

EineOnline-Community (englisch fürInternet-Gemeinschaft) ist eine organisierte Gruppe von Menschen, die imInternet miteinanderkommunizieren und teilweiseim virtuellen Rauminteragieren. Auf der technischen Grundlage eines sozialen Mediums (Social Media), das alsPlattform zum wechselseitigen Austausch von Meinungen, Erfahrungen und Informationen eingesetzt wird, ergibt sich ein abgrenzbaressoziales Netzwerk von Nutzern mit von ihnen erzeugten Inhalten.
In der Fachliteratur findet sich überwiegend die BezeichnungOnline-Community, seltenervirtuelle Community (im Englischenonline community mit rund 60 Prozent gegenüber 40 Prozentvirtual community).[1] DerDuden online verzeichnet nur das GrundwortCommunity und gibt bei derMehrzahl entsprechend dem amtlichen Regelwerk desRats für deutsche Rechtschreibung die SchreibweiseCommunitys als einzig korrekte Pluralform an.[2] In der Praxis ist auch die MehrzahlCommunities gebräuchlich.[1]
Bezeichnungen wiedie Netzgemeinschaft,Netzgemeinde,Netzcommunity,Internetgemeinschaft,Internetgemeinde,Internet-Community,Internet-Szene usw. werden gerne vonSprachpflegern, Politikern und manchmal Medien genutzt, um etwa in politischen Diskussionen[3] die Gesamtheit der Internet-Benutzer zu bezeichnen. Dabei werden entweder alle Mitglieder aller Online-Communitys als zu einer umfassenden Nutzergemeinschaft gehörend betrachtet – oder die Online-Communitys eines Staates beziehungsweise einer Sprachgemeinschaft werden als Gemeinschaft verstanden (z. B.die deutsche Netzgemeinschaft).
Eine Community-Plattform im Internet stellt grundlegende Werkzeuge wieE-Mail,Forum,Chatsystem,Instant Messaging,Schwarzes Brett oderTauschbörse bereit, um den Austausch zwischen ihren Mitgliedern zu ermöglichen und zu organisieren. Vorbedingung zur Nutzung ist fast immer eine Registrierung als Mitglied. Zur angemeldeten Teilnahme wird einBenutzerkonto angelegt; in den meisten Fällen werden selbstgewähltePseudonyme als Benutzernamen verwendet. Teilweise erhalten auch nicht-angemeldeteGäste einen Zugang, aber meist sehr eingeschränkt.
DieInternetsoziologie sieht das Internet als gesellschaftlichen Raum und Online-Communitys als Teil derNetzkultur und derCybergesellschaft (siehe auchCyberanthropologie), sie erforscht die sozialen Auswirkungen derdigitalen Kommunikation auf die Nutzer, vor allem im Hinblick aufGruppenbildung. ImMarketingbereich werden Konsumverhalten und Produktbindungen in Online-Communitys untersucht (siehe auchNetnographie).
Als eine der ersten Communitys im Internet kann der netzbasierte DebattierclubThe WELL (the Whole Earth ’Lectronic Link) angesehen werden, der 1985 inSausalito in Nordkalifornien vonStewart Brand undLarry Brilliant gegründet wurde.[4] Allerdings lassen sich auch die erstenMailinglisten undNewsgroups als abgegrenzte Communitys auffassen (siehe auchGeschichte der sozialen Netzwerke). Der amerikanischeSozialwissenschaftlerHoward Rheingold verwendete als erster in seinem BuchThe Virtual Community 1993 die Bezeichnungvirtuelle Gemeinschaften, die heute als Online-, Net-, Cyber- oder E-Communitys bekannt sind. Mit der Entwicklung zum interaktivenWeb 2.0 nahmen ab 2005 die Möglichkeiten zur Communitybildung erheblich zu.
Die Gemeinschaften haben im Einzelfall unterschiedliche, treibende Faktoren, die ihre jeweilige Ausrichtung bestimmen.
Eine kommerzielle Online-Community ist ein geschlossenes Netzwerk, das unter Aufsicht einesUnternehmens steht. Die Gemeinschaft nutzt dabei zur Kommunikation dieInfrastruktur des Unternehmens. Auch dieModeration undAdministration wird meist von dem Unternehmen übernommen. Geschäftliche Online-Communitys erlauben im Unterschied zu nicht-kommerziellen meist nicht die freie Wahl eines Vorstandes und lassen Werbeeinnahmen nicht nur Gemeinschaftszwecken zukommen, sondern nutzen diese, um Gewinn auszuschütten. Eine besondere Form einer kommerziellen Online-Community ist dasKundenforum, das den Kunden die Kommunikation untereinander über die angebotenen Produkte und Dienstleistungen ermöglicht und ihnen den Aufbau einer eigenen Kommunikationsplattform erspart.
Viele geschlosseneSocial Network-Dienste wie z. B.Facebook sind mit einer kommerziellen Online-Community verbunden und erlauben über ihr System keine Kommunikation mit Mitgliedern anderer Communitys. Dazu zählen auch Dienste mit einer bestimmten Ausrichtung wie z. B.Xing. Hier haben die Gruppen eher thematischen Bezug zum beruflichen Alltag.
Online-Dienstleistungsanbieter verbinden ihr Angebot mit einer kommerziellen Online-Community, um Kunden an sich zu binden. Bei einem Wechsel des Anbieters müssen Kunden auf diese Weise nicht nur die Qualität der jeweiligen Dienstleistung, sondern auch die mit der Dienstleistung verbundene Community beachten. Ein bekannter Anbieter ist der Foto-HosterFlickr.
DerMikroblogging-DienstTwitter ist mit einer geschlossenen kommerziellen Online-Community verbunden. Ähnliche Dienste wieIdenti.ca erlauben über den offenenOStatus-Standard die Kommunikation mit beliebigen Personen.
ImOnline-Journalismus spielen Leser-, Hörer- und Zuschauer-Communitys bei der Leser-Blatt-Bindung eine wichtige Rolle.
Ab 2002 erscheinen im Internet auch kommerzielle,geschlossene Shopping-Communitys, die erst durch eine Einladung eines Mitgliedes oder mit Hilfe eines sogenannten Club-Schlüssels betreten werden können.
Themenorientierte Communitys erhalten ihre Anziehungskraft aus einem Thema, das alle Nutzer eint. Dies kann ein Hobby sein, wie beiScience-Fiction- und Sport-Communitys, oder der Glaube bei religiösen Communitys, oder politische Diskussionen bei Politcommunitys.
Eine Wiki-Community ist eine Online-Community, die sich um einWiki-Projekt herum bildet. Den Nutzern hier geht es im Unterschied zu Nutzern anderer Untergruppen von Online-Communitys darum, gemeinsam – zumeist textliche – Inhalte online zu erstellen und sie anderen Nutzern zur Verfügung zu stellen. So verfolgt beispielsweise dieWikipedia seit ihrer Gründung 2001 das Ziel der „Erstellung eines freien Onlinelexikons in zahlreichen Sprachen“. Über diese Inhaltserstellung finden teilweise heftige Diskussionen statt. Wikis benutzen dafür eine spezielleWiki-Software und sind weniger über Chat oder Foren organisiert, es finden aber auch Offline-Treffen im realen Leben statt.
EineVoting- oder Rating-Community ist eine Online-Community, deren Mitglieder sich einer Bewertung durch andere Mitglieder stellen. Einige dieser Communitys lassen auch Bewertungen durch Nichtmitglieder zu. In den meisten Fällen werden ausschließlich Fotos der Mitglieder zur Bewertung gestellt, die üblicherweise auf einerRating-Skala mit 0 bis 10 Punkten bewertet werden können. Einige wenige Communitys dieser Art legen jedoch bewusst Wert darauf, dass die Bewertungen nicht nur die Bilder betreffen sollen, sondern den Gesamteindruck aus Fotos, Vorstellungstexten, Beiträgen in eventuell vorhandenen Foren, privatem Kontakt und anderem.
In den meisten Voting-Communitys laufen die Abstimmungen ununterbrochen, es werden höchstens Wochen- oder Monatsbeste gekürt und dann auf der Hauptseite der Community entweder direkt oder perLink präsentiert. Einige wenige Voting-Communitys führen allerdings tatsächlich ein Jahr lang laufende Runden durch und küren am Ende eine Siegerin und/oder einen Sieger, ähnlichSchönheitswettbewerben.
Eine Entwickler-Community oderEntwicklungs-Community (manchmal auch im DeutschenEntwicklergemeinschaft genannt) ist eine Online-Gemeinschaft, deren Mitglieder zusammen an einem Projekt arbeiten, das durchE-Collaboration (elektronische Zusammenarbeit) eine technischeProduktentwicklung vorantreibt. Das Ziel eines solchen Projekts kannSoftware, elektronischeHardware, Geräte, Maschinen oder ein Bauwerk sein. Jakob Lochner weist darauf hin, dass es „auch draußen in der nicht-digitalen Welt“ Projekte gibt, die ähnlich wie die Entwicklung vonfreier Software funktionieren. Die meisten Entwickler-Communitys stellen das Ergebnis ihrer Arbeit der Öffentlichkeit unter einer Lizenz zur Verfügung, die den Prinzipien vonOpen Source entspricht.[5]
Entwicklungs-Communitys sind meist sehrinterdisziplinär und ausgerichtet auf das Hinarbeiten auf bestimmteMeilensteine, die in einem Lebenszyklus definiert sind. Koordiniert wird die Arbeit meist durch eineProjektleitung, die aus einer oder mehreren Personen besteht und nur über eine beschränkte Entscheidungsberechtigung verfügt. Wichtige Entscheidungen sowie die Wahl der Projektleitung werden von den meist weltweit verteilten Mitgliedern in Online-Abstimmungendemokratisch bestimmt.[6]
In der Regel werden auf einem per Internet zugänglichenVersionsverwaltungssystem Teile wieQuelltext,technische Zeichnungen, Entwürfe,Softwaretests oder technischeComputersimulationen zentral gespeichert. Sitzungen und der Gedankenaustausch zwischen einzelnen Mitgliedern erfolgt meist über einInstant-Messaging-System wie demInternet Relay Chat (IRC) oder über eineMailingliste.
Die Finanzierung der Infrastruktur (Server, Werkstätten, Testlabors) erfolgt entweder durch Spenden von Privatpersonen oder durch Unternehmen, die an den Resultaten der Arbeit einer Entwicklungs-Community interessiert sind. Teilweise stellen Unternehmen von ihnen angestellte Mitarbeiter oder Teile ihrer Infrastruktur einer Gemeinschaft kostenlos zur Verfügung.
Bekannte Beispiele für Projekt-basierte Entwicklungs-Communitys sind:
Daneben gibt es auch nicht Einzelprojekt bezogene Entwickler-Communitys. Die Collaboration der Community geht hier über die Grenzen eines einzelnen Projektes hinaus. Der Community bildende gemeinsame Nenner tritt hier durch die gemeinsamen Interessen hervor.
Eine Gaming-Community oderSpielergemeinschaft ist eine Online-Gemeinschaft, deren Mitglieder zusammen ein Spiel spielen und mehr oder weniger Zeit in die Pflege der Spielergemeinschaft sowie Themen rund um ein Spiel, eine Spiele-Serie oder auch ein Spiele-Genre investieren. Die Gemeinschaft kommuniziert dabei miteinander hauptsächlich durch diverse Online-Tools, aber auch im sogenanntenReal Life. Typische Online-Kommunikationsplattformen sind dabeiIRC,TeamSpeak,Discord, eigeneInternetforen, diverseInstant Messenger sowieChatprogramme usw.
Ziel dieser Spielergemeinschaften ist vorrangig sich über das Spiel auszutauschen sowie sich für das gemeinsame Spielen zu verabreden. Bei den Spielen handelt es sich meist um Spiele aus den BereichenMOBA,MMORPG,Ego-Shooter und auch allen möglichen Multiplayer-Spielen.Zu diesem Zweck werden von der Spielergemeinschaft u. a. die oben erwähnten Kommunikationsplattformen initiiert, verwaltet und gepflegt. Außerdem werden Beiträge zu dem Thema im gesamten Internet verbreitet.
Es wird sich auch über alle mit dem Spiel zusammenhängenden Themen ausgetauscht.Beispiele hierfür sind: