| Wappen | Deutschlandkarte | |
|---|---|---|
| Basisdaten | ||
| Koordinaten: | 49° 33′ N,8° 8′ O49.5419444444448.1394444444444300Koordinaten:49° 33′ N,8° 8′ O | |
| Bundesland: | Rheinland-Pfalz | |
| Landkreis: | Bad Dürkheim | |
| Verbandsgemeinde: | Leiningerland | |
| Höhe: | 300 m ü. NHN | |
| Fläche: | 9,06 km² | |
| Einwohner: | 792 (31. Dez. 2024)[1] | |
| Bevölkerungsdichte: | 87 Einwohner je km² | |
| Postleitzahl: | 67271 | |
| Vorwahlen: | 06351, 06356, 06359 | |
| Kfz-Kennzeichen: | DÜW | |
| Gemeindeschlüssel: | 07 3 32 038 | |
| LOCODE: | DE NN4 | |
| Gemeindegliederung: | 2Ortsteile | |
| Adresse der Verbandsverwaltung: | Industriestraße 11 67269 Grünstadt | |
| Website: | www.neuleiningen.de | |
| Ortsbürgermeister: | Johannes Nippgen (WGF-M) | |
| Lage der Ortsgemeinde Neuleiningen im Landkreis Bad Dürkheim | ||

Neuleiningen ist eineOrtsgemeinde impfälzischenLandkreis Bad Dürkheim (Rheinland-Pfalz), die derVerbandsgemeinde Leiningerland angehört. Der Ort liegt 18 km nordwestlich vonLudwigshafen am Rhein am Rand der europäischenMetropolregion Rhein-Neckar und wird vor allem derBurg Neuleiningen wegen besucht.
Orographisch gruppiert sich Neuleiningen rund um die auf269,8 m Höhe gelegene Burg am Südhang desGrünstadter Bergs, eines336,7 m messendentertiären Kalkbergs, der gleichzeitig der südlichste und höchste eigenständige Berg desAlzeyer Hügellands ist. Die Steilhänge unmittelbar südlich des Kernorts zum tief eingeschnittenen (unter180 m)Eckbachtal sind jedoch ausBuntsandstein und damit noch dem Pfälzerwald zuzurechnen, dessen Erhebungen jenseits des Tals, amLeininger Sporn mit dem südlich gegenüberliegendenBattenberg, beginnen. Die geologische Grenze zieht sich mitten durch den Ort – die nördlich nur 200 m entfernte, etwas höher gelegeneA 6 liegt bereits ganz auf tertiären Gesteinen. Westlich des Ortes beziehungsweise des Grünstadter Bergs liegt dasEisenberger Becken mit der StadtEisenberg, das nach Süden und Westen vomStumpfwald, einem flachwelligeren Teil des Pfälzerwalds, eingerahmt wird.[2][3]
Nach Osten breitet sich die von flachenRebenhügeln desLeiningerlands durchzogene, 35 km breiteOberrheinische Tiefebene aus. Geologisch ist hier die Nahtstelle zwischen dem Pfälzerwald und dem tiefenGrabenbruch des Rheintals. Am Ostabhang des Sporns verläuft jeneBruchlinie, wo der einstige Boden desOberrheingrabens über 10 km in die Tiefe sank und mit jüngeren Sedimenten zur jetzigen Ebene aufgefüllt wurde. Einige dieser Lockergesteine kommen auch demWeinbau an den Hängen zugute.
Der WeilerNeuleiningen-Tal liegt südlich des Hauptorts im Tal desEckbachs auf183 m Höhe. Der WeilerNackterhof sowie der noch kleinere, gut 1 km weiter südwestlich gelegene WeilerNackterwäldchen liegen auf denLössdecken des bis328,6 m erreichendenKleinen Donnersbergs. Dieser ist ein südlicher Randberg des Eisenberger Beckens, dessen Südosthang zum Eckbach ebenfalls aus Buntsandstein besteht.
Der Ortsname leitet sich vomAdelsgeschlecht der Leininger ab, das vormals das Leiningerland regierte und dessen AngehörigerGraf Friedrich III. im 13. Jahrhundert die Burg errichtet hat. Um diese herum setzte schon bald die Entstehung und Entwicklung des Dorfes ein, indem sich Menschen bei der Festung ansiedelten. Burg und Dorf gehörten ursprünglich zur GemarkungSausenheim und wurden erst später davon getrennt. Sausenheim – einschließlich des Geländes des späteren Neuleiningen – war Teil desWeißenburger Klosterbesitzes und von dort lediglich alsLehen an die Leininger vergeben.
So dürfte dasBistum Worms an die hiesigen Eigentumsrechte gelangt sein, das laut Urkunde von 1308, Burg und Dorf Neuleiningen zu Lehen an die Grafen von Leiningen übertrug.[4] Der Bischof behielt sich hierbei jedoch eigenen Besitz in dem Dorf vor, benutzte selbst den südlichen Teil der Burg und hatte zudem eine großeAmtskellerei an dem strategisch günstigen Platz. Seit frühester Zeit versuchten die Leininger auch den bischöflichen Anteil des Ortes, besitz- oder pachtweise zu erwerben, was aber stets am Widerstand der Wormser Oberhirten scheiterte.
Um die Mitte des 14. Jahrhunderts erhielt Neuleiningen außerdem dasStadtrecht.[5]
ImPfälzischen Erbfolgekrieg wurde Neuleiningen 1690 eingeäschert, die Grafen verlegten ihren Regierungssitz ins naheGrünstadt. Nachdem die Hälfte des Leininger Ortsbesitzes bereits 1742 an dasHochstift Worms verpfändet worden war, verkaufte GrafCarl I. (1717–1787) den kompletten Leininger Anteil 1767 an den Wormser BischofJohann IX. Philipp von Walderdorff, wodurch das Hochstift Worms, bis zum Ende der Feudalzeit, alleiniger Eigentümer von Neuleiningen wurde.[6]
Von 1798 bis 1814, als diePfalz Teil derFranzösischen Republik (bis 1804) und anschließend Teil desNapoleonischen Kaiserreichs war, war Neuleiningen in denKanton Grünstadt eingegliedert und Sitz einer eigenenMairie. Während derZugehörigkeit zu Frankreich nach derFranzösischen Revolution verlor Neuleiningen den Rechtsstatus als Stadt.[5] 1815 wurde das Dorf nach demWiener KongressÖsterreich zugeschlagen. Bereits ein Jahr später wechselte es wie die gesamte Pfalz in dasKönigreich Bayern. Von 1818 bis 1862 gehörte der Ort demLandkommissariat Frankenthal an; aus diesem ging dasBezirksamt Frankenthal hervor.
Ab 1939 war die Gemeinde Bestandteil desLandkreises Frankenthal (Pfalz). Nach demZweiten Weltkrieg wurde der Ort innerhalb derfranzösischen Besatzungszone Teil des damals neu gebildeten Landes Rheinland-Pfalz. Im Zuge derersten rheinland-pfälzischen Verwaltungsreform wechselte der Ort in den neu geschaffenenLandkreis Bad Dürkheim. Drei Jahre später wurde Neuleiningen Bestandteil der ebenfalls neu geschaffenenVerbandsgemeinde Grünstadt-Land. 2018 erfolgte die Zuordnung zurVerbandsgemeinde Leiningerland.
DerGemeinderat in Neuleiningen besteht aus zwölf Ratsmitgliedern, die bei derKommunalwahl am 9. Juni 2024 in einerpersonalisierten Verhältniswahl gewählt wurden, und demehrenamtlichenOrtsbürgermeister als Vorsitzendem.
Sitzverteilung im Gemeinderat:
| Wahl | SPD | CDU | FWG | WGF-M | Gesamt |
|---|---|---|---|---|---|
| 2024 | 3 | – | 4 | 5 | 12 Sitze[7] |
| 2019 | 1 | 7 | 4 | – | 12 Sitze[8] |
| 2014 | 1 | 7 | 4 | – | 12 Sitze[9] |
| 2009 | 1 | 8 | 3 | – | 12 Sitze |
| 2004 | 1 | 9 | 2 | – | 12 Sitze |
Johannes Nippgen (Wählergruppe Freyland-Mahling) wurde am 5. Juli 2024 Ortsbürgermeister von Neuleiningen. Da bei derDirektwahl am 9. Juni 2024 kein Wahlvorschlag eingereicht wurde, oblag die Neuwahl des Bürgermeisters gemäß rheinland-pfälzischerGemeindeordnung dem Rat. Dieser entschied sich bei derkonstituierenden Gemeinderatssitzung am 5. Juli einstimmig für Nippgen.[10]
Nippgens Vorgänger Franz Adam (CDU) war nach 25 Jahren im Amt bei der Wahl 2024 nicht erneut angetreten.[10]
DasWappen der Gemeinde ist schrägrechts geteilt:Rechts unten in hellblauem Feld, von sechs goldenen Kreuzchen umgeben und rot bewehrt und bezungt, der nach rechts gewendete silberneleiningischeAdler, links oben in schwarzem Feld, von zehn goldenen Kreuzchen umgeben und mit dem Bart schräg nach rechts oben zeigend, der silberneSchlüssel (Schlüssel Petri) desBistums Worms.
Die Geschichte vieler Bauwerke reicht bis ins Mittelalter zurück.
DieBurg Neuleiningen und der Ortskern sind alsDenkmalzonen ausgewiesen. Erstere hat typologisch die französischen Burgen des sogenannten „Kastelltyps“ derÎle-de-France zum Vorbild. Sie wurde unter GrafFriedrich III. von Leiningen-Dagsburg in den 1240er Jahren erbaut und zählt damit zu den frühesten Kastellburgen auf deutschem Boden. Vom Aussichtsturm der Burg hat man eine hervorragende Sicht auf die Rheinebene im Osten sowie die Berge des Pfälzerwalds im Westen. Zu Füßen Neuleiningens liegenSausenheim undKleinkarlbach. Bei gutem Wetter sind auchLudwigshafen am Rhein,Mannheim, derOdenwald und sogar startende Flugzeuge auf demFrankfurter Flughafen zu erkennen.
ImOrtskern existieren mehrere gut erhalteneFachwerkhäuser aus dem 16. und 17. Jahrhundert, teilweise mitErker; sie prägen dort die engen Gassen, insbesondere die parallel verlaufenden Bebauungen der Ober-, Mittel- und Untergasse.
Nahe dem Ortseingang aus RichtungSausenheim befindet sich das sogenannteHeiligenhäuschen, eine mittelalterliche Friedhofskapelle. Direkt davor steht dasScharfrichterkreuz, gestiftet 1703, vom gräflich leiningischenScharfrichterServacius Westheim ausTiefenthal. 1996 fand man dort die Überreste einer Frau und setzte sie auf dem nahen Friedhof bei. In derDenkmaltopographie der Bundesrepublik Deutschland (Band 13) heißt es darüber: „Kapelle und Kreuz leisten…einen wesentlichen Beitrag für den malerischen Charakter des Ortsbildes.“
Die Stadtbefestigung mit ihren vier Türmen wurde im Anschluss an die Burg errichtet und entstammt ebenfalls noch dem 13. Jahrhundert. Sie wurde im 15. Jahrhundert erneuert und ausgebaut. Von den vormals dreiStadttoren ist nur noch das westliche aus der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts erhalten.
AlsPfarrhaus dient der ehemaligeWachenheimer Hof (1561, stark verändert), das Wohnhaus der ehemaligen Burgverwalter derHerren von Wachenheim. Der Komplex gehörte zurVorburg der Burg Neuleiningen.
Im Hanggelände westlich des OrtsteilsNeuleiningen-Tal befindet sich derhistorische Waschplatz von Neuleiningen. Er stammt aus dem 19. Jahrhundert und ist eine der wenigen erhaltenen Anlagen dieser Art.
Auf einer Anhöhe des Ortes befindet sich das Fluggelände der AbteilungModellflug desLuftfahrtvereins Grünstadt und Umgebung.
Der Weinbau ist vor demTourismus der Hauptwirtschaftszweig des Ortes. DieWeinberge liegen im Osten der Gemeinde an den Hängen zur Rheinebene hin. Die Hangneigung zur Morgensonne hat zwei Vorteile: Der Boden erwärmt sich früh nach der Abkühlung während der Nacht, und kältere Luftmassen können rasch in die Ebene abfließen, so dass es im Frühjahr nicht zu Frostschäden an den frischen Trieben kommt. Als solche gehören sie zumWeinanbaugebiet Pfalz. Vor Ort befinden sich die EinzellagenFeuermännchen (46,4 ha)[11],Schloßberg (11,9 ha)[12] undSonnenberg (53,1 ha)[13], die zurGroßlageHöllenpfad gehören.[14]
Der Weinbau in Neuleiningen hat Tradition. Im Ort gibt es mehrere Weingüter, deren Existenz bis ins 18. Jahrhundert zurückreicht. Sie bauen sowohlWeißweine (Riesling,Chardonnay,Weißer Burgunder,Müller-Thurgau) als auchRotweine (Spätburgunder,Dornfelder,Schwarzriesling,St. Laurent,Blauer Portugieser,Cabernet Sauvignon) an. Einige Weine reifen imBarriquefass. Kleinere Flächen werden auch mit neuenRebsorten bestockt. Im Herbst wird in den WeingüternNeuer Wein angeboten, zu WeihnachtenGlühwein aus eigener Produktion.
Das RestaurantAlte Pfarrey wurde vomGuide Michelin bis zur Schließung 2023 viele Jahre mit einem Michelin-Stern ausgezeichnet.[15] Die einstigeObermühle wurde bis 1873 betrieben, dieFelsenmühle wurde in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts zu einem Hotel umgebaut.
Ab 1903 besaß die Gemeinde in Form derBahnstrecke Grünstadt–Altleiningen Anschluss an das Eisenbahnnetz. DerHaltepunkt Neuleiningen-Kleinkarlbach war die gemeinsame Bahnstation mit Kleinkarlbach. Er war zunächst nicht mit Personal besetzt und wurde 1948 zur „Agentur“ heraufgestuft.[16] Der Personenverkehr endete 1967, der Güterverkehr Ende 2005.
Durch Neuleiningen verlaufen dieLandesstraße 453, die das Siedlungsgebiet anbindet und im Tal dieLandesstraße 517.
Der Ort liegt zwar abseits des Hauptverkehrsströme, doch am Hang nördlich führt dieAutobahn 6 vonMannheim nachSaarbrücken vorbei. Die nächste Anschlussstelle ist vier Kilometer entfernt inGrünstadt. Dort besteht zusätzlich Anbindung an dieBundesstraße 271 vonBad Dürkheim nachMonsheim und die parallel verlaufende Linie derPfälzischen Nordbahn.
Durch Neuleiningen verlaufen der 22 Kilometer langeLeininger Burgenweg, der vor Ort seinen Ausgangs- und Endpunkt hat und derEckbach-Mühlenwanderweg. Darüber hinaus ist die Gemeinde Ziel der ersten Etappe des PrädikatswanderwegsPfälzer Weinsteig. Zudem ist die Gemeinde nördlicher Ausgangspunkt eines Wanderwegs, dermit einem roten Balken gekennzeichnet ist und der eine Verbindung mitSiebeldingen schafft. EinWanderweg, der mit einem grün-roten Balken markiert ist, beginnt inKaiserslautern endet bereits in der NachbargemeindeKleinkarlbach.