Gegründet als Zufluchtsort vonHugenotten, wurde Neu-Isenburg ab 1900 immer stärker von Industrie geprägt. Heute ist sie vor allem Standort von Dienstleistungsunternehmen und Wohnstadt fürPendler nach Frankfurt. Regional bekannt ist die Stadt durch dasEinkaufszentrum „Isenburg-Zentrum“ (IZ), die Hugenottenhalle, die Stadtbibliothek, dasAutokino in Gravenbruch und das Waldschwimmbad.
Neu-Isenburg besteht aus der altenKernstadt, dem eingemeindeten StadtteilZeppelinheim und der in den 1960er Jahren errichteten Satellitenstadt, dem StadtteilGravenbruch. Die Bebauung der Stadtteile ist durch Wald getrennt.
Alle drei Stadtteile befinden sich in einem relativ flachen, geschlossenen Waldgebiet. Während das Gebiet der Kernstadt bereits seit Jahrhunderten überwiegend waldfrei und mit Weideflächen oder Gärten bedeckt war, sind Zeppelinheim und Gravenbruch aufRodungsinseln errichtet. Der verbliebene Wald auf Isenburger Stadtgebiet ist wegen der hohen Bevölkerungsdichte desRhein-Main-Gebietes alsBannwald ausgeschrieben und darf nicht für weitere Besiedlung gerodet werden. Da ab den 1990er Jahren die meisten verbliebenen Wiesen- und Gartenflächen bebaut wurden, scheint das rapide Wachstum der Stadt nun vorerst an ein Ende gekommen zu sein.
Neu-Isenburg wurde am 24. Juli 1699 alsExulantenstadt vonHugenotten gegründet, französischen Protestanten, die nach der Aufhebung desToleranzedikts von Nantes ausFrankreich hatten fliehen müssen. Ihr neuer Landesherr, GrafJohann Philipp von Isenburg-Offenbach sicherte ihnen Schutz, freien Gebrauch derfranzösischen Sprache undReligionsfreiheit zu. Er gestattete ihnen, sich imDreieichwald anzusiedeln, dort wo im Mittelalter dieWallfahrtskapelleZum Heiligen Kreuz stand. Zum Dank an den Grafen wurde die Stadt nach ihmNeu-Isenburg benannt. Der Grundriss des Ortes wurde von Andreas Loeber entworfen. Die Stadt hatte einen quadratischen Grundriss. Von den Ecken führen diagonale Straßen zum Marktplatz. Zusätzlich sind die Mitten der Außenseiten durch Straßen mit dem quadratischen Marktplatz verbunden, deren Schnittpunkt als quadratischer Platz ausgebildet ist. Der Grundriss nimmt so die Formen desgriechischen undAndreaskreuzes als Schutzzeichen auf.[5] Neu-Isenburg war eine derPlanstädte des 17. und 18. Jahrhunderts. Die Siedler waren zunächst als Bauern tätig, besannen sich aber sehr bald auf ihre ursprünglich erlernten Handwerksberufe, etwa den desStrumpfwirkers, und legten so den Grundstein für die wirtschaftliche Entwicklung Neu-Isenburgs. Die umliegenden Gemeinden beäugten die französischen Siedler mit großem Misstrauen und nannten den Ort „welsches Dorf“. Einen Hinweis darauf gibt derWelsche Weg imFrankfurter Stadtwald. Diese Waldschneise führt vonFrankfurt-Sachsenhausen zum nördlichen Stadtrand Neu-Isenburgs.[6]
Haus zum LöwenAltes Rathaus 1702–1876
Am 20. Mai 1700 hielt Pfarrer Isaac Bermond unter einer alten Eiche auf der Mitte des Kirchplatzes den ersten Gottesdienst. Um 1701 erfolgte der Bau des Forsthauses (heute: GaststätteFrankfurter Haus) durch die Stadt Frankfurt am Main an der Stadtgrenze zu Neu-Isenburg. Eine ersteFranzösisch-Reformierte Kirche aus Holz wurde von 1702 bis 1706 errichtet. Die Grundsteinlegung erfolgte am Himmelfahrtstag 1702 auf einem dreieckigen Platz im Rahmen der strengen Grundstückaufteilung des Siedlungsquadrats.[5] Ebenfalls 1702 wurde das Rathaus am Marktplatz errichtet. Im selben Jahr wurde dasHaus zum Löwen erstmals erwähnt, das bis 1918 als GaststätteAu Lion d’Or (Zum goldenen Löwen) genutzt wurde und das heute als Heimatmuseum dient. Es folgten 1704 die erste Schule und 1705 die Bansamühle. Die Holzkirche wurde in den Jahren von 1773 bis 1775 durch einen Steinbau ersetzt. 1781 wurde die erste deutschsprachige Schule errichtet.
Trotz der erheblichen Vorbehalte zogen ab dem 18. Jahrhundert auch deutsche Familien in die Stadt, was dazu führte, dass in der Kirche ab 1761 abwechselnd auf Deutsch und Französisch gepredigt wurde, sehr zum Widerwillen der französischen Bevölkerung. Schließlich wurde 1829 Deutsch als offizielle Amtssprache festgelegt.
Französische Schule von 1704Das 1960 eröffneteAutokino Gravenbruch war das erste Autokino in Deutschland.
1885 wurde dieFrankfurter Waldbahn nach Frankfurt eröffnet (heute Straßenbahnlinie 17 derVerkehrsgesellschaft Frankfurt VgF). Die Straßenbahn war früher mit privat betriebenenPferdeomnibussen oder fußläufig bzw. mit dem Fahrrad erreichbar. In den 1950er Jahren gab es eineBahnbusverbindung zu dem ganz im Westen gelegenen Bahnhof. Seit 1962 wurden Busverbindungen zwischen dem Bahnhof und der Straßenbahnhaltestelle sowie von dort zur Siedlung Buchenbusch aufgebaut, seit 1973 auch nach Gravenbruch, seit 1977 nach Zeppelinheim.[12]
Am 4. Februar 1889 wurden Neu-Isenburg dieStadtrechte verliehen. 1899 erhielt Neu-Isenburg anlässlich des 200-jährigen Bestehens seinStadtwappen.[13]
Im April 1896 nahm mit derHöheren Bürgerschule (heute: Goetheschule) die erste weiterführende Schule in Neu-Isenburg ihren Betrieb auf.
Der Aufbau der modernen Infrastruktur begann im Jahr 1898, als das erste Wasserwerk und das Elektrizitätswerk in Betrieb genommen wurden. Der Gemeinderat entschied sich seinerzeit gegen Gas und für die Elektrizität als Energieträger. Gas wurde erst ab 1913 vorwiegend zum Kochen verfügbar; Erdgas zur Wärmegewinnung wird seit 1970 genutzt.[12]
In den 1920er-Jahren wurdenantisemitische Einstellungen in Polizeiakten erkennbar.[14] Bei derReichstagswahl am 5. März 1933 wählten 40,8 % der Neu-Isenburger dieNSDAP.[15] Auch in Neu-Isenburg kam es zu nationalsozialistischen Aufmärschen und „Fahnenappellen“.[16] Oppositionelle wurden verfolgt.
Nach einem Fackelzug, an dem 3.500 Menschen teilnahmen, fand am Abend des 24. Juni 1933 im Rahmen einerSonnenwendfeier auf dem Wilhelmsplatz eineBücherverbrennung statt, bei der Bücher der von den Nazis geächteten und verfolgten Autorinnen und Autoren verbrannt wurden. Daran erinnert heute eine Gedenktafel an der alten Feuerwache.[17]
Das vonBertha Pappenheim 1907 gegründeteHeim Neu-Isenburg wurde in derReichspogromnacht 1938 durch Brandstiftung teilweise zerstört. Am 31. März 1942 wurde es aufgelöst. Die Kinder, die jungen Mütter und die Pflegerinnen wurden deportiert und ermordet oder „an ihre Heimatorte überstellt“.[18] 1935 wurde eine sogenannte „Judenliste“ zusammengestellt und veröffentlicht.[19] Viele jüdische Schicksale sind durch amtliche Akten und sonstige Zeugnisse dokumentiert, die aus dieser Zeit erhalten geblieben sind.
Während des Zweiten Weltkriegs entstanden in den Jahren von 1943 bis 1945 schwere Schäden durch Luftangriffe. Nach Kriegsende musste 1945 ein ausgedehnter Bezirk im Westen der Stadt für die US-amerikanische Besatzungsmacht geräumt werden.
1959 war Baubeginn der WohnstadtGravenbruch, nachdem der dortige Wald gerodet wurde. Fast 7.000 Menschen fanden in derSatellitenstadt, östlich zwischen der „Kernstadt“ undHeusenstamm im Wald gelegen, eine neue Heimat. In den 1960er-Jahren galt Gravenbruch als die „kinderreichste Gemeinde Europas“.[20]
Im Zuge derGebietsreform in Hessen wurde die GemeindeZeppelinheim am 1. Januar 1977 kraft Gesetzes in die Stadt Neu-Isenburg eingegliedert, beschränkt auf den Teil derGemarkung, der östlich derBundesautobahn 5 liegt.[21] Die westlich davon gelegenen Gemarkungsteile gehören zum Flughafengelände und wurden in die Stadt Frankfurt eingegliedert.
Für die Stadtteile Zeppelinheim und Gravenbruch wurdenOrtsbezirke mitOrtsbeirat undOrtsvorsteher eingerichtet. Der Ortsbezirk Zeppelinheim besteht aus dem nach Neu-Isenburg eingegliederten Gemarkungsgebiet der ehemaligen Gemeinde Zeppelinheim. Der Ortsbezirk Gravenbruch umfasst Flur 25 der Gemarkung Neu-Isenburg.[22]
Bei der Ortsgründung 1699 hatte Neu-Isenburg 46 Einwohner. 1829 waren es 1576; 1890 wohnten hier 5.894 Menschen. Im Jahre 1939 wurden in Neu-Isenburg 15.078 Einwohner gezählt. Bis 1961 waren es 25.362.[23] Die Zahl erhöhte sich deutlich auf 34.856 im Jahr 1970.[24] Nach der Eingemeindung Zeppelinheims und dem Bau von Gravenbruch lebten im Jahr 1983 35.000 Menschen in der Stadt. Im März 2020 wurden 38.190 Einwohner gezählt.[25]
Die Stadtverordnetenversammlung ist das oberste Organ der Stadt. Ihre politische Zusammensetzung wird alle fünf Jahre in derKommunalwahl durch die Wahlbevölkerung der Stadt bestimmt. Wählen darf, wer das 18. Lebensjahr vollendet hat und deutscher Staatsbürger im Sinne des Grundgesetzes oder Staatsangehöriger eines der übrigen Mitgliedstaaten der Europäischen Union ist. Für alle gilt, dass sie seit mindestens drei Monaten in der Stadt gemeldet sein müssen.
Der einzelne Wähler hat die Möglichkeit, seine Stimmen auf mehrere Kandidaten – auch solche verschiedenerWahllisten – zu verteilen (Panaschieren) oder auf einzelne Kandidaten anzuhäufen (Kumulieren). Dafür stehen dem Wähler so viele Stimmen zur Verfügung, wie esSitze zu vergeben gilt. Für die Stadtverordnetenversammlung sind dies 45.
Nach denKommunalwahlen 2016 wurde eine Koalition ausCDU,Grünen,FDP undFWG gegründet, eine sogenannteTansania-Koalition. Diese Koalition wurde am 25. Juli 2018 von Seiten der FDP aufgekündigt, die restlichen Koalitionspartner hielten an der (Sansibar-)Koalition fest.[26]
Vom 29. Januar 2018 bis zur Kommunalwahl 2021 waren der ehemaligeAfD-FraktionsvorsitzendeBernd Vohl, MdL, und das AfD-Mitglied Wolfgang Hufer fraktionslos.[27]
prozentualer Anteil an den abgegebenen gültigen Stimmen
Es waren 45 Stadtverordnete sowie die Ortsbeiräte der Stadt für dieLegislaturperiode vom 1. April 2021 bis 31. März 2026 zu wählen. Von 27.727 Wahlberechtigten gingen 11.553 zur Wahl. Somit stieg die Wahlbeteiligung von 40,4 % im Jahr 2016 auf 41,7 % im Jahr 2021.
Am 1. Februar 2022 verließ der Grünen-Stadtverordnete Timm Junker die Fraktion, da er die „Montagsspaziergänge“ in Neu-Isenburg organisiert hatte und seine Fraktion dies nicht tolerierte. Er ist nun als fraktionsloser Stadtverordneter im Stadtparlament.[32]
Nach der hessischen Kommunalverfassung wird derBürgermeister für eine sechsjährige Amtszeit gewählt, seit dem Jahr 1993 in einerDirektwahl, und ist Vorsitzender desMagistrats, dem in der Stadt Neu-Isenburg neben dem Bürgermeister hauptamtlich einErster Stadtrat und ehrenamtlich zehn weitereStadträte angehören. Die Stärke der in der Stadtverordnetenversammlung vertretenen Fraktionen spiegelt sich grundsätzlich in der Zusammensetzung des ehrenamtlichen Magistrats wider.[33] Bürgermeister ist seit dem 11. April 2022Dirk Gene Hagelstein (SPD), der in der Kommunalpolitik zuletztFraktionsvorsitzender seiner Partei war.[34] Er wurde als Nachfolger von Herbert Hunkel, der nach zwei Amtszeiten nicht wieder kandidiert hatte,[35] am 10. Oktober 2021 in einer Stichwahl bei 34,1 Prozent Wahlbeteiligung mit 50,2 Prozent der Stimmen gewählt.[36]
Blasonierung: „Gespalten und hinten geteilt; vorn neunmal geteilt von Rot und Silber (Weiß); hinten oben in Silber (Weiß) zwei schwarze Balken, unten geteilt von Rot und Gold (Gelb).“[39]
Wappenbegründung: Das 1899 vonGroßherzog Ernst Ludwig verliehene Wappen vereinigt heraldische Hinweise der früheren drei Herrschaften über Neu-Isenburg. Die rot-silberne Teilung steht für die Zugehörigkeit zumGroßherzogtum Hessen; die schwarzen Balken entstammen dem Wappen des namensgebenden HausesIsenburg und die rot-goldene Teilung führten die Herren vonMünzenberg-Falkenstein im Schild.
DasBanner ist rot-weiß-rot im Verhältnis 3:7:3 längsgestreift mit dem aufgelegten Wappen oberhalb der Mitte.[40]
Neu Isenburg liegt in unmittelbarer Nähe zur MessestadtFrankfurt und zumFlughafen. Die Stadt hat sich vom Standort für produzierendes Gewerbe in einen Dienstleistungsstandort gewandelt.
Die Planungen für die Neu-Isenburger Stadthalle Hugenottenhalle (im Volksmund auch „Huha“ genannt) gehen bis ins Jahr 1963 zurück. Die am 13. Februar 1977 eröffnete[45]Mehrzweckhalle bietet je nach Bestuhlung zwischen 100 und 1040 Besuchern Platz,[46] bei Rockkonzerten kann das Fassungsvermögen darüber hinaus unter Verzicht auf die Bestuhlung weiter erhöht werden. Die Halle ist ein regional bekannter Veranstaltungsort für Konzerte und unterhält auch eine eigene Theaterreihe. Die 1979 vor der Hugenottenhalle aufgestellte Skulptur, ein stilisierter schwarzer Stier, wurde von dem in Neu-Isenburg geborenen KünstlerKarl Rödel geschaffen.[45]
Die gemeinsam mit der Hugenottenhalle erbaute Stadtbibliothek Neu-Isenburg wurde 1977 gegründet[47] und hat in dem mittlerweile eingestellten Bibliotheksindex BIX desDeutschen Bibliotheksverbands im Jahre 2010 im bundesweiten Vergleich den 6. Platz unter den öffentlichen Bibliotheken erreicht.[48] Im Jahr 2011 belegte sie im Vergleich der öffentlichen Bibliotheken in Hessen erneut den ersten Platz. Beim Vergleich der Stadtbüchereien in Städten mit 30.000 bis 50.000 Einwohnern erreichte sie Platz fünf.[49] Der Bestand umfasst etwa 70.000 Medien,[50] davon über 50.000 Bücher und 162 laufende Zeitschriften.[47] Seit 2009 nimmt die Bibliothek auch an derOnleihe teil, darüber sind fast 170.000 E-Books verfügbar.[47] Außerdem ist sie amBibliotheksverbund Bibliotheken Rhein-Main beteiligt.[51]
DasStadtarchiv Neu-Isenburg sammelt außer denarchivwürdigenAkten derStadtverwaltung und historischen Urkunden auch zahlreiche Dokumente aus der Geschichte der Stadt und derZivilgesellschaft.[52] Der Bestand umfasst etwa 10.000 Zeitungsausschnitte und laufende Zeitungsjahrgänge mit Berichten über die Stadt, ca. 6.000 Fotografien, Karten und Pläne sowie die „Alte Einwohnerkartei“ aus dem Zeitraum 1876–1930. AuchArchivalia der beiden Neu-Isenburger Sportvereine Turn- und Spielervereinigung (TSG) 1885 undSpielvereinigung 03 werden hier aufbewahrt. Zur Sammlung zählt auch eine Präsenzbibliothek mit einem Bestand von etwa 800 Bänden zur Neu-Isenburger Geschichte.[53]
Der Bestand wird zunehmendretrodigitalisiert und ist seit 2023 inArcinsys Hessen recherchierbar.[54][55] Der Bestand wird teilweise in Ausstellungen präsentiert. Öffentlich zugänglich ist das Stadtarchiv Neu-Isenburg seit 2001.[56]
ImHaus zum Löwen befindet sich das Heimatmuseum, dessen Ausstellung zur Geschichte und Kultur der Stadt im Jahr 2011 neu konzipiert worden ist. Das Haus wurde 1978 wieder aufgebaut.[57]
ImBertha Pappenheim Haus wird eine Ausstellung zu Leben und WerkBertha Pappenheims gezeigt. Außerdem ist dort eine Seminar- und Gedenkstätte untergebracht, in der Veranstaltungen zu Themen stattfinden, die einen Bezug zu ihrem Wirken in Neu-Isenburg haben (Vorträge und Tagungen zu jüdischem Leben, Aspekte des Nationalsozialismus in Neu-Isenburg, christlich-jüdischer Dialog, Frauenrechte).[58]
Im Stadtteil Zeppelinheim befindet sich dasZeppelin-Museum, das an die Vergangenheit dieses Ortsteils als Fliegerquartier des Frankfurter Flughafens erinnert und Exponate aus der Zeit der Zeppeline bereithält.
Aus der Theatergruppe der Goetheschule entwickelte sich 1994 dasNeu-Isenburger Mundart-Ensemble, das heute eines der erfolgreichsten Mundart-Schauspielensembles Südhessens ist.
Neu-Isenburg ist imRhein-Main-Gebiet insbesondere für das jährlich im Sommer stattfindende MusikfestivalOpen Doors (bis 2003: „Musikspektakel“) bekannt. Drei Tage lang spielen etwa 70 verschiedene Bands und Künstler sämtlicher Musikrichtungen bei freiem Eintritt auf. Im Fokus der Veranstaltung stehen Bands und Künstler, welche auf den rund 18 bis 20 Bühnen im Stadtzentrum spielen, teilweise in den örtlichen Gaststätten. Die Hauptbühne ist die überregional bekannte Hugenottenhalle. Das Festival wird durch Spender und Sponsoren getragen.
Seit 2003 verleiht der Magistrat den mit 1500 Euro dotierten Jugendkulturpreis an junge Menschen im Alter von 14 bis 19 Jahren für herausragende kulturelle Leistungen. 2003 wurde der Preis an die Rockband „Pillow Fight“ vergeben. 2007 ging der Preis an die Online-Schülerzeitung „kurzschluss“ der Goetheschule.
Die Stadt Neu-Isenburg betreibt mehrere Sportplätze, die den Bürgern und den Vereinen zur Verfügung gestellt werden, einige davon befinden sich im Sportpark, der im Westen der Stadt gelegen ist.
Jährlich Mitte September wird derHugenottenlauf ausgerichtet. Die Teilnehmer können zwischen Strecken über 21,1 sowie 10 und 5 km wählen. Für Jugendliche gibt es einen Lauf über 3,5 km. Start und Ziel sind im städtischen Sportpark.[59]
Zu den größeren Sportvereinen der Stadt zählen die Turn- und Sportgemeinschaft 1885 e. V. Neu-Isenburg, dieSpielvereinigung 1903 Neu-Isenburg und der ehemalige Tennis-BundesligistTC Rot-Weiss Neu-Isenburg sowie der Turnverein 1861 Neu-Isenburg.
2021 bewarb sich die Stadt alsHost Town für die Gestaltung eines viertägigen Programms für eine internationale Delegation derSpecial Olympics World Summer Games 2023 in Berlin. 2022 wurde sie als Gastgeberin für die fünfköpfige Delegation vonSpecial Olympics Guyana ausgewählt.[60][61] Damit wurde die Stadt Teil des größten kommunalen Inklusionsprojekts in der Geschichte der Bundesrepublik mit mehr als 200 Host Towns.[62]
DasNaturschutzgebietBruch von Gravenbruch (NSG-Kennung 1438008) liegt in einem ausgedehnten Waldbereich nördlich der Landesstraße L3117 östlich von Neu-Isenburg und westlich des StadtteilsGravenbruch. Es umfasst einen etwa 93,47Hektar großen Waldbestand.[63][64] Zweck der Unterschutzstellung ist es, die extensiv genutzten beziehungsweise brachgefallenen Wiesenflächen mit den diese umgebenden naturnahen Wäldern, insbesondere Bruchwäldern, als Lebensstätte für die von unterschiedlichen Feuchtigkeitsstufen bestimmten Pflanzen- und Tiergesellschaften mit einem hohen Anteil bestandsgefährdeter Arten zu erhalten.[65]
Mit identischem Flächenzuschnitt ist das Naturschutzgebiet auch als FFH-Gebiet DE-5918-304 NSG Bruch von Gravenbruch ausgewiesen. Dadurch gehört es zum europäischen Schutzgebietsnetz Natura 2000.
Der NameBruch leitet sich von Sumpf ab. Es handelt sich um einNiedermoor, das gut 300 Jahre bis zu seiner jetzigen Biotopstruktur benötigt hat.[66] Zu den Besonderheiten gehört ein hoher Grundwasserstand. Die zahlreichen Kleingewässer sind bedeutsam für die Amphibienwelt. Im Jahr 1984 konnte derBruch von Gravenbruch wegen seines hohen ökologischen Werts und nach Bemühungen der Stadt Neu-Isenburg, derHessischen Gesellschaft für Ornithologie und Naturschutz (HGON) und desNaturschutzbundes Deutschland (NABU) vom Regierungspräsidium Darmstadt als Naturschutzgebiet (NSG) ausgewiesen werden.
Zwei der eingeschlossenen Wiesenflächen, dieEirundwiese und dieSchönseewiese, sind auch floristisch interessant. Im NSG wurden rund 200 Pflanzenarten festgestellt, von denen 16 auf der Roten Liste stehen. Darunter befinden sich die vom Aussterben bedrohte Hartmans Segge (Carex hartmanii), die Faden-Segge (Carex lasiocarpa) und der Sumpf-Haarstrang (Peucedanum palustre). Weitere besondere Arten sind Sumpf-Veilchen (Viola palustris), Sumpf-Blutauge (Comarum palustre) und der Gemeine Wasserschlauch (Utricularia vulgaris), der zu den tierfangenden Pflanzen gehört. Es gibt Reptilien (Ringelnatter), Amphibien (Springfrosch und Laubfrosch) sowie seltene Vogelarten wie Schwarzspecht, Neuntöter, Misteldrossel und Baumpieper.[67]
NSG Gehspitzweiher bei Neu-Isenburg
DasNaturschutzgebietGehspitzweiher bei Neu-Isenburg (NSG-Kennung 1438005) liegt südwestlich von Neu-Isenburg im Waldgebiet zwischen B 44 undBahnstrecke Frankfurt am Main–Heidelberg südlich der L 3117. Die nordsüdliche Länge beträgt etwa einen Kilometer, die Breite schwankt meist zwischen 200 und 300 Metern. Der Grubenboden liegt ca. 20 Meter unter dem Niveau des umgebenden Geländes. Das Naturschutzgebiet, im Wald zwischenZeppelinheim und Neu-Isenburg gelegen, umfasst eine Fläche von ca. 25Hektar, die sich im Eigentum der StadtFrankfurt befindet. Es handelt sich um eine ehemalige Abbaugrube, die zunächst durch Ausbeutung von Lehmablagerungen, später von Sanden und Kiesen durch die Firma Philipp Holzmann entstand. Zwischenzeitlich als Badesee genutzt, gelang die Unterschutzstellung des Gebiets im Jahr 1981.
Das Naturschutzgebiet Gehspitzweiher ist auf Grund seines Artenreichtums sehr wertvoll. So wurden hier 98 verschiedene Vogelarten beobachtet, unter ihnen Flussuferläufer, Fischadler, Baumfalke, Bekassine, Zwergtaucher, Haubentaucher und Eisvogel. Außerdem leben im und am Gehspitzweiher acht Amphibienarten: Bergmolch, Teichmolch, Erdkröte, Kreuzkröte, Laubfrosch, Springfrosch, Wasserfrosch und Grasfrosch. Dazu kommen 20 Heuschreckenarten, 26 Libellenarten, 18 Tagfalterarten, verschiedene Laufkäfer, Hautflügler und nicht zuletzt verschiedene Säugetiere, speziell Fledermäuse. Von den Insekten, die hier einen neuen Lebensraum gefunden haben, sind besonders die Blauflügelige Ödlandschrecke (Oedipoda caerulescens) sowie 25 Libellenarten, darunter als große Besonderheit die im Jahr 2009 entdeckte Zierliche Moosjungfer (Leucorrhinia caudalis) zu nennen. Ferner wurden im NSG acht Amphibienarten und etwa 250 Pflanzenarten festgestellt.
Im 18. Jahrhundert wurde der Abbau von Lehm im Alten Heegwald für eine dort ansässige Ziegelei genehmigt. 1872 erwarb die FirmaPhilipp Holzmann zehnMorgen Ackerland am Sprendlinger Weg und sämtliche Einrichtungen zur Backsteinproduktion. Der Kleinbetrieb entwickelte sich zur umfangreichen Fabrikanlage mit Gleisanschluss nach Neu-Isenburg. Der Lehmabbau wurde ab 1945 abgelöst durch jahrzehntelangen Abbau tiefer gelegener Kiese mit Nassbaggerung. Ab Anfang der 1960er-Jahre war zunächst ein illegaler, ungeregelter Badebetrieb zu beobachten, später gab es einen abgesperrten Badebereich und Pläne der Stadt Frankfurt, eine Regattastrecke und ein Hotel zu errichten. Ab 1969 stellte man ein Absinken des Grundwasserspiegels um etwa fünf Meter fest, was einen kahlen, sandigen Grubenboden mit vereinzelten kleineren Wasserflächen zurückließ. Die Grube war nicht mehr kommerziell als Badesee nutzbar, und die Pläne der Stadt Frankfurt mussten verworfen werden. Das Erscheinen desFlussregenpfeifers und anderer seltener Vogelarten sowie vonKreuzkröten weckte das Interesse vonOrnithologen und anderen Naturschützern, die ein erstes Gutachten erstellten. Etwa 1970 wurde der Kies-Abbau im Wesentlichen eingestellt. 1976 wurde zur Stabilisierung des Fischbesatzes eine Vertiefung im Grubenboden angelegt. 1977 stellte dieHessische Gesellschaft für Ornithologie und Naturschutz (HGON) einen Antrag auf Ausweisung als Naturschutzgebiet (NSG). Ab 1977 erfolgte eineRekultivierung durch Aufforstung von Süd- und Osthang der Grube mitGrauerlen,Robinien,Kiefern undSanddorn. Mit Verordnung vom 20. November 1981 erfolgte die Ausweisung alsNaturschutzgebiet.[68]
Zweck des Schutzes ist die Sicherung eines im Sukzessionsstadium befindlichen wertvollen Rückzugsgebietes für bestandsgefährdete Amphibien- und Pflanzenarten. Im Jahre 2016 wurde versucht, ein neues Schutzkonzept zu entwickeln, um den Interessen des Naturschutzes und der Öffentlichkeit größtmöglich dienen zu können.[69]
Rüdiger Marmulla (* 1963), deutscher Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurg, entwickelte neue Instrumente und Methoden für diechirurgische Navigation, besuchte die Neu-Isenburger Goetheschule[72]
Thomas Knaus (* 1974), deutscher Bildungswissenschaftler (Medienpädagoge) und Hochschullehrer, er wuchs in Neu-Isenburg auf und lebte dort bis 2011.
Hartmut Honka (* 1978), deutscher Politiker, wuchs in Neu-Isenburg auf und lebte dort bis 2005.
Werner Bremser, Alfred Harder:Die Entdeckung einer Idylle: Zeppelinheim. edition momos, Neu-Isenburg. 144 Seiten.
Heidi Fogel:Neu-Isenburger Geschichtsbuch. Von der Hugenottensiedlung zur modernen Stadt. Hrsg.: Verein für Geschichte, Heimatpflege und Kultur. edition momos, Neu-Isenburg 2016,ISBN 978-3-930578-28-3.
Peter Holle, Jutta Storck:Wahrlich ein gastlicher Ort – Die Neu-Isenburger Gastronomie, Geschichte und Geschichten. Edition Momos. Neu-Isenburg. 2010,ISBN 978-3-930578-22-1.
Magistrat der Stadt Neu-Isenburg (Hrsg.):Neu-Isenburg zwischen Anpassung und Widerstand. Dokumente über Lebensbedingungen und politisches Verhalten 1933–1945. Bearbeitet und eingeleitet von Dieter Rebentisch, Angelika Raab. Neu-Isenburg. 1978.
Magistrat der Stadt Neu-Isenburg (Hrsg.): Heidi Fogel.Neu-Isenburg auf dem Weg vom Dorf zur Stadt an der Wende vom 19. zum 20. Jahrhundert. Zum 100. Jahrestag der Stadterhebung Neu-Isenburgs am 21. August 1894. 1994.
Dirk Wölfing:Das welsche Dorf wird Industriestadt. Eine Zeitreise von der Gründung zur frühindustriellen Gesellschaft Neu-Isenburgs. Hrsg.: Verein für Geschichte, Heimatpflege und Kultur Neu-Isenburg. Neu-Isenburg 2024,ISBN 978-3-00-079546-6.
↑abAndreas Kalesse:Nowawes – eine friderizianische Kolonie auf einem religiös motivierten Grundriss, in: Mitteilungen der Studiengemeinschaft Sanssouci e. V. 11 (2006) S. 61–70, 62 (online (Memento vom 21. August 2022 imInternet Archive))
↑Johann Ludwig Klüber (Hrsg.):Kaiserlich-östreichisches Patent wegen der Übergabe der Oberhoheit über verschiedene fürstlich und gräflich-isenburgische Gerichte, anKurhessen; ferner der Oberhoheit über die übrigen unter Benennung Fürstenthum Isenburg vereinigt gewesenen Gebietstheile, über die gräflich-schönbornscheHerrschaft Heusenstamm, diefreiherrlich-groschlagischeHerrschaft Eppertshausen, dengräflich-ingelheimischen OrtObererlenbach und diegräflich-solmsische Hälfte des OrtesNiederursel, an das Großherzogthum Hessen Offenbach, den 9. Juli 1816, No. XXXVII., in: Johann Ludwig KlüberStaatsarchiv des teutschen Bundes. Band 1. (J. J. Palm und Ernst Enke), Erlangen 1816, S. 419–421books.google.de;Convention Territorial entre le Grand Duc de Hesse et Electeur de Hesse. – Signèe à Francfort sur Mein, le 29 Juin, 1816. British and Foreign State Papers 1815–1816, Band 3, Compiled by the Librarian and Keeper of the Papers, Foreign Office, James Ridgway and Sons, Piccadilly, London 1838, S. 812–819; (größtenteils in deutscher Sprache)books.google.de; auch abgedruckt inGrindaha 26, Geschichtsverein Gründau e. V., Gründau 2016ISSN2194-8631 S. 4–12 mit Anmerkung von Norbert Breunig.
↑abHeidi Fogel:Wasser, Energie und Mobilität für Neu-Isenburg. Zum 120. Geburtstag der Stadtwerke. In:Isenburger Nr. 87, September 2018, S. 18–19 (der-isenburger.de PDF).
↑Heidi Fogel:Neu-Isenburger Geschichtsbuch: Von der Hugenottensiedlung zur modernen Stadt. 3. Auflage. edition momos Verlagsgesellschaft, Neu-Isenburg 2016,ISBN 978-3-930578-28-3.
↑Magistrat der Stadt Neu-Isenburg (Hrsg.):Neu-Isenburg zwischen Anpassung und Widerstand. Dokumente über Lebensbedingungen und politisches Verhalten 1933–1945. Bearbeitet und eingeleitet von Dieter Rebentisch, Angelika Raab. Neu-Isenburg. 1978, S. 237.
↑Magistrat der Stadt Neu-Isenburg (Hrsg.):Neu-Isenburg zwischen Anpassung und Widerstand. Dokumente über Lebensbedingungen und politisches Verhalten 1933–1945. Bearbeitet und eingeleitet von Dieter Rebentisch, Angelika Raab. Neu-Isenburg. 1978, S. 49.
↑Magistrat der Stadt Neu-Isenburg (Hrsg.):Neu-Isenburg zwischen Anpassung und Widerstand. Dokumente über Lebensbedingungen und politisches Verhalten 1933–1945. Bearbeitet und eingeleitet von Dieter Rebentisch, Angelika Raab. Neu-Isenburg. 1978, S. 109–114 mit mehreren Abbildungen.
↑Magistrat der Stadt Neu-Isenburg (Hrsg.):Neu-Isenburg zwischen Anpassung und Widerstand. Dokumente über Lebensbedingungen und politisches Verhalten 1933–1945. Bearbeitet und eingeleitet von Dieter Rebentisch, Angelika Raab. Neu-Isenburg. 1978, S. 234 ff.
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↑Stadtarchiv. In: Website der Stadt Neu-Isenburg. 18. Juni 2025, abgerufen am 18. Juni 2025.
↑Stadtarchiv Neu-Isenburg. Website der Stadt Neu-Isenburg, 18. Juni 2025, abgerufen am 18. Juni 2025 (Pressemitteilung zum Jahresbericht des Stadtarchivs Neu-Isenburg zu den Jahren 2023/2024).