Titelseite der Erstausgabe vom 12. Januar 1780Namensaktie über 1000 Schweizer Franken der AG für die Neue Zürcher Zeitung vom 16. März 1906
Salomon Gessner gab das Blatt erstmals am 12. Januar1780 unter dem NamenZürcher Zeitung heraus. Es ist damit die älteste heute noch erscheinende Zeitung der Schweiz. Das Blatt erschien zunächst jeweils am Mittwoch und am Samstag, ab 1843 an jedem Wochentag inklusive Sonntags. Von 1894 bis 1969 lieferte die NZZ täglich drei Ausgaben (morgens, mittags, abends) mit internationalen Nachrichten aus Politik und Finanzen.[2]
Die ersten vierRedaktoren, die die Zeitung damals als der Aufklärung verpflichtetes Nachrichtenblatt machten,[3] warenJohann Kaspar Riesbeck,Johann Michael Armbruster,Peter Philipp Wolf undFranz Xaver Bronner – vier deutsche Publizisten und politische Migranten.[4] Seit 1821 trägt sie den NamenNeue Zürcher Zeitung. Unter der Redaktion vonPaul Usteri trat sie als liberales Kampfblatt gegen die Zensur und den Sonderbund für den Bundesstaat ein. Nach dessen Gründung 1848 diente sie als Sprachrohr des «Systems Escher» des Zürcher Politikers und UnternehmersAlfred Escher.[3]
Aufgrund derDemokratischen Bewegung zerbrach 1867 im Kanton Zürich das «System Escher», die NZZ geriet in eine Krise. Zürcher Liberale gründeten deshalb 1868 eineAktiengesellschaft, die die NZZ bis heute herausgibt.[3] Deren Statuten schreiben vor, dass kein Aktionär mehr als 1 Prozent des Aktienkapitals halten darf und dass der Verwaltungsrat Bewerber ablehnen kann, die nicht derFDP (oder früher derLPS) angehören oder sonst ein «Bekenntnis zur freisinnig-demokratischen Grundhaltung» ablegen, ohne Mitglied einer anderen Partei zu sein.[5] Heute zählt die AG rund 3000 Aktionäre.[6]
Eine ambivalente Zeit erlebte die Zeitung, als sie vor den Zürcher Gemeinderatswahlen im Herbst 1933 ebenso wie der Zürcher Freisinn eine Listenverbindung derFrontisten mit den bürgerlichen Parteien guthiess, eine Solche in Schaffhausen gleichzeitig scharf verurteilte. Dies, obschon die Frontisten die NZZ ihrerseits als «Sprachrohr der französischen Regierung oder als freimaurerisch und jüdisch unterwandertes Organ» bezeichnet hatten. In der Stadt Zürich verfügte die SP damals über die absolute Mehrheit in Stadt- und Gemeinderat. Der HistorikerThomas Maissen zitiert, dass seitens der NZZ dabei ob derer patriotischen und antimarxistischen Bekenntnisse «die antiparlamentarische Grundhaltung der Fröntler vernachlässigt» worden sei.[7] Nach dessen schon zuvor ausgesprochenen Warnungen einer «nationalen Gefahr» und der Wahl vonWilly Bretscher zumChefredaktor im selben Herbst 1933 schlug die Zeitung einen klarantifaschistischen Kurs ein. Am 18. Juli 1934 wurde als Reaktion auf die Berichterstattung zumRöhm-Putsch der Vertrieb der Zeitung imDeutschen Reich verboten.[8] Chefredaktor Bretscher forderte noch 1940 nach derKapitulation Frankreichs, als der Bundesrat die «Anpassung an die neuen Verhältnisse» empfahl, «die Bereitschaft des Schweizervolkes zu jedem Opfer für die Erhaltung der Unabhängigkeit des Landes». In seinem Pult in der Redaktion lag eine geladene Pistole für den Fall, dass Nazi-Schergen eindringen sollten.[9]
ImKalten Krieg galt die NZZ als massgebliche Stimme mit einer dezidiert antikommunistischen Position.
International wurde die NZZ wegen ihres weiten Korrespondentennetzes als wichtigste Qualitätszeitung des neutralen Landes zwischen den Blöcken wahrgenommen, dank einer Fernausgabe seit 1937.[3] Der ehemalige deutsche BundeskanzlerHelmut Schmidt meinte deshalb, er lese lieber gleich die NZZ als die Berichte seines AuslandgeheimdienstesBND.[10] National war sie das Sprachrohr des Zürcher Freisinns, der auch imkonkordanten System ab 1959 den Führungsanspruch behauptete. Mehrere NZZ-Redaktoren sassen während oder nach ihrer Tätigkeit bei der Zeitung für die FDP im Nationalrat, so neben Chefredaktor Bretscher (1951–1967)Ernst Bieri (ab 1966 Zürcher Stadtrat),Kurt Müller undRichard Reich (ab 1971 Direktor desVororts).
Seit der68-er Bewegung geriet die NZZ als Stimme des kapitalistischen Establishments in die Kritik. Scharf äusserte sichMax Frisch, der in der Jugend rege für die NZZ geschrieben hatte, vor allem in seinemTagebuch 1966–1971:
«Ihr Kniff: die Inhaber als die Verantwortungsbewussten. Nicht nur in Wirtschaft und Industrie, auch in der Armee. Die Inhaber sind von der Arbeitskraft abhängig, aber nicht von deren Meinung; hingegen ist die Mehrheit abhängig von der Meinung der Inhaber: Das ergibt das Verantwortungsbewusstsein der Inhaber. Es spricht aus fast jedem NZZ-Artikel, oft zwischen den Zeilen. Man gibt sich in der mise-en-page so langweilig wie möglich, das wirkt seriös. Es überträgt sich auf die Leser; sie kommen sich seriös vor, schon wenn sie die NZZ in der Hand halten.»[11]
Nach 1989 verlor der Zürcher Freisinn und damit die NZZ die Führungsrolle, aufgrund des erzwungenen Rücktritts der Zürcher FDP-BundesrätinElisabeth Kopp und des dadurch ausgelöstenFichenskandals. Die Bindung der Zeitung zur Partei lockerte sich. Ab 1994 leitete erstmals ein Parteiloser die Inland-Redaktion.[12] Der führende FDP-PolitikerUlrich Bremi gab 1999 das Verwaltungsratspräsidium der AG für die Neue Zürcher Zeitung an den ehemaligen FDP-RegierungsratEric Honegger weiter. Der Bundesratssohn musste aber 2001 zurücktreten, weil dieSAirGroup, die er als Konzernchef und Verwaltungsratspräsident führte, in Turbulenzen geraten war. SeitKarin Keller-Sutter (2012–2016) sassen keine freisinnigen Politiker mehr im Verwaltungsrat.
Der Umbruch um die Jahrtausendwende traf die NZZ unvorbereitet. Sie druckte am 20. September 1999 das umfangreichste Blatt aller Zeiten, mit insgesamt 168 Seiten. Und für 2000 schrieb die NZZ-Gruppe einen Rekordumsatz von über einer halben Milliarde Franken und einen innert fünf Jahren auf 50 Millionen Franken verdoppelten Gewinn. Deshalb machte das Bonmot die Runde, die NZZ sei die einzige Bank der Schweiz, die sich eine Tageszeitung leiste. Der ehemalige Redaktor Friedemann Bartu stellt in seinem «kritischen Porträt» der NZZ fest:[13]
«Man sass auf einem Matterhorn von Cash und Finanzanlagen und auf entsprechend hohem Ross. Das galt selbst für die Redaktion, deren hochmütige Devise lautete: Wir schreiben etwas, wovon wir glauben, dass es Leser und Leserinnen interessiert. Sollte dies nicht der Fall sein, so ist das nicht unser, sondern deren Problem. Auch hinsichtlich Enthüllungsjournalismus gab man sich blasiert: Die NZZ sei so wichtig, dass, wenn es etwas Wichtiges zu berichten gäbe, sie das sowieso als Erste erfahre.»
Aufgrund der Wirtschaftskrise nach dem Platzen derDotcom-Blase und demSwissair-Grounding brach der Erlös von Inseraten und Annoncen innert zwei Jahren um 40 Millionen Franken ein. Die NZZ-Gruppe schrieb deshalb für 2002 einen rekordhohen Verlust von 50 Millionen Franken und musste Stellen abbauen. Von 2002 bis 2006 ging die Mitarbeiterzahl der NZZ-Gruppe von 2095 auf 1714 zurück, jene der NZZ, die sich im Namen des Primats der Publizistik gegen den Abbau wehrte, von 712 auf 548 Personen. Dabei wurde auch die Expansion des 1997 erfolgreich gestarteten Internet-Auftritts gestoppt und das Online-Team, das eigenständige Artikel verfassen konnte, mit der Nachrichtenredaktion verschmolzen.[14]
ChefredaktorHugo Bütler, der nie einen Computer in seinem Büro hatte,[15] trat 2006 zurück. Unter seinem jungen NachfolgerMarkus Spillmann, der von der 2002 gegründetenNZZ am Sonntag kam, vollzog die wegen ihres Konservatismus in Stil und Layout als «Alte Tante» belächelte Zeitung[16] einenRelaunch und stellte dasOnline-Angebot neu auf. Im Juni 2012 wurden Online- und Print-Redaktion vereinigt und dieWebsite unter «Neue Zürcher Zeitung» (nicht länger als «NZZ Online») neu lanciert. Nachrichten der Print-Redaktion wurden unmittelbar online gestellt; nach Einführung einerPaywall gingen die Seitenaufrufe zurück.[17]
Im Dezember 2014 trat Spillmann wegen Meinungsverschiedenheiten mit dem Verwaltungsrat als erster NZZ-Chefredaktor der jüngeren Geschichte unfreiwillig von seinem Posten zurück.[18][19] Der Verwaltungsrat plante,Markus Somm als Chefredaktor einzusetzen, löste damit aber Protest in der Redaktion und der Öffentlichkeit aus.[20][21][22] Befürchtet wurde ein «Rechtsputsch», da Somm sich als «StatthalterBlochers» sehe und, obwohl FDP-Mitglied, zur SVP neige.[23][24][25] Zuvor hatten dieHandelszeitung, derTages-Anzeiger und dieSchweiz am Wochenende berichtet, dass «zurzeit Personen Aktien erwerben, die SVP-Volkstribun Christoph Blocher nahe stehen», um «eineunfreundliche Übernahme herbeizuführen».[26][27][28] Blocher selbst bestritt diese Aussagen im Interview mit derZeitschriftpersönlich.[29]
Neuer Chefredaktor wurde AuslandchefEric Gujer, der seit 1986 vorwiegend als Korrespondent in Deutschland für die NZZ tätig war.[30][31] Danach kam es zu einigen Entlassungen und Umbesetzungen in der Redaktion. Verschiedene Zeitungen wie dieWOZ,[32]Die Zeit[33] und derTages-Anzeiger[34] sahen deshalb bei der NZZ unter Gujer eine «rechtskonservative» oder «rechte» Ausrichtung. Der Chefredaktor bestritt diese Einschätzung; er ordnete die Zeitung alsbürgerlich-liberal ein und beklagte einen «stark links-liberalen Hintergrund» vieler Journalisten.[35][36]
Ende Juni 2015 stellte die DruckereiNZZ Print inSchlieren den Betrieb ein. Die NZZ wird seither im Druckzentrum Zürich vonTamedia aufs Papier gebracht.[37]Per 1. Januar 2021 wurden die Ressorts Wirtschaft und International der NZZ und derNZZ am Sonntag zusammengeführt.[38]
Nach dem Scheitern vonNZZ Österreich, einer Online-Plattform, die von 2014 bis 2017 mit einer Redaktion in Wien «liberalen Qualitätsjournalismus» bieten wollte, baute die NZZ ihre Aktivitäten in Deutschland aus.
Im Hinblick auf die Bundestagswahl 2017 bot sie dann ein tägliches E-Paper samt Newsletter und einen wöchentlichen Kommentar von Chefredaktor Eric Gujer an.[39] Das wachsende Interesse, das sich 2018 mit einem Wachstum der Abonnentenzahl um 50 Prozent zeigte,[40] führte zu einem Ausbau des Angebots und damit des Büros Berlin. Die Abonnentenzahl stieg bis 2023 auf rund 50'000.[41] Die zehnköpfige Redaktion wird von ChefredaktorFlorian Eder geleitet; weitere Redaktoren sind unter anderemAlexander Kissler undOliver Maksan, von 2016 bis 2021 Chefredaktor der konservativen katholischen WochenzeitungTagespost.[42][43] In Deutschland wirbt dieNZZ mit dem Slogan „Der andere Blick“.[44]
Seit dem Markteintritt 2017 erregte dieNZZ Aufsehen. Gemäss ihrem Selbstverständnis sieht sie Deutschland mit einem bürgerlich-liberalen Blick und wahrt Distanz zum Berliner Politikbetrieb.[35][41] Der in Berlin lebende Schweizer PublizistFrank A. Meyer meinte dazu, der deutsche Medienmarkt sei eintönig geworden, da wirke dieNZZ wie früher dasWestfernsehen in der DDR, «weil jetzt Sachen gesagt werden, die jahrelang nicht gesagt wurden».[45][46][47] Vor allem Chefredaktor Eric Gujer wurde vorgeworfen, er fische im rechten Spektrum, indem er in seinen Kommentaren Positionen vertrete, die bei derAlternative für Deutschland (AfD) Anklang fänden.[48] Der MedienwissenschaftlerUwe Krüger stellte dazu fest, dieNZZ geriere sich in ihren Meinungsbeiträgen zwar rhetorisch nicht populistisch und distanziere sich immer wieder von der AfD und von der Rechten allgemein. Sie spiele aber bewusst mit Begrifflichkeiten, die dort anschlussfähig seien.[49]
Als der ehemalige Präsident des deutschen Bundesamts für VerfassungsschutzHans-Georg Maaßen im Juli 2019 die Zeitung in einem Tweet ebenfalls als «Westfernsehen» bezeichnete, bat die Redaktion, diesen Vergleich zu unterlassen.[50] Und sie wandte sich ebenso gegen einen Aufruf derAfD-PolitikerinBeatrix von Storch, sich bei derNZZ auf einVolontariat zu bewerben.[51][52]
Während in den letzten Jahren dieNZZ in der Schweiz immer wieder Stellen abbaute, wurde das Berliner Büro immer größer. Waren 2019 noch 5 Redaktoren beschäftigt, stieg die Zahl bis 2025 auf 11. Das Deutschland-Geschäft ist ab 2021 rentabel geworden und wird als zukünftigeCashcow angesehen. Gleichzeitig ist mit diesem Wachstum ein Schwenk derNZZ zur AfD zu beobachten. Ursache dafür könnten marktökonomische Gründe sein. So wurde ab dem Jahr 2024 in mehreren Artikeln des Berliner Büros zu einer Regierungsbeteiligung der AfD aufgerufen. Werbekampagnen derNZZ ähneln demMedienwissenschaftler und dem früheren Vorsitzenden derDeutschen Gesellschaft für Publizistik- und Kommunikationswissenschaft,Klaus Meier, zufolge jenen der AfD. Mit der Übernahme durch Eric Gujer als Chefredaktor habe Meier zufolge dieNZZ begonnen, Begriffe zu verwenden, die aus rechtspopulistischen bis rechtsextremen Kreisen stammen, und sie damit in den gesellschaftlichen Diskurs eingebracht. So spreche sich dieNZZ für die Umsetzung einer „Remigration“ aus und verwende den Begriff „Zwangsabgabe“ für Gebühren des öffentlich-rechtlichen Rundfunks. Die Arbeit derNZZ ordnet Klaus Meier zwischen „Ideologie, Aktivismus und Propaganda“ ein. In Artikeln werfe dieNZZ anderen Medien immer wieder vor, nicht neutral zu berichten. So würdenFaktenchecks anderer Medien, etwa derDPA, von „Ideologen“ durchgeführt. Dabei besuchen Journalisten derNZZ Faktencheck-Seminare der DPA, und selbst ein Artikel derNZZ mit der Überschrift „Wie Faktenchecker die Unwahrheit verbreiten und die Debatte vergiften“ musste nachträglich mehrmals korrigiert werden. Der SoziologeOliver Nachtwey befindet daher, dass dieNZZ sich in einemKulturkampf gegen alle Formen desLiberalismus befinde. Einer Einschätzung des emeritierten Geschichtsprofessors und langjährigen Hausautors derNZZ,Georg Kreis, zufolge müsse sich der Chefredaktor Gujer den Vorwurf gefallen lassen, vom konsequent liberalen Kurs der Zeitung abzuweichen. Die Forderung Gujers,Björn Höcke (AfD) solle inThüringen zum Ministerpräsidenten gewählt werden, kommentierte der frühereCEO derNZZ,Veit Dengler, so: „EinerNZZ, die ich kenne und liebe, ist das unwürdig. Der Verwaltungsrat und die Aktionäre sollten nach ihr schauen.“[53]
Der amerikanische Journalismus-Professor John Calhoun Merrill nannte die NZZ 1968 eine «europäische Institution».[54] In Medienratings der Schweizer Medien gelangt die NZZ in der Regel auf höchste Positionen, dies regelmässig im Wettstreit mit demEcho der Zeit von RadioSRF 1.[55][56]
Die Presseschaueurotopics änderte im April 2019 ihren Eintrag über die NZZ dahingehend, dass die Zeitung seit der Übernahme der Chefredaktion durchEric Gujer im Jahr 2015 «deutlich konservativer» geworden sei.[64] Davor hatte der HistorikerRudolf Walther im 2018 geschrieben, dass es ab 2015 zu einem «redaktionellen Rechtsruck» gekommen sei.[65] DasForschungszentrum Öffentlichkeit und Gesellschaft (FÖG) der Universität Zürich untersuchte von 2018 bis 2023 die Berichterstattung im Vorfeld vonVolksabstimmungen in der Schweiz. Auf der dabei verwendeten Skala stand die NZZ auf 17 von 100 Punkten «rechts der Mitte».[66]
Der HistorikerVolker Weiß schrieb 2025, dass die neue politische Weltlage dazu geführt habe, dass Medien wie die NZZ, «die bereits seit einiger Zeit an der Normalisierung derAfD mitgewirkt hatten, grundsätzlich abertransatlantisch ausgerichtet» seien, gegenüber einer prorussischen Linie «auf weite Distanz» gegangen seien. «In der Haltung zu Flucht, Migration und den Grünen» seien «ihre Positionen für das Rechtsaußen-Lager oft nahtlos anschlussfähig» gewesen, «bei einer Kritik der politischen Westorientierung» habe die Gemeinsamkeit jedoch geendet.[67]
Der Jurist und Medienethiker Luis Paulitsch zählte die NZZ 2025 zu den Mainstream-Medien, bei denen sich eine Tendenz erkennen lässt, dass sie «bestimmte Feindbilder oder Begriffe rechtsalternativer Medien übernehmen und sich ihnen – ob bewusst oder unbewusst – thematisch angleichen.»[68]
Die Berichterstattung der NZZ zumvom Menschen verursachten Klimawandel ist Gegenstand einiger Untersuchungen und wird medial diskutiert: Von 2009 bis 2014 lag die Anzahl der Artikel zum Klimawandel desTages-Anzeiger gleichauf mit der der NZZ. Zwischen 2014 und 2017 sank dann der Anteil «der in der NZZ zum Thema Klimawandel publizierten Artikel deutlich unter de[n] des Tages-Anzeigers».[57] Gemäss desForschungszentrums Öffentlichkeit und Gesellschaft (FÖG) derUniversität Zürich war 2017 die Tonalität der Berichterstattung der NZZ zumEnergiegesetz ablehnend, wenn auch weniger stark als bei derWeltwoche und derBasler Zeitung.[69] In der NZZ seien um 2011 in einer Reihe zu Energien der Zukunft die Windenergie immer wieder schlecht gemacht worden und der Klimawandel ignoriert worden, so Christina Marchand.[70] Bezüglich desCO₂-Gesetzes 2021 berichtete die NZZ neutral.[71] 2023 berichtete die NZZ laut FÖG bzgl. desKlimagesetz leicht positiv.[72] Ein Artikel des MagazinsRepublik verlautbarte, dass die NZZ auch wegen einiger Artikel zu Klimafragen «starke rechte Schlagseite erhalten» habe.[73]
Im Abstimmungsmonitor von 2003 wird folgende Tendenz festgestellt: Während beim CO₂-Gesetz 2001 noch stärker das Problem (Klimawandel) thematisiert und damit die Dringlichkeit betont wurde, liegt nun der Fokus stärker auf der Umsetzung mit dem Klimagesetz. Damit verbunden, richtet sich die Aufmerksamkeit auf Energie- statt Umweltfragen; es geht vor allem um fossile vs. erneuerbare Energien statt beispielsweise um schmelzende Gletscher. Laut Abstimmungsmonitor verbindet die nzz.ch die Kostenfrage mit einer Kritik an den geplanten «schädlichen Subventionen» und bettet sie ein in eine Kritik, wonach «Klima-Kommunisten» nicht nur nach einem Umbau im Energiebereich strebten, sondern nach einem (linken) Umbau der Gesellschaft.[74][75]
Der Schweizer Presserat hat einen NZZ-Artikel vom 9. Oktober 2023 mit dem Titel «Das Schweizer Fernsehen schürt seit 35 Jahren Klimapanik – oft wider die Wissenschaft und gerne auch vor den Wahlen» gerügt. Die Rüge bezog sich insbesondere auf den Satz «Die Wissenschaft sieht noch heute keine Trends zu mehr Extremereignissen». Der Presserat kam zu dem Schluss, dass dieser Satz wichtige Informationen unterschlägt und damit gegen den Journalistenkodex verstößt. Dabei wurde betont, dass Journalisten zwar einen allgemein anerkannten Forschungsstand kritisch hinterfragen dürfen, aber wenn sie diesem widersprechen, sollten sie Belege liefern oder zumindest darauf hinweisen, dass es sich um eine Minderheitenposition handelt. Die Rüge wurde am 30. Dezember 2024 veröffentlicht.[76]
Zentrale der NZZ-Gruppe in der Falkenstrasse 11 in Zürich
Die NZZ erscheint im üblichen SchweizerZeitungsformat, das in Deutschland gelegentlich auch als «Format NZZ» bezeichnet wird. Die NZZ selbst hat diese Bezeichnung aufgenommen und bestreitet ein wöchentliches Fernseh-Magazin unter dem TitelNZZ Format.
Nach der Layout-Revision von 2009 gliederte sich die NZZ nur noch in dreiBünde. Am 21. August 2015 erschien die NZZ in einem wiederum in Zusammenarbeit mitMeiré und Meiré entwickelten neuen Layout. Die Zeitung gliedert sich seither wieder in vier Bünde mit einem fünften am Freitag. Der Inlandteil befindet sich damit neu am Beginn eines Bundes (des zweiten). Der Sport ist statt am Ende des zweiten Bundes (Wirtschaft) am Ende des vierten (Feuilleton) zu finden. Der zusätzliche fünfte Bund am Freitag (Wochenende) enthält einen Schwerpunkt als Auftakt, dazu die Spezialressorts «Forschung und Technik», «Reisen» und «Mobil/Digital» sowie grosse Reportagen, Porträts und Gesellschaftsthemen.
Bis zum 6. Dezember 1869 erschien die NZZ einmal, danach zweimal, vom 3. Januar 1894 an dreimal täglich. Am 29. September 1969 kehrte man wieder zu zwei Ausgaben zurück. Seit dem 30. September 1974 erscheint nur noch eine Tagesausgabe. Als ergänzenden Beinamen erhielt die NZZ am 1. Januar 1879 die Bezeichnung «und schweizerisches Handelsblatt».
Zuerst, ab 12. Januar 1780, hiess der ZeitungskopfZürcher Zeitung, ab 1. Januar 1799Züricher Zeitung, ab 1. Januar 1802 wiederZürcher Zeitung, ab 1. Februar 1809Zürcher-Zeitung, ab 2. Juli 1821Neue Zürcher-Zeitung und seit 1. Januar 1898Neue Zürcher Zeitung.
Die NZZ wendet dieneue Rechtschreibung nicht vollständig an. So wird etwaGreuel anstelle vonGräuel undsich in acht nehmen anstelle vonsich in Acht nehmen verwendet. Einen Leitfaden dazu bietet das von «NZZ Libro» verlegteNZZ-Vademecum.[78][79]
Ab 1893 führte die Zeitung einePartie- undProblemschach-Rubrik, die 2016, nach über 120 Jahren, eingestellt wurde.[80]
Im Jahre 2005 digitalisierte die NZZ den Mikrofilm der bisherigen Ausgaben seit 1780, insgesamt ca. zwei Millionen Seiten, was Dateien im Umfang von 70 Terabyte erzeugte.[81][82] In den Jahren 2021/22 wurden die gedruckten Originalausgaben der Jahre 1780 bis inklusive 1996 gescannt, mit verbesserter Texterkennung (OCR) bearbeitet und auf dem Portale-newspaperarchives.ch online gestellt. Für den Zugriff gilt eine retrospektive Sperrfrist von 25 Jahren.
Die NZZ hat Stand 2023 eineWEMF-beglaubigte Gesamtauflage von 82'438verkauften bzw. 89'766verbreiteten Exemplaren pro Tag[83] und eineReichweite von 223'000 (Vorjahr 210'000) Lesern.[84] Ihre internationale AusgabeNZZ International ist ein zumeist etwa 40 Seiten umfassendes, werktäglich erscheinendes Zeitungsformat. Die Ausgabe ist speziell für Leser aus dem deutschsprachigen Ausland konzipiert, weshalb sie einen verminderten Anteil an Schweizer Meldungen und einen entsprechend stärkeren Fokus auf internationale Politik hat.
Wie fast alle gedruckten Tageszeitungen büsste die NZZ aufgrund der Digitalisierung stark an Auflage ein. Die verkaufte Printauflage fiel in den 10 Jahren von 2013 bis 2023 von 114'154 auf 82'438 Exemplare. Das entsprach einem durchschnittlichen Rückgang von 3,2 % pro Jahr. In den letzten Jahren konnte das Printgeschäft stabilisiert und das digitale Angebot stark ausgebaut werden. Die NZZ verzeichnete Ende 2023 60 Prozent rein digitale Abonnenten und nur noch 20 Prozent reine Print-Nutzer.[41]
Entwicklung der verkauften Auflage nach WEMF-Auflagebulletins (s. Details 2008[85] und 2023[86])
↑abcdThomas Maissen: Neue Zürcher Zeitung (NZZ). Historisches Lexikon der Schweiz, 10. April 2015, abgerufen am 21. Januar 2024.
↑aus:«Gemeinsame Wurzeln, gemeinsame Grundsätze», NZZ-Newsletter vom 9. August 2022. Original-Wortlaut: «Wussten Sie, dass die ersten vier Redaktoren, die vor über 241 Jahren die damalige ‹Zürcher Zeitung› machten, Johann Kaspar Riesbeck, Johann Michael Armbruster, Peter Philipp Wolf und Franz Xaver Bronner waren – vier deutsche Publizisten, politische Migranten, wissensdurstige Abenteurer, die durch wichtige Grundsätze vereint wurden.»
↑Matthias Daum, Caspar Shaller:"Neue Zürcher Zeitung": Und immer an die Leser denken. In:Die Zeit. 16. Dezember 2017,ISSN0044-2070 (zeit.de [abgerufen am 31. März 2024]).
↑Dominique Eigenmann, Philipp Loser: Nach Deutschland, nach rechts. Tages-Anzeiger, 11. März 2017, abgerufen am 31. März 2024.
↑abCharlotte Theile, Claudia Tieschky: Nordgelüste. Süddeutsche Zeitung, 26. Juni 2017, abgerufen am 31. März 2024.
↑abMarlene Kammerer, Fadri Crameri, Karin Ingold:Das Klima und die EU: Eine Diskursperspektive auf die deutsche und schweizerische Klimapolitik. In:The European Social Model under Pressure: Liber Amicorum in Honour of Klaus Armingeon. Springer Fachmedien, Wiesbaden 2020,ISBN 978-3-658-27043-8,S.609,doi:10.1007/978-3-658-27043-8_34.
↑Carlo Mötteli:Schatten auf der sozialen Marktwirtschaft. 1971 (stiftung-utz.de [PDF]).
↑Bernhard Walpen:Die offenen Feinde und ihre Gesellschaft: eine hegemonietheoretische Studie zur Mont Pèlerin Society (= Schriften zur Geschichte und Kritik der politischen Ökonomie). VSA-Verl, Hamburg 2004,ISBN 3-89965-097-2 (vsa-verlag.de [PDF]).
↑Christina Marchand: Die NZZ auf Weltwoche- und BaZ-Niveau. In: Journal21.ch. Journal21.ch ist ein im Handelsregister des Kantons Zürich eingetragener Verein (CHE-169.338.194), 11. Juni 2017, abgerufen am 29. Juli 2024.