Neuguinea liegt in der Nähe desÄquators, im Norden desaustralischen Kontinents, von dessen Festland es erst infolge des Anstiegs des Meeresspiegels nach der letzten Kaltzeit vor 8000 Jahren getrennt wurde (Torres-Straße). Im Westen stellt es das Bindeglied zuSüdostasien dar.
Gletscherreste auf dem Puncak Jaya, 2005
Die Insel befindet sich im Gebiet despazifischen Feuerrings, wo diepazifische und dieaustralische Lithosphärenplatte aufeinanderstoßen. Deshalb ist sie von einer Kette von großen Gebirgen durchzogen. Im Westen, dem indonesischen Teil der Insel, ragt dasMaokegebirge auf, dessen höchster Berg derPuncak Jaya (von Bergsteigern auchCarstensz-Pyramide genannt; 4884 m), und dessen zweithöchster derSumantri (4870 m) ist. Im östlichen, zu Papua-Neuguinea gehörenden Teil der Insel erhebt sich dasBismarckgebirge mit dem höchsten GipfelMount Wilhelm (4509 m). Dort findet sich noch eine Reihe von weiteren Gebirgen und eine Vielzahl an Vulkanen (z. B.Tavurvur,Giluwe,Lamington undVictory). Ursächlich dafür ist, dass im Norden und Osten vor der Insel im Pazifik und auf der Insel der Randbereich der pazifischen Platte in mehrere kleineMikroplatten mit jeweilstektonisch aktiven Plattenrändern zerbrochen ist.[1]
Auf dem Puncak Jaya gibt es heute nur noch winzigeGletscherreste. Noch 1972 gab es mehrere kleinere Gletscher, wie beispielsweise den NorthwallFirn, den Meren-Gletscher, den Carstensz-Gletscher und die Southwall Hanging-Gletscher. Es sind Reste eines noch 1936 vorhandenen großen, geschlossenen Gletschers. DieGletscherschmelze führte bereits im 20. Jahrhundert zum Verschwinden der Gletscher auf dem Trikora, dem 4800 m hohenPilimsit und dem 4760 m hohenMandala.[2]
In den großen Gebirgen entspringen die längsten Flüsse Neuguineas. Ausgehend vomMaokegebirge fließt derSepik in nordöstlicher Richtung und mündet in dieBismarcksee, während derFly nach Südosten fließt, wo er imGolf von Papua mündet. Im Südwesten mündet derDigul in dieArafurasee, im Nordwesten derMamberamo in den Pazifik und derWaipoga im Westen in dieCenderawasih-Bucht. Während der Regenzeit setzen die Flüsse monatelang große Flächen der nördlichen und südlichen Tiefländer unter Wasser.
Die im Südosten gelegene Hauptstadt Papua-NeuguineasPort Moresby hat offiziell etwa 250.000 Einwohner, die zweitgrößte StadtLae im Osten etwa 80.000 Einwohner. Dort beginnt derHighlands Highway, die Hauptfernverkehrsstraße der Insel, über die die Bewohner der Gebirgsregion mit importierten Waren versorgt werden. Die Hauptstadt der indonesischen Region Westpapua istJayapura mit etwa 200.000 Einwohnern. Weitere indonesische Städte sind beispielsweiseManokwari im Osten derVogelkop-Halbinsel undMerauke im Süden.
Neuguinea ist einetropische Insel und hat eine große ökologische Vielfalt. Viele hier heimische Tiere und Pflanzen kommen nirgendwo sonst auf der Welt vor (sogenannteEndemiten). Zoogeografisch gehört die Tierwelt Neuguineas zumAustralischen Faunenreich. Die Pflanzenwelt Neuguineas wird dagegen zurindomalaiischen Florenregion gerechnet (Indochina, Malaysia, Indonesien).
Etwa 12.000 wissenschaftlich beschriebenePflanzenarten sind auf Neuguinea heimisch, Schätzungen gehen von einer tatsächlichen Artenanzahl von etwa 20.000 aus. Unter den Pflanzenarten der Insel befinden sich etwa 2500Orchideen, 1500Flechten, 1200Baumarten – darunter 620Pandanus-Arten und 80GattungenEpiphyten. Typisch sind weiterhinKannenpflanzen,Ameisenbäume (epiphytische Halbsträucher der GattungMyrmecodia) undBaumfarne aus der Familie derDicksoniaceae. „Traditionelle“Nutzpflanzen sind Banane, Kokospalme, Süßkartoffel, Kohl und Ananas.
Durch die während der Eiszeiten bestehenden Landverbindungen zwischen Australien und Neuguinea gibt es viele Gemeinsamkeiten in der Wirbeltierfauna. So dominieren unter den in Neuguinea lebenden etwa 188 Säugetierarten dieBeuteltiere mit etwa 70 Arten, wieKletterbeutler undBaumkängurus. AuchFledermäuse sind mit etwa 70 Arten stark vertreten sowieNagetiere. In den unzugänglichen Urwäldern der Insel werden auch heute immer nochSäugetiere entdeckt.
Unter den 300 bis 400 Amphibien- und Reptilienarten gibt es 14 Schildkrötenarten, 190 Eidechsen, Skinke und Warane, und ca. 200 Schlangenarten. Bekannteste Vertreter der Herpetofauna sind derGrüne Baumpython oder derPapuapython sowie dasLeisten- und dasNeuguinea-Krokodil.Vipern sind auf Neuguinea nicht verbreitet.[3]
An den Küsten, in den Lagunen, Seen und Flüssen leben über 2700 Fischarten, davon über 350 Arten von Süßwasserfischen, von denen dieRegenbogenfische mit ungefähr 100 Arten undGrundeln charakteristisch sind. Gerade im westlichen Teil der Insel werden auch heute immer noch neue Arten entdeckt, da die Flüsse und viele Seen in Neuguinea nur wenig erforscht sind.
Die Wirbellosenfauna Neuguineas ist äußerst artenreich, aber noch wenig erforscht. Es sind erst 25.000 Insekten und Käfer, 300 Spinnen- und 959 Tagfalterarten bekannt. Auf Neuguinea lebt der größte Tagfalter der Erde, derKönigin-Alexandra-Vogelfalter mit einer Flügelspannweite von 25 cm.
Hunde wie derNeuguinea-Dingo wurden im Laufe der Zeit eingeschleppt, sind aber nicht näher mit dem australischen Dingo verwandt. Die heute etwa 1,5 Millionen Schweine (Sus scrofa papuensis) wurden im 16. Jahrhundert von europäischen Siedlern eingeführt.
Neuguinea verfügt über eines der größten zusammenhängenden, ursprünglichen Waldgebiete der Erde. Dennoch betreffen vor allem die fortschreitende Rodung der Wälder, die Gewinnung von Bodenschätzen und der illegale Tier- und Pflanzenhandel auch Neuguinea. Andererseits gibt es Gesetze und Hilfsprogramme, um eine weitere Verschärfung der Probleme zu unterbinden. In den letzten Jahrzehnten sind zahlreiche Naturreservate durch staatliche oder private Initiativen entstanden. In den meisten Fällen handelt es sich um Schutzgebiete, in denen die gesamte Fauna und Flora eines bestimmten Landschaftstyps geschützt wird. Die Naturreservate sind für die Forschung und den Tourismus zugänglich.
Die wichtigsten und interessantesten Naturparks Neuguineas sind:
Neuguinea wird von 1089 verschiedeneSprachen sprechendenindigenen Bevölkerungsgruppen bevölkert.
Bei vielen Völkergruppen ist die Körperbemalung verbreitet, die oft extreme Formen annimmt und auch der Abschreckung von Feinden dient. Ebenso gehörte, v. a. in der vorkolonialen Zeit, dieKopfjagd zur Kultur indigener,pflanzerischer Bevölkerungsgruppen wie denMarind-anim,Sawi,Asmat undIatmul.
Die Insel Neuguinea war vor 60.000 bis 50.000 Jahren, als sie erstmals von Menschen besiedelt wurde, der nördliche Teil vonSahul, einer zusammenhängenden Landmasse, die den gesamtenKontinent Australien umfasste. Die Menschen wanderten damals mit Hilfe kleiner Boote von Westen aus ein, denn die westlich von Neuguinea gelegenen heutigen Inseln waren zu dieser Zeit keine Inseln, sondern höher gelegene Teile der ebenfalls zusammenhängenden LandmasseSunda, die der südliche Teil des asiatischen Kontinents war.
Vor etwa 30.000 Jahren wurden das Hochland und einige Inseln besiedelt.
Seit etwa 10.000 Jahren wirdAckerbau betrieben. Damit gilt die Insel als eine eigenständige Wiege der Landwirtschaft. Der Nachweis von weiteren Zivilisationsgegenständen ist aber sehr schwierig, da organisches Material in dem Tropenklima schnell verfällt. Im Zuge des Abschmelzens der Gletscher am Ende der letzten Eiszeit vor etwa 6000 Jahren wurden weite Küstengebiete überflutet, was das Wissen über frühe Küstenkulturen stark einschränkt.
Vor ca. 7000 Jahren ist der Anbau vonZuckerrohr undBananen im Hochland nachgewiesen. Es wurden Überreste vonTaro-Wurzeln gefunden, die ebenfalls als landwirtschaftliche Hinterlassenschaften gedeutet werden, da sie im Hochland nicht natürlich vorkommen. Auch Entwässerungskanäle wurden entdeckt. Die Völker in Neuguinea hatten keine Handelsbeziehungen zu den anderen Teilen der Welt und zu denHochkulturen. Auf der Insel bildete sich eine starke Diversifizierung mit unzähligen kleinen voneinander isolierten Stämmen heraus, so dass es noch heute auf Neuguinea ungefähr800 Sprachen gibt.
Vor mehr als 2000 Jahren besiedelten Menschen deraustronesischen Sprachfamilie vorwiegend die Küstengebiete Neuguineas, da diese zurLapita-Kultur gehörenden Menschen hervorragende Seefahrer waren. Die Papua und Melanesier waren dunkelhäutig. Bei den Papuas und melanesischen Völkern war einsakralesHäuptlingstum vorherrschend. Auf Neuguinea war in den Religionen dieMagie weit verbreitet.[4] Aus der Zeit vor der Entdeckung durch die Europäer ist bekannt, dass es schwache Verbindungen zum östlichen Teil desmalaiischen Archipels gab.
Der PortugieseJorge de Meneses, der 1526/27 die Nordküste und vorgelagerte Inseln erkundete, gilt als europäischer Entdecker der Insel.
1545 landete der SpanierÍñigo Ortiz de Retez und nannte die Insel „Neuguinea“, weil ihn die Küste an die des afrikanischenGuinea erinnerte, an der er zuvor vorbeigesegelt war.
1623 kartographierteJan Carstenszoon im Auftrag derNiederländischen Ostindien-Kompanie große Teile der Küste. Ab diesem Zeitpunkt unterhielt die Niederländische Ostindien-Kompanie geschäftliche und machtpolitisch motivierte Kontakte zu der Region und dem SultanatTidore.
Historische Karte aus dem Jahr 1884Politische Karte der Insel von 1884 bis 1919: Niederländisch-Neuguinea(links), Kaiser-Wilhelms-Land(rechts oben) und Britisch-Neuguinea(rechts unten)
Die Kolonisierung Neuguineas zur Zeit desImperialismus erfolgte von drei Seiten: durch die Niederlande, durch Großbritannien und durch das Deutsche Reich. Die Annexionen, die kurz nacheinander stattfanden, führten zu einer Aufteilung Neuguineas in drei Einflusssphären, in deren Folgezeit sich unterschiedliche Entwicklungen ergaben.
1828 fand eine staatlich finanzierte Expedition desVereinigten Königreichs der Niederlande in die Südsee statt, in deren Folge die Niederländer die HalbinselVogelkop im Westen der Insel besetzten und eine Siedlerkolonie errichteten.
DieNeuguinea-Kompagnie erhielt am 17. Mai 1885 durch einenkaiserlichen Schutzbrief Hoheitsrechte in Kaiser-Wilhelms-Land und übernahm damit auch hoheitliche Aufgaben. Ab 1899 verwaltete das Deutsche Reich dann die Insel unter eigener Verwaltung, als Teil vonDeutsch-Neuguinea.
Der britische Teil wurde 1906 alsTerritorium Papua anAustralien abgetreten, aufgrund der Aufteilung des deutschen Kolonialreichs unter die Siegermächte desErsten Weltkriegs wurde der deutsche Teil 1919 alsTerritorium Neuguinea australischesVölkerbundsmandat. Die Entwicklung der beiden Gebiete verlief wegen der getrennt gehaltenen Verwaltung recht unterschiedlich. Beide Territorien wurden 1949 unter gemeinsamer australischer Verwaltung zumTerritorium Papua und Neuguinea zusammengelegt.
ImPazifikkrieg besetzte dieArmee desJapanischen Kaiserreichs von 1942 bis 1945 den Norden der Insel. DiePapua unterstützten dieAlliierten, indem sie Ausrüstung und verletzte Menschen quer durch Neuguinea transportierten. Die HauptstadtPort Moresby wurde zeitweise Hauptquartier des US-amerikanischen GeneralsDouglas MacArthur. Die Kämpfe zwischen Japanern und Alliierten dauerten drei Jahre und verliefen an einigen Orten sehr erbittert. An vielen Küstenorten liegen immer noch versunkene Kriegsschiffe aus jener Zeit. Bekannt geworden ist auch derKokoda Track, auf dem die japanische Armee nach Port Moresby marschierte.
Das 1949 unabhängig gewordene Indonesien erhob Anspruch auf den Westteil von Neuguinea, dieses blieb aber zunächst niederländisch.
Verabschiedung des niederländischen Gouverneurs Plateel, 3. Oktober 1962, zwei Tage vor der Übertragung an die UN
Ab 1957 begannen die Niederlande und Australien, Pläne für die Unabhängigkeit eines vereinigten Neuguinea in den 1970er Jahren zu entwickeln. 1961 wurde eine Versammlung in Westpapua (Westneuguinea) abgehalten und ein Parlament, derNieuw Guinea Raad, eingeführt. Indonesien marschierte daraufhin in den westlichen Teil der Insel ein und begann etwas später, die Papua aus den Gebieten zu vertreiben. Im nun so benanntenIrian Jaya sollten vor allemJavaner angesiedelt werden. Bis heute haben etwa 300.000 von ehemals 700.000 Papua dadurch ihr Leben verloren, während etwa 800.000 malaiische Indonesier nach Westpapua einwanderten. Grundlage dafür ist eine Politik, dieTransmigrasi genannt wird.
Die Nationalflagge von Westpapua wirdMorgenstern genannt und besteht aus einem weißen Stern auf rotem Grund mit blauen und weißen horizontalen Streifen, die vom Flaggenmast wegzeigen. Diese Flagge (Niederländisch: „Morgenster“) wurde 1961 von der niederländischen Regierung als Symbol und erster Schritt zur geplanten Selbstregierung der Papua-Bevölkerung eingeführt. Unter derSuharto-Regierung hatte das Hissen der Flagge Gefangenschaft,Folter oder sogar Tod zur Folge.
Britisch- und Deutsch-Neuguinea werden 1973 zu Papua-Neuguinea
Im Osten Neuguineas wurden 1972 Wahlen abgehalten, und die Bevölkerung stimmte für die Unabhängigkeit. Im Dezember 1973 wurdePapua-Neuguinea autonom und erhielt am 16. September 1975 die volle Souveränität.
Gillian Gillison, Fotos: David Gillison:Neuguinea: Ihre Toten leben in Australien. In:Geo-Magazin. Hamburg 1978,12, S. 62–82. „Zu den Gimi, einem Stamm der Papuas, nahmen Gillian und David Gillison ihre Tochter Samantha mit.“ Informativer Erlebnisbericht.ISSN0342-8311
Steffen Keulig:Alptraum Zivilisation – Zurück in die Steinzeit. Eine Reise zu den Waldmenschen Neuguineas. Meridian, Rostock 2002, überarbeitete Auflage 2015,ISBN 3-934121-04-7
↑P.B. Snetkov, N. L. Orlov:Phylogenetic Analysis of Old World Viperid Snakes (Serpentes, Viperidae) based on skeletal morphology. In:Russian Journal of Herpetology.Band24,Nr.1, 2017,S.22–34,doi:10.30906/1026-2296-2019-24-1-22-34.