennzeichnet alsBrandgrens Bombardement 1944-02-22 und markieren frühere Gebäudestandorte oder nennen Personen, die genau an der Stelle umgekommen sind.[17]
Im September 1944 erlitt Nijmegen weitere Kriegsschäden während derSchlacht um Arnheim. Im nahe gelegenenKlever Reichswald und im Umfeld der heutigen Stadt fand zudem im Februar 1945 die sogenannteSchlacht im Reichswald statt. Nach dieser Schlacht konnten die Alliierten beiWesel einen Brückenkopf über denRhein schlagen und von dort aus dasRuhrgebiet einnehmen.
Die am 17. Oktober 1923 eröffnete Hochschule wurde 2004 inRadboud Universiteit Nijmegen umbenannt (kurz RU), um mit dem überregional bekannten UniversitätsklinikumRadboudumc auch namentlich eine Einheit zu bilden.
DieStadtbusse des VerkehrsunternehmensHermes verkehren unter dem NamenBreng. Außerdem wird Nijmegen mit Regionalbussen angefahren. DerÖPNV in Richtung Deutschland wird heute mit Bussen derNIAG (Linie SB 58 von Kleve) angeboten. Nijmegen liegt an derEuropastraße 31 nachPapendrecht (Südholland), nachGoch (Linker Niederrhein),Köln undHockenheim (Rhein-Neckar-Kreis). Am Südrand der Rheinniederung verläuft dieN325 vonArnhem über Nijmegen zur deutschen Grenze, wo sie durch dieBundesstraße 9 fortgesetzt wird.
Seit dem 19. Mai 2016 galt Nijmegen für zwei Jahre als die beste niederländische Fahrradstadt(Fietsstad 2016). Sie war 2017 mitArnhem auch Gastgeberin der internationalen Fahrrad-KonferenzVelo City.[19][20] Die Stadt ist an den FernradwegVia Romana angebunden, welcher von Xanten bis hierher verläuft.[21]
Der Fahrradverkehr in der Stadt weist einen hohen Anteil am Gesamtverkehr auf:[18]
37 Prozent aller Wege bis 7,5 km wurden 2017 mit dem Fahrrad zurückgelegt,
64 Prozent aller Pendlerstrecken bis 7,5 km erfolgen mit dem Fahrrad (eine Verdreifachung gegenüber 2013) und
65 Prozent aller Wege in die Innenstadt werden mit dem Fahrrad erledigt.
Dagegen hat der motorisierte Individualverkehr zwischen 2013 und 2017 um ein Drittel abgenommen.
Der Binnenhafen amMaas-Waal-Kanal, der von der Waal abzweigt, wird als Umschlaghafen für den Güterverkehr genutzt.Flusskreuzfahrtschiffe legen an derWaal nahe der Altstadt an.
Parteien, die zwar an der Wahl teilgenommen hatten, aber keinen Ratssitz erlangen konnten, werden nicht berücksichtigt.
b
Die Stadspartij De Nijmeegse Fractie entstand aus den Parteien Nijmegen Nu und Stadspartij Nijmegen und nahm erstmals 2010 an den Gemeinderatswahlen teil.
c
Im Jahr 2010 nahm die Partei unter dem Namen „Stadspartij Nijmegen NU!“ an den Wahlen teil.
d
Bis 2020 hieß die Partei „Stadspartij De Nijmeegse Fractie“ auf.
e
GewoonNijmegen.Nu ging zur Kommunalwahl 2022 aus der Fusion der Parteien Gewoon Nijmegen und Voor Nijmegen.NU hervor.
f
De Groenen gingen 2002 in die Stadspartij Nijmegen auf.
g
Radikaal Links war ein Zusammenschluss der ParteienPSP,PPR undCPN.
DasCollege van burgemeester en wethouders setzt sich in der Legislaturperiode 2022–2026 aus je zwei Beigeordneten aller Koalitionsparteien zusammen. Folgende Personen gehören zum Kollegium und sind in folgenden Bereichen zuständig[26]:
öffentliche Ordnung und Sicherheit, Dienstleistungen und Bürgerangelegenheiten, externe Beziehungen, Juristisches, Kommunikation, Forschung und Statistik
Hubert Bruls, Mitglied derCDA, ist Bürgermeister der Gemeinde, nachdem er das Amt am 21. Mai 2012 als Nachfolger vonThom de Graaf übernommen hat, welcher nach seinem Rücktritt kommissarisch von Wim Dijkstra vertreten wurde.[28] Er war bereits zwischen 1998 von 2002 in Nijmegen als Ratsmitglied und Beigeordneter in der Kommunalpolitik tätig und vertrat die CDA anschließend als Parlamentsmitglied in derZweiten Kammer. Ab 2005 hatte er als Bürgermeister der GemeindeVenlo amtiert, bis er schließlich vonClemens Cornielje, dem damaligenKommissar der Königin, zum Bürgermeister von Nijmegen ernannt wurde.
In der ältesten Stadt der Niederlande stellen sich die politisch Verantwortlichen drängenden Umweltfragen und sind in puncto Nachhaltigkeit überdurchschnittlich fortschrittlich. Sie führen fort, was als Studentenbewegung in den 1970er-Jahren begann. 2018 wurde die Stadt zur „Grünen Hauptstadt Europas“ ausgezeichnet.[29]
Museum Het Valkhof, modernes Museum mit römischen und anderen archäologischen Funden sowie alter und moderner Kunst (seit März 2023 temporär an dein Keizer-Karel-Plein ausgelagert, üblicherweise Kelfkensbos 59, am Ostrand der Innenstadt), bemerkenswerte Architektur vonUNStudio (Ben van Berkel undCaroline Bos)
muZIEum, Erfahrungsmuseum über Sehen und Nichtsehen, unter anderem mit „Dialoog in het donker“, wo Besucher erfahren können, wie es ist, nicht zu sehen
Der Nijmegenmarsch ist eine viertägigeMarschveranstaltung, die jährlich am 3. Dienstag im Juli in Nijmegen beginnt und zahlreiche Touristen anlockt. Laut eigner Beschreibung ist die Veranstaltung mit über 45.000 Teilnehmern aus mehr als 70 Nationen die weltweit Größte ihrer Art. Über vier Tage werden in der Veranstaltung durch Soldaten und zivile Teilnehmer täglich 30–50 km Strecke zurückgelegt. Der erste Marsch im Jahr 1909 entstand als militärischer Übungsmarsch. Um das Event herum findet dasVolksfest „Vierdaagsefeesten“ (Four Days Festival) statt. Im Jahr 2020 und 2021 fiel die Veranstaltung wegen derCOVID-19-Pandemie aus.[31][32]
Jos Seveke:Nimwegen. Bilder aus dem Leben der Kaiserstadt der Niederlande. Zur Schau ausgelegt und erörtert: Jos Seveke. Lichtbilder v. Louis Drent; „Foto Gelderland“. [Ins Deutsche übertragen v. Hans Grimmelt]. – Nimwegen; Utrecht: Dekker & van de Vegt, 1955, 102 S.
Friedrich Gorissen:Nimwegen, Niederrheinischer Städteatlas ; Reihe 2. Geldrische Städte ; H.1, Boss, Kleve 1956
↑Jahrbuch der Schiffbautechnischen Gesellschaft. Band 29, mit Aufzählung mehrerer Schiffswerften und Nennung von Schiffbauingenieuren in Nijmegen. Springer Verlag, 2013,ISBN 978-3-642-90166-9 (books.google.de); abgerufen am 15. März 2020.